Der Soziologe auf dem Papstthron – Anmerkungen zum politischen Denken von Papst Franziskus

Time kürte Papst Franziskus zum Mann des Jahres 2013

(Rom) Italiens links geführte Regierung mit schwächelndem bürgerlichen Beiwagen drängt auf die Einführung der „Homo-Ehe“. Papst Franziskus ermutigt die Katholiken aber nicht, dagegen Widerstand zu leisten, sondern fordert sie zur Abrüstung auf. „Genau so machte er es auch in Argentinien“, so der Vatikanist Sandro Magister.
Während Franziskus die ohnehin nicht allzu wagemutigen katholischen Legionen in Sachen Homosexualität und Abtreibung lähmt, fordert er gleichzeitig eine massive Aufrüstung in Sachen Migrationsförderung und Armutsbekämpfung. Das katholische Kirchenoberhaupt mutet den Katholiken ein kontrastreiches Programm zu. In kleinen Schritten soll an dieser Stelle eine unvollständige, bestenfalls bruchstückhafte Annäherung an das politische Denken von Papst Franziskus versucht werden.

2010, Buenos Aires, Argentinien

„Jorge Mario Bergoglio mag die Straße in Feststimmung und betend, aber nie politisch aggressiv“, so Magister.

Konkret bedeutet das, daß er 2010 die Katholiken unverrichteter Dinge wieder nach Hause schickte, die sich ein Herz gefaßt hatten und vor dem argentinischen Parlament gegen die drohende Einführung der „Homo-Ehe“ protestierten. Der Erzbischof machte seine Autorität geltend, um die Katholiken davon zu überzeugen, den „Konflikt zu vermeiden“.

In einem privaten Brief an Klausurschwestern schrieb Bergoglio, daß bei der Einführung der „Homo-Ehe“ kein geringerer als der „Vater der Lüge“, der Teufel selbst am Werk sei, der „die Kinder Gottes verwirren will“. In der Öffentlichkeit sagte er aber kein Wort davon. Das Schreiben ließ er durchsickern. Kritiker warfen ihm bereits damals vor, er habe damit nur die frommen Katholiken beruhigen wollen, um sich dem Vorwurf zu entziehen, geschwiegen zu haben.

Als Bergoglio im März 2013 zum Papst gewählt wurde, erinnerten argentinische Katholiken schnell an sein schweigsames Verhalten von 2010. Und ebenso schnell kursierte als „Gegenbeweis“ der Brief mit der Gebetsaufforderung an die Karmelitinnen und der für europäische Ohren heftigen Nennung des Teufels höchstselbst, als Urheber der „Homo-Ehe“. Die Sache blieb damit unentschieden. So mögen es eigentlich Politiker gerne.

2015, Rom, Italien

In Italien, wie in anderen Ländern, bereiten Richter seit Jahren den Boden für einen radikalen Eingriff in das Ehe- und Familienrecht. 2012 wies der Oberste Gerichtshof zwar den Antrag auf Anerkennung einer im Ausland geschlossenen „Homo-Ehe“ ab, bemerkte aber in einem Nebensatz, daß die italienische Rechtsordnung nicht naturgegeben für eine Eheschließung einen Unterschied der Geschlechter voraussetze.

2014 waren es die Verfassungsrichter, die an einem Nebenschauplatz die Brechstange ansetzten, um die besondere Stellung und den Schutz der natürlichen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau in der Rechtsordnung aus den Angeln zu heben. Sie erklärten jenen Teil eines älteren Gesetzes für verfassungswidrig, das die automatische Auflösung der Ehe im Falle einer Geschlechtsumwandlung durch einen Ehepartner vorsah. Der Gesetzgeber habe „eine alternative Form“ einzuführen.

Mit dem Gesetzesdekret Cirinnà soll die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe in das Bürgerliche Gesetzbuch eingeführt werden. Faktisch wird ein neues Rechtsinstitut nur für Homosexuelle geschaffen. Damit sollen homosexuelle Partnerschaften der Ehe gleichgestellt, aber nicht als Ehe bezeichnet werden. Benannt ist der Gesetzesentwurf nach der linksdemokratischen Senatorin Monica Cirinnà, einer ehemaligen Grünen, die 2008, nachdem die Grünen bei den Parlamentswahlen den Wiedereinzug verpaßt hatten, zu den Linksdemokraten wechselte. Cirinnà ist mit einem ehemaligen linksdemokratischen Senator verheiratet.

Ihr Entwurf sieht auch die Ausweitung des Adoptionsrechts auf homosexuelle Paare vor, sofern es sich um Kinder handelt, die biologisch von einem Teil des Paares abstammen. Linke Politiker machen dabei kein Hehl daraus, daß diese Regelung nur die Vorstufe zur „Homo-Ehe“ sei. Das ideologische Postulat bleibt unerbittlich gegen die natürliche Ehe gerichtet. Was die politische Linke und Homo-Verbände nämlich als „Gleichstellung“ und Abschaffung einer „Diskriminierung“ fordern, sehen Katholiken, aber nicht nur sie, als ideologisch motiviertes Attentat auf Ehe und Familie als Grundzelle des Staates.

Am 26. Januar beginnt der italienische Senat die Debatte über den Gesetzentwurf.

Family Day, eine Million gegen die Gender-Ideologie

Am 20. Juni 2015 gingen am Family Day eine Million Menschen in Rom auf die Straße, um gegen die Legalisierung der „Homo-Ehe“ und gegen die Einführung der Gender-Theorie an den Schulen zu protestieren. Mit einer so imposanten Zahl hatten weder die Organisatoren und schon gar nicht die politischen Gegner gerechnet. Überrascht wurde auch der Vatikan.

Obwohl verschiedene Initiativen von Katholiken im Vatikan vorstellig wurden, will Papst Franziskus nichts von einem „Widerstand“ hören. Von seiner bereits 2010 eingenommenen Haltung rückt er nicht ab. Bischof Galantino, Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz und der „Mann des Papstes“ in diesem Gremium, hatte im Vorfeld „alles nur Denkbare“ unternommen, um den Family Day noch in der Wiege zu ersticken. Der Auftrag zu dieser Betriebsamkeit, darin sind sich Beobachter einig, konnte nur vom Papst selbst gekommen sein.

Allen Prügeln zum Trotz, die den Veranstaltern zwischen die Füße geworfen wurden, versammelte sich eine gigantische Menschenmenge. Der Papst aber hütete sich davor, der Großveranstaltung seinen Segen zukommen zu lassen.

Donner an ungehörter Stelle

Franziskus donnerte gegen „die neue ideologische Kolonialisierung, die die Familie zerstören wolle“, und „gegen die Gender-Theorie, jenen Irrtum des menschlichen Denkens“. Doch diese Worte sagte er nicht in Rom auf dem Petersplatz, sondern während seiner Südostasien-Reise im fernen Manila, vom Karnickel-Sager bestens zugedeckt, und in Neapel. Neapel wäre gar nicht so weit von Rom entfernt und immerhin die drittgrößte Stadt Italiens, doch der Papst sprach die Worte in einem Kontext ohne erkennbaren Zusammenhang. Dabei gilt das argentinische Kirchenoberhaupt als Meister darin, seinen Gesten und Worten bei Bedarf maximale Aufmerksamkeit zu sichern. Gleiches muß also auch im Umkehrschluß angenommen werden.

Handelt es sich nur um einen Caudillo-Populismus, wie er Franziskus von verschiedener Seite vorgeworfen wurde? Nur um taktische Flexibilität in der nüchternen Einschätzung der realpolitischen Machtverhältnisse? Rühren daher die widersprüchlichen Signale, etwa von Audienzen mit den reichsten Männern der Welt einerseits und antikapitalistischen Linksextremisten andererseits? Populismus, soviel steht fest, greift bei einem Jesuiten zu kurz. Was Franziskus wirklich in seiner Jugend und als junger Mann prägte, das Denken in seiner Familie und seiner Lehrmeister, wurde bisher zu wenig untersucht. Es ist kaum etwas darüber bekannt. Was hat es mit dem „argentinischen Weg“ der Befreiungstheologie auf sich, was mit der sogenannten „Volkstheologie“. Vor allem: Welche tatsächliche Bedeutung hatten und haben diese Ideen für Papst Franziskus? Papst Franziskus analysiert aus einem bestimmten Blickwinkel die Welt, verfügt über ein realpolitisches Denken und hegt persönliche Sympathien. Daraus ergibt sich jene „linkslastige“ Mischung, „sinistrosa“ sagte der Papst, über die er selbst scherzte. Ob mit den Superreichen wie Ronald Lauder (Jüdischer Weltkongreß) oder Eric Schmidt (Google), den Linksradikalen Alexis Tsipras (Syriza) oder Gianni Vattimo (Radikale, Linksdemokraten, Kommunisten), oder US-Präsident Barack Obama und UNO-General Ban Ki-moon: Papst Franziskus bleibt in seinen Kontakten streng in der linken Reichshälfte.

Doch zurück nach Italien: Im vergangenen November, als Franziskus in Florenz der italienischen Kirche die Leviten las, ließ er sie auch wissen, daß Katholiken ruhig Politik machen könnten, sich aber aus dem Kopf schlagen sollten, daß Bischöfe sie dabei anführen. Eine Mahnung an Bischöfe und Gläubige.

Bereits 2007 hatte ein Family Day stattgefunden und die schon von der damaligen Linksregierung beabsichtigte Einführung von eingetragenen Partnerschaften, auch homosexuellen, verhindert. Der Family Day 2007 war noch offiziell von der Bischofskonferenz organisiert worden. Davon konnte 2015 keine Rede mehr sein. Dem Teilnehmerandrang tat die von Bischof Galantino durchgeführte Distanzierung keinen Abbruch. Die Geltendmachung des Gewichts dieser Veranstaltung am Tag danach litt jedoch im Vergleich zu 2007 erheblichen Schaden. Jene, die nun die unüberhörbar gewordene Stimme des Volkes in die politische Waagschale legen hätten sollen, drückten sich herum. Die katholischen Politiker, kulturell chronisch in der Defensive, leiden, bis auf Ausnahmen, unter Nachgiebigkeit. Ohne Druck haben sie wenig Rückgrat. Der hätte von den Bischöfen zu kommen, was Papst Franziskus aber nicht will.

Volk ohne Hirten

Selbst Kirchenvertreter, die gegen Galantinos Willen den Family Day unterstützten, fügten sich anschließend dem „Bergoglio-Kurs“ und gingen auf Distanz. Kardinal Gualtiero Bassetti, der Erzbischof von Perugia und stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, war im Februar 2014 überraschend von Franziskus zum Kardinal erhoben worden, obwohl der Bischofssitz von Perugia nicht mit der Kardinalswürde verbunden ist, während der Patriarch von Venedig und der Erzbischof von Turin leer ausgingen. Bassetti hatte eifrig und erfolgreich zur Teilnahme am Family Day aufgerufen, der zu einer der größten nicht-linken Massenkundgebungen der europäischen Nachkriegsgeschichte wurde. Das will etwas heißen.

Doch heute redet Bassetti ganz anders. Der Family Day sei „gescheitert“ und sollte nicht wiederholt werden. Zum Jahresbeginn 2016 widersprach er gegenüber dem Corriere della Sera nur mehr dem Adoptionsrecht für Homosexuelle, meinte aber ansonsten, daß es „richtig“ sei, homosexuelle Paare, wenn auch nicht als Ehe, anzuerkennen.

Gleiches gilt für Gianluigi De Palo, den Vorsitzenden des katholischen Familienforums, eines 1992 gegründeten Dachverbandes, dem mehr als 40 katholische Organisationen angehören, von den katholischen Familienverbänden über die katholischen Juristen bis zur Bewegung für das Leben. Gegründet wurde das Forum, um unter den heutigen Gegebenheiten politischer Entscheidungsfindung Lobbying zu betreiben.

Ohne die Rückdeckung der katholischen Hierarchie wird dem katholischen Löwen jedoch der Zahn gezogen. In Sachen „Homo-Ehe“ ist dies nach dem Aufbäumen der Million im Juni 2015 weitgehend erfolgreich geschehen. Dabei bestätigen alle seriösen Meinungsumfragen, daß die Italiener, trotz einer homophilen Presse, mit einer erdrückenden Zweidrittel- bis Dreiviertel-Mehrheit die Gleich- oder Ähnlichstellung homosexueller Paare mit der Ehe und erst recht das Adoptionsrecht ablehnen: siehe die aktuellen Umfragen der Meinungsforschungsinstitute IPR Marketing, Piepoli, Renato Mannheimer und Ipsos, Ferrari Nasi & Associati.

Die Übereinstimmung mit der Gegenseite

Franziskus bevorzugte die Rolle des „sanften Papstes, die ihm in Sachen Homosexualität von einer wohlwollenden laizistischen Presse zugesprochen und von dieser in höchsten Tönen gefeiert wird. Dabei kann er zu anderen Fragen auch ganz andere Töne anschlagen, etwa wenn es um die Einwanderung und die Armut geht. Die Bruchlinie verläuft zwischen gesellschafts- und sozialpolitischen Themen. Wer eine linksliberale oder linke Haltung hat, wird sich sogar zu allen Themen in mehr oder weniger Übereinstimmung mit diesem Papst sehen. Genau dieser Umstand läßt zahlreiche Katholiken sich ungläubig die Augen reiben.

Was die Migrantenflüsse anbelangt, faßt Papst Franziskus seine unumstößliche Position mit einem Wort zusammen: „Willkommen“. Wer sich der „Willkommenskultur“ widersetzt oder auch nur Zweifel äußert, bekommt eine päpstliche Schelte verabreicht. Und was für eine: Ihnen schleudert Franziskus unterschiedslos und ohne jede Differenzierung das Wort „Schande“ entgegen.

Dabei hütet sich das Kirchenoberhaupt, irgendwen namentlich zu nennen. Das ist auch gar nicht nötig. Viele werden durch das Papstwort zum Schweigen gebracht. Wer die Massenzuwanderung will, weiß im Papst einen genialen Unterstützer und begnadeten Propagandisten an der Seite. Den politischen Willen mit der Moralkeule zu verknüpfen liefert das durchschlagende Instrumentarium für Merkels „alternativlosen“ Kurs.

Lampedusa – Emblem des politischen Denkens von Papst Franziskus

Kirchenvertreter, Kleriker wie Laien, die dem Papst und diesem Denken nahestehen, haben die Anklage bereitwillig aufgegriffen. Im Mund von Wiens Erzbischof, Christoph Kardinal Schönborn, wurde aus der „Schande“ ein „Schock, wirklich ein Schock“, daß ostmitteleuropäische Katholiken keine Begeisterung dafür aufbringen können, von islamischen Einwanderern überrollt werden zu sollen. Diese Ablehnung der Masseneinwanderung sei ein „Skandal“, tönte Schönborn im Dezember 2015 in der slowakischen Wochenzeitschrift Tyzden (Die Woche). „Eine Vernunftrechnung zeigt, dass Europa Millionen von Zuwanderern braucht, um unseren Lebensstil aufrechtzuerhalten“, so Schönborn. Spätestens an dieser Stelle steht man vor der versuchten Quadratur des Kreises.

Die kleine Insel Lampedusa wurde durch Papst Franziskus zum weltweiten Symbol der „Tragödie“ gemacht. Gemeint ist damit eine einseitige moralische Anklage gegen jede kritische Meinung zur Migrationsfrage, die keinen Widerspruch duldet. Hier zeigte sich das politisch-mediale Genie des Papstes. Desselben Mannes, der in Sachen Homosexualität, Gender-Theorie und Abtreibung zaudert wie ein mitteleuropäischer Bischof, als wüßte er nicht, wie mit Politik und Medien umzugehen sei.

Es fehlt in Rom nicht an Kritikern, die behaupten, daß Papst Franziskus, trotz scherzhafter Dementi, „links tickt“. Romanische Südländer hätten eine gewisse Distanz zum Dogmatismus, den sie durch Gefühlsbetontheit aufwiegen. Demnach, so die Kritik, sei Franziskus ein „Überzeugungstäter“. Sein Denken entspreche der politischen Linken. Im argentinischen Präsidentschaftswahlkampf im Herbst 2015 unterstützte er, beispielsweise, den linkspopulistischen Kandidaten, obwohl diese Richtung „Homo-Ehe“ und Abtreibung einführte.

Drei Päpste: Johannes Paul II. der Philosoph, Benedikt XVI. der Theologe, Franziskus der Soziologe

Ein namentlich leider nicht nennbarer Prälat an der Römischen Kurie brachte es wie folgt auf den Punkt: „Johannes Paul II. war der Philosoph, Benedikt XVI. der Theologe und Franziskus ist nun der Soziologe auf dem Papstthron“. Und weiter: „Nehmen Sie eine gesellschafts- oder sozialpolitische Frage, schauen Sie, welche Meinung die politische Linke dazu hat und Sie wissen, welche Meinung der Papst dazu hat, noch bevor er sich dazu äußert. Und je weiter links Sie nachfragen, desto näher kommen Sie seinem Denken.“

Auf die Nachfrage, ob das heiße, daß Franziskus der radikalen Linken näherstünde als der gemäßigten, also beispielsweise den Grünen und der Linkspartei näher als der Sozialdemokratie, bejahte der Prälat: „Im Zweifelsfall ja. Was die Sympathien angeht, fühlt sich Franziskus den Linksradikalen und sogar den Linksextremisten näher als den verbürgerlichten Sozialdemokraten, Linksliberalen oder Wohlstands-Grünen. Nur, das alles eben ohne die marxistisch-leninistische Revolution. Eben marxistische Befreiungstheologie ohne die Bezeichnung marxistisch. Er will keine Moskauer Sowjetdiktatur, keinen christlichen Marxismus, aber ein marxistisches Christentum. Marxistisches Denken für Marx ist laut Franziskus eine abzulehnende Ideologie, marxistisches Denken für Christus hingegen sein Ideal.“

Armut und radikaler Islam in der Lesart von Papst Franziskus

Italiens seit einem Jahr amtierender Staatspräsident ist Katholik und Linksdemokrat. Eigentlich eine derzeit jenseits des Tibers gerngesehene Mischung. Als Sergio Mattarella aber in der drückenden Einwanderungsfrage differenzierte und davon sprach, daß es Kriegsflüchtlinge gebe, denen geholfen werden müsse, aber auch andere Migranten gebe, die zurückzuweisen seien, herrschte eisiges Schweigen im Vatikan.

Der Armut in der Welt setzt Franziskus die Drei T entgegen, die übersetzt auf Land, Haus und Arbeit lauten. Dabei nehme der Papst, so der Politikwissenschaftler Angelo Panebianco, latent eine „Verschwörung“ der Kapitalisten gegen die Armen des Planeten an. Am 12. Juli auf dem Rückflug von Paraguay antwortete der Papst auf die Frage eines deutschen Journalisten, ob er in seiner Analyse nicht den Mittelstand vergesse: Ja, das sei ein „Fehler“. Sofort relativierte Franziskus jedoch diese Aussage, denn letztlich werde der Mittelstand „immer kleiner“, aufgerieben zwischen der zunehmenden sozialen Ungerechtigkeit zwischen Reichen und Armen. Die Lesart bleibt marxistisch.

Während Franziskus anfangs auch zum Islam und dem islamischen Terrorismus auffällig schwieg, wie er zur Abtreibung schweigt, nimmt er neuerdings Stellung. Er hält an der Umarmung der „abrahamitischen Religionen“ fest, die er vor der Klagemauer in Jerusalem mit einem jüdischen Rabbi und einem islamischen Imam vollzog, und beklagt die Gewalt im Namen der Religion, ohne den Islam, von dem konkret die Gewalt ausgeht, aber beim Namen zu nennen.

Die islamische Radikalität sieht Franziskus nämlich als Folge von westlicher Aggression und Armut. Auch darin bleibt Franziskus ganz Marxist. Das Negative am Islam sei eine Frage struktureller Ungerechtigkeiten und nicht etwa im Islam und im Koran selbst grundgelegt. Auch darin folgt Franziskus frappierend einer bestimmten Richtung.

„Auch hier scheint die politische Lesart des Papstes von der Wirklichkeit losgelöst. Und bleibt daher wirkungslos“, so der Vatikanist Sandro Magister.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Time (Screenshot)

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13 Comments

  1. Der Papst fördert (bewusst oder nicht ist hier nicht die Frage) mit dieser Haltung die Islamisierung Europas! Das bedeutet: dieser Papst ist eine Strafe für die Kirche!

  2. „… und dann wird der Gesetzlose geoffenbart werden, den der Herr verzehren wird durch den Hauch seines Mundes, und den er durch die Erscheinung seiner Wiederkunft beseitigen wird, ihn, dessen Kommen aufgrund der Wirkung des Satans erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte, Zeichen und Wunder und aller Verführung der Ungerechtigkeit bei denen, die verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können.“ 2 Thess 2,8-10

  3. er setzt einfach konsequent den Weg Paul VI Humanae Vitae war ein zugeständnis an die Konservativen um sie ruhig zu stellen in sachen Liturgie reform Ökumene ect heute stellen sie kein Problem mehr da also jetzt wird da kein zugeständnis mehr gemacht

    • Was fuer eine Arroganz!
      Die „boesen Konservativen“ halten den ganzen Laden doch noch zusammen.
      Sie haben die „alte Messe“ gerettet und durch ihre Beharrlichkeit das Moto Proprio von Papst Benedikt 16 erwirkt !
      Die „hochgelobte“ Konzilskirche ist doch faktisch tot !
      Kaum Kirchenbesucher, heillos zerspalten, in Aufloesung begriffen und mit einem „Hirten“ ausgestattet, der keiner sein will.
      Zusammengehalten durch die normative Kraft der Kirchensteuer.
      Aber ganz nah an der Gender-Homo-Scheidungs- etc. Welt.
      Diese von vielen „gelobte“ Kirche ist auf dem ganz breiten Weg ins Verderben.

  4. Ist das die Geißel Gottes über Kirche: wie Er im Alten Testament, die alten Gottesvolk bestraft, straft Er jetzt das neue Volk Gottes:

    Mit auf die Rede von Papst Benedikt XVI für die Diözesanpriester von Rom im Jahr 2013 (“The Bishops said: no, let’s not do that. We are bishops, we ourselves are the subject of the Synod; we do not simply want to approve what has already done, but we ourselves want to be the subject, the protagonists of the Council”) sollte das Nächste gefragt werden. Ist der Heilige Geist, der Protagonist eines Konzils, die auf mysteriöse Weise arbeitet in einem Konzil von den Konzilsvätern zusammen mit dem Papst in der Kirche oder sind die Bischöfe, wie sie behaupten, die Protagonist des Konzils, die dann bestimmen, was, wo und wie der Heilige Geist in der Kirche hat zu arbeiten und damit das Recht haben, die Vorbereitungsarbeiten des Heiligen Geistes ab zu lehnen? Ist es realistisch anzunehmen, daß der Heilige Geist wenn Er arbeitet durch die Konzilsväter seine eigene Arbeit, die durch den Vorbereitungsausschuß gegründet wurde, ablehnen soll, ja oder nein? Bis heute scheint diese Überlegung nicht bei der Beurteilung und Auswertung des Konzils aufgenommen wurden, im Gegenteil, je mehr es scheint, daß dieser wie ein natürliches menschliches Ereignis akzeptiert wird.

    Bitte sehe: http://www.ecclesiadei.nl/docs/clarity.html

  5. (mich rein auf das Titelbild beziehend):

    Lieber F., da hat dir jemand (bewusst oder unbewusst) Hörner aufgesetzt…

    (Die (geheime!) Frage ist nun: Waren es andere, oder warst es eigentlich du selber, mit deiner (persönlichen) Verantwortung?)

  6. Franz der Soziologe ?
    Ich denke eher der Befreiungstheologe, der mit sozialistischen Thesen sein Geltungsbeduerfnis befriedigt, denn das kommt immer gut an bei den Medien.
    Hauptsache er ist im Mittelpunkt und nervt uns mit seiner Selbstdarstellungssucht.
    Als Papst leider fehlbesetzt!

  7. Dieser „Papst“ Franziskus ist für die katholische Kirche ein ebenso schlimmes Verderbnis wir Frau Merkel es für Deutschland ist.

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