Papst Franziskus, Francesca Chaouqui und Medjugorje – Interview mit Substitut Angelo Becciu

Substitut Angelo Becciu im Gespräch über Vatileaks 2, Papst Franziskus, Francesca Chaouqui und Medjugorje
Substitut Angelo Becciu im Gespräch über Vatileaks 2, Papst Franziskus, Francesca Chaouqui und Medjugorje

(Rom) Kurienerzbischof Angelo Becciu ist als Substitut die Nummer Drei des vatikanischen Staatssekretariats. Er leitet die Abteilung Allgemeine Angelegenheiten, der die diplomatischen Vertretungen des Heiligen Stuhls unterstehen und von der die diplomatischen Verhandlungen mit den Staaten geführt werden. Erzbischof Becciu gewährte der italienischen Wochenzeitschrift Panorama ein Interview, das in der Ausgabe vom 20. Januar erscheinen wird. Schwerpunkt des Interviews sind Fragen zu Vatileaks 2 und den getroffenen Gegenmaßnahmen, über Papst Franziskus, Msgr. Vallejo Balda, Francesca Chaouqui, das Opus Dei und Medjugorje. Das Interview führte Stefano Lorenzetto.

Panorama: 2012 der Skandal der Vatikanbank, jetzt COSEA, die Kommission, die die ökonomisch-administrativen Strukturen des Heiligen Stuhls neu organisieren sollte. Der Eindruck ist, daß Kardinäle und Prälaten die Spenden der Gläubigen für private Zwecke nützen. Angefangen beim Petrus-Pfennig, der von Ihnen abhängt.

Erzbischof Becciu: Ich bedauere, wenn das draußen so scheint. Ich kann versichern, daß das ein völlig verzerrtes Bild ist. Die Journalisten sollten genauer sein und sagen, daß der Obolus für eine Vielzahl von Bedürfnissen der Weltkirche dient, nicht nur für Werke der Nächstenliebe zugunsten der Bedürftigsten. Niemand betrügt die Gläubigen, wenn ihre Almosen dazu verwendet werden, kirchliche Einrichtungen zu unterstützen. Das ist eine alte Praxis.

Panorama: Nuzzi behauptet, daß „nur zwei von zehn Euro den Armen zugute kommen“.

Erzbischof Becciu: Erst vor wenigen Tagen erinnerte mich Benedikt XVI. daran, wie er als Kind am 29. Juni, dem Fest der Heiligen Petrus und Paulus, den Obulus in der Überzeugung spendete, daß der Papst das Geld nach seinem Dafürhalten verwenden kann. Das ist die Gewißheit der Gläubigen der ganzen Welt, wenn sie dem Heiligen Vater spenden. Wollen wir die für die Armenfürsorge bestimmte Quote von zwei auf sechs Euro erhöhen? Von 4.000 Angestellten müßten wir sofort 400 entlassen. Wir ziehen es vor, der italienischen Regierung nicht diese zusätzliche Last aufzubürden und halten uns an die Empfehlungen von Papst Franziskus: „Reformiert, aber schaut, daß niemand arbeitslos wird.“

Panorama: Es wird der Vorwurf gemacht, die Löcher der Römischen Kurie mit dem Petrus-Pfennig zu stopfen.

Erzbischof Becciu: Der Haushalt ist öffentlich, vom Heiligen Vater und dem Kardinalsrat approbiert. Darin kann man lesen, wie wir ihn verwenden, auch um das Defizit von Radio Vatikan oder dem Osservatore Romano zu decken und die Apostolischen Nuntiaturen zu erhalten, also die diplomatischen Vertretungen des Heiligen Stuhls, die unter anderem einen indirekten Dienst für die Armen leisten. Über sie läßt der Papst seine Hilfe der Bevölkerung zukommen, die von Naturkatastrophen betroffen ist und über sie erfolgt die jährliche Verteilung der finanziellen Unterstützung für die Missionskirchen.

Panorama: Nuzzi schreibt in Via Crucis, daß „das Staatssekretariat eine negative und auch konfuse Finanzsituation aufweist“.

Erzbischof Becciu: Die Situation ist transparent und Seiner Heiligkeit genau bekannt.

Panorama: Er behauptet, daß bei der Vatikanbank noch Konten offen sind, die auf Paul VI. und Johannes Paul I. lauten, und fragt sich, warum sie nicht längst geschlossen wurden, und ob es Geldbewegungen darauf gibt, und sagt abschließend, der Substitut habe nie darauf geantwortet.

Erzbischof Becciu: Ich? Sie sind der erste Journalist, der mich dazu etwas fragt. Wenn ich mich nicht irre, handelte es sich um Bestände, die nie verwendet wurden und auf die man erst im Zuge der IOR-Neuorganisation aufmerksam wurde.

Kurienerzbischof Becciu während des Fluges bei einer Papst-Reise
Kurienerzbischof Becciu während des Fluges bei einer Papst-Reise

Panorama: Nuzzi schreibt auf Facebook: „5846 Vatikanbürger haben das Recht mit einem Ausweis einzukaufen, ohne eine Mehrwertsteuer zu bezahlen. Wie kann es dann sein, daß es 41.000 solcher Ausweise gibt?“

Erzbischof Becciu: Das ist möglich, weil sehr viele von ihnen einfach nur Erkennungsausweise sind und nicht Einkaufsausweise. Aber lassen Sie mich sagen: Es hätten statt 41.000 auch drei Millionen sein können, so viele wie Rom Einwohner hat, sprich unbegrenzt. Haben Sie zufällig Kenntnis davon, daß die Menschen in San Marino, im Fürstentum Andorra oder im Kanton Tessin einen Ausweis brauchen, um Zutritt zu diesen Ländern zu erhalten? Die Ausgabe von Zugangsberechtigungen zum Vatikan stellt keine Begünstigung dar, sondern eine Form von Kontrolle, wer das Staatsgebiet betritt. Der Ausweis ist daher eine Einschränkung, die der Vatikanstaat jenen auferlegt, die ihn betreten und dort Einkäufe tätigen wollen. Sie werden mir zustimmen, daß das zu seinen Lasten geschieht, von wegen Steuerhinterziehung!

Panorama: Wer sind aber die Inhaber der Ausweise?

Erzbischof Becciu: Neben den Staatsbürgern, das sind weniger als 500 Personen, verfügen die Angestellten und pensionierten Angestellten und die von ihnen delegierten Personen, also deren Ehefrauen über einen solchen Ausweis. Dann das Diplomatische Corps, die religiösen Orden, das Vikariat von Rom, das Krankenhaus Bambin Gesù, die Patriarchalbasiliken, die Pfarrer und Vize-Pfarrer von Rom und der Provinz, die päpstlichen Universitäten und andere kirchliche Einrichtungen, kurzum alle, die beruflich und in ihrer Tätigkeit mit dem Vatikan zu tun haben.

Panorama: Welchen Eindruck haben Sie beim Lesen der Bücher von Nuzzi und Fittipaldi gewonnen?

Erzbischof Becciu: Die veröffentlichen Dokumente waren mir bereits bekannt. Mir gefällt nicht die Haltung der Autoren, als wären sie mit einer göttlichen Mission beauftragt zur Rettung der Kirche. Papst Franziskus hat es mit aller Klarheit beim Angelus drei Tage nach der Veröffentlichung ihrer Bücher gesagt: Dokumente stehlen ist eine Straftat, eine verabscheuungswürdige Tat, die nicht hilft. Schon gar nicht, weil sie längst bekannt waren.

Panorama: Und dennoch sprechen wir hier darüber.

Erzbischof Becciu: Ich will in dieser Sache ganz klar sein: Es steht nicht das Recht der Journalisten zur Diskussion, die Notizen zu veröffentlichen, in deren Besitz sie gelangen. Die Zweifel betreffen die Art, mit der sie diese Notizen beschafft haben. Dazu ist ein Gerichtsprozeß im Gange, der das klären wird. Jedenfalls frage ich mich: Warum sind die Quellen seiner beiden Bücher, die Herr Nuzzi geschrieben hat, immer im Gefängnis gelandet? Mir scheint das kein Verdienst zu sein. Und was wäre aus dem Kammerdiener Paolo Gabriele geworden, der ihm 2012 die dem Papst gestohlenen Dokumente weiterreichte, die im Buch „Seine Heiligkeit“ abgedruckt wurden? Mir ist nicht bekannt, daß sich Nuzzi um dessen Schicksal gesorgt hätte. Der einzige, der das tat, war Benedikt XVI., der ihn mit größter Güte begnadigte und uns anflehte: „Wenn man ihn wirklich entlassen muß, tut es. Aber findet ihm eine andere Arbeit. Ich will nicht, daß seine Kinder leiden müssen.“

Panorama: Wenn Sie ein Galerist wären und ich Ihnen ein Bild brächte und sagen würde, daß es dem rechtmäßigen Besitzer weggenommen wurde, würden Sie es dann zum Verkauf anbieten?

Erzbischof Becciu: Das würde mir das Kind, das in mir noch lebendig ist, verbieten. Ich erinnere mich, eines Tages triumphierend mit einem Stift nach Hause gekommen zu sein. Meine Mutter brachte mich an einem Ohr ziehend in den Kindergarten zurück: „Sag, wem Du ihn genommen hast und gib ihn zurück“. Wenn ich also ein Galerist wäre, würde ich es nicht zum Verkauf anbieten. Und wenn ein Galerist zu mir käme, um zu beichten und sich dieser Sünde beschuldigen würde, würde ich ihm die Absolution nur erteilen, nachdem er das Diebesgut zurückgegeben hat. Doch jenseits der Metapher: Ich hätte nie etwas verwendet, das dem Papst gestohlen wurde. Wenn aber Geld zum Maßstab aller Dinge wird, dann können wir uns alle freigesprochen fühlen. Dann sollten wir aber gefälligst aufhören, Ethik und Pressefreiheit ins Spiel zu bringen.

Panorama: Namhafte Beobachter hatten prognostiziert, daß der Prozeß gegen Msgr. Lucio Angel Vallejo Balda und Francesca Chaouqui, den Sekretär und ein Mitglied der COSEA, die beschuldigt sind, eine „organisierte kriminelle Vereinigung“ gebildet zu haben, noch vor Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit enden würde, vielleicht mit einem Indult. Man hat hingegen den Eindruck, daß der Vatikan ihn in die Länge zieht. Hat ihn der Medienrummel erschreckt?

Erzbischof Becciu: Mitnichten. Der Wunsch war der, das Heilige Jahr nicht zu stören. Der Gerichtspräsident wollte jedoch die Ermittlungen vertiefen und der Verteidigung der beiden Angeklagten mehr Zeit einräumen, die zusammen mit ihrem Mitarbeiter Nicola Maio und den Journalisten Nuzzi und Fittipaldi angeklagt sind, sich unrechtmäßig Dokumente verschafft zu haben, die grundlegende Interessen des Heiligen Stuhls betreffen.

Panorama: Macht es aber Sinn, zwei Chronisten im Vatikan den Prozeß zu machen, die in der Ausübung ihres Berufs den Gesetzen des italienischen Staates folgen?

Erzbischof Becciu: Damit Sie mich richtig verstehen: Wir sind Nuzzi und Fittipaldi dankbar, daß sie sich freiwillig dem Urteil stellen. Sie wären nicht gezwungen, dies zu tun.

Substitut Becciu mit Italiens Ministerpräsident Enrico Letta (2014)
Substitut Becciu mit Italiens Ministerpräsident Enrico Letta (2014)

Panorama: Wer und warum hat Papst Franziskus die Namen von Vallejo Balda und Chaouqui empfohlen?

Erzbischof Becciu: Das weiß ich nicht. Mit dem gerade neugewählten Papst gab es einen starken Drang, auch die Ernennungsprozeduren zu erneuern. Der Verrat der beiden war eine Ohrfeige für den Heiligen Vater. Sie hatten auf das Evangelium geschworen, niemand nichts von dem mitzuteilen, was sie während der Erfüllung ihrer Aufgabe sehen, hören oder lesen würden.

Panorama: Doch der Vatikanist Sandro Magister hatte bereits im Juli 2013 gewarnt: „Es ist zu erwarten, daß Francesca Chaoqui dem Vatikan noch Kopfzerbrechen bereiten wird angesichts der Indiskretionen, die dank ihr auf [der Enthüllungsseite] Dagospia erscheinen, deren eifrige Informantin sie ist was Klatsch und Giften an der Kurie betrifft.“

Erzbischof Becciu: Der Heilige Vater hat anerkannt, daß ein Fehler gemacht wurde. Mehr sage ich nicht dazu.

Panorama: Bevor ein Mitarbeiter ins Haus geholt wird, bei wem werden Informationen eingeholt?

Erzbischof Becciu: Bei den Bischöfen und Pfarrern.

Panorama: Sie sollten sich auch an die Carabinieri wenden.

Erzbischof Becciu: Ich weiß nicht, ob die Pfarrer diese Notwendigkeit sehen.

Panorama: Chaouqui hat der [Tageszeitung] La Stampa erklärt, daß sie „wegen eines schäbigen Machtkampfes in Schwierigkeiten“ sei und daß viele im Vatikan „hoffen, daß Papst Bergoglio von einem Tag auf den anderen stirbt.“

Erzbischof Becciu: Einen solchen Unsinn kommentiere ist nicht.

Panorama: Glauben Sie nicht, daß die Diskreditierung der Kirche Teil eines Planes ist, um sie ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit zu berauben? Das ist schon einmal durch die Savoyer geschehen, man denke an die Siccardi-Gesetze von 1850.

Erzbischof Becciu: Alles kann geschehen. Ich bin Verschwörungstheorien abgeneigt. Allerdings muß ich mit Entschiedenheit wiederholen, daß wir kein Haufen von Korrupten und Unfähigen sind. Die COSEA hat neben positiven Aspekten auch einiges Krummes sichtbar gemacht. Gegen vereinzelte Fälle beim IOR und der APSA wurden die notwendigen Gegenmaßnahmen ergriffen. Der Papst hat eine Reform eingeleitet, indem er ein Wirtschaftssekretariat errichtet hat. Nun geht es darum, diesem einen klaren rechtlichen Rahmen zu geben.

Panorama: Sie standen im Staatssekretariat an der Seite von Kardinal Tarcisio Bertone. Was denken Sie von den 150.000 Euro, die er nach der Restaurierung des Attico, das er bewohnt, dem Krankenhaus Bambin Gesù gespendet hat, die ohne sein Wissen von dieser Einrichtung bezahlt wurde?

Erzbischof Becciu: Das ist eine persönliche Entscheidung, um der Kinderklinik zu helfen. Ich habe den Eindruck, daß Kardinal Bertone zu einer leichtfertigen Zielscheibe der Journalisten geworden ist.

Panorama: Es ist eine Tatsache, daß die Kardinäle der Römischen Kurie in fürstlichen Räumen leben, während Papst Franziskus sich mit weniger als 50 Quadratmetern begnügt.

Erzbischof Becciu: Das stimmt. Allerdings sind viele dieser Räumlichkeiten sehr alt, aus einer Zeit, als die Kardinäle tatsächlich noch als Kirchenfürsten betrachtet und als solche behandelt wurden. Ich habe Nuzzi im Fernsehen sagen hören, daß alle Purpurträger nach Santa Marta übersiedelt werden und ihre Unterkünfte vermietet werden sollten, was dem Vatikan große Einnahmen verschaffen würde, ohne für den Unterhalt der Zentralbehörden der Kirche auf die Abgaben der Gläubigen zurückgreifen zu müssen. Die Idee scheint mir ziemlich populistisch an der Grenze zum Lächerlichen. Die Kardinäle zu übersiedeln, hieße, den Willen schon alter Menschen zu zwingen. Und zudem: Wo sollten wir dann die Priester und Mitarbeiter des Staatssekretariats unterbringen, die derzeit in Santa Marta wohnen? Wir müßten ein zusätzliches Gebäude errichten, um sie unterzubringen. Auf der Grundlage eines ideologischen Vorurteils fordert man von uns, die vorhandenen Wohnungen ungenützt leerstehen zu lassen und beträchtliche Summen für einen Neubau auszugeben. Und das soll Liebe zu den Armen sein?

Panorama: Warum würden sie ungenützt leerstehen?

Erzbischof Becciu: Weil es nicht erlaubt ist, sie an vatikanfremde Personen zu vermieten. Diese Wohnungen befinden sich an den Sitzen der Dikasterien, als solche genießen sie Extraterritorialität. Das sind Dienstwohnungen. Das gilt auch für pensionierte Dikasterienleiter. Darin dürfen nur Staatsbürger oder Angestellte des Vatikans wohnen. Stellen Sie sich vor, welchen Aufruhr es gäbe, wenn sie aus irgendeinem Unglück an Steuerhinterzieher vermietet würden oder irgendwelche von der Justiz gesuchte Gestalten, die damit in den Genuß der Immunität kämen.

Panorama: Die Verdächtigungen erstrecken sich auch auf die Diözesen. Die Staatsanwaltschaft von Marsala hat Ermittlungen gegen den Bischof von Mazara del Vallo, Domenico Mogavero eingeleitet. Er wird beschuldigt, Tausende Euros von der Kurie auf sein eigenes Konto verschoben zu haben. Es soll aber auch um eine Million Euro Kredit für den Bau von drei Kirchen gehen, der sich in Nichts aufgelöst hat.

Erzbischof Becciu: Es ist schwierig, sich dazu auf der Grundlage von Medienberichten zu äußern. Es sind Ermittlungen im Gange und wir alle haben Vertrauen in die Justiz. Ich hoffe für seine Ehrbarkeit, daß das, was der Bischof zu seiner Verteidigung vorbringt, wahr ist.

Panorama: Msgr. Mogavero hat eine Kolumne in der Sonntagsausgabe des Fatto Quotidiano [linksliberales Revolverblatt]. Er forderte 2009 Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf, „zum Wohl des Landes“ zurückzutreten und ebenso Dino Boffo, den Chefredakteur des Avvvenire [Tageszeitung der Italienischen Bischofskonferenz]. Sollte er nun nicht konsequenterqweise auf die Leitung seiner Diözese verzichten?

Erzbischof Becciu: Ich sage nur soviel: Mir hat es nicht gefallen, daß er auf RAI 3 bezüglich Via Crucis und Avarizia [die Bücher von Nuzzi und Fittipaldi] von moralisierendem Willen, Transparenz und Legalität gesprochen hat.

Panorama: Wer das Schwert nimmt…

Erzbischof Becciu: Wir wollen nicht übertreiben.

Panorama: Wie kommt es, daß alle führenden Gestalten, die gerufen werden, um sich im Vatikan um die Massenmedien und die Finanzen zu kümmern, vom Opus Dei kommen? Joaquin Navarro-Vals, Ettore Gotti Tedeschi, Greg Burke, Msgr. Vallejo Balda. Auch Chaouqui behauptet, dem Werk „geistig sehr nahezustehen“.

Erzbischof Becciu: Sich für nahe zu erklären bedeutet gar nichts. Burke ist ein ehemaliger Journalist der Time, der mit Wirkung ab 1. Februar zum Vizedirektor des vatikanischen Presseamtes ernannt wurde. Er wurde wegen seiner Professionalität ausgewählt. Wenn er auch dem Opus Dei angehört, ist das eine Ehre für die Prälatur, tüchtige Personen hervorzubringen.

Panorama: Ich stelle ein Paradox fest: Der Papst gilt als Marxist, ist aber von Angehörigen einer konservativen Prälatur umgeben.

Erzbischof Becciu: Marxist? Das sagen Sie zum Scherz, hoffe ich.

Panorama: Das sage nicht ich. Das halten ihm viele vor, vor allem in den USA. Franziskus selbst hat über diese seine „linkische“ Betitelung gewitzelt.

Erzbischof Becciu: Ja, dann ist aber auch daran zu erinnern, daß er die marxistische Ideologie als falsch bezeichnet hat. Und daß er, als er junger Provinzoberer in Argentinien war, abgesetzt wurde, weil er die Befreiungstheologie nicht guthieß. Die Leidenschaft für die Armen ist kein Alleinanspruch des Kommunismus.

Panorama: Wie geht es Papst Franziskus?

Erzbischof Becciu: Er hatte etwas Grippe, hat sich aber sofort erholt. Er überrascht uns mit seiner Energie. Kaum von der anstrengenden Reise nach Afrika zurück, war er schon wieder an der Arbeit.

Panorama: Ihnen fiel es zu, mit einem Tweet die Nachricht zu dementieren, daß er einen Gehirntumor habe: „Was ist das für ein Wirbel um seine Gesundheit!?“ Ist das nicht eine wenig angemessene Sprache für einen Substituten?

Erzbischof Becciu: Um ehrlich zu sein, wollte ich einen noch kolorierteren römischen Ausdruck gebrauchen, doch dann habe ich doch vorgezogen, ihn auszutauschen.

Panorama: Seltsam. Sie haben Zeit, sich mit Twitter abzugeben, während ich, der weit weniger Verantwortung trage, das nicht nütze.

Erzbischof Becciu: Ich liebe Kommunikationsmittel. Ich habe auch Facebook frequentiert, es ermöglichte die Beichte.

Panorama: Sie hören die Beichte auf Facebook?

Erzbischof Becciu: Damit wir uns verstehen: Es hat mir ermöglicht, geistliche Gespräche zu beginnen, die zu einer persönlichen sakramentalen Beichte geführt haben. Das ist vorgekommen.

Substitut Becciu vor der Fahne Sardiniens
Substitut Becciu vor der Fahne Sardiniens

Panorama: Ich habe bemerkt, daß Sie auf Twitter neben Osservatore Romano und Avvenire auch Tuttosport und La Gazzetta dello Sport verfolgen.

Erzbischof Becciu: Sie sprechen nun von einer anderen Art von Glauben.

Panorama: Darf ich wissen, zu wem Sie halten?

Erzbischof Becciu: Auweh! Denken Sie daran, daß ich aus dem Savoyischen Königreich Sardinien komme.

Panorama: Cagliari und…

Erzbischof Becciu: Juventus.

Panorama: Wahrscheinlich braucht es mehr Glauben für den Stier [Symbol des FC Juventus Turin].

Erzbischof Becciu: Die Liebe zu Latein hat überwogen.

Panorama: Sie haben Paolo Brosio, den Fernsehsprecher und Anhänger von Juventus in Audienz zu Bergoglio gebracht.

Erzbischof Becciu: Mich hat sein Weinen während des getürkten Telefonanrufs von Franziskus, der von einem Fernsehsender organisiert wurde, sehr bewegt. Ich habe mit dem Papst darüber gesprochen, der mir sagte: „Ruf ihn“. Das war eine Arbeit, den Journalisten davon zu überzeugen, daß es sich diesmal nicht um einen Scherz handelt.

Panorama: Ich weiß, daß bei der Audienz über die Erscheinungen von Medjugorje gesprochen wurde, wo sich Brosio bekehrt hat.

Erzbischof Becciu: So ist es. Es wird die Zweckmäßigkeit geprüft, daß der Heilige Stuhl pastorale Anweisungen über den Marienkult an jenem Ort gibt.

Panorama: Laut einem Tweet vom vergangenen 29. Juli, der sofort von Dagospia übernommen wurde, sollten Sie am Ende der Amerika-Reise des Papstes aus Ihrem Amt entfernt werden.

Erzbischof Becciu: Stattdessen bin ich immer noch hier. Die sogenannten „gut Informierten“ treffen nicht einmal ins Schwarze.

Panorama: Papst Franziskus hat die Römische Kurie mehrfach gewarnt vor der Versuchung des Karrierismus. Ist sie so verbreitet?

Erzbischof Becciu: Der demütige Arbeitseifer jener mit 75 Jahren nach 40 in Stille, im Verborgenen verbrachten Arbeitsjahren, ohne je etwas zu fordern, ist stärker verbreitet.

Panorama: Werden häufig Beförderungen gewünscht?

Erzbischof Becciu: Es kommt vor, daß jemand eine Vorrückung wünscht. Das hat eine positive Seite: etwas anstreben, das die Person noch mehr motiviert. Dann ist aber auch die negative Seite: sich von einer Ernennung bedrücken lassen, die nie erfolgt.

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
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3 Comments

  1. Von diesre Sache habe ich jedenfalls etwas gelernt,naemlich in meinen persoenlichen finanziellen Angelegenheiten 100% ehrlich und tranzparant zu sein.

    • Sie sind ein braves Kind, gut gemacht! Als nächstes nun bitte auch Ihre gesundheitlichen Angelegenheiten „transparent“ machen – oder haben Sie etwa dbzgl. etwas zu verbergen???

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