Der „Sacco di Roma“ – eine barmherzige Strafe

Die Plünderung Roms (Sacco di Roma) 1527
Die Plünderung Roms (Sacco di Roma) 1527

von Roberto de Mattei*

Die Kirche erlebt eine Epoche der doktrinellen und moralischen Entgleisungen. Das Schisma lodert in Deutschland auf, aber der Papst scheint sich der Tragweite des Dramas nicht bewußt zu sein. Eine Gruppe von Kardinälen und Bischöfen vertritt die Notwendigkeit einer Übereinkunft mit den Häretikern. Wie immer in den dramatischsten Stunden der Geschichte, ereignen sich die Dinge extrem schnell.

Am Sonntag, den 5. Mai 1527 traf ein Heer aus der Lombardei auf dem Gianicolo vor den Toren der Hauptstadt der Christenheit ein 1)Der Gianicolo befindet sich in Sichtweite des Vatikans am rechten Ufer des Tibers.

Kaiser Karl V., verärgert über die plötzliche politische Allianz zwischen Papst Clemens VII. und seinem Gegner, dem König von Frankreich, Franz I., hatte es aufgeboten. An jenem Abend ging die Sonne zum letzten Mal über den Schönheiten des Renaissance-Roms unter. Rund 20.000 Mann, Italiener, Spanier und Deutsche, darunter die Landsknechte, zahlreiche protestantischen Glaubens, hatten vor der Ewigen Stadt Stellung bezogen. Die in der Lombardei kämpfenden Landsknechte waren seit über einem Jahr nicht mehr bezahlt worden, was sie mit offener Meuterei quittierten. Ihr Kommandant, Georg von Frundsberg 2)Frundsbergs Bruder Ulrich war von 1486-1493 Fürstbischof von Trient gewesen., hatte beim Versuch, seine Truppe unter Kontrolle zu halten, einen Schlaganfall erlitten. Das meuternde Heer war, nun unter dem Kommando von Karl III. von Bourbon-Montpensier, gegen Rom vorgerückt, um den Papst zu strafen, der durch seinen Allianzwechsel für das Wiederaufflammen des Krieges verantwortlich gemacht wurde, und um sich an den Reichtümern der Stadt für die ausstehenden Soldzahlungen schadlos zu halten. Ihr Kommandant hatte den Kriegsknechten die Erlaubnis zur Plünderung gegeben.

Papst Clemens VII. mußte tatenlos dem Blutbad zusehen

Die ganze Nacht läutete die Glocke des Kapitols Sturm, um die Römer zu den Waffen zu rufen. Es war aber zu spät, um eine effiziente Verteidigung zu organisieren. Im Morgengrauen des 6. Mai rückten die Landsknechte, begünstigt vom dichten Nebel, zwischen Sant’Onofrio und Santo Spirito zum Angriff auf die Stadtmauern vor. Die päpstliche Schweizer Garde verschanzte sich beim Obelisken des Vatikans, entschlossen, ihr Treueversprechen bis in den Tod zu halten. Die letzten von ihnen opferten sich beim Hochaltar des Petersdoms. Ihr Widerstand ermöglichte es dem Papst, sich mit einigen Kardinälen in Sicherheit zu bringen. Über den Passetto del Borgo, einen Fluchtgang, der den Vatikan mit der Engelsburg verbindet, gelangte Clemens VII. in die Festung, die vom Feind nicht eingenommen werden konnte. Vom Dach der Engelsburg mußte der Papst das schreckliche Blutbad mitansehen. Zunächst wurden jene niedergemetzelt, die vor den verschlossenen Toren der Engelsburg standen und nicht mehr Einlaß gefunden hatten. Die Kranken im Heilig-Geist-Spital von Saxia wurden mit Lanze und Schwert getötet.

Die Erlaubnis, unbegrenzt zu rauben und zu töten, währte acht Tage. Die Besetzung der Stadt neun Monate. „Die Hölle ist nichts im Vergleich zum jetzigen Erscheinungsbild Roms“, heißt es in einem venezianischen Bericht vom 10. Mai 1527, den Ludwig von Pastor in seiner „Geschichte der Päpste“ zitiert. Die Kleriker und Ordensleute waren die hauptsächlichen Opfer der Landsknechte. Die Paläste der Kardinäle wurden geplündert, die Kirchen entweiht, Priester und Mönche getötet, die Nonnen vergewaltigt und als Sklaven verkauft. Es fanden obszöne Parodien religiöser Zeremonien statt. Meßkelche wurden mißbraucht, um sich unter Ausstoßung übelster Flüche zu betrinken. Konsekrierte Hostien wurden in Pfannen gewärmt und Tieren zum Fraß gegeben. Die Gräber von Heiligen wurden geschändet. Mit dem Kopf des Apostels Andreas wurde auf den Straßen Fußball gespielt. Einem Esel wurden Klerikergewänder angelegt und zum Altar einer Kirche geführt. Als sich der Priester weigerte, dem Esel die Kommunion zu spenden, wurde er an Ort und Stelle in Stücke geschlagen. Die Stadt wurde in seinen religiösen Symbolen und allem geschändet, was ihr und in ihr heilig war.

Rom frönte dem Relativismus und Hedonismus

Hadrian VI. wollte die Kirche erneuern, doch sein Pontifikat war zu kurz
Hadrian VI. (1522-1523) wollte die Kirche erneuern, doch sein Pontifikat war zu kurz

Clemens VII. aus der Familie der Medici hatte die Aufforderung seines Vorgängers, Hadrian VI., nicht befolgt, die Kirche einer radikalen Erneuerung zu unterziehen. Martin Luther verbreitete seit zehn Jahren seine Häresien. Der Niederdeutsche Hadrian VI. aus Utrecht war mit den Gefahren des neuen Geistes vertraut, weshalb er zu einer grundlegenden und entschlossenen Erneuerung drängte, doch sein Pontifikat dauerte nur anderthalb Jahre. Zu kurz, um mehr zu sein als nur ein Zwischenspiel. Das Rom der Päpste machte weiter wie vorher, eingetaucht in Relativismus und Hedonismus.

Nicht alle Römer waren korrupt und verweichlicht, wie hingegen der Historiker Ferdinand Gregorovius zu meinen schien. Nicht waren es die Adeligen Giulio Vallati, Giambattista Savelli und Pierpaolo Tebaldi, die eine Standarte mit der Aufschrift Pro Fide et Patria aufrichteten und sich den Angreifern mit einem letzten heldenhaften Widerstand am Ponte Sisto entgegenstellten. Nicht waren es auch die Studenten des Collegio Capranica, die herbeieilten und in Santo Spirito fielen, um den bedrohten Papst zu verteidigen. Diesem Opfergang verdankt das älteste päpstliche Kolleg seine Titulierung „Almo“ (ehrwürdig). Clemens VII. konnte sich retten und regierte die Kirche bis 1534. Nach dem lutherischen Schisma kam es in seiner Regierungszeit zum anglikanischen Schisma, doch der Plünderung Roms beiwohnen zu müssen, ohne dagegen etwas unternehmen zu können, blieb für ihn das schlimmste Erlebnis.

Bericht eines spanischen Augenzeugen über die Verwüstung Roms

Am 17 Oktober 1528 räumten die kaiserlichen Truppen Rom und hinterließen eine Stadt in Ruinen. Ein spanischer Augenzeuge vermittelt einen Monat nach dem „Sacco“ ein schreckliches Bild der Stadt:

„In Rom, der Hauptstadt der Christenheit, wird nicht eine Glocke geläutet, wird keine Kirche aufgesperrt, keine Messe gelesen, gibt es weder Sonntag noch Feiertag. Die reichen Läden der Händler dienen als Stallungen für die Pferde. Die prächtigsten Paläste sind verwüstet, viele Häuser ausgebrannt, an anderen die Türen aufgebrochen und alles fortgeschafft, sogar Fenster und Türen. Die Straßen sind zum Misthaufen geworden. Der Gestank der Kadaver ist fürchterlich: Menschen und Tiere erhalten die gleiche Bestattung. In den Kirchen sah ich Leichen, die von Hunden zerfressen waren. Ich weiß nicht, womit das verglichen werden könnte, außer mit der Zerstörung Jerusalems. Nun kenne ich die Gerechtigkeit Gottes, der nicht vergißt, auch wenn Er spät kommt. In Rom wurden in aller Offenheit alle Sünden begangen: Homosexualität, Simonie, Götzendienerei, Heuchelei, Betrug. Deshalb können wir nicht glauben, daß das zufällig geschehen ist, sondern durch göttliches Urteil.“

Der „Narr Christi“ schrie: „Du Bastard, Sodomit, für Deine Sünden wird Rom zerstört werden“

Michelangelos "Jüngstes Gericht" als Warnung für alle nach dem "Sacco di Roma"
Michelangelos „Jüngstes Gericht“ als Warnung für alle nach dem „Sacco di Roma“

Clemens VII. beauftragte Michelangelo mit dem Jüngsten Gericht in der Sixtinischen Kapelle, so als wollte er das Drama zur Abschreckung festhalten, das die Kirche von Rom in jenen Jahren durchlitt. Alle verstanden, daß es sich um eine Strafe des Himmels handelte. Es hatte nicht an Vorwarnungen gefehlt. Ein Blitz, der im Vatikan einschlug. Das Auftreten eines Eremiten, Brandano von Petroio, der von der Masse als „Narr Christi“ bezeichnet wurde, der am Gründonnerstag des Jahres 1527, als Clemens VII. im Petersdom die Menge segnete, schrie: „Bastard, Sodomit, für Deine Sünden wird Rom zerstört werden. Beichte und bekehre Dich, denn in 14 Tagen wird der Zorn Gottes über Dich und die Stadt kommen.“

Im Jahr zuvor waren Ende August die christlichen Heere von den Osmanen in der Schlacht von Mohacs vernichtet worden. Der König von Ungarn, Ludwig II., war im Kampf gefallen und das Heer Süleymans „des Prächtigen“ besetzte Buda. Die islamische Welle schien unaufhaltsam ganz Europa zu überfluten.

Doch die Stunde der Strafe war, wie immer, auch die Stunde der Barmherzigkeit. Die Männer der Kirche verstanden, wie blind und dumm sie den Schmeicheleien von Genuß, Freuden und Macht erlegen waren. Nach dem Sacco di Roma veränderte sich das Leben grundlegend. Das ausgelassene Rom der Renaissance verwandelte sich in das nüchterne und reuige Rom der katholischen Erneuerung der Gegenreformation.

Zeugen des „Sacco“ und der kirchlichen Erneuerung

Der heilige Kajetan von Thiene, Mitbegründer des Theatinerordens
Der heilige Kajetan von Thiene, Mitbegründer des Theatinerordens

Zu denen, die den „Sacco di Roma“ am eigenen Leib erlebt hatten, gehörte Gian Matteo Giberti, der Bischof von Verona, der aber, wie damals Unsitte, in Rom residierte. Von den Belagerern eingeschlossen, gelobte er, sollte er noch einmal freikommen, daß er in seinen Bischofssitz zurückkehren und diesen nie mehr verlassen werde. Er hielt Wort, kehrte nach Verona zurück und setzte bis zu seinem Tod 1543 seine ganze Energie in eine tatkräftige Erneuerung seines Bistums. Der heilige Karl Borromäus, der später zum Vorbild für die Bischöfe der katholischen Erneuerung wurde, war von Gibertis Beispiel bewegt.

Zeugen des „Sacco“ waren auch Gian Pietro Carafa und der heilige Kajetan von Thiene, die 1524 den Theatinerorden gegründet hatten. Ein Orden, der wegen seiner Glaubensstrenge verspottet wurde und weil er sich ganz der Vorsehung Gottes anvertraute, ausschließlich von Almosen lebte, ohne aber um Almosen zu bitten. Die beiden Gründer des Ordens wurden von den Landsknechten eingesperrt, weil sie glaubten, daß sie irgendwelchen Besitz haben müßten und diesen nur versteckt hätten. Doch die beiden hatten nichts. Und sie wurden gefoltert, offenbar aus reiner Lust zur Quälerei. Nur wie durch ein Wunder, entgingen sie dem Tod.

Als Carafa später Kardinal, Mitglied der Kommission für die Kirchenreform und erster Präsident der neu organisierten römischen und universalen Inquisition wurde, holte er einen anderen Heiligen an seine Seite, den Dominikaner Michele Ghislieri. Die beiden Männer, Carafa und Ghislieri, wurden mit den Namen Paul IV. und Pius V. herausragende Päpste der katholischen Erneuerung des 16. Jahrhunderts. Das Konzil von Trient (1545–1563) und die Schlacht von Lepanto (1571) gegen die Türken zeigten, daß auch in den dunkelsten Stunden der Geschichte, mit Gottes Hilfe, die Erneuerung möglich ist. Am Ursprung dieser Erneuerung stand jedoch die reinigende Strafe des Sacco di Roma.

*Roberto de Mattei, Vater von fünf Kindern, Professor für Neuere Geschichte und Geschichte des Christentums an der Europäischen Universität Rom, Vorsitzender der Stiftung Lepanto, Autor zahlreicher Bücher, zuletzt erschienen: Vicario di Cristo. Il primato di Pietro tra normalità ed eccezione (Stellvertreter Christi. Der Primat des Petrus zwischen Normalität und Ausnahme), Verona 2013; in deutscher Übersetzung zuletzt: Das Zweite Vatikanische Konzil – eine bislang ungeschriebene Geschichte, Ruppichteroth 2011. Die Zwischentitel stammen von der Redaktion.

Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons

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1. Der Gianicolo befindet sich in Sichtweite des Vatikans am rechten Ufer des Tibers.
2. Frundsbergs Bruder Ulrich war von 1486-1493 Fürstbischof von Trient gewesen.

7 Kommentare

  1. Doktrinelle Entgleisungen gibt es nicht in der Unam Sanctam. Es gab böse Päpste, aber keine Ketzer unter ihnen.

    • Doch, das gab es – auf dem Konzil von Konstantinopel wurde in der 13. Sitzung Honorius I. posthum als Häretiker verurteilt:

      „Zusammen mit diesen (namentlich genannten Ketzern) aber soll, so beschlossen wir, auch Honorius, der ehemalige Papst Altroms, aus der heiligen Kirche Gottes ausgestoßen und mit dem Anathema belegt werden.

      (DH 550)

      Das ist ein eindeutiges und gültiges Dokument der Kirche.
      Dass man es immer wieder vesuchte viel später zu annullieren, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ändert daran nichts: Das ist ein gültiger und rechtgläubiger Konzilsbeschluss gewesen. Basta!

      Im übrigen wäre da allerhand an Dingen überhaupt erst mal genauer zu untersuchen, die Päpste doktrinell gelehrt haben. Die Tendenz, päpstlichen Irrsinn zu vertuschen oder posthum zu ignorieren, ist deutlich erkennbar. Bestimmte Irrtümer oder Fehlhaltungen hat man ja in das milde Licht eingetaucht, für das das Sprichtwort gilt „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.“

      • Honorius war entweder kein Papst oder die Vorwürfe waren unzutreffend. Es ist keine Unklarheit dementsprechend. Jedenfalls ist die reine Doktrin, die Unfehlbarkeit garantiert. Wenn jemand „Papst“ genannt wird, obwohl er ein Antipapst war, dann ist das eine sprachliche Unklarheit, aber die Bulle Cum Ex Apostolatus Officio und die durchgehende Lehre der Väter besagt: ein Häretiker ist von der Kirche ausgeschlossen: wer nicht Glied der Kirche ist, kann auch nicht deren Haupt sein. Das muss man glauben, oder man glaubt, dass Juden und Muslime an Gott glauben und nicht bekehrt werden sollen (Evangelii Gaudium), dass Religionsfreiheit erlaubt ist oder dass es in Ordnung war, 1969 die Altäre zu zerschmettern und durch freimaurerische Blöcke oder Tische zu ersetzen.

      • Ich habe Ihnen das Dekret mit der Verurteilung als Häretiker aus dem Denzinger zitiert – dort heißt es ausdrücklich, dass er Papst UND Häretiker war.
        Er wird in den offiziellen Papstlisten der Kirche selbstverständlich geführt.

        Ich wundere mich immer wieder aufs Neue darüber, wie die ideologische Verblendung vieler Katholiken (die hier den Muslimen nahestehen!) nicht davor zurückschreckt, selbst eindeutige und unbestrittene historische Quellen einfach zu ignorieren.

      • Die Bulle „Cum ex apostolatus“ gilt ohnehin nicht als unfehlbare Lehre.
        Davon abgesehen ist sie der größte Wahnsinn, den ein Papst je von sich gegeben hat. Lesen Sie sie doch mal!

        Sie ruft zur offenen Anarchie und zur Plünderung aller Personen und Besitzungen auf, die man für Häretiker hält – und dies wohlgemerkt, ohne zu klären, wer denn feststellen darf oder kann, wer Häretiker ist.
        Ausdrücklich wird aufgerufen, so auch mit dem Kaiser oder dem Papst zu verfahren.

        Und dieser Fluch, den Paul IV. da abgelassen hat, hat sich auf Schauerlichste Weise im 30-jährigen Krieg dann erfüllt.

        Ich würde an Ihrer Stelle nicht alles nachreden, was auf irgendwelchen unbedarften Websites steht.

      • Es ist gängige ideologische Position vieler Infallibilisten gewesen, zu behaupten Honorius könne kein Häretiker gewesen sein. Heute versteifen sich v.a. Sedisvakantisten auf diese Position.

        Sie lässt sich aber aufgrund der vorhandenen Quellen nicht halten.

        Honorius hat nicht in einer Kleinigkeit geirrt, sondern eine schwerwiegende christologische Häresie unterstützt – den Monotheletismus.

        Das Anathem über Honorius wurde von mehreren Päpsten danach immer wieder bestätigt!

        Die infallibilistische Position, die Honorius damit retten wollte, dass er ja persönlich angeblich rechtgläubig gewesen sei, bzw. seine monotheletische Häresie nicht ex cathedra verkündet habe, ist absurd, weil ausgerechnet dieselben Leute, die selbst eine geheime häretische Einstellung als ausreichenden Grund dafür ansehen, dass einer erst gar nicht rechtmäßig gewählt worden sein kann, hier plötzlich ein megaweites Herz haben.

        Entweder -oder kann man da nur sagen.

        Und man muss fragen dürfen, wie jemand persönlich rechtgläubig sein kann, wenn er persönlich eine häretische Haltung unterstützt.

        Die Wahrheit dürfte woanders liegen: Die Kirche hat alles getan, um diesen Fall schönzureden, damit sie die spätneuzeitliche Ideologie von der Unfehlbarkeit des Papstes aufrechthalten konnte.

        Gerade die Sedisvakantisten sind doch diejenigen, die die totale Unfehlbarkeit des Papstes lehren. Wie kann man dann – gerade bei dieser ideologischen Verengung, die das Vat. I ja gar nicht lehrt – ausgerechnet Honorius freisprechen wollen, und das entgegen der dann doch ebenfalls unfehlbaren mehrfachen Verdammung des Honorius durch mehrere Päpste nach ihm?!?!

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