Allorthodoxes Konzil gefährdet? Konflikt in Moskau und mit Konstantinopel

Vom Synaxis 2014 beschlossene Einberufung eines Heiligen und Großen Konzils der Orthodoxie für 2016 scheint gefährdet
Vom Synaxis 2014 beschlossene Einberufung eines Heiligen und Großen Konzils der Orthodoxie für 2016 ist gefährdet

(Moskau) Die Römische Kurie gilt seit März 2013 offiziell als Dauerbaustelle. Derzeit wird vor allem der Kommunikationsbereich neu geordnet. Während in Rom umstrukturiert wird, gab es im Kommunikationsbereich des Moskauer Patriarchats ein regelrechtes Erdbeben.

In Rom steht der Päpstliche Rat für die sozialen Kommunikationsmittel unter der Leitung von Kurienerzbischof Claudio Maria Celli vor der Auflösung. Msgr. Celli wird in wenigen Monaten 75. Sein bisheriger Stellvertreter, der irische Kurienbischof Paul Tighe, wurde von Papst Franziskus bereits Mitte Dezember zum beigeordneten Sekretär des Päpstlichen Kulturrates unter der Leitung von Kardinal Gianfranco Ravasi ernannt. Der amerikanische Journalist Greg Burke ist neuer Vize-Vatikansprecher und Stellvertreter von P. Federico Lombardi SJ.

In Moskau wurden gleichzeitig die beiden bekanntesten Köpfe des Kommunikationsbereiches vor die Tür gesetzt. Am 24. Dezember, rund zwei Wochen vor dem orthodoxen Weihnachtsfest, erließ das Moskauer Patriarchat die Presseerklärung Nr. 98. Am Ende einer Sitzung des Heiligen Synod wurde die Zusammenlegung von zwei bisher getrennten Abteilungen des Synod bekanntgegeben. Zusammengeschlossen wurden die Abteilung für die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft und die Informationsabteilung.

Die neugeschaffene Einrichtung nennt sich Abteilung für die Kirche, die Gesellschaft und die Medien. Geleitet wird sie vom Laien Wladimir Legoyda, der schon bisher die Informationsabteilung leitete und Chefredakteur der orthodoxen Zeitschrift „Thomas“ ist.

Vor die Tür gesetzt wurde hingegen der Erzpriester Wsewolod Tschaplin. Seit 2009 war er Leiter der Abteilung für die Beziehungen zwischen Kirche und Gesellschaft. In dieser Funktion galt der Archimandrit als wichtigster Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche.

Kritiker einer zu engen Anlehnung der Kirche an die Staatsmacht entlassen

Wenige Tage vor ihm war bereits Sergej Tschapnin, der Chefredakteur des offiziellen Presseorgans des Moskauer Patriarchen entlassen worden. Grund für die Entlassung war der im November von ihm auf der amerikanischen Internetseite First Things veröffentlichte Artikel „A Church of Empire“. Der Titel könnte auch mit „Staatskirche“ ins Deutsche übersetzt werden. Tschapnin äußerte sich darin sehr kritisch über die enge Anlehnung der russischen Kirche an die Staatsmacht.

In einem Interview mit dem katholischen Nachrichtendienst Asianews wiederholte Tschapnin, daß der wichtigste Streitpunkt die Rechtfertigung der russischen Militärinterventionen in Syrien und der Ukraine als von Gott gewolltem „Heiligen Krieg“ ist.

Die orthodoxen Kirchen sind bekannt dafür, daß interne Konflikte mit Härte ausgetragen werden. Im aktuellen Machtkampf stehen Tschaplin und Tschapnin gegen Patriarch Kyrill I. und dem „Außenminister“ des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion von Wolokolamsk. Tschaplin sprach in seiner Kritik auch von einer autoritären Zurückdrängung der Synodalität, die für die orthodoxe Kirche so charakteristisch sei, durch den Patriarchen und den „Außenminister“.

Entlassender Archimandrit Tschaplin, eine der bekanntesten Stimmen der russischen Orthodoxie
Entlassender Archimandrit Tschaplin, eine der bekanntesten Stimmen der russischen Orthodoxie

Gegenkritik: Zusammenarbeit mit westlichen Interessengruppen

Tschapnin wiederholte seine Kritik im Moskauer Carnegie-Zentrum. Darin sehen seine Kritiker den Beleg dafür, daß die beiden Entlassenen im neuen Ost-West-Konflikt zwischen Moskau und Washington mit westlichen Interessengruppen zusammenarbeiten. Das Patriarchat begründete die Entlassung nicht damit, doch in der Lesart untergebener Stellen, wird die Entlassung als „Selbstschutz“ der russisch-orthodoxen Kirche gegen eine Art von Fünfter Kolonne dargestellt. Das 1994 errichtete Carnegie-Zentrum in Moskau ist ein Ableger des US-amerikanischen außenpolitischen Think Tank Carnegie Endowment for International Peace. Die russische Regierung wirft vergleichbaren westlichen Einrichtungen Einmischung in innerrussische Angelegenheiten vor.

Streitpunkte zwischen Moskau und Konstantinopel gefährden Einberufung eines gesamtorthodoxen Konzils

Bei derselben Versammlung des Heiligen Synod am 24. Dezember berichtetet Metropolit Hilarion, daß es beim panorthodoxen Treffen Mitte Dezember in Athen zum Bruch gekommen sei. In der griechischen Hauptstadt hatten sich Vertreter aller anerkannten orthodoxen Kirchen für die Vorbereitung eines panorthodoxen Konzils versammelt. Streit herrscht über die Regeln, nach denen das allorthodoxe Konzil stattfinden soll. Am weitesten voneinander entfernt sind die Positionen des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel und des Moskauer Patriarchats. Konstantinopel beansprucht einen Vorrang, den Moskau in dieser Form nicht anerkennt.

Die Patriarchen und Oberhäupter der orthodoxen Kirchen hatten sich im März 2014 nach vielen Jahren darauf verständigt, im Jahr 2016 ein Heiliges und Großes Konzil der gesamten Orthodoxie nach Konstantinopel einzuberufen. Das gesamtorthodoxe Konzil soll in der Irenen-Kathedrale von Istanbul stattfinden. Offizieller Grund für die Einberufung ist die Lage der Christen im Nahen Osten und die Ukraine-Frage. Dabei geht es auch um die Anerkennung einer ukrainisch-orthodoxen Kirche.

Gleichberechtigung aller orthodoxen Kirchen blockiert seit 50 Jahren die Einberufung eines Konzils

Die Einberufung eines allorthodoxen Konzils wird bereits seit einem halben Jahrhundert versucht, scheiterte jedoch immer wieder an innerorthodoxen Konflikten. Mangels einer allgemein anerkannten Autorität machte der Ausbruch immer neuer Konflikte alle bisherigen Versuche zunichte. Im Zentrum steht dabei der Disput über die Frage, welche Befugnisse dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel als Primus inter pares zustehen. Da alle orthodoxen Kirchen gleichberechtigt sind und Beschlüsse nur einstimmig gefaßt werden können, blockieren sie gegenseitig ein gemeinsames Vorgehen.

Ohne eine Einigung in der aktuellen Verfahrensfrage wird es kein gesamtorthodoxes Konzil geben. Beobachter rechnen bereits mit einer Verschiebung des Termins um einige Jahre, wie es bereits seit über einem halben Jahrhundert der Fall ist.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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21 Comments

  1. Haben denn die Orthodoxen nichts vom Vatikanum II gelernt? Hoffentlich planen wenigstens sie keine Liturgiereform.

    Der sog. Cäsaropapismus hat in den Ostkirchen eine lange, negative Tradition, da die Zaren schalteten und walteten wie es ihnen passte, wie die Herrscher von Byzanz vor ihnen auch.
    Gerade das Papsttum konnte seit den gregorianischen Reformen ein Gegengewicht zu der Weltherrschaft bilden und die Unabhängigkeit vom Staat garantieren. Und daher endete jeder Schritt in Richtung „weg vom Rom“ in einem mehr oder minder versteckten Staatskirchentum. Eine deutsch-katholische Staatskirche, was natürlich Österreich und die Schweiz ebenso betrifft, ist ja der facto vorhanden. Ebenso endete in der Vergangenheit der Gallikanismus und der Febronianismus oder Theresianismus/Josephinismus.

    Deutsche Bischöfe sind Staatsbeamte – ein Skandal,Byzanz bis. Nichts Neues unter der Sonne….

  2. Ein Konzil ohne Beteiligung des Bischofs von Rom (oder seines Legaten) ist unmöglich. Deswegen wundert es mich keine Spur, daß die Einberufung dieses Pseudo-Konzils erneut gescheitert ist. Ein Vorrang des Patriarchen von Konstantinopel ist auf einer allorthodoxen Synode angebracht, auf einem Konzil hat der Papst oder der Kaiser als sein Beauftragter den Vorsitz inne.

    • Naja – ob Konstantin der „Beauftragte“ des Papstes war? Das sind lauter solche Theorien, die in der Praxis eh nicht funktionierten und im übrigen zu dem damaligen Zeitpunkt nicht gültig waren. Tatsache ist, dass Konzilsdefinitionen erst durch die Unterschrift des Kaisers gültig wurden.
      Nun haben wir keinen „Kaiser“ mehr.

      Im übrigen – bei aller Kritik an der Orthodoxie – es hat immer auch Regionalsynoden gegeben, gerade in der frühen Zeit bis weit ins Frühmittelalter hinein, die rechtmäßig und prinzipiell auch in ihren Ergebnissen gültig waren. Und die Rolle des Papstes war da nicht immer „astrein“ geklärt“ (Hm!)
      Warum soll also die Ostkirche grundsätzlich keines abhalten können?

  3. Ich hatte vor etwa sieben Jahren zwei Jahrgänge von First Things selbst abonniert. Abgesehen davon, daß viele Beiträge dort theologisch gehaltvoll sind und die offizielle Kirchenpresse des deutschen Sprachraums bei weitem übertreffen, ist First Things lupenrein neo-konservativ, pro-zionistisch und US-staatsnahe.

    Daß sich daher ausgerechnet dort jemand aus kirchlicher Sicht staatskritisch, nämlich gegenüber der russischen Führung, äußert, entbehrt nicht einer gewissen Ironie – und belegt natürlich die oben erwähnte „Gegenkritik“.

    Sergej Tschapnin schreibt dort gleich am Anfang:

    The Russian state underwent an identity crisis in the 1990s, with a choice either to democratize or to become a new empire. Its initial decision, in the early Yeltsin years, was in favor of democracy.

    Wie diese Art der „Demokratie“ ausgesehen hat, müßte den Lesern von katholisches.info bekannt sein. Trotzdem ein Stichwort: Raub des russischen Eigentums durch „Oligarchen“ und Verarmung der Bevölkerung. Jelzin war die willige Marionette der Oligarchen. Bei Putin haben sich diese allerdings verschätzt. Dieser scheint tatsächlich für die legitimen Interessen der Russen und Rußlands einzutreten.

    Auch wenn wir aus katholischer Sicht weder den Status der moskowitischen Kirche als von Rom getrennt noch deren tatsächlich existierenden Cäsaropapismus gutheißen können, so ist eine allfällige Allianz orthodoxer Kreise mit den USA gegen die derzeitige russische Regierung noch viel weniger gutzuheißen. Zu offenkundig ist die geostrategische Aggression der USA, als daß die orthodoxe Kirchenführung bei dieser Kollaboration hier zuschauen dürfte.

    Von daher ist der im Artikel genannte „Selbstschutz“ nicht an den Haaren herbeigezogen.

    • Tschaplin ist eine äußerst unsympathische Gestalt. Seine unbefriedigten Karrierewünsche im Zentrum des moskowitischen Patriarchates haben ihn nun recht zügig seine alten Ideale schnell über Bord werfen lassen. Er hat sich ja immer als ausgewiesener beinah militanter Antiwestler zu profilieren versucht und demagogisch wahrlich nichts ausgelassen. Jetzt ins Abseits gestellt dient er sich neuen Herren an, auch wenn es seine weiland gescholtenen Feinde von gestern sind, „Carnegie-centre“ etc. vor ein paar Monaten hätte er noch den Kirchenbann für all jene gefordert, welche mit denen etwas zu schaffen haben. Ein Oppurtunist sondergleichen. In der literaturnaya gazeta (Printausgabe) gab es im November ein Porträt über ihn. Entsetzlich, daß man diesen Mann solange auf diesen Posten beließ.

  4. Da schwingen gleich mehrere Konflikte mit… „In einem Interview mit dem katholischen Nachrichtendienst Asianews wiederholte Tschapnin, daß der wichtigste Streitpunkt die Rechtfertigung der russischen Militärinterventionen in Syrien und der Ukraine als von Gott gewolltem „Heiligen Krieg“ ist.“ …. So so.

    Wer sich aber einbildet, das Problem würde dadurch gelöst, dass man einen absolutistischen Herrscher namens Papst an die Spitze stellt, der darf sich das Schauspiel um unseren derzeitigen Alleinherrscher nicht entgehen lassen.

    Haben wir wirklich nur die Wahl zwischen Pest und Cholera?

    Und was ist mit dem Herrn der Kirche?!

    Denkt einer der bischöflichen Herren in Ost und West überhaupt noch an IHN?

    • Die Alternative, das Synodensystem brachte auch keine anderen Ergebnisse. Beim „absolutistischen“ System weiß man wenigstens, wer das Sagen hat, andernorts sind es in Wirklichkeit Klüngel, die nicht so durchschaubar sind.

      • Genau – am besten ein Führerstaat, eine Führerkirche und keine Luft zum Atmen mehr für alle anderen.

        Wir hatten das doch so „segenreich“ schon öfters.

        …und wir haben es bei uns in der Kirche…wunderbar! Wir wissen auch, wer das Sagen hat. das „Laissez-faire“ in eingerenzten Bereichen gehört zur „panem-et-circenses“-Taktik Roms.

        Komisch bloß, dass Jesus 12 und nicht bloß einen Apostel eingesetzt hat und unter den frühen Christen, er – laut Jesus – der „Diener“ aller sein sollte. Sein Auftrag: nicht sich selbst, sondern die Brüder stärken, die Lämmer weiden. Ein absolutistischer Herrscher weidet nur sich selbst, weil er der Sinn, das Ziel und der Zweck der Hierarchie ist.

        Klüngelei gehört zur Bosheit des Menschen. Auch ein absoultistischer Herrscher bedarf der Klüngel, um sich an der Macht zu halten. Und genau das haben wir in unserer Kirche…

        Fragt sich nur, worüber wir uns dann eigentlich aufregen. Ist doch alles im grünen Bereich mit unserem absolutistischen Mann an der Spitze und wir wissen wenigstens, wer das Sagen hat. Prima.

  5. In der russischen Kirche wird dieses panorthodoxe Concilium weitgehend abgelehnt, zumindest von den tonangebenden Hierarchen. Die Stimmung in den konservativen Kirchen der Oikumene ist nicht anders.
    Der Patriarch von Bulgarien ist sehr skeptisch ebenso derjenige von Georgien, wie auch der Metropolit von Athen und Primas Griechenlands. Distanziert zeigt sich auch der griechisch-orthodoxe Patriarch von Hierosolyma.
    Dieses Konzil würde nur der ökumenischen und ökologischen sowie der Eine-Welt-Agenda von Konstantinopel und dem Rumäner-Patriarchen Daniel und den kleinen Konstantinopel-hörigen kleinen Kirchen nützen. Bereits seit der ersten Hälfte des XVIII. Jh. hat der Stuhl von Konstantinopel intensiv sich mit der (englischen) Freimaurerei verbündet. Viele Patriarchen waren auch Logenmitglieder. Deswegen sind traditionell die Beziehungen zur „Church of England“ immer ausgezeichnet gewesen. Auch haben viele Hierarchen aus dem konstantinopolitanischen Patriarchat als Konsekratoren für anglikanische Bischöfe fungiert, insbes. in der Zeit um Apostolicae Curae (1896). Nicht zu vergessen, daß Anfang des 20 Jh. bereits die Patriarchen von Konstantinopel umfassende „Reformen“ in der Liturgie und Ekklesiologie propagierten, auch die bycantinischen Patriarchen Alexandriens galten als sehr „reformoffen“ doch dann kam der große Krieg sowie 1917 und das antizipierte Konzil konnte sich glücklicherweise nicht mehr konstituieren.

    • Ganz Ihrer Meinung. Der „grüne“ Patriarch ist auf NWO-Linie. Er war ja auch Mitbeter beim interreligiösen Pfingstevent in den vatikanischen Gärten. Es ist gar nicht wünschenswert, dass er eine Art Primat über die anderen östlichen Patriarchate ausübt, die Russen wehren sich dagegen mit Recht. Insgesamt ist das Gerangel um Vorrang zu bedauern, aber schon die Apostel vor Pfingsten fingen damit an, und der Herr hat sie ja mit Worten zurechtgewiesen, die nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben.

      • …wobei dieses Gerangel darum, wer der „Größte“ ist, bei uns die bizarrsten Blüten getrieben hat, oder sehen Sie irgendwo nach 1870 noch einen Papst, der der „der Diener“ aller sein will, und dies nicht in einer gestelzten Topos-Laber-Sprache, sondern real, echt, wirklich? Es geht doch nur darum, sich selbst den Vorrang und die Macht institutionell bis zur Betonhärte zu sichern…

        Fast jede Enzyklika betont seither erst mal die Größe des Papstes.

        Wirklich groß sind die, die es nicht sagen – auch hier ist alleine Maria ein Vorbild, aber auch sie wird von denen, die sich für groß halten, nur wieder als erpresserisches Vorbild gegen die, die man als „UNtergebene“ im Blick hat, eingesetzt.

        Es ist wirklich widerlich, wohin man schaut und so, als hätten wir gar keinen Herrn.

      • Die Präzedenz-Frage ist zwar sehr kontrovers-publik aber der eigentliche Graben in der orthodoxen oikumene liegt zwischen konservativ-beharrenden Patriarchen und Metropoliten sowie anderen Hierarchen und jener Richtung, für welche Konstantinopel und seine Gefolgsleute einstehen.
        Dieses panorthodoxe Konzil soll unter Auspizien von Bartholomeos I. die Eingliederung der orthodoxen oikumene in das Programm der NWO sicherstellen.

      • Sie fragen:

        „sehen Sie irgendwo nach 1870 noch einen Papst, der der ‚der Diener‘ aller sein will, und dies nicht in einer gestelzten Topos-Laber-Sprache, sondern real, echt, wirklich?“

        Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich nicht hopplahopp beantworten kann. Stattdessen möchte ich einen Hinweis geben, der in einem entfernteren, aber wesentlichen, fundamentalen Zusammmenhang mit Ihrer Frage steht und den man m.E. berücksichtigen muss, wenn man Päpste beurteilen will.
        Es war Papst Gregor I., auch der Große genannt, der nach meinem jetzigen Kenntnisstand erstmals in der Geschichte den Anspruch auf den Titel eines universalen Bischofs über die Kirche als b l a s p h e m i s ch und – ja! – a n t i c h r i s t l i ch bezeichnete. Er tat das in Briefen an den ehrgeizigen Patriarchen von Konstantinopel Johannes den Faster (Nesteutes/ Jejunator), der sich diesen Titel des universalen Bischofs bzw. ökumenischen Patriarchen beilegen wollte, und an den byzantinischen Kaiser Maurikios, bei dem er sich hierüber beschwerte. Zugleich war der hl. Gregor selbst ein glühender Verteidiger des römischen Primats, jedoch wohl nicht in dem Sinn, in welchem er später zum römischen Dogma wurde. (Es ist sowieso bezeichnend, dass beim Konzil von Chalzedon der Vorrang des römischen apostolischen Stuhls irgendwie politisch, mit dem Vorrang Roms als Stadt begründet wurde, und dass Konstantinopel n a c h Rom, aber von gleichem Rang mit diesem, positioniert wurde, eine widersprüchliche, kompromisshafte, konfliktträchtige Formulierung. Kein Wort übrigens von Matthäus 16,18 oder Johannes 21 u.a..) Und nun stellen wir uns vor: Es war ausgerechnet der Nachfolger Papst Gregors des Großen, Papst Bonifaz III., der von dem Nachfolger und grausamen Mörder des Kaisers Maurikios, seiner Gemahlin und Kinder, dem Scheusal Phokas, eben diesen „blasphemischen“ und „antichristlichen“ Titel verliehen bekam. Papst Bonifaz III. nutzte seine neue Machtstellung sofort, indem er ein Edikt herausbrachte, womit er alle von ihm nicht genehmigten Bischofsernennungen weltweit für ungültig erklärte.
        Dazu ausführlich und mit Belegen: John Dowling, The History of Romanism, New York 1881, in den Kapiteln V und VI des Ersten Buchs.
        http://pdf.amazingdiscoveries.org/eBooks/History_of_Romanism.pdf

      • Nachtrag.
        Die Formulierung Ihrer Frage enthält allerdings schon so viel Groll, dass ich sie sowieso nicht beantworten möchte. Sie müssten Sie vorher umformulieren.

      • @ Leo Lämmlein

        Irgendwie snd Sie feige: Erst steigen Sie auf eine Frage ein, antworten weitschweifig und ultrakritisch, und dann distanzieren Sie sich, indem Sie mir den schwarzen Peter wg. angeblichen „Grolls“ zuschieben, den Sie doch einfach nur selber haben und mich als geeignete Projektionsfläche missbrauchen.
        Wenn Sie nur einmal ein echter Mann wären und nicht dieser feige Adam, der nach begangener Tat alles auf Eva schiebt. Sie sollten endlich zu dem stehen, was in Ihnen vorgeht!
        Mein Fall ist wieder ein anderer!

    • Also kurz gesagt: ein heilloses Durcheinander auch dort!
      Kein Grund also, irgendwelche infantilen Sehnsüchte auf die Orthodoxen zu projizieren.

      Staatshörig war man aber in der russischen Orthodoxie schon immer sehr. Man müsste diese Problematik auch historisch verstehen, denn der Zar hatte vor 300 Jahren das Moskauer Patriarchat abgeschafft und durch den staatlich beaufsichtigten „Heiligen Synod“ ersetzt. Nach der Oktoberrevolution wurde zwar das Patriarchat wieder gegründet, war aber genauso staatshörig… wissen wir ja…
      Ob sich daran wirklich was geändert hat?
      Mal dient man dem Zar, mal den Kommunisten und mal dem heiligen, heiligen Putin? Wem denn noch, wenns drauf ankommt?

      Wir verstehen ja schon unsere eigene Misere hier im Weströmischen Reich nicht – am besten Zurückhaltung, was den Osten betrifft!

      • Die Geschichte verlief auch hier vielschichtiger. Die Orthodoxie hat unter dem Sowjetregime einen hohen Blutzoll gezahlt. Patriarch Tichon widerstand den Kommunisten. Es war sein Nachfolger Patriarch Sergej, der eine Loyalitätserklärung gegenüber der Sowjetregierung unterschrieb. Daraufhin trennte sich die russische Auslandskirche vom Moskauer Patriarchat. Ein anderer Teil ging in den Untergrund als sogenannte Katakombenkirche.

      • Blutzoll haben da im wesentlichen allerdings andere gezahlt, vor allem freikirchliche Russen… und dreimal darf man raten, wieso dieselben einen so hohen Zulauf erhalten hatten…

  6. Und wenn’s nach den Langnasen jenseits des Ozeans geht, dann werden die Orthodoxen auch wieder einer Schnapsnase wie Jelzin oder einem Oligarchen dienen. Je nachdem der Wind weht, nicht? Geld stinkt bekanntlich nicht. Und nur darum geht es.

  7. Die wirklich zentrale Frage auf einer orthodoxen Synode (der Begriff „Konzil“ ist eben festgelegt, ein Konzil ohne Papst ist unmöglich, s.o.) wäre die nach der Jurisdiktion. Allein in Deutschland gibt es ca ein Dutzend verschiedene orthodoxe Bischöfe, entsprechend auch verschiedene orthodoxe Gemeinden. Wenn man sich darauf einigen könnte, wer eigentlich in nicht traditionell orthodoxen Ländern „das Sagen“ hat, wäre das schon ein großer Schritt vorwärts. Aber dem steht natürlich das stark ausgeprägte Nationalkirchen-Denken der Orthodoxie gegenüber – etwas, das uns auch blüht, wenn die Bischofskonferenzen tatsächlich aufgewertet werden sollen.
    Was Putin angeht – der Mann ist so orthodox wie Angela Merkel (oder Joachim Gauck) evangelisch. Zweimal im Jahr in die Kirche zu gehen macht einen noch nicht zum Christen. Und Morde zu befehlen bzw. zu tolerieren, Unzucht mit Frauen zu betreiben, die nicht die eigene sind, etc. sind nicht gerade christliche Tugenden. Wer also beim Namen Putin feuchte Augen kriegt, weil das doch der achsochristliche Herrscher Rußlands ist, der sollte mal auf Exerzitien gehen und seine Definition von Christentum überprüfen – am besten mittels des Evangeliums.

    • Na gut – „Konzil“ in diesem zugespitzten Sinn, den Sie voraussetzen, geht dann nicht: stattgegeben.

      Die „Haec sancta synodus“-Frage ist allerdings weiterhin unklar, ganz einfach weil bei den damaligen drei Päpsten tatsächlich unklar war, wer nun der wahre Papst ist. Und das war definitiv unklar! Die Sache endete schließlich auch mit der Verabschiedung aller drei Päpste – ich weiß, dass manche sich das zurechtbürsten wollen, damit ihre Papstideologie wieder stimmt und wollen anhand geführter Papstlisten beweisen, welcher der drei der Richtige war, aber so einfach ist es nun mal nicht. Das wurde im Nachhinein so geführt, war aber den Zeitgenossen in der Situation sehr wohl unklar. Und wenn in einer Situation, in der man keinen Papst hat, dessen man sich sicher sein kann, und auch keine bischöfliche unanimitas mehr, dann dürfte der einmalige Präzedenzfall Konstanz durchaus auch häufiger angewendet werden MÜSSEN. Schon damals zerbrach die Kirche beinahe für immer und wäre ohne eine konziliare Autorität untergegangen. Auch wenn man das später wieder heruntergekocht hat.

      Vielen Dank aber Ihnen für Ihre klaren Worte zu Putin – ich versuche das verzweifelt klarzumachen, weil jeder, der lesen kann, diese Fakten eigentlich sehen können müsste – aber manchmal denke ich, niemand ist ideologieanfälliger als Katholiken: die erblinden noch schlimmer als das Judentum und sehen die Finsternis nicht, obwohl sie mit Händen zu greifen ist.

      Und nun komme mir bitte niemand mit den bösen USA, die ich angeblich verharmlose – das tu ich nicht und das muss ich auch nicht, um zu sehen, welch ein eiskalter Mann im kreml herrscht. Es gibt mehr als eine böse menschliche Macht in der Welt…

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