Chinas KP betreibt Handel mit Zertifikaten als Buddha-Reinkarnation

KP-Funktionäre verkaufen Reinkarnationszertifikate: Reitender Trülku. Der Dalai Lama ist einer der bekanntesten Trülkus
KP-Funktionäre verkaufen Reinkarnationszertifikate: Reitender Trülku. Der Dalai Lama ist einer der bekanntesten Trülkus

(Peking) Das kommunistische Regime der Volksrepublik China betreibt einen Handel mit Buddha-Reinkarnationen, wie Asianews berichtet.

Ein Professor der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, der Tibeter Jiangbian Jiacuo, erhob schwere Vorwürfe gegen zwei hohe kommunistische Parteifunktionäre. Dabei handelt es sich um Ye Xiaowen, seit 2009 Direktor der Abteilung für Religionsangelegenheiten, und Zhu Weiqun, den ehemaligen Vize-Vorsitzenden der kommunistischen Gewerkschaft Einheitsfront der Arbeiter.

Zensur gegen Regimekritik

„Ihr habt mit dem Glauben von Millionen Menschen Gewinn gemacht“, so Jiacuo, dessen Kritik auf Weibo veröffentlicht wurde. Die staatliche Zensurbehörde schritt sofort ein und sperrte den Internetzugang. Der Text war aber bereits von anderen Internetseiten übernommen worden und kann daher außerhalb der Volksrepublik weiterhin gelesen werden.

Jiacuo wirft den Parteifunktionären „Korruption“, „Verletzung der nationalen Sicherheit“ und „Ungehorsam“ vor. Im kommunistischen China keine selbstverständliche Anklage, die öffentlich geäußert wird, ohne daß ein Gerichtsverfahren anhängig ist.

Gegen Geld zertifizierte Reinkarnation als „lebender Buddha“

Der eigentliche Vorwurf des Tibeters lautet, daß die kommunistischen Funktionäre auf dem freien Markt die „Reinkarnation“ als „lebender Buddha“ anbieten. Einer der bekanntesten Trülkus ist der Dalai Lama.

„Lebende Buddhas“ oder Trülkus sollen laut Buddhismus buddhistische Meister sein, die man bewußt als vom Vorgänger selbst bestimmte Reinkarnation eines früheren Meisters betrachtet. Trülkus genießen in der Bevölkerung großes Ansehen. Buddhisten zahlen ihnen auch beträchtliche Summen, um Rat von ihnen zu bekommen. Daher bedeutet die Anerkennung als Trülku nicht nur Ansehen, sondern stellt auch ein lukratives Geschäft dar.

Für 30.000 Euro zum Trülku

Jiacuo behauptet, daß die Zertifizierung als Trülku um 200.000 Yuan, umgerechnet rund 30.000 Euro, verkauft werde. Geld, das durch Spenden der Tibeter, aber auch durch Werbeeinnahmen, etwa durch Auftritte in Fernsehwerbespots und als sonstige Werbefigur für Firmen- oder Produktwerbung wieder eingenommen werde.

Laut Pekinger Regierung gibt es im ganzen Land rund 1700 anerkannte Trülkus. Laut Jiacuo sollen es jedoch mindestens 10.000 sein. Jiacuo beruft sich dabei auf eine im vergangenen Sommer fertiggestellte Studie von Zhang Weiming.

Peking erhebt den Vorwurf, der tibetische Lamaismus mißbrauche das Geld, das an die Trülkus geht, um eine subversive, antichinesische Politik zu finanzieren. Zuletzt war es der KP-Politiker und ehemalige Vize-Vorsitzende der mächtigen kommunistischen Gewerkschaft, Zhu Weiqun, der dies behauptete. Jiacuo dreht die Anklage um und wirft Peking vor, in Wirklichkeit ein Geschäft mit den Trülkus und mit der Religion zu betreiben. Jiacuo erhebt diese Anklage auch gegen Weiqun persönlich, was umso brisanter ist, als Weiqun an der Akademie der Sozialwissenschaften ausgebildet wurde.

Für Atheisten ist auch Reinkarnationshandel kein Problem, wenn es Geld bringt

„Für eine kommunistischen Funktionär, der an nichts glaubt, ist auch ein Reinkarnationshandel kein Problem, wenn er damit Geld machen kann“, so Asianews.

„Obwohl das Regime offiziell atheistisch ist, werden auffallend viele Geschäfte in Sachen Religion gemacht.“ Das Regime habe die ökonomische Nutzbarmachung der Religion bisher nicht nur toleriert, sondern gefördert. „Dahinter steht eine subtilere Logik, denn auf diese Weise macht man ein Geschäft und diskreditiert gleichzeitig die Religion. Tibet mit vielen ‚Buddhas‘ zu überschwemmen bedeutet, die rund 200 Millionen Buddhisten zu einem leicht verleitbaren Volk von Leichtgläubigen zu machen, deren Identität verschwimmt“, so Asianews.

Die Kommunisten wüßten, daß ihr Utopie längst an Attraktivität verloren hat. Ihr Ziel sei es daher nicht mehr, die Religion durch den „wissenschaftlichen“ Materialismus zu ersetzen, sondern die Religionen in das Regime einzubinden, zu spalten oder zu untergraben.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Ahaina (Screenshot)

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1 Comment

  1. Die Tibeter müssen sehr vieles erleiden, unter anderem die Zwangsterilisation tibetischer Nomadenfrauen. Hoffentlich bemerken sie den Betrug. In China und Randgebieten wachsen ja auch die christlichen Untergrund-Kirchen immer mehr. Ich kann da nur mit Bob Marley sagen: „They can fool some people sometimes, but they cannot fool all the people all the time !“

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