Noch einmal Kardinal Pie von Poitiers – Botschaft an Hierarchie und Laien

von Wolfram Schrems*

Im Anschluß an die Buchbesprechung vom 26. November soll nun, wie angekündigt, auch der zweite Sammelband, nämlich Kardinal Pie von Poitiers – Alles in Christus erneuern, Bischofsworte zur Wiedererrichtung einer christlichen Gesellschaft, wiederum von Michael Fiedrowicz herausgegeben, der interessierten Leserschaft zur Kenntnis gebracht werden. Dabei ist sehr zu wünschen, daß die Stimme Pies auch den Weg in die zeitgenössischen bischöflichen Kanzleien findet.

Der Band enthält eine ausführliche Einleitung zu Leben und Werk von Kardinal Pie (1815 – 1880) und 48 kurze oder längere Texte zu den Themen übernatürliche Ordnung, Kirche und Gesellschaft, wobei am Schluß einige Betrachtungen der Endzeit gewidmet sind.

Im folgenden ein kurzer Durchblick.

Die europäische Zivilisation als Frucht des Christentums – ohne Glaube keine Zivilisation

Pie weist nachdrücklich auf den Charakter unserer Kultur als Folge der kollektiven Entscheidung für den christlichen Glauben vor etwa eineinhalb Jahrtausenden hin. Auch heute zehrt man noch davon – ohne allerdings Substanz nachzulegen. Darum klingt es sehr ungewohnt, was Pie in diesem Zusammenhang sagt:

„Das christliche Europa wußte aus Erfahrung, daß es durch seinen Einsatz für den katholischen Glauben die Grundlagen seines eigenen Bestehens schuf und sicherte“ (71).

Der Blick in die Geschichte ist immer lehrreich und Pie sollte besonders für das 20. Jahrhundert und die Gegenwart recht behalten:

„Der Bankrott aller Versuche, ohne das Christentum eine politische und soziale Ordnung zu etablieren, wurde geradezu zu einem Beweis a posteriori, um das christliche Recht zu verteidigen“ (76).

Offenbarung und Philosophie

Was Pie zur Verhältnisbestimmung von Vernunft und geoffenbartem Glauben sagt, gehört zum Besten, was man überhaupt zu lesen bekommt.

Pie geht es einerseits darum, daß die rein natürliche Vernunft, somit auch die rein natürliche Ethik aus sich kein Heil schaffen kann – und das beweist wiederum die Geschichte, die „Fackel der Philosophie“:

Kardinal Pie: "Alles in Christus erneuern"
Kardinal Pie: „Alles in Christus erneuern“

„Wir weisen ausdrücklich der Vernunft alles zu, was die Kirche ihr zuweist; wir räumen gleichzeitig und ohne engherzige Bestreitung alles ein, was die Kirche nicht verbietet, ihr einzuräumen. Aber wir erklären, daß der bestmögliche Gebrauch der einfachen Vernunft, die vollkommenste Praxis der rein natürlichen Moral und Tugend nicht zum Heil führen können und da, abgesehen vom Fall unüberwindlicher Unwissenheit, mit dem wir uns momentan nicht beschäftigen wollen, der anständige Weltmensch, der sich von den Lehren und Praktiken der geoffenbarten Religion fernhält, nicht nur nicht zur Seligkeit des Himmels gelangen, sondern auch die Straßen zur Hölle nicht vermeiden könnte“ (103).

Gleichzeitig stellt aber Pie das Evidenteste fest, nämlich daß es genau die Katholische Kirche ist, die der Vernunft, dem gesunden Menschenverstand und der natürlich erkennbaren Ethik Heimatrecht gibt. Es ist daher kein historischer Zufall, daß die „mittelalterlichen“ Klöster die Weisheit nobler heidnischer Denker wie Platon, Aristoteles und Cicero durch die dunklen Jahrhunderte tradierten.

Die Lehre Pies ist deswegen so wertvoll, weil sie beide Straßengräben, nämlich einen übertriebenen Optimismus der „autonomen“ Vernunft als auch einen protestantischen und jansenistischen Vernunftpessimismus, vermeidet:

„Nein, tausendmal nein, Sie werden niemals lehren, daß ‚die natürlichen Tugenden falsche Tugenden sind, daß die natürliche Geistesgabe eine falsche Geistesgabe ist‘; nein, Sie werden gar keine ‚starke Argumentation gegen die Vernunft verwenden, um ihr mit entscheidenden Gründen zu beweisen, daß sie ohne den Glauben nichts vermag‘. (…) Die römischen Enzykliken haben Sie gelehrt, daß, wenn Sie die Vernunft abwerten, Sie das Subjekt zerstören würden, an das sich der Glaube richtet und ohne dessen freie Zustimmung der Glaubensakt nicht existiert“ (106).

Was aus der von Gott abgekoppelten Intelligenz folgt, sehen wir heute:

„Die Intelligenz des Mannes will nicht mehr dem Evangelium anhängen, (…) sie hängt den törichten Geheimnissen, den absurden Dogmen der Häresie oder des Unglaubens an“ (172).

Glaube und „Ethnopluralismus“

Die Gesellschaft ist natürliche Grundlage der kirchlichen Sendung. Die Kirche ist daher praktisch die einzige Institution, die den – neuerdings von patriotischen Autoren so genannten – „Ethnopluralismus“ gegen die von starken politischen Kräften betriebene Einebnung und Vermischung (fast) aller Völker verteidigt:

„Das Werk der Kirche ist ohne Zweifel ein geistliches Werk, das streng genommen das individuelle Heil einiger Menschen gewährleisten kann, die in der Isolation eines wilden Zustandes leben; aber dennoch ist die Kirche eine Gesellschaft“.

Denn:

„Als Jesus Christus den Aposteln ihre Sendung verlieh, sprach er daher nicht nur zu ihnen: Geht und lehrt die Menschen, sondern ‚Geht und lehrt die Nationen‘ (Mt 28,19). Um aber die Nationen zu lehren, muß es Nationen geben“ (212).

Gegen den „antirömischen Affekt“

Altar der Kathedrale von Poitiers, an dem Kardinal Pie zelebrierte
Altar der Kathedrale von Poitiers, an dem Kardinal Pie zelebrierte

Äußerst erfreulich und gegen den damaligen (und heutigen) Zeitgeist gerichtet ist die Synodalinstruktion 1856 über das „Erbe des antiken Roms“. Rom ist bekanntlich seit Jahrhunderten das Lieblingsfeindobjekt von Protestanten und getrennten östlichen Christen, seit einigen Jahrzehnten auch von irgendwie beeinträchtigten Katholiken, besonders von „progressiven“ Priestern, Theologen und Bischöfen. Neuerdings hat man den Eindruck, daß dieser Affekt auch beim „Bischof von Rom“ selbst existiert.

Bei der antirömischen Polemik wird völlig übersehen, daß die Trennung von Rom den vier östlichen Patriarchaten den politischen Untergang und die kirchliche Marginalisierung gebracht hat. Jede Aversion einer Teilkirche gegen die römische Führung vergrößerte den – illegitimen – Einfluß der jeweiligen weltlichen Macht (übrigens auch in Frankreich, was Pie sehr gut wußte).

Kardinal Pie stellt grundsätzlich fest:

„Das christliche Rom hat mit weit mehr Wahrheit als das antike Rom nur für den Frieden und das Glück der seiner Herrschaft unterstellten Völker regiert, und regiert so noch immer.“

Dann fährt er mit einer äußerst scharfsinnigen Analyse zur lateinischen Sprache fort:

„Indem [Roms] Sprache zum mächtigsten Mittel der Autorität wie der religiösen Einheit geworden ist, hat sie der Verwirrung und der Anarchie Babylons ein Ende bereitet. Und wenn diese Sprache die Sprache des Souveräns ist, so ist sie auch die Sprache der Freiheit: überall dort, wo sie nicht regiert, werden Sie Knechtschaft finden“ (250f).

Von daher muß man die faktische Abschaffung des Lateinischen in der – immer noch so genannten – Lateinischen Kirche als Monstrosität und Verbrechen begreifen.

Pie als Prophet politischer Entwicklungen

Pie kritisierte in einem Brief an den in Brasilien inhaftierten Bischof von Para 1874 den liberalen Katholizismus und verurteilte ein Schlagwort, das – in einer ähnlichen Formulierung – seit dem „Mariazeller Manifest“ 1952 in Österreich den Weg ins Desaster weisen sollte („freie Kirche in einer freien Gesellschaft“):

„Freie Kirche im freien Staat, so wie es diese Sektierer verstehen, bedeutet eine stumme Kirche gegenüber einem Staat, der frei ist, das natürliche Gesetz und das christliche Gesetz zu verletzen, ohne daß ihm irgendein Einwand gemacht werden könnte. Und wenn das Priestertum seine Stummheit aufgibt, obwohl es im Bereich der moralischen und geistlichen Ordnung handelt, ohne irgendein Mittel äußeren Zwanges, wird es selbst angeklagt und überführt, einen Anschlag auf die Gesetze und öffentlichen Freiheiten auszuüben“ (301).

Hier sind wir jetzt angekommen.

Eine überraschende und aufklärungsbedürftige Lücke

Kardinal Pie, Potrait von Eugene Lejeune Museum der Schönen Künste in Chartres
Kardinal Pie (Porträt von Eugene Lejeun, Museum Beaux-Arts Chartres)

Was den geschichtsbewußten Leser frappiert, ist eine überraschende Lücke im Werk Kardinal Pies. Er geht nämlich nirgends auf die Marienerscheinungen seiner Zeit ein. Das verwundert sehr. Kein Wort zur Rue du Bac (1830), zur apokalyptischen Botschaft von La Salette (1846) und auch nicht zu Lourdes (1858), das doch beim Tod des Kardinals zum Massenphänomen geworden war!

Der Verlag teilte mir mit, daß sich „im detaillierten Register (…) keine Hinweise auf die genannten Erscheinungen (finden), so daß Kard. Pie sie offenkundig in den Predigten nicht angesprochen hat, obwohl er ein großer Marienverehrer war“.

Das ist mir völlig unerklärlich. Vielleicht kann hier Prof. Fiedrowicz einmal Aufklärung schaffen.

Äußerst bemerkenswert: Lobrede von Jesuitenkardinal Billot

Der Herausgeber gab als Appendix eine Laudatio auf Kardinal Pie anläßlich dessen hundertsten Geburtstags 1915 bei. Louis Billot S. J. (1846 – 1931), der 1911 vom hl. Papst Pius X. zum Kardinal kreiert wurde, dieses Amt aber im Streit mit Pius XI. über die Action Française 1927 zurücklegte, bot seinerseits eine präzise Kritik der Apostasie seiner Zeit. Er sprach ausdrücklich von einer „Verschwörung von Männern der Kirche“, die „das Vorhaben der äußeren Antichristen“ weiterführten. Sein Glaubenssinn ließ ihn die bewußt orchestrierte Krise in Bibelwissenschaft, Dogmatik, Gesellschaft, Philosophie u. a. scharfsinnig analysieren.

Es ist von einer kaum zu überbietenden Tragik, daß es ausgerechnet die Mitbrüder Kardinal Billots aus dem Jesuitenorden waren, die die von ihm beklagte Vernichtung in Theologie, Kirche und Gesellschaft am effektivsten weiterbetrieben. Insofern war der 2012 verstorbene modernistische Jesuitenkardinal Martini ein radikales Gegenbild zu Billot wie auch zu Pie.

Keiner der beiden hätte sich träumen lassen, welche Positionen einmal sogar Papst aus dem Jesuitenorden vertreten würde. Sie hätten ihn wohl als Gegenpapst eingestuft.

Resümee

Die Texte öffnen die Augen für das Ausmaß des erschreckenden Glaubensabfalls, in dem wir jetzt, einhundertfünfunddreißig Jahre nach dem seligen Heimgang von Kardinal Pie, stehen. Wir sehen auch, wie sehr wir seit dem letzten Konzil zum Narren gehalten werden.

Insofern wären die Texte Pies in ihrem tiefen Glaubenssinn, ihrer scharfen Intellektualität und ihrer pastoralen Sorge ein Heilmittel für unsere Zeit.

Mögen die Bischöfe es hören! –

Die Einleitung in das Werk ist wie schon beim Auswahlband aus dem vergangenen Jahr tiefgreifend und aussagekräftig. Über 600 Fußnoten, Literaturverzeichnis und Register zeigen, daß sich der Herausgeber in der Materie auskennt.

Die äußere Gestaltung ist ebenfalls hervorragend gelungen: Umschlaggestaltung, Satz, Typen und Papier sind schön (was das Buch zu einem erlesenen Geschenk macht).

Erfreulicherweise wird keine „neue Rechtschreibung“ verwendet.

Es ist auf den ersten Blick erkennbar, daß ein gewaltiges Ausmaß an Arbeit in dem Band steckt. Da er trotz seiner Qualität und seines Umfanges verhältnismäßig wohlfeil ist, kann er für Herausgeber und Verleger kaum ein großes Geschäft sein. Insofern wird man für die Bereitstellung dieses wichtigen Materials in deutscher Sprache umso dankbarer sein müssen.

Deo gratias.

Kardinal Pie von Poitiers – Alles in Christus erneuern, Bischofsworte zur Wiedererrichtung einer christlichen Gesellschaft, Ausgewählte Texte, herausgegeben und eingeleitet von Michael Fiedrowicz, Carthusianus-Verlag, Fohren-Linden 2015, 352 S.; 28,90 [D], www.carthusianus.de

*MMag. Wolfram Schrems, Linz und Wien, katholischer Theologe, Philosoph, Katechist, langjähriger Dialog mit der kirchlichen Hierarchie

Bild: Wikicommons/Carthusianus-Verlag/Lectures francaises

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8 Comments

  1. Kardinal Pie (1815 – 1880) war ein glühender Bekenner des Christkönigtums. Er
    war auch davon überzeugt, dass ein jedes Volk so behandelt werde, wie es die Allerheiligste Dreifaltigkeit, Gott behandle:
    -
    „Das grosse Gesetz, das gewöhnliche Gesetz der Vorsehung ist der Lenkung der Völker
    ist das Gesetz der Vergeltung.
    Wie die Nationen Gott behandeln, so behandelt Gott die Nationen.
    Eine Gesellschaft, die sich um Ihn nicht kümmert,
    überlässt Er sich selbst, sodass sie an den Folgen ihrer Gottlosigkeit zugrunde geht“
    -

    Unter dieses „grosse Gesetz“ fallen auch die „humanistischen“ Nationen Europas. Der die christlich- kukturelle Identität Europas mit Füssen getreten und ganze Nationen in eine christuslose Nacht geführt habende freigeistige Irrsinn erntet nach und nach seine faulen Früchte ihrer Wahrheitsfeindschaft. Der sich ausbreitende Halbmond der gewaltdurchsetzten und die Weltherrschaft anstrebenden Irrlehre Islam als Speerspitze dieser „Ernte“ !

  2. Hmm – da erscheint mir im Denken Kard. Pies aber manches widersprüchlich, so wie es hier dargestellt und ja auch mit Zitaten unterlegt wird:

    Ich finde nicht, dass man ungeschützt sagen kann, es wäre keine politische und soziale Ordnung ohne das Christentum möglich, wenn man zugleich die natürliche Vernunft anerkennt.

    Laut hl. Paulus gehört die staatliche Ordnung ins natürliche, gottgewollte Gesetz, das auch den Heiden ins Herz geschrieben ist. Wenn jede staatliche potestas von Gott eingesetzt ist und dabei nicht unterschieden wird zwischen einer christlichen und nichtchristlichen, (der hl. Paulus spricht diese Worte ja als Bürger einer heidnischen Rechtsordnung), weil es bei ihr in erster Linie eben um eine natürlich Rechtsordnung geht, dann kann man den Satz „Der Bankrott aller Versuche, ohne das Christentum eine politische und soziale Ordnung zu etablieren, wurde geradezu zu einem Beweis a posteriori, um das christliche Recht zu verteidigen“ nicht schlüssig behaupten.

    Die natürliche Rechtsordnung ist ja nicht „christlich“, sondern einfach die natürliche Rechtsordnung.

    Vieles, was uns so typisch abendländisch christlich erscheint, war in der Tat schon vorher typisches Merkmal des römischen Rechtes oder auch der germanischen Sittlichkeit.

    An diesem Punkt vermischt sich hier also einiges hin zu einer Unklarheit…

    Auch der Versuch mit dem Missionsbefehl das Völkische zu einem Soll zu erklären, hängt wohl eher schief.
    Nationen gibt es (im Sinne von prä-staatlichen kulturellen Gesellschaften) seit dem Turm von Babel – als Strafe Gottes, der damit eine Überhebung der Menschen verhindern wollte.
    Nationen sind und bleiben eine Tatsache, auch wenn sie keine geometrisch-trennscharfen Figuren sind.
    Wir haben immer Vermischungsprozesse erlebt (v.a. in Großreichen wie dem römischen Reich).
    Völker sind nichts Statisches und waren es nie. Wie Gertrud von Le Fort es dichtet: In der Kirche beten Völker, die längst nicht mehr sind.
    Völker sind fragile, schimärische Nichtse – das ist Gottes Antwort auf den Wahn der Menschheit, sie könne sich ein bleibendes, immer höher schwingendes Denkmal setzen.

    In der Nation, der sterblichen Größe macht Gott uns darauf aufmerksam, dass wir auch im Kollektiv ein flüchtiger Schatten sind vor ihm.

    Wenn also Jesus die Jünger auffordert, allen Völkern das Evangelium zu predigen, geht es nicht drum, ob es Völker gibt oder geben müsste, sondern darum, dass die Menschheit sich immer nur trotz aller Ambitionen im „Pisspott“ (wie beim Fischer und seiner Frau) der flüchtigen Nation vorfindet, die in ein paar Jahrhunderten so nicht mehr sein wird, so eben, wie auch der einzelne Mensch sterben wird und sein Erbgut nur durch Vermischung mit anderen erhalten kann.

    Der stabile Faktor des Glaubens ist daher sogar zwimgend supranational, sonst wäre der Glaube flüchtig und nichtig wie es Völker sind.

    In diesem Äon aber sterben wir, gebären unter Schmerzen, kämpfen gegen Disteln und Dornen, essen unser Brot im Schweiß des Angesichtes und über die flüchtige Manifestation von Völkern im Wandel werden wir nicht hinausgelangen – auch nicht durch den Versuch, ein Volkstum festzuhalten. Auch das wird irgendwann untergehen und neuen Formationen weichen müssen.

  3. Ethnopluralismus umfasst nach Meinung der meisten ,,neuen Rechten“ aber auch die Religion. D.h. Religion und Kultur werden nicht wirklich unterschieden, so daß ein Ethnopluralist z.B. Mission tendenziell eher ablehnt.
    Davon abgesehen stellt die Vermischung von Völkern ganz einfach kein wie auch immer geartetes Problem dar.

  4. @zeitschnur:“über die flüchtige Manifestation von Völkern im Wandel werden ‚wir(?)nicht hinausgelangen-auch nicht durch den Versuch, ein Volkstum festzuhalten.Auch das wird irgendwann untergehen und neuen Formationen weichen müssen.“ Ach ja?Echt?Woher beziehen Sie denn Ihre erlauchten „Erkenntnisse?“ „Und neuen Formaionen weichen müssen:“Was für eine Phrasenderscherei,was soll der Unsinn!

    • Warum schon wieder diese finstere Aggressivität?

      …da tut es ein bisserl historische Bildung…

      Es gibt nirgends Völker, die kulturell und erst recht nicht ethnisch auf einem Stand blieben, allenfalls in abgelegen Weltgegenden, aber es handelt sich dort auch immer um eher wenig entwickelte und geistig wie materiell verarmte Menschen, die verschiedenen magischen Religionen anhängen.
      Hochkultur ging immer mit Vermischung einher, mit Handel und Kontakt nach außen.
      Was stört Sie daran?
      Jesus wurde zu einem Zeitpunkt geboren, als dies maximal ausgeprägt war!

      Als die Juden ihre völkische Identität durch den Messias wieder stabilisiert sehen wollten, hat er sie gerade darin abgewiesen.

      Nun hat aber gerade das Evangelium dazu geführt, dass nichts so blieb, wie es war. Kein Volk auf der Welt konnte angesichts des Sohnes Gottes weiterhin in seinem Saft schmoren und wird es niemals mehr tun können.
      Großreiche gingen unter, kleine Völker stiegen auf, bis auch sie untergingen und Neue entstanden.

      In einer Nebenbemerkung muss man daran erinnern, dass Katholiken massiv das Volkstum anderer Völker zertraten und sie mit der vorgelagerten ökonomischen Ausbeutung gleich noch zwangsmissionierten und dabei auch deren Kultur zerstörten. Der Glaube wurde auch so zum Deckmantel der Bosheit.
      Sie müssten für die Bitterkeit dieser Völker viiiiiel Verständnis haben…

      Würden Sie das Magnificat kennen, müssten Sie das alles eigentlich wissen oder – da keine historischen Kenntnisse vorhanden – zumindest ahnen.

      „Himmel und Erde werden vergehen.“

      Das sagt der Herr selbst. Und von ihm beziehe ich gerne meine Weisheiten…auch wenn es dem irdischen Verstand nicht schmecken mag, der sich an das Irdische hängen mag.
      Die völkische Idee ist einer der Wege, sich Unsterblickeit einzubilden auf dieser Erde.
      Mein Leib verfällt mit jedem Tag, und mein Volk wird mich mit Sicherheit nur um unbedeutende Zeiträume überleben. Das ist der Lauf der Welt.
      Sehen Sie doch, wie aus den alten vorchirstlichen Völkern hier nach mehrern Völkerwanderungen und Hunneneinfällen einzelne europäische Nationen enstanden sind…
      Sind die Griechen heute das, was sie einmal waren?
      Und wo sind die Römer geblieben?
      Was haben wir mit den alten Kelten und Germanen zuschaffen?
      Wo gäbe es sie noch so, wie sie damals waren?
      Alles hat sich verändert und gewandelt, vermischt und neu getrennt.

      Lassen Sie sich von einem nüchternen Geist anstecken und nicht allzuviel Hoffnung auf das Hier und Jetzt setzen. Man wird das Volk, dem man entstammt, immer lieben, aber Jesuss agte, er werde Mutter und Tochter und Vater und Sohn um seinetwillen entzweien.
      Seien Sie also klug und bauen Sie auf die Zukunft im Himmel und nicht auf Flüchtiges und Nichtiges.
      Denn es hat keinerlei Verheißung – für Christen jedenfalls nicht.

  5. Mmag. Wolfgang Schrems sei für diesen heäusserst interessanten Artikel über Kard. Pie herzlichst gedankt.
    Die großartige Leistung von Kard. Pie beeindruckt umsomehr als er nach 26 Jahren Zerstörung, Plünderung und Verfolgung der Kirche geboren wurde; er mußte zuallererst versprengte Truppen sammlen, das ist militärisch gesprochen wohl das Schwierigdte, was es geben kann.
    Seine Feststellung, daß alle laizistische und durch Aufklärung, Liberalismus, Sozialismus und Kommunismus inspirierte politische und soziale Staatsversuche scheiterten, sind durch die Weltgeschichte tatsächlich bestätigt worden.
    Typisch französisch stellt Kard. Pie das Griechische „Ethné“ (Volk, Stamm) mit „nation“ gleich- „peuple“ wird da nur am Rande betont (wobei das französische Pendant des Adjektivs „völkisch“ mir unbekannt war- es gibt es in diesem Kontext kaum; Langenscheidt übersetzt es mit „raciste“, was nun von Kard. Pie wirklich niemals im Mund genommen wurde).
    Insgesamt ein äusserst interessanter Kardinal mit gewaltig scharfem Blick und sehr viel fruchtbringender Tat.
    Hoffentlich findet das besprochene Buch viele Leser.

    Nebenbei: ich freue mich besonders daß neben diesem Artikel Werbung gemacht wird für den zweiten Band „Meditationen eines Christen“ von Robert Spaemann (Die Psalmen 52-152).
    Vor einigen Monaten gratulierte ich dem Verlag in Stuttgart zu dieser großen verlegerschen Leistung und fragte zugleicherzeit , ob ein zweiter Band zur Veröffentlichung anstand.
    Damals war die Antwort ziemlich unbestimmt-aber das erste Buch hat die erwafrtungen doch erfüllt.
    Es freut sehr, daß der Absatz dieses großartigen Buches inzwischen offensichtlich so gut war, daß sehr schnell der zweiter Band ausgegeben wurde.
    Mens agitat molem!

    • Das Wort „völkisch“ ist ursprünglich das Adjektiv zu „Volk“. Parallel zu „national“ und „Nation“.

      Kann sein, dass Sie das als Nichtdeutschsprecher einfach nicht wissen oder schlicht durch eine teilweise absurde Entnazifizierung der Sprache.

      In deutschen Publikationen vor allem natürlich vor dem 3. Reich war das Wort gang und gäbe, auch in kirchlichen Texten, es wurde häufiger gebraucht aufgrund des Aufstiegs des nationalliberalen Gedankens im 19. Jh – warum auch nicht, solange es nicht spezifisch ideologisch verwendet wird https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkisch.

      Ein Rassismus wurde damit erst in der verengten und fanatisierten Lesart der Nazis verbunden.

      Ein Debatte darüber, was ein Volk überhaupt sein soll, brauchen wir hier aber nicht – sie ist in Tausenden von Pubikationen seit ca. 200 jahren soweit ausgebeutet, dass klar ist: Es gibt keine statischen, für die Ewigkeit bestimmten irdischen Völker. Punkt und Basta.

      Das ist eine Wahnidee des 19. Jh und hat maßgeblich den Glaubensabfall erleichert. An die Stelle der Zugehörigkeit zum Reich Gottes trat die zum „Volkskörper“.

      Man hat nie die Existenz von „gentes“, „nationes“, „Völkern“, „Nationen“ oder „Stämmen“ bezweifelt, aber man hielt sie vor dem 19. Jh nicht für statische und göttliche Größen.
      Der „populus“ dagegen, den Sie erwähnen meinte demgegenüber im gefolge der römischen Auffassung die Bürger oder auch Untertanen eines Königs oder einer Herrscherelite und das war grundsätzlich nie völkisch gedacht!

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