„Mit einer Pistole auf den Petersplatz“ – Sicherheitslücken zur Eröffnung des Heiligen Jahres

Journalist mit Pistole auf Petersplatz
Journalistin gelangte mit Pistole auf den Petersplatz

(Rom) Kurz vor Beginn des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit arbeiten die italienischen Sicherheitsbehörden intensiv daran, Sicherheitslücken zu schließen. Es sei leicht, Waffen in den Vatikan zu schmuggeln, bemängelten Sicherheitsexperten die derzeitige Situation. Eine Journalistin machte die Probe aufs Exempel und schmuggelte vergangenen Samstag eine Pistole auf den Petersplatz – und zwar problemlos.

Der Präfekt von Rom erließ zeitgelich eine Reihe von Maßnahmen zum Jubeljahr der Barmherzigkeit, das morgen eröffnet wird. Der Transport von Waffen, Treibstoff und anderen entflammbaren Flüssigkeiten wurde eingeschränkt.

Sicherheitsmaßnahmen, um Attentaten von Dschihad-Milizen vorzubeugen

Der Präfekt stützt sich dabei auf Anti-Terror-Gesetze. Konkret soll Attentaten des Islamischen Staates (IS) und anderer Dschihad-Milizen vorgebeugt werden. Die Gefahr solcher Angriffe wird vom italienischen Innenministerium als „realistisch“ eingestuft.

Präfekt Franco Gabrielli erließ für die Zeit von Sonntag, 6. Dezember bis Mittwoch, 9. Dezember ein Verbot, mit dem grundsätzlich jeder Transport von Waffen, Munition, Sprengstoff und toxischen Gasen auf dem gesamten Territorium der Präfektur Rom verboten wurde. Ebenfalls verboten ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern jeder Art.

Für den gesamten 8. Dezember, an dem die katholische Kirche das Hochfest Mariä Empfängnis feiert, ist jeglicher Transport von Treibstoffen, Flüssiggas, Methan und anderer entflammbarer Stoffe verboten. Die Bürger wurden angewiesen, in den genannten Tagen auch keine Fahrzeuge, Waffenkoffer, Hüllen oder Verpackungen zu gebrauchen, die gewöhnlich vom Heer oder der Polizei gebraucht werden oder dem Transport von Waffen dienen könnten, um jede Gefahr einer Verwechslung oder eines Verdachts auszuschließen.

Erfahrener Anti-Terrorspezialist besorgt über Sicherheitslücken

Mit falschem Behindertenausweis und einer Pistole auf den Petersplatz
Mit falschem Behindertenausweis und einer Pistole auf den Petersplatz

Präfekt Gabrielli gehört zu den erfahrensten Anti-Terror-Spezialisten Italiens. Seit 1987 war er in leitenden Funktionen des Staatsschutzes (DIGOS) tätig. Ab 2000 leitete er die DIGOS von Rom. Er war an der Zerschlagung der jüngsten Generation der linksextremen Terrororganisation Rote Brigaden (BR) beteiligt. 2004 übernahm er den Aufbau des neuerrichteten Anti-Terrorismus-Komitees (CASA) und wurde 2005 Chef der Zentrale zur Terrorbekämpfung des Innenministeriums. Damals konnte ein islamischer Täter der Londoner U-Bahn-Attentate in Italien verhaftet werden. 2006 wurde Gabrielli Leiter des italienischen Inlandsgeheimdienstes SISDE. Im vergangenen April wurde er mit Blick auf das Heilige Jahr der Barmherzigkeit zum Präfekten von Rom ernannt. Medienberichten zufolge zeige der Präfekt Zweckoptimismus, sei aber in Wirklichkeit über vorhandene Sicherheitslücken besorgt.

Dazu besteht auch Grund: Morgen wird Papst Franziskus mit der Öffnung der Heiligen Pforte des Petersdomes das Jubeljahr der Barmherzigkeit eröffnen. Erst am vergangenen Samstag berichtete die Journalistin Mary Tagliazucchi der Tageszeitung Il Giornale darüber, wie sie am späten Vormittag problemlos mit einer Pistole in der Tasche auf den Petersplatz gelangen konnte. „Lächeln, Handtasche und Pistole: So kam ich in den Vatikan“, lautet der Titel des Artikels. „Wenige Tage vor Beginn des Jubeljahre gelangte eine Pistole problemlos auf den Petersplatz. Es genügte ein (falscher) Behindertenausweis …“ Dieser war „erkennbar gefälscht“. Die Journalistin schmuggelte eine Pistole Marke Tokarew-TT, Modell 57 Jugo, Kaliber 7,62 mm in den Vatikan. „Diese Waffe ist vor allem in Osteuropa, in Afrika und im Nahen Osten verbreitet. Sie wurde auch Anfang des Jahres beim Angriff auf den jüdischen Supermarkt in Paris verwendet“, wie ein Waffenexperte der Journalistin bestätigte.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Il Giornale (Screenshots)

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3 Comments

  1. Der obige Artikel gibt zu denken, es wird nicht besser sondern schwieriger.
    Zur allgemeinen Sachlage ein wichtiges Interview mit Willy Wimmer, Urgestein der CDU, jahrelanges Mitglied des Verteidigungsministeriums und ehemaliger Vize-Präsident der OSZE !!: KenFM am Telefon: Willy Wimmer zum JA für den Einsatz der Bundeswehr in Syrien: https://www.youtube.com/watch?v=nQoiBaA_vtw — Willy Wimmer charakterisiert die Situation als eine der brisantesten seit 1949 und kritisiert auch das Schweigen der Kirchen ! Zitat: „Wir haben mit „Winkeladvokaten“ zu tun, die das Gesetz kriegskompatibel auslegen. Wimmer spricht von einer „gekaperten CDU“ und „politischem Schwachsinn“ auf ganze Linie. Für den bekennenden Katholiken ist aber auch das Schweigen der katholischen Kirche unerklärlich.“

    • liebe Jeanne dArc@ ich habe dieses Interview gehört……. kann Ihnen mehr als 100% zustimmen! Ich bin froh wann ein Mensch seine Augen nicht mehr verschließt….
      Ich wünsche Sie ein gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und alles alles Gute für 2016! Salvator mundi salva nos…

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