Manfred Scheuer, Verwalter des Niedergangs, wird neuer Bischof von Linz

Manfred Scheuer wird neuer Bischof von Linz
Manfred Scheuer wird neuer Bischof von Linz

von Martha Weinzl

(Wien) In der österreichischen Diözese Linz herrscht eine ambivalente Stimmung, die den Gesamtzustand der katholischen Kirche Österreichs widerspiegelt. Die einen freuen sich, die anderen sind niedergedrückt. Gestern wurde vom Staatsrundfunk ORF gemeldet, Innsbrucks Bischof, Manfred Scheuer (60), werde neuer Diözesanbischof von Linz. Die Tageszeitung Oberösterreichische Nachrichten berichtete heute triumphierend: „Linz bekommt seinen ‚Wunschbischof‘“.

Eile bei der Bekanntgabe

Der Vatikan bestätigte die Ernennungsgerüchte vorerst nicht, doch werden sie von der katholischen Nachrichtenagentur KAP und auf der Internetseite der Erzdiözese Wien als sichere Tatsache berichtet. Laut Oberösterreichischen Nachrichten soll die Ernennung „in den nächsten Tagen“ erfolgen. Trotz dieses Vorbehalts, kann kein Zweifel daran bestehen: Manfred Scheuer wird nächster Bischof von Linz. Die österreichische Bundesregierung, die gemäß Konkordat jeder Bischofsernennung zustimmen muß, erteilte heute Scheuer ihre Einwilligung.

Jemand hatte es mit der Bekanntgabe des Wechsels von Innsbruck nach Linz jedenfalls besonders eilig. Innerkirchlich gilt Schweigepflicht bis zur offiziellen Ernennung durch den Papst. Indiz dafür, wie froh bestimmte hohe Kirchenkreise über die Ernennung sind. Eine Ernennung, die sie wohlwollend gefördert haben. Die Diözese Linz gilt als Paradebeispiel für den kirchlichen Niedergang. Es gibt daher viele interessierte Augen für eine Bischofsernennung.

Kriterien für einen österreichischen Bischof anno 2015

Die Kriterien für einen Bischofskandidaten sind kirchlich festgelegt, doch Papier ist geduldig. Die tatsächlichen Kriterien lauten in Österreich in etwa wie folgt:

Ein Bischof sollte ein möglichst unauffällig und unbeschriebenes Blatt sein, mehr noch sollte er nirgends anecken, jedenfalls nicht bei für die öffentliche Meinung relevanten Kreisen in Politik, Medien und Wirtschaft, er sollte daher möglichst in der Mitte des im Land vorherrschenden Allgemeinklimas verortet und kein offener Rebell sein, vor allem aber niemandem „wehtun“, womit auch die wiederverheirateten Geschiedenen, in wilder „Ehe“ oder homosexueller Beziehung lebenden Eliten in Gesellschaft und Kirche gemeint sind, einschließlich des weiblichen Anteils von ihnen, der abgetrieben hat. In Summe bedeutet das: er sollte nicht zuviel Eigeninitiative entfalten, sich gut in das nachkonziliare Rätewesen einfügen, sprich teamfähig sein und neuerdings auch „Synodalität“ beweisen, und vor allem kein ideenstarker und entschlossener Verkünder des katholischen Glaubens sein.

Das allerwichtigste an einem Bischof aber ist: er sollte möglichst die Kirchenaustrittszahlen gering halten, damit die Kirchensteuer weiter fließt.

Unterm Strich sollte er also weitgehend Mainstream-angepaßt sein oder ausreichend Gewähr bieten, sich diesem anzupassen. Er wird sich also vorwiegend zu jenen Themen zu Wort melden, in denen er seine Übereinstimmung mit den Regierenden und der öffentlichen, zumindest der veröffentlichten Meinung unter Beweis stellen kann. Und, er wird zu jenen Teilen der katholischen Glaubenslehre tunlichst schweigen, die nicht Teil des Mainstream sind.

In diesem Rahmen bewegen sich bisher die Bischofsernennungen unter Papst Franziskus für Österreich. Die Versetzung von Scheuer von Innsbruck nach Linz stellt nach Feldkirch, Salzburg, Graz-Seckau und dem Militärordinarius die fünfte Ernennung des argentinischen Papstes dar. Ein Blick auf die Meldung der Presseagentur der Österreichischen Bischofskonferenz KAP läßt erkennen, welche Schlüsselwörter zählen: „Mann der Mitte“, „konzilsverbunden“, „Ökumene“, „Caritas (Organisation). Vor wenigen Tagen stellte Scheuer sein neuestes Buch vor, dessen Titel an Papst Franziskus erinnert: „Wider den kirchlichen Narzissmus“. Ein „spirituell-politisches Plädoyer“, wie es im Untertitel heißt.

Diözese im „progressiv“ gelenkten Niedergang

Damit stellt sich die Frage, für wen Msgr. Scheuer der „Wunschbischof“ ist und wer die „vielen“ sind, die sich gerade ihn an der Spitze der Diözese Linz wünschen.

Die höchsten Diözesangremien beschäftigten sich schon seit zwei Jahren mit einer Profilerstellung für den künftigen Bischof. Angesichts eines linksgrün und liberal durchwirkten Diözesanapparats kann man sich die gestellten Anforderungen ausmalen. Bischof Scheuer, ein gebürtiger Oberösterreicher, wurde früh als „Idealkandidat“ genannt. Das hat seine Gründe.

Das subversive, weitgehend akatholische Milieu fürchtete um Pfründe und Bequemlichkeiten. Der Eifer für „die Sache“ einer „anderen Kirche“ tat das Seine dazu. Zum besseren Verständnis. Linz ist ein zwischen „Kirchenreformern“ und „Konservativen“ hart umkämpftes Pflaster, wobei Letztere zweifellos im Nachteil sind. Sie dürfen in den unteren Etagen rackern, während es sich die andern in den oberen Etagen gemütlich gemacht haben.

Zauners „Rheinische Allianz“, Aicherns „Priesterin“

Nach Jahrzehnten „liberaler“ Bischöfe darf auch kaum mit anderem gerechnet werden. Unter Bischof Franz Zauner, noch 1956 von Papst Pius XII. ernannt (seit 1949 Koadjutor), schwenkte die Diözese unter Johannes XXIII. mit wehenden Fahnen ins Lager der „Optimisten“ über, in historischer Begrifflichkeit ausgedrückt, ins Lager der „Rheinischen Allianz“. Linz gehörte zu den Diözesen des deutschen Sprachraums, in denen der „Geist des Konzils“ besonders virulent wütete. Mit Alois Wagner erhielt Zauner sogar einen noch liberaleren Weihbischof zur „Konzilsumsetzung“.

Ihm folgte nach 24 Jahren der fidele Benediktiner Maximilian Aichern. Ein Kompromißkandidat, um Alois Wagner als Kandidat der „Liberalen“ und Kurt Krenn als Kandidat der „Konservativen“ zu verhindern. Damit stellte Aichern einen Prototypen des „idealen“ österreichischen Bischofs dar. Nicht „links“, nicht „rechts“, sondern in der Mitte und im Zweifelfalls eher „links“, um es in unangemessener Anlehnung an politische Kategorien zu verdeutlichen. Aichern trieb es schließlich in Sachen „Frauenpriestertum“ der Mayr-Lumetzberger so bunt, daß er vorzeitig emeritiert wurde. Das war allerdings wiederum erst nach 24 Jahren.

Für die „Priesterin“ Christine Mayr-Lumetzberger fühlte Aichern vielleicht deshalb eine gewisse Schwäche, weil sie als Benediktinerin aus demselben Orden stammte. Aichern konnte den Verdacht nie wirklich ausräumen, die „Priesterinnenausbildung“ für Mayr-Lumetzberger aus der Diözesankasse gesponsert zu haben. Jedenfalls begnügte sich die Ex-Ordensfrau nicht mit dem Stand des geweihten Lebens, sondern fühlte sich zu Höherem berufen. Sie sprang aus dem Kloster aus und heiratete. Doch auch der Ehestand konnte ihren Höhendurst nicht stillen. So ließ sie sich 2002, auf ebenso zweifelhafte wie ungültige Weise, zur „Priesterin“ weihen. Kurz darauf packte sie nach dem Motto wenn schon denn schon, noch eine nicht minder ungültige Weihe zur „Bischöfin“ obendrauf.

Dann kam der Bischofswechsel. Aichern wurde auf gut österreichisch, also elegant, emeritiert. Obwohl Benediktiner, wollte er nicht mehr ins Kloster zurückkehren. Auch eine Aussage. Um Mayr-Lumetzberger wurde es stiller. Sie soll obskure Zeremonien simulieren, gelegentlich auch in katholischen Kirchen. Ob immer mit Wissen der Pfarrherren oder klandestin, sei dahingestellt.

Schönborns „konservativster“ Weihbischof für Linz

Wiens Erzbischof, Kardinal Schönborn, der starke Mann in Österreichs Kirche, schickte damals seinen „konservativsten“ Weihbischof nach Linz. Das war im Jahr 2005.

Der Gesandte hieß Ludwig Maria Schwarz und stammte aus dem Salesianerorden. In den glaubenstreuen Kirchenkreisen war das Aufatmen unüberhörbar. Sie waren systematisch aus der Kirchenleitung hinausgedrängt worden. Noch intensiver verlief der Umbau im hauptamtlichen Kirchenapparat, der kräftig aufgebläht wurde. Die Diözese zählt heute mehr hauptamtliche Apparat-Mitarbeiter als Priester. Letztere fühlen sich vom Apparat gegängelt, bevormundet, genervt und abgedrängt, häufig zugunsten weiterer Laien-Appartschik.

Der Zustand in den Pfarreien ist zum Teil desolat. Die guten Priester bilden Inseln des Glaubens und des Widerstandes. Sie müssen sich mit aufmüpfigen, besonders mit angeblich theologisch (aus)gebildeten Laien herumschlagen. Von der Diözesanleitung haben diese Priester keine Hilfe zu erwarten. Das wissen sie. Die zahlreichen Zusendungen der zahlreichen Ämter, Büros und Stellen des Ordinariats wandern bei manchen ungeöffnet in den Papierkorb. Das sei die einzige Form des „direkten Schutzes“ und der „psychischen Hygiene“.

Um so mehr Rückendeckung finden hingegen „progressive“ Kleriker. Ein Drittel des oberösterreichischen Klerus unterzeichnete den 2006 gestarteten „Aufruf zum Ungehorsam“ der sogenannten Pfarrer-Initiative. Um diese Rückdeckung geht es auch bei der Bischofsernennung.

Bischof Schwarz gilt als integrer, aber unentschlossener Mann. „Zu gut“ sei er, was allgemein bestätigt wird. Eine Auszeichnung für den Bischof ist das Lob dennoch nicht. Sein „Gutsein“ hat eine Kehrseite. Er kam die Donau aufwärts mit dem Auftrag, die sprichwörtlich gewordenen „Linzer Zustände“ zu beseitigen. Darum bemühte er sich auch: er untersagte die Laienpredigt und stellte die Taufen durch PastoralassistentInnen ab. Doch die Appartschik kauften ihm die Schneid schnell ab.  Die Folge war eine innere Emigration des Bischofs. Manchmal hörte man monatelang in der Öffentlichkeit nichts mehr von ihm. Nach einer solchen Phase ließ er sich 2013 in der eigenen Kirchenzeitung beim Entenfüttern abbilden. War es eine Form, seinen Rückzug nach außen zu kommunizieren oder Ausdruck der völligen Resignation?

Ein Zaungast geblieben

Der Hinweis auf die „eigene“ Kirchenzeitung ist als Euphemismus zu verstehen. Dort haben Appartschik das Sagen, der Bischof jedenfalls nicht. Die Linzer Kirchenzeitung gilt seit Jahrzehnten als Plattform für eine „kirchen-, glaubens- und rom-kritische Haltung“, so der oberösterreichische katholische Rundbrief „Die Wahrheit“ 2009. Die Kirchenzeitung wollte bereits zehn Jahre zuvor den von ihr gestifteten Solidaritätspreis der HomosexuellenInitiative Linz verleihen, was nur durch den Protest der Bevölkerung verhindert wurde.

Zumindest eine Personalentscheidung von Bischof Schwarz ließ positiv aufhorchen: 2006 wurde an 15.000 oberösterreichische Jugendliche eine CD zum Thema Sexualität verschickt, mit der Werbung für Verhütung, Abtreibung und Homosexualität betrieben wurde. Der von Aichern eingesetzte und für die Aktion verantwortliche „Kommunikationschef“ der Diözese mußte 2009 dafür den Hut nehmen. Er fiel weich und leitet heute das Medienbüro der österreichischen Ordensgemeinschaften. Deren Vorsitzender, Alt-Abt Christian Haidinger, posaunt, daß die katholische Morallehre „unmenschlich“ sei und spricht sich für die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene, das Frauenpriestertum und die Aufhebung des Priesterzölibats aus. Unter Gleichgesinnten lebt sich‘s sicher besser.

Zweimal weihte Bischof Schwarz in seiner Amtszeit Diakone der Petrusbruderschaft zu Priestern, zuletzt am vergangenen 4. Juli. Es läßt erkennen, zu welchen Leistungen dieser Bischof fähig gewesen wäre, hätte er geeignete Mitarbeiter und ein geeignetes Umfeld um sich gehabt. Eine Entschuldigung ist es nicht.

Bischof Schwarz tritt nach zehn Jahren an der Spitze der Diözese ab und kann von sich behaupten, in gewisser Weise ein Zaungast geblieben zu sein.

Der Fall Wagner

Nach der „liberalen“ Wüstung des Landes wäre ein Jahrzehnt ohnehin nicht ausreichend gewesen, der Diözese wieder Orientierung zu geben. Das wurde auch in Rom unter Benedikt XVI. so gesehen. Deshalb sollte 2009 Bischof Schwarz mit dem intellektuell brillanten, theologisch sattelfesten und pastoral erfahrenen Pfarrer von Windischgarsten, dem Dogmatiker Gerhard Maria Wagner, ein Weihbischof zur Seite gestellt werden.

Was von Benedikt XVI. an Wagner geschätzt wurde, wurde von „liberalen“ Kreisen an ihm verachtet: Wagner ist für seine Glaubenstreue bekannt. Gefürchtet ist vor allem sein Intellekt und seine Streitbarkeit. Die Parallele zum St. Pöltener Bischof Kurt Krenn, auch Oberösterreicher, war schnell gezogen. Dessen Bischofsstuhl hatte man 2004 in mühevoller Arbeit abgesägt. Nichts wollten die „progressiven“, aber auch die „moderaten“ tonangebenden Kirchenkreise Österreichs also weniger, als einen zweiten Krenn.

So wurde zur Jagd geblasen. Im Handumdrehen war der ernannte Weihbischof zum Freiwild geworden. Der Linzer Bischof in spe, Manfred Scheuer, beeilte sich auf Distanz zu seinem ehemaligen Studienkollegen Wagner zu gehen. Sich im richtigen Moment richtig zu positionieren, gehört zum kleinen Einmaleins der Eliten. Deren Kunst darin besteht, oben zu überleben und – und möglichst noch höher zu steigen.

Um es kurz zu machen: Mit vereinten Kräften von kirchenfernen Kreisen, „kirchenkritischen“ Medien, progressiven Hardlinern und nicht zuletzt dem innerkirchlichen Mainstream um Kardinal Schönborn, wurde Wagner verhindert. Jeden Tag wurde mehr Dreck auf ihn geschleudert. Dem hätte er wohl standgehalten, doch schließlich kam aus Rom die Bitte, „des Friedens willen“ auf das Amt zu verzichten. Wagner gehorchte und trat zurück, noch ehe er die Bischofsweihe empfangen hatte. Wie hätte er auch gegen den Willen jenes Papstes Bischof sein können, der ihn ernannt hatte?

Der Fall Wagner illustriert den Einfluß des Wiener Kardinals, dem es gelang, Benedikt XVI. umzustimmen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dies sei nur gelungen, indem der „Teufel an die Wand gemalt“, das heißt, ein Schisma vorhergesagt wurde, sollte Wagner Weihbischof werden.

Mit Scheuer Risiken minimieren

Ein Weihbischof Wagner wäre den Linzer Apparatschik schwer erträglich gewesen. Diese gingen aber davon aus, daß Wagner die Nachfolge von Bischof Schwarz antreten werde. Ein Bischof Wagner aber ließ in liberalen Kreisen alle Alarmglocken läuten.

Sechs Jahre sind seither vergangen. Am vergangenen 4. Juni vollendete Bischof Schwarz sein 75. Lebensjahr. Doch Pfarrer Wagner spielte bei der nunmehrigen Bischofsernennung keine Rolle mehr.

Der Fall erklärt zu einem guten Teil, warum Scheuer als „Wunschkandidat“ bestimmter Kreise gilt. Jede Ernennung birgt Unbekannte und Risiken. Die Ernennung Scheuers minimiert diese auf eine überschaubare Größe. Als amtierender Bischof besteht zudem eine weit größere Aussicht, die Personalentscheidung in Rom durchzubringen, als einen neuen „liberalen“ Kandidat.

Die guten Kräfte in der Diözese Linz, die es in einer ganzen Reihe von Initiativen gibt, kommen in dieser Darstellung zwangsläufig zu kurz. Benannt werden die Defizite, die einer Abhilfe harren, für die aber keine Abhilfe in Sicht ist. Schließlich gilt: Der Apparat arbeitet vor allem für – den Apparat. Mit Bischof Scheuer hat der Apparat gute Aussichten, daß alles bleibt wie es ist. Und das will etwas heißen in Linz.

Die Negativseite der Diözese

Es heißt, daß der das Wesen und den Auftrag der Diözese verzerrende Apparat seine Pfründe bewahrt und weiterhin ein Christentum Light vertreten kann.
Es heißt, daß Dompfarrer Strasser mit der Zertrümmerung des Altarraumes fortfahren kann.
Es heißt, daß der Pfarrer einer Linzer Pfarrei weiterhin statt im Pfarrhaus bei seiner Frau und seinen Kindern in einer Wohnung leben kann.
Es heißt insgesamt, daß die beweibten (und gelegentlich auch bemannten) Priester in der Diözese, die es in einem Ausmaß gibt, wie zuletzt nur nach der Reformation, für die nächsten 15 Jahren beruhigt sein können, an ihrem Lebenswandel nichts ändern zu müssen.
Es heißt zudem, daß weiterhin in manchen Pfarreien am Sonntag, etwa in Linz und Wels, statt des Pfarrers eine Pastoralassistentin mit Albe und Pseudostola einzieht und „Gottesdienst“ feiert, singt, predigt, am Altar irgend etwas Undefinierbares herumwerkelt.
Es heißt, daß in der ältesten Kirche von Linz, weiterhin an jedem Sonntag „Gottesdienst“ gefeiert wird, aber nur einem Sonntag davon eine Heilige Messe, an den anderen Sonntagen feiert ein „Liturgisches Team“, womit die Kirchenbesucher aktiv von der Erfüllung der Sonntagspflicht abgehalten werden.
Es heißt, daß die Kirchenzeitung weiterhin ein Mauerblümchendasein fristet, das sich in politisch korrekten Plattitüden erschöpft.
Es heißt, daß mit Kirchengeldern weiterhin zwielichtige linksextreme Vereine gesponsert werden und sich diese kirchenfeindlichen Kreise in katholischen Bildungshäusern der Diözese versammeln können.
Es heißt, daß glaubenstreue Initiativen weiterhin keine wirkliche Unterstützung erhalten und eine ernsthafte Evangelisierung des Landes ausbleiben wird.
Es heißt, daß das, was in den offiziellen katholischen Verbänden alles „geglaubt“ wird, keiner bischöflichen Prüfung unterzogen wird. Auch in Linz, wie in den meisten Diözesen, wollen es die Bischöfe lieber gar nicht wissen.
Die Auflistung ist desillusionierend, weshalb es damit belassen sein soll.

Der 14. Bischof von Linz

Manfred Scheuer wird der 14. Bischof von Linz, einer noch verhältnismäßig jungen Diözese, die erst 1783/1785 auf kaiserliche Initiative entstand. Bis dahin gehörte Oberösterreich kirchlich zur Diözese Passau.

Scheuer, Jahrgang 1955, lehrte Dogmatik an der Katholischen Universität Linz. Wieviel diese taugt, kann man erwägen, wenn man weiß, daß Bischof Schwarz sich zwar den Luxus einer eigenen Universität leistete, seine wenigen Seminaristen aber zum Studium lieber nach Innsbruck schickte. Er hätte sie auch nach Heiligenkreuz schicken können, aber das wäre schon wieder zuviel des Guten gewesen und in den Diözesangremien ohne Widerstände nicht durchsetzbar. Widerstände aber waren Bischof Schwarz ein Greuel. Wie gesagt, ein „guter Mann“.

Seine akademische Karriere führte Scheuer dann nach Trier. Zudem war er Postulator für den Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter. Die Haltung Jägerstätters ist nicht unumstritten. Scheuer jedenfalls sammelte sich mit ihm politisch korrekte Meriten.

Er trat nie als offener Rebell auf, gab jedoch geflissentlich zu verstehen, für „liberale“ Anliegen mehr Gehör zu haben als für die „konservative“. Die „ungehorsamen“ Kleriker finden in ihm einen wohlwollenden Gesprächspartner. Die Forderungen der „Rebellen“ verwarf er keineswegs, sondern meinte lediglich in perfektem modernem Kirchensprech, einige seien auf diözesaner Ebene „nicht umsetzbar“.

In Scheuers bisheriger Diözese Innsbruck simulierte Martha Heizer, die Vorsitzende von „Wir sind Kirche“, vor Gleichgesinnten zu Hause Meßfeiern. Scheuer schritt nicht dagegen ein, wie es seine Pflicht gewesen wäre, sondern ernannte 2011 eine Untersuchungskommission. Erst als die Glaubenskongregation im Frühjahr 2014 die Exkommunikation verhängte, überbrachte Scheuer das römische Dekret.

Scheuers Spur im Sand

Welche Spuren hinterläßt also Scheuer nach zwölf Jahren als Bischof von Nordtirol? Auffällig wurde er nur durch sein Nichthandeln im Fall Heizer; die prompte Distanzierung von Weihbischof Wagner; das eilfertige Selbstbekenntnis als Kasperianer, der sich für „mehr Rechte“ für wiederverheiratete Geschiedene stark macht; durch die Entfernung eines Kaplans, der es gewagt hatte, von Hölle und Fegefeuer zu sprechen; als Statist bei multireligiösen Veranstaltungen der Regierenden; durch die „Anregung“, die Laienpredigt als „pastoral notwendig“ zuzulassen.

Scheuer erwies sich vor allem als ein Verwalter des schleichenden Niedergangs. Mehr scheint man in der österreichischen Schönborn-Kirche von einem Diözesanbischof auch nicht zu erwarten.

Und als solcher ist Scheuer der „Wunschbischof“ Gleichgesinnter in Linz. Impulse zur geistlichen Erneuerung der Kirche Oberösterreichs jenseits eines weichgespülten grün-affinen Christentums sind von ihm nicht zu erwarten. Das Trauerspiel geht weiter.

Zum Schluß aber keineswegs zuletzt soll bedauert werden, wie sehr die „progressive“ Agenda kirchenfremde Kategorien, wie „Konservative“, „Liberale“, „Moderate“ durchgesetzt hat, die protestantischem Synodendenken als Nachäffung parlamentarischer Strukturen entlehnt ist. Es suggeriert fälschlicherweise eine Gleichwertigkeit und Gleichberechtung unterschiedlicher Positionen nebeneinander. Wer mehr Anhänger findet und wichtigere Positionen besetzt, kann sich eben durchsetzen. Die einzige Unterscheidung in der Kirche aber sollte zwischen einer rechtgläubigen und einer häretischen Position sein. Unter dem Einfluß des Relativismus werden hingegen (fast) alle Positionen als gleich gültig toleriert. Mehr noch: was gestern abgelehnt wurde, kann morgen schon toleriert werden. Die dadurch verursachte Verwirrung und Orientierungslosigkeit unter Priestern und Laien liegt vor aller Augen und verlangt nach Abhilfe.

Text: Martha Weinzl
Bild: Erzdiözese Wien (Screenshot)

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1 Kommentar

  1. Ich habe nur leider den Eindruck ,daß von bestimmten frommen seelen das beten die beste Ausrede ist sich der Realität nicht zu stellen lieber wird da frommen „privatoffenbarungen“ angehangen und das tägliche Gebetsp ensum abgespult

Kommentare sind deaktiviert.