Kardinal Müller: „Der Glauben ist keine Meinung. Protestantisierung der Kirche stoppen“

Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Müller
Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Müller

(Rom/Santiago de Chile) Kardinal Gerhard Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, hielt vor wenigen Tagen vor den Bischöfen Chiles eine wichtige Ansprache in einer Zeit großer Verwirrung und Orientierungslosigkeit. Der Glaubenspräfekt beleuchtete mit großer Klarheit einige bedenkliche Tendenzen in der katholischen Kirche. Unter anderem forderte er die Bischöfe auf, wachsam Protestantisierungstendenzen in der Kirche zu bekämpfen.

Die umstrittene Antwort von Papst Franziskus in der lutherischen Kirche in Rom zur Interkommunion zwischen Katholiken und Protestanten war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Mit der „Meisterleistung“ päpstlicher (Des-)Orientierungshilfe „Ja, Nein, Jein, entscheidet selber“ im zentralen Bereich des Altarsakraments wird sich der Glaubenspräfekt noch beschäftigen müssen.

Die vollständige Rede des Kardinals erfolgte nicht vom spanischen Original, sondern von einer zugänglichen italienischen Übersetzung, was einige Unsicherheiten in sich birgt.

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Geschätzte Brüder im Episkopat:

1.

Das ist die geeignete Gelegenheit, um Euch, als direkter Mitarbeiter von Papst Franziskus in einem besonders schwierigen Bereich der kirchlichen Aktivität, einige Überlegungen mitzuteilen, die ich von besonderer Wichtigkeit für diesen Moment halte, den die Kirche in der Welt und auch in Chile durchlebt.

Omnes cum Petro

2.

In unseren Ohren, wie auch in jenen der Apostel, deren Nachfolger wir sind, ertönt die klare Bestätigung des Herrn: „Du bist Simon, der Sohn des Johannes. Du wirst jetzt Kephas heißen, das bedeutet Petrus (der Fels)“ (Joh 1,40-42). Und auch dieses Zeugnis des Petrus auf die Frage Jesu an seine Jünger: „Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (Mt 16,13-19). Mit besonderer Kraft müssen wir heute die Warnungen und Gewißheiten bedenken, die Jesus dem Petrus übermittelt hat: „Simon, Simon, der Satan hat verlangt, daß er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,31-32). Und er sandte ihn, die Schafe zu weiden, die Petrus erhielt, nachdem er seine Liebe zu Jesus bekannt hatte (Joh 21,15-17).

3.

In einer Zeit, in der in einigen Bereichen der Kirche die Einheit mit dem Oberhaupt die notwendige Vitalität unseres Glaubens zu verlieren scheint, bin ich der Meinung, liebe Brüder im Bischofsamt, daß eine persönliche Bekräftigung unserer Verbundenheit mit dem Papst notwendig ist, indem wir den weisen Rat des heiligen Petrus Chrysologus im Brief an Eutyches befolgen. „Wir ermahnen Dich, ehrwürdiger Bruder, in Gehorsam alles anzunehmen, was der heiligste Papst von Rom geschrieben hat; weil der selige Petrus jenen hilft, die die Wahrheit des Glaubens suchen. Zumal wir, des Friedens und des Glaubens wegen, nicht Fragen angehen können, die den Glauben betreffen, außer in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom“ (Heiliger Petrus Chrysologus, Brief an Eutyches, 2).

Suaviter in modo, fortiter in re

4.

Im Bekenntnis des wahren katholischen Glaubens mit Petrus zu sein ist besonders wichtig für jene, die im Namen des Herrn zusammen mit dem Oberhaupt die über die ganze Welt verteilten Partikularkirchen leiten, in denen und durch die die einzige heilige Katholische Kirche besteht. Zahlreich sind die Herausforderungen, die heute den Glauben betreffen, auch in Amerika und in Chile. Wir müssen den Herrn um den Mut bitten, ihnen mit Weisheit und Unerschrockenheit zu begegnen.

5.

Einige dieser Herausforderungen rühren von der Unwissenheit her und veranlassen uns, mit größerem Einsatz im Bereich der Evangelisation und der Mission zu wirken, in dem die Kirche in Lateinamerika und der Karibik als Ergebnis der Konferenz von Aparecida im Einsatz ist. Andere stammen aus theologischen und pastoralen Bereichen, in die Irrtümer und Verzerrungen eingedrungen sind, die wir als Hirten ausfindig machen, verurteilen und korrigieren müssen. Das ist ein schwieriger, doch notwendiger und immer aktueller Bereich in unserem Einsatz als Hirten für das Volk Gottes. Der heilige Thomas ist besonders anspruchsvoll mit uns: „Wenn das Salz seinen Geschmack verliert … Wenn jene, die über anderen stehen, scheitern, sind sie nicht zu anderem geeignet, als vom Lehramt entfernt zu werden“ (Heiliger Thomas von Aquin, Catena Aurea, Bd. 1, S. 262).

6.

In diesem Sinn ist es notwendig, daß über die persönliche Arbeit eines jeden Bischofs in seiner Diözese, die unersetzlich, notwendig und nicht an andere Organe delegierbar ist, hinaus, die Glaubenskommission der Bischofskonferenz ein lebendiger und wirksamer Organismus ist, da sie ein wirkliches Instrument der Mitarbeit für die Konferenz und die Bischöfe ist, die sie in Anspruch nehmen.

Die Bischofskonferenz, Grenzen und Beiträge

7.

Wie wir gut wissen, findet, seit der Schaffung der Bischofskonferenzen als Ergebnis der Arbeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils, ein konstante Klärung der Aufgabe, der Natur und der Art zu arbeiten der Partikularkirchen statt, die sie versammeln. Der heilige Papst Johannes Paul II. ließ, nach einer langen Zeit der Überlegung und in Beantwortung einer Anfrage von Bischöfen bei der Synode von 1985, das Apostolische Schreiben Apostolos suos von 1998 veröffentlichen. Auch heute bleibt die Tatsache ein Grund zur Sorge, daß das Handeln der Bischofskonferenzen mit mehr oder weniger Kraft und je nach Gegend in einigen Fällen, die Verantwortung „iure divino“ des Diözesanbischofs beeinträchtigt hat, daher hilt auch heute, was Papst Johannes Paul II. bezüglich des Umstandes sagte, daß die Konferenzen bestehen, um „den Bischöfen zu helfen und nicht um sie zu ersetzen“ (Nr. 18). Wie wir wissen, wurde dieses Dokument erlassen, um einige Ideen zu klären, die in einigen theologischen Kreisen zum Charakter der Bischofskonferenz zirkulierten, und bekräftigte, daß sie für „die gemeinsame Ausübung einiger Handlungen des Bischofsamtes dient zur Verwirklichung jener einem jeden Bischof für die ganze Kirche zukommende Hirtensorge“ (Nr. 13), und nicht als Form der Ausübung einer kollegialen, bischöflichen Aktivität, die ihrer Natur nach nur dem gesamten Bischofskollegium und immer nur zusammen mit ihrem Oberhaupt zukommt und nie ohne dieses. Zudem wollte es erklären, daß die lehramtlichen Dokumente nur bei Einstimmigkeit, der Zustimmung aller und eines jeden, Existenzberechtigung haben oder in irgendeiner Weise die Bischöfe repräsentieren können (vgl. Nr. 20).

8.

Die pastoralen Konsequenzen eines angemessenen Verständnisses und einer angemessenen Umsetzung der Bischofskonferenz sind offenkundig. Papst Franziskus wollte ein Zeichen in diesem Sinn setzen, indem er die Bestimmungen über das Verfahren für die Nichtigkeitserklärung des Ehebandes erließ und den Diözesanbischöfen, so wie es ihrer Natur entspricht, eine Schlüsselrolle in diesen heiklen Angelegenheiten zuwies, die sich damit jenen näher machen, die in diesem Bereich leiden.

Aktuelle Gefahren des ethischen Relativismus

9.

Es ist offenkundig, daß sich heute in einigen Bereichen der Glaubensunterweisung Elemente des liberalen Protestantismus eingeschlichen haben. Das ist besonders offenkundig in den europäischen Nationen, ist aber auch in der lateinamerikanischen Realität nicht unbekannt. Ein mangelhaftes Verständnis der theologischen Natur der Bischofskonferenzen hat das sofortige Abdriften in die Gefahr zur Folge, den organisatorischen Stil der reformierten Gemeinschaften anzunehmen. Auch wenn es sich nicht um einen theologischen Zugang an sich handelt, wird daraus ein einheitlicher, einer „Nationalkirche“ vergleichbarer „pastoraler Stil, wie man es in gewissen Akzentsetzungen in Inhalt und Vorgangsweise und in den notwendigen Anpassungen der diözesanen pastoralen Programme an diese Akzente und Inhalte feststellen kann. Es ist zu vermeiden, daß der pastorale Dienst der Bischöfe in den verschiedenen Rängen der Bischofskonferenz sich faktisch in eine Art Zentralregierung der Kirche in einem Land oder einer Region verwandelt, die, obwohl nicht verpflichtend, im Bereich der Partikularkirche so präsent wird, daß eine Nicht-Folgeleistung als Mangel an kirchlicher Gemeinschaft betrachtet wird. Die Einheit in der Vielfalt ist eine der Gaben, die der Herr Seiner Kirche geschenkt hat. Es ist notwendig, daß jeder Hirte spürt, daß er die volle Freiheit hat, seine Herde gemäß den Eingaben des Heiligen Geistes in Übereinstimmung und Gemeinschaft mit seinen direkten Mitarbeitern zu organisieren und zu leiten.

10.

Wie bereits Papst Johannes Paul II., dann mit Nachdruck Benedikt XVI. und jetzt Papst Franziskus tadelten, ist die Tendenz zum Relativismus, die in der Welt auf heftige Weise gegenwärtig ist, und da wir in diese eingetaucht sind, ist sie auch in der Kirche präsent. Es gibt viele Zeichen dafür. Erinnern wir uns an die Ablehnung, die in einigen theologischen Kreisen die Erklärung Dominus Jesus vom 6. August 2000 auslöste. Diese Kreise haben nicht nachgegeben. Sie sind noch da und finden neuen Ausdruck, den wir, als Hirten, imstande sein müssen, zu kontrollieren, zu analysieren und zu erleuchten. Eine dieser neuen Ausdrucksformen ist ein gewisser religiöser Synkretismus, der beansprucht, die verschiedenen religiösen Lehren mit dem christlichen Glauben gleichzusetzen und damit die christliche Offenbarung zu relativieren.

11.

Auf die gleiche Weise hat dieser Relativismus auch auf die Beziehungen mit den anderen christlichen Konfessionen eingewirkt, durch einen Ökumenismus, der uns unter gewissen Umständen die authentische christliche Botschaft aufgeben läßt, um lediglich eine bloß natürliche religiöse Wahrheit zu verkünden. Als Folge dieses Relativismus haben sich die grundlegendsten anthropologischen Wahrheiten über die menschliche Person aufgelöst und der offensichtlichste Ausdruck dafür ist der Primat der Gender-Theorie, die eine völlige anthropologische Wende im christlichen Verständnis der Person, der Ehe, des Lebens usw. voraussetzt.

12.

Ich weiß, daß dieser Relativismus in den vergangenen Jahren auch mit Nachdruck nach Chile gelangt ist und daß die Gender-Theorie sich in den Bereichen und Gesetzen über die Familie und die Verteidigung des Lebens von der Zeugung bis zum natürlichen Tod ausgebreitet hat. In einigen Kreisen werden in Fortsetzung einiger Versionen der Befreiungstheologie weiterhin neue „Theologien“ indigenen, feministischen und ökologischen Charakters entwickelt. Dabei handelt es sich um radikale Anpassungen des Glaubens an die Lebensbedingungen der Völker.

13.

Ich denke, daß das für die Hirten ein Grund zu einer gründlichen Überlegung ist: Es geht nicht nur darum, sich diesen zu widersetzen, sondern auch Wege aufzuzeigen, diese verlorengegangenen Kreise zurückzugewinnen. Der heilige Augustinus sagt in seiner Predigt über die Hirten, daß der Herr „im voraus unsere Ohren gegen jene stärken wollte, die sich – wie Er selbst warnte – im Laufe der Geschichte erheben werden mit der Behauptung „Christus ist da, Christus ist dort“. Er hat uns geboten, ihnen kein Gehör zu schenken. Wir haben keine Entschuldigung, wenn wir nicht auf die so klare, so offene, so offenkundige Stimme des Hirten hören, daß nicht einmal der Kurzsichtigste und geistig Zurückgebliebendste sagen kann: ich habe nicht verstanden“ (Die Einheit der Kirche, 11,28).

Der theologische Dissens

14.

Wie in vielen anderen Ländern mußten auch die Bischöfe Chiles sich dem theologischen Abweichlertum stellen, vor allem in Fragen der katholischen Moral, aber auch in anderen akademischen Bereichen von vitaler Bedeutung. Es ist ein Phänomen, das von der Kongregation schon immer studiert wurde, das aber in den vergangenen Jahrzehnten besonders aufgetreten ist. In diesem Bereich ist den Hirten eine Wachsamkeit und ein kluges, aber klärendes Handeln geboten, vor allem wenn davon die Glaubenslehre betroffen ist. Als Nachfolger der Apostel, „empfangen die Hirten der Kirche ‚vom Herrn … die Sendung, alle Völker zu lehren und das Evangelium jedwedem Geschöpf zu verkünden. So sollen alle Menschen … das Heil erlangen‘. Ihnen ist damit die Aufgabe anvertraut, das Wort Gottes zu bewahren, darzulegen und zu verbreiten, dessen Diener sie sind“ (Instruktion Donum veritatis, 14).

15.

In diesem Zusammenhang ist die Anzeige und die Mitteilung an die höhere Stelle nicht ausreichend. Es ist notwendig, die Irrtümer mit Mut und Entschlossenheit zu berichtigen und die Massenmedien zu nützen, damit allen die Wahrheit klar wird, die immer erstrahlen muß. „Zu allen Zeiten ist die Theologie wichtig, damit die Kirche auf den Plan Gottes antworten kann, der will, ‚daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen‘ (1 Tim 2,4). Doch in Zeiten großer geistiger und kultureller Umbrüche wird sie noch wichtiger, auch wenn sie dann besonderen Gefahren ausgesetzt ist, denn sie muß sich bemühen, in der Wahrheit ‚zu bleiben‘ (vgl. Joh 8,31) und zugleich die neuen Probleme, die sich dem menschlichen Geist stellen, berücksichtigen. In unserem Jahrhundert und zumal bei der Vorbereitung und Durchführung des II. Vatikanischen Konzils hat die Theologie viel zu einem tieferen ‚Verständnis der überlieferten Dinge und Worte‘ beigetragen, freilich auch Momente der Krise und Spannung erlebt, und sie erlebt sie weiter“ (Donum Veritatis, 1).

16.

„Der Dissens kann verschiedene Formen annehmen. In seiner radikalsten Ausprägung möchte er die Kirche umwandeln und dabei einem Modell des Protestes folgen, wie es in der politischen Gesellschaft verwendet wird. Häufiger wird die Meinung vertreten, der Theologe sei nur dem unfehlbaren Lehramt zu folgen gehalten, während nach Art eines gewissen theologischen Positivismus die ohne Inanspruchnahme des Charismas der Unfehlbarkeit vorgelegten Lehren keinerlei verpflichtenden Charakter hätten, wobei dem einzelnen volle Freiheit gelassen würde, ihnen anzuhängen oder nicht“ ( Donum Veritatis, 33). „Der Theologe wird in diesen Fällen nicht auf die Massenmedien zurückgreifen, sondern vielmehr die verantwortliche Autorität ansprechen, denn durch das Ausüben von Druck auf die öffentliche Meinung kann man nicht zur Klärung von lehrhaften Problemen beitragen und der Wahrheit dienen“ (Donum Veritatis, 30)

17.

„Für eine loyale Einstellung, hinter der die Liebe zur Kirche steht, kann eine solche Situation gewiß eine schwere Prüfung bedeuten. Sie kann ein Aufruf zu schweigendem und betendem Leiden in der Gewißheit sein, daß, wenn es wirklich um die Wahrheit geht, diese sich notwendig am Ende durchsetzt“ ( Donum Veritatis, 31).

Der Einfluß der Humanwissenschaften in der Theologie

18.

Ein Aspekt, der heute als neues Element aufrtitt, ist ein Übergewicht an humanwissenschaftlichen Zugängen für die theologische Analyse. Besonders jene, die darin bestehen, das Fühlen des Volkes Gottes zu bestimmten Fragen beweisen zu wollen und dieses als neues Fühlen der Gläubigen im Gegensatz zu dem darstellen zu wollen, das für Jahrzehnte, Jahrhunderte oder Jahrtausende gegolten hat. „Der Dissens zieht ferner zuweilen eine soziologische Argumentation heran, nach der die Meinung einer großen Zahl von Christen direkter und angemessener Ausdruck des ‚übernatürlichen Glaubenssinns‘ wäre“ (Donum Veritatis, 35).

19.

In Wirklichkeit können die Meinungen der Gläubigen nicht einfach als “sensus fidei” gleichgesetzt werden. „Dieser ist nämlich eine Eigenart des theologalen Glaubens, der als Gabe Gottes, die das persönliche Ja zur Wahrheit schenkt, nicht irren kann. Dieser persönliche Glaube ist zugleich Glaube der Kirche, denn Gott hat der Kirche die Hut des Wortes anvertraut, und was deswegen der Gläubige glaubt, ist das, was die Kirche glaubt. Daher schließt der ‚sensus fidei‘ seiner Natur nach die tiefe Übereinstimmung von Geist und Herz mit der Kirche, das ‚sentire cum Ecclesa‘, ein“ ( Donum Veritatis, 35).

20.

Manchmal sind der Mangel an Unterscheidung und die Verwirrung zwischen dem geistlichen Leben und der psychologischen Dimension der Person, die mit modernen Methoden analysiert werden, offenkundig. Dieser Aspekt beeinflußt den Ausbildungsprozesse der Menschen, sowohl für das Priestertum, das geweihte Leben als auch für die in der Pastoral tätigen Laien. Die verschiedenen psychologischen Strömungen stellen eine Quelle des Wissens über die menschliche Person dar, die unfehlbar scheint, so wie ihre Methoden als ein sicherer Weg erscheinen, Resultate der Stabilität, der Normalität und der persönlichen Entwicklung zu erzielen. So werden sie als Hauptweg zur Unterscheidung in Berufung, Ausbildung und innerem Wachstum angewandt. Daher rührt das Verschwinden und die Geringschätzung für die Bedeutung der göttlichen Gnade im geistlichen Leben, das auf eine rein natürliche Ebene reduziert wird. Und man produziert eine Entstellung des Zwecks der Sakramente, des Gebets und der überlieferten Lehre der Kirche über das christliche Leben und die Berufung.

Vom Glauben ausgehen

21.

In diesem Erforschen der Realität als Teil der theologischen Aufgabe werden als “Zeichen der Zeit” alle Klassen von Ereignissen, Denk- und Handelsweisen der Zeitgenossen betrachtet, angefangen bei jenen, über die man nachdenkt und für die man entscheidet, welcher Linie die Kirche in ihrem pastoralen Handeln folgen soll. Man sagt mit einer gewissen Leichtfertigkeit, daß diese Zeichen ein „Sprechen“ Gottes zur Kirche darstellen. Auf diese Weise wird die (allgemeine, objektive und universale) Göttliche Offenbarung relativiert; und die Heilige Schrift wird dienstbar gemacht, um diese Inhalte zu „erleuchten“. Auf diese Weise wird die „Pastoral“ auf die Summe menschlicher Eingriffe reduziert, sei es für das Individuum, sei es für die Allgemeinheit, und konzentriert sich auf weltliche Ansprüche. Damit wird das Fehlen der transzendenten, heilbringenden und übernatürlichen Dimension des pastoralen Auftrags der Kirche klar. Es ist notwendig, darauf zu beharren, daß unsere theologische Überlegung und ihre pastoralen Konsequenzen vom Geoffenbarten ausgehen. Daher rührt auch die Bedeutung einer angemessenen Verkündigung der Inhalte des Katechismus der Katholischen Kirche, den der Heiligen Johannes Paul II. der Kirche geschenkt hat „als gültiges und legitimes Werkzeug im Dienst der kirchlichen Gemeinschaft an, ferner als sichere Norm für die Lehre des Glaubens“ (Apostolische Konstitution Fidei Depositum, 4).

22.

Der grundlegende Text in diesem Sinn ist das Dekret Optatem totius Nummer 1, wo es um die Lehrpläne der theologischen Fächer im Licht des Glaubens unter Führung des kirchlichen Lehramtes geht. Darin wird eindeutig die nicht nur wissenschaftliche, im aristotelischen und modernen Sinn des Wortes, sondern auch spekulativ-ontologische Dimension der Theologie anerkannt. Mehr noch, die Theologie selbst wird in Funktion des gesamten Lebens der Kirche, der Gläubigen und des Theologen gesehen.. Diese Vorgangsweise setzt voraus, daß die gesamte theologische Arbeit von der Heiligen Schrift beseelt und gestützt sein muß. Die verschiedenen Etappen sehen das Studium der biblischen Themen vor, die Darlegung des reflexiven Zugangs, den die patristische Tradition bietet, ebenso die Dogmengeschichte im Kontext der Kirchengeschichte, die spekulative Vertiefung der Heilsgeheimnisse in ihrem Zusammenhang, und ihre Integration in die verschiedenen Formen des kirchlichen Lebens (vor allem der liturgischen und spirituellen), die theologische Verantwortung angesichts der Probleme der Menschen unserer Zeit. Der Ausgangspunkt der theologischen Untersuchung ist, im Gegensatz zum philosophischen, „dogmatisch“ im Sinne, daß er sich mit dem Wort Gottes, allgemein gesprochen, identifiziert, und das durch die theologische Überlegung nicht in Frage gestellt werden kann, ohne daß sie in ihrem erkenntnistheoretischen Auftrag, ihrem Auftrag den Glauben zu begreifen, scheitert.

Dieses Wort Gottes verlangt, jedes Mal besser gekannt und verstanden zu werden. In diesem Begreifen des Glaubens schreitet die Theologie mit den ihr eigenen Methoden voran (fidens quarens intellectum). Die beiden Hauptmomente ihrer Aufmerksamkeit sind der positive Moment des auditus fidei (Bewußtwerden des Glaubens der Kirche durch ihre geschichtliche Entwicklung ausgehend vom biblischen Thema) und der reflexive Moment des intellectus fidei auf seiner darlegenden, spekulativen und aktualisierenden Ebene. Daher ist das Objekt des theologischen Arbeitens der Glaube der Kirche in seiner Bezogenheit auf die Göttliche Offenbarung, bezüglich der sich die Theologie fragt: Was bedeutet sie? Wie ist sie zu interpretieren und kann für den Mensch begreifbar werden? Wie kann man ihre innere Bedeutung für ihn unterstreichen?

Die Arbeit der Kirche für gesunde Bereiche, damit sie den Mißbrauch meiden

23.

Ich weiß, daß die Kirche in Chile wie nur wenige Nationen wegen des Mißbrauchs einiger Kleriker gelitten hat. Das ist ein schmerzliches und komplexes Thema, dem viele Bischofskonferenzen gegenüberstanden, doch die chilenische ist darin weiter mit der jüngsten Approbation und Bekanntmachung der „Richtlinien, Obsorge und Hoffnung“, als Gesetz für jede kirchliche Jurisdiktion, die bereits im ganzen Land in Kraft getreten sind.

24.

Seit Papst Johannes Paul und dann Benedikt XVI. eine klare und nachdrückliche Politik begonnen haben, wurde die Kongregation gerufen, diese Probleme zu lösen. Papst Franziskus, wie wir wissen, hat mit Nachdruck und Entschiedenheit diese Arbeit fortgesetzt. Dafür ist aber eine entschiedene Aktion der Bischöfe in ihren Diözesen unverzichtbar, die darauf abzielt, ein gesundes pastorales Umfeld zu schaffen, in dem der Machtmißbrauch, der dem sexuellen Mißbrauch immer vorausgeht, völlig ausgerottet ist.

25.

Zusammen damit müssen, wie in anderen Nationen, Präventionsmaßnahmen und effiziente Schutzmaßnahmen für Minderjährige, die mißbraucht wurden, beschlossen werden, die als grundlegendes Element die Wiedergutmachung des verursachten Übels mit einschließen. In diesem Dokument des chilenischen Episkopats scheinen mir besonders die festgelegten Prinzipien erwähnenswert, die sich im Schutz der Minderjährigen, Integrität des priesterlichen Dienstes, Transparenz, Verantwortung und Zusammenarbeit mit der Gesellschaft und den Behörden zusammenfassen lassen. Diese Grundsätze werden die Ausmerzung dieser Geißel aus dem Leben der Kirche zum Ergebnis haben, die unschuldigen Menschen solches Übel zugefügt und der Kirche viel von ihrem Ansehen genommen hat.

26.

Ehrwürdige Brüder Bischöfe, danken wir dem Herrn für alle Gaben, die Er der Kirche geschenkt hat und alles Gute, daß Er zum Wohl der Menschen dieses gesegneten Landes verwirklicht hat. Der Herr gibt uns viel Grund zur Freude, doch wie wir alle wissen, hat diese Freude ihre Wurzeln immer im Kreuz. Bitten wir unsere Himmelsmutter, der Königin und Schutzfrau Chiles, Fürsprecherin zu sein, damit ihrem Sohn immer treu bleibe und der Kirche, die Er uns als Sakrament des Heils geschenkt hat.

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshot)

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52 Comments

  1. Und was bedeutet das „O.K.- Zeichen“ auch bekannt unter der triple 6, mit der man Müller so „aussagekräftig“ getroffen (abgelichtet) hat?

  2. Gott sei Dank gibt es sie, die Kardinäle, wie hier Kardinal Müller, Präfekt der Glaubenskongrega-
    tion, die zur rechten Zeit das rechte sagen. Hervorstechend ist hier die Aussage über die schlei-
    chende Protestantisierung der katholischen Kirche, die besonders in den deutschsprachigen Bi-
    schofskonferenzen deutlich wird. Kardinal Müller macht auch deutlich, dass jeder einzelne Bi-
    schof für seinen Bereich, die Hirtenaufgabe des Lehrens und Leitens, in Selbstverantwortung zu
    tragen hat und sich nicht hinter der Bischofskonferenz verstecken kann. Er warnt auch vor einem
    Abgleiten in einen leichten und verwässerten Glauben und dem Zeitgeist, der allemal atheistisch
    ist. Was auch auffällt ist, dass der Präfekt sehr schonend mit Franziskus umgeht und ihn als
    Papst heraus stellt.

  3. Die Sprachkeule „Protestantisierung“ der Kirche schließt ein, daß alles, was die evangelischen Gemeinschaften eingerichtet haben, von Übel sei und gegen Bibel und Vernunft stünde.

    Die Sprachkeule „Anpassung an den Zeitgeist“ meint, daß alles, was die Neuzeit zur Erkenntnis über die Welt und die Gesellschaft beigetragen hat, schlecht sei. Dazu gehören vor allem Dinge

    — wie die Gleichstellung der Geschlechter,
    die mit Hinweis auf (1) den Englischen Lehrer, (2) „Botschaften“ einer „Himmelsmutter“ und (3) nach ihren persönlichen Erfahrungen mit ihren Haushalts-Besorgerinnen von nicht wenigen Theologen abgelehnt wird sowie

    — die Erklärung der Menschenrechte
    — die demokratische Staatsform.

    • sie sind ein Freimaurer, wie im Buche-nicht vielleicht dem Mitgliederverzeichnis aber dem Sinne nach-Büchel-Spalter,voller Vorurteile, kurzsichtig und verbohrt.orientieren Sie sich an den vergangenen Beiträgen punkto Freimaurerei, Büchelräubersynode etc in diesem Forum-ich wünsche Ihnen viel inneren sensum cum Ecclesia und der Friede Christi wird über Sie kommen.

    • Das ist auch die grösste Schande für die Kirche heute, dass sie sich der Staatsreligion der angeblichen Menschenrechte unterworfen hat. Es ist, wie wenn die Christen der ersten Jahrhunderte das Opfer für den römischen Staatskult geleistet hätten.

    • „Die Sprachkeule „Protestantisierung“ der Kirche schließt ein, daß alles, was die evangelischen Gemeinschaften eingerichtet haben, von Übel sei und gegen Bibel und Vernunft stünde.“

      Das haben Sie sehr schön ins Wort gehoben. Genauso ist es. Hätte es diesen Luther nicht gegeben, wieviel Kriege, wieviel Elend und sinnloser Streit wäre der Menschheit erspart geblieben. So trifft auch ihn das Herrenwort: „Es wäre besser, wenn er nie geboren wäre.“

      • hicesthodie

        //So trifft auch ihn das Herrenwort: „Es wäre besser, wenn er nie geboren wäre.“//

        Ich finde Ihr Urteil über Martin Luther sehr waghalsig. Ich würde mich das nicht trauen, obwohl die Geschichte seiner letzten Lebenstage und seines Sterbens unheimlich zu lesen sind. Nur Jesus Christus der Sohn Gottes kannte und kennt alle Menschenherzen. Ich unterstelle Ihnen nicht, dass Sie sich das auch zuschreiben, aber sollten Sie dann nicht behutsamer im Urteilen sein?
        Was die vergangenen Glaubenskriege in Deutschland und Europa angeht, so war daran nicht nur die protestantische Seite beteiligt. Von beiden Seiten wurde viel Übles getan, und auch in gegenseitigen Verfolgungen stand man einander kaum nach.
        „Elend“ und „sinnlosen“ Streit in der Kirche gab es wahrlich schon vor der Reformation. Ich erinnere nur an das sogenannte Morgenländische und das Große Abendländische Schisma. Gerade dass letztere stattfand, wird allgemein als eine der geschichtlichen Voraussetzungen angesehen, dass es zur Reformation kommen konnte.
        Traditionelle Katholiken machen es sich mit ihren Schuldzuweisungen oft zu einfach.

      • @ hic est hodie

        Bitte beachten Sie, dass es *vor* Martin Luther bereits eine hussitische und waldensische Bewegung gegeben hat. Die Verbrennung von Jan Huss auf dem Scheiterhaufen des Konzils von Konstanz wirkte als Fanal. Übrigens: in vielen Gemälden schaut daher unter Luthers Rock eine Gans heraus (Hus = Gans).

        Bedenken Sie bitte auch, dass die evangelische Rückbesinnung mehr durch Johannes Calvin und Huldreich Zwingli Kraft gewann — und zwar bis heute. Die meinungsbildende protestantische Theologie weltweit ist überwiegend reformiert geprägt, nicht lutherisch.

      • Dann lassen wir Protestanten sprechen:
        In Luthers Todesjahr 1546 begann mit dem Schmalkaldischen Krieg der erste Religionskrieg in Deutschland. Melanchthon wusste das Geschehen einzuschätzen: „Das ganze Wasser der Elbe reicht nicht aus, um die Tränen zu nähren, die das Desaster der Reform beweinen. Das Leid kennt kein Heilmittel“ (Epistole, IV, 100) .

        Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg, als die Kirchen zerstört und die übrig gebliebenen überfüllt waren, konnte etwas klarer gesehen werden. Im Jahr 1946, 400 Jahre nach Luthers Tod, hat im daniederliegenden, von den alliierten Siegern vierfach geteilten Deutschland niemand im Entferntesten daran gedacht, dieses Datums zu gedenken, geschweige denn Luther zu feiern. Vielmehr hat der evangelisch-lutherische Bischof Dibelius von Berlin eingestanden, dass ohne den Eigenwillen Luthers den Deutschen viel Leid erspart worden wäre.“

  4. Eine schon lange mahnende Stimme: Hw Prof. May über den Ökumenismus als Anlehnung an das protestantische Prinzip der Auflösung
    -
    „Eine Erneuerung der Kirche kann es nur geben,
    wenn sie sich vom Protestantismus eindeutig absetzt, denn der
    Protestantismus ist das Prinzip der Auflösung.
    Die Kirche braucht keinen Ökumenismus.
    Für den Verkehr mit Andersgläubigen hat sie das Gebot der Nächstenliebe.“
    -

  5. Müller ist nur eine Randfigur und für ein paar neokonservative Sprüche gut.
    Die Regie über Bergoglio führt Kasper.
    Er könnte den Herrn in Weiß mal an ein paar Grundregeln der Messe erinnern (Kniebeuge)
    Aber wahrscheinlich wäre er tags darauf Küster auf den äusseren Hebriden.
    Nein auch dieser Herr überzeugt nicht wirlich.

    • Kard. Müller ist ein neokonservativer Theologe und amicus der Befreiungstheologie.
      Es handelt sich um Grabenkämpfe innerhalb des liberalen Lagers:
      neokonservative (gemäßigte Liberale) gegen ultra-progressive (Radikalliberale).
      Dazwischen ein Sumpf, der je nach kirchenpolitischer Großwetterlage in die eine oder andere Richtung torkelt.

  6. @michael:

    Der Präfekt der Glaubenskongregation hat einen immens wichtigen Posten im Vatikan, sein Wort hat nach wie vor Gewicht. Seine Sprache ist, wie bei Papst Benedikt anfangs nicht einfach zu verstehen, man muss sich dazu erst einlesen. Natürlich sind ihm Grenzen gesetzt, denn wenn er in einfacherer Sprache sagen würde, dies oder jenes ist Häresie und der Papst darf das nicht, dann wären die daraus entstehenden Konsequenzen seitens einer progressiven katholischen Presse nicht gerade einladend. Dass bei der Bischofssynode nichts Schlimmeres herausgekommen ist, ist mit Sicherheit Kardinal Müller zu verdanken, als Wortführer der Konservativen an der Stelle von Kardinal Burke. Burke wählte ja eine klarere, direktere Sprache, man wusste gleich was er sagen wollte, jedoch wurde er nach der Synode 2014 ohne echten Grund aus der römischen Kurie entfernt, wie man weiß, und als Patron des Malteserordens eingesetzt, einem wie Katholisches berichtete, eigentlich überflüssigen Ehrenposten.

  7. Ein klares Bekenntnis von Kardinal Müller zu S. H., Papst Franziskus:

    „In einer Zeit, in der in einigen Bereichen der Kirche die Einheit mit dem Oberhaupt die notwendige Vitalität unseres Glaubens zu verlieren scheint, bin ich der Meinung, liebe Brüder im Bischofsamt, daß eine persönliche Bekräftigung unserer Verbundenheit mit dem Papst notwendig ist, indem wir den weisen Rat des heiligen Petrus Chrysologus im Brief an Eutyches befolgen. „Wir ermahnen Dich, ehrwürdiger Bruder, in Gehorsam alles anzunehmen, was der heiligste Papst von Rom geschrieben hat; weil der selige Petrus jenen hilft, die die Wahrheit des Glaubens suchen. Zumal wir, des Friedens und des Glaubens wegen, nicht Fragen angehen können, die den Glauben betreffen, außer in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom“ (Heiliger Petrus Chrysologus, Brief an Eutyches, 2).“

    Danke, Kardinal Müller für dieses klare Bekenntnis zum Hl. Vater und der katholischen Kirche.

    • Ein klares Bekenntnis zum Papsttum ist wohl richtig; aber Treue und Anhänglichkeit zu diesem Papst der so vieles zerstört hat ??

    • Welch‘ *Glanz in unsrer Hütte*….. Der kathnet-Chef @ gandalf beehrt dieses Forum mit einer persönlichen Stellungnahme.

      Schade, Gandalf, dass Sie Punkt 3 nur oberflächlich lesen bzw. verstehen können…?
      Wo lesen Sie unter 3. ein klares Bekenntnis zu Franziskus??

      Kardinal Müller legt hier ein lichtes Bekenntnis zur katholischen Kirche, dessen Haupt Christus ist, ab. Eine äußerst klug vorgetrage Rede in Verwendung / mit Zitat des weisen Rates des heiligen Petrus Chrysologus im Brief an Eutyches.

      Der Kardinal erwähnt mit keinem Wort die Person Franziskus. Es ist zulässig, ja naheliegend, dass diese Ermahnungs-Rede ebenso an die Person Franziskus, der sich als Bischof von Rom tituliert, gerichtet ist. Jeder Bischof ist hier angesprochen „to whom it may concern“.

      Besorgt spricht der Kardinal die Einheit mit dem (Ober)Haupt der Kirche an. In Einheit zu sein mit dem Haupt der Kirche, Christus, heißt für die Bischöfe vor allem: das Wort Gottes unverkürzt und unverändert zu verkünden, treu zu Lehre und Tradition der kathol. Kirche stehen sowie das Hirtenamt des Bischofs, so wie der Herr es aufgetragen hat, treu auszuüben.

      Der Kardinal schreibt:
      „…. eine persönliche Bekräftigung unserer Verbundenheit mit dem Papst notwendig ist,….“
      Danach folgt das Zitat, der weise Rat lautet:
      „Wir ermahnen Dich, ehrwürdiger Bruder, in Gehorsam alles anzunehmen, was der heiligste Papst von Rom geschrieben hat; weil der selige Petrus jenen hilft, die die Wahrheit des Glaubens suchen. Zumal wir, des Friedens und des Glaubens wegen, nicht Fragen angehen können, die den Glauben betreffen, außer in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom“ (Heiliger Petrus Chrysologus, Brief an Eutyches, 2).

      Der heiligste Papst von Rom, auf den der weise Rat Bezug nimmt, ist der Apostel Petrus, der selige Petrus, der erste Papst (und nicht Franziskus).

      Was der Kardinal unter 3. sagt, ist nicht einfach eine plumpe Ermahnung, sondern trifft mitten ins Herz der Kirche im aktuellen Zeitgeschehen. Mit feiner Klinge auf höchstem Niveau – spirituell, theologisch, christozentrisch, katholisch – teilt Kardinal Müller sich hier mit.

    • Werter @ Gandalf
      Sie lesen aus dem Text „ein klares Bekenntnis von Kardinal Müller zu S. H., Papst Franziskus“ heraus und danken „Kardinal Müller für dieses klare Bekenntnis zum Hl. Vater und der katholischen Kirche“.
      Glauben Sie, dass Sie den Text in seiner Tragweite verstanden haben – „in einer Zeit, in der in einigen Bereichen der Kirche die Einheit mit dem Oberhaupt die notwendige Vitalität unseres Glaubens zu verlieren scheint“?
      Wer schickt sich heute an, die in den neutestamentlichen Schriften apostolisch bezeugte Offenbarung Jesu Christi, die Basis unseres Glaubens, durch die Erwägung in Frage zu stellen, ob ein Papst aus „Barmherzigkeit“ nicht doch die lehramtlich verbindliche Entscheidungen fällen darf, im Widerspruch zur „in den hl. Schriften offenbar gemachten Erstwahrheit“, die Zulassung von geschiedenen Wiederverheirateten zur hl. Eucharistie im Zustand der Todsünde grundsätzlich zu gestatten? Da ist doch zu fragen: Wer trägt heute die Schuld an diesem Verlust an Einheit mit dem Oberhaupt? Papst Franziskus oder die ständig von ihm als Pelagianer und Pharisäer beschimpften Gläubigen, die am überlieferten Glauben festhalten wollen und heute an ihm die Worte richten müssen: „Wir ermahnen Dich, ehrwürdiger Bruder, in Gehorsam alles anzunehmen, was der heiligste Papst von Rom geschrieben hat; weil der selige Petrus jenen hilft, die die Wahrheit des Glaubens suchen“. Und sie fügen hinzu: „Zumal (auch) wir, des Friedens und des Glaubens wegen, nicht Fragen angehen können, die den Glauben betreffen, außer in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom“ . Denn sie haben nicht vergessen, dass ihnen diese Gemeinschaft durch zwei unredliche Fragebogenaktionen im Vorfeld der Familiensynoden von Generalsekretär Kardinal Baldisseri und ihren Hirten verwehrt worden ist.

    • @gandalf

      „Danke, Kardinal Müller für dieses klare Bekenntnis zum Hl. Vater und der katholischen Kirche.“

      Wenn es eines solchen Bekenntnisses seitens des Präfekten der Glaubenskongregation bedarf, dann belegt das eindrücklich, in welch katastrophalem Zustand sich die Kirche derzeit befindet. Leider hat man in weiten Kreisen der katholischen Kirche immer noch nicht verstanden, dass man sich im Relativismus nirgends beheimaten kann, weder in der Politik, der Ehe, noch in der Wissenschaft und schon gar nicht im Glauben.

      Wo an die Stelle der klaren Glaubensverkündigung die Phrase tritt, wo im Nebel des Unbestimmten lediglich Barmherzigkeit beschworen wird, da schwindet der Glaube dahin. Ihm fehlt schlicht die Nahrung, die ihn am Leben erhält. Papst Franziskus hat das zweifelhafte Talent zu entzweien statt zu einen. Gerechtigkeit wird von ihm in einen Gegensatz zur Barmherzigkeit gestellt und so eine Glaubenswirklichkeit beschworen, in der Wahrheit keinen letztverbindlichen Maßstab bildet.

      Kardinal Müllers Worte bedeuten nicht, dass ein Papst den geforderten Gehorsam nicht missbrauchen könnte, im Gegenteil, gerade da steht der Papst selbst im Gehorsam gegenüber Gottes Willen. Nur richten eben nicht wir, sondern Gott allein und er wird richten, das ist der feste Glaube der Kirche.

  8. Bzgl. Punkt 3 auf Papst Franziskus bezogen: also von wegen Häretiker, Schismatiker, falscher Prophet, Verwirrer usw.
    Gar nichts von alledem, sondern ein eindeutiges Bekenntnis zum Petrusamt wie die Kirche es lehrt.
    Weiß der „Bischof von Rom“ das alles auch!, denn das ist doch keine Einbahnstraße.
    Und wissen vor allem die mittel- und westeuropäischen Bischöfe das auch?

  9. Prostestantisierung;Alles im P. ist gut und recht und heilsam,insofern es von der hl. Mutter der kath . Kirche übernommen wurde.Wenn aber der Fels Petri verlassen wird- dh.der eigene fabrizierte Glaube über den überlieferten Glauben der catholica gestellt wird-dann landet man auf Schutt, Schotter und Schlamassel-eben auf Sand.Dann verliert der Mensch zuerst den Glauben und dann bald den gesunden Menschenverstand.
    nb in den 90er Jahren kursierte im Vatikan die Meinung, der grösste Teil der CH Kirche würde abfallen, wenn dort ein entsprechender antikath. Progapandist wäre-Zwei waren da -aber blass und unbedeutend, deshalb ungefährlich.Heute: der eine vestorben(Haag), der andere Exit(=Euthansie)Anwärter-auch nicht mehr gefährlich-versandet, vorbei.
    daher: hl. Bruder Klaus, alle Heilgen und Seligen Helvetiens-und es sind deren so viele-bittet für uns um Erhaltung des wahren Glaubens.

  10. Man kann Ihren Gedanken @C.Eckstein gut folgen, wenn man sich vor Augen hält, was Kardinal Müller unter Punkt 2 geäußert hat. Und das entkräftigt in der Tat die Worte von @Gandalf.
    Dort sagt der Kardinal:“…Mit besonderer Kraft müssen wir heute die Warnungen und Gewißheiten bedenken, die Jesus dem Petrus übermittelt hat: „Simon, Simon, der Satan hat verlangt, daß er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, daß dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,31-32). …“ – Das ist deutlich.

    Das zu sagen gerade von Chile aus, dem Ende der Welt sozusagen, zeugt in der Tat von der großen Besorgnis von Kardinal Müller. Die Worte des Herrn aus dem Mund des Kardinals sind also genau für „Papst“ Franziskus gedacht: “ …wenn du dich wieder bekehrt hast,…“

  11. @sophus
    „Vielmehr hat der evangelisch-lutherische Bischof Dibelius von Berlin eingestanden, dass ohne den Eigenwillen Luthers den Deutschen viel Leid erspart worden wäre.“
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    Otto Dibelius war *kein* Lutheraner!
    Er bekleidete ab 1925 das Amt des Generalsuperintendenten der Kurmark: einer Unionskirche.
    Auch die EKD, deren Ratsvorsitznder er später wurde, ist eine Unionskirche.
    .
    Die sieben lutherischen Landeskirchen in Deutschland haben die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) als Dachorganisation.

  12. Dibelius war natürlich Lutheraner. Er wurde in Wittenberg ausgebildet. Die „Unionskirche“ ist eine staatliche Fiktion des preußischen Königs, der in seinem Reich die Protestanten des AB und des HB einfach zwangsfusionierte. Das heißt aber nicht, daß ein neuer „Unionsglaube“ entstanden ist, sondern nur, dass eben die AB-Gemeinden neben den HB-Gemeinden (je nach Gegend) weiterexistierten, aber alle eben von oben verordnet, der Preußischen Union angehörten. Dibelius eben war ein AB in dieser Union, die den abschreckenden Wahnwitz des Staatskirchentums verdeutlicht, dem sich der Protestantismus durch seinen Abfall von Rom ausgeliefert hat. Jede Sünde zieht Folgen nach sich…

  13. @Hedwig
    Es entspricht *nicht* den Tatsachen, dass Otto Dibelius Lutheraner war und in Wittenberg ausgebildet wurde!
    Er studierte in Berlin und Giessen, wo er auch promovierte
    In Wittenberg besuchte er lediglich das Predigerseminar.
    .
    Was das Werturteil über den „abschreckendem Wahmwitz des Staatskirchentums“ anbelangt, so wäre hierzu sehr viel zu sagen. Dies aber gehört in eine andere Schublade.

    • @Baselbieter
      Machen Sie sich über mich lustig oder über die Leser insgesamt?
      Was war denn Dibelius Ihrer gescheiten Meinung nach? Er hat in Wittenberg studiert und war Lutheraner. Ansonsten wäre er Calvinist gewesen, war er aber nicht. Tertium non datur.

      • Geehrte Frau Hedwig: Wenn Sie es so wollen, dann ist Otto Dibelius natürlich Lutheraner gewesen: per me licet.
        Aber sachlich unrichtig ist, dass er in Wittemberg „studiert“ hat: res aliter se habet. Dort war Otto Dibelius im Königlich Preussischen Predigerseminar. Aber vielleicht rufen Sie einmal den Lebenslauf von Otto Dibelius bei Wikipedia auf.
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        Tantum illud dico in re „tertium non datur“. Es gibt bis heute viele Kirchen und Gemeinden, die sich auf die Reformation von Huldreich Zwinglich gründen sowie (wie in der Badischen Landeskirche) typische Unionsgemeinden.

      • @Baselbieter
        Ich beende die Diskussion mit Ihnen, Sie sind ein Wichtigtuer und wollen rechthaben, wo Sie es auch nicht haben. Ihre Behauptung lautete, Dibelius sei KEIN Lutheraner gewesen, was er aber war. Das ignorieren Sie einfach. Zur Kenntnis genommen. Zur Ablenkung reiten Sie darauf herum, ob man Dibelius‘ Studium in Wittenberg, so nennen kann oder nicht.
        Veräppeln Sie doch andere Leute…

      • Wenn man den kurzen Dialog verfolgt, ist dies nicht nur eine angemessene, sondern auch präzise Backpfeife für den Lateinbrocken säuselnden Rammel.

  14. Seit der Bischofssynode heißt es auch bei Kardinal Müller – außer Spesen nichts gewesen. Wenn Müller wirklich die Protestantisierung der Kirche stoppen wollte, dann hätte er die Chance in der Synode genutzt und Franziskus widerstanden.

    • Das ging auf der Synode noch nicht. Da hatte der Papst alle taktischen Vorteile auf seiner Seite. Es wäre nichts erreicht worden, wenn es da nach Ihnen @Zarah gegangen wäre- ganz im Gegenteil.
      Jetzt aber hat er sich aus dem Nachbarland Argentiniens zu Wort gemeldet. Was wollen Sie eigentlich?

  15. @ Gandalf
    Das Auftreten des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre vor den Bischöfen Chiles hat Tradition und wird gewöhnlich zu programmetischen Aussagen genutzt. In dieser Tradition muss auch die Rede von Kurienkardinal Müller verstanden werden. Die chilenischen Bischöfe hören sie vor dem Hintergrund der Rede von Joseph Kardinal Ratzinger vom 13. Juli 1988 in gleicher Funktion, der damals auf die progressivistische Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils eingegegangan war und gesagt hatte: „Viele Ausführungen vermitteln den Eindruck, dass nach dem Vatikanum II jetzt alles anders ist und das Frühere alles keine Gültigkeit mehr haben kann, oder, in den meisten Fällen, diese nur noch im Lichte des Vatikanum II hat. Das Zweite Vatikanische Konzil behandelt man nicht als Teil der lebendigen Tradition der Kirche, sondern direkt als Ende der Tradition und so, als fange man ganz bei Null an. Die Wahrheit ist, dass das Konzil selbst kein Dogma definiert hat und sich bewusst in einem niedrigeren Rang als reines Pastoralkonzil ausdrücken wollte; trotzdem interpretieren es viele, als wäre es fast das Superdogma, das allen anderen die Bedeutung nimmt“. Wie sehr Kardinal Ratzinger das Problem der modernistischen Verfälschung der Texte des Konzils am Herzen lagzeigt sich in seinem Interview, das er aus gleichem Anlass der chilenischen Zeitschrift „Communione et Liberazione“gegeben hatte. Darin antwortet er auf die Frage „Was können Sie uns berichten, was Ihnen in Ihrem Leben Schmerz bereitet hat?“ auf folgende Weise:
    „Es ist schwierig, eine solche Frage zu beantworten!… Geliebte Menschen zu verlieren, ist immer ein großer Schmerz. Es schmerzt mich auch sehr zu sehen, wie man die Erfahrung des Konzils mit einer einseitigen Betrachtungsweise zerstört hat. Ich erinnere mich noch so gut daran, wie viel Begeisterung ich in Bezug auf das Konzil empfand…, als der Kardinal von Köln mich als Experten auswählte, und wir beide dachten, wir würden einen großen Beitrag zur Kirche von heute und morgen leisten. Ich entsinne mich, dass wir voller Hoffnung auf eine Verjüngung der Kirche zurückkehrten. Als ich 1967/68 Professor in Tübingen war, sah ich, wie sie so anders das Konzil interpretiert hatten. Es begann die vor allem von Theologen der Theologischen Fakultäten geführte 68er Revolution. Und ich sah, wie einer von ihnen – von dem ich wusste, dass er vom Glauben abgefallen war, da er es mir selbst gesagt hatte – einer, der an nichts glaubte, zu lehren begann, seine Meinung sei der wahre Katholizismus. Es handelte sich um eine glatte Lüge. Diese Zerstörung eines so vielverprechenden Anfangs dessen, was das Konzil gewesen war, fügte mir einen großen Schmerz zu.“
    Dies zum Kontext der Rede des gegenwärtigen Präfekten für die Glaubenslehre vor den Bischöfen Chiles, gesprochen für die Ohren von Papst Franziskus, der früh durchblicken hat lassen, das „unvollendete“ Konzil beenden zu wollen – natürlich im „Geist des Konzils“, ganz im Sinne Kardinal Kaspers.

    • @ Gandalf

      Die Ursache des Parteienstreits um die Umsetzung des Konzils ist geblieben:
      - hier die Konzilsschriften,
      - dort der „Geist des Konzils“, die Mindermeinung von Konzilstheologen, die sich um den wahren Geist des Konzils, niedergelegt in den Schriften des Konzils, nicht kümmern.
      Während die Progressivisten den Bruch mit den Konzilien der Vergangenheit betonen, versteht die vom kirchlichen Lehramt selber gegebene Interpretation das Konzil in Kontinuität mit der bisherigen Geschichte der Kirche und ihrer Konzilien.
      In den Grundsätzen, so Benedikt in der Weihnachtsansprache 2005, sei die Kontinuität zur Tradition nie aufgegeben worden, lediglich ihre Art der Anwendung auf neue Zusammenhänge konnte geändert werden. Das „wahre Konzil“ gesehen in Kontinuität zur Tradition hat nach Papst Benedikt XVI. Früchte getragen, was in der Stille geschehen, aber immer deutlicher sichtbar geworden sei, und es trage auch weiterhin Früchte. Der sog. „Geist des Konzils“ habe Verwirrung gestiftet, doch er habe sich nicht selten das Wohlwollen der Massenmedien und auch eines Teiles der modernen Theologie zunutze machen können. Das sagte er zu Beginn seines Pontifikats!
      Heute kann man sich beide schnell zum Feind machen. Bischöfe und Priester, die diesem „Geist des Konzils“ in Wahrnehmung ihrer Hirtenpflichten widerstehen, welche die sog. Anthropologische Wende in der Pastoral nicht mitmachen, die sich vielmehr an die Texte des Konzils halten und getreu dem Katechismus den Glauben der Kirche von Kanzeln und Kathedern verbreiten, müssen sich zunehmend vor der sprungbereiten Böswilligkeit modernistisch ausgerichteter Medien und den kleinen und größeren Gemeinheiten unbarmherziger Amtsbrüder hüten, denn unter Papst Franziskus ist mit den Kasperianern

      In einem Gespräch mit dem brasilianischen TV-Sender Globo in Rio hat er gesagt, das Konzil inspiriere die Kirche weiterhin. Die Umsetzung eines Konzils benötige für gewöhnlich 100 Jahre. „Wir haben gerade einmal die Hälfte dieser Zeitspanne hinsichtlich Vatikanum II herumgebracht“.
      Mittlerweile ist Papst Franziskus mit seinem immer deutlicheren Zutun zur Hoffnung der Progressivisten um Kardinal Kasper geworden, die jene als Pelagianer und Pharisäer abstempeln, die sich am bisherigen Lehramt orientieren.
      Das alleinseligmachende Zauberwort heißt „Barmherzigkeit“ – nicht die göttliche Barmherzigkeit im Endgericht ist gemeint, sondern eine irdische von Menschenhand, die es zulassen würde, dass Wiederverheiratete Geschiedene nach subjektivem Gewissensentscheid den Leib Christi auch im objektiven Zustand der Todsünde empfangen könnten. Sind so die Knoten lösbar, die der „Ungeist des Konzils“ zugezogen hat?
      @ Suarez sagt oben:
      „Wo an die Stelle der klaren Glaubensverkündigung die Phrase tritt, wo im Nebel des Unbestimmten lediglich Barmherzigkeit beschworen wird, da schwindet der Glaube dahin. Ihm fehlt schlicht die Nahrung, die ihn am Leben erhält. Papst Franziskus hat das zweifelhafte Talent zu entzweien“….

      • Korrektur: Des abgebrochene Nebensatz am Ende de ersten Abschnitts lautet:
        …., denn unter Papst Franziskus ist mit den Kasperianern der „Geist des Konzils“ wieder erstanden und feiert unter dessen „inspirierten“ Schutz fröhliche Urständ!

    • Hochverehrter Sophus,
      betrachtet man sich rückblickend, was der junge Ratzinger in den Jahren 1962 bis 1965 zum Konzil z.B. in seiner Berichterstattung über das Konzil schrieb, so muss man feststellen, dass der junge Ratzinger vieles von dem an Kritik teilte, was heute Papst Franziskus immer wieder aus der Schublade des Konzilgeistes hervorkramt. Da ist z.B. in Bezug auf die vorkonziliare Liturgie die Rede vom Archäologismus. Der junge Ratzinger zeigte noch eine fast naive Bewunderung für Kardinal Suenens, dessen Wirken von Anfang an das Konzil in eine Richtung trieb, die dann später von Danneels und anderen radikalisiert wurde.

      „Ohne viel Worte drückte die Persönlichkeit des Papstes eine Ermutigung zur Offenheit und zum Freimut aus. Es wird noch eingehend darüber zu reden sein, dass auf diese Weise die seit der Jahrhundertwende immer von Neuem spürbare und immer von Neuem hemmende Neurose des Antimodernismus ihrer Überwindung entgegenzugehen scheint und ein neues Bewusstsein sich ausprägt, wie man in der Kirche in brüderlicher Offenheit, ohne den Gehorsam des Glaubens zu verletzen, miteinander sprechen kann.“ (Joseph Ratzinger, GS, BD 7/1, „Die erste Sitzungsperiode des zweiten Vatikanischen Konzils. Ein Rückblick, S. 296 ff.)

      Ratzinger musste dann erkennen, dass er und andere zu Zauberlehrlingen geworden waren, die den „Geist des Konzils“, der längst zum Ungeist geworden war, nicht mehr in die Besenkammer der Kritik verbannen konnten. Der den Glauben zersetzende Relativismus der Aufklärung hatte nunmehr auch in der katholischen Kirche Einzug genommen und verrichtet dort Schritt um Schritt sein Werk. Bald wurde Ratzinger klar, dass der Besen, mit dem man lediglich einigen Staub aus der Kirche zu kehren glaubte, den Glauben selbst aus der Kirche herauskehrte. Als Präfekt der Glaubenskongregation suchte Kardinal Ratzinger dann, dem Ungeist zumindest so weit zu steuern, dass zumindest noch Rudimente des Fundamentes erhalten blieben. Je älter Ratzinger wurde, desto deutlicher wurde ihm wohl bewusst, wie verhängnisvoll die anfängliche Naivität vieler gut gesinnter Konzilteilnehmer sich ausgewirkt hatte. Aus Aufbruch wurde Abbruch. Der Glaube wurde nicht erneuert im Sinne einer Verlebendigung des Glaubens sondern verwässert und so weit eingetrübt, dass er heute tatsächlich keinerlei Relevanz im öffentlichen Leben mehr hat. Der Ökumenismus befruchtete die Glaubenswirklichkeit nicht, sondern ließ sie verdorren.

      Papst Franziskus lebt noch heute im Geiste dieser Frühphase des Konzils, er scheint sich gegen jegliche Erfahrung abzuschotten, die den „Geist des Konzils“ infrage stellen könnte. Damit steht er zwar im Widerspruch zum erklärten Geist der Offenheit, wie ihn Johannes XXIII. bei Konzileröffnung forderte, kann sich aber durch diese Abschottung gegen die Realität einer Kirchenwirklichkeit schützen, die tatsächlich kaum noch jemanden interessiert. Der Papst wird zunehmend zu einem bloßen Repräsentanten eines entleerten Glaubens.

  16. @ Sophus:
    Ihre Beiträge sind so inhaltsreich wie inhaltsschwer. Ein Dienst an der Wahrheit. Ich lese das mit Gewinn. Danke!
    Diese Texte zusammenzustellen, ist richtig Arbeit und zeitintensiv.

    @ Suarez, auch ein Dankeschön an Sie.

    • Man beachte, auf kath.net führen solche Beiträge mittlerweile zur Sperrung! Soweit hat sich der Konzilgeist schon in unseren Landen ausgebreitet, dass jedweder qualifizierte Widerspruch gegen seine Auswüchse als unbarmherzig radikal unterdrückt wird. Dies soll kein „Gejammer“ sein, wie hier schon von Lesern mir vorgeworfen, sondern der nüchterne Befund des Zustandes der „Kirche im Aufbruch“.

      • Aufbruch oder Abbruch?

        als ich damals kath.net entdeckte, hatte ich den Eindruck, das wäre eine Seite wider den Konzilsgeist (noch unter dem Pontifikat Benedikts) – irgendwann hat das dann gedreht, naja was soll’s die Vertreter des Konzilsgeistes dürften ja alle weit über 70 sein, und Nachwuchs gibt’s nicht…

      • Lieber Kostadinov,
        wie agil dieser „Konzilgeist heute ist, sehen Sie am Kommentarbereich bei kath.net, der mittlerweile vom Relativismus vollständig dominiert ist. Die Konzilsväter sterben zwar aus, sind es großenteils längst, nur der Ungeist, der in der Rezeption des Konzils geboren wurde, erfreut sich munterer Gesundheit. Fundierte Kritik finden Sie auf genanntem Forum schon lange nicht mehr.

        Die Dekadenz schreitet also weiter voran, gesellschaftlich, politisch und kirchlich. Je armseliger der Glaube wird, je mehr er sich auf das Phrasenhafte reduziert, desto wütender wird er von denen verteidigt, die an ihrer imaginierten Weltsicht um jeden Preis festhalten, weil sie ihnen in einer Welt, in der es längst keinen Halt mehr gibt, den letzten Halt gibt.

      • Die „Diskussionen“ auf kath.net werden immer trivialer. Liest man unter dem von Ihnen verlinkten Artikel doch allen ernstes, dass sich @ AvM nicht so wichtig nimmt und alle lieb hat. Sagt Ihnen Guildo Horn was? Das theologische Niveau bewegt sich bei kath.net mittlerweile auf dem des Schlagers. Selbst der wackere @ Waldi perpetuiert seine immer gleiche Kritik, die man ihm erlaubt, weil sie am Ende doch harmlos ist.

        Apropos Gesinnungspolizei, wo ist eigentlich @Gandalf abgeblieben, der sich hier kurz phrasenhaft zu Wort meldete, um dann wieder in der Versenkung zu verschwinden. Wo ihm das Zensurmittel der Moderation fehlt, traut er sich nicht aus der Deckung. So sind sie, die neuen Helden des Katholizismus.

      • Von Guildo Horn hab ich schon mal gehört, aber mich würden Sie eher auf nem Iron Maiden Konzert treffen (nur für den Fall, dass mir die Herren Charles X und Ambrosios, die von Stil und Inhalt her fast eine Person sein könnten, wieder hinterhersurfen) 😀

        das ist ein Unterschied wie zwischen Kumbaya und „Hier liegt vor deiner Majestät“

        aber worauf ich die Betonung gelegt hatte, war, dass jetzt sogar der nun wirklich nicht traditionalistische Adson dort unter Feuer kommt… sagt eigentlich alles
        und hochlogisch geht es zu, die Kardinäle Sarah und Napier werden inhaltlich immer noch gefeiert, aber wenn jemand den Papst scheel anschaut, der etwas ganz anderes zu sagen scheint, wird man in den Boden gerammt, jetzt wär’s nur nochlustig zu spekulieren, was dort geschrieben würde, wäre der nächste Papst Sarah, Burke, Napier oder vllt wieder jmd aus Polen 😀

      • Naja, ob das nicht eher ein inszeniertes „Unter Feuer Nehmen“ ist, damit man den Anschein der Kontroverse wahrt? Zumindest bleibt man doch allgemein und unbestimmt. Das Perfide am neuen, scheinbarmherzigen Kirchengeist ist, dass er jeden zum Pharisäer stempelt, der nicht dem Relativismus das Wort redet. Wer sich substantiell gegen solche Vorwürfe zur Wehr setzt, wird mit Zensur überzogen. Es ist nicht mal das „Fähnchen nach dem Wind hängen“, sondern es ist das subtil ins Werk gesetzte Programm einer Ökumene, die klar zum Ziel hat, die katholische Kirche dem Protestantismus immer weiter anzunähern. Für dieses Programm muss langfristig die katholische Glaubenslehre destruiert werden, was man im Step by Step Verfahren durchzieht.

        Übrigens forderte Kardinal Suenen, einer der einflussreichsten Konzilsväter, offen im Vaticanum II. das Frauenpriestertum. Darum hat Johannes Paul II. diesen häretischen Forderungen später endgültig einen Riegel vorgeschoben.

        Das Denken eines Suenen wirkt aber bis auf unsere heutige Zeit fort. Warum ist Belgien derart heruntergekommen, was die katholische Kirche, ja was den christlichen Glauben allgemein anbetrifft, ganz abgesehen von den verheerenden Zuständen in Staat und Justiz – siehe Pädophilenskandale bis hin zu diesem bestialischen Marc Dutroux und den bis heute nicht aufgeklärten Verwicklungen der Politik und Justiz.

    • Werter @ C.Eckstein
      Sie resümieren zutreffend: „Was der Kardinal unter 3. sagt, ist nicht einfach eine plumpe Ermahnung, sondern trifft mitten ins Herz der Kirche im aktuellen Zeitgeschehen. Mit feiner Klinge auf höchstem Niveau – spirituell, theologisch, christozentrisch, katholisch – teilt Kardinal Müller sich hier mit.“ Was dagegen @ Gandalf dem Abschnitt 3. entnimmt, stellt m.E. lediglich eine seiner üblichen Devotionen zur Absicherung seiner Forumsinteressen im Vatikan dar. Die Plattheit seiner Wortmeldung allerdings verwundert und verdient Widerspruch! Dank auch Ihnen und @ Suarez !

      • Verehrter @ C.Eckstein, verehrter @ Sophus,
        ich nehme stark an, dass ihrem substantiierten Widerspruch keine Erwiderung zuteil wird.

      • Hochverehrter @ Suarez!
        Zu Ihrem fulminanten heutigen Beitrag von 9.35, für den ich mich , wohl im Sinne aller Mitlesenden, allerherzlichst bedanke, darf ich zu den Gründen des frühen Meinungsumschwung von Prof. Joseph Ratzinger noch etwas bezüglich seiner veränderten Sichtweise schon vor 1970 beifügen:
        Er hat bekanntlich bereits 1970 ein Buch „Über die Zukunft der Kirche“ veröffentlicht, in dem es u.a. über die Notwendigkeit, die reine Fülle des Glaubens zu erhalten und nicht dem Zeitgeist zu opfern, heißt:
        »Die Zukunft der Kirche kann und wird auch heute nur aus der Kraft derer kommen, die tiefe Wurzeln haben und aus der reinen Fülle ihres Glaubens leben. Sie wird nicht von denen kommen, die nur Rezepte machen. Sie wird nicht von denen kommen, die nur dem jeweiligen Augenblick sich anpassen. Sie wird nicht von denen kommen, die nur andere kritisieren, aber sich selbst als unfehlbaren Maßstab annehmen. Sie wird also auch nicht von denen kommen, die nur den bequemen Weg wählen. Die der Passion des Glaubens ausweichen und alles das für falsch und überholt, für Tyrannei und Gesetzlichkeit erklären, was den Menschen fordert, ihm wehe tut, ihn nötigt, sich selbst preiszugeben……
        Der Vorgang wird umso schwerer sein, als sektiererische Engstirnigkeit genau so wird abgeschieden werden müssen wie großsprecherische Eigenwilligkeit. Man kann vorhersagen, dass dies alles Zeit brauchen wird. Der Prozess wird lang und mühsam sein, so wie ja der Weg von den falschen Progressismen am Vorabend der Französischen Revolution, bei denen es auch für Bischöfe als schick galt, über Dogmen zu spotten und vielleicht sogar durchblicken zu lassen, dass man auch die Existenz Gottes keineswegs für sicher halte, bis zur Erneuerung des 19. Jahrhunderts sehr weit war.“
        Zusammenfassend kann wohl mit Ihrer Zustimmung gesagt werden:
        Nicht das Konzil selbst hat in den letzten 50 Jahren zum Niedergang des kirchlichen Lebens geführt, sondern dessen Verfälschung durch den „Geist des Konzils“, der von Anbeginn dem Ungeist historisch-kritischer Modernisten entsprungen ist, die unter Robert Bultmanns Einfluss mit den Evangelien auch die römisch-katholische Kirche entmythologisiert sehen wollten und die eigentlichen Texte des Konzil ignorierten und damit verrieten. Was unmittelbar folgte, war die Zeit von Tausenden von Dispensen, der Flucht von Zehntausenden aus Zölibat und Priestertum, der Entleerung der Priesterseminare und Klöster, des Zusammenbruchs der Disziplin, der Verunsicherung bis in den Lehrbetrieb der Universitäten und Schulen, der Preisgabe der im Katechismus niedergelegten Lehre der Kirche, der Verdunstung des Glaubens und des Schwunds an Moral , nicht nur der Ehemoral – ein Prozess, der bis heute anhält und unter Papst Franziskus durch den pastoralen Großeinsatz von „Barmherzigkeit“ aus Menschenhand überdeckt werden soll.

      • Wie weit kath.net auf dem Weg des Relativismus nun schon zu gehen bereit ist, zeigt die Handhabung des Gastkommentars von Mathias von Gersdorff vom 24 November 2015, 10:00 mit der Überschrift: „Eine Abtreibung wird in Deutschland immer leichter. Thomas Sternberg stellt sich damit auf die Seite der Kultur des Todes, vor der Johannes Paul II. so sehr warnte.“ So weit Mathias von Gersdorff!
        Bei kath.net. lautet die Überschrift: „Neuer ZdK-Chef Sternberg will sich für Donum Vitae einsetzen“. Damit bezieht sich das Forum auf eine Aussage Sternbergs gegenüber dem „Domradio“, das Streitthema „Donum Vitae“ müsse vom Tisch: „Ich habe es bereits bei meiner Antrittsrede gesagt, dass in der nächsten Zeit der Einsatz von katholischen Männern und Frauen für das ungeborene Leben, das sie bei „Donum vitae“ leisten, kein Streitpunkt in der Kirche mehr sein wird. Solche unnötigen Streitthemen müssen relativ rasch ausgeräumt werden.“
        Der sattsam als Edelrelativist bekannte Kommentator Charles X. durfte dazu unbehelligt von der Moderation vor 10 Stunden zugunsten von kirchlich ausgestellten Beratungsscheinen, die seinerzeit Erzbischof Johannes Dyba „Tötungsscheine“ genannt hatte, das Wort ergreifen:
        „Es wird Zeit,…dass man den verhängsvollen Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung, der so vielen Ungeborenen das Leben gekostet hat durch unsere (!) unterlassene Hilfe, revidiert. Danke, Herr Sternberg!“
        Charles X hat für diese entgleiste Verdrehung der Tatsachen von der Moderation weder Widerspruch erfahren, noch ist sein Satz gelöscht, noch ihm selbst Kommentarsperrung angedroht, noch gar an ihm vollzogen worden. Da konnte er sich wohl auf den gleichgesinnten @ bücherwurm verlassen, alias Lore Lorleberg, Diplomtheologin der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg……

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