Der SPIEGEL vertuscht seine Verstrickung mit NS- und SS-Führern – VorSPIEGELeien (1)

Augstein, Wolff und Heidegger am 26. September 1966
Augstein, Wolff und Heidegger am 26. September 1966

(Hamburg) Der Deutsche Presserat hat das Wochenmagazin Der Spiegel wegen seiner Berichterstattung zum Fall des zurückgetretenen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst gerügt. Eine Rüge, die in der Sache zu spät kommt und damit keine Auswirkungen mehr hat. Umso mehr Grund, sich grundsätzlicher mit dem Spiegel zu befassen.

1966 interviewte der SPIEGEL-Herausgeber Rudolf Augstein mit seinem Adlatus, dem ehemaligen SS-Hauptsturmführer Georg Wolff, das antisemitisch eingefärbte ehemalige NS-Parteimitglied Martin Heidegger. Was die drei als Erbe der Nazi-Ideologie bis zum Ende der Adenauerzeit verband, war eine antiklerikale Haltung und die Bekämpfung des politischen Katholizismus’. Diese Einstellung verband sich in der Frühzeit des SPIEGELS mit einer Verharmlosung von NS-Verbrechern und der Vertuschung ihrer mörderischen Untaten. Augstein selbst war dafür verantwortlich, denn er hatte in den Gründerjahren seiner Zeitschrift etwa ein Dutzend hochrangige SS-Führer und NS-Verantwortliche als Mitarbeiter seines Blattes angeheuert. Historiker und Medienspezialisten konnten in frühen Ausgaben des SPIEGELS zahlreiche nationalsozialistische Hetzformeln, den SS-Jargon und antidemokratischen Impulse nachweisen.

Eine Serie von Hubert Hecker.

In der Ausgabe 45/2015 will der SPIEGEL wieder mal einen „Schandflecken“ in der Frühgeschichte der Bundesrepublik ausgemacht haben. Der damalige katholische Bundeskanzler Adenauer war von Anfang an der Lieblingsfeind von Blatt-Gründer Augstein. In dieser Tradition markiert die Redaktion des Hamburger Nachrichtenmagazins immer wieder die „reaktionäre Adenauer-Ära“. Im neusten Fall attackiert sie den damaligen Bundeskanzler, weil der ab 1950 nach sorgfältiger Überprüfung und „von Fall zu Fall entscheiden“ wollte, ob ehemalige NSDAP-Mitglieder in höhere Ministerialränge aufgenommen werden könnten. In SPIEGEL-typischer Übertreibungs-Manier fragt das Blatt: „Wie braun waren die Gründerjahre der Republik?“ Dabei hätte das Hamburger Nachrichtenmagazin allen Grund, an die eigene Nase zu fassen und dabei die braunen Sekrete seiner eigenen Frühgeschichte ans Tageslicht zu fördern. Der SPIEGEL-Gründer Augstein hatte damals leichtfertig eine Anzahl NS- und SS-Führer in die Redaktion geholt. Bei deren Anstellung ging er – im Unterschied zu Adenauer – ohne sorgfältige Prüfung und Bewertung ihrer braunen Vergangenheit vor.

Augstein stellte hochrangige SS-Schreibtischtäter ein

Beim Einstellungsgespräch im Jahre 1950 fragte der Herausgeber und Chefredakteur Rudolf Augstein den damals 36jährigen Bewerber Georg Wolff : „Haben Sie Juden erschossen?“. Als Wolff mit „Nein“ antwortete, sagte der SPIEGEL-Chef: „Dann sind Sie eingestellt.“ So berichtete es Wolff in seiner Biographie.

Über dessen Vergangenheit als SS-Hauptsturmführer und Mitarbeiter des SD im besetzten Norwegen musste Augstein grob im Bilde sein. Er wusste auch, dass Judenerschießungen nur von den unteren SS-Rängen ausgeführt wurden. Insofern zielte Augsteins Frage darauf, hochrangige SS-Führer herauszufischen, die nie eigenhändig Erschießungen vorgenommen hatten, weil sie nur als Schreibtischtäter an der Juden- und Dissidentenverfolgung beteiligt waren. Bei der oben gestellten Augstein-Frage hätte auch Adolf Eichmann die Einstellungshürde für die SPIEGEL-Redaktion genommen, wenn der nicht intellektuell so beschränkt gewesen wäre.

Schon in der Studentenzeit wurde Georg Wolff als „vorbildlicher Nationalsozialist“ beurteilt. In Norwegen machte er sich als SS-Spezialist für die Überwachung und Drangsalierung der Bevölkerung nützlich. In dieser Funktion war er auch an der Zusammenstellung von Listen für Geiselerschießungen beteiligt. Das war für Augstein kein Hindernis, ihn in der SPIEGEL-Hierarchie bald zum stellvertretenden Chefredakteur zu befördern.

Mit der Einstellungsmethode: Wer keine Juden erschossen hat, wird als Redakteur angestellt, machte sich Augstein schamlos die umstrittenen Entnazifizierungsverfahren zu Nutze. Bei denen konnten sich viele hochrangige Nazis dank ihrer guten Vernetzung mit „Persilscheinen“ freikaufen. Darüber hinaus waren die SS-Verbrechen an NS-Schreibtischen oder im fernen Norwegen und Russland von den eingesetzten Laienrichtern schwer zu ermitteln. So war das Ergebnis vielfach entsprechend dem charakterisierenden Spruch: „Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen“ – zum SPIEGEL.

Noch im Jahre 2007 versuchte der Ressortleiter für Zeitgeschichte, Klaus Wiegrefe, im Interview mit dem ehemaligen Redaktions-Geschäftsführer Hans Detlev Becker diese Zusammenhänge zu vertuschen: Man habe angeblich von den SS-Verbrechen nichts gewusst und die Entnazifizierungsurteile als Persilscheine akzeptiert. Bemerkenswert ist die Äußerung vom ehemaligen Geschäftsführer Becker, Augstein und der frühe SPIEGEL hätten weder Interesse an Nazi-Zeit und NS-Politik gehabt noch am politischen Kampf für Demokratie in der Adenauerzeit.

Der Kopf der SS-Seilschaft in der SPIEGEL-Redaktion

Der Spiegel 40/1966, der am 26. September 1966 erschienen ist
Der Spiegel 40/1966, der am 26. September 1966 erschienen ist

Wolff war auf allen Stufen seiner Karriere als NS-Schreibtischtäter von dem SS-Brigade-Führer Franz Alfred Six (+1975) gefördert worden. Der Holocaust-Protagonist Six war als einer der ranghöchsten SS- und SD-Führer maßgeblich für die Planung und Durchführung des millionenfachen Judenmords verantwortlich. Dagegen nahm der Six unterstellte Adolf Eichmann nur die Rolle eines subalternen Beamten ein. Nach dem Krieg trug der hohe SS-Führer seine Rechtfertigung wie ein Schild vor sich her: ‚Ich habe zu keiner Zeit persönlich an Judenerschießungen teilgenommen.’ Heinrich Himmler hatte auch nie persönlich auf Juden geschossen. Ihm war sogar schlecht geworden, wenn er bei Erschießungen nur als Zuschauer dabei war.

Six stand als ehemalige Professor für Zeitungswissenschaft und späterer Propaganda-Direktor im NS-Außenministerium nach dem Krieg im engen Kontakt mit der SPIEGEL-Redaktion. Augstein nutzte dessen Seilschaft-Kontakte zur Organisation Gehlen. Nach Six’ Verhaftung 1947 durch amerikanische Stellen gab der SPIEGEL dem Kriegsverbrecher mit einem schäbigen Denuntiationsartikel Schützenhilfe. Später publizierten Augstein, Wolff und andere SPIEGEL-Journalisten in einem von Six geleiteten Verlag. Als Dozent an der „Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft“ propagierte Six das Führerprinzip – so wie Hitler in seiner Rede am 27. 1. 1932 im Düsseldorfer Industrieclub vor damaligen Wirtschaftsführern.

Kontinuität der nationalsozialistischen Denkungsart

SS-Hauptsturmführer Horst Mahnke (+1985) war der wichtigste Mitarbeiter von SS-General Six – auch bei den Erschießungen von etwa 200 Juden und Kommunisten nahe Smolensk im August 1941. Später war er als persönlicher Referent von Six mitverantwortlich für die Propaganda im NS-Außenministerium.

Zweieinhalb Jahre war Mahnke als NS-Hauptbelasteter interniert, danach verurteilte ihn ein Entnazifizierungsausschuss zu 400 DM Geldstrafe, wogegen er erfolgreich prozessierte. Kurz nach Mahnkes Anstellung als SPIEGEL-Redakteur im Jahre 1950 stellte er mit der antisemitischen Enthüllungsgeschichte „Am Caffeehandel beteiligt“ die Kontinuität seiner nationalsozialistisch geprägten Denkungsart unter Beweis. Daraufhin beförderte ihn Augstein schon 1952 zum Ressortleiter „Ausland“.

Gelernt ist gelernt: Goebbels-Propagandisten wechseln zum SPIEGEL

Mahnke konnte sich bei dieser Redaktionsarbeit insbesondere auf einen alten NS-Bruder im Geiste stützen: Wilfred von Oven (+2008) war ein fanatischer Nationalsozialist, der in frühen Jahren aus SA und NSDAP ausgetreten war, weil ihm die Nazis nicht radikal genug auftraten. Im Polenfeldzug beteiligte sich von Oven an Massakern, was ihm später die Beförderung zu Goebbels persönlichem Referenten einbrachte. Da er als antisemitischer Hetzpropagandist selbst auch keine Juden erschossen hatte, nahm ihn Augstein in die SPIEGEL-Redaktion auf und schickte ihn 1951 mit einem persönlich unterzeichneten Empfehlungsschreiben als Auslandskorrespondent nach Argentinien.

Ein weiterer Goebbelsvertrauter, SS-Sturmbannführer Erich Fischer, wurde Werbeleiter im Düsseldorfer SPIEGEL-Büro. Der Kriminalrat, SS-Sturmbannführer Dr. Bernhard Wehner, machte sich für den SPIEGEL auflagesteigernd verdient durch seine Kripo- und Landser-Serie über Arthur Nebe. 1949 schrieb der ehemalige Gestapochef und SS-Oberführer Rudolf Diels die SPIEGEL-Serie: „Die Nacht der langen Messer…“. Auch der langjährige Chef vom Dienst, Johannes Matthiesen, war als ehemaliger SS-Unterscharführer einschlägig vorbelastet. Der Redakteur Kurt Blauhorn hatte sein journalistisches Handwerk als früherer NS-Propagandist gelernt.

Ein SS-Mann vom Typ Heydrich liefert SPIEGEL-Artikel

Schließlich agierte der ehemalige SS-Obersturmbannführer Paul Karl Schmidt – alias Paul Carell – als SPIEGEL-Redakteur und zeitweise externer Autor. Vom Leiter der „Kampfausschüsse gegen den jüdischen Intellektualismus“ und studentischer Redner bei den Verbrennungen „undeutscher Bücher“ im Mai 1933 kämpfte sich Schmidt bis zum Ministerialdirektor im NS-Außenministerium Ribbentrops hoch. Dort war er für Pressebeobachtung und Propaganda zuständig. Im engen Kontakt mit Franz Six forcierte Schmidt von seiner Dienststelle aus die Judendeportationen aus der Slowakei und Ungarn. Für die propagandistische Absicherung der Deportation von Budapester Juden schlug der SS-Mann vom Typ Heydrich vor, den ungarischen Juden Sprengstoffdepots und Sabotagepläne zu unterschieben. Diese aggressive Beteiligung Schmidts an der Judenvernichtung wurde schon 1947 in der Zeitung „Welt“ veröffentlicht und war dem SPIEGEL-Herausgeber Augstein sicherlich bekannt.

Rudolf Augstein scheint mit den ehemaligen SS-Offizieren eine gezielte Kooperation eingegangen zu sein: „Eine ‚beschönigende Vergangenheitsbewältigung‘ und die ‚öffentliche Rehabilitierung‘ ausgewählter SS-Größen seien dabei laut Koch der Preis dafür gewesen, von der ‚verschworenen Himmler-Garde‘ den Stoff zu bekommen, mit dem sich Auflage machen ließ“ – so der NZZ-Journalist Peter Ferdinand Koch.

Das ‚Enthüllungsmagazin’ verhüllt seine braune Vergangenheit

Die SPIEGEL-Chefredaktionen üben sich seit Jahrzehnten im Beschönigen, Verdrängen und Verdrehen der braunen Vergangenheit ihres Blattes. In dem Jubiläumsartikel von 1997 zum 50jährigen Bestehen des Magazins wurden die ehemaligen SS-SPIEGEL-Schreiber der frühen Jahre einfach unterschlagen. Immerhin wurden zwei von fünf SPIEGEL-Ressorts von hochrangigen SS-Führern a. D. besetzt, der ehemalige SS-Hauptsturmführer Wolff brachte es sogar zum stellvertretenden Redaktionsleiter.

Hässliche Befunde von unangenehmen Tatsachen

Seit dem Vertuschungsartikel von 1997 haben Historiker und Medienexperten das Nazi-Netzwerk in der SPIEGEL-Redaktion der 50er Jahre ansatzweise erforscht. Meistens reagierte die Chefredaktion mit Herunterspielen oder Aussitzen bei den publizierten Enthüllungen über den nazi-infizierten SPIEGEL. Anlässlich des 50. Jahrestages der sogenannten SPIEGEL-Affäre im Jahr 2012, bei der das Blatt sich als angeblich führendes Aufklärungsorgan selbstbejubelte, sah sich die Redaktion durch den bisherigen Glaubwürdigkeitsverlust zu einer Historiker-Konferenz gezwungen. Aber auch deren „hässliche Befunde von unangenehmen Tatsachen“ beschönigte, verharmloste und verdrehte das angebliche Aufklärungsmagazin in bewährter Weise:

Die Chefredaktion vertuscht, verdreht und wiegelt ab

  • Der Medienhistoriker Lutz Hachmeister konnte „gut ein Dutzend überzeugte Nationalsozialisten“ als Redaktionsmitarbeiter in den frühen SPIEGEL-Jahren ausmachen. Dagegen gab schon vor Jahren Chefredakteur Georg Masculo die Formel von einer „Handvoll Leute“ mit braunem Couleur aus – so auch im SPIEGEL vom 10. 3. 2014.
    • Aus den überzeugten Nazis, die auch als SPIEGEL-Redakteure ihre antisemitische und nazifreundliche Gesinnung unter Beweis stellten, machte Masculo angeblich geläuterte Wendehälse, die ihre „braune Vergangenheit“ hinter sich gelassen hätten.
    • Hachmeister arbeitet die Kontinuität der NS-Netzwerke bei den SS-SPIEGEL-Redakteuren heraus, braune Seilschaften, die sich – „sehr gut vernetzt“ – personell und ideologisch unterstützten. Die Chefradaktion will dagegen Glauben machen, dass nur isolierte „einzelne ehemalige SS-Offiziere“ in der Redaktion gewirkt hätten.

SS-Jargon und Landser-Ton im SPIEGEL

  • Diese angeblich vereinzelten Redakteure aus der „mittleren SS-Offiziersebene“ hätten die Redaktionslinie nie nachhaltig beeinflussen können, behauptete Masculo. Dagegen weist Hachmeister nach, dass das NS-Netzwerk in der SPIEGEL-Redaktion mehrheitlich aus Spitzenkräften der nationalsozialistischen Funktionselite bestand, die in Augsteins Blatt „ihren SS-Jargon“ einbrachten und deren Themensetzung prägend für das Magazin wurden. Der Historiker Norbert Frei fand den SPIEGEL-Ausgaben der ersten Dekade „zahlreiche“ an nationalsozialistische Hetze erinnernde Formeln und Verharmlosungen von NS-Verbrechen.
    • Frei resümiert, dass der SPIEGEL der vierziger und fünfzige Jahre Gegenaufklärung und Vertuschung betrieben habe, etwa indem Augstein und seine SS-Redaktionsriege die alliierte Aufklärung zu Nazi- und Kriegsverbrechern massiv kritisierten und hintertrieben. Erst gegen Ende der 50er Jahre seien Ansätze zu einem aufklärerischen Konzept erkennbar geworden. Mascolo verbreitete dagegen weiterhin die selbsterfundene Legende, dass der SPIEGEL von Gründungsanfang an für Demokratie und Aufklärung gewesen wäre, was die „Handvoll Nazis“ in der Redaktion nicht hätten gefährden können.
  • Auch im Heft vom 10. 3. 2014 wird an der selbstgestrickten Mär von der NS-Aufklärung seit 1947 weitergebastelt: „Der SPIEGEL bemühte sich von Anfang an um die Aufklärung der NS-Geschichte“ – so der SPIEGEL-Autor Romain Leick. In den weiteren Folgen dieser Serien wird dieses SelbstbeSPIEGELungsmärchen in allen Aspekten zerstört.

Augstein stellte ehemalige SS-Führer mit anti-demokratischen Impulsen ein

Entnazifizierungsprozess im Spruchkammerverfahren
Entnazifizierungsprozess im Spruchkammerverfahren

Aber selbst eigene SPIEGEL-Beiträgen strafen diese Legende Lügen: Zum 8. 1. 2007 interviewte der Zeitgeschichtsredakteur Klaus Wiegrefe einen SPIEGEL-Redakteur der ersten Stunde, den ehemaligen Redaktionsgeschäftsführer und späteren Verlagsdirektor Hans Detlev Becker.
Frage: Hat der SPIEGEL in der ersten Dekade eine Botschaft gehabt – etwa: ‚Wir kämpfen für Demokratie’? Beckers Antwort: „Also ich bestimmt nicht. (…) Und Augstein nach meiner Erinnerung auch nicht.“

Wenn Augstein nicht für die Demokratie der jungen Bundesrepublik kämpfte – wofür dann? Jedenfalls ist es dann nicht mehr verwunderlich, dass Augstein hochrangige NSDAP-Mitglieder und SS-Leute mit „antidemokratischen Impulsen“ (Becker) ohne Bedenken einstellte. Dafür gibt ebenfalls wieder eine SPIEGEL-Maxime der frühen Jahre ein entlarvendes Zeugnis: „Entnazifiziert war entnazifiziert“, was sogar in die Artikelüberschrift gehoben wird. Augstein und seine Leute wussten, dass die damalige „Entnazifizierung“ durch die deutschen Spruchkammergerichte eine Farce war in der Bewertung von NS-Verbrechen und SS-Tätern, entsprechend belustigten sie sich darüber.

Wenn der SPIEGEL trotzdem diese formale Persilschein-Entnazifizierung als Einstellungsbedingung akzeptiert, so sollte das heißen: Wir interessieren uns nicht für die braune Vergangenheit unserer SS-Leute. Wir wollen gar kein Wissen über die Verbrechen unserer Redakteure haben, sondern das Wissen unserer ehemaligen SS-Funktionäre über die NS-Systeme sowie deren Kontakte und Kompetenzen nutzbar machen, um auflagensteigernde Artikel und Serien zu schreiben sowie die Regierung in Bredouille zu bringen. Denn Augstein hatte zwar kein Interesse daran, für die junge Demokratie zu kämpfen, aber er brachte alle Energie auf, die demokratisch gewählte Adenauerregierung zu bekämpfen.

Der SPIEGEL als treibende Kraft beim Verdrängen der Nazi-Zeit

Was Augstein, Becker & Co. an Verdrängung der NS-Vergangenheit praktizierten, das wurde nach 1968 in linken wie in SPIEGEL-Kreisen allein der „reaktionären Adenauer-Ära“* angeheftet – mit der Zuschreibung, dass die Adenauer-Regierung „Kultur, Politik, Wirtschaft, Justiz und auch die deutsche Presse“ so gelenkt hätte, dass sie „das nationalsozialistische Erbe mehr verdrängten als es aufzuarbeiten“ Auf solchem Hintergrund phantasieren SPIEGEL-Leute ihr Blatt gern als ein Leuchtturm der Aufklärung in der Brandung der Reaktion.

Der ehemalige Chefredakteur Masculo widerspricht allerdings seiner eigenen SPIEGEL-Aufklärungsthese, wenn er zugibt, dass „der SPIEGEL im Verdrängen der Nazizeit nicht besser war als der Rest der Republik“.
Aber auch dieses Eingeständnis ist eine Untertreibung: Der SPIEGEL der frühen Jahre war führend im Verdrängen der Naziverbrechen, da Augstein mit der SS-Riege in der Redaktion exzellente Propagandisten angestellt hatte. Diese Leute gehörten zu den treibenden Kräften zuerst bei der Planung und Ausführung der Nazi-Verbrechen und später in der SPIEGEL-Redaktion bei der Verdrängung oder Verharmlosung der NS-Untaten und sogar der Glorifizierung von NS-Kriegsverbrechern.

Vertuschung auch von der SPIEGEL-Erbin

Eine Vertuscherin der braunen SPIEGEL-Vergangenheit scheint auch die Tochter des Blatt-Gründers, Franziska Augstein, zu sein. In einer Gesprächsrunde am 17. 3. 2013 zu dem Film „Unsere Mütter, unsere Väter“ wurde sie von Maybrit Illner als Anklägerin gegen die „verharmlosende Wortwahl“ zur NS-Geschichte eingeführt: Was „Verstrickung in das NS-System“ genannt werde, sei „Mord aus Habgier“ gewesen.

Als die Miteigentümerin im SPIEGEL-Geschäft dann aber auf die Einstellungen von Nazis in der ersten Dekade des Blattes angesprochen wurde, versuchte sie mit der eben noch kritisierten journalistischen Wortwendigkeit die Nazi-Infiltration der frühen SPIEGEL-Redaktion zu verharmlosen und zu vertuschen.

Ausweichen, Abwiegeln, Vertuschen der „Historikerin“, wenn es um die eigene Zeitschriften-Geschichte geht

Engste Mitarbeiter von SPIEGEL-Chefredakteur Rudolf Augstein (Teil einer Fotomontage aus KONKRET 05/92)
Engste Mitarbeiter von SPIEGEL-Chefredakteur Rudolf Augstein (Teil einer Fotomontage aus KONKRET 05/92)

Gesprächsleiterin Illner leitete diese Sequenz mit der Bemerkung ein, dass „Ihr Vater, Frau Augstein, wenigstens zwei Kollegen aus der Nazizeit in die Redaktion geholt“ hätte. Dabei ist die Wendung bemerkenswert, dass die beiden gemeinten SS-Hauptsturmführer a. D., Georg Wolff und Horst Mahnke, als „Kollegen“ von Rudolf Augstein angesprochen werden, der doch nur als kleiner Volontär ein Jahr lang bei der Goebbelspresse Erfahrungen mit der Nazi-Propaganda gesammelt hatte.

Franziska Augstein ging sofort auf die Abwiegelungs- und Ausweichtour mit der Bemerkung, dass „zwei richtige Nazis“ angeblich nur „in der Bildredaktion gearbeitet“ hätten, andere „in der schreibenden oder recherchierenden Redaktion beschäftigt“ worden seien. Sie vertuscht mit dieser ‚Wortwahl’, dass es sich bei den SPIEGEL-angestellten „Nazis“ eben nicht um einfache NS-Leute handelte, sondern um SS-Prätorianer, die zur Funktionselite der mörderischen NS-Führung von Hitler, Goebbels und Himmler gehörten. Die ehemaligen SS-Führer waren auch nicht mit journalistischen Randaufgaben „beschäftigt“, wie Frau Augstein verharmlosend suggeriert, sondern wurden schon früh vom Chefredakteur Augstein als Ressort-Leiter mit Verantwortung beauftragt und Wolff sogar als stellvertretender Chefredaktion ins Zentrum der SPIEGEL-Führung befördert.

Mit Chuzpe zur VorSPIEGELung falscher Fährten

Die folgende Begründung der SPIEGEL-Erbin ist als freche Verdrehung eine typische VorSPIEGELung falscher Tatsachen: „Man brauchte Leute, die sich auskannten in den Strukturen des Nationalsozialismus; die wussten, wie der Apparat und die Befehlsketten funktionierten. “ Frau Augstein tut so, als wenn die ehemaligen SS-Führer deshalb eingestellt worden wären, damit sie mit ihren internen NS-Kenntnissen zur Aufarbeitung und Aufklärung über das NS-Regime und seine Verbrechen beitragen sollten. Tatsächlich wurden sie eher im gegenteiligen Sinne eingesetzt: In der Serie über Kaffee-Schmuggel konnten Wolff und Mahnke subkutan ihre antisemitische Ideologie weiterführen; bei den SPIEGEL-Berichten über die Nürnberger Nachfolgeprozesse und die einsitzenden NS-Verbrecher in Landsberg sowie bei den diversen Reichstagsbrand-Artikeln benutzten die ehemaligen SS-SPIEGEL-Redakteure ihre Struktur-Kenntnisse vom Nationalsozialismus, um die Nazi-Verbrechen und –Verbrecher zu vertuschen und zu verharmlosen.

Die Öffentlichkeit für dumm verkaufen

Von SS-Schreibtischtätern angeordnet: Opfer der Judenerschießungen in BabiYar, 1941
Von SS-Schreibtischtätern angeordnet: Opfer der Judenerschießungen in BabiYar, 1941

Frau Augstein weiter: „Man hat beim SPIEGEL damals jemanden gefragt: ‚Hast du dir was zuschulden kommen lassen?’ Wenn derjenige sagte ‚Nein’, dann hat man ihn genommen.“ Die Journalistin Augstein versteht sich auf die verwischende Wortwahl von ‚man’ und ‚derjenige’ zur Verschleierung von Tatbeständen: Horst Mahnke z. B. war nicht irgendein ‚jemand’, sondern ein führender Holocaust-Planer und somit ‚Hauptbelasteter’, der nach dem Krieg zweieinhalb Jahre im alliierten Internierungslager einsaß– und das wusste SPIEGEL-Gründer Augstein auch bei der Einstellung von Mahnke.

Immerhin ließ sich einer der Gesprächsteilnehmer, Dieter Thomas Heck, nicht einfach so von Frau Augstein für dumm verkaufen und fragte dazwischen: „Geht das so schnell, dass man einfach nur ‚nein’ sagen muss?“ In der Tat wirft die verdächtig schnelle Einstellung von SS-Führern in die damalige SSPIEGEL-Redaktion und das demonstrative Desinteresse an deren verbrecherischer NS-Vergangenheit Fragen nach dem Kalkül dieses Vorgehens auf. Wie oben schon gezeigt, war Augstein gezielt an hochrangigen SS-Leuten interessiert wegen ihren sozialtechnischen und politisch-propagandistischen Kompetenzen sowie deren Netzwerk-Beziehungen zu den NS-durchseuchten Geheimdiensten der frühen BRD.

Journalistische Augenwischerei und Achselzucken

Die Behauptung von Frau Augstein: „Man musste sich auf das Wort der Leute verlassen.“ ist ebenfalls Augenwischerei. Der damalige Redaktionsgeschäftsstellenleiter Heinz-Detlev Becker deutete es an: Man wollte von der Nazi-Vergangenheit gar nichts wissen. Ein Entnazifizierungs-Persilschein genügte für die Einstellung, obwohl oder gerade weil die verantwortlichen SPIEGEL-Leute wussten, dass diese Verfahren bezüglich der Nazi-Verbrechen und –Verbrecher eine Farce waren.

Und dann tischt Frau Augstein eine weitere Dummstellungs-Lüge auf: „Was soll man denn machen? Man kann das nicht nachprüfen. Versuchen Sie mal im Jahr 1946 Akten zu finden und den Werdegang eines Mannes von 1939 bis 45 rauszufinden.“ Und dabei rollt sie mit den Augen, zuckt mit den Achseln und fuchtelt mit den Händen herum, als wenn sie mit ihren Gesten die Vertuschungswirkung ihrer Worte unterstützen wollte.

Recherchieren, um zu denunzieren – SPIEGEL-typisch?

Mahnke und Wolf wurden nicht 1946 eingestellt, sondern 1950, als der SPIEGEL bereits gut etabliert war. Schon damals bildete sich Augstein und seine Leute viel auf ihre investigativen Recherchen ein – und dann sollte es nicht möglich gewesen sein, die Vergangenheit eines hohen SS-Führers zu durchleuchten? Jedenfalls zeigte die SPIEGEL-Redaktion in einem schäbigen Denuntiationsartikel schon 1949, dass sie bei ehemaligen SS-Leuten, die gegen Augsteins Projekte arbeiteten, sehr intensiv recherchieren konnte. In dem SPIEGEL-Artikel „Merkt euch den Namen Hirschfeld“ werden detailliert die Spuren und Tätigkeiten eines SS-Mannes durchleuchtet, der sich im Dienste der Alliierten für Aufklärung von NS-Verbrechen gegen die späteren Augstein-Vertraute Mahnke und Six gestellt hatte.

Die NS-Verbrechen des SS-Führers Mahnke lagen bei der Einstellung in die SPIEGEL-Redaktion klar zu Tage

Und im Übrigen brauchte der SPIEGEL-Herausgeber über Mahnke gar nicht groß recherchieren: Die Tageszeitung ‚Die Welt’ hatte schon 1947 im Rahmen der Berichterstattung von den Nürnberger Nachfolge-Prozessen von den verbrecherischen Aktivitäten des SS-Hauptsturmführers Mahnke berichtet. Der hatte als führender Propagandist des NS-Außenministeriums 1944 vorgeschlagen, ungarischen Juden Verbrechen in die Schuhe zu schieben, damit man nach außen eine Begründung für den Abtransport aller Juden von Ungarn nach Auschwitz vorweisen könnte.

* Der berüchtigte Nazi-Jurist und NS-Staatsanwalt Eduard Dreher, der mehrmals für kleinere Diebstähle KZ- und Todesstrafe gefordert hatte, wurde maßgeblich von SPD-Politikern zu seiner Nachkriegskarriere gefördert: 1951 gelangte er auf Empfehlung des SPD-Politikers Adolf Arndt in Justizministerium. Später war es der SPD-Staatssekretär und Minister Horst Ehmke, der Dreher als Spitzenbeamten hielt. Noch 1981 bedauerte der damalige Staatssekretär Günther Erkel (SPD) die „Anwürfe“ gegen Dreher.

Weitergehende Literatur:
Lutz Hachmeister, Heideggers Testament: Der Philosoph, der SPIEGEL und die SS, 2014
ders.: Ein deutsches Nachrichtenmagazin. Der frühe „Spiegel“ und sein NS-Personal. In: Lutz Hachmeister, Friedemann Siering (Hrsg.): Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945, 2002

Text: Hubert Hecker
Bild: Der Spiegel/Konkret (Screenshots)

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16 Comments

  1. Es ist insgesamt ein Problem, dass sehr viele Kräfte und Personen nach dem Krieg versucht haben, sich als „Opfer“ oder „Helden“ hinzustellen, die natürlich gar nichts mit der NS-Zeit zu tun, geschweige denn Hitlers Politik unterstützt und mit umgesetzt hätten.

    Es waren alte Seilschaften, die da nach wie vor griffen. Natürlich war Adenauer involviert – auch seine Biografie weist in der Nazizeit merkwürdige Widersprüche auf. Aber wir haben es auch an Grass gesehen und vielen anderen. Ich denke an die ganzen Fälle aus der Vergangenheit: Waldheim, Filbinger etc. Und alle hingen in irgendwelchen politischen Projekten, die in der Bundesrepublik vorwärtsdrängten.
    Nicht anders ist es mit den katholischen „Leuchttürmen“. Der angebliche „Widerstand“ Bischof Grabers schmolz auf eine kleine Abwesenheit bei einer Veranstaltung zusammen, dabei wuchs seine Hitlerbejubelung plötzlich mit entdeckten „Werkblätter“-Ausgaben von 1933 ins Unermessliche.

    Warum also soll nicht auch der „Spiegel“ genauso verlogen sein wie katholische Bischöfe, Sozialdemokraten und bürgerliche „Nazibefürgegner“?

    Ich finde es aber – von Schuldzuweisungen, ja: berechtigten Schuldzuweisungen bei allen Genannten (!) – so unheimlich, dass damals offenbar eine Situation war, der fast niemand unschuldig standhalten konnte.

    Selbst Leute, die eigentlich keine Nazis waren wie Adenauer, ergaben sich doch an bestimmten Punkten, als ob einer sie ferngesteuert hätte.

    Ist das nicht sehr beängstigend, und wie würden wir allesamt reagieren, wenn es an uns kommt?

    • Wären Sie so freundlich, Ihre Behauptungen bezüglich Adenauer und Graber zu präzisieren und mit Quellenangaben zu belegen. Haben Sie eines dieser Werkblätter je in Händen gehabt und die von Ihnen inkriminierten Graber Artikel je gelesen, persönlich analysiert und in den historischen Kontext gestellt? Falls nicht, frage ich Sie, warum kolporitieren Sie dann solche Gerüchte und links-jüdische Antifamärchen, die Sie u. a. aus unseriösen Quellen wie diesem Blättchen da oben aufsaugen und hier in der Pose des Anklägers ausstreuen als ob es sich um göttliche Offenbarungen handelte.

      • Ach du lieber Himmel!
        Was für ein giftiger Wortschwall!
        Welche Quelle auch immer man Ihnen vorlegte, sie würden das also ohnehin nicht glauben wollen, habe ich Sie da richtig verstanden?

        Bei Interesse: In den „Werkblättern“ des Bundes Neudeutschland v.a. 1933. Eine gigantische Hitlerbejubelung. Er hielt ihn für den Retter des Hl. Römischen Reiches etc. und äußerte sich extrem antisemitisch.

        Es gibt Dinge, die sind unabhängig vom Zeitkontext verwerflich, nicht wahr?
        Warum verteidigen Sie sonst nicht die Auflösung des Ehesakramentes?
        Andernfalls muss man auch das im „Zeitkontext“ verstehen…

        „Messen mit zweierlei Maß“ nennt man das, was Sie propagieren.
        Im Klartext: die Wahrheit hassen.

        Aber bitte: Was nicht sein kann, das nicht sein darf.

        Ich finde eingie von Grabers Ideen und gedanken sehr interessant und stimme ihm auch zu, aber er hat nun mal diesen zweifelhaften Fleck, und er stand dazu nicht!

        Im übrigen hat er von einem übersteigerten Wunsch nach politischer Verwirklichung des alten Hl. Römischen Reiches, gleich mit welchen Verbechern, offenbar nicht abgelassen.

        Er hat später diese Idee unbedingt in der entstehenden EU verwirklicht sehen wollen und darüber auch Vorträge gehalten, die einem kleinen Bändchen über „Europa“ veröffentlicht sind.

        Glauben Sie, was Sie wollen. Die Fakten aber liegen auf dem Tisch.

      • Nein, Sie haben mich offensichtlich nicht verstanden und Ihre im Grunde substanzlose wie aggressive Entgegnung auf die nun wirklich freundlich formulierte Anfrage bestätigt nur meine Befürchtung, dass Sie wieder einmal dieses Forum nutzen, um mit kritiklos übernommenen „Lesefrüchten“ aus SPIEGEL und WIKIPEDIA, den linksideologischen Ideenschmieden par excellence, die Leser dieser katholischen Nachrichtenseite auf billige wie verantwortungslose Weise zu provozieren. Den Werkblättern des Bundes Neudeutschland, einem jener von Anfang an von den Nazis verfolgten katholischen Jugendorganisationen und insbesondere dem darin veröffentlichten Gedanken des von den Nazis unter Polizeibeobachtung gestellten Grabers zum Sarcum Imperium „gigantische Hitlerbejubelung“ und „extremen Antisemitismus“ zu unterstellen ist geradezu grotesk. Diese Aussagen können nur getroffen werden, wenn man jenen Artikel Grabers nicht einmal ansatzweise zur Kenntnis genommen hat.

      • …und ich vergaß zu Adenauer, der ebenfalls sich eine Monarchie mit Hitler als Reichs-Präsident vorstellen konnte: http://www.konrad-adenauer.de/dokumente/briefe/brief-dora-pferdmenges – und das im Juni 1933 und auch zuvor schon für Koalitionen seiner Partei mit der NSDAP plädiert hatte. Schauen Sie sich nur die gesamte Website dort mal genau an…

        Und von diesen Merkwürdigkeiten gibt es bei ihm noch viel mehr. Insgesamt ein Hinweis, dass er Hitler total unterschätzt hat.

        Auch hier: Glauben Sie was Sie wollen.

        Im übrigen beendete ich mein Ausgangsposting mit einem letzten Satz.
        Der bleibt nach wie vor meine Schlussfolgerung.

      • @ hicesthodie

        Sie tun mir wirklich leid – „freundlich“ nennen Sie Ihre persönlichen Ausfälligkeiten gegen mich?

        Abgesehen davon, das natürlich nicht alles, was in den von Ihnen gehassten Medien an Informationen steckt, aufgrund Ihres Hasses bereits sachlich falsch sein muss (!), sind meine Darlegungen nicht substanzlos, sondern enthalten sogar eine substanzielle Brinsanz, die auch der Grund für Ihren Ausbruch sein dürfte.

        Ja, meine handfesten Hinweise enthalten eine Brisanz, deren sachlicher Gehalt Ihr Problem sein dürfte.

        Ich verstehe, dass damit „heile, katholische Welten“ zu Staub zerfallen. Ich muss das ja selbst erleiden!

        Dennoch kommen wir um die Wahrheit nicht herum.

        Vergessen Sie nicht, dass es die Wahrheit ist, die uns frei macht.
        Zimmern Sie sich dagegen selbst in ein frommes Gespinst ein, das sich im hellen Licht der Wahrheit nicht halten lässt, haben Sie am Ende den Schaden.

        Ich bin hier höchtsens der Bote.
        Und wie schon immer erschlug man lieber den Boten der Nachricht, als dass man bereit gewesen wäre, sich mit der Nachricht auseinanderzusetzen.

      • Wissen Sie, Frau Zeitschnur, ich will Ihnen, als Nachgeborene, noch zugute halten, dass Sie Geschichte, hier näherhin die Zeit des III. Reichs, von seinem Ende her betrachten und beurteilen, so wie die allermeisten, die sich heute Historiker oder historisch Interessierte nennen und sich eine Meinung erlauben, ohne ernsthaftes Bemühen, sich in die Zeitläufte hineinzudenken. Was ich Ihnen jedoch nicht nachsehe, ist Ihre unverschämte, lügnerische Arroganz, mit der Sie aus nichtigsten Gründen über Menschen den Stab brechen („unermessliche Hitlerbejublung“, „verlogene katholische Bischöfe“), nur weil es in Ihr selbstgestricktes ideologisches Weltbild passt. Darin sind Sie den Schmierfinken dieses Revolverblattes, dessen Elaborate für die unbedarften Jünger einer vermeintlich aufgeklärten Moderne als Evangeliumsersatz dienen, an deren an Lügen und Rufmord grenzenden Verzerrungen sie unumstößlich und nur allzugerne glauben, weil sie in schöner Regelmäßigkeit Sündenböcke liefern, gegen die man die unbewältigten Aggressionen über die eigenen Unzulänglichkeiten ungeniert ausleben und sich beim gnadenlosen Steinewerfen und Zur-Stadt-Hinaustreiben noch als Gutmensch fühlen kann. Sie konstruieren aus einer launigen Bemerkung in einem Privatbrief Adenauers vom September 33 seine Nazikomplizenschaft. Das nenne ich böswillige Verleumdung. Fakt ist, dass mit dem Sturz der Monarchie in Deutschland ein Machtvakuum entstand, dass die Weimarer Republik nicht füllen konnte. Hätte es den Unrechtsfrieden von Versailles nicht gegeben und wäre Deutschland nach 1918 Monarchie geblieben, es hätte niemals einen Adolf Hitler, zumindest nicht in dieser Machtfülle geben können. Diese Einsicht setzt sich unter ideologiefreien Historikern langsam durch. In diesem Zusammenhang muss man Adenauers Aussage sehen, die er übrigens traf, lange bevor es überhaupt abzusehen war, was für dämonisches Potential in diesem Despoten steckte und man ihn also zwangsläufig unterschätzen musste, weil seine Teufeleien eben bis dato unvorstellbar und noch immer als einzigartig in der Geschichte Europas gelten. Was werfen Sie also nach Adenauer oder Graber mit Steinen? Was ist deren Verbrechen? Dass sie nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges nach Orientierung und neuen Lösungsansätzen für den Aufbau einer tragfähigen Gesellschaftsordnung suchten? Dass Sie nicht voraussahen, was Sie dank der Gnade der späten Geburt heute zu wissen meinen? Adenauer und Graber haben während der Nazidiktatur eindeutig in Opposition zu Hitler und seinem Rassewahn gestanden. Das sind die Fakten, verehrte Zeitschnur. Daran ändern auch die linkspolitisch motivierten Missinterpretationen ihrer hinterlassener Schriften nichts, schon gar nicht jene aus den Redaktionsstuben gewendeter SS- und NSDAP-Mitglieder, die mit der Besudelung von katholischen Nazigegnern nur von ihrer eigenen schweren Verstrickung in das NS-Unrecht ablenken wollen.

      • Fortsetzung: Deren Säulenheilige Grass und Jens sind da übrigens die Perfidesten, weil Heuchlerischsten von allen.

      • Also wissen Sie, @ hicesthodie, Ihre unverschämten Ausfälle gegen meine person gehen mir gegen den Strich – solche leute entschuldigen gerne im anchhinein alles mögliche. Sie haben sich nicht im Griff.

        Ab Ihrem 4. Satz habe ich demnach auch nicht weitergelesen.

        Entweder Sie gewöhnen sich einen respektvollen Debattenstil mir gegenüber an, oder ich lese Ihren Kram nicht. Ganz einfach.

        Die Sünden-Verteidiger (sofern die Sünden nur rechts außen genug liegen,hat man jedes Verständnis, das man dann auf der linken Seite wieder abknappst…) sprechen sich durch ihren unsachlichen und stets in der Sache argumentfreien Stil selbst das Urteil.

      • Schade, dass Sie nurmehr lesen, was und wie’s Ihnen gefällt, Fr. Zeitschnur!

        Mit ein wenig mehr Souveränität würden Sie sich an die im sachlichen Teil durchaus interessanten und bedenkwürdigen Aspekte halten, statt sich etwas primadonnenhaft abzuwenden.

        Jedenfalls scheint angesichts der Lebensleistung der betreffenden Personen auch mir Ihre Beurteilung völlig unverhältnismäßig. Denn wie haben sie – Adenauer und Mgr. Graber – geendet? Haben Sie daran auch etwas auszusetzen?

        Wenn man, wie ich selber und ja auch Sie, der Kirche und dem Glauben mal eine ganze Phase den Rücken zugekehrt hatte, sollte später die Kalibirierung beim Feuern erst recht überprüft werden. Paulus sagt nicht, „Und wer steht, der gebe acht…“, sondern „Und wer GLAUBT, er stehe, der…“

      • @zeitschnur: Tja, was soll man diesen Ihren Statements noch entgegenen!? Ich glaube, Sie sprechen für sich.

    • Ach Du lieber Himmel, nun kommt auch noch @ Carlo und moniert, dass ich persönliche Beleidigungen und hetztiraden nicht lese,

      Aber Sie haben ja offenbar mein Posting, das in hicesthodie diesen irrationalen Shitstorm ausgelöst hat, erst gar nicht gelesen…

      Vielleicht steigen Sie von ihrem Ross herunter und holen das erst mal nach.

      Dann erübrigt sich auch Ihre moralinsauere Ermahnung.

      Insbesondere meine drei letzten Satz oben ist eine Relativierung gewesen. Der immer gleich ausrastende hicesthodie hat den nicht gelesen (oder nicht verstanden wie so oft)… Sind Sie inzwischen auch so begriffsstutzig und unsachlich?

  2. Der Spiegel war von Anfang an ein linkes Agitations-Blatt. Der Hauptgegner und oft angefeindet,
    war die katholische Kirche. Gleichermaßen war und ist es das Magazin der sogenannten Gebil-
    deten und verbreitet damit ein gewisses Image. Deshalb kann man bei jeder Gelegenheit Zeit-
    genossen sehen, die den Spiegel unter dem Arm tragen. Auch vielen katholischen Geistlichen,
    war es nicht zu schade, sich mit diesem einseitigen Blatt zu zeigen. Es gibt doch heute kein Me-
    dium, dass nicht auch Lügen verbreitet, so dass es für den Spiegel legitim erscheint, hier mitzu-
    halten. Sogar christliche Blätter, wenn sie auch nicht bewusst Unwahrheiten verbreiten, dienen
    mit ihrer einseitigen Sicht, nicht der Wahrheit, siehe Synode.

    • Vielleicht ist es aber auch schon von Anfang an eine Illusion, man könne wirklich 100% freien Journalismus betreiben.

      Jede Wirklichkeitswahrnehmung ist und bleibt nun mal perspektivisch. Man kann dies nur versuchen, möglichst einzudämmen, aber loswerden kann man es nie.

      Wenn sich dann Zeitschriften noch ein besonderes, politisches oder religiöses Profil geben, dann sind sie damit IMMER tendenziös. Das ist „normal“.

      Man muss sie eben als tendenziös rezipieren.
      Aber viele schwören wiederum auf ihre „Blätter“ als seine die Wahrheitsgaranten.
      Egal ob auf linker oder rechter Seite.

      Hier sollten wir alle und gegenüber allem etwas Distanz einnehmen. Das wäre eine große Hilfe, um reifer zu werden.

  3. Spieglein, Spieglein in der Hand, wer vertuscht am besten im ganzen Land?
    Frau (Spiegel-)Königin ihr seid die größte hier, aber die Kirche, über den sieben Bergen, bei den neun Zwergen ist darin noch tausend Mal besser als ihr!

  4. Ja,es ist tatsächlich Illusion zu glauben,es gäbe eine „freie“ Presse oder eine unabhängige Berichterstattung.
    Sie ist doch ein Instrument der Manipulation der Massen und mit Sicherheit auch IMMER antichristlich.
    Was glaubt man,was nach der Wende geschah und wer genau wo wieder sass !?
    Ist ja auch klar,denn wer in dem einen System konform ging,geht auch im nächsten konform,das wissen die Mächtigen ganz genau und darum müssen wir uns gar nicht wundern.
    Und ja wir sind schon wieder mittendrin im nächsten System,es gibt ja schon genug Denk und Sprechverbote,wer was werden will, muss wieder Konformität bekunden a la Herrn Schweiger usw.usw. also nichts Neues unter der Sonne !

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