Pharisäer und Sadduzäer unserer Zeit

Jesus vor den Pharisäen und Sadduzäern
Pharisäer und Sadduzäer lehnten Jesus ab

von Roberto de Mattei*

Kritik an den „Pharisäern“ findet sich häufig in den Worten von Papst Franziskus. In zahlreichen Reden zwischen 2013 und 2015 hat er von der „Krankheit der Pharisäer“ (7. September 2013) gesprochen, „die Jesus vorwarfen, den Sabbat nicht zu achten“ (1. April 2014), von der „Versuchung der Selbstgenügsamkeit und des Klerikalismus, jenes Kodifizieren des Glaubens in Regeln und Anweisungen, wie die Schriftgelehrten, die Pharisäer und die Rechtsgelehrten der Zeit Jesu“ (19. September 2014). Beim Angelus vom 30. August 2015 sagte er: „Wie damals für die Pharisäer besteht auch unter uns die Gefahr, uns für in Ordnung, oder schlimmer: für besser als die anderen allein aufgrund der Tatsache zu halten, daß wir die Regeln, die Bräuche beachten, auch wenn wir den Nächsten nicht lieben, harten Herzens sind, stolz und hochmütig.“ Am 8. November 2015 stellte er die Haltung der Schriftgelehrten und der Pharisäer, die auf „Exklusion“ gründet, der Jesu gegenüber, die auf „Inklusion“ gründet. Der Verweis auf die Pharisäer ist ebenso offensichtlich in der Rede, mit der der Papst am vergangenen 24. Oktober die XIV. Ordentliche Synode über die Familie abschloß. Wer sonst sind die „verschlossenen Herzen, die sich oft sogar hinter den Lehren der Kirche oder hinter den guten Absichten verstecken, um sich auf den Stuhl des Mose zu setzen und – manchmal von oben herab und mit Oberflächlichkeit – über die schwierigen Fälle und die verletzten Familien zu richten“, wenn nicht „die Pharisäer, die die Religion zu einer unendlichen Kette von Geboten machten“ (26. Juni 2014)? Pharisäer scheint jeder zu sein, der mit eigensinnigem Stolz die Existenz von absoluten und unumstößlichen Geboten, Gesetzen, Regeln der Kirche verteidigt.

Wer waren die Pharisäer aber wirklich?

Wer waren die Pharisäer aber wirklich? Als Jesus seine Lehrjahre begann, unterteilte sich die jüdische Welt in verschiedene Strömungen, von denen uns die Evangelien berichten und, unter den Historikern, Flavius Josephus (3 –100 n.Chr.) in seinen Werken „Jüdische Altertümer“ und „Geschichte des jüdischen Krieges“. Die Hauptsekten waren jene der Pharisäer und der Sadduzäer. Die Pharisäer beachteten bis in die Details die religiösen Vorschriften, hatten aber den Geist der Wahrheit verloren. Sie waren überhebliche Männer, die die Prophezeiungen über den Messias fälschten und das Göttliche Recht nach ihren Meinungen auslegten. Die Sadduzäer lehrten noch schwerwiegendere Irrtümer. Sie bezweifelten die Unsterblichkeit der Seele und lehnten den Großteil der Heiligen Schriften ab. Beide stritten um die Macht im Synhedrion, der, als Jesus verurteilt wurde, von den Sadduzäern geführt wurde.

Die Sadduzäer werden einmal von Markus und dreimal von Matthäus erwähnt, während die Pharisäer wiederholt in den Evangelien des Markus und des Matthäus vorkommen. Das Kapitel 23 des heiligen Matthäus im Besonderen ist eine offene Anklage gegen sie: „Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Anis und Kümmel und laßt das Wichtigste im Gesetz außer acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue. Man muß das eine tun, ohne das andere zu lassen.“

Die Heiligen Thomas von Aquin, Augustinus und Bonaventura über die Pharisäer

Der heilige Thomas von Aquin erklärt in seinem Kommentar zu dieser Stelle von Matthäus, daß die Pharisäer vom Herrn nicht getadelt wurden, weil sie den Zehnt bezahlten, „sondern nur weil sie Größeres, die geistigen Gebote geringschätzten. Doch in der Praxis [den Zehnt abzuliefern] scheint er sie zu loben, indem er sagt: ‚Diese Dinge soll man tun‘ (Haec oportuit facere) gemäß dem Gesetz, wie Chrisostomos hinzufügt (Summa Theologica, II-IIae, q. 87, a. 2 ad 3).

Der heilige Augustinus sagte unter Bezug auf den Pharisäer, von dem der heilige Lukas schreibt (18,10-14), daß er nicht wegen seiner Werke verurteilt ist, sondern weil er sich seiner angeblichen Heiligkeit rühmte (Epistola 121,1,3). Derselbe heilige Augustinus erklärt in seinem Brief an Casulanus, daß der Pharisäer nicht verdammt wurde, weil er fastete (Lk 18,11ff), sondern „weil er sich im Stolz über den Zöllner erhob“ (Epistola 36,4,7). Denn es „ist bei einem Menschen fruchtlos, zweimal in der Woche zu fasten wie der Pharisäer, hingegen ist es eine Ausübung der Religion bei einem demütig Gläubigen oder einem gläubig Demütigen, wenn die Heilige Schrift auch nicht sagt, daß der Pharisäer verdammt worden sei, aber vielmehr, daß der Zöllner gerechtfertigt wurde“ (Epistola 36,4,7).

Die knappeste Definition für die Pharisäer findet sich beim heiligen Bonaventura: „Pharisaeus significat illos qui propter opera exteriora se reputant bonos; et ideo non habent lacrymas compunctionis” (De S. Maria Magdalena Sermo I, in: Opera omnia, Ad Claras Aquas, Florenz 2001 Bd. IX, col. 556b). „Pharisäer nennt man jene, die sich selbst wegen ihrer äußeren Werke für gut halten und daher keine Tränen der Reue haben.“

Pharisäer waren stolze Konservative, die Sadduzäer ungläubige Liberale

Der Sanhedrin war zur Zeit Jesu das Gremium von Sadduzäern und Pharisäern
Der Sanhedrin war zur Zeit Jesu das Gremium von Sadduzäern und Pharisäern

Jesus verurteilt die Pharisäer, weil er ihr Herz kannte: Sie waren Sünder, hielten sich aber für Heilige. Der Herr wollte seinen Jüngern lehren, daß die äußere Erfüllung der guten Werke nicht genügt. Das, was eine Handlung gut sein läßt, ist nicht nur sein Objekt, sondern die Absicht. Dennoch: wenn es stimmt, daß die guten Werke nicht genügen, wenn die gute Absicht fehlt, so stimmt ebenso, daß die guten Absichten nicht reichen, wenn die guten Werke fehlen. Die Partei der Pharisäer, der Gamaliel, Nikodemus, Joseph von Arimathäa (Jüdische Altertümer 20.9.1) und sogar der heilige Paulus (Apostelgeschichte 23,6) angehörten, war besser als jene der Sadduzäer, gerade weil sie, trotz ihrer Heuchelei, die Gesetze beachteten, während die Sadduzäer, aus deren Reihen die Hohepriester Hannas und Kaiaphas kamen (Jüdische Altertümer 18.35.95), auch diese mißachteten.

Die Pharisäer waren stolze Konservative, die Sadduzäer ungläubige Liberale. Doch beide vereinte die Ablehnung der göttlichen Sendung von Jesus (Mt 3,7-10).

Wer sind die Pharisäer und die Sadduzäer unserer Zeit? Darauf können wir mit ruhiger Gewißheit Antwort geben. Es sind all jene, die vor, während und nach der Synode versucht haben und versuchen werden, die Praxis der Kirche und durch die Praxis ihre Lehre über die Familie und die Ehe zu ändern.

Pharisäer und Sadduzäer lehnten die göttliche Lehre Jesu ab

Jesus verkündete die Unauflöslichkeit der Ehe, wie Gott sie von Anfang an gedacht hatte, und gründete sie auf der Wiederherstellung jenes Naturrechts, von dem sich die Juden entfernt hatten, und verstärkte sie durch die Erhebung des Ehebandes zum Sakrament. Pharisäer und Sadduzäer lehnten diese Lehre ab, indem sie das göttliche Wort Jesu leugneten und diesem ihre eigene Meinung entgegensetzten. Sie beriefen sich unaufrichtigerweise auf Mose, so wie sich die Neuerer unserer Tage auf eine angebliche Tradition der ersten Jahrhunderte berufen, indem sie die Geschichte und die Lehre der Kirche fälschen.

Aus diesem Grund spricht ein tapferer Bischof und Verteidiger des rechten Glaubens, Msgr. Athanasius Schneider, von einer „neo-mosaischen Praxis“: „Die neuen Jünger des Moses und die neuen Pharisäer haben bei den beiden jüngsten Synodenversammlungen (2014 und 2015) ihre praktische Leugnung der Unauflöslichkeit der Ehe und ihre fallweise Aufhebung des Sechsten Gebotes unter dem Vorwand der Barmherzigkeit verschleiert, indem sie Ausdrücke wie ‚Weg der Unterscheidung‘, ‚Begleitung‘, ‚Orientierung durch den Bischof‘, ‚Dialog mit dem Priester‘, ‚Forum internum‘, ‚eine vollständigere Integration in das Leben der Kirche‘ gebrauchten, um die Zurechenbarkeit des Zusammenlebens in Fällen irregulärer Verbindungen möglichst zu eliminieren (vgl. Relatio finalis, Nr. 84–86).“

Die Pharisäer und Sadduzäer von heute

Die Sadduzäer sind die Neuerer, die offen die Überwindung der Lehre und der Praxis der Kirche behaupten. Die Pharisäer sind jene, die mit dem Mund zwar die Unauflöslichkeit der Ehe bekennen, aber sie heuchlerisch durch ihre Taten leugnen, indem sie eine „Von-Fall-zu-Fall“-Übertretung des Moralgesetzes vorschlagen.

Die wirklichen Jünger Jesu Christi gehören weder der Partei der Neo-Pharisäer noch der Partei der Neo-Sadduzäer an, die beide modernistisch sind, sondern folgen der Schule des heiligen Johannes des Täufers, der in der geistigen Wüste seiner Zeit predigte. Der Täufer war, als er die Pharisäer und Sadduzäer als „Schlangenbrut“ (Mt 3,7) brandmarkte und Herodes Antipas wegen seines Ehebruchs ermahnte, nicht hartherzig, sondern von Liebe zu Gott und zu den Seelen bewegt. Heuchler und Hartherzige waren die Berater des Herodes Antipas, die sein sündhaftes und reueloses Leben mit der Lehre der Schrift in Einklang bringen wollten. Herodes ließ den Täufer hinrichten, um die Stimme der Wahrheit zum Schweigen zu bringen, doch die Stimme des Vorgängers ist noch 20 Jahrhunderte später hörbar. Wer die gute Lehre öffentlich verteidigt, folgt nicht dem Beispiel der Pharisäer und der Sadduzäer, sondern dem Beispiel des heiligen Johannes des Täufers und Unseres Herrn.

Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Youtube (Screenshot)

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18 Comments

  1. Stimmt alles. Und dennoch begegnet mir bei uns Tradis immer wieder, einschliesslich bei mir selbst, der „Pharisäer“ im üblichen volkstümlichen Sinn, wie ihn auch zu Recht Bergoglio im Kopf hat: im Stolz über die eigene Vortrefflichkeit und Linientreue wird ständig über andere geurteilt und geklatscht, besonders über die Liberalen. Eine solche HARTHERZIGE ENGE ist mir das letzte Mal bei den ZEUGEN JEHOVAS 2000-2005 begegnet.So ein UNERLÖSTES Verhalten hat auf Aussenstehende keinerlei Anziehunskraft und stürzt uns in die HÖLLE!

    • Pharisäer immer nur mit glaubenstreue Christen gleichzusetzen ist einseitig und billig.
      Der Pharisäer steckt in jedem Menschen, egal ob jemand ein Tradi oder ein Linksliberaler ist, egal ob jemand ein gläubiger Mensch oder Atheist ist.

      Liberale, die die ich- verstehe-toleriere und – liebe- alles und jeden- Show abziehen sind doch oft Heuchler und Pseudo- Barmherzigkeit Schwätzer. Mit dem inflationären Gerede über Barmherzigkeit und Nächstenliebe polieren liberale Christen und andere Toleranz-Aposteln gerne ihren Heiligenschein und lenken damit geschickt von der eigenen Herzens-härte ab. Die geifernde Pauschalverurteilung von glaubenstreuen Katholiken durch Franziskus ist echt nervig und eines Papstes unwürdig. Fast alle Briefe des Paulus, Petrus und der andere Aposteln, (also ein erheblicher Teil des NT) drehen sich um den Kampf für die Reinhaltung und das Festhalten an der authentischen Überlieferung des Glaubens.

      Nach der Logik des Papstes waren die Aposteln alle pharisäerhafte Legalisten und Pelagianer. Ich gehöre eine 0815- Mainstream deutsch-katholischen Kirche an und kenne daher den liberalen Katholizismus wie er in der Praxis real existiert, nur allzu gut. Da wird den ganzen Tag über Barmherzigkeit, Mitbrüderlichkeit, Vergebung, Liebe,Toleranz etc. geschwafelt aber das Gegenteile getan und gelebt. Katholiken, die nicht in den liberalen Weltbild hineinpassen oder zu katholisch sind, werden verachtet, fertig gemacht, raus gemobbt und ausgegrenzt. Wie selbstverständlich schauen liberale Christen auf bibeltreue Christen herab und bezeichnen sie verächtlich als Ewiggestrige und rückständige Fundamentalisten. Das ist auch pharisäerhaft.

      • Das stimmt alles, was Sie sagen – das habe ich auch genau so erlebt.
        Aber ich erlebe dasselbe bloß in „Rabenschwarz“ bei den Tradis – bloß mit den umgekehrten Vorzeichen.
        Während die Liberalen eher vieles ersticken wollen, Fragen erst gar nicht aufkommen lassen wollen, findet man bei den Tradis ein geradezu mörderischen Zelotentum, bei dem sich ein Großteil der Anhänger in den wahn hineinsteigert, in der Krise mit ein paar krassen Frontzeichnungen einen magischen kreis um den eigenen Geist gezogen zu haben, der sie beschützt.

        So militant oberflächlich die einen so magisch-aggressiv die andern.

        Und jetzt darf man sich was aussuchen…

  2. Kritik muss nicht immer schlecht sein. Aber Pharisäer und Sadduzäer hat es in der Kirche schon
    immer gegeben. Nun, wer heute den Glauben verteidigt, wird oft mit den Pharisäern in einen Topf
    geworfen, mit Hartherzigkeit, Stolz und Lieblosigkeit beschimpft. Auf der anderen Seite sind doch
    jene Sadduzäer, die die Lehre verändern wollen. Franziskus nimmt das nicht so genau, denn die
    Kardinäle und Bischöfe die an der Wahrheit und Lehre festhalten, sind die Adressaten denen die
    Rüge gilt. Johannes der Täufer hat die Pharisäer und Sadduzäer als Schlangenbrut bezeichnet
    und Herodes Antipas als Ehebrecher. Gerade diesen Ehebruch will man hoffähig machen, in dem
    die Geschiedenen zur Hl.Kommunion zugelassen werden sollen. Es ist leicht zu erkennen, wer
    zu der “ Schlangenbrut “ gehört.

    • „und Herodes Antipas als Ehebrecher.“
      Nun nach der heutigen barmherzigen Konzilskirche hätte auch Herodes keine schlechten Karten die Sakramente zu empfangen. Er könnte auch ruhig jeden Tag zweimal heiraten und er müßte nur bußfertig sein und sein Priester könnte dann auch von Fall zu Fall entscheiden. Ja Johannes der Täufer wenn du heute leben würdest dann würden die Fetzen fliegen und der Konzilsgeist würde sich ständig auf der Flucht befinden. Davon gehe ich mal aus.
      Per Mariam ad Christum.

      • Hm. Es ist unverzeilich von mir.
        „Ja Johannes der Täufer wenn du heute leben würdest “
        Natürlich lebt Johannes der Täufer in alle Ewigkeit denn er war der größte Prophet der je von einer Frau geboren worden ist. Aber er wird sich wohl mit Grauen abwenden wenn er das sieht was heutzutage in der Kirche des Herrn in dieser Welt so alles abläuft.
        Per Mariam ad Christum.

  3. Der im Artikel erwähnte rechtgläubige Weihbischof Athanasius Schneider hat bereits vor einem Jahr anl. des Schlussdokumentes der lettzjährigen Synode in einem Interview mit der polnischen Zeitschrift „Polonia Christiana“ Klartext gesprochen:
    -
    „Durch die Zulassung „wiederverheirateter Geschiedener“ zur Heiligen Kommunion etablieren diese Bischöfe nach eigenem Gutdünken eine neue Tradition und übertreten damit das Gebot Gottes. Christus hat die Pharisäer und Schriftgelehrten deswegen einmal tadelte (vgl. Mt 15,3). Noch schwerwiegender ist die Tatsache, dass diese Bischöfe versuchen, ihre Untreue gegenüber dem Worte Christi durch Argumente wie „pastorale Notwendigkeit“, „Barmherzigkeit“, „Offenheit für den Heiligen Geist“ zu legitimieren. Außerdem haben sie keine Angst und keine Skrupel, die wahre Bedeutung dieser Wörter in einem gnostischen Sinn zu entstellen, indem sie zugleich jene, die ihnen widerstehen und die unveränderliche göttliche Gebot und die nicht vom Menschen gemachte Tradition verteidigen, als starr, skrupelhaft oder traditionalistisch etikettieren. Während der großen arianischen Krise des 4. Jahrhunderts wurden die Verteidiger der Gottheit des Gottessohnes auch als „unnachgiebig“ oder als „Traditionalisten“ bezeichnet. Der heilige Athanasius wurde sogar von Papst Liberius exkommuniziert. Liberius begründete das mit dem Argument, dass Athanasius mit den orientalischen Bischöfe, die meist Ketzer oder Halbketzer waren, nicht in Gemeinschaft war. Basilius der Große erklärte in dieser Situation folgendes: „Nur eine Sünde wird heute hart bestraft: die aufmerksame Beachtung der Überlieferungen unserer Väter. Aus diesem Grund werden die Guten aus ihren Positionen verdrängt und in die Wüste geschickt“ (Ep. 243).

    Die Bischöfe, welche die heilige Kommunion für „wiederverheiratete Geschiedene“ befürworten, sind die neuen Pharisäer und Schriftgelehrten, weil sie das Gebot Gottes vernachlässigen. Sie fördern die Tatsache, dass aus dem Leib und dem Herzen der „wiederverheirateten Geschiedenen“ noch mehr „Ehebruch hervorgeht“ (Mt 15,19), weil sie eine äußerlich „saubere“ Lösung wollen und in den Augen derer, welche die Macht haben (die Massenmedien, die öffentliche Meinung), „sauber“ dastehen wollen. Wenn sie allerdings vor dem Richterstuhl Christi erscheinen, werden sie sicherlich zu ihrer Bestürzung diese Worte Christi hören: „Was zählst du meine Satzungen auf, was redest du von meinem Bund, da du doch Zucht hasst und meine Worte hinter dich wirfst? … mit Ehebrechern hältst du Gemeinschaft“ (Ps 50/49,16-18)“
    -

  4. Ganz aktuell drischt der Papst mit dieser Grundsatzrede wieder auf Katholiken als Pelagianer ein und lässt mit seiner Verachtung der Tradition und der Lehre der Kirche keinen Zweifel was ER will.

    http://w2.vatican.va/content/francesco/it/speeches/2015/november/documents/papa-francesco_20151110_firenze-convegno-chiesa-italiana.html

    La prima di esse è quella pelagiana. Essa spinge la Chiesa a non essere umile, disinteressata e beata. E lo fa con l’apparenza di un bene. Il pelagianesimo ci porta ad avere fiducia nelle strutture, nelle organizzazioni, nelle pianificazioni perfette perché astratte. Spesso ci porta pure ad assumere uno stile di controllo, di durezza, di normatività. La norma dà al pelagiano la sicurezza di sentirsi superiore, di avere un orientamento preciso. In questo trova la sua forza, non nella leggerezza del soffio dello Spirito. Davanti ai mali o ai problemi della Chiesa è inutile cercare soluzioni in conservatorismi e fondamentalismi, nella restaurazione di condotte e forme superate che neppure culturalmente hanno capacità di essere significative. La dottrina cristiana non è un sistema chiuso incapace di generare domande, dubbi, interrogativi, ma è viva, sa inquietare, sa animare. Ha volto non rigido, ha corpo che si muove e si sviluppa, ha carne tenera: la dottrina cristiana si chiama Gesù Cristo.

  5. Man sollte mal nicht vergessen,das es auch unter dem Rest der Menschheit die obigen Gruppierungen gibt.
    Speziell habe ich da die sog. „Gutmenschen“ im Sinn,die so gern „Fernstenliebe“ betreiben und ihre Gesinnung auf Pappschildchen und Kerzchen vor sich her tragen.
    Die immer „nazifrei“ sein wollen aber zu Euthanasie,Abtreibung und Verteufelung von Israel lauthals schweigen.
    Warum wir Christen hier immer aufeinander einprügeln oder uns prügeln lassen ist mir schleierhaft.

    • „Warum wir Christen hier immer aufeinander einprügeln oder uns prügeln lassen ist mir schleierhaft.“
      Ich kenne einen der große Interesse hat, dass wir uns nicht einig sind. Das geht bis in die Familien wo die Harmonie zerstört wird. Selbst der Sohn wird den Vater verklagen und wenn es auch nur um die Erbschaft geht. Jedenfalls wird in einer bestimmten Zeit einer gegen den anderen stehen und ganze Völker werden aufeinander krachen. Der Herr dieser Welt liebt es besonders wenn Christen sich gegenseitig hassen und umbringen denn er weiß das sie dann an Christus zweifeln werden und rufen „Warum läßt Gott das zu“. Ein teuflisches Spiel läuft auf dieser Welt der Lüge und treibt ihren absoluten Höhepunkt zu wenn der falsche Christus auftauchen und uns allen das Paradies auf Erden ankündigen tut.
      Per Mariam ad Christum.

      • Shuca @ …uns allen das Paradies auf Erden ankündigen tut…Es geht nicht
        darum, dass Christen aufeinander einprügeln… Ein teuflisches Spiel läuft auf
        dieser Welt der Lüge ! Nur darum geht es, es ist kein Einprügeln, sondern hier
        geht es um Entscheidungen. Will man der Lehre der Kirche folgen, oder dem
        Zeitgeist. Will man alles hinnehmen in Bezug auf die große Glaubenszerstö-
        rung, oder ist es nicht Pflicht sich zu wehren. Wer nicht gekämpft ( Glauben )
        trägt auch die Krone des ewigen Lebens NICHT davon. Das alte Kirchenlied
        sagt es deutlich und was in Rom ( Synode ) geschieht, ruft nach Gegenwehr !

        Per Mariam ad Christum !

    • Ja, Stella, da sagen Sie etwas. Schön, dass Sie es bemerken. Hauptthema der Gespräche sollte sein, wie wir uns im Alltag heiligen, um würdig zu sein, vor dem Menschensohn zu stehen, der täglich wiederkommen kann.

    • @ Stella

      … dem Ungläubigen aber kann man das weniger anlasten als dem Christen, der es besser wissen sollte.
      Ich finde es daher falsch, dass Sie ablenken.
      „Wem viel gegeben ist, von dem dem wird viel verlangt“ – das sagte der Herr, JESUS!
      Ob also nicht-christliche „Gutmenschen“ sich irren, wiegt leicht gegenüber der Selbstgerechtigkeit eines frommen, „glaubenstreuen“ Christen, der im Ernst meint, er könne sich selbst demütig nennen und den andern des Hochmutes zeihen…

  6. Ob man nun den Pharisäer so versteht wie F. (was von der Sache her vermutlich dennoch die richtigere Lesart des „Pharisäers“ ist!) oder so windelweich wie de Mattei – wer kann von sich im Ernst sagen, dieser Pharisäer schlummere nicht in ihm selbst?

    Jedenfalls kann ich nicht von behaupten, dass diese Impulse nicht auch in mir wären.
    Man dispensiert sich selbst immer so gerne von den harten Urteilen, die man andern zumutet.

    Aber zur Sache des Artikels:

    De Mattei trifft hier eine Differenz, aus der er unsachgemäße Schlüsse zieht.
    Die Charakterstik des „Pharisäers“, die er auch durch Väter-Zitate unterlegt, belegen tatsächlich nur eines: dass F. den Begriff von der Sache her richtig anwendet und de Mattei leider nicht.

    De Mattei greift einen bekannten Spruch Kants auf, der besagt, dass „gut“ alleine der gute Wille sei. (Unsere Aufklärungsgegner werden nun wieder ausrasten bzw. sie werden es nicht tun, weil diesmal ein renommierter Professor auf ihn zurückgreift…hach, das ist natürlich was anders….)

    Anders: Es geht um die Intention einer Handlung.
    Das moralische Handeln, um es noch anders zu sagen, wirkt nicht „ex opere operato“.
    Viele Katholiken wissen das allerdings nicht. Insofern hat de Mattei ebenfalls recht.

    Viele glauben, wenn man nur immer auf die Sünde (der andern v.a.) einprügelt, sei man schon auf der rechten Seite…
    Das ist eine sogar erzkatholische Problematik, die zu den schlimmsten Auswüchsen geführt hat und führt. Insofern hat F. recht.

    Viele derer, die heute so lautstark auf dem Papier für die kirchliche Ehelehre eintreten, sind zweifellos als Pharisäer zu bezeichnen. Und zwar nicht die, wie de Mattei sagt, die das dann doch nicht so ernst nehmen, sondern die, die meinen, sie nähmen es total ernst. Bei aller F.-Skepsis und all seiner Unschärfe und Laberei spricht er dennoch etwas Wahres an diesem Punkt aus.
    Der moderne Pharisäer ist der „Glaubenstreue“, der sich moralisch echauffiert, aber den Namen Jesu so gut wie nie nennt. Das Problem ist nicht seine Überzeugtheit von der Lehre, auch nicht sein Einhalten der Lehre, sondern die Intention.

    Wie weit ich entfernt bin von dem absoluten und gewaltigen und heiligen Willen des Vaters, begreife ich erst ganz langsam. Selbst bei den ernsthaftesten moralischen Absichten bin ich Äonen von ihm entfernt.
    Unsere Zeit schwemmt uns allesamt immer weiter ab. Man muss enorme Kräfte aufbringen bzw. sich schenken lassen, um sich nicht abtreiben zu lssen. Moralismus ist ein bequemer Weg, sich über den eigenen Zustand wegzutäuschen.

    Ohne damit den Ehebruch gutheißen zu wollen, denke ich dennoch, dass man dem Menschen heute mit äußerster Milde und gleichzeitig Konsequenz begegnen muss. Wer nicht weiß, was Gottes Wille wäre, kann ihn auch nicht befolgen.
    Das ist das große Problem heute.

    Erst die konkrete Begegnung mit Jesus wird den Sünder ermächtigen, von der Sünde abzulassen.
    Auf ersteres ist demnach hinzuwirken, um das Pferd nicht vom Schwanz her aufzuzäumen.

  7. Ich halte es für eine gefährliche und ausgesprochen raffinierte Strategie Satans,uns am Benennen des Bösen mit dem ständigen Hinweis auf unsere eigene Sündhaftigkeit zu hindern.
    Das ist ja gerade die Falle,in die das rot-grüne Christentum-Gutmenschentum getappt ist und nun nicht mehr herauskommt.
    So sind sie nun gezwungen,jede Bosheit und Sündhaftigkeit im Namen einer völlig falsch verstandenen Mitmenschlichkeit zu tolerieren.
    Und hier schließt sich der Kreis zu Humanisten,Kommunisten und “ aufgeklärten“ Christen.

    • Ach Stella – alles kann der Böse nutzen, um seine Interessen an uns durchzusetzen. Sie haben sich da etwas vereinseitigt, wie mir scheint.
      Natürlich kann man nicht die eigene Sünde zur Entschuldigung für die der anderen einsetzen, Motto: „Eine Krähe hackt der andern kein Auge aus.“

      Aber Sie sehen nicht, dass das alles mindestens zwei Seiten hat. Umgekehrt kann man mit dem ständigen Fingergezeige auf die Sünden anderer auch sehr gut von den eigenen Abgründen ablenken…
      Und letzteres tun die Superfrommen Katholiken sprichwörtlich seit Jahrhunderten. Da ist schon was dran und man kann es auch aus den Quellen beweisen.

      Nicht umsonst mahnte der hl. Paulus, der, der stehe möge sehen, dass er nicht selbst falle – geht Ihnen das nicht unter die Haut?
      Hören Sie es nicht, dass wenn es um solche Mahnungen geht, es immer dem Leser für sich selbst gesagt wird?

      Feststeht jedenfalls, dass ich mit zunehmendem Alter immer mehr merke, wie groß die Heiligkeit Gottes sein muss und wie sehr ich wir alle irren und wanken vor ihm.
      Und diese Selbsterkenntnis, die „Wahrheit des Menschen vor Gott“ erlebe ich als heilsam – man wird den anderen Sündern gegenüber liebevoller, auch dann, wenn man ungeschminkt analysiert, was sie tun.
      Leider können dann hier viele das eine wieder nicht vom andern unterscheiden:

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