Synode, Bonny, Danneels und der neue Erzbischof von Brüssel

Kardinal Danneels und Bischof Bonny, die beiden belgischen Synodalen der Bischofssynode
Kardinal Danneels und Bischof Bonny, die beiden belgischen Synodalen der Bischofssynode

(Rom) Belgien hat einen neuen Primas. Es ist jener Kandidat, den Kardinal Danneels und Nuntius Rauber bereits 2010 gerne installiert hätten. Schließt sich damit das von Benedikt XVI. aufgestoßene Fenster nach kurzer Zeit schon wieder? Bischof Bonny, selbst häufig genannter Kandidat, gab in Rom ein Interview zum Synodenausgang und einem neuen „globalen“ Prinzip zur Überwindung der Sünde: die „Unterscheidung“. Sie muß die Sünde nicht mehr bekämpfen, sondern macht in einem dialektischen Prozeß aus der Sünde eine Nicht-Sünde.

Medien-Lesart der Synode

Zahlreiche Medien, nicht nur weltliche, lesen die Bischofssynode nach der Lesart der Kasperianer. Sie tun dies ganz unberührt von der Frage, ob dies zu Recht oder zu Unrecht geschieht. Im deutschen Sprachraum tun sich dabei besonders die offiziellen kirchlichen Medien hervor. Eine andere Lesart, jene einer Hermeneutik der Kontinuität, wird kaum berücksichtigt, kritische Stimmen, die im Schlußbericht der Synode Gefahren für die katholische Lehre erkennen, gar nicht.

In Rom tut sich besonders die Nachrichtenplattform Vatican Insider in der Kasper-Lesart hervor. Die Plattform gilt inzwischen als offizielles Organ der Kasperianer. Das ist umso bemerkenswerter als Andrea Tornielli, der Gründer und Koordinator der Plattform, der Hofvatikanist von Papst Franziskus ist. Wie man es auch dreht und wendet, es entsteht immer der Eindruck, als seien Kardinal Kasper und Papst Franziskus in den umstrittenen Synodenfragen „culo e camicia“. Eine metaphorische Redewendung in Rom, für zwei Personen, die die besten Freunde sind.

Interview von Bischof Bonny

In den vergangenen Tagen veröffentlichte Vatican Insider ein Interview mit Johan Bonny, dem umstrittenen belgischen Bischof von Antwerpen. Bonny fiel durch seine Kontakt zum Homo- und Pädophilensumpf des belgischen Klerus auf, gilt als Zögling von Kardinal Godfried Danneels, dem ehemaligen Erzbischof von Mecheln-Brüssel und Mitglied des Geheimzirkels Sankt Gallen um den inzwischen verstorbenen Kardinal Carlo Maria Martini SJ, den er selbst als „Mafia“ bezeichnete (Danneels und der Mafiaklub „Gruppe von Sankt Gallen“). Im Vorfeld der Synode hatte sich Bischof Bonny zugunsten der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen und die Anerkennung der Homosexualität weit aus dem Fenster gelehnt. Aus Rom war keine Ermahnung zu hören.

Statt dessen entsandten die belgischen Bischöfe ihn und nicht den Primas von Belgien, Erzbischof André-Joseph Leonard zur Bischofssynode nach Rom. Bonny war ernsthaft im Gespräch, Nachfolger Leonards als Erzbischof von Mecheln-Brüssel zu werden. Eine Revanche, auf die Kardinal Danneels seit 2010 wartet, als Papst Benedikt XVI. gegen Danneels Willen Leonard, den damaligen Bischof von Namür ernannte.

Bischof De Kesel neuer Erzbischof von Brüssel

Jozef De Kesel, neuer Erzbischof von Brüssel
Jozef De Kesel, neuer Erzbischof von Brüssel

Daraus wurde dann doch nichts. Heute gab der Heilige Stuhl bekannt, daß Papst Franziskus das altersbedingte Rücktrittsangebot von Erzbischof Leonard angenommen hat. Zum neuen Erzbischof von Mecheln-Brüssel, Primas von Belgien und damit Vorsitzender der Belgischen Bischofskonferenz sowie zum Militärordinarius für Belgien ernannte der Papst Jozef De Kesel, den bisherigen Bischof von Brügge.

Erzbischof De Kesel wurde 1947 in Gent geboren und 1972 für seine Heimatdiözese zum Priester geweiht. Er erwarb das Doktorat an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom mit einer Arbeit über Rudolf Bultmann. 2002 wurde er unter Kardinal Danneels Weihbischof von Mecheln-Brüssel mit der Zuständigkeit für das Vikariat Brüssel. 2010 erfolgte mit dem Abgang Danneels als Erzbischof seine Ernennung zum Bischof von Brügge.

„Betriebsunfall“ Leonard ausgemerzt

De Kesel war bereits 2010 der Danneels Kandidat für seine Nachfolge gewesen. Doch konnte er sich, trotz tatkräftiger Unterstützung durch den damaligen Nuntius Karl-Joseph Rauber nicht gegen Benedikt XVI. durchsetzen, der die belgische Kirche vor dem völligen Kollaps bewahren wollte.

Fünf Jahre später ist der „Betriebsunfall“ Leonard ausgemerzt und De Kesel, Danneels Mann, zieht doch in das erzbischöfliche Palais in Brüssel ein. Die Zeiten haben sich seit der Wahl von Papst Franziskus grundlegend geändert. Danneels hatte im Geheimzirkel Sankt Gallen und im „Team Bergoglio“ erfolgreich die Wahl des Erzbischofs von Buenos Aires zum neuen Papst betrieben.

Zum Dank durfte Danneels bereits im Augenblick, als sich der neue Papst der Welt das erste Mal zeigte, mit auf die Mittelloggia des Petersdoms. Er geht seither in der Casa Santa Marta ein und aus. Franziskus ernannte ihn sowohl 2014 als auch 2015 persönlich zum Synodalen. Der damalige Nuntius Rauber wurde von Franziskus mit der Kardinalswürde belohnt und De Kesel ist nun Erzbischof von Brüssel. Zu De Kesel siehe den Artikel Brügge in Westflandern: ein Bistum in Schnappatmung.

Ist Belgiens Kirche damit für den Kollaps bereit?

Bonny, „Pasdaran des theologischen Relativismus“

Kardinal Danneels mit Bischof De Kesel und Bischof Bonny (v.l.)
Kardinal Danneels mit Bischof De Kesel und Bischof Bonny (v.l.)

Bonny war vielleicht zu sehr international ins Gerede gekommen. Der nicht minder umstrittene De Kesel verhielt sich zurückhaltender. Trotz seiner zweifelhaften Wortmeldungen, mit denen er forderte, die Lehre der Kirche über die Verhütung und die Keuschheit auf die Müllhalde zu kippen, wurde Bischof Bonny von Vatican Insider nicht als „Pasdaran des theologischen Relativismus“ (Nuova Bussola Quotidiana) vorgestellt, sondern als ein „moderner“ Bischof, der die Zeichen der Zeit erkennt und den Lebenswirklichkeiten der Menschen auf dem Weg der Kirche durch die Zeit Rechnung trägt.

Die Frage ist, wohin der Weg von Bischöfen wie Bonny die Kirche führt. Bonny gibt im Interview selbst Antwort darauf: zur globalen Unterscheidung:

„Diese Unterscheidung soll nicht nur bei den wiederverheirateten Geschiedenen zur Anwendung gelangen. Sie betrifft auch andere Situationen, wie das Zusammenleben von jungen, noch unverheirateten Menschen, oder von standesamtlich, aber nicht sakramental Verheirateten.“

Der offensichtlich mit Bonny sympathisierende Journalist kommt gar nicht auf die Idee zu fragen, warum diese Unterscheidungskriterien nur im Bereich Ehebruch und Unzucht gelten sollten und nicht auch gegenüber anderen Sünden. „Vielleicht hätte er Bonny fragen können, ob die Unterscheidung nicht für alle Sünden angewandt werden könnte. Warum die Kommunion nach einem ‚Weg der Gewissensüberlegung‘ nicht auch Homosexuellen, Bigamisten und Pädophilen gewähren?“, so Nuova Bussola Quotidiana. Zu Homo- und Pädosexuellen verfügen Bonny und De Kesel in ihren Diözesen ja über einige Erfahrung (Bischof Johan Bonny (Antwerpen): freundlich-laut bei Homo, still bei Pädo).

Anti-Diskriminierung und ein Vergleich: Synode wie Konzil von Nicäa

Bonny beklagte im Interview: „Wer die Eucharistie sucht, wer das lebensnotwendige Bedürfnis danach verspürt als Nahrung zur Heilung oder für das geistliche Leben, gehört zu Kategorien, die kanonisch das Sakrament nicht empfangen dürfen“. Unterschwellig klingt darin der aus anderen Bereichen allgemein bekannte Anti-Diskriminierungsdiskurs an.

Bonny verglich die Synode mit den Konzilen von Nicäa und Chalcedon und die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen und der Homosexuellen mit dem Streit über die Dreifaltigkeit und die Natur Jesu. Der Bischof von Antwerpen meinte allen Ernstes, daß die Herausforderung der Synode wie damals es gewesen sei, „die Elemente der Wahrheit der Einen wie die der Anderen zu kombinieren“. Kirchliche Wahrheitssuche als Kompromiß zwischen unterschiedlichen Gruppierungen, wie in einem Parlament zwischen unterschiedlichen Parteien zum Zweck der Mehrheitsfindung.

„Ist also, laut Bischof Bonny, ein Ehebruch in Wirklichkeit ein Ehebruch-Nicht-Ehebruch, und eine Sünde in Wirklichkeit eine Sünde-Nicht-Sünde? Oder ist ein Ehebruch ein Ehebruch, solange keine Kinder da sind, aber keine Ehebruch mehr, wenn Kinder da sind?“, so Nuova Bussola Quotidiana.

Die Bonny-Kirche im Ausverkauf

Ob sich Bischof Bonny nicht zumindest ein klein wenig geschämt oder zumindest unwohl gefühlt hat in Rom? In der Synode mußte er neben Bischöfen sitzen, zum Beispiel aus Afrika, in denen die Kirche wächst, und die das Ehesakrament verteidigt haben. Er hingegen ist für eine Diözese verantwortlich, in der Kircheneinrichtungen verkauft und Kirchen in Restaurants und Fitneßcenter umgewandelt werden. Nach mehreren Jahrzehnten des liberalen Kurses liegt die Diözese in den letzten Zügen.

Wie wird die Zukunft einer Bonny-Kirche aussehen? Eine Vorhersage fällt nicht schwer: Rom delegiert die Entscheidung über die wiederverheirateten Geschiedenen an die Bischöfe, die Bischöfe an die Priester. Ein Teil von diesen wird die Kommunion gewähren, ein anderer nicht, so wie es heute auch schon der Fall ist. Der Unterschied wird aber darin bestehen, daß die progressiven und lauen Priester sich auf offizielle Rückendeckung berufen können. Die guten Priester, die weiterhin die Umkehr des Herzens und die Abkehr von der Sünde als Bedingung für die Absolution verlangen werden, wird man als Rigoristen beschimpfen, und auf (inoffizielle) päpstliche Empfehlung hin, zu einem weniger „strengen“ Priester wechseln.

Die „Unterscheidung“ wird zum entscheidenden Prinzip erhoben. Ein Prinzip, das letztlich beliebig auch auf andere Bereiche angewandt werden kann, denn das subjektive Gewissen des Einzelnen ist die neue höchste Autorität, nicht etwa Gott, die Heilige Schrift, die Tradition und das zweitausendjährige Lehramt. Jeder ist sich sein eigener Herr (und Gott). Die Kirche von Danneels und Bonny läßt grüßen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons/kerkeninbrugge (Screenshots)

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6 Comments

  1. Belgien
    Als abschreckendes Beispiel fuer die kath. Kirche Europas.
    Als ich in den 70er Jahren mit meinen Eltern zur Sonntagsmesse in Belgien war, waren dort schon keine Kniebaenke mehr, man begruesste sich mit Handschlag, die Messen waren noch nicht einmal gehalten nach dem NOM, nein es war ein gutmenschliches Plauderstuendchen das auf uns Kinder ausserordentlich befremdlich wirkte.
    Heute schwafeln die Kirchenoberen den Zeitgeistquatsch nach und verwalten ihren eigenen Untergang.
    Aehnlich sieht es uebrigens in Holland aus, wobei Holland ja immer schon Nicht-Katholisch war.
    Wir koennen hier ganz klar sehen wohin es mit dem Katholizismus geht.

    • Hochgeehrter @Kostatidov,

      Sehr nett daß Sie an mich gedacht haben! .-)

      Man sollte die Hoffnung nie aufgeben.
      Das Motto eines sehr bekannten flämisch-nationalen und tiefkatholischen Politikers, der während des zweiten Weltkriegs erst große Probleme mit dem deutschen Besatzer hatte und nach dem Weltkrieg schwerkrank in einem belgischen Lager interniert wurde, um dann kurz hinterher im Gefängnis miserabelst sterben zu lassen geworden, war:
      (auch in den trübsten Stunden):
      „Zu Mitternacht wird die Sonne geboren“.
      Das gilt auch für uns.

      Man arbeitet schon an der Neuevangelisierung; sie wird auch wesentlich vom Ausland getragen werden (müssen).
      Was das Taktische betrifft: Partisanen setzen jetzt ihre Pläne auch nicht ins Internet!

      „Recht en trouw“ (Jeroom Leuridan)

    • Geehrter @ Methodus,
      Vollkommen korrekt.

      Die katholische Situation ist in Wallonien viel günstiger:
      einerseits die starke Anwesenheit von starken säkularistischen und nicht selten antikatholischen und antichristlichen Kräften gewöhnt, anderseits viel weniger durch den Danneelsspirit infiziert, mit dem großen Glück einige gute Bischöfe gehabt zu haben, und dem sprachlich und topographisch engen Kontakt mit Frankreich und den dortigen traditionsfreundlichen Kräften, und Unterstützung durch Missionare von aussen.

      Meine Familie sitzt übrigens an beiden Seiten der Staatsgrenze (Belgien-Frankreich) als der Sprachengrenze (Niederländisch-Französisch);
      insoweit bin ich linguistisch oder auch staatlich nicht festgelegt.

      • Geehrter @AdrienAntoine,ich danke Ihnen für Ihren ,geschätzten Beitrag,zum Thema der R.K.Kirche in Belgien.Ich lebe hier ,seit dem ich Rentner bin,die,mir verbleibende Jahre,werden nicht mehr reichen,dieses Land kennenzulernen,wie ich möchte.Eine Schatztruhe an Unbekanntem und Schönem,lag vor mir.Hier,Grenze zu Aachen und Südlimburg,alte Geschichte der Christen,der Heiligen,tief verwurzelt.Die ,,Era Daneels“scheint bald zu Ende.Es bleibt die Hoffnung.

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