Vatikan ermittelt wegen Geldwäsche – APSA-Verwicklung?

Ermittlungen, Raben und Reformen
Ermittlungen, Raben und Reformen im Vatikan

(Rom) Finanzermittler des Vatikans haben den Verdacht, daß eine Stelle des Heiligen Stuhls in der Vergangenheit für Geldwäsche mißbraucht worden sei. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Es soll sich dabei um eine Stelle handeln, die Immobilien verwaltet. Ermittelt wird, laut Reuters, wegen Geldwäsche, Insiderwissen und Marktmanipulation.

Ein vertrauliches Dokument sei von den vatikanischen Finanzermittlern den italienischen und schweizerischen Kollegen übermittelt worden, um bei der Klärung zu helfen. Es betreffe den Zeitraum 2000-2011 und beziehe sich auf einige Aktivitäten in diesen beiden Staaten. Reuters beruft sich auf eine nicht genannte „hohe Quelle im Vatikan“.

Während die meisten Medien auf die Vatikanbank IOR schauten, stehe in Wirklichkeit die Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA) im Mittelpunkt, die eine eigene „Finanzzentrale“ bildet. Der genannte Zeitraum fällt mit der Amtszeit von Kurienkardinal Attilio Nicora zusammen, der das Amt von 2002-2011 leitete.

Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA) – Zeitraum 2002-2011

Laut dem von Reuters zitierten 33 Seiten umfassenden „vertraulichen Dokument“ sei eine der APSA-Abteilungen von einer „externen Person“ für vatikanfremde Zwecke mißbraucht worden. Es bestehe der dringende Verdacht, daß es dazu die Komplizenschaft von APSA-Mitarbeitern gegeben habe.

Mit der 2014 erfolgten Errichtung des neuen, von Kardinal Pell geleiteten Wirtschaftssekretariat wurden der APSA einige Zuständigkeiten genommen. Genommen wurde ihr die „Ordentliche Abteilung“ für Verwaltung, Haushalt und Finanzierung der vatikanischen Ämter. Geblieben sind ihr die Finanzaufgaben im engeren Sinn. Die „Außerordentliche Abteilung“ verwaltet die Finanzmittel, die der italienische Staat aufgrund der Lateranverträge dem Heiligen Stuhl zahlt, ebenso die von anderen Einrichtungen dem Heiligen Stuhl anvertrauten Mittel. Die APSA ist die Kontaktstelle des Heiligen Stuhls zu den internationalen Finanzeinrichtungen und dem Bankwesen.

Seit 2011 wird die APSA von Kardinal Domenico Calcagna geleitet. Seine Amtszeit wird vom „vertraulichen Dokument“ nicht berührt. APSA-Sekretär ist seit 2015 Don Mauro Rivella, der bis 2014 die „Ordentliche Abteilung“ leitete. Die „Außerordentliche Abteilung“ leitete von 2003-2013 der Laie Paolo Mennini.

Laut Reuters habe der Papst die Ermittlungen angeordnet, die sich auch gegen einige Kardinäle richte, die in der Vergangenheit versucht hätten, Ermittlungen zu verhindern und „die großen Reformen“ zu behindern.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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