Das Ergebnis der Familiensynode II – Schlußrede von Papst Franziskus

Papst Franziskus bei der Schlußansprache
Papst Franziskus bei der Schlußansprache

(Rom) Der Schlußbericht der Synode, die Relatio finalis mit ihren 94 Paragraphen, wurde nur in italienischer Sprache vorgelegt, was annehmen läßt, daß sie auch den Synodenvätern nur in italienischer Sprache zur Abstimmung vorlag. In verschiedenen Sprache wurde hingegen die Schlußrede von Papst Franziskus an die Bischofssynode verteilt und veröffentlicht. Im Gegensatz dazu war seine Eröffnungsrede ebenfalls nur italienisch verbreitet worden. Erst nach mehreren Tagen folgten einige weitere Übersetzungen. In deutscher Sprache liegt sie bis heute nicht vor.

Die Übersetzungen signalisieren, was im Vatikan für wichtig betrachtet wird und damit zusammenhängend, was öffentlich von Bedeutung sein soll. Diese Bedeutung wird nicht dem Schlußbericht zugeschrieben, sondern, der päpstlichen Schlußansprache und damit – der kirchlichen Tradition entsprechend -  der päpstlichen Interpretation.

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Meine Herren Patriarchen, Kardinäle und Bischöfe,
liebe Brüder und Schwestern,

zuallererst möchte ich dem Herrn danken, der unseren synodalen Weg in diesen Jahren geleitet hat durch den Heiligen Geist, der der Kirche niemals seine Unterstützung versagt.

Ich danke wirklich von Herzen dem Generalsekretär der Synode Kardinal Lorenzo Baldisseri, dem Untersekretär Bischof Fabio Fabene, und mit ihnen danke ich dem Relator Kardinal Peter Erdö sowie dem Spezialsekretär Bischof Bruno Forte, den delegierten Präsidenten, den Sekretären, den Konsultoren, den Übersetzern, den Sängern und allen, die unermüdlich und mit ganzer Hingabe an die Kirche gearbeitet haben: Herzlichen Dank! Und ich möchte auch der Kommission danken, die das Schlussdokument verfasst hat: Einige haben die Nacht durchgearbeitet.

Ich danke euch allen, liebe Synodenväter, brüderliche Delegierte, Auditoren, Assessoren, Pfarrer und Familien, für eure aktive und fruchtbare Beteiligung.

Ich danke auch den „Ungenannten“ und all denen, die mit ihrem Einsatz im Stillen großherzig zu den Arbeiten dieser Synode beigetragen  haben.

Ihr alle könnt meines Gebetes sicher sein, dass der Herr euch mit dem Überfluss seiner Gnadengaben belohnen möge!

Während ich die Arbeiten der Synode verfolgte, habe ich mich gefragt: Was bedeutet es für die Kirche, diese der Familie gewidmete Synode abzuschließen?

Selbstverständlich bedeutet es nicht, dass alle mit der Familie zusammenhängenden Themen zum Abschluss gebracht worden sind, sondern vielmehr, dass versucht wurde, sie mit dem Licht des Evangeliums, der Überlieferung und der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche zu erhellen und sie mit der Freude der Hoffnung zu durchfluten, ohne in die simple Wiederholung dessen zu verfallen, was nicht zur Diskussion steht oder bereits gesagt worden ist.

Sicher bedeutet es nicht, erschöpfende Lösungen für alle Schwierigkeiten und Zweifel gefunden zu haben, welche die Familie herausfordern und bedrohen, sondern diese Schwierigkeiten und Zweifel ins Licht des Glaubens gestellt, sie aufmerksam geprüft und furchtlos in Angriff genommen zu haben, ohne den Kopf in den Sand zu stecken.

Es bedeutet, alle angeregt zu haben, die Bedeutung der Institution der Familie und der auf Einheit und Unauflöslichkeit gegründeten Ehe zwischen einem Mann und einer Frau zu verstehen und sie als grundlegende Basis der Gesellschaft und des menschlichen Lebens zu würdigen.

Es bedeutet, die Stimmen der Familien und der Hirten der Kirche, die nach Rom gekommen waren und auf ihren Schultern die Lasten und Hoffnungen, den Reichtum und die Herausforderungen der Familien aus aller Welt trugen, gehört und zu Gehör gebracht zu haben.

Es bedeutet, die Lebendigkeit der katholischen Kirche bewiesen zu haben, die keine Angst hat, die betäubten Gewissen aufzurütteln oder sich die Hände schmutzig zu machen, indem sie lebhaft und freimütig über die Familie diskutiert.

Es bedeutet versucht zu haben, die Wirklichkeit, besser noch: die Wirklichkeiten von heute mit den Augen Gottes zu sehen und zu deuten, um in einem historischen Moment der Entmutigung und der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und moralischen Krise, in dem das Negative vorherrscht, die Herzen der Menschen zu entzünden und mit der Flamme des Glaubens zu erleuchten.

Es bedeutet, allen bezeugt zu haben, dass das Evangelium für die Kirche eine lebendige Quelle ewiger Neuheit bleibt – ein Zeugnis gegen die, welche es „indoktrinieren“ und zu toten Steinen machen wollen, mit denen man die anderen bewerfen kann.

Es bedeutet auch, die verschlossenen Herzen entblößt zu haben, die sich oft sogar hinter den Lehren der Kirche oder hinter den guten Absichten verstecken, um sich auf den Stuhl des Mose zu setzen und – manchmal von oben herab und mit Oberflächlichkeit – über die schwierigen Fälle und die verletzten Familien zu richten.

Es bedeutet bekräftigt zu haben, dass die Kirche eine Kirche der „Armen vor Gott“ und der Sünder auf der Suche nach Vergebung ist und nicht nur eine der Gerechten und der Heiligen – ja, eine Kirche der Gerechten und der Heiligen, wenn diese sich als Arme und als Sünder fühlen.

Es bedeutet versucht zu haben, die Horizonte zu lichten, um jede konspirative Hermeneutik oder Verschlossenheit der Perspektiven zu überwinden, um die Freiheit der Kinder Gottes zu verteidigen und zu verbreiten, um die Schönheit der christlichen Neuheit zu übermitteln, die manchmal vom Rost einer archaischen oder einfach unverständlichen Sprache überdeckt ist.

Auf dem Weg dieser Synode haben die verschiedenen Meinungen, die frei – und leider manchmal mit nicht gänzlich wohlwollenden Methoden – ausgedrückt wurden, zweifellos den Dialog bereichert und belebt und so ein lebendiges Bild einer Kirche dargeboten, die keine „vorgefassten Formulare“ verwendet, sondern aus der unversiegbaren Quelle ihres Glaubens lebendiges Wasser schöpft, um den Durst der vertrockneten Herzen zu stillen.1

Und – jenseits der vom Lehramt der Kirche genau definierten dogmatischen Fragen – haben wir auch gesehen, dass das, was einem Bischof eines Kontinentes als normal erscheint, sich für den Bischof eines anderen Kontinents als seltsam, beinahe wie ein Skandal herausstellen kann – beinahe! –; was in einer Gesellschaft als Verletzung eines Rechtes angesehen wird, kann in einer anderen eine selbstverständliche und unantastbare Vorschrift sein; was für einige Gewissensfreiheit ist, kann für andere nur Verwirrung bedeuten. Tatsächlich sind die Kulturen untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz – wie ich sagte: die vom Lehramt der Kirche genau definierten dogmatischen Fragen – jeder allgemeine Grundsatz muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll.2 Die Synode von 1985, die den zwanzigsten Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils feierte, hat die Inkulturation beschrieben als die „innere Umformung der authentischen Kulturwerte durch Einbindung in das Christentum und zugleich die Einwurzelung des Christentums in die verschiedenen menschlichen Kulturen“3. Die Inkulturation schwächt nicht die echten Werte, sondern zeigt deren wahre Kraft und ihre Authentizität, denn sie passen sich an, ohne sich zu verwandeln, ja, sie bewirken gewaltlos und stufenweise eine Umformung der verschiedenen Kulturen.4

Wir haben gesehen – auch durch den Reichtum unserer Verschiedenheiten –, dass die Herausforderung, die wir vor uns haben, immer dieselbe ist: das Evangelium dem Menschen von heute zu verkünden und dabei die Familie vor all den ideologischen und individualistischen Angriffen zu schützen.

Und ohne je der Gefahr des Relativismus zu erliegen oder auch jener, die anderen zu verteufeln, haben wir versucht, uns vollkommen und mutig der Güte und der Barmherzigkeit Gottes anzuschließen, die unsere menschlichen Kalküle übersteigt und nichts anderes will, als „DASS ALLE MENSCHEN GERETTET WERDEN“ (1 Tim, 2,4). So wollten wir diese Synode in den Zusammenhang des Außerordentlichen Jubiläumsjahres der Barmherzigkeit einfügen, das die Kirche zu leben berufen ist, und diesen Zusammenhang lebendig erfahren.

Liebe Mitbrüder,

die Erfahrung der Synode hat uns auch besser begreifen lassen, dass die wahren Verteidiger der Lehre nicht jene sind, die den Buchstaben verteidigen, sondern die, welche den Geist verteidigen; die nicht die Ideen, sondern den Menschen verteidigen; nicht die Formeln, sondern die Unentgeltlichkeit der Liebe Gottes und seiner Vergebung. Das bedeutet keineswegs, die Bedeutung der Formeln – sie sind notwendig! – , der Gesetze und der göttlichen Gebote zu schmälern, sondern die Größe des wahren Gottes zu preisen, der an uns nicht nach unseren Verdiensten und auch nicht nach unseren Werken, sondern einzig nach dem unbegrenzten Großmut seiner Barmherzigkeit handelt (vgl. Röm 3,21-30; Ps 130; Lk 11,37-54). Es bedeutet, die ständigen Versuchungen des älteren Bruders (vgl. Lk 15,25-32) oder der eifersüchtigen Arbeiter (vgl. Mt 20,1-16) zu überwinden. Ja, es bedeutet, die Gesetze und die Gebote, die für den Menschen geschaffen sind und nicht umgekehrt (vgl. Mk 2,27), noch mehr zur Geltung zu bringen.

In diesem Sinn bekommen die gebührende Reue, die Werke und die menschlichen Anstrengungen eine tiefere Bedeutung, nicht als Entgelt für das ohnehin nicht käufliche Heil, das Christus uns am Kreuz unentgeltlich erwirkt hat, sondern als Antwort an den, der uns zuerst geliebt und uns um den Preis seines unschuldigen Blutes gerettet hat, als wir noch Sünder waren (vgl. Röm 5,6).

Die erste Pflicht der Kirche ist nicht die, Verurteilungen und Bannflüche auszuteilen, sondern jene, die Barmherzigkeit Gottes zu verkünden, zur Umkehr aufzurufen und alle Menschen zum Heil des Herrn zu führen (vgl. Joh 12,44-50).

Der selige Paul VI. hat dafür wunderbare Worten gefunden: „Wir können also denken, dass jede unsere Sünde oder Flucht vor Gott in ihm eine Flamme noch intensiverer Liebe entzündet, einen Wunsch, uns zurückzugewinnen und uns wieder in seinen Heilsplan einzufügen […] Gott offenbart sich in Christus als unendlich gut […] Gott ist gut. Und nicht nur in sich selbst; Gott – sagen wir es unter Tränen – ist gut für uns. Er liebt und sucht uns, er denkt an uns, kennt und inspiriert uns, und er erwartet uns: Er wird – wenn man das so sagen kann – glücklich sein an dem Tag, an dem wir umkehren und sagen: Herr, in deiner Güte verzeih mir! So wird also unsere Reue zur Freude Gottes.“5

Auch der heilige Johannes Paul II. bekräftigte: „Die Kirche lebt ein authentisches Leben, wenn sie das Erbarmen bekennt und verkündet […] und wenn sie die Menschen zu den Quellen des Erbarmens des Heilandes führt, welche sie hütet und aus denen sie austeilt.“6

Und auch Papst Benedikt XVI. sagte: „Die Barmherzigkeit ist in Wirklichkeit der Wesenskern der Botschaft des Evangeliums, sie ist der Name Gottes selbst […] Alles, was die Kirche sagt und vollbringt, zeigt die Barmherzigkeit, die Gott dem Menschen entgegenbringt und somit jedem von uns. Wenn die Kirche die Aufmerksamkeit auf eine verkannte Wahrheit oder ein verratenes Gut lenkt, so tut sie dies stets beseelt von der barmherzigen Liebe, damit die Menschen das Leben haben und es in Fülle haben (vgl. Joh 10,10)“.7

In diesem Licht und dank dieser Gnadenzeit, welche die Kirche erlebt hat, als sie über die Familie sprach und diskutierte, fühlen wir uns wechselseitig bereichert. Und viele von uns haben das Wirken des Heiligen Geistes erlebt; er ist der eigentliche Protagonist und Urheber der Synode. Für uns alle klingt das Wort „Familie“ nicht mehr wie vor der Synode, so dass wir in ihm bereits die Zusammenfassung ihrer Berufung und die Bedeutung des ganzen synodalen Weges mithören.8

In der Tat, die Synode abzuschließen, bedeutet für die Kirche, wieder wirklich „gemeinsam voranzugehen“, um in alle Teile der Welt, in jede Diözese, in jede Gemeinschaft und in jede Situation das Licht des Evangeliums, die Umarmung der Kirche und die Unterstützung durch die Barmherzigkeit Gottes zu bringen!

Danke!

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Zuwendungsübersicht
  1. Vgl. Brief an den Großkanzler der „Pontificia Universidad Católica Argentina“ zum hundertjährigen Jubiläum der theologischen Fakultät, 3. März 2015. []
  2. Vgl. Päpstliche Bibelkommission, Fede e cultura alla luce della bibbia. Atti della Sessione plenaria 1979 della Pontificia Commissione Biblica, Turin 1981; Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. Gaudium et spes, 44. []
  3. Schlussdokument (7. Dezember 1085) in: Schlussdokument der Außerordentlichen Bischofssynode 1985 und die Botschaft an die Christen in der Welt, hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 68), Bonn 1985, Abschn. D, Kap. 7 []
  4. „Aufgrund ihres pastoralen Auftrags muss die Kirche immer aufmerksam auf die geschichtlichen Veränderungen und auf die Entwicklung der Mentalitäten bleiben. Selbstverständlich nicht, um sich ihnen zu unterwerfen, sondern um die Hindernisse zu überwinden, die sich der Annahme ihrer Empfehlungen und ihrer Weisungen entgegenstellen können“, Interview mit Kardinal Georges Cottier in: La Civiltà Cattolica, 3963-3964, v. 8. August 2015, S. 272. []
  5. Homilie (23. Juni 1968): Insegnamenti VI (1968), 1177-1178. []
  6. Enzyklika Dives in Misericordia, 13. Er sagte auch: „Im Ostergeheimnis […] erscheint uns Gott als der, der er ist: ein Vater mit zärtlichem Herzen, der angesichts der Undankbarkeit seiner Kinder nicht aufgibt und immer bereit ist zu verzeihen.“ (Regina Caeli, [23. April 1995]: L’Osservatore Romano [dt.], 25. Jg., Nr. 17, S. 3; Insegnamenti XVIII, 1 [1995], 1035). Und den Widerstand gegen die Barmherzigkeit beschrieb er so: „Die Mentalität von heute scheint sich vielleicht mehr als die der Vergangenheit gegen einen Gott des Erbarmens zu sträuben und neigt dazu, schon die Idee des Erbarmens aus dem Leben und aus den Herzen zu verdrängen. Das Wort und der Begriff ‚Erbarmen‘ scheinen den Menschen zu befremden“ (Enzyklika Dives in misericordia [30. November 1980], 2). []
  7. Regina Caeli [30 März 2008]: L’Osservatore Romano [dt.], 38. Jg., Nr. 14, S. 1; Insegnamenti IV, 1 (2008), 489-490; und als er von der Macht der Barmherzigkeit spricht, sagt er: »Sie ist es, die dem Bösen eine Schranke setzt. In ihr drückt sich das ganz eigene Wesen Gottes aus – seine Heiligkeit, die Macht der Wahrheit und der Liebe« (Homilie am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit [15. April 2007]: L’Osservatore Romano [dt.], 37. Jg., Nr. 6, S. 2; Insegnamenti III, 1 [2007], 667). []
  8. Eine akrostichische Analyse des Wortes „FAMIGLIA – Familie“ hilft uns, die Sendung der Kirche in ihren Aufgaben gegenüber der Familie zusammenzufassen (ein Buchstabenspiel, das leider in der Übersetzung nicht wiederzugeben ist [Anm. d. Übers.]). Formare – erziehen: die neuen Generationen dazu erziehen, die Liebe ernsthaft zu leben, nicht als einen individualistischen Anspruch, der sich nur auf das Vergnügen und auf die „Wegwerfmentalität“ gründet, sondern wieder an die echte, fruchtbare und dauerhafte Liebe zu glauben als den einzigen Weg, um aus sich herauszugehen, um sich dem anderen zu öffnen, um sich aus der Einsamkeit zu befreien; um den Willen Gottes zu leben; um sich voll zu verwirklichen; um zu begreifen, dass die Ehe der »Bereich [ist], in dem sich die göttliche Liebe offenbart; um die Heiligkeit des Lebens, eines jeden Lebens zu verteidigen; um die Einheit und die Unauflöslichkeit des ehelichen Bandes zu verteidigen als ein Zeichen der Gnade Gottes und der Fähigkeit des Menschen, ernsthaft zu lieben« (Homilie in der Messe zur Eröffnung der Synode [4. Oktober 2015]: L’Osservatore Romano [dt.] 45. Jg., Nr. 41, S. 3) und um die Ehe-Vorbereitungskurse zu nutzen als Gelegenheit, den christlichen Sinn des Ehesakramentes zu vertiefen. Andare – gehen: auf die anderen zugehen, denn eine in sich verschlossene Kirche ist eine tote Kirche; eine Kirche, die nicht aus der eigenen Umzäunung herausgeht, um alle zu suchen, aufzunehmen und zu Christus zu führen, ist eine Kirche, die ihre Sendung und ihre Berufung Lügen straft. Manifestare – kundtun: die Barmherzigkeit Gottes kundtun und sie verbreiten unter den notleidenden Familien, den verlassenen Menschen, den vernachlässigten Alten, den durch die Trennung der Eltern verletzten Kindern; unter den armen Familien, die ums Überleben kämpfen; unter den Sündern, die an unsere Türen klopfen, und unter den Fernstehenden; unter den Menschen mit Behinderungen und unter allen, die sich an Leib und Seele verletzt fühlen; unter den Paaren, die von Schmerz, Krankheit, Tod oder Verfolgung gequält sind. Illuminare – erleuchten: die Gewissen erleuchten, die oft von schädlichen und unterschwelligen Dynamiken eingekreist sind und die sogar versuchen, den Platz des Schöpfergottes einzunehmen – diese Dynamiken müssen enttarnt und bekämpft werden unter vollkommener Achtung der Würde jedes Menschen. Guadagnare – gewinnen: in Demut das Vertrauen in die Kirche, das aufgrund des Verhaltens und der Sünden ihrer eigenen Kinder ernstlich geschwunden ist, zurückgewinnen und wieder aufbauen; leider haben das negative Zeugnis und die Skandale, die von einigen Klerikern innerhalb der Kirche verübt wurden, ihre Glaubwürdigkeit verletzt und den Glanz ihrer Heilsbotschaft verdunkelt. Lavorare – arbeiten: intensiv arbeiten, um die gesunden Familien, die treuen Familien, die kinderreichen Familien, die ungeachtet der täglichen Mühen weiter ein bedeutendes Zeugnis der Treue zu den Lehren der Kirche und den Geboten des Herrn geben, zu unterstützen und zu ermutigen. Ideare – ersinnen: eine neue Familienpastoral ersinnen, die auf dem Evangelium beruht und die kulturellen Unterschiede respektiert; eine Pastoral, die fähig ist, die Frohe Botschaft in anziehender, froher Sprache zu vermitteln und den Herzen der jungen Menschen die Angst zu nehmen, endgültige Verpflichtungen einzugehen; eine Pastoral, die den Kindern eine besondere Aufmerksamkeit widmet, die die eigentlichen Opfer der familiären Risse sind; eine innovative Pastoral, die eine angemessene Vorbereitung auf das Ehesakrament durchführt und die bestehende Praxis einstellt, die sich oft mehr um den äußeren Anschein und die Formalitäten kümmert, als um eine Erziehung zu einer Verpflichtung, die das ganze Leben lang dauert. Amare – lieben: bedingungslos alle Familien lieben und besonders jene, die eine schwierige Zeit durchmachen – keine Familie darf sich allein oder von der Liebe bzw. von der Umarmung der Kirche ausgeschlossen fühlen; der wirkliche Skandal besteht in der Angst zu lieben und diese Liebe konkret zu zeigen. []

29 Comments

  1. Auf einen Punkt möchte ich hier hinweisen. Der Papst sagt:
    „Und ohne je der Gefahr des Relativismus zu erliegen oder auch jener, die anderen zu verteufeln, haben wir versucht, uns vollkommen und mutig der Güte und der Barmherzigkeit Gottes anzuschließen, die unsere menschlichen Kalküle übersteigt und nichts anderes will, als DASS ALLE MENSCHEN GERETTET WERDEN“ (1 Tim, 2,4). In dem Zitat aus 1 Tim, 2,4 fehlt der entscheidende Nachsatz … „und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.“ Es ist leider zur Mode geworden. wenn es besser passt, nur mit halben Zitaten zu arbeiten. Dabei hätte gerade in der Erkenntnis der Wahrheit das eigentliche Ziel der Synode bestanden.

    • Wenn ein Mensch gerettet wird und in die Ewigkeit eingeht, dann kommt er genau dadurch zur Erkenntnis der Wahrheit – in der Schau Gottes. Die Rettung ist die Voraussetzung dafür. So verstehe ich das vollständige Zitat.
      Hier auf Erden wird die Wahrheit nie vollkommen sein, auch nicht in der Kirche! Nachdem die Kirche natürlich durch den Hl. Geist geleitet wird, aber aus Menschen besteht, ist es gar nicht möglich, dass sie im Besitz der vollen Wahrheit ist. Wäre das so, dann hätte es es keines einzigen Konzils bzw. keiner einzigen päpstlichen Lehrdefinition bedurft. Und über so manche päpstliche Lehraussage spricht man heute lieber nicht mehr, weil sie absoluter Unsinn waren (z.B. die Aussagen der päpstl. Bibelkommision unter Pius X. über die Wortwörtlichkeit der Genesis, eine Enzyklika gegen die Eisenbahn und vieles andere mehr – man lese nur den Denzinger). Die Kirche ist seit 2000 Jahren immer auf dem Weg, der auch manchmal sehr verschlungen sein kann. Der Blick in die Kirchengeschichte zeigt das nur zu deutlich.
      Man sollte sich das immer vor Augen halten, wenn man in Versuchung kommt, die eigene Anschauung als die Anschauung der „wahren katholischen“ Kirche zu betrachten und damit einen Absolutheitsanspruch geltend zu machen. Das ist vermessen und letztlich Gotteslästerung.

      • Alles was sie sagen kann Wahrheit und genauso Lüge sein. Wenn die Wissenschaft Richtigkeiten hervorbringt und dies als Wahrheit verkauft, dann sind das sehr gefährliche Lügen. Wenn die Quantenphysik Wahrheit wäre, dann wäre die orthodoxe Interpretation nicht schon längst überholt worden; denn Wahrheit ändert sich nicht, sonst ist es nicht mehr Wahrheit. Und denken wir an all die Paradoxa in der gesamten Physik und Wissenschaft, die immer durch neue Theorien gelöst werden und durch neue Theorien wieder neue Paradoxa geschaffen werden. Ein nicht endenwollender Unsinn von Spekulationen, wie Urknall und Evolution -eher noch blödsinniger als der Schöpfungsbericht der wenigstens noch von Weisheit zeugt als Wesensmerkmal -ein anderer Glaube, der Glaube an die Wissenschaft oder der Glaube nicht an Gott zu glauben oder glauben zu müssen. Die Kirchvertreter haben ihre Fehler gemacht in den 2000 Jahren, weshalb Hunderttausende von Priestern in der französischen Revolution auch unter die Guillotine kamen. Àhnlich wird auch den Wissenschaftlern für ihr Fehler ergehen, wenn die Menschen erkennen werden, dass sie durch die Wissenschaft um die Wahrnheit betrogen wurden, indem sie Spekulationen als Wahrheit verkauften. Christus erhebt sich selbst zur Wahrheit mit Absolutheitsanspruch. Er sagt, „Ich bin die Wahrheit und der Weg, nicht bloss Wahrheitsträger.“ Eine Person ist die Wahrheit, Jesus! Dann kann nicht Mohammed oder irgendeiner, ob Papst oder Bischof oder Wissenschaftler die Wahrheit sein und eine Person ist der Weg und nicht nur das Ziel auf dem Weg, wie die Wissenschaft es ist. Christus ist die Kirche, das Haupt, ob nun seine Vetreter lehramtliche Häresien verbreiten oder nicht, letztendlich geht es nicht um Anschauung oder Gotteslästerung, sondern um Aberkennung der absoluten Wahrheit Jesu Christi und somit um die Sünde gegen den hl. Geist für die Christus erbarmungslos das ewige Feuer versprich

      • @Galilei,
        Der geehrte @Regino hat vollkommen zurecht auf das Erkennen der Wahrheit („…ad agnitionem veritatis venire“) hingewiesen.

        In dem 2. Petrusbrief 3,9 steht in diesem Zusammenhang ausdrücklich geschrieben:…sed omnes ad poenitentiam reverti“ (…aber daß alle sich zu Buße bekehren);
        Ähnliches im alten Testament bei Ezechiel 18,23.

        Die fundamentalste Stelle findet sich jedoch in Psalm 51, den wahrscheinlich am meisten gebeteten Psalm in der Geschichte, dem Miserere:
        ( Nach den Ausführungen d.. großen Philosophen Robert Spaemann in „Die Psalmen /Meditationen eines Christen“, Klett-Cotta, 2014, Stuttgart sei hier verwiesen):
        „…Denn ich erkenne meine Bosheit..“- und dann steht da tatsächlich EGO(ICH) cognovi; wir sind in der Sünde verstrickt, teils durch eigenes Abweichen von Gottes Weg, teils strauchelnd in Schwäche und Problemen, die man teils auch nicht selbst als Erste bewirkt hat.
        Und dann kommt V. 8:
        (nach der Septuagint/Vulg. LXX):“…Ecce enim veritatem dilexisti, incerta et occulta sapientiae tuae manifestasti mihi“:
        „Siehe, die Treue/Wahrheit liebst Du; die geheimen und verborgenen Dinge Deiner Weisheit hast Du mir offenbart“.
        Wir wissen sehr wohl wie wir uns gottgefällig zu verhalten haben, wir haben die Hl. Schrift in Überfülle, die Kirchenväter, unsere ganze Erziehung.
        Das Problem ist doch vielmehr daß die Sünde betörend ist, angenehm, daß wir als Wellnessmenschen doch gerne Ausflüchte suchen um unsere sünden zu verbrämen- und daß einige auch in persönlicher Hybrus anderen Schuldigen gerne mit Feigenblättern dekorieren.
        Das Mysterium iniquitatis ist etwas wesentlich Dunkles, es ist Gott fremd.
        …Gott liebt die Wahrheit, Er ist Liebe.
        Er schenkt uns die Freiheit, um voll auf Ihn zuzugehen.
        Dafür braucht es ein cor contristum et humiliatum- ein zerknirschtes Herz; Reue und Buße und Umkehr auf dem Weg: „conversio“- deshalb auch Bekehrung.
        Und das ist wodurch wir Anschluß finden an das Opfer des Herrn, und so an Seine Auferstehung.
        Das Johannesevangelium nennt Jesus Christus nicht umsonst den Logos, das Wort: Er ist in die Welt gekommen um Sich zu offenbaren.
        Sein Wort ist mehr als deutlich genug- es war auch 2000 Jahre lang deutlich genug.
        Die nur noch mäßig verdeckte trottelige Versuche die Göttliche Offenbarung umzuinterpretieren damit die eigene Sündigkeit nun plötzlich weniger oder auch nichts zähle, sind zum Heulen:
        es ist Selbstbetrug und Beleidigung der Allmacht Gottes.

  2. „Jeder allgemeine Grundsatz muß inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll.“ – Dieser Satz des Papstes ist äußerst interessant. Über Jahrhunderte haben christliche Grundsätze zur Kultur der westlichen Gesellschaften gehört. Heute verschwindet zunehmend das Verständnis für diese Grundsätze; unter dem Deckmantel der Toleranz werden diese Grundsätze regelrecht verworfen und abgelehnt. Genau hier ist die Herausforderung für die Kirche: Die christlichen Grundsätze neu zu inkulturieren. Genau dies wird aber nicht geschehen, wenn man unter der Überschrift der Barmherzigkeit den Menschen laue Sätze präsentiert, statt ihnen kraftvoll (und dennoch nicht unbarmherzig!) die wahre Lehre zu verkünden und Irrwege aufzuzeigen. Eine neue Inkulturation der christlichen Grundsätze wird nach meiner Einschätzung nach diesem Synodenpapier nicht gelingen!

  3. Hm. Ist nun die Kommunion für wiederverheirate Geschiedene zugelassen oder soll der Priester vorher eine Münze schmeißen wenn er sich nicht ganz sicher ist?
    Per Mariam ad Christum.

  4. @Shuca: „Hm. Ist nun die Kommunion für wiederverheirate Geschiedene zugelassen oder soll der Priester vorher eine Münze schmeißen wenn er sich nicht ganz sicher ist?“

    Genau in dieser zurückbleibenden Unsicherheit liegt das totale (Sich-) Versagen der Synode gegenüber der Wahrheit.

    Man hat die Klarheit aufgegeben. Man erwähnt sie nicht einmal mehr. Man kratzt sie vorschtig an. Man berührt sie wie einen heißen Herd. Man schleicht drum herum, wie eine Katze um den heißen Brei. Damit aber zieht man keinen feuchten Hering vom Teller und überzeugt schon gar keinen Atheisten oder Agnostiker.

    Ja man bleibt eigentlich wichtige Antworten schuldig. Jesus warnt die Menschen vor dem verloren gehen. „Hurer und Ehebrecher werden das Reich Gottes nicht schauen!“ „Homosex ist eine himmelschreiende Sünde!“ Jawohl, auch wenn Ihnen @Galielie das nicht passt.

    Wir können die Wahrheit Christi nicht auf die Ebene von gechannelten Botschaften herabwürdigen, was insbesondere der Autor Dave Hunt immer wieder anmahnt – und damit die Bibel als ‚eine‘ Inspirationsquelle neben vielen relativieren. Die Bibel ist absolut wahr, weil sie gute und vollkommene Früchte hervorbringt!

    Unsichere Offenbarungen sind keine Offenbarungen, sondern Lügen. Tritt man von der Wahrheit zurück, weil man keine menschlichen Gefühle und Animositäten – und nicht zuletzt den von Dämonen besetzten Geist – herausfordern/verletzen will, offenbart man demütig, wie @Galilei es so gern möchte, dass man sie, die Wahrheit und auch Christsu nicht kennt.

    Christen müssen in der Vollmacht Jesu sprechen, sonst überhört man sie. Das wird auch die Frucht dieser Synode sein, weshalb sich ein Kardinal Kasper so diebisch freut. Schon sein Grinsen ist eine Überzeichnung der dehnbaren Wischiwaschibrgriffe der Synode – und damit seine Lesart, so als wolle er sagen: „Was, die Kommunion für die WvG wurde nicht einmal benannt? Das ist ja prima, damit haben wir alle, ja wirklich alle Spielräume, die wir brauchen, um unsere ‚humane Streichel-Kirche‘ zu bauen.“

    Man muss dabei aber soviel sagen: ‚Doch‘@Galilei, wir kennen die Fülle der Wahrheit von Jesus, der sagte, wer mich sieht, der sieht den Vater. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer duch mich.

    Mir scheint, Sie verwechseln ‚Wahrheit‘ mit ‚Gottesschau‘/'Gottesanschauung. Das ist uns im Glauben aber gar nicht zugesagt. VIelmehr hat Jesus auf das Kreuz als das Zeichen auf dem Weg des Heils gewiesen. Niemand kommt zum Vater ohne das Kreuz.

    Von daher ist es bestürzend, wenn die Kirche sich nicht mehr auf die Vollmacht unseres Herrn Jesus Christus beruft.

    Ich weiß nicht @Gallilei, wie sehr sie in der Esoterik verwickelt/verstickt sind. Mir scheint aber in Anbetracht Ihrer stets auf die Quantenphysik verweisenden Ausführungen doch eine enorme Bindung vorzuliegen.

    Auch wenn [email protected] Laemmlein einmal schrieb, er lese zuviel Dave Hunt, so würde ich gerade Ihnen, @Galilei, das Buch „Die okk. Invasiion“ dieses Autors emphehlen.

  5. Diese Rede ist irgendwie „dunkel“.
    Dunkel in Andeutungen, die man nicht ins Licht der klaren Aussage zu heben vermag.
    Dunkel in ihren Folgerungen.
    Dunkel in ihren Wertsetzungen, die Differenziertheit vorgaukeln, in Wahrheit aber einfach nur verwirrende Vagheiten bleiben.

    Wenn F. sagt, was in der einen Kultur so und so gesehen werde, werde in der anderen ganz anders empfunden etc., würde ich gerne wissen, was er meint:
    Meint der den Einsatz von Chili-Pulver in einem Hühnchen-Curry?
    Oder meint er, ob die eine Kultur schreiende Farben in der Kleidung liebt und eine andere es vorzieht, sich schwarz zu kleiden?
    Oder meint er eine eher langsame, melancholische Neigung oder ein feuriges Temperament, das im einen Fall ruhige schottische Tänze im Kilt und im anderen Fall wilde, beineschleudernde Balkan-Siebener in weißen Spitzenrockhosen hervorbringt?

    Unter all diesen Äußerlichkeiten steckt doch weltweit immer wieder nur der Mensch. Überall gebären die Frauen auf dieselbe natürliche Weise ihre Kinder, überall ist das Herz verletzt, wenn es betrogen oder belogen wird und jeder empfindet die Bestialität eines kaltblütigen Mordes – gleich ob das in der Mongolei, am Nordpol oder in Patagonien ist.

    Das „Gesetz“, so sagt es der hl. Paulus, ist den Heiden ebenso ins Herz geschrieben. Und die Kirche lehrt als Dogma, dass alle Menschen von Natur aus wissen können, dass ein Gott ist.
    Schauen wir in die Welt: sie wissen es. es ist erstaunlich, wie leicht man sich allüberall mit jedem über die elementarsten religiösen Überzeugungen unterhalten kann. Es trägt auch jeder in sich das Wissen, dass er eines Tages Rechenschaft abgeben muss. Jeder, liebe er nun den Chili am Hühnchen oder nicht, und trage er nun einen Tartan oder eine weiße Rockhose beim Tanzen.
    Worauf es ankommt: beide essen, beide tanzen.
    Und beide wissen im Herzen, dass da ein heiliger Gott ist.
    Sie wissen es, egal, was an der Oberfläche vorgespiegelt wird.

    Die Kirche ist immer in dieser Tiefe beim Menschen gewesen und nicht an der Oberfläche der Sitten und Gebräuche.

    In dieser Tiefe ist nicht Jude noch Grieche noch Mann noch Frau.
    Diese Tiefe ist der Ort, an dem Christus geboren werden will.

    Wo aber Christus ist, muss, MUSS, die Sünde weichen.

    F. unterschlägt, dass Christus in uns hinein will und nicht einfach nur vom Himmel aus seine Barmherzigkeit herabregnen lässt.

  6. Über zwei eigenartige Formulierungen bin ich doch gestolpert:

    1) „dass das Evangelium für die Kirche eine lebendige Quelle ewiger Neuheit bleibt –
    ein Zeugnis gegen die, welche es „indoktrinieren“ und zu toten Steinen machen wollen, mit denen man die anderen bewerfen kann.“ – Was ist denn eigentlich mit „ewiger Neuheit“ gemeint? Sollte etwas für die Kirche (!) ewig neu geschaffen werden?
    Neuheit??

    2) „jeder allgemeine Grundsatz muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll“ – „inkulturiert“! MUSS! SOLL!
    Der Glaube sollte doch nicht unter Zwang, sondern freiwillig und mit Überlegung angenommen werden. („Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen?“ 1 Kor. 15,2)
    Der Satz klingt nach tiefgefrorener Liebe, die auch als Keule benutzt werden kann.

    Was der hl. Paulus den Korinthern sagt, gilt hinsichtlich der Synode wohl auch oder vor allem für Europa:
    „Einige Leute wissen nichts von Gott; ich sage das, damit ihr euch schämt.“ (1 Kor 15,34)

  7. Nachtrag zu meinem Kommentar vom 27. Oktober 2015 um 9:52:

    Ich frage mich ob diese Sätze 1) und 2) vor dem Hintergrund des im September von der UNO verabschiedeten 17-Punkte Plans der Agenda 2030 oder hinsichtlich einer UNO der Religionen zu lesen ist.

    • @ Agricola

      Zu der Frage habe ich gestern in einem andern Thread schon was gesagt – hier: http://www.katholisches.info/2015/10/22/konziliare-selbstanpassung-der-kirche-an-welt-und-zeitgeist/comment-page-1/#comment-65680

      Die Begriffsverwirrung liegt tatsächlich an dieser Stelle!
      Das eine ist ein Begriff des „Neuen“, der dem Hegelianismus entspringt: das „Neue“ ist so immer vorläufig und wird von wieder Neuem „präzisiert“.
      Man kann natürlich in eingrenzbaren Zusammenhängen genau dieses Phänomen beobachten. Zum Beispiel in der Forschung: man kommt immer „weiter“ in der Erkenntnis und das, was gestern das „Neueste“ war, ist heute veraltet.
      Und selbstverständlich gibt es solche Dinge auch in der Religion.

      Allerdings – und das ist das gewichtige Allerdings, man kann diese Beobachtung, die der natürlichen Begrenztheit des menschlichen Geistes Rechnung trägt, nicht auf „alles“ übertragen.
      Zumindest das, was Gott objektiv in Christus offenbart, ist diesem drohenden „Veralten“ nicht ausgesetzt.
      Wenn also die Kirche in der Vergangeheit solche Sätze als von Gott offenbart definert hat, die wir Dogmen nennen, dann können sie niemals mehr veralten.

      Das, was „neu“ geworden ist in Chrstus, ist und bleibt das Neue in Ewigkeit. Das Neue ist ja das Ewige, das in unser sterbliches, der Zeit unterworfenes Fleisch getreten ist.

      F. macht wie alle Modernisten keinen Unterschied mehr zwischen dem einen und dem andern.

      Nun muss man ihm aber zugute halten, dass im katholischen Lager Konservative zuhauf unterwegs sind, die ihrerseits das eine nicht vom andern unterscheiden können. Sie halten die zeitliche Maskerade mancher katholischer Gepflogenheiten, gewisse rein politische Meinungen oder irgendwelche mystischen Erlebnisse für „ewig“ und behandeln sie so, als seien sie auf einer Stufe mit einer dogmatischen Aussage.
      Diese Leute sind in aller Regel hochaggressiv. Und es ist wahr: sie bewerfen andere in einer besipiellosen Dünkelhaftigkeit beim geringsten Anlass mit verbalen Steinen und machen sie nieder, oft ohne deren Gedankengang überhaupt verstanden zu haben…

      Es ist tragisch, aber genau diese Konservativen haben dem „Hegelianismus“ in der Kirche die Munition geliefert, haben ihm jedes Argument in die Hand gespielt, denn wer will sich mit deren ekelhaftem, unmoralischen Auftreten gemein machen, der nicht selbst eine „Macke“ hat?

      Dennoch ist es perfide, wenn ein „Papst“ sich das Versagen der Konservativen zunutze macht, um damit dem Versagen der Progressiven die Bahn frei zu geben.

      Welch ein heilloses Durcheinander!

      • Herzlichen Dank für die erhellenden Ausführungen.

        Freilich ist es nicht falsch, was F. sagt, vor allem auch hinsichtlich der regula fidei proxima, oder hinsichtlich Matthäus 13,52: „Da sprach er: Darum, ein jeglicher Schriftgelehrter, zum Himmelreich gelehrt, ist gleich einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorträgt.“

        Die Lehre ist an das Wort gebunden. Es verlangt nach unserem Zeugnis – FÜR IHN, dem fleischgewordenen Wort, nicht „gegen die, welche es „indoktrinieren“ und zu toten Steinen machen wollen.“ – Aus Liebe zu IHM, nicht aus Bosheit gegen die, die….
        Das also, was unter „ewige Neuheit“ (trotzdem ein seltsamer Begriff) zu verstehen ist, wurde durch eine einzige Tat, das Erlösungswerk, den Sühnetod Jesu Christi, ermöglicht; das wodurch Gott den Menschen in seiner Würde noch wunderbarer erneuert hat.

        Dennoch erinnert die Formulierung mit „Quelle“ und „Neuheit“ an den „Konzilsgeist“: eher an eine Einladung, durch das Evangelium Neuheiten zu produzieren, als auf die ewige Neuheit hinzuführen.

      • @ Agricola

        Ich stimme Ihnen ja zu – F. formuliert so, dass man das Vorläufige, noch nicht ganz Entfaltete, das stets der Erneuerung bedarf, nicht unterschieden bekommt von der „Neuheit“ des Neuen Bundes, der aber ewig und nicht mehr wandelbar ist und das Gesetz des Mose ja keineswegs aufhebt, sondern nun ganz erfüllt und zurechtrückt. Das hat jedenfalls Jesus gesagt – kein Jota wollte er verändert wissen an diesem ebenfalls aus dem Ewigen ins Zeitliche hineinragenden Gesetz, das den Sinn für die Heiligkeit Gottes schärfen sollte.

        Die unterschiedliche Perspektive zeigt uns ein Satz Jesu auch an dieser Stelle:

        „Himmel und Erde werden vergehen, mein Wort aber wird nicht vergehen.“ (Mt. 24, 35)

        In der Begrenztheit des Menschen kann die Neuheit Jesu Christi erst sukzessive erfasst werden. Jeder erlebt das an sich selbst: man macht einen Reifungsprozess durch und wird nach und nach (im besten Fall) „erneuert“. Man „zieht den neuen Menschen an“:

        „Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.“ (Eph. 4)

        Ja, das ist tatsächlich ein ständiges Wachsen und „Verbessern“, ein echtes „semper reformanda“. In der Todverfallenheit, in der Zeitlichkeit schafft Gott – genial – die Möglichkeit zur Erneuerung. Er nutzt die Zeit des Absterbens zum Wachstum. Welch eine Barmherzigkeit!

        Die Worte Jesu aber sind dem nicht unterworfen, was von ihm kommt, muss diesen Erneuerungsprozess nicht durchlaufen, denn es ist das Ewige und Neue und bleibt daher auch in „Ewigkeit“. Manche verwechseln seine Güte, die unser Fleisch annahm, mit der Sündhaftigkeit, die immer im Vorläufigen steckenbleibt. So, als wäre er, einmal inkarniert, derselben Vorläufigkeit unterworfen wie die Sünder. Das ist er aber nicht! Was er sagte, ist ewig. Und gerade zur Ehe sprach er mehr als eindeutig!

        Wir haben so ein Maß aus der Ewigkeit erhalten, ein neues Maß, anhand dessen wir an unserer Erneuerung aktiv mitarbeiten können.

        Stellen wir dieses Maß aber ebenfalls zur Disposition, wird aus unserer Erneuerung einfach wieder nur die Zeit des Absterbens – egal wie pompös wir sie gestalten.

        Und geau diese Diffenerenz bleibt uns F. schuldig. Aber nicht nur er…

  8. „Die Kirche ist immer in dieser Tiefe beim Menschen gewesen und nicht an der Oberfläche der Sitten und Gebräuche.“ (Zeitschnur)
    Ein wichtiger und zentraler Satz, den man sich einrahmen sollte.

    • Der Mensch ist ein , vom Gott geschaffenes Geschöpf, als ein Ganzes. Seine Haut ist nicht ein Sack für die Organe, sondern ein Organ. Das Äussere des Menschen gehört zum Inneren des Menschen, das Äussere verbindet und trennt den Menschen im Lebensraum. So sind christliche Gebräuche und Sitten, untrennbar mit dem Menschen verbunden.Das gilt ebenso für die Christliche Kultur, die das Ganze mit den Christen und der Kirche ist. Ausserdem, sagte bereits Christus, wo die Kirche ist.

  9. Ich habe die Abschlussrede des Franziskus genauer angeschaut und einige Formulierungen analysiert.

    „Es bedeutet, allen bezeugt zu haben, dass das Evangelium für die Kirche eine lebendige Quelle ewiger Neuheit bleibt – ein Zeugnis gegen die, welche es „indoktrinieren“ und zu toten Steinen machen wollen, mit denen man die anderen bewerfen kann. „ sagte Franziskus und warf mit Steinbrocken auf glaubenstreue Katholiken.

    Der Papst ist doch derjenige, der will, dass das Evangelium nur noch aus toten Buchstaben besteht, weil er Praxis und Lehre trennt und glaubt ein Katholik brauche nicht sein Leben nach dem Glauben zu richten, sondern glaubt der Glauben müsse sich nach dem Leben der Menschen richten.

    Und weiter sagt er:

    „Es bedeutet auch, die verschlossenen Herzen entblößt zu haben, die sich oft sogar hinter den Lehren der Kirche oder hinter den guten Absichten verstecken, um sich auf den Stuhl des Mose zu setzen und – manchmal von oben herab und mit Oberflächlichkeit – über die schwierigen Fälle und die verletzten Familien zu richten.“

    Auf den Stuhl Moses können sich die rechtgläubige Bischöfe nicht setzen, da bereits Franziskus dort sitzt und von dort aus auf rechtgläubige Katholiken eindrischt.

    Verkehrte Welt, der Papst, der eigentlich Garant für Kontinuität, Schutz und Bewahrung der Lehre sein soll attackiert Katholiken, die treu zur Lehre stehen, sie ernst nehmen und die für sie praktische Auswirkung hat. Die antikatholischen liberalen Günstlinge, die mit dreckigen Tricks spielen, die hinterhältig versucht haben die Synode zu manipulieren, die sich hinter dem Wort Barmherzig verstecken um die Sünde gutzuheißen und um die eigene Kirche in die Pfanne zu hauen, kritisiert Franziskus natürlich nicht:

    Papst Franziskus soll erst mal selbst aufhören mit gespaltener Zunge zu sprechen. Aufhören sich hinter einer doppeldeutigen, vagen, unklaren und verwirrenden Sprache zu verstecken und sich hinter dem Wort Barmherzigkeit zu verschanzen, dann kann er den konservativen Katholiken vorwerfen sich hinter der Lehre zu verstecken. Dieser Papst redet von verletzen Familien und sagt nicht, dass Sünde und Rebellion gegen Gott die Familien und den Menschen verletzen und dass die Akzeptanz der Sünde daher nicht die Heilung ist, sondern nur die Verletzung zementiert.
    Der Sünder ist nicht nur das arme, erletzte und harmlose Opfer, sondern auch der Verursacher der Verletzung.

    Ein Papst, der Barmherzigkeit als Waffe gegen die Lehre benutzt, macht aus der Lehre eine tote Dekoration ohne praktische Bedeutung für das Leben der Gläubigen. Offenbar will Franziskus eine tote Lehre damit der katholische Glaube in der Praxis tot ist, er will somit den Kollaps des Katholizismus.

  10. Teil II der Analyse der Abschlussrede:

    Diese Formulierung von Franziskus war für mich sehr merkwürdig:

    „um die Schönheit der christlichen Neuheit zu übermitteln, die manchmal vom Rost einer archaischen oder einfach unverständlichen Sprache überdeckt „

    Ausgerechnet Franziskus beschwert sich über die Unverständlichkeit der Sprache, der der nie klar und verständlich spricht, sondern wirr, missverständlich und doppeldeutig. Alles klar, ein schwammiges, mehrdeutiges Synodendokument ohne nötige Klarheit, wo Missverständnisse und Interpretationen in allen Richtungen vorprogrammiert sind, soll die Schönheit der christlichen Botschaft und die Lösung der Kirche verständlicher übermitteln und für Klarheit sorgen.

    Ich frage mich manchmal für wie blöd uns der Papst und die Kardinäle eigenltich halten.

    Von der Schönheit der CHRISTLICHEN WAHRHEIT scheint dieser Papst nicht sonderlich angetan zu sein, da er sie mit Christlichen Neuheiten ersetzen will. Wozu brauchen wir überhaupt Christliche Neuheiten, wenn das Christliche, was da und bekannt ist, brachliegt? Was sind diese christlichen Neuheiten?

    Der Papst hat sich meiner Meinung nach mit der Schlussrede demaskiert. Er ist voller Hybris, Selbstgerechtigkeit und von der modernen verdorbenen Jesuiten Spiritualität erfüllt.

    Was man erahnen konnte, ist mit der Abschlussrede des Papstes Gewissheit- Franziskus hat die ganze Zeit gemeinsame Sache macht den internen Kirchenzerstörern gemacht um einen Dominoeffekt zu erzielen, nach dem eine katholische Lehre nach der anderen zu Fall kommt. Daher ist er wütend, dass die konservativen Bischöfe nicht genug gekuscht und gespurt haben und die Lehre nicht komplett den Wölfen zum Fraß überlassen haben.

  11. Der Begriff „Neuheit“ ist tatsächlich ein schillernder Begriff. Nicht ganz falsch, aber als verbale Waffe wirksam – je nach Zusammenhang (vgl. oben die Kommentare mit @zeitschnur).

    Der Aspekt der Sprache ist diesbezüglich interessant und entlarvend. Nun bräuchte es also einer Sprache, die diese „Neuheit“ übermittelt – nachdem das Kirchenlatein längst aufgegeben wurde, eine Sprache, die in größtmöglicher Klarheit auch und vor allem in der hl. Messe sich dem Mysterium ehrfurchtsvoll zu nähern versucht, einer für die Kirche einheitlichen und einheitsstiftenden Sprache.

    Es wird wohl eine Sprache sein, in der jeder seine für ihn verständlich eigene Neuheit übermittelt. So ähnlich wie dies ja oftmals schon bei Fürbitten im NOM passiert.
    Die Grundlage für diese „Verständlichkeit“ dürfte wohl das subjektive Gewissen sein.

  12. Werte @ Sarah!

    Vielem von dem, was Sie erarbeitet haben, kann ich zustimmen, nicht aber folgenden pauschalisierenden Satz:

    „Alles klar, ein schwammiges, mehrdeutiges Synodendokument ohne nötige Klarheit, wo Missverständnisse und Interpretationen in allen Richtungen vorprogrammiert sind, soll die Schönheit der christlichen Botschaft und die Lösung der Kirche verständlicher übermitteln und für Klarheit sorgen“.
    Das zur Abstimmung gekommene Schlussdokument stammt nicht vom Papst Franziskus. Im Gegenteil ! Es ist das Produkt einer Nachtarbeit in letzter Minute unter Mitwirkung auch von Kardinal Müller usw.
    Dazu ist im Aufsatz „Das Ergebnis der Familiensynode VIII – Roberto de Mattei: Keine Gewinner, nur Verlierer – an erster Stelle die katholische Moral“ vom 27. Oktober 2015 11:00 |zu beachten, was der Autor über das Zustandekommen der 95 Paragraphen, die schlussendlich zur Abstimmung vorgelegt werden konnten, ausführt.

    „Zur großen Überraschung der Synodenväter wurde ihnen am Donnerstag Abend nur ein Text in italienischer Sprache vorgelegt und das zusammen mit einem ausdrücklichen Verbot, ihn der Presse weiterzugeben oder den 51 Auditoren oder anderen Synodenteilnehmern zur Kenntnis zu bringen. Der Text nahm überhaupt keine Rücksicht auf die 1355 Abänderungsanträge, die im Laufe der drei Synodenwochen eingebracht worden waren. Das Instrumentum laboris war faktisch unverändert beibehalten worden einschließlich der Paragraphen, die in der Synodenaula auf heftigsten Widerstand der Synodenväter gestoßen waren: jene zur Homosexualität und zu den wiederverheirateten Geschiedenen. Die Diskussion war für den nächsten Morgen festgelegt, mit der Möglichkeit weitere Abänderungsanträge einbringen zu können, die über Nacht ausgearbeitet werden mußten zu einem Text, der in einer Sprache vorlag, die nur ein Teil der Synodenväter wirklich ausreichend beherrscht………

    Am Morgen des 23. Oktober sah sich Papst Franziskus, der die Synodenarbeit immer mit Aufmerksamkeit verfolgt hatte, einer unerwarteten Ablehnung des Kommissionsdokuments gegenüber. 51 Synodenväter ergriffen das Wort, der Großteil sprach sich gegen den vom Papst vorgelegten Text aus……..

    Das Dokument konnte nicht am 24. erneut vorgelegt werden, ohne Gefahr zu laufen, von der Synodenmehrheit niedergestimmt zu werden und damit einen schweren Riß durch die Kirche aufzureißen. Die Kompromißlösung kam von den deutschen Theologen des Circulus Germanicus, dem sowohl Kardinal Kasper, die Ikone des Progressismus, als auch Kardinal Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation angehörten. Die Kommission wurde zwischen Freitag nachmittag und Samstag morgen mit der Ausarbeitung eines neuen Textes beauftragt, der am Morgen des 24. Oktober in der Aula den Synodenvätern vorgetragen und am Nachmittag abgestimmt wurde. Er erhielt für alle 94 Paragraphen die notwendige Mehrheit von zwei Dritteln oder 177 Stimmen der 265 Synodenväter.“……… Fortsetzung folgt

    • Forts.:
      „Unterscheidung und Integration ist auch der Titel der Paragraphen 84, 85 und 86. Der umstrittenste Paragraph, die Nr. 86, enthält eine Öffnung gegenüber den wiederverheirateten Geschiedenen und die Möglichkeit für sie, Zugang zu den Sakramenten zu erhalten, wenn auch die Kommunion nicht ausdrücklich erwähnt wird. Dieser Paragraph wurde mit 178 Ja-Stimmen, 80 Nein-Stimmen und 7 Enthaltungen angenommen. Eine einzige Stimme mehr, als das Zwei-Drittel-Quorum verlangte“.
      Daher finde ich es „unterirdisch“ von einigen Übergescheiten im Forum, den auf der Grundlage der apostolischen Herkunft von 26 der 27 Schriften des NT argumentierenden Papst Emeritus Benedikt XVI. aus der Anonymität heraus dem neomodernistischen Lager zuzuordnen und Schuldzuweisungen in seine Richtung auszutauschen – ohne genaue Kenntnisse seiner Beteiligung an der Endredaktion, über die abgestimmt wurde und ohne seine Chancenlosigkeit zu berücksichtigen, sich gegen die fragwürdigen Anwürfe zu wehren.

  13. In Wirklichkeit gibt es zwei Schlussreden des Papstes: eine, die er wirklich gehalten hat, die aber nicht veröffentlicht wurde; und eine andere, die er nicht gehalten hat, die aber veröffentlicht und weltweit promotet wurde – sie ist oben im Artikel wiedergegeben. Angeblich stimmen die beiden Reden In den ersten drei Absätzen überein, danach sind sie völlig verschieden.
    Das jedenfalls entnehme ich einem Video von William Tapley. Tapley selbst stützt sich auf andere Informationen, denen ich nicht nachgegangen bin.
    „Vatican Deception: Where is Pope’s Speech?“
    https://youtu.be/6zSJ9iM7GMs

    • Die Originalrede des Papstes, in der er zum Beispiel die Traditionalisten namentlich angriff, ist der Schlussskandal dieser Skandalsynode. Vielleicht sollte die Redaktion diese Version besorgen und veröffentlichen. Darin kommt die wahre Gesinnung des Papstes zum Vorschein, die er sonst so gern hinter Zweideutigkeiten verschleiert. Darum auch wurde sie nicht veröffentlicht bzw. wieder zurückgezogen, da wo sie doch veröffentlicht wurde, wie auf der Website einer US-Diözese.

  14. Hier ist die Schlussrede von Papst Franziskus, wie veröffentlicht auf der Website der katholischen Diözese von Raleigh (North Carolina, USA), aber auch (was William Tapley entgangen ist) bei Radio Vatican. Diese tatsächlich gehaltene Rede sei hier wiedergegeben für den Fall, dass sie von den vorerwähnten Netzseiten weggenommen werden sollte:
    .
    Pope Francis speech at the conclusion of the Synod

    (Vatican Radio) At the conclusion of the Extraordinary Synod on the Family, Pope Francis addressed the assembled Fathers, thanking them for their efforts and encouraging them to continue to journey.

    Below, please find Vatican Radio’s provisional translation of Pope Francis‘ address to the Synod Fathers:

    Dear Eminences, Beatitudes, Excellencies, Brothers and Sisters,

    With a heart full of appreciation and gratitude I want to thank, along with you, the Lord who has accompanied and guided us in the past days, with the light of the Holy Spirit.

    From the heart I thank Cardinal Lorenzo Baldisseri, Secretary General of the Synod, Bishop Fabio Fabene, under-secretary, and with them I thank the Relators, Cardinal Peter Erdo, who has worked so much in these days of family mourning, and the Special Secretary Bishop Bruno Forte, the three President delegates, the transcribers, the consultors, the translators and the unknown workers, all those who have worked with true fidelity and total dedication behind the scenes and without rest. Thank you so much from the heart.

    I thank all of you as well, dear Synod fathers, Fraternal Delegates, Auditors, and Assessors, for your active and fruitful participation. I will keep you in prayer asking the Lord to reward you with the abundance of His gifts of grace!

    I can happily say that – with a spirit of collegiality and of synodality – we have truly lived the experience of “Synod,” a path of solidarity, a “journey together.”

    And it has been “a journey” – and like every journey there were moments of running fast, as if wanting to conquer time and reach the goal as soon as possible; other moments of fatigue, as if wanting to say “enough”; other moments of enthusiasm and ardour. There were moments of profound consolation listening to the testimony of true pastors, who wisely carry in their hearts the joys and the tears of their faithful people. Moments of consolation and grace and comfort hearing the testimonies of the families who have participated in the Synod and have shared with us the beauty and the joy of their married life. A journey where the stronger feel compelled to help the less strong, where the more experienced are led to serve others, even through confrontations. And since it is a journey of human beings, with the consolations there were also moments of desolation, of tensions and temptations, of which a few possibilities could be mentioned:
    .
    Fortsetzung folgt

    • 2. Fortsetzung
      .
      And this is the Church, the vineyard of the Lord, the fertile Mother and the caring Teacher, who is not afraid to roll up her sleeves to pour oil and wine on people’s wound; who doesn’t see humanity as a house of glass to judge or categorize people. This is the Church, One, Holy, Catholic, Apostolic and composed of sinners, needful of God’s mercy. This is the Church, the true bride of Christ, who seeks to be faithful to her spouse and to her doctrine. It is the Church that is not afraid to eat and drink with prostitutes and publicans. The Church that has the doors wide open to receive the needy, the penitent, and not only the just or those who believe they are perfect! The Church that is not ashamed of the fallen brother and pretends not to see him, but on the contrary feels involved and almost obliged to lift him up and to encourage him to take up the journey again and accompany him toward a definitive encounter with her Spouse, in the heavenly Jerusalem.

      The is the Church, our Mother! And when the Church, in the variety of her charisms, expresses herself in communion, she cannot err: it is the beauty and the strength of the sensus fidei, of that supernatural sense of the faith which is bestowed by the Holy Spirit so that, together, we can all enter into the heart of the Gospel and learn to follow Jesus in our life. And this should never be seen as a source of confusion and discord.

      Many commentators, or people who talk, have imagined that they see a disputatious Church where one part is against the other, doubting even the Holy Spirit, the true promoter and guarantor of the unity and harmony of the Church – the Holy Spirit who throughout history has always guided the barque, through her Ministers, even when the sea was rough and choppy, and the ministers unfaithful and sinners.

      And, as I have dared to tell you , [as] I told you from the beginning of the Synod, it was necessary to live through all this with tranquillity, and with interior peace, so that the Synod would take place cum Petro and sub Petro (with Peter and under Peter), and the presence of the Pope is the guarantee of it all.

      We will speak a little bit about the Pope, now, in relation to the Bishops [laughing]. So, the duty of the Pope is that of guaranteeing the unity of the Church; it is that of reminding the faithful of their duty to faithfully follow the Gospel of Christ; it is that of reminding the pastors that their first duty is to nourish the flock – to nourish the flock – that the Lord has entrusted to them, and to seek to welcome – with fatherly care and mercy, and without false fears – the lost sheep. I made a mistake here. I said welcome: [rather] to go out and find them.

    • 3. Fortsetzung
      .
      His duty is to remind everyone that authority in the Church is a service, as Pope Benedict XVI clearly explained, with words I cite verbatim: “The Church is called and commits herself to exercise this kind of authority which is service and exercises it not in her own name, but in the name of Jesus Christ… through the Pastors of the Church, in fact: it is he who guides, protects and corrects them, because he loves them deeply. But the Lord Jesus, the supreme Shepherd of our souls, has willed that the Apostolic College, today the Bishops, in communion with the Successor of Peter… to participate in his mission of taking care of God’s People, of educating them in the faith and of guiding, inspiring and sustaining the Christian community, or, as the Council puts it, ‘to see to it… that each member of the faithful shall be led in the Holy Spirit to the full development of his own vocation in accordance with Gospel preaching, and to sincere and active charity’ and to exercise that liberty with which Christ has set us free (cf. Presbyterorum Ordinis, 6)… and it is through us,” Pope Benedict continues, “that the Lord reaches souls, instructs, guards and guides them. St Augustine, in his Commentary on the Gospel of St John, says: ‘let it therefore be a commitment of love to feed the flock of the Lord’ (cf. 123, 5); this is the supreme rule of conduct for the ministers of God, an unconditional love, like that of the Good Shepherd, full of joy, given to all, attentive to those close to us and solicitous for those who are distant (cf. St Augustine, Discourse 340, 1; Discourse 46, 15), gentle towards the weakest, the little ones, the simple, the sinners, to manifest the infinite mercy of God with the reassuring words of hope (cf. ibid., Epistle, 95, 1).”

      So, the Church is Christ’s – she is His bride – and all the bishops, in communion with the Successor of Peter, have the task and the duty of guarding her and serving her, not as masters but as servants. The Pope, in this context, is not the supreme lord but rather the supreme servant – the “servant of the servants of God”; the guarantor of the obedience and the conformity of the Church to the will of God, to the Gospel of Christ, and to the Tradition of the Church, putting aside every personal whim, despite being – by the will of Christ Himself – the “supreme Pastor and Teacher of all the faithful” (Can. 749) and despite enjoying “supreme, full, immediate, and universal ordinary power in the Church” (cf. Cann. 331-334).

      Dear brothers and sisters, now we still have one year to mature, with true spiritual discernment, the proposed ideas and to find concrete solutions to so many difficulties and innumerable challenges that families must confront; to give answers to the many discouragements that surround and suffocate families.

    • Schluss
      .
      One year to work on the “Synodal Relatio” which is the faithful and clear summary of everything that has been said and discussed in this hall and in the small groups. It is presented to the Episcopal Conferences as “lineamenta” [guidelines].

      May the Lord accompany us, and guide us in this journey for the glory of His Name, with the intercession of the Blessed Virgin Mary and of Saint Joseph. And please, do not forget to pray for me! Thank you!

      [The hymn Te Deum was sung, and Benediction given.]

      Thank you, and rest well, eh?

      Quelle:
      http://dioceseofraleigh.org/content/pope-francis-speech-conclusion-synod

  15. Fortsetzung
    .
    - One, a temptation to hostile inflexibility, that is, wanting to close oneself within the written word, (the letter) and not allowing oneself to be surprised by God, by the God of surprises, (the spirit); within the law, within the certitude of what we know and not of what we still need to learn and to achieve. From the time of Christ, it is the temptation of the zealous, of the scrupulous, of the solicitous and of the so-called – today – “traditionalists” and also of the intellectuals.
    – The temptation to a destructive tendency to goodness [it. buonismo], that in the name of a deceptive mercy binds the wounds without first curing them and treating them; that treats the symptoms and not the causes and the roots. It is the temptation of the “do-gooders,” of the fearful, and also of the so-called “progressives and liberals.”
    – The temptation to transform stones into bread to break the long, heavy, and painful fast (cf. Lk 4:1-4); and also to transform the bread into a stone and cast it against the sinners, the weak, and the sick (cf Jn 8:7), that is, to transform it into unbearable burdens (Lk 11:46).
    – The temptation to come down off the Cross, to please the people, and not stay there, in order to fulfil the will of the Father; to bow down to a worldly spirit instead of purifying it and bending it to the Spirit of God.
    – The temptation to neglect the “depositum fidei” [the deposit of faith], not thinking of themselves as guardians but as owners or masters [of it]; or, on the other hand, the temptation to neglect reality, making use of meticulous language and a language of smoothing to say so many things and to say nothing! They call them “byzantinisms,” I think, these things…
    Dear brothers and sisters, the temptations must not frighten or disconcert us, or even discourage us, because no disciple is greater than his master; so if Jesus Himself was tempted – and even called Beelzebul (cf. Mt 12:24) – His disciples should not expect better treatment.
    Personally I would be very worried and saddened if it were not for these temptations and these animated discussions; this movement of the spirits, as St Ignatius called it (Spiritual Exercises, 6), if all were in a state of agreement, or silent in a false and quietist peace. Instead, I have seen and I have heard – with joy and appreciation – speeches and interventions full of faith, of pastoral and doctrinal zeal, of wisdom, of frankness and of courage: and of parresia. And I have felt that what was set before our eyes was the good of the Church, of families, and the “supreme law,” the “good of souls” (cf. Can. 1752). And this always – we have said it here, in the Hall – without ever putting into question the fundamental truths of the Sacrament of marriage: the indissolubility, the unity, the faithfulness, the fruitfulness, that openness to life (cf. Cann. 1055, 1056; and Gaudium et spes, 48).
    .
    Schluss folgt

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