Andrea Tornielli, der Erfolgs-Vatikanist – Der Wandel vom Ratzingerianer zum Bergoglianer

Andrea Tornielli (Im Hintergrund sein Buch über Pius XII.)
Andrea Tornielli (Im Hintergrund sein Buch über Pius XII.)

(Rom) Der katholische Publizist Francesco Agnoli von Libertà e Persona (Freiheit und Person) befaßt sich in einem Artikel mit dem Kollegen und Vatikanisten Andrea Tornielli. Tornielli, bis vor kurzem „Ratzingerianer“ wird über Nacht zum „Kasperianer“. Mehr noch, er wird zum persönlichen Vertrauten von Papst Franziskus, der häufiger Gast in Santa Marta ist. Derzeit besonders intensiv, um unabhängig von den offiziellen Vatikanmedien für die „richtige“ mediale Begleitmusik zur Bischofssynode zu sorgen. Seit dem Herbst 2013 wird Tornielli unter Kollegen als „Haus- und Hofvatikanist“ des Papstes bezeichnet.

Agnoli thematisiert einen Wandel, der in seiner Nahtlosigkeit nicht leicht nachvollziehbar scheint. Eine Wandlung, die von mehreren katholischen Medienvertretern in einem mehr oder weniger fliegenden Wechsel vollzogen wurde.

Tornielli und der überlieferte Ritus

Zu ergänzen wäre, was Agnoli nicht erwähnt: Tornielli hielt sich lange vom überlieferten Ritus fern. Das Thema mied er, war er doch in einer Zeit kirchlich sozialisiert worden, in der die überlieferte Form des Römischen Ritus als „verboten“ galt und mit der Piusbruderschaft in Verbindung gebracht wurde, die als „Sekte“ diskreditiert wurde. In papsttreuen, konservativen Kreisen spielte das Thema unter Johannes Paul II. schlichtweg keine Rolle. Vor allem wollte man sich gegenüber progressiven Kreisen nicht noch mehr angreifbar machen, galt man doch schon so als „rückwärtsgewandt“ und „unmöglich“.

2001 zensurierte Tornielli daher auch lieber gleich den Papst, als Johannes Paul II. im September 2000 in seiner Botschaft an die Vollversammlung der Gottesdienstkongregation die „wunderschönen Gebete“ des Missale von Pius V. lobte.

Unter Benedikt XVI. dauerte diese „Zurückhaltung“ trotz Motu proprio Summorum Pontificum an, so daß es Vorwürfe von Lesern gab.  Etwas verspätet öffnete sich Tornielli dann doch der „außerordentlichen Form“. Ein persönliches Nähverhältnis wurde nicht daraus, aber eine Verteidigung des überlieferten Ritus. Tornielli tat damit, was selbstverständlich hätte sein sollen, jahrzehntelang aber nicht geschehen war.

Im April 2011 verweigerte die Diözese Treviso einer Pfarrgemeinde die Bitte, die Sonntagsmesse im überlieferten Ritus zelebrieren zu dürfen. Dies hatte sich der Ortspfarrer zu seinem 60. Priesterjubiläum und zum 40. Jubiläum als Pfarrer des Ortes gewünscht und er wurde darin vom Pfarrgemeinderat und den Gläubigen unterstützt. Tornielli schrieb zum Verhalten der Diözese: „Was geschieht, ist wirklich schwerwiegend, wenn sich einerseits Priester über die Autorität des Papstes erheben und gleichzeitig gläubige Laien nicht einmal einer Antwort würdigen, nur weil diese sich ’schuldig‘ gemacht haben, im Einklang mit den kirchlichen Vorschriften eine Heilige Messe im alten Ritus feiern zu wollen.“

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Andrea Tornielli, der Erfolgs-Vatikanist – Von Pius XII. zu Kasper

Tornielli im Flugzeug des Papstes
Tornielli im Flugzeug des Papstes

von Francesco Agnoli

„Vor wenigen Jahren dachte er nicht so…“, sagt mir einer jener Monsignori, die Andrea Tornielli, heute Koordinator von Vatican Insider, zur Zeit von Benedikt XVI. anrief, um mit ihnen zu plaudern…

Nein, damals war er nicht so. Gestern war der Vatikanist Tornielli ein eiserner Ratzingerianer, heute ist er ein bißchen die Diamantenspitze des Kasper-Lagers, das eine doktrinelle Änderung will. Kardinl Carlo Maria Martini SJ, damit wir uns verstehen, ist zum „Prophet“ geworden, und Kasper ist sein Nachfolger.

Mit großer Verbissenheit teilt er virtuelle Hiebe gegen die Kardinäle aus, die sich im zurückliegenden Jahr bemüht haben, die Argumente für ihre Position zur Ehe in Büchern darzulegen.

Tornielli war früher nicht unparteiisch und ist es auch heute nicht. Die Rolle des neutralen Chronisten ist ihm zu eng. Er zog es immer vor, sie mit jener des Kolumnisten zu mischen. Daran ist nichts Schlimmes, ganz im Gegenteil. Das setzt aber auch gewissen Überlegungen aus. Wer Kolumnist ist, endet zwangsläufig im „Krieg“ der Meinungen. Vor allem, wenn er mächtige Kanonen zur Verfügung hat, mit denen er abfeuern kann. Wenn er sich dann mit großem Eifer eine Minderheitenmeinung innerhalb der Kirche zu eigen macht, die aber Mehrheitsmeinung in der Welt ist, gerät er unweigerlich in Konflikt mit jenen, die weder verstehen, warum die Kirche zu grundlegenden Prinzipien, die sie immer bekannt hat, Meinung ändern sollte, noch warum Tornielli selbst – laut manchen – so stolz und schnell das „Ufer“ gewechselt hat.

Wiederverheiratete Geschiedene

Vor nicht langer Zeit, als Benedikt XVI. noch regierte, schrieb Tornielli zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene:

„Manchmal riskiert man Verallgemeinerungen wie jene, zu denken, daß die Geschiedenen als solche von der Kommunion ausgeschlossen seien. Das stimmt nicht. Das sind nur jene Geschiedenen, die nachdem sie in der Kirche geheiratet haben, nach ihrer Trennung standesamtlich erneut geheiratet haben oder fest mit einem neuen Partner oder einer neuen Partnerin zusammenleben. Obwohl der Ausschluß in die früheste Zeit zurückreicht, ließ die Glaubenskongregation noch in den frühen 70er Jahren die probata praxis in foro interno zu, das heißt die Zulassung zu den Sakramenten aufgrund einer Gewissensentscheidung, die vom Beichtvater gebilligt wurde. Die derzeitigen rigorosen Regeln gehen auf das Apostolische Schreiben Familiaris Consortio von Johannes Paul II. (1981) zurück und wurden von Benedikt XVI. in Sacramentum Caritatis (2007) bekräftigt. Papst Ratzinger, der mehr als einmal Aufmerksamkeit für das Problem zeigte, bezeichnete, indem er Hinweise der Bischofssynode aufgriff, jene „schmerzliche Situationen“, in denen „sich nicht wenige Gläubige befinden, die das Sakrament der Ehe geschlossen haben, sich scheiden haben lassen und eine neue Verbindung eingegangen sind‘, ein ‚dorniges und komplexes‘ pastorales Problem, ‚eine wirkliche Plage im heutigen sozialen Kontext, die in wachsendem Maß sogar die katholischen Kreise befällt‘. Er bekräftigt aber die Praxis der Kirche, ‚gegründet auf der Heiligen Schrift‘, die wiederverheirateten Geschiedenen nicht zu den Sakramenten zuzulassen. Ratzinger lädt dennoch die wiederverheirateten Geschiedenen ein, ‚trotz ihrer Situation‘, der Kirche zu folgen, ‚die sie mit besonderer Aufmerksamkeit begleitet im Wunsch, daß sie, soweit möglich, einen christlichen Lebensstil durch die Teilnahme‘ an der Heiligen Messe, ‚pflegen‘.“

Das Thema war für Tornielli tatsächlich dornig: Sein Arbeitgeber war Berlusconi, der darum ersucht hatte, die Kommunion empfangen zu dürfen, obwohl er wiederverheiratet war. Der damalige Papst, auf den ein Vatikanist natürlich nicht ohne Sympathie schauen kann, sah das aber anders. Es galt sich also aus dem Interessenskonflikt zwischen Berlusconi und Benedikt XVI. herauszuwinden und Tornielli wußte es zu tun.

In der katholischen Monatszeitschrift Il Timone vom Februar 2012 redete Tornielli in einem Artikel hingegen Klartext über die „Rebellen“ gegen Benedikt XVI.: „Durch die Kirchen Nord- und Mitteleuropas blasen Winde der Rebellion. Manche sprechen von einem ‚stillschweigenden Schisma‘, andere versuchen abzuwiegeln. Mit Sicherheit handelt es sich um ein besorgniserregendes Phänomen, das Länder von alter katholischer Tradition betrifft, wie Österreich oder Belgien.“

Er schrieb sogar, hört, hört: „In Belgien zum Beispiel fordern mehr als 200 Priester, unterstützt von Tausenden Gläubigen, schriftlich die Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion, die Priesterweihe für verheiratete Männer und auch für Frauen, ja sogar die Möglichkeit für Laien, während der Sonntagsmesse predigen zu können…“

Was ist geschehen, wenn er gestern so dachte und heute das Gegenteil denkt?

Der Beginn einer Karriere

Es wird gut sein, etwas zurückzublenden in die Zeit, als Tornielli Mitarbeiter der Monatszeitschrift 30Giorni von Comunione e Liberazione (CL) war. CL galt damals als „die Rechte“ in der Kirche und Tornielli stand fest verankert „rechts“ und damit ein bißchen in einer Ecke.

In der Ausgabe von Juni 1992 findet man ein Dossier von ihm zur Liturgie. Die Schlagzeile auf der Titelseite lautete: „Die Freimaurerei und die Umsetzung der Liturgiereform“. Der Titel auf der Innenseite lautete: „Das gewollte Babel“. Im Artikel kam Tornielli auch auf die angebliche Logenmitgliedschaft von Msgr. Annibale Bugnini zu sprechen und erinnerte daran, daß dessen Versetzung in den Iran eine Strafe für den freimaurerischen Umgang des Haupturhebers der Liturgiereform war. Teil des Dossiers war zudem ein langer Artikel des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger mit dem Titel: „Eine zur Show entartete Messe“.

Wie man sieht: sehr starke Worte und Vorstellungen. Tornielli vertrat sie jahrelang. Nicht von ungefähr betrachtete ihn die Priesterbruderschaft St. Pius X. als „befreundeten“ Journalisten. Heute scheint es, daß sich die Ideen des illustren Vatikanisten geändert haben oder zumindest sehr viel zurückhaltender geworden sind.

Die Tageszeitung von Silvio Berlusconi

Während sich Tornielli bei 30Giorni und der CL-Wochenzeitung Sabato (Samstag) die Sporen verdiente, gelangte er nach einer Zusammenarbeit mit der von Giuliano Ferrara geleiteten Tageszeitung Il Foglio, bei der Tageszeitung Il Giornale aus dem Haus Berlusconi. Dort bleibt er 15 Jahre und schrieb, was ein Vatikanist des Giornale eben schreibt: weder der übliche Jubel für pauperistische noch linkslastige Kirchenvertreter.

An der Seite Berlusconis zu stehen und den „rechten“ Vatikanisten zu machen, ging gut in der Zeit der „nicht verhandelbaren Grundsätze“, des Gesetzes 40/2004 mit seiner Einschränkung der künstlichen Befruchtung und der Ära Ruini als Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz.

So kommen die Jahre von Papst Benedikt XVI. Tornielli kann im Vatikan auf eine wachsende Zahl von Informanten zählen, die ihm vertrauen. Seine Interviews privilegieren nicht die üblichen Bekannten, die Martinianer oder die Progressisten, sondern die Konservativen, die Traditionalisten, die Ratzingerianer. Tornielli gelingen nun auch „Knüller“, die zweifelsohne mit seinen guten Kontakten im Vatikan zusammenhängen.

Unter Benedikt XVI. tritt Tornielli Schritt für Schritt aus dem rechten Ghetto heraus und wird ein anerkannter Vatikanist und schreibt, zusammen mit Paolo Rodari, damals Vatikanist von Il Foglio, der dann mit einem doppelten Salto Mortale bei La Repubblica landen sollte, ein apologetisches und mutiges Buch: „Angriff gegen Ratzinger. Vorwürfe und Skandale, Prophezeiungen und Komplotte gegen Benedikt XVI.“ Ein Buch, das ins Englische und Französische übersetzt wird.

Benedikt galt Tornielli damals als Lichtgestalt. Heute scheint er es für dringend geboten zu halten, die klare Richtung, die Benedikt auf ethischem Feld vorgab, so schnell als möglich umzustoßen.

Il Timone und La Bussola

Es sind die Jahre, die Jahre des Pontifikats von Benedikt XVI., in denen sich Tornielli als leidenschaftlichen Apologeten entdeckt. Die Apologetik sieht ihn in der ersten Reihe, vor allem in der Verteidigung eines „vorkonziliaren“ Papstes wie Pius XII. Tornielli schreibt beachtenswerte Bücher zu historischen Themen und die Zahl seiner Anhänger wächst. Es sind die Jahre, in denen er mit der Monatszeitschrift Il Timone zusammenarbeitet, das nicht gerade als Blatt der Kasperianer oder Progressisten bezeichnet werden kann. Es ist die Zeitschrift, die in diesen Tagen in Rom eine öffentliche Konferenz zur Bischofssynode mit den Kardinälen Burke und Caffarra organisierte.

Tornielli wird so gut wie überallhin eingeladen, seine Bücher vorzustellen. Kaum oder gar nicht von links. Einer, der für die Tageszeitung von Berlusconi schreibt und Pius XII. verteidigt, der ist in bestimmten Kreisen, auch bestimmten innerkirchlichen Kreisen, nicht gern gesehen.

Aus dem Umfeld von Il Timone entsteht als neues Medienprojekt die Internetzeitung Bussola Quotidiana und Tornielli wird ihr erster Direktor. Chefredakteur wird Riccardo Cascioli, zu den Mitarbeitern gehören der Publizist Vittorio Messori, Erzbischof Luigi Negri, der Rechtsphilosoph Mario Palmaro.

Heute scheint er sich nicht gerne daran zu erinnern an die vielen Interviews mit den Nicht-Kasperianern unter den Kardinälen, die von dieser Internetzeitung veröffentlicht wurden. Heute heißt sie Nuova Bussola Quotidiana, hat aber dieselben Mitarbeiter und dasselbe Ideal. Nicht mehr dabei ist Andrea Tornielli.

Das war auch die Zeit der großen, aber flüchtigen Freundschaft zwischen Tornielli und Vittorio Messori, Prototyp des angeblich „rückwärtsgewandten“ Katholiken, des apologetischen Journalisten, der dem von so vielen gehaßten Glaubenspräfekten Ratzinger, dem „deutschen Panzer“ ein vielbeachtetes Buch gewidmet hatte [Zur Lage des Glaubens, 1985]. Tornielli und Messori treten fast nur mehr im Duett auf und schreiben schließlich zusammen ein Gesprächsbuch.

Messori war damals ein von Benedikt XVI. geschätzter Mann, dem auch zahlreiche führende Prälaten mit Wohlwollen begegneten.

Heute ist Messori völlig draußen, sowohl aus den kirchlichen Kreisen, wie auch aus den Tornielli-Interviews. Der einzige Hinweis, den man bei Tornielli noch findet, ist eine Kritik an Gedanken Messoris, die dieser Ende 2014 auf Nuova Bussola Quotidiana veröffentlichte.

Tornielli „verliert“ auf seinem Weg viele Freunde. Als er gerade bei Vatican Insider begann, das war noch mitten im Pontifikat von Benedikt XVI., interviewt er den Liturgiker und Ratzingerianer, Msgr. Nicola Bux (was noch mehrfach der Fall sein sollte), um den heutigen Kardinal Müller gegen traditionalistische Kritik zu verteidigen. Sowohl Müller als auch Bux sind längst aus den Seiten von Vatican Insider verschwunden. Ersetzt wurden sie durch Walter Kasper, den Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio Andrea Riccardi und den Nicht-Mönch-Mönch Enzo Bianchi …
In der Politik gerät Berlusconi in die Krise. Er wird jeden Tag von neuen Schlagzeilen eingeholt und von Sex-Skandalen regelrecht überschüttet. Diese mögen noch so sehr von seinen Gegnern instrumentalisiert worden sein, doch sie waren da. Und der Vatikanist des Giornale bot alles auf, um seinen Herausgeber und Arbeitgeber zu verteidigen. Vor allem, indem er jenen Kirchenvertretern Raum bot, die der Linken am entschiedensten entgegenstanden, und ihre (teils durchaus berechtigten) Zweifel an dem äußern ließ, was sich abspielte.

Dann wechselten die Zeitungseigentümer und die Päpste

Dann wechselten die Zeitungseigentümer (Tornielli wechselt zur Tageszeitung La Stampa aus dem Haus Agnelli-Elkann, Fiat Chrysler Automobiles) und die Päpste und auch die Ideen und die Kreise, in denen man verkehrt, können sich, sagen wir es einmal so, erneuern …

Tornielli wechselt im März 2011 von Il Giornale zu La Stampa. Am 19. Januar interviewt er Vittorio Messori für Il Giornale in einem Artikel, der letztlich der Verteidigung Berlusconis dient. Torniellis Fragen lauten beispielsweise: „Manche sagen: Besser ein im Privatleben ungeordneter Politiker, der aber gute Gesetze macht, als ein privat tadelloser Politiker, der Gesetze gegen die ‚nicht verhandelbaren Werte‘ macht. Was denken Sie darüber?“ Messori wurde offensichtlich ausgewählt, um die erhofften Antworten zu erhalten.

Am 20. Februar, nur einen Monat nach dem Messori-Interview, dem noch ein weiteres gefolgt war, hatte sich Torniellis Haltung zu den Skandalen seines nunmehr ehemaligen Arbeitsgebers grundlegend geändert. Das wurde bei den damals noch gewohnten Interviews von Tornielli mit Messori für die Internetzeitung Bussola Quotidiana deutlich.

Messori sagte damals dieselben Dinge, die er wenige Tage zuvor auch in seinem Giornale-Interview gesagt hatte. Die Fragen und Feststellungen Torniellis hingegen waren nun viel härter: „Findest Du es nicht etwas peinlich, daß es Katholiken gibt, die bereit sind, den Cavaliere [Berlusconi] immer und in jedem Fall zu rechtfertigen? Diese Situation schadet Italien objektiv auf internationaler Ebene. Ich halte das, was zum Vorschein gekommen ist, für traurig und trostlos ohne Ende …“

Bis wenige Tage zuvor hatte Tornielli selbst noch zu den Rechtfertigern gehört, und wie!

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Libertà e Persona/Twitter (Screenshot)

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10 Comments

  1. Es ist gut, wenn auch Dinge wie um den Vatikanisten Andrea Tornelli angesprochen werden. Es gibt immer wieder Menschen die bei gewissen Umständen ihre Meinungen wechseln, wie andere ihre Hemden. Tornelli scheint so ein Mensch zu sein. Zur Zeit Benedikt XVI.war er ein Verteidiger
    des Papstes mit seinen Schreiben und Büchern. Auf einmal entpuppt er sich als Kasperianer und
    Vertrauter Franziskus. Was soll man dazu sagen, dass ein Mann praktisch seine Seele verkauft,
    um auf den neuen Zug aufzuspringen. Dass das unlauter ist, kommt ihm bestimmt nicht in den
    Sinn. Ähnlich geht es so manchen Purpurträgern, die schnell ihre Ansichten und Meinungen in
    den Wind hängen und sich so Vorteile erhoffen.

    • die Kardinäle Marx und Schönborn sind auch solche Wendehälse, die galten unterm letzten Pontifikat noch als konservativ (i.S.v. neo-con natürlich, nicht tradi)

      sogar die deutsche Presse hielt Marx mal für konservativ, als er damals als Bischof von Trier den Herrn Hasenhüttl suspendierte, aber okay, tempora mutantur und pecunia non olet, wenn mich meine letzten Lateinerinnerungen nicht täuschen 😀

  2. Sieh mal an:
    Da schreibt Andrea Tornielli tatsächlich über die belgische Protestaktion mit „200 Priestern und tausenden Gläubigen…“:
    die Aktion „Gelovigen nehmen het woord“ („Gläubigen nehmen das Wort“) in 2009 hatte nach meinem Kenntnisstand nur etwas mehr als tausend Unterschriften, mit sehr wenig Schwestern und Nonnen, hauptsächlich mittelalte Priester und sehr viel Religionslehrer und-Lehrerinnen.
    Nachdem zum ersten Mal in Flandern nennenswerter Widerstand von treuen Katholiken auftrat, sackte die Aktion der Modernisten wie ein schlechter Pudding ineinander.
    Die Unterschriftenliste stand erst breit öffentlich im Netz und wurde dann plötzlich stillgelegt- zu spät, läßt sie sich noch immer bei den „Katholieke Kruistochten“ durchlesen.
    Nicht wenige der Subskribenten wurden hinterher als Sexmaniakken entmaskert und gestraft.
    Die meisten bereuen inzwischen sehr unterschrieben zu haben (wahrscheinlich weniger aus contristio gegen den Glaubensabfall als wohl aus Angst vor der Tradition in Flandern).
    Karrieristen hat es schon immer gegeben; sehr erhebend ist es nicht.

  3. Mit Andrea Tornielli war ich über 20 Jahren befreundet. Kennengelernt haben wir uns beim Prozess gegen den slowakischen Bischof Pavel Hnilica, der zu Unrecht in die Finanzaffäre um die Vatikanbank hineingezogen worden war. Wir haben zusammen kritische Artikel publiziert, über Missstände in der vatikanischen Kurie. Sein Artikel über einen hochrangigen Vatikanmitarbeiter, der in der Schweiz an der Publikation eines Hefts über Sado-Maso-Praktiken für Homosexuelle beteiligt war, in der Zeitschrift EPOCA, hat im Vatikan und in Italien heftige Reaktionen hervorgerufen und mir als recherchierender Journalist eine bedingte Gefängnisstrafe eingebracht.
    Dann kam jener Erfolg, der in Ihrem Artikel beschrieben wurde. Mir ist es schleierhaft, weshalb Tornielli den jetzigen Weg beschritten hat. Ich betrachte ihn immer noch als herausragenden Schreiberling, aber leider auf der falschen Seite.

  4. Ist der Vatikan noch Katholisch?

    Der freimaurerische Plan zur Zerstörung der katholischen Kirche

    Richtlinien vom Großmeister der Freimaurer an die katholischen Freimaurer-Bischöfe. – Effektive März 1962 – (the Aggiornomento of Vatican II) – Alle Freimaurerbrüder sollen über den Fortschritt dieser entscheidenden Anweisungen berichten. – Überarbeitet im Oktober 1993 als fortschreitender Plan für das Endstadium. – Alle Freimaurer, die in der Kirche arbeiten, müssen Folgendes in die Hand nehmen und durchsetzen

    Wie viele Kardinäle müssten als Freimaurer sofort Exkommuniziert werden?

    http://kath-zdw.ch/maria/schattenmacht/freima.kirche.html

    • Ich bin etwas skeptisch wenn behauptet wird, dass der Vatikan von Freimaurern unterwandert ist. In langen Gesprächen mit Kardinal Edouard Gagnon erfuhr ich, dass es im Vatikan tatsächlich Freimaurer gibt. Seiner Erfahrung nach, waren diese damals in den mittleren Rängen der Kurie zu finden. In jenen Jahren hatte Papst Johannes Paul II. diesen Kardinal beauftragt das Thema zu analysieren. Die Freimaurerei ist wirklich eine Seuche. Sie aber für all die Fehler unserer Kirchenleitung verantwortlich zu machen, erscheint mir falsch zu sein. Der Teufel bedient sich mehr der Machtgelüste und auch der sexuellen Schwächen der Kirchendiener, um die heutige Situation zu erreichen.

      • Aber würden das die Hohen Ränge auch zugeben?

        Doch viele der Ergebnisse passen mit den Richtlinien der obersten Freimaurern zusammen!

        Natürlich ist das ein Minenfeld, doch…

        An ihren Taten sollt ihr sie erkennen! (1. Johannes 2,1-6)

      • Es ist doch offensichtlich, dass wir den heutigen Zustand der Kirche einer sorgfältigen maurerischen Arbeit zu verdanken haben: Natürlich ist diese erst abgeschlossen, wenn das Blut Christi nicht mehr auf den Altären fließen wird. Es wird nicht mehr lange dauern, bis es soweit ist!

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