Tagespost: „Parallelsynode“ des Papstes in Santa Marta – Kritiker strukturell im Nachteil

Der Geist der Synode
Der Geist der Synode. Offizielles Logo zum 50-Jahrfeier der Bischofssynoden am 17. Oktober 2015

(Rom) Der Vatikanist der deutschen Tagespost, Guido Horst, bietet in seinem Artikel „Keine vollkommene Klarheit“1 einen kleinen Einblick, wie Papst Franziskus die Synode erlebt. Horst schreibt sogar über eine „Parallelsynode“, die in Santa Marta stattfinde, und daß der Hauptakteur dieser Synode hinter der Synode der Papst selbst sei.

Gleichzeitig erweisen sich mehrere Kardinäle und Bischöfe als unerwartet tapfere und hartnäckige Verteidiger der katholischen Glaubens- und Morallehre. Sie wachsen dabei in eine neue, für sie ganz ungewohnte Rolle hinein.

Die Analyse von Guido Horst in der Tagespost

Wörtlich schreibt Horst: „Wer was sagt, wie sehr die Fronten gegeneinanderprallen – und dass es diese gibt, hat bisher niemand in Frage gestellt –, was in der Synodenaula inhaltlich geschieht, das alles wird nicht öffentlich.“

Und weiter: „Erst in den kommenden Tagen wird sich herausstellen, wie viele Synodenväter sich welche Änderungen der kirchlichen Praxis wünschen. Wie Kardinal Luis Antonio Tagle aus Manila, der einer der vier delegierten Präsidenten der Synode ist, vergangene Woche vor den Journalisten sagte, seien an die dreihundert Bischöfe nicht deswegen zusammengekommen, um gar nichts zu beschließen.“

Dann wird Horst deutlicher: „Die Unsicherheit über den Ausgang der dreiwöchigen Beratungen wird dadurch erhöht, dass im vatikanischen Gästehaus Santa Marta eine Art ‚Parallel-Synode‘ stattfindet: Papst Franziskus empfängt Synodenteilnehmer und auswärtige Besucher zu Einzelgesprächen. Dem Papst kommt es am Ende zu, offene Fragen zu entscheiden und in einem abschließenden Text der gesamten Kirche mitzuteilen. Das allerdings ist das bisher größte Rätsel, das über der ganzen Synode liegt.“

Papst als Hauptakteur und Regisseur der „neuen Barmherzigkeit“

Papst Franziskus in Santa Marta
Papst Franziskus in Santa Marta

Horst sieht den Papst selbst als Hauptakteur und Regisseur einer Synode, mit der er offensichtlich ein bestimmtes Ziel verfolgt, das über das hinausgeht, was in offiziellen Erklärung gesagt wird. Damit befinden sich die Verteidiger der katholischen Glaubens- und Morallehre in einer undankbaren Position. Sie sind strukturell im Nachteil, weil sie – im Gegensatz zum Papst – keinen Einfluß auf die Spielregeln haben. Jene Spielregeln, worauf auch Horst hinweist, die Papst Franziskus ohne zu Zögern wie schon 2014 bereit ist mitten in der Synode zu ändern. Im Alleingang.

Was den beschwerdeführenden Kardinälen unter den Synodenvätern sauer aufstößt und ihnen gleichzeitig erhebliches Kopfzerbrechen macht, ist die Insistenz, mit der Papst Franziskus die Kirche auf einen anderen Kurs umlenken will. Wiederum befinden sie sich in der Defensive, denn offen auszusprechen, daß man weniger den beschworenen Heiligen Geist am Werk sieht, sondern vielmehr handfeste Intrigen, würde offene Kritik am Papst verlangen. Das aber gilt unter Kardinälen als faktisches Tabu.

Mutiges Handeln der Verteidiger der katholischen Glaubens- und Morallehre

Die Kardinäle müßten sich gegen ihre eigenen Bauchschmerzen zu einer solchen Kritik aufraffen, die ihnen zudem, selbst von wohlwollenden Kirchenkreisen als Majestätsbeleidigung und unstatthafte Nestbeschmutzung angekreidet würde.

Da Papst Franziskus offiziell Neutralität mimt und mit unterirdischen Weichenstellungen vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen, ist die eigentliche und ganze Tragweite nur für aufmerksame Beobachter offenkundig. Wer tut, aber gleichzeitig behauptet, nicht zu tun, was er tut, hat die bequeme, wenn auch wenig redliche Möglichkeit, jede berechtigte Kritik als Unterstellung von sich zu weisen und dies sogar noch höchst empört.

Kardinal Kasper spielt bei dieser Synode längst nicht mehr jene Rolle, die er vor allem am Beginn der „neuen Barmherzigkeit“ spielte. Seine Rolle war es, den Anstoß zu geben. Doch die Möglichkeit und den Auftrag dazu, kam von Papst Franziskus. Beleg dafür, daß die Bezeichnung „Kasperianer“ nur eine Notlösung war, um nicht „Bergoglianer“ sagen zu müssen und sich damit nicht ständigen, ermüdenden Erklärungszwang aufzulasten.

Angesichts dieser schwierigen Lage verhalten sich zahlreiche Kardinäle und Bischöfe, mehr als erwartet, geradezu heroisch und unerschrocken. Dies um so mehr, da die ihnen zufallende Rolle völlig neu und bis zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. geradezu undenkbar schien. Sich plötzlich in der Position des Papst-Kritikers wiederzufinden, einer Rolle, die durch Jahrzehnte randständige Gestalten wie Hans Küng, Eugen Drewermann und Leonardo Boff eingenommen hatten, verlangt schon etwas ab gerade von Kardinälen und Bischöfen der westlichen Hemisphäre, die ziemlich konfliktscheu sind.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshot)

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  1. Onlineausgabe 12.10.2015, gedruckte Ausgabe 13.10.2015 []

5 Comments

  1. Den Betern kann es immer noch gelingen, das Schlimmste, die offizielle Implementierung der Häresien, abzuwenden.
    Ist Maria nicht unsere Mutter? Befinden wir uns nicht im Rosenkranzmonat Oktober? Mit dem Rosenkranz in der Hand ist es noch möglich, dem Guten zum Sieg zu verhelfen.
    Und so viele Menschen beten weltweit für einen guten Ausgang der Synode im Sinne der Bewahrung der Lehren. Wenn man sich vertrauensvoll an Maria, die Siegerin über alle Irrlehren, wendet, wird das jetzt unmöglich Erscheinende auch eintreten: 100%.

  2. Ich glaube nicht, dass die Initiative von Bergoglio selbst ausgeht, sondern von denen, die hinter ihm stehen und die seine Wahl vorbereitet haben. Er ist auch nur ein Teamplayer. Dafür spricht der Umstand, dass er auch Leute von außen konsultiert. Außerdem ist er wirklich nicht intelligent genug dazu, sondern braucht das jesuitische Schattenkabinett.

    Wer macht es eigentlich? Wieder die Freimaurer? Schwer zu sagen, weil ich an die Allgegenwart und Übereffizienz der Freimaurer nicht glaube. Keine Organisation kann 100 % ihre Pläne umsetzen, auch die Freimaurer nicht, denn es sind Menschen.

    Dennoch scheint sich im Hintergrund sehr viel seit Jahrzehnten abzuspielne. Das Vaticanum II wurde ja auch länger vorbereitet und gut bzw. sehr effizient destruktiv umgesetzt. Zuerst Kard. Bea, das Bea-Brevier, danach die Reformen des Pius XII, Reformen der Karwoche etc.etc. Es war wie ein Virus, der zum gegebenen Zeitpunkt zum Ausbruch der Krankheit führte.

    Alles scheint seit 1958 zu dieser Synode geführt zu haben.

    1. Johannes XXIII und dier Eröffnung des Konzils.
    2. Paul VI, das Konzil, seine Umsetzung, die Neue Messe, Kurienreform.
    3. Johannes Paul II, da JP I nach gerade 33 Tagen verstarb und der vermeintlichen Höhenflug der nachkonziliaren Kirche, welcher ihren Zusammenbruch retouchieren sollte. Verbrüderung mit allen, ständige Entschuldigungen, Koran-Küsserei, Popularität etc. etc.
    4. Benedikt XVI und das ästhetische Rollback vom Rücktritt gekrönt
    5. Franziskus und jeder sieht, was kommt.

    Wahrscheinliches Szenario:

    a) Schisma, wenn nicht jetzt, dann bei der nächsten Synode. Denn Franziskus und seine Hintermänner machen so lange weiter, bis sie das Ziel, d.h. die Kirchenspaltung, erreichen.
    b) „Flüchtlinge“ stürmen Rom, ein neues Sacco di Roma.
    c) Auferstehung und Wiederbesinnung der noch wenigen katholischen Hierarchen.
    d) Eine langsame,stätige Rekatholizisierung Europas und der restlichen Welt, aber dafür muss zuerst die Konzilsgeneration und ihre Schüler aussterben.

    Jemand schreibt hier, dass statt der Geistlichen die Verteidiger der katholischen Lehre jetzt katholische Väter und Mütter sind. Dies stimmt, aber nur deswegen, weil die Geistlichen dermaßen geistlich und intellektuell abgebaut haben. Dies fing aber schon unter Pius XII an, der ja in Rom keinem, außer sich selbst traute.

    Es kommt, was kommen wird. Beten wir den Rosenkranz!

    Ich wünschte es wäre anders und es würde nicht eintreffen, aber Zeichen stehen auf Sturm. Alles Analyse und keine Prophetie.

  3. Was soll man dazu sagen ? In der Tat ist es so, dass Franziskus das macht was die ihn wählen-
    den Kardinäle von ihm verlangen ( Selbstbekenntnis ). Auch darf man Annehmen, dass bei den
    Kardinälen und überhaupt bei der Kurie, Freimaurer die Strippen ziehen. Das wurde im Voraus
    von der Mutter Gottes immer wieder bestätigt. Es kann doch nicht sein, dass kirchliche Autoritä-
    ten das Ehe-Sakrament und was dazu gehört, untergraben und das Sündhafte klein reden. Wo
    sind wir denn, wenn wir durch diese diabolischen Thesen den Glauben schwächen und der welt-
    weiten Gottlosigkeit das Wort reden. Was ist das für ein Glaube der keinerlei Opfer und Ein-
    schränkung abverlangt. In der Tat, der leise Wind, von den Bischofkonferenzen entfacht, ent-
    wickelt sich zu einem Sturm, der nicht nur die Wände der Kirche einreissen kann, sondern
    auch das Fundament zerstört.

  4. Die Synode kann gar nichts Verbindliches beschließen, der Einzige der etwas Verbindliches verordnen kann, ist der Papst, und der tut es sicher.
    Wir hatten das schon einmal beim II. Vatikanum, da ist nach dem Konzil bei der Umsetzung durch Paul VI. der gesamte Widerstand zusammengebrochen, weil außer 3 Bischöfen keiner den Mut hatte, das Übel an der Wurzel zu packen.

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