Käufliche Journalisten manipulieren die öffentliche Meinung

Gekaufte Journalisten
„Gekaufte Journalisten“ von Udo Ulfkotte

Der Titel des Buches „Gekaufte Journalisten“ ist für die Pressevertreter an sich schon eine Provokation, der Autor Udo Ulfkotte als gelernter Journalist gilt als ein Nestbeschmutzer.

Eine Buchbesprechung von Hubert Hecker

Das Buch stand bis vor kurzem ein Dreiviertel Jahr lang auf den vorderen Plätzen der Verkaufslisten des Buchhandels. Dieses außerordentliche Publikumsinteresse bei einem mittelmäßigen Buch zeugt von tiefem Mißtrauen gegenüber der Glaubwürdigkeit von Journalisten. Und tatsächlich bestätigt das Werk, warum bei demoskopischen Befragungen zum Ansehen von Berufen die Presseleute auf den hinteren Plätzen landen. Es ist daher nicht überraschend, daß Vertreter der Journalistenzunft über das Buch hergefallen sind.

Sicherlich spielt für den Verkaufserfolg auch eine Rolle, daß Ulfkotte seine Schrift als Enthüllungsgeschichte/n konzipiert hat – durchaus im Stil des Boulevard-Journalismus’, also mit Skandalisierungen, Übertreibungen und Aufbauschungen. Da diese Methoden auch eine Domäne des Spiegels sind, hat das Hamburger Nachrichtenmagazin allen Grund, gegen den Erfolgsautor einen Mitarbeiter anzusetzen.

Die dreiseitige Spiegelstory von Jan Fleischhauer in der Ausgabe 11/2015 ist mit der hausüblichen Häme und Herablassung geschrieben. Das wird deutlich bei der Inhaltsbeschreibung des Buches, das der Spiegelautor in wenige Zeilen zusammenquetscht: Das „Pressekorps der Qualitätsmedien“ sei „ein korrupter Haufen von Abstaubern, die die Öffentlichkeit belügen“ würden, indem sie ihren „heimlichen Auftraggebern bei CIA und Wallstreet nach dem Munde“ redeten. Mit solchen lächerlichmachenden Sätzen signalisiert der Spiegelschreiber seinen Unwillen, sich ernsthaft mit dem Inhalt des Buches auseinanderzusetzen. Er wendet sich stattdessen cum ira et studio ad personam: Den Buch-Autor stellt er als verrückten und an Verfolgungswahn leidenden Anhänger von Verschwörungstheorien dar.

Auch andere Medienleute haben in ihren Rezensionen wenig Geschmack an der Journalistenkritik von Ulfkotte gefunden. Die meisten halten zwar den einen oder anderen Kritikpunkt für berechtigt, um dann aber seitenlang über die Fehler des Buches herzuziehen. Diese Buchbesprechung geht gerade umgekehrt vor, um nach den Schwächen und Mängeln von Ulfkottes Werk seine inhaltlichen Ausführungen zu würdigen.

Die Mängel des Buches

Einer der wenigen positiven Rezensenten, Albrecht Müller von den ‚Nachdenkseiten’, charakterisiert das Buch als ein „Kompendium von interessanten Informationen zu Kommunikationskampagnen“ herrschender Elitegruppen.
▪ Statt ‚Kompendium’ hat man eher den Eindruck eines Sammelsuriums von wichtigen und unwichtigen Informationen – erst recht bei der Darstellung einzelner (käuflicher) Journalisten: Müssen wir wissen, daß ein Redaktionsleiter der FAZ Alkoholiker war? Oder Ulfkottes „Freund“ Klaus Bering im Flieger volltrunken mehrfach kotzte – „ungeniert vor den Mitreisenden“? Die Stewardessen hätten Bering „wie einen kleinen Scheich“ vom Erbrochenen gereinigt, „denn alle Rechnungen wurden ja vom Sultan vom Oman bezahlt“. In diesem Stil finden sich eine Reihe von Erlebnisgeschichten, die das schlechte Benehmen und die „Raffgier“ von Journalisten bei luxuriösen Einladungsreisen belegen sollen.
▪ Ulfkotte hat eine Tendenz zum Skandalisieren, zweifelhafte journalistische Praktiken werden zu „Überlebensgröße aufgeblasen“ (S. Niggemeyer). Zu dem Abschnitt: „Wie Journalisten ihre Villen in der Toskana bezahlen“ sei aus der längeren Einleitungspassage zitiert – auch um den boulevardesken Stil und die teilweise unsinnigen Folgerungen des Enthüllungsjournalisten zu dokumentieren: „Haben Sie sich auch schon mal darüber gewundert, warum so viele Alpha-Journalisten Häuser in der Toskana oder Spanien haben? Sie ahnen vielleicht, wie man als Journalist seine Seele an den Teufel verkauft, um auf Kosten Dritter in exotische Länder reisen zu können. Die volle Wahrheit kennen Sie aber noch nicht“: Bei Einladungsreisen von reichen Sultanen gibt es bei 5-Sterne-Vollpension vor Ort „Schlemmermenüs bis zum Abwinken“. Zugleich könnten die Journalisten ihre amtlichen Tagessätze für Auslandsreisen beim Finanzamt steuerlich geltend machen. „Für jeden Tag im Oman gab es beispielsweise 2014 immerhin 48 Euro. (…) So lernte ich denn irgendwann, wie die geschicktesten und skrupellosesten Alpha-Journalisten der Leitmedien ganz nebenbei ihre Häuschen in der Toscana finanzierten.“ Manchmal ist es wirklich schwer, nicht Satire zu schreiben: Schreibe, raffe, Spesen klauen, Steuern sparen, Häusle bauen …
▪ Es finden sich vielfach solche aufgebauschten Übertreibungssätze im Bildzeitungsstil wie: „Bild-Journalismus ist Kanonenfutter für die Rendite“ oder: „Während da draußen langsam, aber sicher alles vermodert und zusammenbricht, präsentieren uns ‘Qualitätsmedien’ Tag für Tag mit Durchhalteparolen die Illusion von Stabilität, Wohlstand und finanzieller Sicherheit.“
Oder: Das nachträgliche „Autorisieren“ von Interviews bringt Ulfkotte mit dem nordkoreanischen Staatsfernsehen in Verbindung.
▪ Die vielen Wiederholungen, Nebensächlichkeiten und Längen des Geschichtenerzählers Ulfkotte blähen das Buch auf 300 Seiten auf. Für die wesentlichen Aussagen hätten 150 Seiten allemal gereicht.

Beispiele für „gekaufte Journalisten“

Journalisten haben in den letzten Jahren mehrfach die Luxusreisen von Versicherungskonzernen für Spitzenverkäufer enthüllt. Doch war die Breite der Skandalisierungen angemessen? Schwerer wogen die Lust-Reisen für Betriebsräte des VW-Konzerns. Denn das waren echte Bestechungsversuche, um Betriebsräte zu schmieren – zum Schaden für die VW-Belegschaft. Damit vergleichbar sind die zahlreichen Luxusreisen von Journalisten, die anschließend ein Millionenpublikum von Lesern mit ihren geschönten Berichten im Sinne der Reise-Finanziers belügen. Von diesen Skandalen las man kaum etwas in den Medien, jedenfalls nichts Enthüllendes. Ob das Vertuschen der sonst so skandalisierungsfreudigen Medien etwas damit zu tun hat, daß die Journalisten zum großen Teil bestechlich sind? Dazu später mehr.

Ulfkotte kommt das Verdienst zu, an vielen Beispielen die Käuflichkeit von Journalisten aufgezeigt zu haben – aus eigenen Erfahrungen, aber auch durch Recherche:
▪ In den 80er Jahre ‚kauften’ südafrikanische Bergbau- und Touristik-Unternehmen bei der FAZ geschönte Berichte über das damalige Apartheidsregime, indem sie mehreren FAZ-Journalisten eine Luxusreise nach Südafrika anboten. Die Reporter wurden mit Privatflugzeugen durchs Land geflogen, um in Berichten und Filmen die Zustände im damaligen Rassenstaat aufzuhübschen.
▪ 1996 finanzierte der Shell-Konzern für den FAZ-Reporter Ulfkotte und einen Kollegen von der Süddeutschen Zeitung eine luxuriöse Recherchereise einschließlich eines Hubschraubers in das Ölfördergebiet im Niger-Delta. Anschließend publiziert die FAZ auftragsgemäß den Artikel: „Die Legende von der Umweltkatastrophe am Niger“. Selbstverständlich vertuschte Ulfkotte in seinem Artikel, daß Shell der Auftraggeber, Finanzier und Nutznießer dieses Beitrags war. Das Kölner Landgericht bestätigte später den Vorwurf eines anderen Journalisten, daß Ulfkotte von Shell „geschmiert“ worden sei und seine Zeitung sich für Shell prostituiert habe.
▪ Vom Diktator Quabus aus dem ölreichen Sultanat Oman haben sich Ulfkotte und andere FAZ-Journalisten oft und gerne zu Luxusreisen einladen lassen. Sie wurden vor Ort mit Geschenken wie chauffierter Luxuslimousine oder Tauchkursen überhäuft. Dadurch schlüpften die Reporter in die Rolle von Hofberichterstattern, die die Augen vor den Polizeistaatsmethoden des Diktators verschlossen. Stattdessen erzählten sie Märchen über den brutalen Diktator als „Stimme des Ausgleichs und der Vernunft“.
▪ Ulfkotte betont, daß diese Beispiele für viele andere Länder, Konzerne sowie Journalisten anderer deutscher Leitmedien gelten würden. Die Auftraggeber rechneten so: Der ‚Kauf’ eines redaktionellen Berichtes sei letztlich billiger und glaubwürdiger als Anzeigen in den großen Leitmedien: Im Juli 2012 wurde der FAZ-Reporter Sturbeck mit dem Firmenjet von Thyssen-Krupp nach München und von dort mit der Lufthansa in der First Class für fünf Tage nach Peking geflogen und dort ebenso First Class untergebracht. Für die Premium-Reise lieferte der FAZ-Journalist einen Premium-Artikel zugunsten des Thyssen-Krupp-Konzerns ab.
Über diese journalistische First-Class-Reklamereise mit dem Zweck, anschließend die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen, mokierten sich zwar einige Zeitungen. Diese marginale Journalistenkritik stand aber in keinem Vergleich zu dem moralischen Entrüstungssturm, den fast alle deutschen Medienhäuser über das privat finanzierte Upgrade der Indien-Flugreise des Limburger Bischofs entfachten. Dabei hat diese Premium-Reise keinem geschadet, während das First-Class-Ticket von Thyssen ein echtes Bestechungsgeld war, mit dem ein Journalist gekauft und die Öffentlichkeit belogen wurde. Es zeigt die Komplizenschaft der Pressezunft, wenn eine solche Verletzung fundamentaler Prinzipien des Journalismus keinen Entrüstungssturm hervorruft.
▪ Die Tabakindustrie kauft sich Journalisten durch Preisverleihungen. Die deutsche Reemstma-Gruppe verleiht jährlich den mit 15.000 Euro dotierten „Liberty“-Preis für „mutige Journalisten, die dem täglichen Kampf für die Freiheit eine Stimme geben“. Die Journalisten Konrad Schuller (FAZ) oder Thomas Roth (ZDF) ließen sich dafür kaufen, nie mehr ihre Stimme gegen Tabak und Tabakwerbung zu erheben.
▪ VW war Sponsor der Olympischen Spiele in Peking. Damit dieser Einsatz genügend gewürdigt würde, lud der Autokonzern damals dreißig ausgewählte Autojournalisten aller großen deutschen Zeitungen für vier Tage nach Peking ein – für etwa 25.000 Euro pro Person. „Medienlandschaftspflege“ heißen solche Geschäftsausgaben bei Großkonzernen: Samsung hatte zahlreiche Journalisten für die Olympischen Spiele in London bezahlt – gegen Gefälligkeitsberichte natürlich. Bei Funkausstellungen, Hannovermesse und anderen Großereignissen ist ebenso ein Heer von bezahlten Reportern anwesend, die für ihre Auftraggeber redaktionell schmeicheln.
▪ Die Autoindustrie spricht ganz offen vom Einkauf journalistisch positiver Berichte. Dafür gehen die Autokonzerne bei Präsentation nach der Formel vor: „Super Destination, super Hotels, super Service, super Geschenke“ – so der frühere Marketingchef von Mazda. Die exotischen Präsentationsorte für neue Modelle sind nur wegen der Journalisten gewählt. Denn: „Je attraktiver der Vorstellungsort, desto besser die Presse.“ Die Rechnung des Marketingchefs wörtlich: „Ein Journalist kostet bei unseren Events durchschnittlich drei- bis fünftausend Euro. Er bringt aber einen Gegenwert von mindestens 15.000 Euro.“ Wahrscheinlich war der Moderator der BBC-Autoshow „Top gear“, Jeremy Clarkson, der letzte unabhängige Autojournalist. Ihm wurde kürzlich wegen politischer Unkorrektheiten gekündigt.
▪ Von den 85.000 etwa gleichviel festangestellten wie freien Journalisten im deutschsprachigen Raum nehmen rund 73.000 Presserabatte in Anspruch. Ein großes deutsches Journalistenportal wirbt mit bis zu 50 Prozent Rabatt für 1.700 Produkte wie Flugtickets, Fitneßgeräte, Kaffeeautomaten bis zu Gleitgel; „weitere 10.000 Kollegentipps zu allen Pressekonditionen“. Presserabatte sind Zuwendungen von geldwerten Geschenken an Journalisten, also Bestechung. Aus diesen Daten und von anderen Studien kommt Ulfkotte zu dem Ergebnis: Zwei Drittel bis drei Viertel aller Journalisten sind bestechlich und lassen sich kaufen. Tatsächlich gibt es PR-Agenturen, die ganz offen mit dem Slogan werben: „Kauf Dir einen Journalisten!“ Die Berufsethik der Journalisten, die ehemals stolz auf ihre Unabhängigkeit und Unbestechlichkeit waren, scheint nicht mehr zu greifen. Und die gegenseitige Kontrolle durch journalistische Enthüllung der Bestechlichkeit auch nicht.

Druck auf Journalisten von politischer Seite

▪ Ulfkotte berichtet von verschiedenen Fällen, in denen Politiker oder hohe Staatsbeamte sanften Druck auf Journalisten ausüben: Die Ressortleiter für Wirtschaftsförderung in den deutschen Auslandsbotschaften fordern von deutschen Korrespondenten, positiv über diesen und jenen Wirtschaftsbereich zu schreiben, der für deutsche Firmen profitabel sei. Ulfkotte berichtet davon, daß er im Iran, arabischen und afrikanischen Ländern vom deutschen Botschaftspersonal aufgefordert wurde, Gefälligkeitsinterviews mit Politikern oder Wirtschaftsgrößen jener Länder zu führen. Ulfkotte, ein Spezialist für den nachrichtendienstlichen Bereich, machte auch Erfahrungen damit, von den Militärattachés der deutschen Botschaften mit geheimdienstlichen Hinweisen, Materialien und teilweise direkten Aufforderungen journalistisch gelenkt zu werden.
▪ Wirklich massiven Druck übten Politiker auf den Journalisten Winfried Münster von der Süddeutschen Zeitung aus. Als sich der Korrespondent in Brüssel Ende der 80er Jahre kritisch und standhaft gegen die Einführung der Währungsunion aussprach, wurde er vom deutschen Botschafter in Brüssel als „Ratte“ beschimpft: Er würde das politische Klima vergiften. Der damalige Außenminister und sogar Bundeskanzler Kohl versuchten auf den Journalisten einzuwirken, seine „destruktive“ Haltung gegenüber dem Euro aufzugeben. Wichtig ist bei dieser Gelegenheit daran zu erinnern, daß der Euro und andere Europa-Ideen Initiativen der europäischen Eliten waren. Der Euro geht nach Übereinstimmung von linken und konservativen Medien auf den Elitenzirkel der Bilderberger zurück. Die herrschenden Politiker versuchen zusammen mit der Brüsseler Bürokratie ihre Projekte von oben nach unten durchzudrücken – eine Variation des ‚demokratischen Zentralismus’ in den sozialistischen Ländern. Bei dieser Top-down-Strategie stören kritische Journalisten. Vom Standpunkt der Demokratie jedoch war und ist die kritische Presse die einzige Instanz, die gegenüber den Elitenzirkeln von Brüssel sowohl Kontrollfunktion hat als auch eine demokratische Brücke zur Basis vermitteln kann.

Geschmierter Journalismus durch Einbindung in Eliten-Netzwerke

▪ Die Verflechtung von sogenannten Alpha-Journalisten der deutschen Qualitätsmedien mit elitären Machtzirkeln wirtschaftlicher, politischer und militärischer Ausrichtung ist der zweite große Themenkomplex, den Ulfkotte vorstellt. Dabei kann er sich neben seiner Journalistenerfahrung auf verschiedenen Forschungsstudien stützen. Eine Bachelor-Arbeit fördert eklatante Ergebnisse zutage. Untersucht wurden in 80 Artikeln der FAZ von 2000 bis 2012 Adjektive und Adverbien, mit denen Person und Politik von Obama und Putin bewertet werden. Bei Putin verwenden die FAZ-Schreiber nur negative Bewertungen wie: drohend, rau, angriffslustig, konfrontativ, antiwestlich, machtpolitisch, wahrheitswidrig, kühl, kalkuliert, berechnende, zynisch, harsch, barsch, nicht stichhaltig, nicht glaubwürdig etc. Ganz anders der Ton gegenüber Obama: engagiert, begeistert, konziliant, gelobt, frenetisch begrüßt, hoffnungsvoll und entschlossen.
Resultat: Unabhängig, unparteiisch und objektiv ist die außenpolitische Berichterstattung der renommierten FAZ offensichtlich nicht mehr. Den Lesern werden überdeutlich Urteile über die beiden Weltmachtlenker vorgegeben und aufgedrückt. Eine andere Hochschularbeit bestätigte die „tendenziöse Attributisierung in deutschen Printmedien“. Woher kommt das nur, daß die FAZ, die ehemals im Ruf von Nüchternheit und vornehmer Zurückhaltung stand, sich so bedingungslos auf die eine Seite schlägt und gegen die andere polemisiert, fragt Ulfkotte.
▪ Einen Gipfel an penetranter Lobhudelei lieferte 2003 der Washingtoner FAZ-Korrespondenten Matthias Rüb – und zwar auf Obamas Vorgänger George W. Bush. Das war kurz vor dem Irak-Krieg. Der Präsident sei ein „Ausbund an Bescheidenheit und Volksverbundenheit“. Seine „Portion missionarischen Eifers“ werde durch „staatsmännische Besonnenheit abgefedert“. Auf seinen „politischen Instinkt, seine Klugheit und seinen Mutterwitz“ könne sich das „politische Naturtalent“ verlassen. Darauf muß man erst mal kommen, die (außen-)politische Ahnungslosigkeit von Bush jun. als ‚naturtalentiert’ zu bezeichnen. Rüb bekam ein Jahr später den Arthur-F.-Burns-Preis verliehen, überreicht durch den deutschen Außenminister.
▪ Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger hat in einer ambitionierten Studie bei führenden Journalisten von vier renommierten deutschen Zeitung die Korrelationen untersucht, inwieweit sich deren Verflechtungen in elitären transatlantischen Netzwerken auf ihre Berichterstattung auswirken. Bei 83 relevante Artikel der Journalisten Joffe (Die Zeit), Frankenberger (FAZ), Kornelius (SZ) und Stürmer (Welt) stellte Krüger fest, daß deren Mehrfachmitgliedschaften in US-beherrschten und NATO-nahen Elitezirkeln ihre Berichte signifikant beeinflußten. Auf diese und andere medienwissenschaftliche Studien stützt sich Ulfkotte. Die Vernetzung dieser Journalisten mit zwölf transatlantischen Denkfabriken war Thema der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ vom 29. 4. 2014. Das Ergebnis faßte ein Akteur so zusammen: „Dann sind ja alle diese Zeitungen nur so was wie die Lokalausgaben der NATO-Pressestelle.“ Die betroffenen Zeitungen beschwerten sich anschließend über die Satire-Sendung, teilweise mit Unterlassungserklärungen. Ihr Ansinnen: Satire darf alles – aber nicht über die geheimen Netzwerke der Alpha-Journalisten aufklären.
▪ Bei der „Atlantik-Brücke“ ist der Name Programm: ein transatlantisches Netzwerk der Eliten. Der Verein mit angeschlossener Stiftung ist gegliedert nach Fach- und Regionalgruppen. Die Mitglieder sind zu etwa je einem Drittel führende Finanz- und Wirtschaftsleute, Politiker und Journalisten. CDU-Mann Walter Leisler Kiep war Vorsitzender, seit 2010 Friedrich Merz, Stellvertretung Edelgard Buhlmann (SPD). Mitglieder sind Jürgen Fitschen, Deutsche Bank, Wolfgang Ischinger, Allianz, Eckart von Klaeden, Dainler AG und andere Führer der Deutschland AG. Aus dem Medienbereich kommen die schon mehrfach genannten Journalisten Frankenberger, Kornelius und Joffe, dazu Claus Kleber, Kai Diekmann (Bild), Theo Koll u. a. Das Interesse von deutscher Seite an dem Elitenzirkel wurde von dem früheren Vorsitzenden, Arnd Oetker, so formuliert: „Die USA wird von 200 Familien regiert und zu denen wollen wir gute Kontakte haben.“ Die Atlantikbrücke vergibt jährlich den Vernon-A.-Walters-Award vorwiegend an deutsche Finanz- und Wirtschaftsführer. Der Namensgeber der Auszeichnung hat wohl auch programmatischen Charakter: Der CIA-Leiter war an allen weltweiten Geheimdienstaktionen der USA in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beteiligt – vom Sturz des Iran-Präsidenten 1953 bis zum Militärputsch in Chile 1973. Den Vietnamkrieg nannte Walters den „nobelsten und selbstlosesten Krieg“ der USA. Letztlich geht es bei dem „deutsch-amerikanischen Austausch“ darum, dass die deutsche Seite in die weltweite Dominanz-Strategie der USA in politischer und militärischer Hinsicht im Rahmen der US-geführten NATO eingebunden wird. Den Amerikanern ist sehr daran gelegen, dass die Top-Journalisten in diesem Sinne über die Medien die deutsche Bevölkerung dirigieren. In Amerika selbst ist es nicht erlaubt, dass Journalisten in den Clubs und Zirkeln Mitglied sein dürfen, über die sie schreiben. In Deutschland dagegen schreiben die Alpha-Journalisten kritiklos über die elitären Zirkel, in denen sie Mitglieder sind, ohne ihre Mitgliedschaft den Lesern transparent zu machen.
▪ Neben der Atlantik-Brücke bestehen zahlreiche ähnliche deutsch-amerikanische Elitenzirkel und Stiftungen wie die Trilaterale Kommission, Aspen Institut Deutschland, International Institute for Strategic Studies, Goldman Sachs Foundation, Münchener Sicherheitskonferenz, Bilderberg, American Council of Germany, German Marshall Fund u. a. Alle diese Organisationen betreiben Young-Leader-Programme, um junge deutsche Nachwuchskräfte aus Politik, Wirtschaft und Medien auf die amerikanische Interessensicht der Dinge einzuschienen. Bei entsprechenden Seminare, Akademie-Einladungen und USA-Aufenthalten werden die young leader in diesem Sinne mit Geld, Geschenken und Ausflügen umschmeichelt sowie mit ideologischer Indoktrination in die Spur gebracht. Später werden die Journalisten mit Hintergrundinformationen, exklusiven Kontakten und hochrangigen Interviewpartnern geködert. Und dieser amerikanische Einsatz zum Kauf deutschen Journalisten lohnt sich: Nicolas Busse, heute stellvertretender Leiter im Ressort Außenpolitik der FAZ-Zentrale, leistete 2003 kurz vor dem Irak-Krieg einen Nibelungen-Treueid auf die Politik der damaligen amerikanischen Regierung. Busse hatte mit anderen in einer Anzeige der Atlantik-Brücke einen Treueschwur unterzeichnet, in dem er seinen Willen verkündete, in Verbundenheit mit den USA die gemeinschaftlichen Werte zu „verteidigen“. Mit diesen Werten waren anscheinend die Macht- und Rohstoffinteressen der USA gemeint sowie deren Dominanz-Strategie einschließlich völkerrechtswidriger Kriege, Folterungen, Drohnen-Hinrichtungen, Überwachung von Freund und Feind etc. Für den Journalisten Busse hat sich der Treueschwur an die USA gelohnt: Er wurde von seiner Zeitung vier Jahre später als NATO-Korrespondent nach Brüssel geschickt, um die FAZ als Lokalausgabe der NATO-Pressestelle zu simulieren.
Für junge Politiker lohnt es sich allemal, in außen- und sicherheitspolitische Eliteorganisationen eingebunden zu sein. Die transatlantischen Seilschaften sind der politischen Karriere sehr förderlich. Karl-Theodor zu Guttenberg etwa verdankt seinen kometenhaften Aufstieg den Förderern und Freunden der transatlantischen Lobby-Organisation Atlantik-Brücke, insbesondere auch seinem Brücken-Freund Kai Dickmann, Chef der Bild-Zeitung.

In die Elitenzirkel eingebetteter Journalismus

▪ Wenn die Journalisten im Rahmen ihrer transatlantischen Mitgliedschaften einbezogen werden in vertrauliche Politikplanungsprozesse, stehen sie schon im Konsens mit den politisch-militärischen Eliten und übernehmen deren Perspektiven und Wertungen. Je näher die Zeitungsleute den Machthabern und Entscheidern kommen, desto mehr büßen sie ihren Standpunkt der Unabhängigkeit, Kritik und Kontrolle ein. Als integrierte Teilnehmer der transatlantischen Eliten-Zirkel können sie gar nicht mehr ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen, kritische Anwälte der Öffentlichkeit zu sein gegenüber den Macht-Eliten. Die transatlantischen Organisationen fungieren als Instrumente des embedded journalism. Die wichtigen Leitmedien in Deutschland sind US-nah gleichgeschaltet.
▪ Der FAZ-Journalist Frankenberger, Ressort-Leiter Außenpolitik, ist Mitglied der ‚Trilateralen Kommission’. Dort sitzt er neben dem Milliardär David Rockefeller, dem Bilderberger Mario Monti, EZB-Expräsident Jean-Claude Trichet, Deutsche-Bank-Chef Fitschen, Ex-US-Geheimdienstchef Negroponte und dem früheren amerikanischen Verteidigungsminister John Deutch. Ist diese konspirativ wirkende Lobby-Organisation der Wirtschaftselite der richtige Platz für einen Journalisten, der nach bisherigem Verständnis die Kontrollfunktion der Medien repräsentieren soll? Ulfkotte hat einen Frankenberger-Artikel aus dem Archiv ausgegraben, der mit den Worten beginnt: „Vor dreißig Jahren hatte David Rockefeller eine gute Idee, ein Forum zu schaffen…Die Trilaterale Kommission war die Antwort des New Yorker Bankiers, Mäzens….“. Soso, der gute Milliardär Rockefeller hatte eine gute Idee, einen Ableger der Bilderberger zu gründen. Selbstverständlich verschwieg Frankenberger in dem Artikel, daß er Mitglied in diesem sauberen Zirkel ist und zwar in der Funktion, deren Ideen über seine Zeitung in die Öffentlichkeit zu tragen.
▪ Schon vor einiger Zeit berichteten verschiedene Medien, daß kremlnahe Agenturen jungen Leuten in Rußland Geld und Gratis-Essen anböten, wenn sie im Internet regelmäßig Kommentare im Sinne des Kremls schrieben. Das ist natürlich ein Skandal, wenn die öffentliche Meinung auf diese Weise manipuliert wird. Bei uns in Deutschland kommen solche Manipulationen nicht vor – jedenfalls nicht auf diese billige Tour …

Die mediale Konstruktion der Wirklichkeit

▪ Elisabeth Noelle-Neumann sagte vor etwa 20 Jahren anläßlich eines Redaktionsbesuches der FAZ: „Was Sie heute in den Köpfen der Menschen finden, das ist oft gar nicht mehr die Realität, sondern eine von den Medien konstruierte Wirklichkeit.“ Das geschieht durch die systematische Beeinflussung und Steuerung der Massen durch eine kleine Minderheit der Journalisten. Die Gründerin des Umfrage-Instituts Allensbach benannte die Folge eine „Schweigespirale“, wenn das Fernsehen ständig Minderheitenmeinungen als Mehrheitsmeinungen darstellt.

Die Bürger präsentieren den Journalisten dafür die Rechnung, indem zwei Drittel der Befragten den Medienleuten mangelnde Objektivität und Glaubwürdigkeit bescheinigen. Die Journalisten werden nicht mehr als ehrliche Makler zwischen Politik, Wirtschaft und Weltgeschehen einerseits und den Bürgern andererseits angesehen. Denn das sind sie nicht. Viele von ihnen sind „gekaufte Journalisten“.

Text: Hubert Hecker

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5 Comments

  1. Gekaufte Journalisten, wenn das wahr ist, bestätigt es nur dass was Zeitungsleser und Fernseh-
    zuschauer schon immer gesagt haben. Die Medien und damit der Journalismus werden gelenkt,
    ob Zeitungsberichte, Interview im Fernsehen, es wird immer in eine bestimmte Richtung gelogen
    und betrogen. Alle Bereiche wie Wirtschaft, Politik und Kirche bedienen sich der Medien. Diese
    wirken hinein in die Gesellschaft und bestimmen so die öffentliche Meinung. Deshalb kann man davon ausgehen, dass auch im Vatikan gewisse Kreise sich dieser Form der Meinungsmache be-
    dienen und so ihre Thesen und Ziele verbreiten.

  2. Was für J. Fleischhauer nicht ins Weltbild passt, wird von ihm dämonisiert. Dieser Mann
    ist eine fleischgewordene Karikatur eines Journalisten.

  3. wie,,nich wahr?
    das fügt sich doch alles nahtlos ein.
    ich bin baujahr 60, 15 jahre nach dem krieg war damals eine aufbruchstimmung, die leute wollten den krieg vergessen und in eine bessre zukunft schauen.
    durch scheidung meiner mutter bin ich in einem staatlichen kinderheim aufgewachsen und ich bin im sinne dieser aufbruchstimmung , ordnungs und wahrheitsliebend aufgezogen worden, man kann auch sagen indoktriniert.
    und diese mir angedeite erziehung lässt mich heute kotzen , wenn ich das worte wie: wahrheitsliebend aufrichtigkeit und ehre im heutigen deutschland auf knien durch den dreck robben.
    weit sind sie gekommen, die bilderberger,aber sie stehen vor einem abgrund, und sie müssen nur noch ein kleines stück weiter

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