„Voice of the Family“ zur Synode: Orthodoxer Weg Erdös versus heterodoxe Wege der „Relatio Synodi“

Synodenväter auf dem Weg zur Synode
Synodenväter auf dem Weg zur Synode

(Rom) Unter den vielen Kommentaren der vergangenen Tage zum Synodenbeginn sticht jener von Voice of the Family an Klarheit und Objektivität heraus, einer internationalen Koalition von Lebensrechts- und Familienorganisationen. Wenn „die Hoffnungen der katholischen Gläubigen“ durch die Eingangsrede von Kardinal Peter Erdö gestärkt wurden, der die katholische Ehe- und Morallehre bekräftigte, wurde dieser gute Ansatz „leider schwer kompromittiert“ durch die Eröffnungsrede von Papst Franziskus und die darauf folgende Pressekonferenz von Vatikansprecher Lombardi. Eine Pressekonferenz, auf der einige Synodalen eindeutig zuviel geredet haben, und schlecht, so Voice of the Family.

Erdös Eingangsbericht und dessen Demontage

Was war geschehen? Einerseits wies der Primas von Ungarn, Kardinal Erdö, entschlossen die hyperprogressive Kasper-Linie zu Homosexualität, Ehe und Verhütung zurück und stellte das Verständnis von „Barmherzigkeit“ wieder in den richtigen Kontext der kirchlichen Lehre. Er stellte klar, daß jedwede Entwicklung immer und in jedem Fall nur „in Übereinstimmung mit der Tradition“ stattfinden könne.

Doch bereits bei der ersten sich bietenden Gelegenheit legte der Synoden-Sondersekretär, Erzbischof Bruno Forte, den Rückgang ein und erklärte die Synode zu einer „Pastoralsynode“, die aufgefordert sei, „neue Wege“ für die Herausforderungen der „Menschen von heute“ zu suchen. Forte zeigte sich überzeugt, daß „die Situationen und Zeiten sich ändern“, und machte sich gleichzeitig die abweichenden Positionen, die in der Synode geäußert wurden, zu eigen. Das Brecheisen, das er dazu in die Hand nahm, ist die inzwischen sattsam bekannte Unterscheidung zwischen der „Lehre“ und der „Seelsorge“, als würde es sich um zwei voneinander getrennte, parallele Bereiche handeln, die ein Eigenleben führen. Doch nichts ist falscher und unbegründeter als das: „In Wirklichkeit widersprechen die sogenannten pastoralen Änderungen, die sie vorschlagen, wie die Wiederzulassung reueloser Ehebrecher zur Kommunion, den Fakten nach der katholischen Lehre“, so Voice of the Family.

Problematische Richtungsvorgabe durch Papst Franziskus

Auch die Rede von Papst Franziskus, selbst Tage später noch immer nur im italienischen Original, nicht aber in offiziellen Übersetzungen zugänglich, ist nicht frei von problematischen Stellen. Im Besonderen forderte der Papst dazu auf, die Ordentliche Synode als direkte Fortsetzung der Außerordentlichen Synode des Vorjahres zu sehen, obwohl sich 2014 eindeutig zu viele vom Chor abweichende Stimmen in den Vordergrund gedrängt hatten. Dann lud Franziskus dazu ein, sich besonders auf drei Dokumente der Synode 2014 zu konzentrieren: seine Ansprache zur Synodeneröffnung, den höchst zweifelhaften Schlußbericht und seine Schlußansprache. Obwohl dieser Schlußbericht die Approbation des Papstes erhalten hat, ist er, vor allem in den von der Synode nicht angenommen drei Paragraphen, eindeutig heterodoxen Inhalts, wie von Voice of the Family mit einem eigenen, detaillierten Dossier nachgewiesen wurde.

Daß der Papst zudem dazu aufgefordert hat, die Zulassung für „wiederverheiratet Geschiedene“ zu den Sakramenten nicht als einzigen Punkt zu betrachten, läßt auf alle Fälle implizit erkennen, daß diese Frage für ihn nach wie vor offen ist, obwohl die Heilige Schrift, die Überlieferung und das Lehramt dazu schon alles gesagt haben.

Die Eröffnungsrede des Papstes hat damit „das Gewicht der Ausführungen des Generalberichterstatters, Kardinal Erdö, untergraben“, so Voice of the Family, und „den Synodenvätern, statt des von Erdö aufgezeigten orthodoxen Weges, empfohlen, den heterodoxen Wegen der Relatio Synodi von 2014 zu folgen.

Problematische Aussagen im Schlepptau des Papstes

Auf dem vom Papst vorgezeichneten Weg folgten weitere problematische Aussagen, wie jene auf der zweiten Pressekonferenz durch Kurienerzbischof Claudio Maria Celli, dem Vorsitzenden des Päpstlichen Rats für die sozialen Kommunikationsmittel, und von Erzbischof Paul-André Durocher von Gatineau in Kanada. Celli betonte, daß die Frage der „wiederverheiratet Geschiedenen“ nach wie vor offen sei und verwarf damit faktisch die immerwährende Lehre der Kirche, die dazu etwas ganz anderes sagt. Durocher betonte, daß die Meinungen der Synodenväter zu diesem Thema ganz unterschiedlich seien, so als ginge es um ein fragwürdiges Thema, zu dem es keine klaren Kriterien oder – besser gesagt – keine objektive Wahrheit gebe.

An der Pressekonferenz nahm auch Pater Thomas Rosica als Sprecher der englischsprachigen Arbeitsgruppen der Synode teil. Er lieferte die Zusammenfassung der Wortmeldungen der Synodenväter, die einen eindeutigen und einseitigen Zungenschlag hatte. Eine Zusammenfassung in der Rosica, der selbst kein Synodale, sondern Mitarbeiter des vatikanischen Presseamtes ist, dazu aufforderte, „die ausschließende Sprache zu beenden“ und vielmehr „die Wirklichkeit, so wie sie ist“ anzunehmen, ohne „Angst vor neuen und komplexen Situationen“.

Rosica pickte sich die Wortmeldungen einer bestimmten Agenda heraus, die er als Zusammenfassung der Synodenarbeiten präsentierte. Das Wort „neu“ spielte dabei eine herausragende Rolle. Ein von Rosica zitierter Synodale habe gesagt: „in der Seelsorge für die Leute muß unsere Sprache eine inklusive Sprache sein“. Aus anderen Wortmeldungen zitierte Rosica, daß eine „neue Katechese der Ehe“ gefordert werde, eine „neue Sprache, um zu den Menschen unserer Zeit zu sprechen“, „neue pastorale Zugänge für jene, die zusammenleben ohne zu heiraten“ und auch gegenüber „der Homosexualität“.

Unterschiedliche „Lösungen“ für wiederverheiratet Geschiedene je nach Weltgegend?

Besorgniserregend ist, so Voice of the Family, vor allem die Aussage von Rosica, daß es in der Frage der Zulassung „wiederverheiratet Geschiedener“ je nach Weltgegend unterschiedliche „Lösungen“ geben könnte, so als wäre die Lehre Christi nach Zeit, Raum und Situation unterschiedlich adaptierbar und entsprechend biegbar. Das wäre dann ein faktisches Schisma, so Voice of the Family.

“Sollten die Relatio Synodi [2014] und das Instrumentum laboris [2015] auch weiter die Grundlage für die Arbeiten der Ordentlichen Synode sein, ergibt sich von selbst, daß ihre Verantwortlichen und alle, die ihrem Beispiel folgen, dazu bestimmt sind, eine Linie der formalen Zurückweisung der Lehre der katholischen Kirche fortzusetzen.“ Mit allen Folgen, die sich daraus ergeben. Die Luft, die über der Synode liegt, ist wirklich dick.

Text: Corrispondenza Romana/Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana

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Makariel
‚Versöhnte Einheit‘ auf der Synode? “..in einer „versöhnten Verschiedenheit“ zur Einheit zu finden“ Bergoglios anrüchiges Wort wird auch auf der Synode an Bedeutung gewinnen. Zu seinen tausend Häresien noch eine weitere hinzu! Weder die Katholische Kirche noch ihre Lehre haben „zur Einheit zu finden“. Diese ihre Lehre steht unverrückbar für alle Zeiten da. Und „Einheit“ ist das ihr eigenes Wesensmerkmal, die also nicht erst gefunden werden muss. Diese ihre Lehre kann niemals uminterpretiert werden. Denn niemals kann es eine Versöhnung der Wahrheit mit dem Irrtum geben weder in der Dogmatik noch in der Moral. Bergoglio – will uns eine scheinheilige… weiter lesen »
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