Was erwarten sich die Katholiken der USA von Papst Franziskus?

Barack Obama bei Papst Franziskus im Vatikan
Barack Obama bei Papst Franziskus im Vatikan

(Washington) Vom 22. – 27. September wird Papst Franziskus die Vereinigten Staaten von Amerika besuchen (und die Vereinten Nationen). Stationen werden Washington, New York und Philadelphia sein. Was erwarten sich die amerikanischen Katholiken vom Papst? Die Monatszeitschrift Inside the Vatican hat in einer Sonderausgabe zum Papstbesuch Hoffnung und Sorge ihrer Leser und einiger katholischer und nicht-katholischer Persönlichkeiten veröffentlicht.

Franziskus muß sich zum ersten Mal, und das nicht nur als Papst, mit einer Welt konfrontieren, die ihm bisher völlig fremd ist. Papst Franziskus reist in die Weltmacht Nummer Eins, die Jorge Mario Bergoglio immer mit großer Distanz gemieden hat. Im Denken des katholischen Kirchenoberhaupts spielen die USA vor allem als „Kolonialmacht“ in ihrem „Hinterhof“ Lateinamerika eine Rolle. Diese Perspektive ist letztlich der maßgebliche Zugang zur „einzigen verbliebenen Weltmacht“.

Der Verlauf und die Reaktionen der Amerikaner, auch der amerikanischen Katholiken sind schwer vorhersehbar. Die Katholiken der USA sind in ihrer Gesamtheit gespalten. Fast ein Viertel der Amerikaner sind Katholiken. Die katholische Kirche ist die weitaus größte Religionsgemeinschaft der Vereinigten Staaten. Rechnet man die katholisch Getauften hinzu, die im Laufe ihres Lebens die Kirche in Richtung einer anderen (vorwiegend protestantischen) Denomination verlassen haben, steigt sich Zahl der Katholiken auf ein Drittel der US-Amerikaner.

Gespaltene Katholiken

Laut Meinungsumfragen sind die Katholiken tief gespalten zwischen „Konservativen“ und „Liberalen“ oder rechts und links. Das ist auch am Wahlverhalten abzulesen. Traditionell wählten die Katholiken demokratisch, weil die dominierende angelsächsische, protestantische und republikanische Kultur sie ausgrenzte. Eine Ausgrenzung, die zur Folge hat, daß bisher – trotz ihrer zahlenmäßigen Stärke – es nur ein Katholik zum US-Präsidenten brachte. Mit dem Demokraten J.F. Kennedy verbindet sich jedoch nicht so sehr ein katholischer Aufstieg, oder gar ein Paradigmenwechsel zugunsten der Katholiken, sondern im Gegenteil, der Beginn eines sich seither beschleunigenden religiösen Relativismus und der Versuch, Religion generell, aus dem öffentlichen Leben zu verbannen. Die Wahl des Katholiken Kennedy war für die Religion ein Pyrrhussieg, so der ehemalige slowakische Innenminister Vladimir Palko. Seit Ronald Reagan hat sich das katholische Votum stark Richtung Republikaner verschoben, sodaß in etwa ein Gleichgewicht herrscht mit leichtem Überhang zugunsten der Demokraten.

Deutlich anders schaut das Bild unter praktizierenden Katholiken aus. Jüngste Umfragen ergaben, daß unter allen, die sich als Katholiken bezeichnen, 60 Prozent für eine Legalisierung der „Homo-Ehe“ sind. Unter denen, die sich als praktizierende Katholiken bezeichnen, sind jedoch 60 Prozent gegen die „Homo-Ehe“. Manche behaupten, dieser Wert sei zu niedrig gegriffen.

„Homo-Ehe“ und Abtreibung

Egal, ob 40 oder nur 30 Prozent der, laut Selbsterklärung, praktizierenden Katholiken für die staatliche Einführung der „Homo-Ehe“ sind, kirchenfremdes Gedankengut hat in umstrittenen Fragen auf beachtliche katholische Teile erfaßt.

Stellt man hingegen die wohlwollende Begünstigung der Homo-Agenda durch die Massenmedien in Rechnung, zeigen Amerikas Katholiken eine beachtliche Resistenz gegen mediale Umerziehungsversuche.

Noch deutlicher ist die katholische Identität, wenn man nach dem Thema Abtreibung fragt. Hier sind 57 Prozent aller Katholiken, praktizierende und Taufscheinkatholiken, der Überzeugung, daß die Tötung eines ungeborenen Kindes eine Sünde ist. Unter den jungen Erwachsenen von 18 – 29 Jahren sind es sogar 60 Prozent, unter den praktizierenden Katholiken 73 Prozent laut einer Erhebung des Pew Research Center.

Auf gegensätzliche Resonanz stoßen unter Amerikas Katholiken hingegen zwei Themen, die Papst Franziskus besonders wichtig sind. Während 60 Prozent aller Katholiken der Meinung sind, daß der Einsatz für die Armen ein Wesensmerkmal der katholischen Identität ist, halten lediglich 29 Prozent einen Einsatz für die Ökologie dafür.

Die Sorgen und Hoffnungen der US-Katholiken

Aus dem Sonderheft von Inside the Vatican, das ganz dem bevorstehenden Papst-Besuch gewidmet ist, geht eines klar hervor: Die Katholiken erwarten sich von Franziskus klare, öffentliche und unmißverständliche Aussagen zu anthropologischen Fragen: gegenüber den Gläubigen, beim Weltfamilientreffen in Philadelphia aber ebenso gegenüber US-Präsident Obama und vor der UNO.

Es geht die Sorge um, der Papst könnte sich auf soziale Fragen fixieren und vor allem über soziale Armut, Umwelt und Einwanderung sprechen.

Es geht ebenso die Sorge um, der Papst könnte einem hyper-politisch korrekten Präsidenten wie Barack Hussein Obama jede öffentliche Verlegenheit ersparen. Obama war es, der vor seiner Wahl den Homo-Verbände Versprechungen gemacht und die Legalisierung der „Homo-Ehe“ gegen jeden Widerstand vorangetrieben hat. Der Oberste Gerichtshof der USA ist ihm im vergangenen Juni darin mit einem knappen Votum von 5:4 Stimmen gefolgt.

Es geht auch die Sorge um, der Papst könnte die nicht minder politisch korrekten Vereinten Nationen mit Samthandschuhen anfassen, deren Agenda unter US-Katholiken auf erhebliche Skepsis stößt.

Und nicht zuletzt geht auch die Sorge um, Papst Franziskus könnte durch gezielte Signale im kommenden Jahr die Wahl eines demokratischen Präsidentschaftskandidaten fördern, auch wenn er Abtreibung und Homo-Privilegien zu „sozialer“ denke.

Papst Franziskus der Barack Obama der katholischen Kirche?

Fox News berichtete bereits Ende 2013, Papst Franziskus sei der Barack Obama der katholischen Kirche. „So wie Obama zur Enttäuschung für die USA geworden ist, wird sich Papst Franziskus als Katastrophe für die katholische Kirche erweisen“. Vielleicht eine Minderheitenmeinung, die jedoch in allen Teilen der USA anzutreffen ist.

Bob Moynihan, der Schriftleiter von Inside the Vatican, schreibt im Leitartikel: „Amerika erwartet Papst Franziskus mit einer großen Hoffnung. Aber mit welcher Art von Hoffnung? Jener, daß seine Worte die Herzen berühren und Richtschnur sind“. Und weiter: „Viele beten dafür, daß er ruhig aber deutlich Worte der Weisheit und der Wahrheit spricht, um der Ansammlung beschämender Unwahrheiten entgegenzutreten, die täglich die USA überfluten. […] Es scheint, daß das Land sein moralisches Zentrum verloren hat. Die christlichen Grundsätze, die einst das amerikanische Volk und seine Anführer geleitet haben, scheinen schrittweise vergessen worden zu sein. Das hat dramatische Folgen, besonders was die wachsenden Schwierigkeiten bei der Gründung und dem Bestand der Familie anbelangt […] und die Überzeugung, daß das Leben weniger wert ist, besonders in Sachen Abtreibung mit ihren fast 60 Millionen Opfern seit ihrer Legalisierung 1973. […] Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom 26. Juni ist ein weiteres Beispiel für die aktuelle moralische Verwirrung.“ Die US-Katholiken erwarten sich vom Papst klare Worte in Verteidigung der einzigen natürlichen und wirklichen Familie aus Vater, Mutter und Kindern.

Klare Worte zu Abtreibung und zum Planned-Parenthood-Skandal erwartet

Viele Katholiken erhoffen sich vom Papst auch deutliche Worte zum Skandal um den weltgrößten Abtreiber Planned Parenthood, der seit Wochen die USA erschüttert.

Inside the Vatican veröffentlichte die „Seligpreisungen von Franziskus“ mit den Überlegungen von elf amerikanischen Persönlichkeiten. Donald DeMarco von Human Life International etwa sieht in den USA eine Demokratie-Krise. Pat Buchanan sieht die USA gespalten wie noch nie zu Fragen darüber, was gut und was böse ist.

Alveda King, die Nichte von Martin Luther King, geht auf interreligiöse Fragen ein und fragt: „Kann der Löwe wirklich beim Lamm liegen?“ Drei bekannte Baseball-Spieler, Mike Sweeney Craig Stammen und Mike Piazza, rufen dazu auf, „Athleten für Gott“ gegen den um sich greifenden Materialismus zu sein. Die beiden Rabbinen Arthur Schneier und Yehuda Levin schreiben über die Notwendigkeit den katholisch-jüdischen Dialog zu verstärken gegen eine sich ausbreitende Gewalt auf allen Ebenen und gegen den heutigen moralischen Verfall.

William Doino von First Things ersucht Papst Franziskus um klare Worte „der Weisheit“ zu fünf Bereichen: die Ausbreitung der Sünde und die Notwendigkeit sie zu meiden; die Familie als Zelle der Zivilisation; der Katechismus der Katholischen Kirche als unverzichtbare Leitschnur für den Glauben; der Bedarf an katholischen Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien mit einem wachsamen und verantwortungsbewußten Gewissen; die Notwendigkeit die Frohe Botschaft durch eine Neuevangelisierung zu verbreiten.

Rund ein Dutzend Seiten sind spezifischen Themen des amerikanischen Katholizismus gewidmet von der Krise der weiblichen Orden bis zur Glaubenskrise im katholischen Bildungswesen der USA, liturgischen Fragen, dem Verhältnis zu den Orthodoxen und dem, was an katholischen Universitäten gelehrt wird und der Frage, ob das noch katholisch ist.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: NBQ

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Traditionstreuer

Ich will vom Papst keine „anthroologischen“ Sätze hören, sondern theologische. Nicht den Menschen, sondern Gott groß machen!
Einen vermeintliche Gegensatz zwischen (guten) „anthropologischen“ und (schlechten) „sozialen“ Ausagen zu konstruieren, ist irreführend. Der Papst soll von Gott reden!

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