Vor der Bischofssynode – Vorrangige Option für die Familie (XLVI)

Die Ehe, ein Sakrament
Die Ehe, ein Sakrament

Aus der Handreichung Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten im Zusammenhang mit der bevorstehenden Bischofssynode über die Familie vom 4. bis 25. Oktober 2015 im Vatikan.

91. Frage: In der synodalen Debatte ist die „Barmherzigkeit“ das leitende Kriterium für die Pastoral geworden. Sollte dieses Kriterium nicht über die Forderungen der Sittenlehre gestellt werden, so dass deren Bewertung dadurch verändert werden kann?

Antwort: Die Barmherzigkeit kann über die Gerechtigkeit siegen, aber sie kann ihr nicht zuwiderlaufen, weil sie dann ungerecht wäre. Sie kann auch nicht die Wahrheit leugnen, weil sie dann falsch wäre. Außerdem kann sie, gerade weil sie sich auf der praktischen Ebene befindet, auch nicht in die Lehre eingreifen, was bedeutet, dass sie das moralische Urteil über eine Verhaltensweise nicht beeinflussen kann. Andernfalls fiele eine solche „Barmherzigkeit“ unter die bekannte biblische Verurteilung: „Wehe jenen, die das Böse als gut, das Gute als bös bezeichnen, die Finsternis als Licht und Licht als Finsternis hinstellen, die Bitter als süß und süß als bitter hinstellen!“ (Is 5,20).

Man darf die Liebe nicht mit der Barmherzigkeit identifizieren. Diese ist sicher ein Aspekt der Liebe und ist Liebe, indem sie das Gute mitteilt, das jedes Böse beseitigt. Die Liebe kann sich aber auch dadurch ausdrücken – und in einigen Fällen muss sie es tun –, dass sie die Barmherzigkeit verweigert, wenn diese als eine wohlwollende Duldung oder, schlimmer noch, als eine Billigung [des Bösen] verstanden wird“ (Kardinal Velasio De Paolis, Die wiederverheirateten Geschiedenen und die Sakramente der Eucharistie udn der Buße, Vortrag am Regionalen Kirchengericht Umbrien, 8.1.2015, S. 22).

Die Barmherzigkeit als Tugend ist mit der Gerechtigkeit keineswegs unvereinbar. (…) Wir dürfen keine ungerechte Barmherzigkeit walten lassen, denn das wäre eine völlige Verfälschung der göttlichen Offenbarung. (…) Eine ungerechte Handlung ist somit nie barmherzig. Die Barmherzigkeit unterscheidet sich vom bloßen Mitleid dadurch, dass die Barmherzigkeit das Elend des anderen beseitigen will: oder mit anderen Worten, die Barmherzigkeit bekämpft aktiv das Böse, in dem der Mensch verfangen ist. Ein falscher Trost, der darin besteht, eine Sünde als ‚lässlich‘ zu bezeichnen, stellt keine Barmherzigkeit dar, wenn man denjenigen, der davon betroffen ist, nicht von dem Übel erlöst. (,,,) Das Erbarmen kommt aus der Liebe zu der Person, um sie vom Übel der Untreue zu erlösen, die sie bedrückt und die sie an einem Leben in Vereinigung mit Gott hindert. Das ist etwas völlig anderes, als die Untreue ohne eine innere Erneuerung durch die Gnade einfach zuzulassen, so als würde Gott unsere Sünden zudecken, ohne unser Herz durch Reinigung zu bekehren. Es handelt sich hierbei um einen wichtigen dogmatischen Unterschied zwischen der katholischen und der lutherischen Rechtfertigungslehre“ (J.J. Perez-Soba, Die Wahrheit des Ehesakraments, in Perez-Soba und Kampowski, Das wahre Evangelium der Familie, Media Maria, Illertissen 2014, S. 66-69).

92. Frage: Sollte die Kirche nicht weniger als strenge Lehrmeisterin und Richterin, sondern vielmehr in erster Linie als eine barmherzige Mutter erscheinen?

Antwort: „Auch auf dem Gebiet der ehelichen Moral handelt die Kirche als Lehrerin und Mutter. Als Lehrerin wird sie nicht müde, die sittliche Norm zu verkünden, welche die verantwortliche Weitergabe des Lebens bestimmen muss. Diese Norm ist nicht von der Kirche geschaffen und nicht ihrem Gutdünken überlassen. In Gehorsam gegen die Wahrheit, die Christus ist, (…) interpretiert die Kirche die sittliche Norm und legt sie allen Menschen guten Willens vor, ohne ihren Anspruch auf Radikalität und Vollkommenheit zu verbergen. Als Mutter steht die Kirche den vielen Ehepaaren zur Seite, die in diesem wichtigen Punkt sittlichen Lebens Schwierigkeiten haben. (…) Aber es ist die eine Kirche, die zugleich Lehrerin und Mutter ist. Deswegen hört die Kirche niemals auf, aufzurufen und zu ermutigen, die eventuellen ehelichen Schwierigkeiten zu lösen, ohne je die Wahrheit zu verfälschen oder zu beeinträchtigen. (…) Darum muss die konkrete pastorale Führung der Kirche stets mit ihrer Lehre verbunden sein und darf niemals von ihr getrennt werden. Ich wiederhole deshalb mit derselben Überzeugung die Worte meines Vorgängers: ‚In keinem Punkte Abstriche an der Heilslehre Christi zu machen, ist hohe Form seelsorglicher Liebe‚“ (hl. Johannes Paul II., Familiaris Consortio, Nr. 33).

Ferner, wenn nichts von der Heilslehre Christi zu unterschlagen eine hervorragende Ausdrucksform der Liebe ist, so muss dies immer mit Duldsamkeit und Liebe verbunden sein; dafür hat der Herr selbst durch sein Wort und Werk den Menschen ein Beispiel gegeben. Denn obwohl er gekommen war, nicht um die Welt zu richten, sondern zu retten, war er zwar unerbittlich streng gegen die Sünde, aber geduldig und barmherzig gegenüber den Sündern“ (sel. Paul VI., Humanae Vitae, 29).

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Angaben zur Handreichung:
Aldo di Cillo Pagotto/Robert F. Vasa/Athanasius Schneider: Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten im Zusammenhang mit der Synode. Vorwort von Jorge A. Kardinal Medina, Edizioni Supplica Filiale, Roma 2015, www. supplicafiliale.org

Die gedruckte Ausgabe in deutscher Sprache kann angefordert werden bei:
Deutsche Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP)
Gladiolenstrasse 11
60437 Frankfurt am Main
segreteria.supplicafiliale [a] outlook.com
www.tfp-deutschland.org

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2 Comments

  1. Und hier sollte man all den Apologeten, den Träumern, den Utopisten und den religiös verbrämten – wozu ohne Zweifel und leider-, in allem Ernst das alte SPRICHWORT in Erinnerung rufen: Erstes kommt es anders und zweitens als man denkt… Welch eine Anmassung von diesen in der UNO versammelten Herrschaften. Sie vergessen dabei die grosse unbekannte technnische-physikalische und mathematische Sichtweise. Denn: Bis 2030 ist das überleben der Menschheit von einigen Faktoren und Gefahren abhängig, um nur einige zu nennen: Epidemien, Seuche, kosmische Katastrophen-Meteore, Atomkrieg, und schlussendlich eine nicht mehr aufzuhaltende technologische Enteicklung der Robotik. Hier hat der Mensch die Flasche der Pandora schon geöffnet. Nach der Prognose von Stephen Hawking und Hans Moravec werden in naher ZUKUNFT – in spätestens 10 Jahren, superintelligente Maschinen-Roboter den Menschen verdrängen. Diese MASCHINEN VERFÜGEN ÜBER EINE TAUSENDMAL HÖHERE Intelligenz als der Mensch. Und dies ist eine der KATASTROPHEN, die der Mensch selber verursacht hat, durch seinen ungestümen Aktionismus. Vielleicht liegt es in der Göttlichen Vorsehung, dass Er dann diese Evolution der Robotik zulässt, um den Menschen zu zeigen, wo der Bartl den Most herholt. Eine durchaus mögliche GEFAHR besteht auch in einer Art ausseridischen Invasion für die Erde. Davor haben auch schon Präsident Ronald Reagan gewarnt. FAZIT: Die Agenda der UNO IST EIN ROHRKREPIERER.

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