Vor der Bischofssynode – Vorrangige Option für die Familie (XLII)

Die Ehe, ein Sakrament
Die Ehe, ein Sakrament

Aus der Handreichung Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten im Zusammenhang mit der bevorstehenden Bischofssynode über die Familie vom 4. bis 25. Oktober 2015 im Vatikan.

83. Frage: Ein Dokument der Synode wies darauf hin, dass es in der kirchlichen Pastoral auch eine „Umkehr der Sprache“ (Relatio post disceptationem, Nr. 33) geben müsse. Während und nach der Synodekonnte man in der Debatte über die Lage der Familie eine Betonung bestimmter Schlüsselwörter bemerken, die dem behandelten Thema eine gewisse ideologische Note gaben. Zum Beispiel warf die Synode schon in ihrem Vorbereitungsdokument Nr. 1 ein Licht auf „die breite Aufnahme, die heutzutage die Lehre über die göttliche Barmherzigkeit und die Zärtlichkeit gegenüber den verletzten Menschen an den existentiellen und geographischen Peripherien erfährt“. Was ist von diesen Schlüsselwörtern zu halten?

Antwort: „Verletzte Menschen“, „Barmherzigkeit“, „Aufnahme“, „Zärtlichkeit“, „Vertiefung“ sind Beispiele von Wörtern, die einseitig und vereinfacht gebraucht werden und die so eine Art Talisman-Wirkung haben können. (Wir nennen sie hier „Zauberworte“).

84. Frage: Was sind diese „Zauberworte“?

Antwort: Ein „Zauberwort“ ist ein an sich legitimer Begriff mit stark emotionalem Inhalt, der wegen seiner Flexibilität ausgewählt wird und der unterschiedliche Bedeutungen aufnehmen kann, entsprechend den Kontexten, in denen er angewendet wird. Die „Elastizität“ der Bedeutung dieser Begriffe ermöglicht einen propagandistischen Gebrauch, und macht sie anfällig für eventuellen Missbrauch für ideologische Zwecke.

Ein „Zauberwort“ ist zum Beispiel ein nützliches Instrument, um eine „unbemerkte ideologische Umwandlung“ durchzuführen, das heißt, einen Prozess, der die Mentalität des „Patienten“ verändert, ohne dass dieser bemerkt, dass er von einer legitimen Position zu einer illegitimen übergeführt wird. Manipuliert durch die Propaganda erhält das „Zauberwort“ Bedeutungen, die sich immer mehr den ideologischen Positionen nähert, zu denen es den „Patienten“ hinführen will. (vgl. Plinio Corrêa de Oliveira, Unbemerkte ideologische Umwandlung und Dialog, deutsch bei Editora Vera Cruz Ltda., São Paulo, Brasilien, 1967, 3. Kapitel; siehe auch Warwick Neville, Manipolazione del linguaggio [Manipulation der Sprache], in Lexicon, S. 630-639).

Dieses Verfahren ist leicht anzuwenden, auch im klerikalen Umfeld. Der Gebrauch gewisser Begriffe kann die Gläubigen so beeinflussen, dass sie ein moralisches Urteil durch ein sentimentales Urteil ersetzen, oder ein substantielles Urteil durch ein formelles, sodass am Ende dann Dinge, die zuvor als verwerflich betrachtet wurden, dann als gut oder annehmbar akzeptiert werden.

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Angaben zur Handreichung:
Aldo di Cillo Pagotto/Robert F. Vasa/Athanasius Schneider: Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten im Zusammenhang mit der Synode. Vorwort von Jorge A. Kardinal Medina, Edizioni Supplica Filiale, Roma 2015, www. supplicafiliale.org

Die gedruckte Ausgabe in deutscher Sprache kann angefordert werden bei:
Deutsche Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP)
Gladiolenstrasse 11
60437 Frankfurt am Main
segreteria.supplicafiliale [a] outlook.com
www.tfp-deutschland.org

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1 Comment

  1. Bereits im Jahre 1902 warnte 
    der 
    Bischof von Rottenburg 
    - Paul Wilhelm von Keppler -
    vor dem Aufkommen moderner „Reformbestrebungen“ und deren Vorgehen gerade auch mittels einer Verschwommenheit der Begriffe:
    -

    „Allen „modernen“ Reformbestrebungen (ich kann die katholischen nicht ausnehmen) ist gemeinsam 
    eine große Verschwommenheit aller Begriffe und Ziele, eine erstaunliche Unklarheit über das eigene Wollen und Können, ein planloses Herumfahren im Nebel.
    Darin liegt ihre Schwäche, aber auch ihre Gefahr für die vielen Unreifen und Urteilslosen.
    [….]
    Ein untrügliches Symptom falscher Reformbestrebungen ist es daher, wenn dieselben nicht im Namen des Heiligen Geistes, sondern im Namen des „Geistes der Zeit“ ans Werk gehen.

    -

    Heute aktueller denn je !

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