Libanons Caritas-Direktor: „Um Flüchtlingsstrom zu stoppen, ist ein Problem zu beseitigen: der Krieg in Syrien“

Syrer im Libanon
Syrer im Libanon

(Beirut) Der libanesischen Caritas-Direktor, Pater Paul Karam, fordert ein „Ende des Krieges“ in Syrien. „Das allein ist die Lösung des Flüchtlingsdramas.“ Der Libanon mit 4,5 Millionen Einwohnern habe in den vergangenen vier Jahren 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen. Das entspricht einem Drittel der Landesbevölkerung. Das sei soviel, als würde die Bundesrepublik Deutschland 27 Millionen Menschen aufnehmen. Nicht die Aufnahme von Flüchtlingen sei jedoch die Lösung, sondern die Beseitigung der Ursache für die Flucht.

Der Caritas-Direktor bestreitet die saudische Behauptung, das wahabitische Königreich, Financier und Waffenlieferant der christenfeindlichen, sunnitischen Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS), habe 2,5 Millionen Syrer aufgenommen. Laut Pater Karam nehme keines der sunnitisch regierten Golfemirate syrische Flüchtlinge auf, obwohl diese Staaten maßgeblich am Ausbruch des Syrien-Krieges beteiligt gewesen seien und große Verantwortung am Fortdauern des Krieges trügen.

„Um Flüchtlingsstrom zu stoppen, ist ein Problem zu beseitigen: der Krieg in Syrien“

„Der Flüchtlings-Notstand kann nur durch Frieden in Syrien gelöst werden. Ich wiederhole: Um den Flüchtlingsstrom zu stoppen, ist ein einziges Problem zu beseitigen: der Krieg in Syrien“, so der Caritas-Direktor gegenüber Asianews. Es brauche politischer Gespräche, die niemanden ausschließen, auch nicht Staatspräsident Bashar Assad.

Der Libanon habe eine große Herausforderung zu bewältigen. „Gott sei Dank, haben wir Erfahrung mit unruhigen Situationen und Flüchtlingsströmen.“ Der Priester weist auf die kulturellen, sprachlichen, religiösen, geographischen Gemeinsamkeiten zwischen Libanesen und Syrern hin, „das erleichtere die Aufnahme“. Wer als Flüchtling über die Grenze in den Syrien komme, treffen Angehörige der gleichen Gemeinschaft im Libanon, auch Verwandte, ob Christen, Alawiten, Sunniten oder Drusen.

„Flüchtlingsansturm birgt erhebliche politische Probleme für den Libanon“

Dennoch berge der Flüchtlingsansturm erhebliche Probleme politischer und demographischer Natur. Die „innerlibanesischen Gleichgewichte“ könnten bedroht werden. Es habe bereits Versuche gegeben, wo eine der im Libanon lebenden Gruppen die Macht an sich reißen wollte. Das habe jedesmal einen blutigen Bürgerkrieg nach sich gezogen.

Pater Karam wirft der internationalen Staatengemeinschaft „Gleichgültigkeit“ vor. Sie verschließe die Augen vor den Waffenverkäufen und der Finanzierungen „an die Terroristen“ des Islamischen Staates (IS) in Syrien. Der Caritas-Direktor beklagt vor allem, daß die internationale Staatengemeinschaft nicht das Allgemeinwohl im Sinn habe, sondern jeder Staat nach seinen Interesse versuche Einfluß zu nehmen.

Ratschlag für Europa

Pater Karam hat auch eine Ratschlag für Europa, das sich einem echten und einem noch größeren falschen Flüchtlingsstrom gegenübersieht: „Das einzige Problem ist der Krieg in Syrien und die einzige Lösung des Flüchtlingselends ist die Beendigung des Krieges“. Die europäischen Regierungen sollten sich endlich um Frieden in Syrien bemühen und das Allgemeinwohl der Menschen in Syrien in den Vordergrund stellen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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5 Comments

  1. Die Wurzel allen Übels, der Krieg in Syrien ist im Westen sattsam bekannt. Es wird immer wieder davon gesprochen, gegen den IS durch die Weltgemeinschaft vorzugehen, aber nichts geschieht.
    Jedenfalls sagt das Caritas-Direktor Karam aus dem Libanon und stellt der Staatengemeischaft
    ein schlechtes Zeugnis aus. Jeder Staat für sich sucht seinen eigenen Vorteil, anstatt ernsthafte
    Unternehmungen zu starten, um zu einer Art Frieden in Syrien zu erlangen. Da Syrien zu der
    Hemisphäre Russlands gehört, muss Russland mit einbezogen werden, um Fortschritte zu erzie-
    len. Das wiederum gefällt Amerika nicht und so riskiert man einen Krieg der Großmächte mit un-
    kalkulierbaren Folgen, auf dem Rücken der Bevölkerung.

    • Assad und IS haben eigene Großmacht-Pläne.

      Syrien bestand vor dem Krieg zu 70 % aus Sunniten, so dass diese Mehrheit sich, weil ihnen Assad islamisch gesehen nicht streng genug war, gegen Assad wandte. Diese 70 % Sunniten, die Assad deshalb nun als Terroristen betrachtete, werden (mit der Hilfe Russlands und des schiitischen Irak) in Syrien bald vernichtet oder vertrieben sein.

      Der sunnitisch geprägte Islamische Staat träumt vom weltweit agierendem Kalifat in Form einer Neuauflage des Osmanischen Reiches, wobei der IS die syrischen Sunniten gegen Assad unterstützt. Der Kalif soll dann nach muslim. Sicht übrigens wieder der Stellvertreter Gottes auf Erden werden.

      Solange der IS als Gefahr gilt, wird die USA dort nicht verschwinden.

      Russland könnte zwar den Krieg beenden und ggf. Assad nach Russland bringen, was sie jedoch vermeiden, um den Stützpunkt dort nicht aufgeben zu müssen.

      Es ist leicht, zu sagen, dass der Krieg in Syrien enden solle, um den Flüchtlingsstrom aus Syrien auszutrocknen. Leider sind die kämpfenden Kriegs- Beteiligten Assad und IS nicht bereit, ihre Interessen für ein baldiges Kriegsende aufzugeben.

  2. Flüchtlingsstrom stoppen.
    Da werden schon wieder Forderungen in Richtung Westen erhoben. Danke. Einer Bürgerkrieg zu beenden ist primär Sache der verfeindeten Bürgerkriegs-Parteien selbst. Weglaufen ist keine Lösung. Aufeinander zugehen, nachgeben, sich die Hand reichen, sich wieder vertragen, die Ärmel hochkrempeln und das gemeinsam zerstörte Land gemeinsam wieder aufbauen. Daran führt kein Weg vorbei.

    • Das denke ich aber auch. Das Ganze hat doch einen gewaltigen Haken, denn alle wollen in die Bundesrepublik, weil es dort am meisten gibt. Man verschone uns doch von der ewigen Anklagerei.

    • Sehr richtig. Diese ewige Hysterie um eine angebliche „Verantwortung“ Europas ist eine anmßende Posse. Glücklicherchweise wollen viele da nicht mitmachen.

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