Die Krise der Kirche in Europa? Sie denkt wie die Welt

Erzbischof Luigi Negri von Ferrara
Erzbischof Luigi Negri von Ferrara

(Rom) Der Erzbischof von Ferrara-Comacchio, Msgr. Luigi Negri, einer der markantesten katholischen Bischöfe wirft der katholischen Kirche in Italien vor, „wie die Welt zu denken“ und sich deshalb in der Krise zu befinden. Zudem sprach er über die Gesellschaft im Widerspruch zur Kirche, die Christenverfolgung im Nahen Osten, die Masseneinwanderung nach Europa, die Kreuzzüge und darüber, daß „vielleicht der Augenblick gekommen“ sei, die Idee des heiligen Thomas von Aquin von der legitimen bewaffneten Aktion zur Verteidigung und zum Schutz wiederaufzugreifen.

Die kritischen Anmerkungen von Erzbischof Negri lassen sich auf andere Ortskirchen übertragen. Sie entstanden durch ein Gespräch mit Matteo Matzuzzi, der darüber in der Tageszeitung Il Foglio vom 10. September einen Artikel veröffentlichte.

Gesellschaft im Widerspruch zur Kirche

„Ich bin mir bewußt, daß das, was ich nun sagen werde, nicht auf der vorherrschenden Optimismus-Linie liegt, doch die italienische Gesellschaft befindet sich in einem Gegensatz zur Kirche.“ Msgr. Luigi Negri, Erzbischof von Ferrara-Comacchio ist besorgt. Er blickt aus der erzbischöflichen Residenz, überlegt und, „ohne in den leider üblichen Wirtshauston zu verfallen“, diagnostiziert er den Gesundheitszustand der Kirche und unserer Gesellschaft.

„Ich stelle eine gewisse Übereinstimmung innerhalb der kirchlichen Welt und deren Bewegungen fest, daß die Einheit der Gesellschaft nicht in Frage gestellt werden solle. Sie verstehen aber nicht, daß die Einheit dieser Gesellschaft eine Einheit gegen die Kirche ist. Sich einer Einheit nicht entgegenzustellen, die gegen die Kirche ist, heißt, den Angriff gegen die Kirche zu begünstigen.“ Das sei „die erste intellektuelle und moralische Erfahrung, die man macht, wenn man sich heute der mannigfaltigen Welt der italienischen Christenheit nähert“.

Die Situation „ist paradox: Der Angriff ist frontal und richtet sich nicht so sehr oder nur gegen die Wurzeln des Glaubens, sondern der Gesellschaft“. Die Beispiele ließen sich leicht finden, es genüge auf die aktuell diskutierten Fragen zu achten. „Ich denke an die Gender-Frage und die Heiligkeit des Lebens. Angesichts dieser Angriffe ist es so, als würde die katholische Welt – ich sage nicht – wegschauen, sondern noch schlimmer: Sie läuft Gefahr das Ausmaß dieses Angriffs nicht einmal zu bemerken, da sie nicht einmal die Dinge sieht, die man mit freiem Auge sehen kann.“

Schweigen der Kirchenvertreter ein Ärgernis

Es gebe auch eine Verantwortlichkeit der Kirche oder zumindest einiger ihrer Teile, wirft Matteo Matzuzzi, Vatikanist von Il Foglio ein.

„Sicher. Die Tatsache, daß weite Teile der italienischen Kirche zur Gender-Theorie nichts oder fast nichts gesagt haben, ist ein Ärgernis für die Gläubigen.“ Der Papst allerdings habe zur Gender-Theorie gesprochen und ganze Mittwochs-Katechesen darauf verwandt. „Ich frage mich, ob die sogenannte Gender-Theorie nicht auch Ausdruck von Frustration und einer Resignation ist, die auf die Auslöschung der sexuellen Differenz zielt, weil sie nicht mehr versteht, sich mit ihr zu konfrontieren. Wir riskieren hier, einen Rückschritt zu machen. Die Verdrängung der Unterschiede ist das Problem, nicht die Lösung“, sagte das Kirchenoberhaupt beispielsweise am vergangenen 15. April.

„Der Heilige Vater hat mehrfach zur Gender-Frage Stellung bezogen und zwar nicht nur unmißverständlich, sondern auch von einer sozialen Aktion angetrieben. Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, daß die Aufforderungen des Heiligen Vaters, ich sage nicht, mißachtet, aber jedenfalls nicht aufgegriffen und verbreitet wurden außer durch eine Gruppe italienischer Kirchenvertreter, die darüber zu ihren Diözesen sprachen, darunter auch ich, und damit eine starke katholische Teilnahme an der Massenkundgebung am 20. Juni 2015 in Rom [„Hände weg von unseren Kindern“ mit einer Million Teilnehmern gegen die Einführung der Gender-Ideologie an Schulen und Kindergärten] ermöglichten. Es gilt also zunächst zu klären, was der Grund für diese große Schwäche ist.“

Christenheit, die wie die Welt denkt, hat nicht die Kraft eine Alternative zu sein

Diese Frage habe sich auch Kardinal Rylko gestellt, laut dem die Großkundgebung „von Rom nicht eine Kundgebung gegen jemand war, sondern ein demütiger Dienst für die große Causa des Menschen, die heute von verschiedenen Seiten bedroht wird.“ Erzbischof Negri nennt als Grund für die Schwäche der Kirche: „Wie der heilige Jakobus sagt: Die reine Religion besteht darin, den Hilfsbedürftigen zu helfen, vor allem aber, sich nicht der Mentalität dieser Welt anzupassen“. Das Problem sei, daß „wir heute eine Christenheit erleben, die wie die Welt denkt und nicht die Kraft hat, der Welt auf der Ebene der Wahrheit des Lebens eine Alternative entgegenzusetzen. In diesem Sinn erleben wir eine kulturelle Krise der italienischen Christenheit.“

Das Problem sei, daß „die grundsätzlichen Kriterien zur Beurteilung der Wirklichkeit der weltlichen Mentalität entnommen sind und man sich damit abfindet, nur jene Räume zu besetzen, die diese Gesellschaft zu besetzen erlaubt, mit anderen Worten, die Räume individueller Spiritualität und entschärfter karitativer Initiativen, wie Benedikt XVI. am Beginn der Enzyklika Caritas in Veritate sagt: ‚Ohne Wahrheit gleitet die Liebe in Sentimentalität ab‘.“

Christenheit braucht objektive Radikalität – Kreuzzüge durch unerträglichen Laizismus kriminalisiert

Das von Erzbischof Negri gezeichnete Bild sei alarmierend, so Matzuzzi. Dagegen bedürfe es einer starken Therapie: „Ich glaube wirklich, daß es notwendig ist, auf allen Ebenen und jeder in seinem Bereich, das Christentum in seiner objektiven Radikalität zu wiederholen, um es aktuell werden zu lassen, das heißt, zu einer Erfahrung zu machen, die voll und ganz den wirklichen Bedürfnissen des Menschen von heute entspricht“, so der Erzbischof von Ferrara.

Matzuzzi merkt an, daß die Säkularisierung inzwischen so tief in die Gesellschaft eingedrungen sei, daß die Anwendung, der von Erzbischof Negri vorgeschlagenen Therapie schwer anwendbar scheine. Vor allem sei nicht zu erkennen, wer sie umsetzen sollte.

„Die brennendste Enttäuschung, nicht nur für mich, ist in diesem Zusammenhang die weitgehende Auflösung des katholischen Verbandswesens. Es scheint, als würden die offiziellen katholischen Verbände, die sich mit der Welt auseinanderzusetzen hätten, gar nicht mehr existieren. Die häufigste Begründung dafür lautet, daß heute nicht mehr die Zeit für starke und akzentuierte Vorstöße sei, und wenn diese doch stattfinden, zeigt man mit dem Finger auf sie und bezeichnet sie als Kreuzzüge. Dabei ist es für jeden, der nur ein wenig Geschichtsbewußtsein hat, beschämend, wie große Teile der katholischen Welt über die Kreuzzüge sprechen, ein Phänomen, das man absolut nicht kennt, aber auf der Grundlage eines unerträglichen Laizismus kriminalisiert wird.“

Augenblick gekommen, Idee der bewaffneten Aktion zur legitimen Verteidigung wiederaufzugreifen

Matzuzzi sprach mit Erzbischof Negri auch über das Drama der verfolgten Christen im Nahen Osten. „Die schreckliche Gewalt macht deutlich, daß der Islamische Staat der Welt ausdrücklich den Krieg erklärt hat und keine Regeln kennt, jene Regeln, die aus der großen abendländischen Rechtskultur entstanden sind. Er bringt Frauen, Kinder, Alte um, vergewaltigt, mißbraucht, zerstört Denkmäler der Kultur und der Kunst.“ Das Massaker müsse gestoppt werden, weshalb gehandelt werden müsse. Erzbischof Negri hat keine Zweifel: „Unsere Christenheit ist sich auf bestimmen kulturellen und institutionellen Ebenen noch nicht klargeworden, daß vielleicht der Augenblick gekommen ist, mit der gebotenen Aktualisierung und der notwendigen Artikulierung, jene grundlegende Idee des heiligen Thomas von Aquin – die sich die Tradition der kirchlichen Soziallehre zu eigen gemacht hat – wiederaufzugreifen, laut der eine starke, auch bewaffnete Aktion der legitimen Verteidigung und des Schutzes geduldet werden kann“.

Hat der Westen Werte, für die man bereit ist, auch zu sterben?

Eine solche Aktion verlange jedoch einer gründlichen Überlegung, denn, „um eine solche Erfahrung, die in jedem Fall eine Ausnahme wäre, ins Auge zu fassen, bräuchte es klare Werte, für die man lebt, für die man kämpft und für die man auch bereit ist, zu sterben. Hat dieser Westen solche Werte?“

„Wir erleben eine epochale Migrationswelle, dergleichen gab es schon im Lauf der abendländischen Geschichte, jedoch in weniger akzentuierter Form, der man ohne eine angemessene Kultur nicht begegnen kann. Man kann das Problem nicht auf ein banales ‚alle rein oder alle raus‘ reduzieren, eine unerträgliche Simplifizierung eines nicht akzeptablen Rassismus, ebensowenig jedoch auf ein Gutmenschentum, das langfristig gewiß keine Lösung ist. Es ist notwendig, daß der Westen sich bewußt wird in all seinen Aspekten und allen möglichen Folgen, was auf dem Spiel steht.“

Westen bereit, eigene Seele zu verkaufen – Akt radikaler Evangelisierung gefordert

Welche Kultur ist aber heute im Westen bestimmend? „Ist es das, was von der schrecklichen Krise der modernen, zeitgenössischen Ideologien mit ihrem atheistischen Anspruch übrigbleibt? Ist es eine Kultur individualistischer, konsumorientierter Prägung, die in den technischen Wissenschaften die Lösung aller Probleme sieht? Das ist nicht Kultur. Man kann aber einer so massiven Einwanderung, wie sie derzeit stattfindet, nicht begegnen, wenn man nicht angemessene Gründe dafür hat, zu leben und die Wirklichkeit anzugehen.“

Der Westen sei heute hingegen „bereit, alles zu verkaufen, sogar die eigene Seele. Das allein schon deshalb, weil der Westen zum größten Teil nicht einmal mehr weiß, eine Seele zu besitzen. Das bedeutet für mich, als Hirte, daß die große kirchliche Verantwortung heute darin besteht, eine neue radikale Evangelisierung voranzutreiben, oder anders gesagt, einen erzieherischen Weg einzuschlagen, der das christliche Volk erneuert und der es wieder befähigt, sich alle aus dem christlichen Glauben ergebende kulturelle, soziale, politische und karitative Verantwortung zu übernehmen“, so Erzbischof Luigi Negri.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Chiesa e postconcilio

drucken
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat:
Unterstützen Sie bitte Katholisches.info mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht

20 Comments

  1. Sehr gut, einer von den Vielen der nach dem Zusammenbruch gebraucht wird um das Wort Christi wieder unverkürzt zu verkünden.
    Ich sage ausdrücklich NACH dem Zusammenbruch, denn momentan hat er mit seiner Meinung keine Chance, Papst Franz macht erst die Ehe kaputt, dann kommt die Familie und der Zölibat als nächstes, dann dürfen Priester auch gleichgeschlechtlich heiraten und Kinder adoptieren, wenn sie denn christlich leben, nein der Weg geht direkt ins Verderben.
    Aber nach dem Zusammenbruch steht die Ecclesia Dei wieder auf und schüttelt den Dreck des Vat II ab und mit ihm auch hoffentlich den Rest der Modernisten.
    Was war Pius X. doch fuer ein begnadeter Prophet und wie schlimm haben Joh 23 und Paul 6 gewütet, ob Christus ihnen je verzeiht ?
    Beten wir um diese armen Seelen !

  2. Eine Frage:
    Papst Franziskus trägt den Ring des Lions Club. Sind nicht auch diese eine Untergruppe der Freimaurer? Wie weit gehört Franziskus zu den Freimauerern?
    Das wäre eine Information!

    • Papst Franziskus ist ein Hansdampf in allen Gassen, ein Schausteller auf vielen Märkten, ein Mediengenie, ein Politiktalent, ein Koranfreund und vieles mehr.
      Warum nicht auch Freimaurersympathisant?
      Ach ja, nicht zu vergessen, Pontifex und Priester ist er auch noch.

      • @Engelchen,
        „In allen Gassen“ würde ich nicht sagen: an bestimmten Augenblicken ist er sehr schnell weg aus bestimmten Gassen (ich denke da an sein Halsüberkopfflüchten vor dem Orkan auf den Philippinen);
        und mehrmals gab es auch schon Unpaßlichkeiten und Terminverschiebungen bei zu vielem „Dampf“.
        „Mediengenie“ würde ich auch nicht sagen- dafür haben Pater Federigo Lombardi und der Präfekt der Kongregat. f.d. Glaubenslehre SE Kard. Müller schon zu viel Aufraumarbeit leisten müssen.
        Die Predigten im domus Santa Marta mußten nach anfänglichen Katastrofen bei sofortiger Publikation sehr schnell durch die theologische Wasch- und Reinigungsmaschine bevor Veröffentlichung; und wurden ggf. auto-wegzensiert weil öffentlich anstoßgebend.
        Und ob der Peronismus jetzt eine talentvolle politische Strömung ist, wage ich zu bezweifeln.
        Koranfreund:stimmt.
        Und vergessen Sie nicht un tango per il compleanno.
        Wie Horaz einmals sagte: Quod reges delirant plectuntur archivi.
        Und gerade bei den vielen modernen Medien und der ewigen Archivierung ist diese „delirare“ ein nicht geringes Problem.

      • Danke Engelchen

        Ein Chronist der das Leben der Seherin Barbara Weigand aufarbeitet hat mir über die vielen Freimauer unter den Klerikern berichtet. Diese höhlen die Kirche von Innen aus.

    • Wie sieht denn ein Ring von besagtem Club aus?
      Lions und Rotarier sind ja bekanntlich die Teestuben der Freim., sowas wie ihre Rekrutierungsversammlungen und wurden von einem Freim. gegründet.

  3. Was Erzbischof Msgr. Negri hier schreibt, kann man nur unterstreichen.
    Wir haben bei uns keine wirkliche christliche Identität mehr; sie existiert kaum noch. Es gibt ja immer noch Menschen, die etwa Wert auf eine gute hl. Messe legen. In der Regel sind sie wohlhabend- und oft doch gar nicht viel anders als materiell eingestellt so wie die vielen anderen.
    Der Besuch der hl. Messe am Sonntag ist soz. ein Kulturgut, das zum Leben selbstverständlich dazugehört. Das ist ja auch gut so. Nur: hat das etwas mit radikaler Neu-Evangelisierung zu tun? Stellen die Priester außer wenigen wirklich mal konkrete Forderungen an die Meßbesucher? Was nutzt es, wenn ein Priester sagt: ich wünsche Euch einen schönen Tag, schönen sonnigen Abend usw.?

    Die Volkskirche ist passé, und das hat Papst Benedikt XVI. schon vor Jahrzehnten so geschrieben. Nach seinen Worten werden sich kleine, starke Gruppen bilden, die dann wie Sauerteig in der Gesellschaft wirken könnten. –
    Mehr ist zunächst wohl auch realistischerweise nicht zu erwarten bei uns im „Westen“. Aber kleine, starke Gemeinden hieße doch auch außerhalb der hl. Messe und des gemeinsamen Gebetes füreinander da zu sein wie es in den Urgemeinden der Fall war. Was nützt es, wenn da finanziell Wohlhabende sind und der arme „Mitbruder“ weiß nicht wie er über die Runden kommen soll oder krank, einsam ist und keine Hilfe hat? Wäre es da getan, gemeinsam die hl. Messe zu feiern?- Sicherlich nicht.

    Aber so siehts doch aus. Eine solche Gemeinschaft kann nicht stark sein. Und so wirds auch nichts mit einer erstrebten Neu-Evangelisierung, außer man nimmt sich die Urgemeinden zum Vorbild wo einer für den anderen da war im ganz alltäglichen Leben.

    • Ach was, „Neu-Evangelisierung“ ist auch so ein neokonservative Kampfparole der Konzilskirche bar jeden Inhaltes. Ein leerer Begriff., welcher das eklatante Totalversagen der Amtskirche verbergen und kaschieren soll. Und warum ist die „Volkskirche passé“? Der von der Kirche selbst oktroyierte Relativismus und Neuerungswahn ist primär dafür verantwortlich. Diese Schizophrenien in der die Konzilskirche sich andauernd und unentwegt bewegt, interessieren doch keinen mehr noch weniger findet darin jemand seine geistliche Zehrung. Da schauen sich die Leute lieber nach Alternativen um in fremden Religionen oder Kirchen und kirchl. Gemeinschaften. Es ist die leidige Strategie der Amtskirche stets alles auf gesellschaftliche oder demographische Änderungen zurückzufpühren. Ein anmaßendes und ungehöriges Verhalten. Die Hirten beklagen das Tun ihrer Herde, haben aber deren Unruhe selbst entfacht.

  4. Ein Auszug aus einer ausgezeichneten Rede des 
    Philosophen Robert Spaemann
    im November 1991 in Rom vor dem Praesynodalen Symposium über Christentum und Kultur.
    Gerade heute im Zuge der „humanen“ Entchristlichung Europas aktueller denn je.
    Bezugnehmend auf Nietzsches „banalen Nihilismus“ führte Spaemann aus:
    -

    [….]
    Er nennt sich 
    heute selbst “Liberalismus“ und hat für alles, was sich ihm nicht fügt, 
    die Einschüchtervokabel „Fundamentalismus“ bereit. 
    Ein Fundamentalist ist in diesem Sinne jeder, dem es mit irgend etwas ernst ist, das für ihn nicht zur Disposition steht. Für den banalen Liberalismus ist Freiheit: Vermehrung von Optionschancen. 
    Er läßt aber keine Option gelten, für die es sich lohnte, auf alle übrigen zu verzichten. 
    Von einer solchen Option aber spricht das Evangelium: 
    von dem Schatz im Acker und der kostbaren Perle, für die der, der sie findet, alles verkauft.

    Dieser Schatz war es, 
    der der europäischen Kultur ihre vitale Mitte gab. 
    Diejenigen, die für diesen Schatz wirklich alles verkauften, waren die Heiligen. 
    Das christliche Europa bestand 
    nicht überwiegend aus Heiligen. 
    Im Gegenteil. 
    Aber es existierte so lange, als es nicht daran zweifelte, daß die Heiligen den besten Teil erwählt hatten. 
    Sie waren es, die die letztlich geltenden Wertmaßstäbe repräsentierten. 
    Wenn Europa diesen Schatz verliert, bleibt ihm nur noch der banale Nihilismus, 
    also das Ende jeder Kultur, die diesen Namen verdient.
    [….]
    Eine an den Geist der Zeit angepaßte Kirche wird in Zukunft immer weniger interessieren. 
    Den großen christlichen Aufbrüchen gingen stets Epochen des Rückzugs, 
    der Distanznahme und der Rückbesinnung voraus. 
    Ohne den Rückzug des heiligen Benedikt in die Einsamkeit von Subiaco wäre dieser Heilige nicht Patron Europas geworden. 
    Und noch der renouveau catholique, die scharenweise Hinwendung von Intellektuellen und Künstlern zur Kirche am Anfang des 20. Jahrhunderts war nicht eine Frucht des Aufklärungskatholizismus des 18. Jahrhunderts, 
    sondern ihr ging voraus die Kampfansage des „Syllabus“ des Pius IX. an den religiösen Liberalismus im 19. Jahrhundert, durch den die Kirche zeitweise in eine Art Ghetto geriet. 
    Als Ausgangsposition für christliche Mission ist aber die zeitweise Verbannung ins sogenannte Ghetto offensichtlich günstiger als die Anpassung an den Zeitgeist, durch die das Salz allmählich schal wird
    [….]
    Den religiösen Liberalismus kann die Kirche nach wie vor nur als Gegner sehen,
    so wie ihn John Henry Newman sah. 
    Nur unter dieser Voraussetzung kann das Christentum Ferment der europäischen Kultur bleiben oder wieder werden. 
    Denn Relativismus und Skeptizismus sind nicht nur der spirituelle Tod der Seele, sondern auch der jeder vitalen Kultur.
    [….]
    Christus ist entweder wirklich von einer Jungfrau geboren und von den Toten auferstanden, oder er ist es nicht. 
    Tertium non datur. 
    Weil sie auf die Wahrheit bezogen ist, 
    ist die christliche Kultur Europaswesentlich universalistisch und deshalb hinsichtlich ihres Glaubenskerns missionarisch. 
    Am cor curvatum in se ipsum eines Eurozentrismus, 
    -
    der sich selbst relativiert, müßte die europäische Kultur sterben.“

  5. Zu sagen, die laizistische Gesellschaft mitsamt der sogenannten fortschrittlichen Kräfte verfügt über keinen historischen Fundament, über keine Kultur, ist nur die halbe Wahrheit. Seit der Aufklärung und der leidigen franz. Revolution mit ihren freimaurerischen Gedankengut ist ein morsches Fundament doch vorhanden.

    Wir wissen das alles, es läuft auf ein Gutmenschentum, auf eine Art der Barmherzigkeit ohne Christus hinaus, wo Kulturen der Völker aber auch die Familie als solches letztenendlich zerstört bzw. „überwunden“ werden sollen – alles zum „Wohle“ des Menschengeschlechts.

    Diese Ideologie wütet nun auch in der Kirche. Und diese Tatsache ist besonders schwerwiegend und dramatisch zu nennen. Denn die Kirche war ehemals stets das letzte Bollwerk der Wahrheit in Christus. Hoffen und beten wir weiterhin, dass es noch andere Hirten dies so erkennen und offen sich dagegen stellen werden.

  6. …nach dem Zusammenbruch,Sie sagen es!!!
    Ich fürchte,im Moment bricht noch ein bischen mehr zusammen als nur die Kirche!

    • Ja genau, der Europaeische Gedanke, der durch das Christentum begruendet wurde wird abgeschafft und durch Geld ersetzt.
      Heute ist das Fest Mariae Namen, eingesetzt als Dank fuer den Sieg ueber die Tuerken, welch ein Zeichen !

      • Das ist mir zu unrefelktiert @Leo Lämmlein, was Sie da schreiben.
        Auch der NS-Staat hatte keine Substanz uund ist folgerichtig zusammengebrochen, nach Abermillionen von Toten und Verletzten (für immer), nach extrem viel Leid und Schmerz von Unschuldigen- über Jahre und Jahrzehnte. Versuchen Sie mal, das mit dem Herzen zu überdenken. So wie Sie reden, klingt das nur verächtlich.

        Tatsache ist, daß die Regierung in Berlin Krieg gegen Deutschland und die Deutschen, vor allem gegen die Christen führt. Wir sind mittendrin in diesem feigen Krieg der Bösen. Sie nötigen uns den Islam auf, anstatt uns vor ihm zu schützen. Gerade eben am Bahnhof: arabische junge Männer umstellen eine junge Deutsche, fixieren sie, wollen `was von ihr- na was wohl? Nur eine Momentaufnahme und das passiert täglich, stündlich, minütlich in Deutschland. Ich stellte mich daneben. Wie gesagt: wir sind mitten im Krieg und haben als Gegner die Bundesregierung wie die Landesregierungen wie die Kirche und diesen pompösen „Papst“ Bergoglio.

        Heute, am Gedenktag der Schlacht von Kahlenberg, kann man die christlichen Heere nicht genug loben.

      • Franzel
        Ich habe es nicht verächtlich gemeint und bedaure, wenn es sich für Sie so anhörte. Doch bleibe ich bei meinem Satz, außer „alles“ ein zu starkes Wort ist, soweit es die irdischen Dinge betrifft. Die Gnaden-Ära geht zu ende, dieser Einschub in die Heilsgeschichte, der die Kirche (Gemeinde) aus den Heiden ist. Die Zeit der Drangsal Jakobs steht bevor. Im Reich des Messias, das danach kommt, wird es auch noch Sünde geben, aber sie wird nicht herrschen wie heute.

Comments are closed.