Einflußreichster Kritiker von Papst Franziskus unter den Vatikanisten vom Heiligen Stuhl vor die Tür gesetzt

Sandro Magister vom Heiligen Stuhl vor die Tür gesetzt
Sandro Magister vom Heiligen Stuhl vor die Tür gesetzt

(Rom) Sandro Magister ist seit 1974 Vatikanist des Wochenmagazins L’Espresso. Seit 41 Jahren berichtet er über den Heiligen Stuhl und die katholische Kirche aus erster Hand. Eine Tätigkeit, die er unter fünf Päpsten seit Paul VI. ausübte. Er berichtete mit bemerkenswerter Umsicht auch Hintergrundinformationen, darunter auch Enthüllungen. Unter keinem Papst wurde er gemaßregelt. Unter Papst Franziskus haben sich die Dinge jedoch geändert.

Ein Entwurf der Öko-Enzyklika Laudato Si, die vor wenigen Tagen von der Vatikandruckerei gedruckt, doch wegen Nachbesserungen eingestampft werden mußte, wurde von L‘Espresso veröffentlicht. Italienische Tageszeitungen vermuteten sofort „konservative Papstkritiker“ hinter der undichten Stelle. Eine Behauptung, die auch von dem Papst nahestehenden Stimmen im Vatikan zu hören war. Vom Presseamt des Heiligen Stuhls wurde die Veröffentlichung Magister zur Last gelegt und brachte ihm die schwerwiegendste der denkbaren Sanktionen ein. Seine Akkreditierung beim Heiligen Stuhl wurde „auf unbestimmte Zeit“ ausgesetzt. Seit 41 Jahren ging Magister, ein Veteran unter den Vatikanisten, im Presseamt des Heiligen Stuhls ein und aus. Er gehört zu den längstdienenden und mehr noch zu den erfahrensten Vatikanisten.

Wörtlich heißt es in der schriftlichen Mitteilung des vatikanischen Presseamtes:

„Ich bedauere es sehr, Ihr Federico Lombardi“

Das Schreiben des vatikanischen Presseamtes, mit dem der Vatikanist Sandro Magister ausgeschlossen wurde
Das Schreiben des vatikanischen Presseamtes, mit dem der Vatikanist Sandro Magister ausgeschlossen wurde

„Sehr geehrter Dr. Magister,
die von Ihnen vollzogene Veröffentlichung eines Entwurfs der Enzyklika des Papstes, für die eine Publikationssperre erklärt wurde, stellt eine offenkundig unkorrekte Initiative dar, die Quelle eines starken Unbehagens für sehr viele Journalistenkollegen und einer schwerwiegenden Störung eines guten Funktionierens dieses Presseamtes ist.

Ich teile Ihnen daher mit, daß Ihre Akkreditierung bei unserem Presseamt von morgen an auf unbestimmte Zeit suspendiert ist.

Ich bedauere es sehr, Ihr

Federico Lombadi SJ

NB: Natürlich muß diese Sanktion den Kollegen des Presseamtes bekanntgemacht werden.

Zur Kenntnis an
Dr. Luigi Vicinanza
Chefredakteur L’Espresso“

Magister, der an der Katholischen Universität von Mailand Philosophie, Theologie und Geschichte studierte, war Berater der Chefredaktion des Fernsehsenders der Italienischen Bischofskonferenz TV2000.

Bei Papst in Ungnade seit Enthüllung der Homo-Vergangenheit des Franziskus-Vertrauten Battista Ricca

Es ist bekannt, daß Magister unter den namhaften Vatikanisten eine besonders kritische Position gegenüber dem Pontifikat von Papst Franziskus vertritt. Beim argentinischen Papst fiel Magister bereits im Juni 2013 in Ungnade, als er die Ernennung von Msgr. Battista Ricca, dem Direktor des Gästehauses Santa Marta zum Hausprälaten der Vatikanbank IOR kritisierte. Magister enthüllte dabei die homosexuelle Vergangenheit des ehemaligen Vatikan-Diplomaten. Doch Papst Franziskus nahm seine Entscheidung nicht zurück. Ganz im Gegenteil.

Die Magister-Enthüllungen veranlaßten Journalisten auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro dem Papst Fragen zum Fall Ricca zu stellen. Papst Franziskus antwortete mit der berühmt-berüchtigten Gegenfrage: „Wer bin ich, um zu urteilen?“ Ein Satz, der seither völlig losgelöst vom Fall Ricca verallgemeinernd als Anerkennung homosexueller und anderer gegen die kirchliche Morallehre verstoßender Handlungsweisen verbreitet wird. Obwohl Politiker mit dem Satz die Legalisierung der „Homo-Ehe“ rechtfertigten, sah Papst Franziskus in bald zwei Jahren keine Notwendigkeit, die Aussage zu korrigieren.

„Denen da drinnen“ ein rotes Tuch

Für Magister bedeutete es, daß er seit dem Juni 2013 von bestimmten Prälaten des Vatikans, besonders dem engsten Vertrautenkreis von Papst Franziskus geschnitten wurde. Sandro Magister galt „denen da drinnen“, gemeint ist das Gästehaus Santa Marta mit der päpstlichen Entourage, als rotes Tuch. Viele Widersprüche des derzeitigen Pontifikats wurden durch seine exzellenten Informationen und seine scharfen Analysen auf breiter Ebene sichtbar. Er enthüllte die Rolle eines Regisseurs, die der Papst selbst bei den umstrittenen Machenschaften rund um die Bischofssynode 2014 innehatte.

Er kritisierte die umstrittenen Papst-Interviews mit dem Atheisten Eugenio Scalfari, während andere Vatikanisten ihnen blinden Beifall zollten oder mit Verrenkungen zu „erklären“ versuchten. Eine Kritik, die Magister übte, obwohl Scalfari selbst von 1963-1968 Chefredakteur des Espresso war. Das war zwar bevor Magister für das Blatt zu arbeiten begann, doch ist Scalfari bis zum heutigen Tag die graue Eminenz in der Verlagsgruppe. Das Wochenmagazin L‘Espresso und die Tageszeitung La Repubblica gehören zur selben Mediengruppe. Auch hausintern machte sich der Profijournalist mit seiner Kritik nicht nur Freunde.

Umgekehrt wurde Magister wegen seiner nüchternen Haltung, die ihn vor einer falschen Apologetik feite, zum Adressaten für unzählige Informationen, die ihm von papstkritischen Prälaten zugespielt wurden.

Wie sich die Sanktion auf Magister Arbeit auswirken wird, muß sich erst zeigen. Zunächst ist abzuwarten, wie sein Arbeitgeber reagiert. In der Chefredaktion oder auf der Herausgeber- und Eigentümerebene könnte sich die Meinung durchsetzen, daß ein Vatikanist ohne Akkreditierung ein Widerspruch ist. Bei L‘Espresso, dem italienischen Gegenstück zum deutschen Spiegel ist eine solche Sichtweise nicht zwingend.

Ein Schönheitsfehler als willkommener Anlaß?

Der Zorn der anderen Vatikanisten über Magisters Alleingang ist beachtlich. Dennoch sind einige der Überzeugung, daß Magisters Involvierung jemandem im Vatikan nicht so ungelegen kam. Vatikansprecher Lombardi begründete die Sanktion mit der objektiven Gewißheit, daß Magister die Veröffentlichungssperre durchbrochen habe. Genau dies bestritt Magister gegenüber Associated Press. Der Herausgeber des Espresso habe die Veröffentlichung entschieden. Er, Magister, habe lediglich einen kurzen Vorspann verfaßt, der ihm notwendig schien. Auf die Entscheidung zur Veröffentlichung habe er keinen Einfluß gehabt.

Magister ist nicht der erste Journalist, dem die Akkreditierung entzogen wurde. Dennoch handelt es sich um eine äußerst selten gebrauchte Sanktion. Um so mehr verstärkt sich der Eindruck, der Vorfall habe jemandem die willkommene Gelegenheit geboten, den einflußreichsten Kritiker von Papst Franziskus unter den Vatikanisten vor aller Augen abzustrafen. Daß Papst Franziskus nachtragend ist, ist hinlänglich bekannt. Der Entzug der Akkreditierung beim Presseamt des Heiligen Stuhls entzieht einem Vatikanisten geradezu den Boden unter seiner Arbeit. Ein Schritt, soviel steht fest, der auch für Magister überraschend kam.

„Der neue Despotismus im Vatikan fordert ein weiteres Opfer“ kommentierte Chiesa e postconcilio den Rauswurf Magisters, der als „unbestechlich und wirklich ein Katholik“ beschrieben wird. „Die neue Barmherzigkeit in Aktion grenzt auch in diesem Fall, wäre es nicht so besorgniserregend, an Lächerlichkeit“, so die traditionsverbundene römische Internetseite.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: InfoVaticana

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21 Comments

  1. Die Vorabveröffentlichung eines wichtigen Dokuments mit Sperrfrist ist kaum bestreitbar eine schwere Indiskretion und Unkorrektheit gegen den Verfasser. Hätte Sandro Magister die Finger von dem Vorspann gelassen, hätte er nicht bestraft werden können. Wieweit er als abhängig beschäftigter Journalist dazu berechtigt war bzw. es sich leisten konnte, ist eine andere Frage. Für das Publikum ist das Leak möglicherweise von Vorteil, weil ein Vergleich der Abweichungen beider Fassungen aufschlussreich ist.

  2. Gerade lese ich auf kath.net, dass das Wochenmagazin «L‘Espresso» im gleichen Verlag erscheint wie die linksliberale und kirchenkritische Tageszeitung «La Repubblica» (Scalfari…).

    Nun dürfte ziemlich klar sein, wer die Vorab-Veröffentlichung beschlossen hat. Man hat Herrn Magister offensichtlich eine Falle gestellt.

  3. Wenn sich Sandro Magister auch nicht korrekt verhalten hat, so möchte ich doch eines bemerken.
    Wie wir uns noch erinnern, gab Papst Franziskus im September 2013 Eugenio Scalfari ein Interview.

    Dieser äusserte sich später vor Journalisten so:
    „Einige Dinge, die der Papst mir gesagt hat, habe ich nicht berichtet und einige Dinge, die ich ihm in den Mund gelegt habe, hat er nicht gesagt“. Der Papst aber, so Scalfari, wollte, daß das Interview so veröffentlicht wird.
    http://www.katholisches.info/2013/11/22/hintergruende-zum-papst-interview-scalfari-die-antworten-des-papstes-habe-ich-selbst-formuliert/

    Trotz dieser Aussage bekam Scalfari ein zweites Interview.
    http://www.katholisches.info/2014/07/16/mit-zweitem-scalfari-papst-interview-tauch-auch-erstes-wieder-auf/

    Das Interview wurde -zusammen mit Interviews anderer Gesprächspartner- sogar als Buch herausgegeben.

    Sandro Magister hat einen Text veröffentlicht, der noch nicht freigegeben war und was er nicht hätte tun sollen.
    Er hat aber nichts weggelassen und nichts hinzugefügt, er hat nicht gelogen.
    Eugenio Scalfari -mit Gesprächsinhalten nachweislich sehr locker umgehend- wird geehrt.

    Der Vorfall um Sandro Magister erinnert mich ein bisschen an Edward Snowden, dem wir doch einiges zu verdanken haben.

    • Ihre Gegenüberstellung des päpstlichen bzw. vatikanischen Verhaltens gegen Scalfari und gegen Magister ist sehr treffend. Der Atheist, der es mit der Wahrheit nicht genau nimmt, hat freie Hand, wird hofiert und gehätschelt, der gläubige Katholik wird gedemütigt und bestraft. Hach, genau so habe ich mir die Kirche und ihr sichtbares Oberhaupt immer gewünscht.

  4. Diese Entscheidung ist nachvollziehbar und absolut korrekt. Auch Herr Magister hat nun mal keine Narrenfreiheit und da war es an der Zeit, ihm die Grenzen aufzuzeigen. Ich habe in einem anderen Thread hier schon bemängelt, dass ich persönlich es als problematisch ansehe, den Spekulationen eines Journalisten, auch wenn er langjähriger Vatikanist ist, Raum zu geben.

    Seiner vollkommen falsche Behauptung von vor einiger Zeit, die Enzyklika sei eingestampft worden und somit weg vom Fenster, folgen jetzt Revidierungen, dass bis zuletzt an der Enzyklika rumgebastelt würde. Hoffen wir mal, dass seine Informationen diesmal aktueller sind und vorallem der Wahrheit entsprechen.

    Dass er keinen Einfluss auf die Veröffentlichung gehabt haben will – naja! Er ist seit 41 Jahren Vatikanist, genießt Ansehen und ist in der katholischen Medienwelt über Italien hinaus eine bekannte Persönlichkeit. Und er will keinen Einfluss haben, was aus seinem Ressort veröffentlicht wird? Also bitte! Man möge uns doch nicht für dumm verkaufen.

    • Sie schreiben hier Unrichtiges:
      Wieso die „Behauptung“ v. Hr. Sandro Magister, die Enzyklika sei eingestampft worden, vollkommen falsch sei, ist mir unklar.
      Wahr ist dagegen daß schon seit über einem Jahr bekannt ist daß an einer Enzyklika gearbeitet wurde, und seit inzwischen schon 7 Monaten daß sie über Ökologie handeln wurde;
      genauso wahr ist, daß Victor Manuel Fernandez von der UCA (Universitad Catholica Argentina), gut befreundet mit P. Franziskus, den Löwenteil hieran geschrieben hat (wie vor vielen Jahren die Deklaration v. Aparecida);
      Am Ende des Jahres 2014 wurde V. Manuel Fernandez deshalb übrigens extra „durchleuchtet“ v. traditionsfreundlichen Kreisen, wobei eine Unmenge an theologischen Unsinn und Schockierendes zutage kam (z.B. das Buch „Saname con tu boca. El arte de besar“ (Heile mich mit deinem Mund.Die Kunst des Küssens)) ;
      es paßt übrigens wunderbar zu dem gewaltigen Sittenverfall des Klerus an der Rio de la Plata, wo Mario Battista Ricca sich herumtrieb.
      Manuel Fernandez ist übrigens nicht sehr bescheiden und demütig:
      der Vaticanist-Kirchenjournalist der Corriere della Sera mußte 2x zu V. Manuel Fernandez in Argentinien fliegen um diesen hierzu zu interviewen;
      diese erste Fassung hätte schon Ende April publiziert werden sollen, bekam jedoch von der Kongregation der Glaubenslehre kein fiat und mußte halsüberkopf zurückgezogen werden. (Das ist dann wohl das „theologische Strukturieren dieses Pontifikats“).
      Inzwischen fanden noch Besuche von Ban-Ki-Moon (UN) und eines Adepten für Bevölkerungszuwachsbeschränkung statt.
      Summa summarum: es gibt offensichtlich sehr viele Vorabfassungen von dieser Enzyklika und es gibt sehr viele Personen die davon auch wissen.
      Qua Geheimhaltung ist dies technisch Stümperei hoch drei.
      Das ist nun wirklich keine „Spekulation“ sondern meine persönliche technische Meinung, leider in diesem Pontifikat stets wieder bestätigt.
      Was übrigens Ökologie betrifft:
      wer es fertig bringt mit einem alten Renault 4 in den Petersdom hineinzufahren und die Kunstschätze dort mit den Auspuffgasen zu gefährden (ich habe vor langer Zeit selber einen Renault 4 gefahren), ist ein Kunstbanause und versteht von Ökologie nichts.

      • Ja und? Was hat das mit dem Post von @roesler zu tun?

        Von den Entgleisungen des Sandro Magister, die @roesler konkret benennt, sind sie über katholischen Klatsch über den oder jenen engeren oder weiteren Freund und Mitarbeiter F.s punktgenau bei Ihrem privaten alten R4 gelandet. Jetzt sind wir bestens informiert!

        Chapeau bas!

      • @ Adrien Antoine
        Am 13. Mai konnten wir hier lesen
        http://www.katholisches.info/2015/05/13/die-versenkte-oeko-enzyklika-papst-franziskus-und-seine-baustellen/

        Darin hieß es:
        Die angekündigte und seit Wochen fertiggestellte Öko-Enzyklika wurde laut dem Vatikanisten Sandro Magister zurückgezogen und eingestampft. Grund dafür sei, so der Vatikanist, daß Papst Franziskus sich wohl bewußt wurde, daß der derzeitige Text keine Chance hätte, die Prüfung durch die Glaubenskongregation unter Leitung von Kardinalpräfekt Gerhard Müller zu bestehen. Kardinal Müller dürfte dem Papst zu verstehen gegeben haben, daß der Entwurf unannehmbar ist.

        Weder wurde die Vorlage eingestampft, noch ist davon auszugehen, dass ein völlig neue Enzyklika verfasst wurde. Außerdem kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Papst Franziskus „Angst“ vor einem Urteil von Kardinal Müller hat.

        Da lediglich die ersten sechs sowie in Ansätzen die vier Zeilen etwas mit dem Thema Magister und der Enzyklika zu tun hatten, ist meine Antwort dementsprechend kurz. Lediglich eine Frage haben Sie bei mir aufgeworden: Wer ist der „Kunstbanause“, wie Sie es nennen, der mit einem alten R4 in den Petersdom „hineingefahren“ ist., wie Sie behaupten?
        Habe dazu nichts gelesen und auch im Internet nichts finden können. Erhellen Sie hier doch bitte ein wenig das Dunkel.

  5. Wie kann es sein, dass der Herausgeber von L‘Espresso nicht auf sein bestes Pferd im Stall hört und etwas ohne dessen Zustimmung veröffentlicht? Dass dies jetzt eine willkommene Gelegenheit war, Sandro Magister loszuwerden, ist natürlich auch offenkundig. Was machen wir denn jetzt ohne ihn? Gibt es überhaupt jemanden, der an ihn heranreicht?

  6. Sandro Magister ist seinen Feinden ins Messer gelaufen. Er hat Fehler gemacht, die hier nicht gutzuheißen sind mit der unberechtigten Veröffentlichung. Jetzt hatte man die lange gesuchte Handhabe, ihn loszuwerden. So sehe ich das.

  7. Die Enzyklika im Entwurf ist ein herzloser Monolog. Was ist das für ein „Brief“ ohne Gruß und ohne Anrede und ohne Segen? Und von wem? Die Enzykliken der Vorgänger schreiben im Titel: von Papst sowieso. Erst Papst Franziskus fing damit an, sich selbst mit „Heiliger Vater Papst Franziskus“ zu titulieren, so bei seiner letzten Enzyklika, und diesmal gar ist er nur der „Heilige Vater Franziskus“. Die Anrede „Heiliger Vater“ ist erst im 19. Jahrhundert üblich geworden. In der Heiligen Schrift kommt dieser Ausdruck nur einmal vor, wenn der Heiland im hohenpriesterlichen Gebet Gott Vater im Himmel anredet. Dieser feierliche, erhabene Ausdruck wird aufgenommen in der Messpräfation. Und nun nennt Franziskus demütig sich selbst Heiliger Vater (nämlich der ganzen Menschheit, für welche der Text ja gedacht ist) und bringt damit zum Ausdruck: Was geht es mich an, dass Du, Nazarener, den Jüngern gesagt hast, niemand solle sich den Titel Vater beilegen, denn nur einer ist der Vater, der Vater im Himmel, „ihr alle aber seid Brüder“, ja was geht das mich an, was Du gesagt hast, ich verstehe das anders, Du meinst das, was Du sagst, nicht so, und dafür habe ich die Tradition und die Theologen, die es besser wissen als Du.

  8. Nach Paulus gereicht denen, die Gott lieben, alles zum Guten – gerade das Schwere und Widerwärtige. Möge das auch für Sandro Magister gelten.

  9. Zu dem ungerechtfertigten Vorwurf v. „Spekulationen“ v. Hr. Sandro Magister doch etwas Substanzielles:
    Die stark histrionischen Taten v. Mario Battista Ricca (öffentlich und ungeniert Zusammenleben mit dem Schweizer Hr. Patrick Haari in der Nuntiatur v. Montevideo) wurden vielfach und sehr stark moniert und beklagt bei den vatikanischen Behörden, wo Ricca jedoch stets durch einen sehr hohen Kardinal geschützt wurde.
    Eine Verprügelung von Ricca zu mitternächtlicher Zeit auf einem als Homosexuellentreff bekannten Boulevard in Montevideo wurde sowohl von dem Taxifahrer als von den dortigen Polizeibehörden aktenkundig gemacht (soweit zu „Spekulationen“).

    Der neue aus Polen stammende Nuntius entfernte Ricca dann am Ende:
    (Und jetzt wird es witzig): Vor wenigen Tagen erschien auf kath.net ein kleiner Artikel über 2 Nonnen (englisch und neuseeländisch), die in Rom in einem Aufzug einer Organisation eine Panne erlitten und bei sehr heißen Temperaturen ein knappes Wochenende lang dort ausharren mußten.
    Zum Glück ohne größere gesundheitliche Schäden.
    Natürlich die üblichen exuberanten Genesungs- und Dankesworte.

    Mario Battista Ricca erlitt ein ähnliches Malheur in Montevideo in der Nuntiatur und wohl an einem verlängerten Wochenende;
    wenn dann die Aufzugmonteure das Ding wieder zum Laufen brachten und die Lifttüren aufgingen, wurde unter den Augen von vielen Neugierigen Ricca in dem Aufzug gefunden in Anwesenheit eines stadtbekannten sehr jungen Homophilen.
    Das Alter, @roesler, wurde leider nicht genau festgestellt.
    Das ist leider keine Spekulation, sondern ganz harte Realität.
    Ricca wurde unter Bergoglio dann als sein persönlicher Vertrauter zum Hausprälaten der Vatikanbank ernannt und stets im Schutz genommen. Als Chef des domus Sanctae Martae wird Ricca sicher für gut funktionierende Aufzüge sorgen!

  10. Sehr interessanter Artikel hierzu. Das brachte wohl das Faß zum überlaufen…

    http://www.katholisches.info/2015/05/02/missfallensindex-der-botschafter-und-der-kardinal/

    (Rom) Der Vatikanist Sandro Magister berichtet über die jüngsten Ereignisse um Papst Franziskus. Er erhebt die schwerwiegende Anschuldigung, daß noch nie soviele Homosexuelle auf führende Posten im Vatikan befördert wurden wie unter dem argentinischen Papst.
    Zudem habe Kardinal Müller mit seiner Ankündigung, das Pontifikat von Papst Franziskus „theologisch strukturieren“ zu wollen, „nervöse Reaktionen“ im direkten Umfeld des Papstes provoziert. Der Vorstoß wird als Einschränkung des Handlungsspielraums des Papstes gesehen, und ist vom Glaubenspräfekten was den Inhalt von Aussagen und Dokumenten anbelangt, offensichtlich auch so gemeint.

  11. So what?!

    Was soll dieses dünnhäutige Getue im Vatikan, wo man doch u.a. ein „Feldlazarett“ sein will und dem Personal aufgibt, den „Duft der Schafe“ anzunehmen? Wer dort anpacken muss, dessen Weste bleibt nicht weiß! Denn sowohl in einem Lazarett als auch in einem Stall müssen Prioritäten gesetzt und auch mal rasche, handfeste Entscheide gefällt werden können. Jedenfalls bleibt da kein Raum für ein Gehabe, das Franziskus persönlich in seiner unflätigen Sprache mal „Jungfern“ zugeschrieben hat – er sollte mal in den Spiegel schauen, statt Ordensschwestern lächerlich zu machen!

    Schließlich ist ein „akkreditierter Journalist“ eines m.W. unabhängigen Verlagshauses doch nicht mit einem Botschafter oder einer sonstigen Diplomatenschranze gleichzustellen, die das offizielle Bindeglied einer ausländischen Regierung bilden und deshalb beim Hl. Stuhl akkreditiert werden!

    Wenn es jemanden zu feuern gäbe, dann die hinterfotzigen Leaker des Vatikan oder dessen unfähigen IT-Chef, aber doch nicht den Journalisten! Dessen Aufgabe ist es, recherchierte und erhaltene Informationen so gründlich auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen, dass sie dem RISIKO einer Vorveröffentlichung weitgehend Stand halten. Ist doch nicht sein Problem, wenn die Showmaster nun – offensichtlich – mit einer ollen Kamelle an die Öffentlichkeit treten müssen! Das ist doch klar, aber in DIESER Beziehung möchte man im Vatikan, sekundiert durch einige Poster hier, plötzlich überhaupt nicht „modern“, geschweige denn „professionell“ sein.

    Aber eben, m.E. geht es um „Show“. Denn wäre das, was in der Enzyklika drinsteht wirklich für das Seelenheil der Menschen wichtig, könnte dem Vatikan das Leak völlig schnuppe sein – die Wahrheit ist doch nicht an die Finessen und Tricks einer – möglicherweise mit der UN-Promienz abgestimmten – Kommunikationsstrategie gebunden!

  12. @carlo:
    Sehr richtig gesehen.
    Im Vatikan liegen die Nerven blank.
    Seit mehr als einem Jahr wird von einer Enzyklika von „Papst Franziskus“ gesprochen, viel Tamtam gemacht, wird dann angekündigt („geleckt“) daß es um Ökologie geht, wurde dann EB Victor Manuel Fernandez beauftragt sehr viel zu schreiben;
    nachdem V. Manuel Fernandez dann in den Endjahrstagen 2014 mit seinem Buch „Saname con tu boca. El arte de besar“ (Lumen, 1994 Buenos Aires) einen Volltreffer erlitt, mußte die anfängliche Version dann ganz umgeschrieben werden.
    Das ursprüngliche Erscheinungsdatum von 28. April konnte nicht gehalten werden.
    Inzwischen kursieren schon mehrere Versionen in Extrakten.
    Besondes nervös macht der Gedanke, daß diese Versionen untereinander und mit der „endgültigen“ verglichen werden könnten- die Gefahr daß offensichtliche ketzerische Gedanken zu Tage treten konnten, ist zu groß.
    Und man will natürlich eine bestimmte Show.

    Übrigens: @zeitschnur und @roesler sind sehr schlecht informiert.
    Die Fotos mit dem R4 in dem Petersdom kann man auf vielen Websites und Blogspots sehen.
    Es war der erste Ersatz der Elektrofahrbühne v. Papst Benedikt XVI.
    Ein so kurzes Gedächtnis ist traurig.

    Wieso man übrigens die Aussagen von Aufzugreparateuren, Taxiunternehmer und die offizielle Dokumente der Polizei v. Montevideo als „Klatsch“ abtut, verstehe ich nicht ganz.
    Ich finde es sehr scheinheilig daß man über 2 unglückliche Nonnen in einem kaputten römischen Aufzug unbeanstandet einen rührenden Artikel schreiben kann (cfr. kath.net) und daß anderseits über das Malheur in Montevideo geschwiegen werden sollte.
    Das ist nicht sehr konsequent.
    Denn wenn ich ein Fehler machen würde, wer ist Franziskus daß er mich verurteilen würde?(sic)

    • @Adrien Antoine

      Bezüglich des Renaults im Petersdom habe ich kein kurzes Gedächtnis – ich habe davon noch nie etwas gehört. Ebenso habe ich auf google hierzu keine Bilder gefunden. Da sie offensichtlich ja wissen, auf welchen Seiten sich diese Bilder befinden, posten Sie doch bitte entsprechende Links. Vorab vielen Dank!

      • @Adrien Antoine

        Ich gehe davon aus, dass Sie selbst bei besagten Bildern nicht fündig werden.

        Gleichzeitig frage ich mich, wieso stellt man dann solche Behauptungen entgegen der Wahrheit auf und verstößt bereitwillig gegen das 8. von Gottes Geboten?

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