„Homo-Ehe“ eine „Niederlage für die Menschheit“ – doch kirchliche Medien lassen Aussage des Kardinalstaatssekretärs verschwinden

Wurde Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zensuriert
Wurde Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zensuriert

(Rom) Was spielt wer genau warum in Rom? Diese Frage dürfte sich in diesen Tagen auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gestellt haben. Er mußte soeben feststellen, im eigenen Haus zensuriert zu werden. Im Interesse welcher Staatsräson?

Am Rande einer Veranstaltung der Stiftung Centesimus Annus kommentierte der Kardinalstaatssekretär am Dienstagnachmittag den Ausgang des Referendums in Irland, bei dem sich 62 Prozent der Wähler für die Legalisierung der „Homo-Ehe“ ausgesprochen hatten.

“Dieses Ergebnis hat mich sehr traurig gestimmt. Natürlich hat sich die Kirche, wie der Erzbischof von Dublin sagte, dieser Realität zu stellen, sie hat es meines Erachtens aber in dem Sinn zu tun, daß sie wirklich ihren gesamten Einsatz verstärken und einen Anstrengung unternehmen muß, auch die Kultur von heute zu evangelisieren. Und ich denke, daß es sich nicht nur um eine Niederlage für die christlichen Grundsätze handelt, sondern auch ein wenig um eine Niederlage für die Menschheit.“

Staatssekretär fegte mit einem Schlag das ganze Dickicht nebulöser Aussagen von Bischöfen weg

Die knappen, aber klaren Feststellungen schnellten sofort bei den aktuellen Meldungen der internationalen Medien an die erste Stelle. Auch im deutschen Sprachraum wurde die Aussage von den weltlichen Medien umgehend wiedergegeben. Der Kardinalstaatssekretär hatte mit einem Schlag das ganze Dickicht nebulöser Aussagen seiner bischöflichen Mitbrüder zum Referendumsausgang hinweggefegt.

Am Pfingstmontag wurde Kardinal Parolin wie jeden Montag von Papst Franziskus in Audienz empfangen, um die aktuellen Angelegenheiten zu besprechen. Eine wöchentliche Audienz, die vom Tagesbulletin des Presseamtes nicht gemeldet wird.

Sandro Magister zieht daraus den Schluß, daß die Worte des Kardinalsstaatssekretärs am folgenden Tag „mit ziemlicher Sicherheit“, die Meinung des Papstes widerspiegelte.

Vatikannahe Medien zensurierten Kardinalstaatssekretär

Geht es zumindest nach dem, wie die offiziellen kirchlichen Medien im und um den Vatikan darüber berichteten, scheint dem nicht so gewesen zu sein.

Der Osservatore Romano versteckte die Aussage des Kardinalstaatssekretärs auf Seite 7 mit dem äußert vagen Hinweis auf der Titelseite: „Für einen erneuerten Einsatz der Kirche. Wortmeldung des Staatssekretärs.“

Der Avvenire, die Tageszeitung der Italienischen Bischofskonferenz sah sich in der Pflicht, die Worte des Kardinals „zu domestizieren“, so Magister. Am 28. Mai titelte das Blatt: „Homo-Ehe und natürliche Familie. Die Kirche hat nur eine Stimme“. Die einprägsame, markige Aussage, daß die “Homo-Ehe” eine “Niederlage für die Menschheit” ist, ließ man unter den Tisch fallen.

Zudem ließ der Avvenire den Worten von Kardinal Parolin nahtlos Worte des Generalsekretärs der Italienischen Bischofskonferenz, Bischof Nunzio Galantino, folgen. Galantino ist nicht nur der Mann des Papstes in der Bischofskonferenz, sondern auch ein Meister nebulöser Aussage. Und der Herausgeber des Avvenire.

Distanzierungen von Parolin-Aussage beim „Freundeskreis Papst Franziskus“

Am vergangenen Donnerstag, am Abend des 28. Mai, fand in Rom auch das monatliche Treffen des Cenacolo degli amici di papa Francesco, des „Freundeskreises von Papst Franziskus“ statt. Auch dort wurde über die Wortmeldung des Kardinalstaatssekretärs gesprochen und gleich mehrere Distanzierungen von der von Parolin beklagten „Niederlage für die Menschheit“ geäußert.

„Diesen Satz hätte ich mir gespart“, zitiert Sandro Magister den Journalisten Raffaele Luise, der die Fäden beim „Freundeskreis“ zieht. Ganz schuldbewußt gestand Vania De Luca, Vatikanistin von RaiNews, Kardinal Parolin zu dessen Aussage veranlaßt zu haben: „Leider habe ich ihm die Frage gestellt.“

Andere anwesende Freundeskreismitglieder wie die Kardinäle Walter Kasper und Francesco Coccopalmerio gaben zumindest zu, daß der Kardinalsstaatssekretär mit seiner Aussage letztlich recht habe.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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