Abtreibung und Weltklima: Im Vatikan redet jemand großen Unsinn

Kurienerzbischof Marcelo Sanchez Sorondo (menschengemachter) Klimawandel schuld an Abtreibung
Kurienerzbischof Marcelo Sanchez Sorondo: (menschengemachter) Klimawandel schuld an Abtreibung

(Rom) Msgr. Marcelo Sánchez Sorondo, ein argentinischer Kurienerzbischof, ist Kanzler der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften. Die Akademie geriet jüngst wegen der Durchführung einer internationalen Konferenz zum Klimawandel und der nachhaltigen Entwicklung in die Kritik. Kritisiert wurde vor allem die Anwesenheit von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, der von Papst Franziskus empfangen wurde und anschließend die Eröffnungsrede der Konferenz hielt, und von UNSDNS-Direktor Jeffrey Sachs (UN Sustainable Development Solutions Network), der Hauptreferent der Konferenz war. Beide sind bekannte Neo-Malthusianer, die es geradezu als Pflicht betrachten, die Weltbevölkerung zu dezimieren. Rund um die Konferenz und die angekündigte Öko-Enzyklika von Papst Franziskus wurden Fragen laut, ob sich die Katholische Kirche der Klimadoktrin, der Weltbevölkerungsdoktrin und der Abtreibungsdoktrin der UNO beugt.

In einem Interview der amerikanischen Internetseite C-Fam versuchte Erzbischof Sánchez Sorondo die Päpstliche Akademie gegen die Kritik an der Konferenz zu verteidigen. In Wirklichkeit bestätigte der ranghohe argentinische Kurienvertreter, daß Sorgen und Kritik durchaus berechtigt sind.

Klimaskeptiker „im Sold der Mineralölindustrie“

Laut Sánchez Sorondos Worten steht jeder, der die Klimadoktrin, laut der die globale Erderwärmung menschengemacht sei, leugnet oder auch nur bezweifelt, im Sold der Mineralölindustrie. Nicht nur diese Aussage forderte den Chefredakteur der Nuova Bussola Quotidiana (NBQ), Riccardo Cascioli, zu einer Antwort an den Kurienerzbischof heraus.

„Mit anderen Worten: Das einzige Motiv, weshalb zahlreiche Wissenschaftler und Fachexperten die Haltlosigkeit dieser These zu beweisen versuchen, ist ihre persönliche Korruptheit“, so Cascioli. „Da ich selbst zu diesen Skeptikern gehöre, mehrere Bücher und zahllose Artikel über die ‚Lügen der Umweltschützer‘ geschrieben habe, fühle ich mich von Ihren verleumderischen Worten persönlich angegriffen und fordere Sie öffentlich heraus, Ihre Behauptungen zu belegen, indem Sie konkrete Beweise bringen, daß ich irgendwelche Verbindungen zur Erdölindustrie habe, die über meine ziemlich regelmäßigen Besuche von Tankstellen hinausgehen, um den Tank meines Autos aufzufüllen.“

Es sei ein großer Unterschied, ob bestimmte lächerliche Anschuldigungen von irgendwelchen Öko-Fanatikern behauptet werden, die eine politische Ideologie vertreten und jeden verunglimpfen, der sich ihren Vorstellungen nicht beugen will, oder ob ein katholischer Bischof, der einer wichtigen päpstlichen Akademie vorsteht, sich leichtfertig solche Sprüche zu eigen mache, so Cascioli.

Erzbischof Sánchez Sorondo habe damit auch Hunderte von ehrlichen Wissenschaftlern beleidigt, die ihr Leben der Erforschung von Klimaphänomenen gewidmet haben. Es sei eine anzuerkennende Tatsache, daß wir über das Klima noch so gut wie gar nichts wissen. „Sie sollten vielmehr die Thesen der ‚Klimaskeptiker‘ ernsthaft prüfen. Prüfen sollten Sie auch, ob nicht vielleicht manch einer Ihrer Öko-‚Freunde‘ ein guter Verbündeter der Erdölindustrie ist. Nur ein Beispiel: Die teils wüsten Kampagnen gegen die Atomenergie und die Nötigung zu teuren und nicht selten wenig effizienten erneuerbaren Energiequellen sind die beste Garantie für jene, die aus fossilen Brennstoffen Gewinn erzielen“, so Cascioli.

Sanchez Sorondo: „Abtreibung eine Folge des Klimawandels“

Papst Franziskus, UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, dazwischen Kurienerzbischof Sanchez Sorondo
Papst Franziskus, UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, dazwischen Kurienerzbischof Sanchez Sorondo (Vatikan, 28. April 2015)

Andere Aussagen von Erzbischof Sánchez Sorondo irritieren noch weit mehr. Auf die Frage, ob die Päpstliche Akademie und er persönlich Kenntnis davon hatten, daß Jeffrey Sachs ein führender Unterstützer der Abtreibungsdoktrin ist, antwortete der Kurienerzbischof lapidar: „Es gibt nicht nur das Abtreibungsdrama“, sondern auch viele Formen moderner Sklaverei: Menschenhandel, Zwangsarbeit, Prostitution, Organhandel, die alle miteinander in Zusammenhang stünden.

Wörtlich sagte Sánchez Sorondo: „Die Klimakrise verursacht die Armut und die Armut führt zu neuen Formen der Sklaverei und erzwungener Wanderungsbewegungen und zur Droge und das alles kann zur Abtreibung führen“.

Die Antwort erstaunt in mehrerlei Hinsicht. Unter anderem weil sie ebensogut von einem Marxisten stammen könnte und weil sie einen Kausalzusammenhang konstruiert, der an Unkenntnis und Naivität kaum zu überbieten, jedenfalls für den Kanzler einer Päpstlichen Akademie geradezu erschreckend ist. Letztlich wäre demnach, laut Erzbischof Marcelo Sánchez Sorondo, Abtreibung eine Folge des Klimawandels, und Frauen, die abtreiben lassen, durch den Klimawandel in die Armut gedrückt worden.

Cascioli: „Bei allem Respekt, was für ein Schwachsinn“

„Bei allem Respekt: Bei all dem Schwachsinn, den ich in den vergangenen Jahren über den Klimawandel gelesen habe, übertrifft dieser alles, und es wäre eigentlich zum Lachen, wenn es nicht so tragisch wäre“, so Cascioli. 50 Millionen Abtreibungen jährlich sind ein Blutbad, für das es nichts Vergleichbares in der Menschheitsgeschichte gibt. „Ein Blutbad, das einige, darunter auch Ihr ‚Freund‘ Sachs als zentrales Menschenrecht fordern und Sie erklären es sogar zu einer direkten Folge des Klimawandels.“

In der Welt würden leider viele Verbrechen begangen, deren Ursache – wenn schon – die Ursünde und nicht der Klimawandel ist: „Die Abtreibung ist aber das schlimmste von allen, sowohl was ihr Ausmaß als auch ihre Natur anbelangt. Die vorsätzliche Vernichtung des verletzlichsten, schutzlosesten Geschöpfs“, so Cascioli. Von einem „verabscheuungswürdigen Verbrechen“ spricht das Zweite Vatikanische Konzil. Eine Formulierung, die von allen Päpsten seither aufgegriffen und wiederholt wurde. Auch Papst Franziskus machte sie sich am 11. April 2014, wenn auch nicht vor großem Publikum zu eigen, als er eine Lebensrechtsorganisation in Audienz empfing.

„Reproduktive Gesundheit“ = Abtreibung = „verabscheuungswürdiges Verbrechen“

„Damit wird den anderen Verbrechen gegen die Person nichts von ihrer Schwere genommen, doch die Ursachenabfolge ist umzudrehen: Von wegen Klimawandel, wenn schon beginnt alles mit der Tötung der Kinder im Mutterleib“, so Cascioli, denn es gehe den Neo-Malthusianern um die Dezimierung der Weltbevölkerung.

Im weiteren erklärte Erzbischof Sánchez Sorondo in einem intensiven Dialog mit Jeffrey Sachs und Ban Ki-moon zu stehen und daß im Entwurf für die Ziele der nachhaltigen Entwicklung kein Wort von Abtreibung oder Bevölkerungskontrolle stehe. Mag sein. Dafür finden sich dort die Formulierungen wie „Familienplanung“, „Sexualplanung“, „reproduktive Gesundheit“ und „reproduktive Rechte“. Formulierungen, die einige Regierungen – laut Erzbischof Sánchez Sorondo – „wie Paul VI. im Sinne von verantworteter Vater- und Mutterschaft interpretieren können“.

Päpstliche Akademie ignoriert UNO-Weltbevölkerungs- und Frauenkonferenzen

Klimakonferenz im Vatikan (28. April 2015). Kleiner Kreis: Erzbischof Sanchez Sorondo, großer Kreis v.l.: Jeffrey Sachs, Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella, UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon
Klimakonferenz im Vatikan (28. April 2015). Kl. Kreis: Erzbischof Sanchez Sorondo, gr. Kreis v.l.: Jeffrey Sachs, Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella, UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon

„Offensichtlich ignorieren Sie völlig die Geschichte der internationalen UNO-Konferenzen und die Entstehungsgeschichte und damit wirkliche Bedeutung dieser Begriffe. Wahrscheinlich haben Sie auch nie etwas von der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo 1994 gelesen und auch nie etwas über die harten Kämpfe, die seit Jahren in jeder UNO-Kommission und ebenso in der Europäischen Union über „reproduktive Gesundheit und Rechte“ ausgetragen werden. Daher wissen Sie auch nicht, daß das Konzept der ‚reproduktiven Gesundheit‘ eigens für die Verbreitung von Abtreibung und Verhütung eingeführt wurde, ohne sie beim Namen nennen zu müssen. Und genau mit diesem Zweck fügte man sie in die Gesundheitsprogramme ein.

Offensichtlich haben Sie auch keine Ahnung, daß die ‚reproduktive Rechte‘ die ‚Selbstbestimmung‘ der Frau über ihren Körper meint und damit das ‚Recht‘, ihre ungeborenen Kinder nach Belieben töten lassen zu können. Ebenso ein zügelloses Verlangen nach künstlicher Befruchtung in allen Varianten, einschließlich der Vernichtung unzähliger, ‚überschüssiger‘ Embryonen, der Leihmutterschaft für Frauen, die zu alt sind, für eigene Kinder, für Frauen, die sich durch eine Schwangerschaft ihren Körper nicht ‚entstellen‘ lassen wollen und natürlich neuerdings vor allem für Schwule, die sich ihren ‚Kinderwunsch‘ erfüllen wollen“, so der NBQ-Chefredakteur.

„Sie wissen also von dem allem und noch viel mehr rein gar nichts. Das aber erscheint ziemlich unglaubwürdig angesichts der Position, die Sie bekleiden. Gerade deshalb ist die Ignoranz – denn darum handelt es sich – in Ihrem Fall kein mildernder, sondern ein erschwerender Umstand. Im übrigen möchte ich Sie bitten, mir mitzuteilen, welche Regierungen ‚reproduktive Gesundheit‘ im Sinne von ‚verantworteter Elternschaft‘ interpretieren, damit ich meine Wissenslücke schließen kann.“

„Kuba und Nordkorea haben bestes ökologisches Gleichgewicht“

Cascioli greift noch einen weiteren Punkt in Sánchez Sorondos Interview auf. „Sie stellen es als gesichert hin, daß Armut eine Folge des (menschengemachten) Klimawandels sei und erwarten sich eine Lösung durch ein globales Abkommen zur Klimapolitik. Die Dinge liegen aber ganz anders: Die Verletzlichkeit durch extreme meteorologische Phänomene, die es immer gab, nimmt durch verbesserte ökonomische, hygienische und sanitäre Bedingungen ab. Durch den Zwang zu einer Politik, die mit der Ausrede Klimawandel die Entwicklung verhindert, werden ganze Völker in der Armut gehalten und andere in die Armut zurückgedrückt. Nicht von ungefähr sind, laut WWF-Berichten, die Länder mit dem besten ökologischen Gleichgewicht Kuba und Nordkorea.“ Sanchez Sorondo solle sich die Frage stellen, wer ein Interesse an einer solchen Politik habe.

Schleichende Zustimmung der Kirche zu Politik der Geburtenkontrolle „gar nicht so unbewußt“?

Der NBQ-Chefredakteur kommt zu folgendem Schluß: „Abschließend noch ein kleiner Zweifel: Ich habe in einem Artikel bereits die Behauptung aufgestellt, daß sich die Kirche unbewußt in Richtung Anerkennung der Geburtenkontrolle bewegt, indem sie einer ökologischen Mode hinterherrennt, und sich gar nicht bewußt wird, daß genau das das Ziel der ‚Herren des Klimas‘ ist. Das ist bereits schwerwiegend genug. Seit ich jedoch Ihr Interview gelesen habe, hege ich den schrecklichen Zweifel, daß diese schleichende Zustimmung zu einer Politik der Geburtenkontrolle gar nicht so unbewußt stattfindet. Ich hoffe wirklich, durch die Fakten widerlegt zu werden“.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: NBQ/meteoweb/MiL (Screenshots)

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10 Comments

  1. Für diesen Artikel bin ich sehr dankbar. Dankbar bin ich auch Riccardo Cascioli. Herr Cascioli tut endlich das, was in der Kirche heute so notwendig ist: Er redet nicht zwischen den Zeilen, durch die Blumen, mit einem Blatt vor den Mund – er redet Tacheles. Er nennt die Dinge beim Namen, und nennt Ross und Reiter.
    Casioli deckt auf, was sich hinter UN-Codewörtern, wie „reproduktive Gesundheit“ verbirgt: der ganz gewöhnliche Massenmord. Man kann dem noch die „Gender-Gerechtigkeit“, Punkt 5 des 17-Punkte-Programms hinzufügen. Am besten liest man dazu die ausführlichere englischsprachige Version des wikipedia-Artikels, „Gender Equality“.
    Aber auch die anderen Punkte der Agenda 21, die von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften unterstützt wird, haben es in sich. Man muss es im einzelnen studieren. Aber in letzter Konsequenz geht es darum, unter dem Anschein der Humanität dem g a n z e n Planeten ein totalitäres, kommunistisches, antichristliches System aufzustülpen, aus dem kein Entkommen ist, mit andern Worten: die Neue Weltordnung.
    Papst Franziskus kommt hier eine zentrale Rolle zu, die sich jetzt erst allmählich vorbereitet und bei seinem Auftritt vor der UN und vor dem amerikanischen Kongress am 23.-24. September in volleres Rampenlicht gerückt wird.
    Wer aufmerksam die Äußerungen von Papst Franziskus mitverfolgt und darüber in den heutigen politischen Zusammenhängen nachdenkt, kommt zu dieser Einschätzung. In einem weiteren Kommentar möchte ich das an einem Beispiel belegen.

    • Das isdt sicher gut gesehen. Bei aller Ablehnung des Kommunismus muss doch gesagt werden, dass es dort Ziele gab, die gedanklich nachvollzogen werden konnten. Was hier aber veranstaltet wird, ist doch eine widerwärtige Konstruktion von Obszönitäten.

      • Sozialismus und Kommunismus sind Häresien gegen das Katholische. Die meisten Ideologien haben einzig das Ziel, Gutwillige an Gott vorbei ins Verderben zu lenken. Die anderen sind direkt auf Katastrophe getrimmt: Schwulismus und Genderismus zB. Aber bereits die Verhütung von Kindern ist eindeutig gg Gottes Befehl.

        Ich hatte ein eindrucksvolles Erlebnis. Plötzlich ging mir der geniale Geistesblitz durch den Kopf: „Wenn Gott die Welt erschaffen hat, dann kann es zwischen Glaube und Naturwissenschaft keine Widersprüche geben.“ Meine Freude wurde nachträglich ein wenig gedämpft, als ich einen Text las, der genau das aussagte und den ich sicher gelesen haben mußte.

        Fazit: Ich danke Gott, daß dieser Satz von Thomas von Aquin bei mir zwar als Spätzünder, aber voll eingeschlagen hat.

        Wir brauchen keinen Kant, keinen Marx, keinen Geist des Konzils. Die Nebenkosten sind zu hoch.

  2. Papst Franziskus hat kürzlich dem Journalisten Juan Berretta von der argentinischen Zeitung „La Voz del Pueblo“ (Die Stimme des Volkes) ein ausführliches Interview gegeben. Seit Anfang dieser Woche wird darüber in verschiedenen Medien berichtet.
    Dieses Interview ist in vielerlei Hinsicht interessant. Ich greife aber nun einen einzigen Aspekt heraus, im Anschluss an meinen vorherigen Kommentar zum aktuellen Artikel über den Vatikan.
    Dieser Aspekt lautet im Zwischentitel eines zenit-Artikels: „Der Papst der Armen“.
    Zitat:

    „Nach der Beantwortung mehrerer Fragen über sein Heimatland Argentinien wurde der besondere Fokus des Heiligen Vaters auf die Armen und die Armut erörtert. Berretta interessierte in diesem Zusammenhang insbesondere, ob Franziskus die Bezeichnung als „El Papa Pobre“ (Der arme Papst) lieb sei.
    „Wenn ein bestimmtes Wort danach steht, dann schon; etwa ‚pobre tipo‘ (der arme Typ)“, so der Papst scherzhaft.
    „Die Armut befindet sich im Zentrum des Evangeliums. Jesus kam, um vor den Armen zu predigen: Entfernt man die Armut aus dem Evangelium, so lässt sich nichts mehr begreifen.“
    Berretta erkundigte sich beim Heiligen Vater danach, ob es sich beim Ideal der Beseitigung der Armut um ein „utopisches“ Ziel handle. Der Papst stimmte zu, betonte jedoch, dass „Utopien uns vorwärts bringen.“ Anschließend hob er drei im Leben wesentliche Dinge hervor: das Gedächtnis, die Fähigkeit, die Gegenwart zu sehen, und die Utopie für die Zukunft.“

    Wie so oft bei Papst Franziskus, kommt das wieder sehr sympathisch herüber. Als konservativer Katholik könnte man denken: Franziskus hat es mit der Armut, das ist seine Macke, aber was kann es schaden. Die Armut, der Hunger, das sind ja wirklich schreckliche Menschheitsplagen, und warum soll die Kirche da nicht etwas tun. Die Kirche hat schon immer etwas für die Armen getan, und diesem Papst ist das nun mal wichtig. Warum nicht…
    Es steckt aber mehr dahinter, und leider nichts Gutes, wenn man es in den großen Zusammenhang der Weltlage stellt. Halten wir fest:
    (1) Papst Franziskus ist es nicht unangenehm, als „Papst der Armen“ zu gelten und den Beinamen „Papst Franziskus der Arme (Typ)“ zu tragen.
    (2) Papst Franziskus lehrt, dass die Armut im Zentrum des Evangeliums stehe.
    (3) Nach Papst Franziskus ist die Beseitigung der Armut zwar eine Utopie, dass der Mensch eine „Utopie“ habe, ist für ihn jedoch das Wesentliche im Leben im Blick auf die Zukunft.
    (4) Der Bogen schließt sich, wenn man sich das 17-Punkte-Programm der UN-Agenda 21 anschaut, die jetzt die Unterstützung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaft und Sozialwissenschaft, gemeinsam mit Vertretern anderer Weltreligionen, gefunden hat.
    Punkt 1 lautet: „1. End poverty in all its forms everywhere“ – „Armut in allen ihren Formen überall beenden!“
    Wie edel, hilfreich und gut, könnte man denken. Ein kalter Schauer über den Rücken ist jedoch die angemessenere Reaktion.
    Fortsetzung folgt.

    • Fortsetzung.
      .
      Denken wir nach, was die oben genannten Punkte beinhalten und welche Folgen sie haben, und beginnen wir mit Punkt (2).
      Steht die Armut im Zentrum des Evangeliums? Tatsächlich lassen sich viele Zitate im Alten und im Neuen Testament zugunsten der Armen finden. Viele Bestimmungen des Sinai-Gesetzes dienen dem Schutz der Armen und Elenden, der Witwen und Waisen. War doch ganz Israel arm und unterdrückt, als Sklaven unter dem ägyptischen Pharao. Und preist nicht der Herr Jesus Christus die Armen im Geiste und die Armen selig, bei Matthäus bzw. bei Lukas? Und nimmt nicht der Apostel Jakobus die Armen der Gemeinde/ Kirche in Schutz vor den Reichen?
      Ja. Aber steht das im Z e n t r u m des Evangeliums, ohne welches das Evangelium nicht zu verstehen ist? Was ist denn der Inhalt des Evangeliums? (Und wieviele Katholiken aus Hundert, die man befragen würde, kennen ihn?)
      Kürzlich hörte ich in einer Predigt: „Gott ist Liebe“ – das sei das Evangelium. Das ist in einem weiteren Sinne nicht falsch, aber dennoch: drückt es der Kern des Evangeliums aus? Nein! Denn dass Gott absolute Liebe ist, das i s t ja gerade u n s e r großes P r o b l e m – weil wir S ü n d e r sind und nichts Unheiliges, Sündiges zum heiligen Gott gelangen kann!
      Das Zentrum und die Grundlage des Evangeliums, der Frohen Botschaft des Neuen Bundes, hat uns der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther hinterlassen. Er schreibt (1. Korinther 15,1-4):

      1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, 
      2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.
      3 Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; 
      4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift;

      Wer aber ein anderes Evangelium bringt, und wäre er, der Apostel, selbst es oder ein Engel vom Himmel, der sei verflucht, sagt der Paulus im Galaterbrief, und er wiederholt: der sei v e r f l u c h t ! (Gal 1,8-10)

      Ist es also das wahre Evangelium, wenn Papst Franziskus sagt, die Armut stehe im Zentrum des Evangeliums? Wobei es Papst Franziskus, wie der interreligiöse Gipfel der Päpstlichen Akademie mit dem UN-Generalsekretär gezeigt hat, in erster Linie um die materielle Armut geht.
      Das bestätigt auch Punkt 3: Das Wesentliche für Franziskus ist nicht, dass der Mensch seine Seele rettet, sondern eine Gesellschaftsutopie. Er hat es selbst gesagt !

      Ich komme zum Schluss.
      Der „Stellvertreter Christi“ bringt ein anderes Evangelium als die Apostel, ein anderes Evangelium als das Evangelium desjenigen, den er vertritt. Dieses andere Evangelium ist, nach dem Zeugnis des Apostels Paulus, ein von Gott verfluchtes Evangelium.

      Schluss folgt.

    • Schluss.

      Papst Franziskus suggeriert: Ich, Papst Franziskus, bin ein armer Typ wie ihr, die Armen der ganzen Welt. Ich bin ein Papst der Armen, ich bin euer Papst! Ich werde eure Armut beseitigen. Ich werde euch von der Armut erlösen. Ich werde dafür sorgen, dass alle Christen, alle wahren Jünger Jesu, begreifen, dass die Beseitigung der Armut die Mitte des Evangeliums ist. Gemeinsam werden wir uns weltweit einsetzen. Schaut, die Vereinten Nationen haben sich dieses Evangelium der Armen zu eigen gemacht und auf den ersten Punkt ihres Aktionsprogramms gesetzt. Jeder wahre Christ muss dieses UN-Programm unterstützen, wenn er kein Feind der Armen, kein Menschenfeind, kein Feind Gottes sein will! Und das Großartige: die Beendigung der Armut ist kein fernes Ziel, wie früher bei den kommunistischen Revolutionen, nein, es ist in Reichweite! In wenigen Jahren können wir es erreichen, wenn ihr mir, eurem armen Bruder Franziskus, eurem wahren Erlöser, und der kombinierten Weisheit und dem gebündelten Anstrengung aller wahren religiösen Menschen und Menschen guten Willens auf diesem Planeten vertraut.

      Das, liebe Leute, hört sich irre an, aber ich prophezeie euch: das ist es, was auf uns zukommt, und jeder von uns muss sich entscheiden, ob er dem wahren Herrn Jesus Christus folgt oder dem Antichrist bzw. dem falschen Propheten.

      • Ja,Leo Laemmlein,so verstand ich Ihre Worte,vor 2Jahren,an einer anderen Internetseite,das habe ich nicht vergessen.Schon damals haben Sie es gewusst.Dieser Papst wird jetzt unaufhaltsam,zerstörend,blendend,deutlicher.Ich sage,wie damals,gelobt sei Jesus Kristus…In Ewigkeit..Amen

  3. Tatsächlich steht die „Armut“ in einem zu erklärenden Sinn im Zentrum des Evangeliums.
    In welchem Sinn?
    Wenn man F. und viele andere Modernisten und Protestanten hört, könnte man denken: die materielle Armut i.S. des Sozialismus.

    Man könnte gerade aufheulen, wenn man sich vor Augen führt, wie abscheulich sich in der Geschichte Kirchenleute bereichert und an denen, die nichts hatten, vergangen haben! So haben unsere Vorfahren den heutigen Lügnern und Verdrehern perfekte Argumente in die Hand gelegt!
    Wir klingen ziemlich lahm, wenn wir sagen: Ja, aber die haben ja das Evangelium auch verdreht und so wars ja nicht wirklich gemeint und blablabla…

    „Armut“ ist der Stand des Menschen vor Gott. Armut, Krankheit, Blindheit, Taubheit und Fühllosigkeit, Verblendung und Verirrung – ja, das ist der Mensch vor Gott.
    Die Reichen, die Gesunden, v.a. die geistlich Reichen und Gesunden, bedürfen nicht des Heilandes, hat Jesus (ironisch) gesagt!
    Wie schnell hat man da die Front gewechselt – eben sah man sich noch in der Armut im Geiste, und schon nagen Empörung und Eifer in uns und verwandeln uns in die Fratze des geistlich Gesunden und Reichen, bzw. dessen, der sich für einen solchen hält.

    In diesen Problemkreis schwingt mit Sicherheit der materielle Stand hinein, aber sicher nicht zentral!

    Von den Hecken und Zäunen holt der Herr seine Hochzeitsgäste – alles „Arme“, Leute, die wissen, dass sie arm sind.

    Manchmal erleichtert mich das – wir stehen unter Frömmigkeitsdruck, wir sollen dies, müssen jenes und hecheln uns oft durch Rosenkränze und Brevierseiten. Wir sind nicht wirklich dabei, beten mechanisch, geben verkrampft ein Opfer und ordnen uns murrend dem unter, wovon wir wissen, dass es richtig ist. Oder wir verstummen nahezu im Gebet. Unsere „Leistung“ fällt zeitweise aus…

    Aber es ist anders: Solche Zeiten sind wichtig, weil sie uns zeigen, dass wir bettelarm sind, nackt vor Ihm… es ist ein Aha-Erlebnis, wenn ich erkenne, dass Maria für mich betet, wenn ich schwach werde, dass irgendwelche anderen Lebenden irgendwo unbekannter- oder bekannterweise für mich beten … was immer mit mir physisch los ist … ich bin und bleibe von mir her geistlich arm… und ich KANN nicht, muss nicht reich sein, weil sowieso nur Er mein Reichtum ist.

    Andererseits geht für mich aus der Schrift hervor, dass der Vater im Himmel uns ebenso reich nährt und beschenkt wie die Lilien und die Spatzen, die nicht einmal einen Einsatz dafür geben. Das hat Jesus gesagt.

    Bevor ich politisch agieren würde, würde ich erst mal alle Gläubigen dazu ermutigen, auf die Versorgung durch den Himmel zu hoffen, was natürlich das eigene Mühen keinesfalls ausschließen darf.

    Ich bin Künstlerin und gehöre zu den Lilien und den Spatzen – es stimmt, ich kann es bestätigen: wir werden wie Königinnen gekleidet und wie Kaiser gespeist – wirklich.
    Wie war das mit den 5 Broten und den 2 Fischen?
    Wir haben so wenig Vertrauen!

    • Was für ein Text! Hier wird ausgedrückt, was in der Sache Sache sein soll und womit sich die Dinge im Raume bewegen. Gerade die Hervorhebung der Lilie ist hier im Kontext von einsehiger Bedeutung. Solchermaßen wird ein Text geprägt.

  4. Jemand ? Wenn dies nur einer wäre und unter dem „Jemand“, der viel zu viele sind, sich nicht auch noch der oberste Hirte wäre, wäre das alles gar kein Thema.

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