Der Jesuit auf dem Papstthron – 2. Exkurs: Karl Rahner und die Zerstörung der Theologie

Karl Rahner SJ
Karl Rahner SJ

von Wolfram Schrems*

Um die Malaise von Kirche und Jesuitenorden einigermaßen adäquat zu verstehen, muß man das desaströse Wirken des Jesuiten Karl Rahner (1904–1984) besonders berücksichtigen. Kaum ein anderer kirchlicher Autor hat in 20. Jahrhundert einen dermaßen zerstörerischen Einfluß auf viele Generationen von Theologen, Priestern und Laien ausgeübt. Mehrere deutschsprachige Kardinäle wurden von ihm geprägt (besonders prominent Franz König, Walter Kaspar und Karl Lehmann). Der verstorbene Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher (amtierend von 1981–1997), der die Kirche Tirols in die Selbstauflösung geführt hat, war ein Rahner-Adept. Auch der junge Joseph Ratzinger gehörte zur Zeit des Konzils zum Umfeld Rahners. Über Habilitationsschriften, Dissertationen und Publikationen aller Art sowie über den „Karl-Rahner-Preis“ der Jesuitenfakultät Innsbruck wurde das Rahnersche Gedankengut in Tausend Masken und Schlichen verbreitet.

Zerstörung des Glaubens und des Verstehens

Dabei ist das Wort „Gedankengut“ irgendwie inadäquat. Denn mit „denken“ hat diese planvolle Verwüstung der Theologie und Aufhebung jeder Vernunft nichts zu tun. „Denken“ würde auch implizieren, daß die Gedanken in planvoller Form dargelegt werden. Aber Rahner massakrierte die deutsche Sprache in einem Ausmaß, daß die betreffenden Texte weitestgehend unverständlich und für Übersetzungen in Fremdsprachen so gut wie ungeeignet sind.

Man kann ein spontanes Auflachen nicht unterdrücken, wenn man einen Buchtitel wie diesen zu Gesicht bekommt:

Herbert Vorgrimler, Karl Rahner verstehen (Grünewald, Mainz 2002).

Rahner war daher nicht deswegen in aller Munde, weil er ein so guter Theologe gewesen wäre, sondern weil er eine starke Lobby hatte. So meinte es der Journalist und Satiriker Hans Conrad Zander in einem seiner Bücher. Kinder und Narren sagen eben sprichwörtlich die Wahrheit.

Dieses Phänomen müssen wir immer im Auge behalten: Viele Autoren sind nicht deshalb auf den Leselisten für Maturanten oder auf den Feuilleton-Seiten „wichtiger“ Zeitungen, weil sie so gute Bücher geschrieben hätten, sondern weil sie einer bestimmten Agenda dienen und deswegen forciert werden.

Die Rahner-Theologie als Gift – von Freund und Feind bestätigt

Giuseppe Kardinal Siri: Gethsemani
Giuseppe Kardinal Siri: Gethsemani

Ich hatte einen Studienkollegen, der über Rahner promovierte. Er klagte mir, daß es sehr schwierig sei, „die großen Linien“ im Rahnerschen Werk herauszuarbeiten.

Mit größter Sorge habe ich dann die weitere Entwicklung dieses Kollegen mitverfolgt. Seinen Publikationen entnehme ich, daß auch er sich vom überlieferten katholischen Glauben ganz entfernt und in ein interreligiöses und pantheistisches Bewußtsein eingetreten ist. Meiner Einschätzung nach muß die jahrelange Befassung mit Rahner schwere Auswirkungen auf Glauben und Denken haben.

Es ist wie eine Droge.

Dieses Bild verwendete übrigens der Vorarlberger Jesuit Andreas Batlogg, der nach eigenen Angaben (!) „rahnersüchtig geworden [sei] wie nur je ein Morphinist nach der ersten Spritze süchtig werden kann“.1

Sehr offenherzig formuliert.

Zwar gibt und gab es von Anfang an zahlreiche inhaltlich gewichtige Stimmen, die Rahner kritisierten, widerlegten und vor ihm warnten. (Der prominenteste Rahner-Kritiker war wohl Kardinal Giuseppe Siri mit seiner profunden Abhandlung Gethsemani, die aber auf Deutsch nur sehr schwer greifbar ist.)2 Diese wurden aber weder vom Lehramt noch vom Hauptstrom der akademischen Theologie rezipiert. Geschweige denn vom Jesuitenorden.

Die Gesellschaft Jesu ist also mit dem Erbe eines ihrer Mitglieder belastet, der zur „diabolischen Desorientierung“ (Sr. Lucia von Fatima) in der Kirche maßgeblich beigetragen hat. Es lastet somit ein Fluch auf dem Orden. Solange dieser nicht exorziert ist, wird sich das Gift immer weiter verbreiten.

„Kritische Annäherungen“

Karl Rahner - Kritische Anmerkungen
Karl Rahner – Kritische Anmerkungen

Vor gut zehn Jahren gab der Franz Schmitt – Verlag, Siegburg, einen fünfhundert Seiten starken Sammelband Kritische Annäherungen heraus. Ich habe dieses Werk vor einigen Jahren gelesen. Ohne hier ins Detail gehen zu können, so muß man pauschal feststellen, daß die Vorwürfe inhaltlicher Natur (Entstellung der katholischen Theologie, Glaubensverlust, darwinistischer Zugang zu Theologie und Naturwissenschaft, gnostische Ansätze) und persönlicher Natur (schwieriger Charakter, unangemessene Beziehung zur zweifelhaften Schriftstellerin Luise Rinser: „Wuschel“ an „Fisch“ und retour) schwerwiegend und in der Substanz unwiderlegt sind.

Besonders schwerwiegend ist übrigens Rahners Bekenntnis zur Sukzessivbeseelungslehre, womit der Kampf gegen den Greuel der Abtreibung massiv unterminiert wurde.

Ich verweise den interessierten Leser auf diesen Band, dessen Einführungsbeitrag auch im Internet greifbar ist.3

Da aber fachtheologische Fragen in normalerweise dem breiten Volk wenig zugänglichen Fachbüchern von geringerer Relevanz sind, wenden wir uns einem Wirkungsgebiet Rahners mit verheerender Breitenwirkung zu:

Im Auftrag der deutschen Bischöfe: Kommentar zum Kleinen Konzilskompendium

Was Rahner und Vorgrimler im Kleinen Konzilskompendium geschrieben haben, ist zur Quelle gründlicher Verwirrung vieler Generationen von Theologiestudenten geworden.

Da dieses Werk im Auftrag der deutschen Bischöfe in vielen Auflagen erschien (hier nach der 23. Auflage 1991 zitiert), kann es als offiziöse Äußerung des kirchlichen Lehramtes gelten.

Um sich ein Bild zur Sache zu machen, sollen einige Beispiele der unterschwellig ironischen, manchmal offen gehässigen, immer aber verwirrenden Sprache im Konzilskompendium geboten werden.

Zum Thema „gläubiges Volk“ heißt es beispielsweise in arroganter Weise:

„Befremdet [über der „Liturgiereform“], nicht eigentlich verwirrt waren jene Schichten des vielzitierten und vielfach überschätzten ‚gläubigen Volkes‘, die Liturgie primär als Brauchtum und Folklore ansehen und den direkten religiösen Anspruch einer erneuerten Liturgie als lästig empfinden“ (40).

Kann man sich vorstellen, daß ein Hirte der Kirche, ein Seelsorger, der diesen Namen verdient, dermaßen herablassend über die einfachen Gläubigen redet? Auch wenn es in weiten Teilen Westeuropas (die Situation der verfolgten Kirche im Sowjetblock und in den islamischen Ländern wird ja klarerweise von Rahner und Vorgrimler ausgeblendet) tatsächlich einen mehr folkloristischen und oberflächlichen Zugang zur Liturgie gegeben hat: Wie sieht es mit dem „direkten religiösen Anspruch“ einer unzutreffend so genannten „erneuerten“ Liturgie heutzutage aus? Hätte man seitens der Hierarchie nicht mit einer besseren Katechese Abhilfe schaffen sollen als mit einer völligen Trivialisierung der Liturgie?

Aber nicht nur das einfache gläubige Volk sondern auch die akademisch gebildeten Katholiken, die sich die gewachsene, authentische und tradierte Liturgie nicht zerstören lassen wollten, werden verunglimpft:

„Widerstände [gegen die „Liturgiereform“] erheben sich aus sogenannten akademischen Kreisen, deren Angehörige ihre Unfähigkeit zur Kommunikation, ihren Bildungsdünkel und ihr steriles Verhältnis zur Geschichte hinter dem Anspruch besonderer Kirchlichkeit zu tarnen suchen, indem sie ihre Ressentiments als Maßstab des Katholischen ausgeben. Dem Konzil war es leichter, als dies einzelnen Bischofskonferenzen und Bischöfen geworden wäre, diese wortstarken und teilweise einflußreichen, aber in der Humanität gescheiterten tragikomischen Randfiguren der Kirche völlig außer acht zu lassen“ (40).

Die Verteidiger des Selbstverständlichen als „in der Humanität gescheiterte tragikomische Randfiguren“, die von „Ressentiments“ geleitet werden? Es ist genau diese gehässige und unsachliche Diktion, die Rahner diskreditiert.

Gehässige Menschen sind dann blind für die Realität des Bösen, das sie selbst schon gefangen hält. Daher muß jede Erinnerung daran verschwinden:

„[E]s ist zu hoffen, daß bei der Überarbeitung [des Taufritus] auch die Teufelsaustreibungen verschwinden“ (45).

Besonders bizarr ist das Eingeständnis, daß die Konzilstexte, zumindest Gaudium et spes, unvollkommen sind – und genau das aber auch beabsichtigt ist. Die Mentalität eines Rahner intendiert das Konfuse bewußt, um selbst besser im Trüben fischen zu können: Wer planvoll Konfusion sät, bringt sich nämlich natürlich selbst als ausschließliche und unfehlbare Interpretationsinstanz ins Spiel. Man beachte übrigens auch, wie Rahner hier die Qualifikation „platonisch“ fast als Schimpfwort mißbraucht:

„Wenn Fachtheologen der Konstitution [Gaudium et spes] vorwerfen, sie sei ‚unausgereift‘ und ‚unvollkommen‘, so ist damit – allerdings anders, als solche Leute es sich vorzustellen vermögen – genau das Richtige gesagt. Ein ‚ausgereifter‘ Text wäre unvermeidlich von jener platonischen Klarheit, prinzipiellen Strenge und ewigen Gültigkeit, die bei einer solchen Thematik dem Menschen letztlich – nichts sagt“ (424f.).

Schließlich fragt man sich, welcher Teufel einen katholischen Priester geritten haben muß, wenn er angesichts der Millionen von Toten, die das Sowjetregime seit 1917 zu verantworten hat, über die Initiative, den Kommunismus durch das Konzil verurteilen zu lassen, folgendes schreibt:

„Einer militanten Konzilsminderheit ohne menschliches Takt- und politisches Fingerspitzengefühl gelang es nicht, das Konzil zur ausdrücklichen Nennung und abermaligen Verurteilung einer bestimmten politischen Ausprägung des Atheismus zu bewegen, gerade weil das Konzil für die humanistische Basis und Tendenz dieses Atheismus sehr sensibel war. Es war dem Konzil auch durchaus bewußt, daß es nicht angeht, Theorie mit Praxis zu vergleichen und umgekehrt (…)“ (428).

Der Terror Lenins, Stalins und deren Henker und Gulag-Schergen hat also eine „humanistische Basis“ und nur leider ist die „Praxis“ etwas von der Theorie abgewichen? Rahner scheint nicht auf die offenkundigste Idee gekommen zu sein, daß ein schlechter Baum eben schlechte Früchte hervorbringt.

Resümee: Eine nüchterne Auswertung ist angezeigt – und eine klare Verurteilung

Rahner/Vorgrimler: Kleines Konzilskompendium
Rahner/Vorgrimler: Kleines Konzilskompendium

Wenn Rahner in der Gesinnung gestorben ist, die er im Kleinen Konzilskompendium zum Ausdruck gebracht hat, dann kann man für sein Heil nur wenig Hoffnung haben. Folgerichtig gibt es meines Wissens auch keine Wallfahrten zu seinem Grab in der Krypta der Innsbrucker Jesuitenkirche.

Man macht in diesem Zusammenhang allerdings oft die Erfahrung, daß wohlmeinende Katholiken angesichts aberwitziger und offen häretischer Aussagen kirchlicher Verantwortungsträger eine Art von Selbstzensur üben und diese auch anderen auferlegen wollen: „Das muß man richtig verstehen“, „Die Bischöfe schauen schon darauf“, „Man muß die gute Absicht würdigen“, „Wieso willst ausgerechnet du das besser wissen?“, „Ist das überhaupt richtig wiedergegeben bzw. übersetzt worden?“ u. dgl. Formal ist es dasselbe Muster wie bei der Selbstzensur gegenüber der islamischen Aggression:

Man will es einfach nicht wahrhaben.

Also: Die erste Auflage des Konzilskompendiums ist bereits 1966 erschienen. Seit damals gab es offenbar nicht den geringsten Versuch, dieses Desaster einzudämmen. Die Rahnersche Interpretation der Konzilstexte ist somit seitens des deutschen bzw. deutschsprachigen Episkopats nach wie vor „offiziös“ in Geltung.

Die Früchte sind allerorten sichtbar.

Bei den Jesuiten lernt man, Maßnahmen, Entscheidungen und Weichenstellungen nach einiger Zeit nüchtern auszuwerten (vgl. a. Exerzitienbuch 333–337). Also dann möge man das bitte auch im gegenständlichen Fall durchführen!

Theologische Weichenstellungen haben Auswirkungen in der Praxis. Aufgrund vielfältiger eigener Erfahrung weiß ich, daß die Rahnersche Mentalität (der „Geist“) unglaubliche Konfusion verursacht und das Leben in einer geistlichen Gemeinschaft vergiftet. Wer das nicht selbst erlebt hat, wird es nicht adäquat nachvollziehen können. Dabei ist es normalerweise nicht möglich zu sagen: Diese und jene Maßnahme des Seelsorgeamtes, die und die Anweisung des Paters Provinzial, diese und jene Aussage in einem Hirtenbrief u. dgl. stammen wörtlich aus dem Rahnerschen Werk.

Es ist mehr der Geist bzw. die unterschwellige Prägung, die all diese Maßnahmen und Aussagen beeinflussen oder bestimmen.

Es gibt nichts zu beschönigen: Rahner war ein Wolf im Schafspelz (wobei dieser eher schlecht saß). Mit Abscheu blickt man auf einen Mann, der sich durch feierliche Gelübde dem Guten verpflichtet hatte und dann doch das Geschäft der Gegenseite besorgte. Es wäre jetzt dringend an der Zeit, diesen Bann zu brechen.

Der Orden hätte es in der Hand. Papst Franziskus noch viel mehr.

*MMag. Wolfram Schrems, Linz und Wien, katholischer Theologe, Philosoph, Katechist

Bild: Wikicommons/Amazon

drucken
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat:
Unterstützen Sie bitte Katholisches.info mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht
  1. http://kath.net/news/7613 []
  2. Giuseppe Siri, Gethsemani – Überlegungen zur theologischen Bewegung unserer Zeit, Aschaffenburg 1982. Mit Dank an Hochwürdigen Pater S. für die Beschaffung. []
  3. David Berger (Hrsg.), Karl Rahner – Kritische Annäherungen, Verlag Franz Schmitt, Siegburg 2004, 512 Seiten. Mit Beiträgen u. a. von Leo Kardinal Scheffczyk (†), Alma von Stockhausen, Heinz-Lothar Barth, Bernhard Lakebrink (†), Johannes Stöhr, Georg May, Walter Hoeres. In der Reihe Quaestiones non disputatae, Band VIII. Eine Zitation des Bergerschen Werkes impliziert selbstredend keine Zustimmung zu dessen „outing“, Lebenswandel und neu eingenommenen inhaltlichen Positionen. []

41 Comments

  1. Was die Sukzessivbeseelung betrifft, war sie lange Zeit Überzeugung selbst einiger Päpste und geht auf Aristoteles zurück, dem man teilweise mehr glaubte, als der Schrift…

    Gegen den Strich gelesen ist der Verlauf der kirchlichen Position zu dem Thema durch Ranke-Heinemann hier ganz gut zusammengefasst – wie gesagt gegen den Strich: http://www.zeit.de/1991/31/wg-maria

    Es hängt alles an der Gestalt Mariens!
    Auch der hl. Thomas glaubte nicht an die unbefleckte Empfängnis vom Moment der Zeugung an!

    Mit Pius IX. und der Dogmatisierung der Immaculata war endlich auch mit der frauendiskriminierenden Wahnidee von der späteren Beseelung des weiblichen Fötus ein Ende gesetzt. Die Tatsache, dass die Gottesmutter eine Frau ist und nun mal diesen höchsten menschlichen Rang einnimmt und ihn vom ersten Moment ihre Lebens innehatte, zwang geradezu dazu, mit der falschen aristotelischen und scholastischen Lehre aufzuräumen: Natürlich ist jeder Fötus, auch der weibliche, vom Moment der Zeugung an beseelt! Dem steht auch nicht entgegen, dass noch einige Zeit nach der Zeugung Zwillingsteilungen passieren können – das widerspricht ja nicht der Beseelung. Vor Gott war diese befruchtete Zelle von Anfang an doppelt. Daran, dass der Mensch das zuerst nicht sah, kann es ja wohl nicht hängen! Insofern ist Ranke-Heinemanns Polemik gegen eine Aussage Kard. Lehmanns deplatziert.

    Das heißt: die Mariendogmen der Neuzeit waren absolut notwendig in der Gemengelage, die auf uns zukommen würde!

    Wie Ranke-Heinemann es wiederum richtig feststellt: es liegt an Maria. Sie ist der Schlüssel, um das alles richtig einzuordnen. Ohne ihre Gestalt ist Irrlehren Tür und Tor geöffnet.

    Dass aber die Modernisten Maria „zurückgefahren“ haben auf eine Scharnierrolle zwischen AT und NT ist auch wahr. Nicht nur Rahner, sondern auch Ratzinger – bis heute. Seine theologische Position ist klar. Noch in seiner Jesus-Trilogie gesteht er der Frau allenfalls die Rolle einer gelegentlichen „Türöffnerin“ zu – entgegen schon dem Protevangelium. Ihre höchste Verehrungswürdigkeit und die Teilhabe am Erlösungswerk aus Gnaden lehnt er dagegen ab.

    Die Konfusion des Modernismsu und insbesondere Rahners resultiert aus dem Antimarianismus.

    An die Stelle einer gesunden Marienverehrung setzten alle Modenisten den Charismatismus bzw. eine ungesunde und irrgeistige Marien-Massen-Erscheinungsbewegung. Übrigens auch Rahner.

    • @Zeitschnur — Danke für die Ausführungen ! Ich bin nicht in Theologie promoviert (sond. Altertumswissensch./Archäologie) und verstehe manche Theologie-Artikel nicht so gut.

      Eine Frage: Die Belastung der Frau begann ja mit dem Sündenfall im Garten Eden. Ich hatte bei meiner Konversion gelernt, dass Maria eigentlich als die ‚Zweite Eva‘ gilt, da sie am Erlösungswerk Teilhabe hat. Spielt das hier auch eine Rolle ?

      • Nicht direkt – aber erst die Dogmatisierung der Immaculata hat jede theologische Meinung, der Fötus sei soundsoviel Tage nicht beseelt, zur Häresie erklärt.

        Diese Meinung haben viele Theologen, Kirchenlehrer und Päpste vertreten, aber es wurde nicht lehramtlich definiert oder in einem allgemeinen Lehrschreiben so definitiv behauptet. Es war eine theologische Meinung, die auf Aristoteles fußte. Mit dem Dogma kann niemand diese Meinung mehr rechtgläubig vertreten, und es ist perfide, wenn Theologen sich in dieser Sünde ausgerechnet auf den hl. Thomas berufen, dessen Meinung aber eindeutig verworfen ist mit dem Dogma! Er selber war kein Häretiker, aber die sich nach Pius IX. auf ihn stützen sind es!

        Diese Meinung hat das Abtreiben als wenig schwere Sünde erscheinen lassen, wenn überhaupt. Das ist der eine Wahnsinn. Der andere ist, dass man behauptete – wie gesagt aufgrund der griechischen Denkweise – , ein weiblicher Fötus werde noch später beseelt als der männliche: eine grauenhafte Verleugnung dessen, was Gott schuf. Denn die Reinigungsvorschriften nach Geburten im AT (s. Text Ranke-H.) haben damit wiederum überhaupt nichts zu tun. Die bezogen sich auf die antike, vielleicht regionale Beobachtung, dass die nachgeburtliche Blutung einer Wöchnerin bei weiblichen Kindern länger anhält als bei männlichen. Eine Wertung war damit nicht (direkt) verbunden, auch wenn die menschliche Dummheit und Arroganz das daraus machte.

        Aber wie gesagt: Pius IX. hat dieser theologischen Irrmeinung ein endgültiges Aus beschert – gerade durch das Immaculata-Dogma, das
        a. beweist, dass jeder Fötus von der Empfängnis an beseelt ist
        b. weibliche Föten natürlich genauso wie männliche von Anfang an beseelt sind!

    • @zeitschnur
      Irgendwie witzig, dass Sie gerade auf Ranke-Heinemann verweisen, die zwar in systematischer Hinsicht gut gearbeitet hat, aber eine (Ab-) Irrende par excellence ist.
      Sie lehnt die Interpretation der Kreuzigung Jesu als Erlösung in einem „siebenfachen negativen Glaubensbekenntnis“ ab:

      „Die Bibel ist nicht Gottes-, sondern Menschenwort.
      Dass Gott in drei Personen existiert, ist menschlicher Fantasie entsprungen.
      Jesus ist Mensch und nicht Gott.
      Maria ist Jesu Mutter und nicht Gottesmutter.
      Gott hat Himmel und Erde geschaffen, die Hölle haben die Menschen hinzuerfunden.
      Es gibt weder Erbsünde noch Teufel.
      Eine blutige Erlösung am Kreuz ist eine heidnische Menschenopferreligion nach religiösem Steinzeitmuster.“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Uta_Ranke-Heinemann#Nein_und_Amen_.28Abschied_vom_traditionellen_Christentum.29
      Mich wundert es nicht, dass man so weit abirren kann, wenn man sich zu tief in den Sphären der theoretischen Mystik begeben hat.
      Immerhin hat sie die Mystik von Görres herausgegeben. Aber leider kann alle Mystik auch an Christus vorbeischießen, wenn man dahinter Gott als Machtfaktor sucht, in seinem eigenen Leben aber plötzlich das Kreuz der Ohnmacht findet.
      „„Und so bin ich fortgegangen […] von dem Gott mit den blutigen Händen, der seinen einzigen Sohn für uns opferte […] und wandte mich ab von den Theologen […] ihrer Verstandesfeindlichkeit und ihren grausamen Märchen und glaubte ihnen nicht mehr […]. Ich flüchtete mich schließlich zu den Zweiflern, weil mir der Zweifel immer noch am sichersten schien. […] Und unter ihnen fand ich einige, die an einem doch nicht zweifeln konnten: dass alles, was ist, eine Ursache hat, weil von nichts nichts kommt. […] Und ich fühlte mich bereit, mit dem Genie unter den Zweiflern, dem Philosophen Descartes, angesichts der Vollkommenheit des Urhebers zu sprechen: ‚Ich möchte einen Augenblick verweilen bei der Betrachtung dieses vollkommenen Gottes. Ich möchte bedenken, bewundern und anbeten die unvergleichliche Schönheit dieses unendlichen Lichts, soweit es die Fassungskraft meines Geistes erlaubt, der vor diesem Licht geblendet steht‘.“ (s.o., ebd.)
      R.-H. sehnte zu sehr ins Licht, was ihr letztlich als schwach schimmernde Hoffnung nach dem tragischen Verlust ihres Ehemannes und dem Bekenntnis ihrer Ohnmacht geblieben ist.
      Maria interessierte sie nur aus feministisch- emanzipatorischen Beweggründen.
      Die Dame ist sehr schrill. So auch ihre atheistisch-agnostischen Thesen.

      • Wie gesagt – mir ging es um eine kurze systematische Zusammenfassung zum Thema.
        „Gegen den Strich“ fügte ich hinzu.
        Soviel Sachlichkeit muss sein.
        Dass sie ansonsten eine Häretikerin ist, ist schon klar – das wollte ich damit gerade nicht kaschieren und habe es deswegen zweimal angemerkt, dass hier gegen den Strich gelesen werden soll meiner Intention nach.

        Haben Sie das denn übersehen oder nicht verstanden?!

        Ein Urteil über die persönliche Seelenverfassung Ranke-Heinemanns steht uns allerdings nicht zu.

      • @zeitschnur
        Ich wollte nur noch einmal klar herausstellen, dass Ranke-Heinemann eine Häretikern des Wortes ist.
        Dass in ihrem (R.-H.s) letzten Satz von der Sehnsucht nach dem göttlichen Licht allerings ein unerhörtes, ja tief sitzendes Hoffen mitschwingt, ist mir auch aufgefallen und hat mich sehr bewegt.
        Deshalb haben Sie mit ihrem Satz: „Ein Urteil über die persönliche Seelenverfassung Ranke-Heinemanns steht uns allerdings nicht zu.“ sehr recht.
        Viel mehr erschrecken mich Worte wie „Abscheu“, das in einem Artikel zu lesen war (über Karl Rahner und seine Theologie). Diese Art der vermittelnden Rechtgläubigkeit steht mir viel ferner als das demütige Bekenntnis zu zweifeln.
        Und sind wir doch mal ehrlich: Je mehr wir über Gott zu wissen glauben, umso mehr müssen wir uns vor seiner Majestät in unserem Nichtwissen beugen.
        Ich kenne einen Mann, der lebt wie ein Mönch. Er verzichtet auf jeden Begriff von Gott, aber lebt in der Liebe, so weit ihm das seine schlichte Erkenntnis ermöglicht. Er gibt auch zu, dass er am Leben leidet. Andere sagen über ihn herablassend: „Ach der! Als der lIebe Gott den Verstand verteilt hat, hat der nicht allzu viel davon mitbekommen.“ – Mitunter kommt mir der Gedanke, er könne näher an Gott sein als wir sogenannten Gutmenschen, da er auf jeden Begriff von Gott verzichtet. Er definiert ihn nicht, da er ihn nicht efahren und verstanden hat. Er ist kein Schauspieler. Manchmal tut er mir leid, dann wieder bewundere ich ihn.

    • @Pater Pio — U. Ranke-Heinemann ist im katholischen Sinne ungläubig. Ich habe nie ein Buch von ihr gelesen. Ich sah sie des öfteren in Talkshows im TV. Und was da rüberkam war de fakto Unglaube. Die glaubt nicht mal an die einfachsten Dogmen und nennt sich katholisch. Mehr als daneben. Eigentlich sollte sie austreten.
      Aber es ging hier ja um die Analyse Rahners, deswegen hat Zeitschnur sie zitiert.
      @Zeitschnur — Nochmals zu meiner Frage, wegen Mutter Maria: Ich habe irgendwo mal gelesen (leider weiß ich nicht das Zitat), dass Mutter Maria als ‚Zweite Eva‘ uns Frauen als Gnadenvermittlerin alles zurück geben wird, was wir im Garten Eden durch den Sündenfall verloren hatten. Ich finde diesen Gedanken wichtig, weil dadurch sich einiges verändern wird.

      • Jeanne d‘Arc
        Dieser Gedankengang ist erstmals vom hl. Irenäus von Lyon bezeugt, parallel zum Nachdenken über Jesus Christus als Zweiten Adam. Der Gedanke entfaltete eine große Wirkung durch die Jahrhunderte.
        Dass er von Irenäus von Lyon bezeugt ist, erscheint mir deshalb bedeutsam, weil dieser als Schüler des Bischofs Polykarp von Smyrna aufwuchs, der wiederum, nach dem Bericht des Irenäus, ein Schüler des Apostels und Evangelisten Johannes gewesen war. Johannes aber war der Jünger, der, nach dem Herrn Jesus selbst, die hl. Jungfrau Maria kannte wie kein anderer Mensch.

  2. Die „Weltwoche“ veröffentlichte ein Interview mit Karl Rahner aus dem Jahre 1978 anl. der damals bevorstehenden Papstwahl; die Abneigung gegen die hl. Tradition ist nicht zu überlesen:
    -
    „Ich würde mir einen Papst wünschen, der die letzte Substanz der christlichen Botschaft von Gott als der unaufhebbaren Besiegelung der Selbstzusage Gottes an die Welt und in ihrer Geschichte werbender, rasanter, glühender, leuchtender verkündigen würde.
    Ich würde mit wünschen, dass der kommende Papst nicht nur über die Orthodoxie dieser Lehre ängstlich, abwehrend wacht, sondern für seinen Teil – mehr kann man nicht verlangen – auch versucht, in der Lebendigmachung ihrer Verkündigung bis zu einem gewissen Grad vorbildlich voranzugehen.
    Die bisherige Glaubenskongregation, das frühere Heilige Offizium, ist doch in gewisser Weise eine bürokratische Behörde, die es nicht wirklich fertigbringt, die Glaubenssubstanz, die sie verteidigen muss, überzeugend zu verkünden. Sie repetiert nur, schärft nur ein, wehrt nur ab, ist aus der Verholztheit der Neuscholastik der Pianischen Epoche noch nicht herausgekommen.“
    -

  3. Wes Geistes Kind Karl Rahner war, kann man in dem sehr empfehlenswerten Buch von Bernhard LAKEBRINK: DIE WAHRHEIT IN BEDRÄNGNIS / Christiana Verlag nachlesen.Das Buch enthüllt in erschreckender Weise die Denkgrundlagen dieses Mannes. Eines ist sicher, Karl Rahner war in seinen späten Jahren kein Christ mehr.

  4. Wie groß der Einfluß von Theologen im allgemeinen auf den Glauben der Menschen ist, ist schwer zu sagen.
    Es ist ja nicht so, als wüßte „man“ nicht Wahres von weniger Wahrem und gar Falschem zu unterscheiden.
    Solange die Evangelientexte nicht verfälscht werden und überhaupt die Bücher der Bibel, gibt es eine Gewähr dafür, daß der Ungeist nicht das letzte Wort haben wird. Es wäre jedenfalls ziemlich lächerlich und töricht, Menschen Unwahres einreden zu wollen wie das nicht wenige Priester, Bischöfe und Kardinäle ja aktuell versuchen. Das hat mit der Weisheit Gottes nichts zu tun- und das Scheitern ist vorprogarmmiert.

    Ins Reich Gottes gelangen nur die mit reinem Herzen- wie unschuldige Kinder. Die Kleinen werden einmal über die Überschlauen soz. zu Gericht sitzen.

    • Der Einfluß der Theologen ergibt sich durch die Universitäten und Priesterseminare auf die Priester. Die Priester müssen, das was dort gelehrt und vorgelebt wird, annehmen und dann später umsetzen. Da ergeben sich die Fragen: Sind unsere Priester fähig die Anweisungen Jesu Christi zu befolgen und umzusetzen ? Eine davon lautet: „Heilt die Kranken, weckt die Toten auf, macht die Aussätzigen rein, treibt die Dämonen aus !“ (Mt 10, 8). Wo ist dies geblieben ? Das lässt sich nicht mit intellektueller Theologie umsetzen. Ich rede hier nicht von Mythen oder Märchen. Es gab in Rom einen Pfarrer Bernhard Clausi, der Tote auferweckt hat. Da geht es nicht um theologische Worthülsen, da geht es um Sein oder Nicht-Sein.

      • Bin dem Link mal gefolgt – von Toteauferwecken hab ich nix gelesen, nur dass er einen Tod vorhersah. Hab ich das überlesen?
        Aber ehrlich gesagt – das ist mir alles too much. Soviele Wundergaben auf einem Haufen sind für mich bereits schon wieder zweifelhaft. Auch diese seltsamen leibhaftigen Kämpfe mit dem Dämon, der ihn sogar an den Rand des „Ins-Wasser-gehens“ trieb – da überlagern sich Phänomene der Besessenheit mit denen des Glaubenskampfes, und das ist ein ganz schwieriges Terrain…

        Meinen Sie denn wirklich, dass das Aufgabe des Priesters ist?

        Regt das nicht eher die Sensationsgier an, und trübt es nicht den nüchternen Sinn, zu dem wir unbedingt verpflichtet sind?
        War der Priester der Jahrhunderte solch ein Multi-Mega-Charismatiker, oder war er ein offenener, durchschaubarer, glaubensstarker, nüchterner, liebevoller und einfacher Mann?
        Es löst in mir Befremden aus, dass es solche Multi-Megas erst seit ca. 200 Jahren in der Häufung gab. Sie fixierten die Menschen letztendlich auf ihre eigene Person und hinterließen eine theologische Einöde.
        Starben sie, blieb nichts außer einer überspannten Erinnerung an eine Art Wunderschamanen und letztendlich viele Irrungen in Form unbestätigter Prophetien – ähnlich bei Pater Pio.
        Fast kann man sagen, dass diese Männer den Glauben der einzelnen und ihre echte „Auferweckung ins geistliche Leben“ sogar erheblich geschwächt haben. Denn wo sind die Früchte geblieben?

      • Pater Pio hat gesagt: „Ich rufe niemanden. Die göttliche Vorsehung schickt sie.“ Den Rummel um seine Person hat er nicht gesucht und haben weder er noch sein Orden vorhergesehen.
        Viemehr gibt es schon eine Prophezeiuung aus dem Jahre 1906 über Pater Pio. Darin hieß es, dass der Herr einen kräftigen Baum einpflanzen werde. Und jeder, der sich unter den Schutz dieses Baumes stellen werde, werde nicht verloren gehen. Damals war Pater Pio noch dem Tode nahe und die Ärzte wussten nicht, wieviele Tage er noch zu leben hatte. Mehrere Jahre war es ihm nicht möglich, wegen seiner Kränklichkeit, im Orden zu leben.
        Alle Gnaden, die Gott in seinem Umfeld durch sein fürbittendes Gebet später wirken wollte, gingen durch die Hände Mariens. Pater Pio war ein großer Marienverehrer. Er betete unablässig den Rosenkranz.
        Er verwies die Menschen sogar, ihm zu danken und sagte: „Bedankt euch nicht bei mir. Geht zur heligen Jungfrau.“
        Viele sind durch Pater Pio schon zum Glauben gekommen. So war es auch bei mir. Anfangs war ich nur fokussiert auf die Wunder. Die waren sozusagen der Köder. Allmählich lerne ich: „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben.“
        Es gibt auch andere große Wundertäter. In Dal-Gals Lebensbeschreibung habe ich mit Erstaunen von der großen Wundertätigkeit Pius X gelesen.
        Mich stören große Mega-Wunder-Männer nicht, solange sie gute Früchte des Glaubens hervorbringen. Jeder, der den anderen liebt, ersehnt auch die Heilung seines Bruders, seiner Schwester.
        Allerdings ist eine kühle Distanz auch sehr wertvoll. Denn im charismatischen Bereich gibt es viele Wunder. Und selbst im Leben vieler Heiliger gibt es die seltsamsten wunderbaren Erlenisse. Darüber hat übringes ebenfalls Karl Rahner geschrieben. Darum ist schon Vorsicht geboten. Frau Mertensacker schrieb (CM) mir einmal: „Lassen Sie sich von niemandem die Hände auflegen, außer von einem geweihten, dazu bevollmächtigtem Priester.“
        Auf der anderen Seite, will Gott, dass wir für die Gesundheit unserer Mitmenschen beten, immer natürlich unter der Voraussetzung des „Herr, dein Wille geschehe.“
        Pater Pio wollte einmal für einen Blinden beten. Der Blinde sagte aber: „Der Herr hat mich erblinden lassen. Wieso sollte er mir zuerst die Blindheit geben und sie mir dann wieder nehmen? Wenn es für mein Seelenheil besser ist, blind zu bleiben, will ich es auch bleiben. Das Wunder ist für die, die gerade erst anfangen zu glauben. Nicht aber für die, die im Glauben erstarkt sind und sich mit dem gekreuzigten Heiland verbunden haben. Sie opfern ihr Leiden zur Erlösung an der Seite ihres Herrn auf.“ Pater Pio antwortete: „Dein Gebet ist vollkommen.“ Dann umarmte er den Blinden. Dieser durfte bei Pater Pio sein Leben lang ein und aus gehen, wohnte sogar zeitweise im Kloster und stand unter Pios väterlichem Schutz. – Wie kann man sagen, der Heilige Pater Pio befördere nur einen Personenkult? Das stimmt schlichtweg nicht. Er führt tausende zum Glauben zurück. Lassen wir da bloß keinen Neid aufkommen…

      • „Wo sind die Früchte geblieben?“ Dazu kann ich nur antworten: „Wenn wir mit Liebe auf die Menschen schauen, sehen wir auch die Früchte.“
        Zwar sündigt jeder jeden Tag vor der Reinheit und Makellosigkeit der Gottheit. Wäre das aber nicht so, brauchte es keinen Erlöser.
        Wir könnte uns ohne Probleme selbst erlösen. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal verweisen auf das, was Buddha am Ende seines Lebens gesagt haben soll: „Ich bin bis an die Pforten des Himmels gekommen, aber habe keine Tür [Jesus]gefunden.“
        Der Buddhismus ist 2600 Jahre alt, die ältesten Bücher der Bücher Mose 3500 Jahre. Man kann also davon ausgehen, dass Buddha die 10 Gebote wie auch den Schöpfungsmythos, wie auch den Sündefall kannte. Da er aber den Erlöser Jesus Christus nicht kennen gelernt hatte – dieser kam erst nach ihm – konnte er auch das Göttliche im Menschen nicht verstehen. Deshalb übernahm er die Gebote der zweiten Tafel, ließ aber die Gebote der ersten Tafel, die von der Ehre Gottes sprechen, frei. An deren Stelle setzte er das Nichts als Platzhalter des Unverstandenen. In sofern war Buddha erleuchtet in seinem Nichtwissen und bekannte am Ende seines Lebens, immer noch nicht gefunden zu haben. Darum verbirgt sich hinter den östlichen Heilslehren eigentlich eine tiefe Sehnsucht nach dem Göttlichen und ruft eine verkappte Werkgerechtigkeit hervor…
        Letzten Endes können wir nur den Boden bereiten. Der Herr aber lässt die Früchte reifen und bringt se hervor, wenn er es will und wie er es will. Wir müssen als Christen glauben, dass wir immer noch im göttlichen (Heils-)Willen stehen und dass der Herr die Dinge geschehen lässt, um seine Herrlichkeit vorzubereiten.
        In diesem Zusammenhang fällt mir ein, dass Pius X noch als Kanonikus eine Auseinandersetzung mit einem Geistlichen hatte, der die Laizität als Gottes Willen ansah und das auch predigte. Pius suspendierte den Geistlichen von seinen Ämtern. Das dauerte 40 Jahre an. Als Papst lud er sogleich den Abtrünnigen ein, der weiter ein frommes Leben gelebt hatte. Der Geistliche folgte der Einladung, so dass ihm PIus schon beim Eintreten entgegen kam und sagte: „Schön, dass sie abschwören wollen.“ Den angesprochenen traf es wie ein Blitz. Er entgegnete wie einst Luther: „Wie? So verstehen sie mich? Nein dazu bin ich nicht gekommen. Ich weiche nicht ab von meinem Standpunkt. Ich kann es nicht! Denn ich halte die Trennung von Staat und Kirche, insbesondere im Kirchenstaat, für den Willen Gottes.“ Da überlegte Pius einen Augenblick und sage dann: „Sagen wir es so: Gott hat es zugelassen.“ Mit dieser Formulierung konnte der Geistliche leben. Der Geistliche stimmte dieser Formulierung zu und wurde wieder in seine Befugnisse und Ämter eingesetzt.
        Können wir immer so genau sagen, was der Wille Gottes ist ( das Wie der Rettung) u. was er nur zulässt? – Ich denke, jeden Sünder lässt er zu, er lässt ihn leben und erhält ihn am Leben, auf dass er sich bekehre. Aber auch dieser steht im göttlichen Plan und in Gottes Vorsehung..

      • @ Pater Pio

        Ja, die Dinge sind natürlich schillernd, gewiss…
        Und was „Liebe“ ist, die dann auch die wahren Früchte erkennen soll, kann man auch nicht erklären…
        Was halten wir nicht alles für „Liebe“… dass man sich da mal nicht selbst belügt!
        Sie erzählen ja selbst, dass Ihre Bekehrung aufgrund der Wundersucht geschah. Das spricht aber noch nicht für die Wahrheit der Wunder. Manche bekehren sich auch in einem ersten Schritt im Protestantismus (so wars bei Kardinal Newman), der deswegen aber nicht reingewaschen ist. Er ist und bleibt trotzdem häretisch.

        Vielleicht verstehen Sie, was ich meine.

        Alles andere: das ist doppel- und dreifachbödig, wenn es langt…

        Aber eines muss jeden erschrecken: Jesus sagte, dass nicht alle Herr-Herr-Sager ins Himmelreich kommen werden.
        Man darf sich also von frommen Sprüchen und einstudierter Demut nicht blenden lassen.
        Jeder Katholik weiß, was in frommen Kreisen sozial erwünscht ist an Worten und Gesten.
        Da war auch Pater Pio einschlägig bewandert.
        Vielleicht mehr als uns lieb ist.
        Auch damit muss man rechnen.
        Es war bei ihm so wenig Genuines – alles wirkt wie ein riesiger Kramladen aus dem großen mystischen Pool der Kirche… auch seine angeblichen Visionen sind Aufgüsse von unzähligen Sehern vor ihm.

        Und das mit dem Baum – Verzeihung: wer hatte diese Vision, und wie hat die Kirche sie beurteilt?

        Daraus kann man schlicht und einfach … das gilt für uns alle … gar nichts schließen. Es gibt auch die Heuchelei, und ich habe Angst vor ihr – erst mal bei mir selbst, dann aber auch bei anderen. Der „Teufel“, sagt schon der Volksmund, ist „ein Eichhörnchen“ und schlüpft selbst an die frömmsten Plätze.

      • @Zeischnur —- Das mit dem Auferwecken von Toten hatte ich aus einer anderen literarischen Quelle, wo ich jetzt aber das Zitat nicht erbringen kann. Wenn Ihnen das alles „too much“ ist, dann dürfen sie die Apostelgeschichte, wo Petrus die selben Wunder wie der Herr wirkte, auch nicht ernst nehmen. Sorry !

      • @zeitschnur
        „Sie erzählen ja selbst, dass Ihre Bekehrung aufgrund Ihrer Wundersucht geschah.“
        So habe ich das nicht ganz geschrieben. Ich verwendete den Begriff Köder. Aber im für mich positiven Sinne. Denn ich sagte mir: Wenn derartige Dinge passieren, musst du dich auseinandersetzen mit dem Mehr, was dieser Wundermönch sagt. Ich erkannte (für mich), dass sich alles mit dem deckt, was die Kirche lehrt. So kam ich dahin, das wieder ernst zu nehmen, was durch das Lehramt verkündet wird.
        Es war auch deshalb keine Wundersucht, da ich mich in einer Notlage befang und Heilung suchte, aber durch P. Pio nicht fand. Erst war ich kinlich böse auf den Heiligen. Bis mir bewusst wurde, dass er von sich selbst gesagt hatte, er sei nur ein Werkzeug Gottes. Ich musste mich also an Gott direkt wenden. Dann hatte der Heilige gelehrt: „Denke immer daran, dass Gott alles sieht.“ Auch das beflügelte mich, nicht mehr Pater Pio selber anzurufen, sondern Gott. Das andauernde Rosenkranzgebet des Paters und das Ins-Leben-Rufen zahlreicher Gebetsgruppen führte mich dann erstmals an das Rosenkranzgebet heran. Ich war nicht zu Pater Pio gelangt, da ich wundersüchtig war, sondern heilungsbedürftig, an Leib und Seele gleichermaßen. Ich hatte Not und brauchte einen Bezugspunkt, einen geistigen Führer, der mir wie allen anderen sagte: „Mache dich würdig zu empfangen, was du erbittest.“ So kam ich zum 6. Gebot und stellte für mich fest, wenn ich hier nicht in Gottes Wort bleibe, schaffe ich es auch in den anderen Geboten nicht. Nach dem 6. ging ich alle Gebote durch. Also nahm ich mir das 8 vor, usw. Und jetzt stelle ich fest, dass ich im Utrteil über andere teilweise hart geworden bin. Das bringt mich dahin zu fragen: Habe ich die Liebe noch? Sehe ich die Menschen in ihren Verstrickungen und wäre ich nicht so wie sie, wenn ich in ihrer Situation wäre. Darum bitte ich den Herrn mich vor Selbstgerechtigkeit zu bewahren.
        Nun aber noch unbedingt zur seligen Lucietta Fiorentino, zu der der Heiland sprach – man fand es in ihrem Tagebuch nach ihrem Tode im Jahre 1963:
        „Von Ferne wird ein Priester kommen, symbolisch verglichen mit einem großen Baum. Hier in diesem Kloster werde ich ihn einpflanzen, seine Äste und Blätter werden sich über die Welt erstrecken. Wer glaubt, wird sich unter diesen Baum flüchten, er ist so schön, so reich mit wunderbaren Früchten, und jene werden das sichere Seelenheil erreichen! Alle, die ihm nachfolgen, werden das sichere Heil erreichen. Doch niemand gibt ihm den richtigen Wert. Eines Tages wird man ihn erkennen. Ich bin es, der in ihm wirkt In ihm habe ich alle Voraussetzungen vorgefunden, ich habe mich mit ihm vereint. Den Getreuesten verbirgt er sich. Was mein Diener, Pater Pio, sagt und denkt, ist von mir gewollte. Wer ihm fäschlicherweise etwas Böses nachsagt, schadet seiner eigenen Seele. DIe tun gut daran, die sich ihm empfehlen, ihn um Gnaden bitten und ihn verehren! Deine Seele spiegele sich in diesem Vater, denn ich wirke in ihm….

      • …Ich werde diesen meinen Sohn groß machen. Ich ströme Wohlgeruch aus! Er hat die Fähigkeit, alle Gnaden zu geben. Wer ihn anruft, wie man einen Heligen anruft, über den freue ich mich. Er hat die Hände voll von geistigen Gaben. Er lebt in mir, daher ist er die lebende Hostie. Erst im Himmel werdet ihr erfahren, wer Pater Pater Pio ist.“

      • Na gut, @ Pater Pio, das mit der „Wundersucht“ nehme ich zurück. Ich habe jetzt ein ungefähres Bild von Ihrem Weg – danke für die Mühe, das darzustellen.
        Und ein „hartes Urteil“ über andere Menschen hat der Mensch immer im sündhaften Zustand.
        Man darf allerdings ein hartes Urteil über einen anderen Menschen nicht verwechseln mit einem klaren Urteil über eine Meinung, die jemand vertritt – das sind zwei paar Stiefel.

        Was Sie über diese Visionen etc. erzählen, lässt mich allerdings zurückweichen.
        Das kann aus theologischen Gründen nicht richtig sein:

        „Wer glaubt,“ zitieren Sie. „wird sich unter diesen Baum flüchten, er ist so schön, so reich mit wunderbaren Früchten, und jene werden das sichere Seelenheil erreichen! Alle, die ihm nachfolgen, werden das sichere Heil erreichen. Doch niemand gibt ihm den richtigen Wert.“

        Hat die Kirche nicht ausdrücklich verworfen, dass jemand sich einbildet, hier auf Erden Heilssicherheit zu gewinnen? Das Tridentinum hat eine solche Behauptung sogar unter Bannfluch gesetzt!

        Also mit Verlaub: die Kirche hat es doch immer abgelehnt, den Gläubigen den Glauben an Visionen oder Offenbarungen an einzelne Leute, als HEILSNOTWENDIG abzuverlangen! Heilsnotwendig sind die Sakramente, v.a. die Taufe und die Beichte, und nichts weiter!

        Insofern möchte ich hier warnen vor einer visionären Irrlehre – das kann nicht sein!
        Denken Sie darüber noch mal nach, bitte – bei allem Verständnis für Ihre Haltung, aber das kann so nicht recht sein.

        Und dann das:

        „Wer ihm fälschlicherweise etwas Böses nachsagt, schadet seiner eigenen Seele. DIe tun gut daran, die sich ihm empfehlen, ihn um Gnaden bitten und ihn verehren! Deine Seele spiegele sich in diesem Vater, denn ich wirke in ihm….“

        Auf gut Deutsch ist das Erpressung! Erstens ist fälschliches Übelnachreden immer eine Sünde – nicht nur bei pater Pio. Zweitens wird hier jede Infragestellung der Pio-Ikone mit erpresserischen Mitteln unterdrückt. Die Kirche hat nie verboten, einen Visionär kritisch zu betrachten. Und alle echten Mystiker haben sich das um Christi willen gerne gefallen lassen. Wenn aber jeder, der Pater Pio nicht „schluckt“, hier quasi verdammt wird, dann ist das geradezu häretisch.

        Immer lehrte die Kirche die Freiheit in der Zustimmung zu einem Heiligen, wobei Pater Pio als konzilskirchlicher Heiliger für mich ohnehin zweifelhaft ist. Niemand MUSS einen Heiligen verehren, um selig zu werden.

        Wenn eine durch solche irrigen „Visionen“ gestützt wird, muss man eher denken, dass das alles von woanders her inspiriert ist – eben weil hier alles an diesem Pater Pio aufgehängt wird, anstatt an Christus alleine.

        Meine Seele soll sich außerdem grudnsätzlich nie in einem Menschen spiegeln!
        Was sind denn das für fürchterliche Abwege!
        Alleine der Herr ist es, in dem wir uns erkennen sollen.

        Nehmen Sie es mir nicht übel, @ Pater Pio, aber das sollten Sie schnellestens noch mal überprüfen!

      • Jeanne d‘Arc
        Die Apostel wirkten viele Wunder, die der Beglaubigung und Verbreitung des Christentums dienten.
        Ob ihre Geistesgaben mit ihrem Tode aufhören sollten oder nicht, darüber wird die Kontroverse zwischen „Cessationisten“ und „Continuationisten“ geführt, vor allem unter Protestanten Unter diesen Stichwörtern kann man biblische Argumente für und wider finden.

      • @ Jeanne d‘Arc

        Ich nehme die Wunderberichte des Schrift ganz ernst. Auch die seriösen aus der Kirchengeschichte.
        Aber das war nicht der Kern des apostolischen Wirkens.
        Wie @ Pater Pio sagte, eher eine Art „Köder“.
        Wunder wirken auch die Götzendiener.

        Ich bezweifle nicht, dass es auch Wunder gibt in der Kirche, aber ich bin vorsichtig damit, Wunder zum Kerndienst des Priesters zu machen.

        Das Kerngeschäft des Priesters ist es, die Hl. Wandlung zu vollziehen.

        Ist das nicht das größte Wunder?

        Bitte bedenken Sie, dass Jesus am Ende der Tage Menschen von sich stoßen wird, die Ihm vorrechnen, wie viele Wunder sie doch in Seinem Namen getan haben, wie viele Dämonen sie ausgetrieben haben etc.

        Das ist also eine doppelbödige und gefährliche Sache.

        Und eine alte Regel in der Kirche ist: Häufen sich in einer Person „Wunder“ und „Übernatürliches“, ist das eher ein Zeichen, dass das nicht von Gott kommt, sondern…

        Daher: too much „supranaturalitate“ ist immer mit Vorsicht zu genießen.

      • @zeitschnur
        „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, werdet ihr dieses tun und noch größeres.“
        „Was auch immer ihr in meinem Namen erbittet, werdet ihr erhalten.“
        Pater Pio als Baum ist ein Symbol für das Stehen und Bleiben im Glauben. Es ist kein haschendes wirres affektbehaftetes Hüpfen unter den Baum, um eine Frucht zu rauben und dann wieder davonzulaufen. Es geht um die Vereinigung mit dem Opfer des Priesters. Hier Pater Pios.
        Das gilt allerdings auch für jeden anderen Priester. Wir sollen uns mit dem Priester, der Christus am Altar vertritt und diesem nachfolgen soll, vereinen. Das gilt für jede Gemeinde.
        Pater Pio sagte fast jedem, der von weit her kam, um ihn zu sehen, um bei ihm die Hl. Messe mitzufeiern oder um zu beichten. „Was reist du so weit? Habt ihr bei euch keine Priester? Habt ihr bei euch keine Sakramete“ Er wollte damit sagen: „Du hast noch nicht verstanden, dass es nicht um mich geht.“
        Pater Pio hat nie gepredigt. Er hat einfach nur gebetet und die Sakramente gespendet.
        Und wenn einer kam, nur um ihn aus Neugierde zu sehen, dann sagte er: „Ein einziges Ave Maria wäre wertvoller gewesen als diese weite Reise.“
        Er sah sich ganz in hingebender Liebe mit dem opfernden Christus vereint.
        Viele, die ihn am Altar sahen, sagten: „Jetzt erst begreife ich die Heilige Messe.“
        Priester, die bei ihm beichteten, wies er darauf hin, würdig zu zelebrieren.
        Pater Pio stellt für mich das Ideal des Priesters dar. Wenn Sie in Dal-Gals Lebensbeschreibung die letzte Leidenszeit Pius X angesichts des beginnenden I. Weltkrieges nachlesen, stoßen Sie auf eben dieses Priesterideal des liebenden Sühneleidens.
        Sie geben zu bedenken: „Hat die Kirche nicht ausdrücklich verworfen, dass jemand sich einbildet, hier auf Erden Heilssicherheit zu gewinnen? Das Tridentinum hat eine solche Behauptung sogar unter Bannfluch gesetzt!“
        Das stimmt schon. Sie hat aber all jenen das Heil zugesichert, die sich zu Jesus Christus retten. Er ist das sichere Heil. Und Präsent ist er in den Sakramenten, die durch seine Diener (auch P.Pio) gespendet werden. Damit wird die Aussage von Lucietta fast schon banal bezüglich der Heilszusicherung. Das schließt nicht aus, dass allein Christus als Richter das Heil geben oder verweigern wird, da aber Gott allgegenwärtiges Jetzt ist, befindet sich der mit Christus im Sakrament des Altars vereinte sozusagen als einlaufendes Schiff im Hafen des Heils.
        Wenn jeder Priester wäre wie Pater Pio es war, gebe es keinen Unglauben mehr. Der Priester soll sich Christus verähnlichen, zu einem zweiten Christus werden, ihn Abbilden, so dass er ganz zurücktritt und nur noch Christus in ihm lebt. Das ist das Ideal.
        Ich frage Sie: Was wäre, wenn jemand dieses Ideal erreicht hätte und die Leute das gespürt haben? Wenn hier Jesus wieder lebendig geworden wäre? Christus will nicht nur genossenes Brot sein, sondern wie Maria zum lebendigen Tempel Gottes, zur wandelnden Bundeslade unter den Menschen werden. Christus ist der Weg und das Tor zu Gott.

      • Das was wir Pater Pio so leicht vorwerfen können, er habe einen Personenkult um sich zugelassen, können wir auch auf Christus selbst anwenden.
        „Was maßt sich dieser an, dass er sogar Sünden vergibt?“
        Wohlgemerkt: „Im Namen und in der Vollmacht Gottes.“
        Man kann auch als praktizierender Katholik ein Götzendiener sein, wenn man Jesus als bestimmte Stilikone vollen gutbürgerlichen Kunstgenusses seiner Glorie nach anbetet, aber dahinter nicht zu dem ganzen Christus des Glaubens vordringt, der jeden in seine kompromisslose Nachfolge ruft.
        Ich denke, dass der Herr Gnaden ohne Maß ausschütten möchte. Er will das Leid nicht. Genauso wie es Jesus gewollt und gesucht hat. Das könnte man auch Frau Ranke-Heinemann entgegenhalten: es geht um keinen blutrünstigen Gott, sondern um das Läuterungs-, d.h. Reinigungsleiden aus erduldeter und entgegengehaltener Liebe. Jesus hält sich am Kreuz den Angriffen des Bösen hin, um es zu brechen und zur Umkehr zu führen. Der erste, der sich bekehrt ist der Hauptmann am Kreuz: „Wahrlich, dies war Gottes Sohn“.
        Leid und Krankheit kommen nicht von Gott, sondern von dem Prinzip des Bösen. Wäre die Menschheit rein, würden zahlreiche Leiden verschwinden, die nur durch die Sünde in die Welt gekommen sind.
        Wir brauchen Priester wie Pater Pio. Eigentlich brauchen wir nur solche Priester voller Hingabe an das Gute und mit entschlossener Abwehr gegen alle Abirrungen zum Bösen hin, was Aushalten, Dulden und heiliges Leiden bedeutet.
        Auch die Gottesmutter hat immer wieder gesagt, dass ihre Hände voller Gnaden sind, aber niemand verlangt danach, aus Angst, Kleinmut, aber letztlich wohl mangelnder Umkehrbereitschaft.
        Man darf das Christentum nicht komplizierter machen als es ist.
        Die Gebote sind da, um die Menschen zu Gott zu bringen. Gott ist die Liebe.
        Der Herr hat den Tod überwunden. Wir Christen sind diejenigen, die an die Überwundung dieser Welt der Sünde glauben. Wir sind Zeugen der Auferstehung!
        Bei allem Fatalismus, der uns manchmal beschleichen möchte, haben wir doch die Worte Jesu im Ohr: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“
        Gott baut in dieser Welt, aber nicht für diese Welt, sein himmlisches Jerusalem. Selbst wenn es nur noch einen Gerchten geben würde, und mit Schmerz lässt sich sagen, es gibt in Jesus Christus nur den einen, müsste und würde dieser in dieser Welt zwischen allen Alltagslasten weiter für Gott und das himmlische Jerusalem bauen. Die Gebote sind Gottes Bauplan. Wollen wir uns ihnen einfügen?
        Es ist zu spät! Ja es war immer zu spät für diese Welt. Und es wird nie ein Morgen geben. Darum müssen auch alle Ismen scheitern, was schon PIus X immer wieder sagte: Wenn der Kommunismus oder die perfekte sozialistische Gesellschaft tatsächlich erreicht wäre, würde es keine 14 Tage dauern, bis sie wieder auseinanderfiele. Ja wieso? Weil der Mensch ohne Christus eben ohne Gott ist, und ohne Gott gibt es keine Gerechtigkeit.
        Darum sind alle Versuche, das Paradies auf Erden zu schaffen, zum Scheitern verurteilt

      • @ Pater Pio

        Zu Pater Pio möchte ich nichts weiter sagen – außer, dass diese Episoden, die Sie schildern, gewissermaßen spirituelle Topoi sind… Aber man weiß eben auch andere, hässlichere Episoden von demselben Pater, aber da bei ihm alles mehr oder weniger auf der Basis einer pro- oder contar-Gerüchteküche aufgebaut ist und keiner es wirklich weiß, (was alleine schon sehr zweifelhaft ist!), ist es nicht sinnvoll, auf der Basis der Gerüchte und Topoi weiterzu“verteidigen“ oder auch zu „-kritisieren“.
        Ich finde es nicht richtig, wenn Sie an einen blanken sündigen Menschen das Maß anlegen, das Christus vorbehalten war – und wenn überhaupt, dann nur noch Seiner Mutter.

        Sehr gut aber dieser Ihr Satz:

        „Gott baut in dieser Welt, aber nicht für diese Welt, sein himmlisches Jerusalem.“

  5. Mit großer zeitlichen Distanz und vom Ausland betrachtend, kommt man an dieser Feststellung nicht vorbei:
    Karl Rahner wird in deutschsprachigen Gebieten hoffnungslos überschätzt.
    Verwirrte Sprache, inkoherenter Gedankengang, ketzerisches Gedankengut und – bei vielen Jesuiten leider nicht selten reichlich vorhanden- intellektuelle Hochmut und Eigendünk.

    Ich komme aus einer Familie die sehr lange viele und auch großartige Jesuiten lieferte.
    Ich kenne Jesuiten vom Kleinkindesalter an, mit allen ihren Eigenschaften und Eigenheiten.
    Schon Ende der 1940er Jahren ist eine beginnende innere Schwächung bei den Jesuiten merkbar, mit rasanter Degenerierung während des Konzils.
    Die Ausbildungszentren entleerten sich schlagartig, die Aktivitäten wurden immer verrückter, das Gedankengut immer ketzerischer und unchristlicher.
    Eigenkritik null (unvergessen das große verschnupfte Schweigen um die Anstellung v. P. Dezza SI zur Ordensverwaltung bei der schweren Krankheit des Jesuitengenerals P. Arrupe SI), kein Respekt und Interesse für die eigene Geschichte, Verwahrlosung der früheren Bildungseinrichtungen.
    „Sunt ut sint aut non sunt“:
    dieses Bonmot vom Hl. Ignatius von Loyola (“ Sie (die Jesuiten) sind so wie sie sein sollten oder sie sind nicht“) ist, so hart es auch klingen darf, zugleich das Endverdikt für diesen Orden.

    • Der Jesuitenorden ist für mich bis heute mirakulös – diese Mischung aus absolutem Gehorsam gegen Obere, aber völliges Fehlen gemeinsamen Stundengebets, das man total privatisiert hat, sind alleine schon in der Grundverfasstheit das eine.
      Ich weiß, dass das damit rechtfertigt wurde, der Jesuit müsse ggbf. als Einzelkämpfer seinen Dienst tun können. Aber das hätte man sicher auch ohne diese radikale Abkehr vom gemeinschaftlichen Gebet erzielen können.
      Sie taten vieles Gute, aber vieles lässt einem auch einen Schauer über den Rücken lassen – im Zuge der propagandistischen Rekatholisierung auch regional die Todesstrafe auf Glaubensabfall zu initiieren, das ist einfach nur verabscheuenswert und klingt nach Islam. Oder die begründete Forschungsmeinung, dass es die Jesuiten waren, die die Schwarzen in Südamerika schwerst nicht nur diskriminierten, sondern einen blühenden Sklavenhandel betrieben haben, den größten Sklavenhandel in Amerika überhaupt – neben ihren guten Werken in den „Reduktionen“ mit den Guarani – das verwirrt mich und zerrüttet das Vertrauen.

      Andererseits waren sie durch ihre Papsthörigkeit durchweg den zentralen europäischen Monarchien ein Dorn im Auge, die in der Verfolgung der Jesuiten offenbarten, dass sie sich insgeheim eben doch als Konkurrenten des Papstes betrachteten und danach suchten, ihn und die Kirche zu unterwerfen. Das ging soweit, dass die Staaten den Papst dazu brachten, den Orden aufzuheben!

      Der Jesuitenorden war Gegenstand wildester Verschwörungstheorien – man sah überall „Jesuiten“ als heimliche Drahtzieher und Verschwörer hinter den Ereignissen. Allerdings zogen sie auch strategisch viele Strippen – das war ja ihr Metier als Propaganda-Abteilung der Rekatholisierung…

      Andererseits war der Orden immer schon aufgeschlossen für das Neue – für neue Ideen, neue Methoden und neue Kunst.

      Mich würde vor allem das interessieren: ob das heutige Bild des Ordens nicht letztendlich in seiner Logik liegt, die er von Anfang an hatte.

      • also ich halte das mit dem „hinter dem Sklavenhandel stecken“ für wildeste gerüchte.
        Sklavenhandel betreiben traditionell die Araber.
        Aber ja es ist verwirrend und unklar mit den Jesuiten, es mag einfach sein, dass bei vorhandener gut katholischer Erziehung udn Aufwachsen im katholischen Milieu die Verbindung von Einzelkämpfer und Gemeinschaft bei den Jesuiten „funktioniert“ hat.
        Seit den 20ern wurden der unbeleckten, selbstverständlich katholischen Milieus und Gegenden immer weniger, aber man hat scheinbar das Seitens des Ordens nicht zur Kenntnis genommen und so mag es sein, dass diverse Tendenzen in diesem Orden, der einfach vorraussetzte, dass man katholisch ist, alles weiß und alles glaubt eher aufgeblüht sind, wie unter der Folie die Erdbeeren ja auch schon früher reif sind.

      • Nennen Sie mir eine antikirchliche Theorie oder Lüge und ich such Ihnen mindestens einen Historiker, der selbige untermauert!
        Aber ansonsten ja sie sind merkwürdig die Jesuiten, teilweise auf jeden Fall.
        Aber andererseits, haben sie auch viel Gutes bewirkt.

      • die Quellen sind nicht auf deutsch verfügbar und davon abgesehen ist es bekannt, dass die Jesuiten, frei nach dem kleineren Übel, die Indios dadurch retten wollten, indem sie dafür waren, die robusteren Afrikaner als Sklaven zu nehmen, wenn es denn schon Sklaven geben muss.
        Das hatte immerhin zur Folge, dass es die Indios, im Gegensatz zu den Indianern, noch überall gibt.
        Aber daraus zu folgern die Jesuiten wären Sklavenhändler gewesen ist schon etwas übertrieben.
        Dass Sklaverei nicht gut ist, dass wissen wir schon seit Paulus, aber ich finde es immer leicht hinterher zu verurteilen.
        Davon mal ganz abgesehen waren die Jesuiten die einzigen die die Indianer und Indios so achteten, dass sie sich mühten ihnen Christus nahezubringen.

  6. Rahner hat vielleicht dieses merkwürdige „Transformationsprogramm“, das wie ein subtil-verformender Scan über die Überlieferung lief, am „pefektesten“ hergestellt.

    So, wie wenn er mit enormem Ehrgeiz einen gewachsenen Baum zwingen wollte, seine Krone in eine andere Richtung als nach oben zu richten – unter Beibehaltung aber sämtlicher Blätter.

    Und das perspektivische Denken wurde lange surreal vorbereitet. Wenn Büchner seinen Lenz im Gebirg auf den Händen laufen lässt und feststellt, dass der Himmel nun unter ihm liegt und nicht über ihm, dann haben wir ein kurzes,poetisches Bild für das, was geschehen ist.

    Die Frage ist dabei nur: wie lange schaffen wir es, auf den Händen statt auf den Füßen zu gehen?

  7. Das beste Rezept gegen die Irrlehren ist die echte Angst.
    Die Angst, wie vor allem Waisenkinder sie haben, weil sie niemanden haben, der sich um ernsthaft für sie einsetzt, und die häufig grundlegende Dinge wie eine wirklich liebevolle Umarmung nie, oder nur sehr selten erfahren haben!
    Stellt Euch einfach vor, ihr ständet allein vor einer Horde kreischender boshafter Menschen, die Euch umbringen wollen, wozu es in der heutigen Welt wohl nicht viel Fantasie bedarf!
    Und dann überlegt, ob Euch der Verfasser eines Textes, den ihr lest, vielleicht geholfen hätte!
    Mir hat allein dieser Satz genügt, um Karl Rahners Gesinnung sofort zu erkennen, und ihn abzulehnen:
    „Glauben heißt: Die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten. “
    Karl Rahner

    Glauben heißt auf Latein Credo, und das kommt von cor dare, jemandem sein Herz geben!
    Ich gebe niemandem mein Herz, den ich nicht begriffen habe!
    Freilich habe ich begriffen, dass ich kurzsichtig bin, und vieles was einfach ist, nicht sehe, aber ich habe begriffen, dass der Herr mir alles, was er mir tut, zum Besten sein lässt!
    Ich habe bis ich 18 Jahre alt war nie wirklich Freunde gehabt, aber jede Menge Kinder und Jugendliche die mich hassten, und mich gequält und gedemütigt haben wo sie nur konnten, teilweise habe ich es sogar schriftlich, da sie einige ihre Bosheiten in der Schülerzeitung niedergeschrieben haben!
    Ich hätte viel darum gegeben, wenn keiner mit mir geredet und mich jeder allein gelassen hätte, bis heute bin ich immer noch gerne allein.
    Doch alles was ich an Schlägen und Bosheit empfangen habe, hat der Herr mir hundertfach zurück gegeben, sie waren eine niedrige Zahlung für das, was der Herr Jesus Christus mir geschenkt hat!
    Mein Bruder sagte einmal zu mir: Das ist einfach nicht fair, dass ich es immer gut gehabt habe und nun nicht haben kann was Du hast!

    • Echt schön, was Sie schreiben. Sie haben auf geniale wie eigentlich einfache Weise übersetzt, was „glauben“ heißt: jemandem sein Herz geben oder schenken.
      Der von Ihnen zitierte Satz von Karl Rahner macht einen staunen. Es fragt sich da, warum Gott ein Mensch geworden ist, so viel Leid und Schmerz ertragen hat von Beginn seines irdischen Daseins. „Wer mich sieht, sieht den Vater“, sagt Jesus Christus.

      Ich kann Ihren Lebensweg nachempfinden, weil ich das, was Sie schreiben, selbst ein wenig erlebt hatte und weiterhin erleben würde, wenn ich nicht gelernt hätte- und zwar mit Gottes Beistand- dagegen immun zu werden/ zu sein. Immer auf den Gekreuzigten und Auferstandenen schauen, dann hat die Bosheit keine Chance. Deswegen hassen die Bösen ja das Kreuz Christi, weil sie sehen oder spüren, daß sie da entmachtet sind.

Comments are closed.