Marcel Lefebvre – Angeklagter oder Richter? Eine Buchrezension

Erzbischof Marcel Lefebvre
Erzbischof Marcel Lefebvre

von Wolfram Schrems*

Das knappe Vierteljahrhundert, das nach dem Tod von Erzbischof Marcel Lefebvre mittlerweile vergangen ist, ermöglicht einen historisch-distanzierten Blick auf sein Schaffen und dessen bleibende Wirkungen. Gleichzeitig erfordern die fünfzig Jahre nach Abschluß des Konzils eine rückhalt- und ausfluchtlose Auswertung von dessen Folgen.

Als jemand, der einschlägige innerkirchliche Erfahrung besitzt, gleichzeitig aber zu keiner Meßgemeinde der Piusbruderschaft gehört, daher also nicht pro domo schreibt, sehe ich mich daher in der richtigen Position, eine einschlägige Publikation kritisch zu würdigen.

Das Buch

Es handelt sich bei dem Buch um eine Sammlung von Vorlesungen, die Erzbischof Lefebvre in den Jahren 1979 – 1982 in Ecône für seine Seminaristen hielt. Stoff der Vorlesungen sind päpstliche Enzykliken und andere Lehräußerungen gegen die Freimaurerei, den Liberalismus und den Kommunismus.

Der Titel erklärt sich aus einer heftigen Auseinandersetzung mit Mitgliedern der Glaubenskongregation (unter ihrem Präfekten Franjo Kardinal Šeper), in der Lefebvre den ihn verhörenden und beschuldigenden Prälaten sinngemäß sagte:

„Wenn ich bedenke, dass wir uns hier im Gebäude des Heiligen Offiziums befinden, welches der überragende Zeuge der katholischen Überlieferung und der Verteidigung des katholischen Glaubens ist, dann kann ich nicht anders als denken, dass ich hier zu Hause bin und dass ich, den Sie als ‚Traditionalisten‘ bezeichnen, Sie richten müsste“ (18).

In den von Tonbandmitschnitten transkribierten Vorlesungen kontrastiert der Erzbischof die nachkonziliare Lehrentwicklung mit den vorkonziliaren Lehrschreiben. Er greift auf umfangreiche Erfahrungswerte aus seiner Missionstätigkeit in Afrika (Gabun und Senegal) zurück, die belegen, daß innerkirchliche Weichenstellungen enorme Auswirkungen auf die außerkirchliche Welt, auf Kultur, Politik und Ökonomie zeitigen.

Der Hausverstand

Lefebvre: Angeklagter oder Richter?
Lefebvre: Angeklagter oder Richter?

Was bei der Lektüre sowohl der lehramtlichen Texte der Päpste des 19. Jahrhunderts als auch der Erläuterungen durch Erzbischof Lefebvre auffällt, sind die klare Aussageabsicht und die dem gesunden Menschenverstand entsprechende Gedankenführung. Für heutige Lesegewohnheiten ist beides gewöhnungsbedürftig, weil in Kirche und Welt praktisch überall nur mehr dieser merkwürdig verdrallte und schwer zu interpretierende Insider-Jargon vorherrscht. Dabei ist es nicht so, daß die päpstlichen Texte des 19. Jahrhunderts trivial wären. Auch sie erfordern Übung in der Lektüre. Allerdings stellt sich nach kurzer Zeit heraus, daß es hier um Realität geht, um Wahrheit und Vernunft. Genauer gesagt: Hat man einmal den Glauben angenommen und das Offenbarungsgut akzeptiert, dann sieht man, wie sehr die Vernunft in der Kirche Heimatrecht hat. In den falschen Religionen gibt es keine Vernunft. Das ist ein Erfahrungswert. Die katholische Religion ist nun einmal die Offenbarung des menschgewordenen Logos, des göttlichen Wortes, Sinnes und Planes.

Die ganze Lektüre löst beim Leser immer wieder Bekundungen der Zustimmung aus: „Ja, das ist eigentlich logisch.“ „Das ist eine Erfahrung.“ „Das hat er damals richtig erkannt.“

Lefebvre thematisiert es auch ausdrücklich:

„Wie sehr verstanden es die früheren Päpste doch, sich klar und einfach auszudrücken! Sie sagten: Wir sind die Hirten und wir müssen die Herde beschützen. Wogegen? Gegen die Irrtümer, gegen die Laster! (…) So etwas kennen wir jetzt seit Papst Johannes XXIII. nicht mehr“ (57).

Die Themen

Msgr. Lefebvre Apostolischer Delegat für Französisch-Afrika
Msgr. Lefebvre Apostolischer Delegat für Französisch-Afrika

Gemäß der Berufung des Erzbischofs, die Subversion der Kirche zu bekämpfen, bestehen die Themen des Buches in Analysen des Liberalismus und der Freimaurerei. Der religiöse Indifferentismus wird scharf kritisiert. Der menschliche Verstand will und soll ja gerade erkennen, wo Wahrheit und Heil liegen:

„[Pius IX.] greift sodann einen weiteren Anlass auf, um die freimaurerischen Sekten zu verurteilen, nämlich ‚das grauenerregende System von Gleichgültigkeit gegenüber der Religion‘, welches ‚der natürlichen Erkenntnis des Verstandes im höchsten Maß zuwider ist‘.“ (85)

Es geht um Angriffe auf Priestertum und Zölibat, um Naturrecht und Naturalismus, Laizität des Staates, Soziallehre und Mission. Schließlich wird – sehr aktuell – am Beispiel des Sillon von Marc Sangnier die innerkirchliche Revolution (gemäß Notre Charge Apostolique von Pius X.) genau analysiert. Sehr wichtig sind Informationen zur Entchristlichung der Staaten durch die Politik Pauls VI. und die de facto stattgehabte kirchliche Begünstigung des Sowjetkommunismus am Konzil (strenggenommen schon vorher). Anekdoten und Eigenerfahrungen des Erzbischofs geben dem Ganzen eine lebendige Note.

„Das“ Konzil

Oft wird man als Konzilskritiker mit der Frage konfrontiert, ob man denn glaube, der Hl. Geist sei am Konzil nicht anwesend gewesen. (Ich erinnere mich beispielsweise an zwei Gelegenheiten, da ich ausdrücklich solcherart gefragt wurde.) Lefebvre sagt nun, daß das Konzil als ausdrücklich „pastorales“ und nicht „dogmatisches“ im Prinzip nicht mehr lehramtliche Verbindlichkeit als eine Predigt haben kann. Das klingt etwas respektlos angesichts von „dogmatischer Konstitution“ soundso und dergleichen mehr. Aber natürlich hat die subversive Kraft genau damit gespielt, „pastoral“ und „nicht verurteilend“ sein zu wollen, und gleichzeitig autoritärer zu sein als je zuvor.

Bei einem „pastoralen“ Konzil ist „[d]er Heilige Geist (…) nicht verpflichtet einzugreifen, um zu verhindern, dass Fehler begangen würden. Wenn dagegen das Konzil dogmatisch gewesen wäre, dann wäre der Heilige Geist verpflichtet gewesen, einzugreifen“ (390).

Würdigung

Msgr. Lefebvre als Konzilsvater
Msgr. Lefebvre als Konzilsvater

Nachdem die Kommentare von Erzbischof Lefebvre zu den Zitaten aus den Enzykliken der mündlichen Rede entstammen, teilweise eher im Plauderton gehalten sind und etliche Wiederholungen aufweisen, sind sie für Einsteiger in das Thema sehr gut geeignet.

Es ist ein großes Verdienst, daß Erzbischof Lefebvre die Lehrschreiben der Päpste des 19. Jahrhunderts und von Pius X. seinen Studenten detailliert präsentierte. Daher gebührt auch dem Sarto-Verlag das Verdienst, die Produkte dieser Anstrengungen einem größeren Publikum vorzulegen.

Ein Kritikpunkt

Leider muß ein substantieller Kritikpunkt genannt werden: Ein Buch, das 2014 erscheint und ein Vorwort von 1994 aufweist, hat doch eine gewisse Schwäche. Der Makel des Unaktuellen besteht damit zu einem gewissen Grad.

Man wird also dem Verlag empfehlen können, einer Neuauflage eine gründliche Darstellung der Ereignisse seit 1994 anzufügen, einschließlich einer ausführlicheren Beantwortung der im Titel aufgeworfenen Frage „Angeklagter oder Richter?“. Dafür könnte man den Hauptteil, in dem sich doch manches wiederholt, auf etwa zwei Drittel des Umfanges straffen.

Resümee

In unserer Zeit leben wir in einer präzedenzlosen Zeit kirchlicher Krise. Das Petrusamt selbst ist Anlaß großer Sorge geworden. Es ist keine Frage, daß der „Rauch Satans“ in das Heiligtum eingedrungen ist.

Mit den Erfahrungswerten von heute, 2015, werden wir die Initiativen von Mgr. Lefebvre, besonders die unerlaubten Bischofsweihen des Jahres 1988, differenziert beurteilen müssen. Die Piusbruderschaft hat sich objektiv gesehen als Stachel im Fleisch einer in die Verweltlichung geratenen kirchlichen Hierarchie erwiesen und damit vielen Gläubigen große Dienste erwiesen.

Sie hat aller historischen Analyse nach die völlige Verdrängung der überlieferten Liturgie und vor allem des überlieferten Glaubens verhindert.

In jenem spannungsreichen Frühsommer des Jahres 1988 konnte man das allerdings noch nicht wissen. Somit konnte man damals guten Gewissens zu gegenteiligen Schlußfolgerungen in Fragen der Vorgangsweise kommen. Insofern sind gegenseitige Bezichtigungen von hüben nach drüben und retour entbehrlich.

Möge diese Publikation helfen, daß alle, die guten Willens sind, die Ereignisse seit dem Ende des II. Vaticanums und vor allem seit 1988 in einem größeren Kontext sehen und entsprechende Schlußfolgerungen ziehen mögen. Das Ziel kann nur die völlige Einheit in der ganzen Wahrheit sein.

Marcel Lefebvre, Angeklagter oder Richter? – Eine Darlegung und Verteidigung der päpstlichen Lehrentscheidungen gegen die modernen Irrtümer, Sarto, Bobingen 2014. www.sarto.de

*MMag. Wolfram Schrems, katholischer Theologe und Philosoph, Katechist

Bild: Corsia dei Servi/FSSPX Asien

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29 Comments

  1. Msgr. Lefebvre war ein wahrer Prophet in seiner Zeit. Er wurde missverstanden, abgelehnt, verfolgt, verleumdet und verstossen. Die Worte Jesu: ‚Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt‘ (Luk 4,24), hat sich in seinem Leben erfüllt, besonders während und nach dem 2. Vatikanischen Konzil. Er liebte die Kirche und musste seinen Weg aus Gehorsam zu Gott gehen, und hat der Göttlichen Vorsehung vertraut. Er war ein Werkzeug und die Piusbruderschaft ist Gottes Werk, denn Dank ihnen, ist der Kirche die traditionelle Messe erhalten geblieben.
    Gott wird in der ‚Messe aller Zeiten‘ die Ihm gebührende Ehre gegeben und jeder hat seinen Platz (Priester, Gläubige). Es ist dem Wirken des Heiligen Geistes zuzuschreiben, dass die traditionelle Messe von Priestern und Gläubigen mehr und mehr als eine nie versiegende Gnadenquelle erkannt wird.
    Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und in Ewigkeit. Amen!

  2. Jeder, der kirchenhistorisch bewandert ist, weiß um die großen Diskrepanzen zwischen der Kirche früher und heute. In der Alten Kirche vor der Konstantinischen Wende sind Christen wegen ihrer Weigerung, Idolatrie zu betreiben, bis in den Tod gegangen. Die Akzeptanz von Häresien im Zuge einer falsch verstandenen Ökumene und die Förderung von Idolatrie bei interreligiösen Treffen unter der Schirmherrschaft des Papstes sind vor diesem Hintergrund schlicht unglaublich. Sind die frühchristlichen Märtyrer gegen die Idolatrie etwa nur eine unterhaltsame Anekdote der Weltgeschichte?

    Was heute auch ein springender Punkt ist, ist die Frage gültiger Bischofsweihen und damit Sicherstellung der apostolischen Sukzession. Die Bischofsweihen im Tridentinischen Ritus wie auch den Riten der Ostkirchen sind zweifellos gültig, da ihre Formulierungen dogmatisch korrekt sind. Die apostolische Linie Lefebvres ist daher ähnlich wie bei den schismatischen Orthodoxen: kein päpstliches Genehmigungsverfahren, aber Einprägung des unauslöschlichen Merkmals in die Seele.

    • Solange es das rechtgläubige Rom gab, war auch das Sakrament, das ein Schismatiker, der ja immer auch Häretiker ist (die Orthodoxie ist häretisch in mindestens drei wesentlichen Punkten: Filioque (Kryptoarianismus), Ablehnung der päpstlichen Infallibilität, die Auflösung des Ehesakramentes), spendete, geadelt und konnte sich herleiten aus einer halbwegs gesunden Hierarchie.
      Heute?
      Das ist das generelle Problem: die Weihen im überlieferten Ritus sind gültig, wahrscheinlich als einzige im weströmischen Bereich, aber es fehlt die Autorität.

      Lefebvres Fehler war gewiss nicht, diese Sakramente zu spenden, sondern sich selbst zu der fehlenden Autorität aufzuschwingen. Damit ist er selbst häretisch geworden.

      Aus einer faulen Wurzel kann nichts Gesundes wachsen – egal mit wieviel scheinbar gesunden Requisiten einer sich garniert.

      Das ist auch der Todeskeim in seinen Absichten. Denn nicht ersteres, sondern letzteres steht niemandem zu!

      • //häretisch (…) in : Filioque (Kryptoarianismus)//

        Was für ein Schmarren.
        War Jesus Christus auch Häretiker, als er in seinen letzten Reden sagte: der Geist, der vom Vater ausgeht? Dieses liegt nämlich dem Wortlaut des Credo an dieser Stelle zugrunde. Waren die großen ökumenischen Konzilien des ersten Millenniums häretisch, die das Glaubensbekenntnis ohne filioque immer wieder bestätigten?
        Damit will ich nichts gegen das filioque gesagt haben. Aber es ist doch Wahnsinn, den Orthodoxen vorzuwerfen, dass sie den Wortlaut des Evangeliums und der ökumenischen Konzilien bewahren, von dem auch Rom bestätigt, dass er nicht häretisch ist und nicht häretisch sein kann. Schließlich beten bzw. singen auch die unierten Ostchristen das Credo ohne filioque.
        Jesus ging hart mit den Pharisäern ins Gericht, die den Menschen unnötige Lasten aufbürdeten. Bei den Pharisäern waren es die Lasten zahlloser Gesetzesausführungsbestimmungen. Man kann aber auch unnötige Lasten von dogmatischen Finessen aufbürden.
        Zu solchen sagte der Herr: Ihr seiht Mücken und verschluckt Kamele.

      • Da Sie seit einiger Zeit Ihre Informationen v.a. aus protestantischer Literatur beziehen, haben Sie kein gesundes Verhältnis mehr zur katholischen Lehre und v.a. fehlt es an Wissen.

        Die Sachlage ist erheblich komplizierter und hat mit Mückenseihen nichts zu tun – oder wollen Sie Jesus gegen das römische Lehramt ausspielen?

        Informieren Sie sich bitte über die Problematik auf der dogmatischen Ebene, auch derer des Schriftbefundes, der erhbelich anders ist als Sie es darstellen bei Ludwig Ott, Kapitel in seiner Dogmatik, „Die Lehre von Gott dem Dreipersönlichen“, § 12

        1. belegt die Schrift beide Hervorgehensweisen (z.B. Gal. 4, 6 auch für den Sohn)

        2. da das Filioque de fide ist, ist seine Leugnung eine Häresie.

        Tut mir leid – aber Sie sollten sich erst informieren, bevor Sie auftrumpfen.

        Da ein ostkirchlicher Patriarch bereits 879 das Filioque der Lateiner als häretisch verwarf, waren es die Orthodoxen selbst, die der Debatte die Schärfe des Häretischen gaben.

        Das genaue Dogma lautet:

        „Der Hl. Geist geht aus dem Vater und dem Sohn als einem einzigen Prinzip durch eine einzige Hauchung hervor.“ De fide

        Wenn also Jesus sagt, der Geist gehe aus dem Vater hervor, hat er damit im logischen Sinne nicht ausgeschlossen, dass der Geist auch aus ihm selbst in gleicher Weise hervorgeht.

        Die Frage ist ausführlich auch bei Thomas debattiert in der Summa.

        Was Sie nicht erkennen ist: wenn der Geist nicht aus dem Sohn hervorgeht, dann besteht ein gradueller Unterschied zwischen Vater und Sohn, also eine Subordination des Sohnes unter den Vater. Damit sind wir bei einem quasi-arianischen Ansatz.

        Aber machen Sie sich doch die Mühe, seien Sie nicht zu stolz, die wahre Lehre der Kirche zu lesen.

        Nicht zuletzt setzen Sie Ihre begrenzte Erkenntnis über das Dogma – und alleine das ist schon häretisch, denn die Kirche lehrt, dass ihr alleine die Auslegung der Schrift zusteht und sie es ist, die uns diese Auslegung als zu Glaubendes vorlegt. Da es sich hier um ein Dogma mit höchster Glaubensgewissheit handelt, finde ich Ihr Auftrumpfen geradezu atemberaubend.

        Sie müssen als treuer Katholik im Rahmen dieser Auslegung bleiben und können ihr nicht so unverfroren widersprechen, wie Sie es oben getan haben.

      • Ich habe n i c h t dem römisch-katholischen Dogma widersprochen und tue es auch nicht. Ich widerspreche aber Ihrer Auffassung, das ostkirchliche Festhalten am ursprünglichen Wortlaut des Glaubensbekenntnis sei semiarianische Häresie. Das ist und bleibt ein Schmarren. Der Wortlaut wurde vom Ökumenischen Konzil in Konstantinopel als endgültig und unveränderlich festgelegt. Trotzdem hat der Westen einseitig geändert. Die Päpste wussten sehr genau, dass ein solches einseitiges Vorgehen nicht legitim war. Deshalb haben sie sich jahrhundertelang gegen eine Veränderung des Credos verwahrt. Die Franken waren es, die das Credo ändern wollten. Deshalb ließ der Papst zur Zeit Kaiser Karls des Großen im Petersdom demonstrativ eine große Silbertafel mit dem Symbolum Nicaeno-Constantinopolitanum in griechischer und lateinischer Sprache aufstellen o h n e filioque. Das Filioque wurde liturgisch jedoch geduldet. (Erinnert mich an die „Duldung“ der Handkommunion und an die „Duldung“ von „für alle“ anstelle von „für viele“ und manches mehr. Der unruhige Westen hat von jeher ein großes Änderungsbedürfnis.) Die offizielle Einführung des Filioque ins Glaubensbekenntnis war sozusagen ein Geschenk das Papstes an Kaiser Heinrich II.
        Ich könnte das präziser ausführen, aber dies hier ist ein Kommentarforum und es ist nicht nötig, mit Kenntnissen zu glänzen, die sowieso nicht auf meinem Mist gewachsen sind, die ich aber unschwer aus theologischen Fachbüchern heraussuchen könnte auf den Regalen hinter meinem Rücken. Brauche mich nur umzudrehen. Für einen Streit über die Heiligste Dreifaltigkeit, falls Sie dazu aufgelegt sind, um zu beweisen, dass Sie recht haben, stehe ich jedoch nicht zur Verfügung. In Abwandlung eines Wortes aus der Nachfolge Christi, halte ich es für wertvoller, zur Heiligsten Dreifaltigkeit zu beten, als über sie herumzudiskutieren. Ihre Haltung erinnert mich an den absurden Vorwurf Kardinal Humberts von Silva Candida, als er die Bannbulle in der Hagia Sofia niederlegte, der Osten hätte das filioque aus dem Credo entfernt. Zum Glück haben Theologen des Ostens und des Westens (die mehr von Theologie verstanden als Sie und ich) unter Papst Johannes Paul II. und Glaubenspräfekt Josef Card. Ratzinger erkannt, dass das Filioque nicht trennend ist zwischen der orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche. Und Leuten, die so scharf auf Trennung sind (es gibt sie drüben wie hüben), seien daran erinnert, dass das ein Werk des Fleisches ist, das vom Reich Gottes ausschließt. „Offenbar sind aber die Werke des Fleisches, welche sind: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit; Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Z w i e t r a c h t , P a r t e i u n g e n; Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich schon zuvor gesagt habe, dass die, welche solche Dinge tun, d a s R e i c h G o t t e s n i c h t e r b e n w e r d e n.“ (Gal 5,19-21)

      • Um es kurz zu machen:

        Das Dogma, das ich oben zitiert habe, ist Ihrer Ansicht nach also Frucht sinnloser Debatten und päpstlicher Irrtümer?

        Denn es ist nun mal Dogma geworden! Da ist irrelevant, was vorher war.
        Der hl. Thomas glaubte auch nicht an die unbefleckte Empfängnis – und das ist irrelevant, weil es später eben anders definiert wurde.
        Etc.

        Solange eine Sache noch nicht dogmatisch definiert wurde, ist sie noch in einem gewissen Umfang offen.
        Ist sie aber vom unfehlbaren Lehramt einmal definiert, kann man hinter diese Definition nicht mehr zurück.

        Sorry – aber es nützt alles nichts.
        Und was die Herren Ratzinger und Woityla da ausgehandelt haben, ist ohnehin irrelevant. Die küssten auch den Koran, stellten einen Buddha auf einen Altar und leugneten das Sühnopfer, obwohl all das bereits eindeutig und für immer definitiv ausgeschlossen war.

        Da weiß man wenigstens gleich, woran man mit den beiden ist.

      • Ich muss doch noch einmal auf einige häretische Tendenzen in Ihrem Posting hinweisen.

        Sie schreiben:

        „Die Päpste wussten sehr genau, dass ein solches einseitiges Vorgehen nicht legitim war.“

        Nun ist aber der Papst niemandem Rechenschaft schuldig, wenn er Lehrentscheidungen entweder selbst trifft oder in einer Diskussion sich der bisherigen theologischen Meinung einer bestimmten Richtung zuneigt und letztere dogmatisiert.

        Solches Vorgehen ist also sehr wohl legitim!

        Weiterhin krankt Ihre Position daran, dass sie denjenigen folgen, die behaupten, es habe eine Definition gegeben, die nicht mehr hätte verändert werden dürfen.

        Die Auseinandersetzungen um das Filioque zeigen jedoch, dass das Filioque, ohne direkt ausgeschrieben worden zu sein, dennoch geglaubt worden war. Erst die Einengung des Hervorgangs des Hl. Geistes auf „allein“ den Vater führte überhaupt die Probleme herbei.

        Wir kennen die Problematik der „sola“-Aussagen aus einem späteren Zusammenhang: Wenn Luther z.B. behauptet, „sola scriptura“sei alleinige Offenbarungsgrundlage, dann kann natürlich einer daherkommen und sagen, das habe die Kirche doch sowieso auch vorher im Prinzip irgendwie auch so schon gesehen. Natürlich: höchste Glaubensgewissheit liegt in der Schriftoffenbarung.

        Nun ist aber nicht dieses Faktum das Problem, sondern das „sola“. Die Kirche hat natürlich die Schrift als höchste Offenbarungsquelle angesehen, aber nicht „sola“ hinsichtlich jeder Offenbarungsgrundlage.

        Ebenso bei Filioque: wenn zunächst nicht ausgesprochen werden musste, dass der Geist auch aus dem Sohn hervorgeht, weil Vater und Sohn eines sind, dann hieß das nicht, dass der Geist „alleine“ aus dem Vater hervorgeht.
        Wenn in den Schriftahnentafeln oft nur der Vater eines Menschen steht, heißt das ja auch nicht, dass derselbe Mensch nicht auch aus einer Mutter gleichermaßen hervorging!

        Wer also behauptet, der hl. Geist gehe ALLEINE aus dem Vater hervor – und das tut die Orthodoxie!, zerrüttet das rechtgläubige trinitarische Gottesbild. Und die erbitterte Debatte des Westens, bzw. der Päpste darum hängt daran, dass mit einer „alleine“-Reduktion der gesamte Glaube ins Wanken kommt und viele weitere Häresien begünstigt werden.

        Der scholastische Beweis für das Filioque lautet:

        „Da der reale Unterschied der göttlichen Personen ausschließlich in einem Gegensatz der Ursprungsbeziehungen begründet ist, so ist kein Grund für die hypostatische Unterscheidung des Sohnes und des Hl. Geistes gegeben, wenn der Hl. Geist nicht auch vom Sohn ausgeht. “ Bei Ott, s.o. § 12 – in der Summa theologica I 36, 2

        Auf dieser thomistischen Argumentation beruht letztendlich auch das dann getroffene Dogma.

        All Ihre teilweise mehr polemischen als sachlichen Ausführungen lassen eine Frage außer Acht:

        Warum führt die Orthodoxie diese Debatte gegen die Westkirche?
        Letztendlich hängt mit der Schieflage des Gottesbildes dort auch die des Menschenbildes zusammen. Und das wiederum erlaubt die Eheauflösung…

      • Zitat:

        Die Formulierung „und dem Sohn“, das berühmte Filiogue, war im ursprünglichen Glaubensbekenntnis von Konstantinopel noch nicht enthalten. Sie kam als Lehrformel in Spanien im 5.-7. Jahrhundert auf, wurde aber erst im 11. Jahrhundert ins Glaubensbekenntnis der römischen Kirche aufgenommen. Bis heute stellt diese Zusatzformulierung einen Unterschied zu den orthodoxen Kirchen dar. Die Orthodoxen gebrauchen die Formel „aus dem Vater durch den Sohn“. Damit wollen sie deutlicher zum Ausdruck bringen, daß in Gott der Vater allein Ursprung und Quelle ist. Die römische Kirche und die anderen westlichen Kirchen wollen deutlicher betonen, daß der Sohn mit dem Vater wesenseins und ihm gleichgestellt ist. In diesem Grundanliegen kommen Ost und West überein. Sie benutzen aber unterschiedliche theologische Begriffe und Denkmodelle. Deshalb liegt hier nach heutiger römisch-katholischer Überzeugung eine legitime Einheit in der Vielfalt, aber kein kirchentrennender Unterschied vor.

        Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Bd. 1, S. 82.

      • Gemeinsames ausführliches orthodoxes/ römisch-katholisches Dokument, von der Website der Katholischen Bischofskonferenz der USA:

        „The Filioque: A Church Dividing Issue?: An Agreed Statement“
        http://www.usccb.org/beliefs-and-teachings/ecumenical-and-interreligious/ecumenical/orthodox/filioque-church-dividing-issue-english.cfm

        Daraus die Empfehlungen am Schluss des Dokuments:
        -
        We are aware that the problem of the theology of the Filioque, and its use in the Creed, is not simply an issue between the Catholic and Orthodox communions. Many Protestant Churches, too, drawing on the theological legacy of the Medieval West, consider the term to represent an integral part of the orthodox Christian confession. Although dialogue among a number of these Churches and the Orthodox communion has already touched on the issue, any future resolution of the disagreement between East and West on the origin of the Spirit must involve all those communities that profess the Creed of 381 as a standard of faith. Aware of its limitations, our Consultation nonetheless makes the following theological and practical recommen­dations to the members and the bishops of our own Churches:

        - that our Churches commit themselves to a new and earnest dialogue con­cerning the origin and person of the Holy Spirit, drawing on the Holy Scriptures and on the full riches of the theological traditions of both our Churches, and to looking for constructive ways of expressing what is central to our faith on this difficult issue;

        that all involved in such dialogue expressly recognize the limitations of our ability to make definitive assertions about the inner life of God;
        that in the future, because of the progress in mutual understanding that has come about in recent decades, Orthodox and Catholics refrain from labeling as heretical the traditions of the other side on the subject of the procession of the Holy Spirit;
        that Orthodox and Catholic theologians distinguish more clearly between the divinity and hypostatic identity of the Holy Spirit, which is a received dogma of our Churches, and the manner of the Spirit’s origin, which still awaits full and final ecumenical resolution;
        that those engaged in dialogue on this issue distinguish, as far as possible, the theological issues of the origin of the Holy Spirit from the ecclesiological issues of primacy and doctrinal authority in the Church, even as we pursue both questions seriously together;
        that the theological dialogue between our Churches also give careful consideration to the status of later councils held in both our Churches after those seven generally received as ecumenical.
        that the Catholic Church, as a consequence of the normative and irrevocable dogmatic value of the Creed of 381, use the original Greek text alone in making translations of that Creed for catechetical and liturgical use.

        Schluss folgt.

      • Schluss
        ———–

        that the Catholic Church, following a growing theological consensus, and in particular the statements made by Pope Paul VI, declare that the condemnation made at the Second Council of Lyons (1274) of those “who presume to deny that the Holy Spirit proceeds eternally from the Father and the Son” is no longer applicable.
        We offer these recommendations to our Churches in the conviction, based on our own intense study and discussion, that our traditions’ different ways of understanding the procession of the Holy Spirit need no longer divide us. We believe, rather, that our profession of the ancient Creed of Constantinople must be allowed to become, by our uniform practice and our new attempts at mutual understanding, the basis for a more conscious unity in the one faith that all theology simply seeks to clarify and to deepen. Although our expression of the truth God reveals about his own Being must always remain limited by the boundaries of human understanding and human words, we believe that it is the very “Spirit of truth,” whom Jesus breathes upon his Church, who remains with us still, to “guide us into all truth” (John 16.13). We pray that our Churches’ understanding of this Spirit may no longer be a scandal to us, or an obstacle to unity in Christ, but that the one truth towards which he guides us may truly be “a bond of peace” (Eph 4.3), for us and for all Christians.

        Washington, DC
        October 25, 2003

        http://www.usccb.org/beliefs-and-teachings/ecumenical-and-interreligious/ecumenical/orthodox/filioque-church-dividing-issue-english.cfm

      • Glaubenskongregation, Erklärung „Dominus Jesus“:
        1. Bevor der Herr Jesus in den Himmel aufgefahren ist, hat er seinen Jüngern den Auftrag gegeben, der ganzen Welt das Evangelium zu verkünden und alle Völker zu taufen: »Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden« (Mk 16,15-16). »Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 28,18-20; vgl. auch Lk 24,46-48; Joh 17,18; 20,21; Apg 1,8).

        Die universale Sendung der Kirche entspringt dem Auftrag Jesu Christi und verwirklicht sich durch die Jahrhunderte, indem das Mysterium Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, sowie das Mysterium der Menschwerdung des Sohnes als Heilsereignis für die ganze Menschheit verkündet wird. Dies sind die wesentlichen Inhalte des christlichen Glaubensbekenntnisses: »Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles erschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt. Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein. Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt«.

      • L.L.

        „…that the Catholic Church, following a growing theological consensus, and in particular the statements made by Pope Paul VI, declare that the condemnation made at the Second Council of Lyons (1274) of those ‚who presume to deny that the Holy Spirit proceeds eternally from the Father and the Son‘ is no longer applicable.“

        So so. Ein Papst vermag eine durch ein dogmatisches Konzil ausgesprochene Verurteilung als „nicht mehr anwendbar“ zu erklären.

      • carlo
        Ähnlich werden die Verurteilungen des Tridentinums gegen die Reformatioren bezüglich der Rechtfertigung und die Verurteilungen des Chalcedonense gegen die Monophysiten nicht mehr angewendet.

  3. „In bei einem „pastoralen“ Konzil ist „[d]er Heilige Geist (…) nicht verpflichtet einzugreifen, um zu verhindern, dass Fehler begangen würden. Wenn dagegen das Konzil dogmatisch gewesen wäre, dann wäre der Heilige Geist verpflichtet gewesen, einzugreifen“ (390).“

    Die Mutter Gottes ist die Braut des Heiligen Geistes. Ich kann mir nicht vorstellen das der Heilige Geist solchen Knallköpfen wie Karl Rahner oder Bugnini zuarbeiten würde.

    „In unserer Zeit leben wir in einer präzedenzlosen Zeit kirchlicher Krise. Das Petrusamt selbst ist Anlaß großer Sorge geworden. Es ist keine Frage, daß der „Rauch Satans“ in das Heiligtum eingedrungen ist.“

    Montini sprach vom Rauch Satans der in die Kirche eingedrungen ist. Wen glaubte er den veralbern zu können. Der Typ kommt immer persönlich seinen Rauch können wir uns sparen.

    „die belegen, daß innerkirchliche Weichenstellungen enorme Auswirkungen auf die außerkirchliche Welt, auf Kultur, Politik und Ökonomie zeitigen.“

    Das ist der Punkt. Jeder Angriff auf die katholische Kirche bringt die gesamte Menschheit in große Gefahr oder glaubt einer das der Vater und der Sohn und der Heilige Geist dieses Endspiel nicht beherrschen.

    Per Mariam ad Christum.

    • //Ich kann mir nicht vorstellen das der Heilige Geist solchen Knallköpfen wie Karl Rahner oder Bugnini zuarbeiten würde.//

      Nach Pfingsten kam der Heilige Geist, um in allen Gläubigen zu wohnen. Das war ja vorher nicht der Fall. Pfingsten ist eine Grenz- und Trennlinie. Ohne die Innewohnung des Heiligen Geistes sind sie keine Kinder Gottes. Ich finde, man muss da sehr vorsichtig im Ausdruck, ja noch vor dem Ausdruck im Urteilen sein. Hatten Rahner und Bugnini wahren christlichen Glauben? Nur Ungläubige haben nicht den Heiligen Geist. Waren sie aber vielleicht nicht erfüllt mit dem Heiligen Geist, weil sie ihm widerstanden, weil sie ihn betrübten, weil sie ihn auslöschten?

      • @Leo Laemmlein
        Das ist alles richtig was sie schreiben. Aber das Wort „zuarbeiten“ klärt das alles sehr gut. Man könnte auch sagen der Heilige Geist hat sich an ihren Schraubereien während des Konzils nicht beteiligt. Ein ganz lapidares Beispiel. Niemals würde der Heilige Geist einem Kardinal Ottaviani das Mikrofon abdrehen. Das machen doch nur Primitivlinge.
        Per Mariam ad Christum.

  4. Die ganze Lefebvre-Causa krankt daran, dass nicht jeder, der unter der Selbstzuschreibung, den Abfall bekämpfen zu sollen, damit auch schon selbst bewahrt ist vor seinem höchst eigenen, sehr subtilen, nur dem Wachsamen erkennbaren Glaubensabfall. Die Frage, wer ihn eigentlich berufen hat, so aufzutreten, ist nach wie vor im Dunklen…

    Viele Fragen wären da zu stellen, die die apologetische Literatur natürlich nicht stellt!

    Es kann hier nicht der Ort sein, das alles aufzurollen. Aber Lefebvre fehlt jede Legitimation, er wirkte auf eigene Rechnung und hat auch gezielt den gesamten Traditionsmarkt erobert. Wie viele Messzentren wurden so lange bearbeitet oder untergraben, bis sie am Ende in Pius-Hand landeten!
    Die Berufung auf Pius X. ist dabei eine furchtbare Täuschung. Lefebvre fußt nicht auf Pius X. (was ohnehin eine Sekte wäre!), sondern auf einer schizophrenen Mischung von reaktionären UND modernistischen Irrtümern, legitimiert für das Empfinden der hilflosen Gläubigen durch die „Rettung“ der „Messe aller Zeiten“.
    Und da er selbst es war, der alle anderen Vertreter der „Messe aller Zeiten“ vom Markt drängte, konnte er am Schluss als DER Retter stehenbleiben, und viele glaubens unbesehen.
    Dann noch ein Schuss Freimaurer-Hysterie hinzu, und man hatte die Leute im Sack. Beweisen musste dieser Mann nichts mehr. Und dass die Kritik der Päpste des 19. Jh an der Freimaurerei etwas anders gelagert war, als er es darstellte, interessierte die aufgepeitschten Gemüter auch nicht mehr… so muss man es machen, um alle abzulenken von der echten Gefahr!

    Alleine schon der Buchtitel offenbart diese unangemessene und schizophrene Sicht auf ihn. Er war weder Richter (das widerspräche der Lehre total!), noch Angeklagter. Er war ein schismatischer Bischof, der viele Irrtümer verkrustet hat, dabei aber durch die vorgeschobene „Rettung“ des alten Ritus viele Augen verblenden konnte für all das Fragwürdige, was er lehrte und betrieb.

    Es kann sein, dass das Urteil späterer Zeiten über ihn hart ausfällt: durch diese Usurpation aller Überlieferungswilligen in sein schwankendes Konzept und die konsequente Diffamierung aller anderen als „Sedivakantisten“ bzw. „Pseudotraditionalisten“ hat er den gesunden sensus fidei der Gläubigen fehlgeleitet und ausgelöscht.
    Heute steht seine „Bruderschaft“, die kirchenrechtlich sowieso keine ist, am Abgrund und wird höchstwahrscheinlich friedlich ein kleines Nischchen für ihre Tradispiele in der großen häretischen Kirche suchen und damit zufrieden sein. Und noch ein wenig später ward sie nicht mehr gesehen.
    Man kann gegen den Strich sagen: Er hat die Gläubigen, die standgehalten hätten, so verformt in ihrem Sinn, dass er es war, der diese starke Minderheit von rechts abgefangen und in bzw. an den Abgrund geführt hat.
    Und Msgr. Williamson ist ausgelagert worden, um nun auch noch den noch rechteren Rand abzuschöpfen und beim „Widerstand gegen den Papst bei dessen voller Anerkennung als Papst“ einzusammeln.

  5. @ Leo Laemmlein

    Der Ende 2010 verstorbene Robert Prantner, der Experte für anti-katholische Kulte gewesen ist, soll behauptet haben, Annibale Bugnini sei Mitte der 1970er Jahre als Freimaurer enttarnt worden. Das diesbezügliche Dementi im Osservatore Romano sei nur ein untauglicher Versuch der Schadensbegrenzung gewesen. Da Bugnini im Juli 1982 starb, galt bis zu seinem Tod der CIC von 1917, der für eine Logenmitgliedschaft die Exkommunikation vorsieht.

    Bekanntlich hat der im vergangenen Jahr verstorbene Karl Rahner-Adlatus Herbert Vorgrimler offen Vorträge für Freimaurerlogen gehalten, auf denen die kirchlichen Bestimmungen gegen die Freimaurerei als überholt dargestellt worden sind. Vorgrimler hätte so etwas nicht getan, wenn sich nicht in den Lehren seines Vorbilds Rahner bereits erhebliche Fehler befunden hätten.

    • Lefebvre ist ja selbst der Zögling eines Hochgradfreimaurers gewesen! Er hat ihn zum Priester und zum Bischof geweiht. Lefebvre hat sich nicht von ihm distanziert und das Thema unter den Teppich gekehrt.

      Die Päpste haben die Freimaurerei v.a. wegen zweier Dinge verurteilt:

      1. wegen ihrer Geheimbund-Organisation und der damit verbundenen, misstrauenerweckenden Geheimnistuerei

      2. wegen ihres synkretistischen Agnostizismus, der die Profanisierung der Gottheit Jesu Christi und die Verfremdung der Sakramente beinhalte

      http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_p%C3%A4pstlicher_Rechtsakte_und_Verlautbarungen_gegen_die_Freimaurerei_und_Geheimb%C3%BCnde

      Und dies, nachdem ungezählte Prälaten im 18. Jh Logenmitglieder waren. Es waren eher die Priester, die sich distanzierten. Das war schick, gehörte sich so in aristokratischen UND bürgerlichen Kreisen.

      Der Hauptvorwurf war, gezielt die Lehre der Kirche aufzulösen und auszuhöhlen. In den Enzykliken und sonstigen Schreiben geistern jedoch noch andere Begriffe mit herum: der Kommunimus, der Sozialismus, die Demokratie (i.S. der eines radikal von der Kirche getrennten Staatssystems), der Begriff der „Sekten“, der Religionsfreiheit etc. etc.

      Offenkundig hielten die damaligen Päpste die Freimaurersekten nicht für die einzigen, die bestehende Ordnungsbegriffe durch andere ersetzen wollten.

      Wenn man die Befürchtungen liest, die die Päpste hatten, muss man zugestehen, dass sie längst eingetroffen sind – und zwar vollumfänglich. Auch was den Kommunismus betrifft oder den radikalen Laizismus.
      Eine Geheimbündelei mit den damals genannten Zielen ist folglich überflüssig geworden: es ist doch längst alles erreicht, was „die“ damaligen Freimaurer, Kommunisten oder sonstigen Gesellschaften wollten.
      Vieles davon ist sogar inzwischen schon wieder gescheitert und kann in der alten Form nicht mehr auferstehen.

      Ich denke, wir verkennen die Lage, wenn wir aus der Perspektive des 19. Jh auf den Beginn des 21. Jh schauen.

      Ich sage es rundheraus: Wäre ich ein Drahtzieher, würde ich warnen vor Drahtziehern – aber nicht vor denen, die relevant sind. Mit dieser Masche hat schon Hitler enorm gepunktet. Während er Panik und Hysterie geschürt hat wegen der „Juden & Freimaurer“, hat er selbst das ganze Volk gleichgeschaltet in den Abgrund geführt, und das völlig falsch instuierte und hysterisch aufgeladene Volk hat erst angefangen zu denken, als es zu spät war.

      • @Zeitschnur
        „Wäre ich ein Drahtzieher, würde ich warnen vor Drahtziehern – aber nicht vor denen, die relevant sind.“
        Sehr gut. Das ist das Spiel.
        Wie war das noch mit dem Rauch Satans?
        Jedenfalls sollten wir beten das der Herr uns die Fähigkeit zur Unterscheidung der Geister ständig stärken möge. Ich sage mir seit Jahrzehnten immer „Was du heute siehst und hörst ist erschreckend aber die Wirklichkeit ist ungeheuerlich“. Bis jetzt hat mir die Entwicklung immer recht gegeben. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Und jetzt geht es um alles. Wenn sie Wahrheit und Lüge und Gut und Böse vertauschen und umdrehen wird der Heilige Geist unsere Rettung sein und das wäre dann wirklich eine große Gnade. Mehr kann man nicht verlangen.
        Per Mariam ad Christum.

    • Chlodwig
      Das ist wohl so, wie Sie schreiben. Aber ich gebe zu, je mehr Zeit vergeht und je mehr ich weiß, desto weniger weiß ich im Grunde und geht es mir ohne Überheblichkeit wie dem Philosophen Sokrates von Alopeke, von dem das Wort überliefert ist: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Damit will ich nicht echtes Wissen abwerten, aber heute morgen beim Hören des Evangeliums habe ich wieder begriffen, dass es am wichtigsten ist, im Stande zu sein, die Stimme des wahren Hirten zu hören. Jesus Christus sagt da: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit,k und niemand wird sie aus meiner Hand rauben… (Joh 10,27-28). Dem steht jenes andere Wort des Herrn gegenüber: Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter! (Mt 7,21-23) Was für ein furchtbares Wort: Ich habe euch niemals gekannt. Nichts ist wichtiger, als von Christus gekannt zu werden und zu seinen Schafen zu gehören, seine Stimme zu kennen und ihm allein zu folgen — und nicht den Stimmen falscher Hirten. Insofern würde ich mich niemals auf Rahner und Bugnini verlassen und auch niemand anderem dazu raten, um das Geringste zu sagen.

      • Richtig. Anstatt zu streiten mögen wir der Besserwisserei absagen und Gott von ganzem Herzen suchen. In dieser verwirrten Zeit gebe ich zu: „Ich weiss nur, dass ich nichts weiss“, trotz Studium, Promotion, usw. Die Weisheit der Welt ist Dummheit für Gott, so geht man am sichersten den kleinen Weg der Heiligen Theresa vom Kinde Jesu. Bleiben wir schlicht und treu dem wahren katholischen Glauben. Es ist lebenswichtig, damit wir mithilfe der Gnade in der Freude verbleiben können. Gott hat die Geschicke der Kirche in der Hand und Er weiss wohin Er sie führt und Seine Gerechtigkeit wird offenbar werden.

  6. Sehr geehrte Frau Zeitschnur. Sie leisten hier durchaus gute Beiträge. Wie viele Traditionalisten haben Sie aber eine Aversion gegen die Orthodoxie. Da wird leger von Schismatikern und Häretikern gesprochen. Die Röm. Kirche hat zu keiner Zeit die Griechen ( Synonym für die byzantinische / oströmische Orthodoxie ) als Häretiker bezeichnet. Obwohl sie tatsächlich einige Glaubenswahrheiten nicht anerkennen. Nur sollten Sedisvakantisten und überhaupt Katholiken heutzutage bescheiden sein. Große Teile der Römischen Kirche leugnen elementare Essentials des katholischen Glaubens, diese Katastrophe ist hausgemacht und sollte Dritten nicht angelastet werden. Dagegen stehen Ihre „häretischen, schismatischen“ Orthodoxen glaubensmäßig ziemlich gut da.- Na, und dann Ihre Ausfälle gegen Erzbischof Lefebre und die Piusbruderschaft. Gut, auch dort wird nur mit Wasser gekocht. Eines ist sicher! Ohne den Erzbischof und seine Bruderschaft hätte es nie eine Bewegung der Tradition gegeben. ( wird fortgesetzt )

  7. Zeitschnur2@ Die Piusbruderschaft bietet eine geordnete Seelsorge in ihren Gemeinden und schützt ihre Gläubigen vor chaotischen Zuständen, wie sie z.B. in sedisvakantistischen Kreisen die Regel sind. In der Medizin gilt, bei körperlichen Zusammenbrüchen erst die Vitalfunktionen sichern und stabilisieren, dann kann man weitersehen.

    • Petrus:

      Mit Fr. Zeitschnur über die Priesterbruderschaft zu disputieren, ist müßig (Ihre Feststellung, dass „auch dort nur mit Wasser gekocht“ wird, finde ich gut!). Unter anderem habe ich ihr bezüglich der Anmaßung, der Erzbischof hätte eine (angebliche) Marienerscheinung auf sich bezogen, bewiesen, dass sie einem offenkundigen Übersetzungsfehler – allerdings in SSPX-Schriften – aufgesessen ist.

      Auch seine angebliche Beanspruchung einer „Anführerschaft“ ist haltlos, wenn man berücksichtigt, wie viele Gemeinschaften in gutem, aber unabhängigem Einvernehmen mit Mgr. Lefebvre gestanden haben, bspw. die (damalige) Vereinigung von Mgr. de Castro Mayer in seinem ehemaligen Bistum, oder jene des Père Marziac, nicht zu reden von den überlieferungstreuen Neugründungen verschiedener alter Orden, darunter eine ostkirchliche in der Ukraine. Freilich ließ er es sich nicht widerstandlos gefallen, als in den 70-er Jahren süd- und nordamerikanische SSPX-Priester nach ihrer – mutmaßlich erschlichenen – Weihe in Ecône plötzlich ein Sedi-Süppchen zu kochen begannen. Dafür räumt sie in diesem Zusammenhang einem Mgr. Thuc aufgrund eines durch Pius XI. (+1939) ergangenen Erlasses ein, eine gestalterische Rolle zu spielen. Dies missriet aber völlig: siehe bspw. Palmar, oder in den USA die skandalgeschüttelten SGG-Entitys). Natürlich kann da ein ehemaliger Metropolit und Spiritaner-Generaloberer nicht mithalten, selbst wenn er zuvor auch noch als Apostolischer Delegat für einen ganzen Kontinent seiner Sprache amtiert hatte.

      Was bitte, enstpricht aber nicht vollkommen dem Lehramt bis Pius XII., das Fr. Zeitschnur zu den orthodoxen Irrtümern schreibt? Ob bereits unter Joh. XXIII., weiß ich nicht, aber sicher mit Paul VI. begannen dann die Tricks mit „nicht mehr anwendbaren“ Verurteilungen – siehe oben Leo Laemmlein. Dabei setzt doch den Herrn herab, wer das Filioque ablehnt! Was sich daraus überdies für fatale Folgen für die Ehelehre ergeben, hat sie ebenfalls verschiedentlich und m.E. meisterhaft ausgeführt.

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