Primiz im überlieferten Ritus – Freudenfest für die Kirche Sardiniens

Primiz im überlieferten Ritus im Marienheiligtum von Bonaria auf Sardinien
Primiz im überlieferten Ritus im Marienheiligtum von Bonaria auf Sardinien

(Cagliari) Der vergangene Sonntag, der 12. April wurde für die Erzdiözese Cagliari auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien zu einem erinnerungswürdigen historischen Tag.

Am Nachmittag des Weißen Sonntags, seit 2000 auch als Barmherzigkeitssonntag bekannt, zelebrierte der Neupriester der Erzdiözese, Don Michele Piras, in der majestätischen Basilika Unserer Lieben Frau von Bonaria, der Schutzpatronin der Insel, seine Primiz. Und er tat dies in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus.

Am Morgen des Vortages war Michele Piras von Msgr. Arrigo Miglio, Erzbischof von Cagliari und Primas von Sardinien und Korsika in der Kathedralkirche zum Priester geweiht worden. Dabei anwesend waren auch Kardinal Luigi De Magistris, der emeritierte Erzbischof Pier Giuliano Tiddia von Oristano und der emeritierte Bischof Antioco Piseddu von Lanusei sowie rund hundert Priester, die sich zu diesem Freudentag eingefunden hatten.

Marienheiligtum von Bonaria – Nach 50 Jahren erstes Meßopfer im überlieferten Ritus

Seit 50 Jahren wurde das heilige Meßopfer im Marienheiligtum von Bonaria nicht mehr im überlieferten Ritus zelebriert. „Ein wirklich ‚außerordentlicher‘ Freudentag in vielerlei Hinsicht“, so die traditionsverbundene Internetseite Messa in Latino (MiL).

Sardinien galt noch vor kurzem als besonders unfruchtbarer Boden für den überlieferten Ritus. Doch die Priesterweihe von Don Michele Piras machte nun eine Frucht sichtbar, die bisher im verborgenen geblieben war. Besonders deutlich wurde dies an der Mitwirkung von zahlreichem sardischem Klerus an der Primiz. Für den Liturgischen Dienst war bewußt ausschließlich sardischer Klerus vorgesehen. Die Resonanz in der Diözesanleitung und im Klerus zeigen, daß Ablehnung keineswegs ein „selbstverständlicher“ Reflex sein müssen.

Sardischer Klerus wirkt aktiv mit

Starke Präsenz  von sardischem Klerus (besonders des jüngeren)
Starke Präsenz von sardischem Klerus (besonders des jüngeren)

Don Gianluca Pretta, der Pfarrer von Gesico (Cagliari) sollte assistieren, mußte im letzten Augenblick jedoch aus persönlichen Gründen absagen und wurde von Pater William Barker, Vikar der Personalfarrei SS. Trinità dei Pellegrini in Rom, Prokurator der Petrusbruderschaft beim Heiligen Stuhl und Uffizial der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei ersetzt; als Diakon fungierte Don Giorgio Domenico Lenzi, Pfarrer von Sant’Antioco (Cagliari), inkardiniert beim Institut du Bon Pasteur; als Subdiakon Don Angelo Cardia, Pfarrer von Soleminis (Cagliari) und als Zeremoniär Don Cristiano Piseddu, Priester der Erzdiözese Cagliari, der derzeit seine Studien in Rom vollendet.

Die Primizpredigt hielt Don Fabrizio Pibiri, Pfarrer von Donori (Cagliari), der mit ebenso kraftvollen wie schönen Worten die Größe des katholischen Priestertums darlegte und dem Jungpriester noch einmal die Verantwortung aufzeigte, die er durch sein Weiheamt übernommen hat.

Auch zur Primiz war zahlreicher Klerus der Insel erschienen. An erster Stelle wiederum Kardinal Luigi de Magistris, der selbst der Erzdiözese entstammt; der Generalvikar der Erzdiözese, Kanonikus Giovanni Ligas sowie viele Pfarrer und Priester der Erzdiözese, besonders zahlreich vertreten war der jüngere Klerus, der auch aus den anderen Diözesen der Insel angereist war. Ebenso etliche Seminaristen des gemeinsamen Priesterseminars der Insel.

Unsere Liebe Frau von Bonaria – Mercedarier und Gründung von Buenos  Aires

Primiz BonariaDas Marienheiligtum von Bonaria wird seit bald 700 Jahren vom Mercedarierorden betreut. Der 1218 vom heiligen Raimund von Penyafort gegründete Orden, ob im ersten Jahrhundert als Ritterorden oder ab 1317 als rein geistlicher Orden, legte die Hauptsorge auf die Befreiung der von Moslems verschleppten und versklavten Christen. Reichte das Geld nicht für den Loskauf, boten sich die Brüder als Ersatz an. Mit der Entdeckung Amerikas setzten die Mercedarier, die seit 1670 zu den Bettelorden gezählt werden, ihr Apostolat zugunsten der Sklaven in der Neuen Welt fort, ergänzt durch die Missionierung der Indianer. Heute ist der Orden, seinem Gründungsauftrag folgend, vor allem in der Gefängnisseelsorge tätig.

Sardinien gehörte ab 1324 zum Königreich Aragon und sollte 400 Jahre mit Spanien verbunden bleiben. Aus diesem Grund kamen auch von dort die Mercedarier auf die Insel. 1534 willigte der römisch-deutsche Kaiser Karl V. als König von Spanien einer Expedition von Pedro de Mendoza in die Neue Welt ein. Mendoza, der Sardinien und das Marienheiligtum von Bonaria kannte, nannte zum Dank für die glückliche Überfahrt und  die Entdeckung der Mündung des Rio de la Plata die dort von ihm gegründete erste Niederlassung Santa María del Buen Aire, aus der die heutige Hauptstadt Argentiniens, Buenos Aires entstandt.

Der Ordensobere und Pfarrer von Bonaria, Pater Giovannino Tolu begrüßte den Neupriester am Eingang der Basilika und nachdem er ihm die priesterliche Stola angelegt hatte, begleitete er ihn zum Erstlingsopfer an den Altar.

Große Anteilnahme des gläubigen Volkes

Fahne Sardiniens
Fahne Sardiniens

Die polyphonen Gesänge aus der Zeit Palestrinas brachte der erzbischöfliche Domchor unter der Leitung von Kanonikus Gianfranco Deiosso zum Vortrag, die Gregorianischen Gesänge eine Choralschola unter der Leitung von Don Nicola Ruggeri, Pfarrer von Senorbi (Cagliari).

Die jungen Meßdiener kamen aus der Pfarrei Santa Giusta von Gesico, die durch ihre natürliche Ernsthaftigkeit und die Selbstverständlichkeit auffielen, mit der sie sich in großer Würde im Alten Ritus bewegten.

Die größte Kirche der Insel war zu diesem festlichen Anlaß von gläubigem Volk überfüllt, das aus der Erzdiözese, aber auch aus anderen Diözesen herbeigeströmt war, um in Dankbarkeit Gott zu preisen für die Gnade, ihnen einen Neupriester geschenkt zu haben, den Primizsegen zu empfangen und die noch nach dem heiligen Chrisam duftenden, geweihten Hände des Neupriesters küssen zu können.

Don Piras wurde im Stadtteil Sant’Elia von Cagliari geboren. Nach dem Besuch des Erzbischöflichen Knabenseminars, trat er in das Priesterseminar seiner Heimatdiözese ein und vollendete seine Studien mit dem Lizentiat in Rom. Seine erste Seelsorgestelle wird die eines Vikars in einer Landpfarrei des Erzbistums sein.

Text: MiL/Giuseppe Nardi
Bild: Messa in Latino

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1 Comment

  1. Sehr schön!
    Und als zweiten Gedanke möchte ich zufügen: „Eppur-si muove!“ (wie Galileo Galilei einmal sagte über die Erde).
    Vor zwei Jahren wurde die Eröffnung eines Priesterseminars durch das altrituelle ICR (Institut Christus König Hohepriester) in Sardinien sabotiert und das dafür vorgesehene Seminargebäude für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt (Das neue Seminar des ICR fand später in Irland ein Gebäude).
    Daß bei dieser Primiz im überliefertem Ritus die Basilika mit Gläubigen überfüllt war, daß ein Kardinal und mehrere Erzbischöfe hier anwesend waren, darüberhinaus mehr als hundret Priester, sagt viel aus über die lokale Stimmung und Grundtenor: ob dies alles eine moda ist?
    Erfreulich auch daß die Petrusbrüderschaft, bis vor Kurzem in Italien mit einem schweren Stand, hier so öffentlich hervortritt.
    Vergessen wir bei aller Dankbarkeit nicht die Franziskaner und die Franziskanerinnen der Immaculata.

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