Marxens „Notstand“ eine Seifenblase? – Diözesen: Kaum Interesse der „katholischen Basis“

Kardinal Marx und der katholische Notstand
Kardinal Marx und der katholische „Notstand“

(Bonn) Der von Kardinal Walter Kasper und noch lautstärker von Kardinal Reinhard Marx ausgerufene „Notstand“ in der katholischen Kirche entpuppt sich als Sturm im Wasserglas, wie die Diözesen nun selbst zugeben mußten. „Wir können nicht warten“ tönte der Erzbischof von München-Freising noch vor einem Monat im Rahmen der Frühjahrvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (siehe eigenen Bericht „Gott bewahre uns vor den Deutschen“ – Marxens Drohung gegen Rom) und drohte Rom ziemlich offen mit einem Schisma.

Der nach dem Motto „Und seid ihr nicht willig, so brauch ich …“ handelnde mächtigste deutsche Kirchenfürst behauptete einen unaufschiebbaren pastoralen Notstand, der sofortige Antworten verlange. So dringende Antworten, daß nicht einmal die Bischofssynode im Oktober abgewartet werden könne. Beobachter rieben sich erstaunt die Augen. Eine so unverhohlene Drohung mit einem Schisma? Die „leidenden wiederverheirateten Geschiedenen müssen Schlange stehen vor Deutschlands Kirchen und Bischofsresidenzen“ mutmaßte der meistgelesene katholische spanische Blog La Cigueña de la Torre. Doch von Schlangen keine Spur. Nicht einmal vor dem erzbischöflichen Palais Holnstein in München.

Antworten werden „ausgewertet“ – „Gesamtdokument“ von Fachleuten

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, gab heute folgendes bekannt. Die auf die zweite Befragung zum „Thema Familie und Sexualität“ der „katholischen Basis“, so die katholischen Nachrichtenagenturen KNA und KAP, eingegangenen Antworten würden nun „ausgewertet“. Diese seien aus den 27 bundesdeutschen Diözesen und „auch über viele Verbände und Institutionen eingegangen“.

Aus den Antworten würden „Fachleute ein Gesamtdokument“ erstellen, das bis zum 15. April dem Generalsekretariat der Bischofssynode übermittelt und von der DBK veröffentlicht werde. Das klingt gut, ist aber längst nicht so gut, wie es klingt.

Diözesen klagen: Nur geringe Beteiligung an zweiter Befragung zur Synode

Unterdessen wird die Liste der Diözesen länger, die zugeben, daß kaum Antworten auf die zweite Befragung eingegangen sind. Bereits vor Tagen sprach das Bistum Magdeburg von einer nur geringen Beteiligung. Inzwischen gestanden auch die Diözesen Erfurt und Berlin das geringe Interesse der „katholischen Basis“ ein. Allein das Erzbistum München meldete trotzig gegen den Trend, es gebe „viele Teilnehmer“ und es seien „sehr detaillierte“ Antworten auf die römischen Fragen eingegangen.

Darüber, was unter „viele Teilnehmer“ zu verstehen ist, mögen die Meinungen auseinandergehen. Die der Redaktion vorliegenden Informationen bestätigen keinen Trendunterschied für München. Auch viele glaubenstreue Katholiken, die 2014 noch auf die erste Befragung antworteten, haben 2015 nicht mehr geantwortet. Der Grund: Weil sie sich von den Diözesanleitungen unbeachtet und übergangen fühlen.

Einseitiges „Gesamtdokument“ 2014

Bereits 2014 waren die Antworten „ausgewertet“ und ein „Gesamtdokument“ nach Rom geschickt worden. Darin fand sich jedoch weitgehend nur die Meinung einer bestimmten Richtung wieder, die offene Sympathie mit dem Vorschlag von Kardinal Walter Kasper zeigte. Die zahlreichen detaillierten Antworten glaubenstreuer Katholiken, die ein klares Wort der Bekräftigung der katholischen Ehelehre und der kirchlichen Praxis forderten und auf eine Reihe von Mißstände hinwiesen, blieben unberücksichtigt.

Schon im Vorfeld zeichnete sich hinter den Kulissen eine Einheitsmeinung ab, die abweichende Meinungen als unerwünscht ausklammert. Zur Monopolisierung sollten nur die Bischofskonferenzen im Block eine Meinung nach Rom übermitteln. Dem kam für die Schweiz Bischof Vitus Huonder von Chur zuvor und veröffentlichte für seine Diözese, wie es das Kirchenrecht vorsieht und Rom wünschte, eine eigene Stellungnahme. Gleiches tat zwar auch die Erzdiözese Köln, ließ damit aber nur erkennen, daß die Nach-Meisner-Ära bereits begonnen hatte (siehe Bericht Fragebogen: Antworten von Chur und Köln im Vergleich).

Glaubenstreue Katholiken fühlen sich unberücksichtigt

Aus dem geringen Interesse, an der zweiten römischen Befragung zur Bischofssynode teilzunehmen, lassen sich schon jetzt zwei Dinge ablesen: Der von Kardinal Marx, Kardinal Kasper und einigen anderen deutschen Oberhirten behauptete „Notstand“ existiert nicht. Und zweitens: Glaubenstreue Katholiken fühlen ihre Überzeugung in dieser Frage bei den meisten Bischöfen nicht in guten Händen.

In Österreich und der Schweiz geht es vor den Kulissen zwar ruhiger zu, doch in der Deutschen Bischofskonferenz gibt Kardinal Marx den Ton an. Um ihn scharen sich seine Sekundanten, während die Bischöfe, die zu Lehre und Praxis am kirchlichen Erbe festhalten wollen, in ein mehr oder weniger tiefes Schweigen gefallen sind. Mit ein Grund, weshalb sich gläubige Katholiken von den Bischöfen und Ordinariaten unberücksichtigt fühlen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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15 Comments

  1. Die glaubenstreuen Leute sehen natürlich kein Problem – klar. Und Vertrauen in einen Bischof hat man heute sowieso nicht mehr. Darf man um des eigenen Seelenheils nicht mehr haben. Jedenfalls nicht unbesehen.

    Ich kann aber zumindest aus meinem Umfeld berichten, dass das Thema unter Normalo-Katholiken dennoch virulent ist und sehr viele für eine Lockerung plädieren würden.

    Allerdings ist es auch gleich, ob F. das nun auch noch von Rom her pastoral zulässt… denn in der pastoralen Praxis wird das ja ohnehin schon seit Jahren, von unseren Bischöfen hier sogar seit Jahrzehnten akzeptiert und insgeheim auch befördert, dass Geschiedene in Zweithehe zum „Tisch des Herrn“ gehen.

    Das Desinteresse an der Umfrage zeigt also weniger, dass der Notstand nicht existiere als dass die Leute ohnehin sicher wissen, dass es okay ist, wenn sie in schweren Sünden kommunizieren. Übrigens nicht nur wenn sie wiederverheiratet sind und der eigentliche Partner noch lebt.

    Rom zieht allenfalls nach und besiegelt das, was doch schon längst durchgesetzt IST.

  2. Ich kann mich gerne täuschen. Es könnte sehr gut möglich sein, daß viele von denjenigen, die die Lehren und die Wahrheit zu Fall bringen, soz. verkappte Homosexuelle sind. Das muß man wohl ins Kalkül ziehen.
    Im Grunde genommen kämpfen sie mit unausgegorenen Problemen, und müßten sich ihr Unvermögen eingestehen. Stattdessen werden die Lehren Christi und der Kirche bekämpft. Es handelt sich um Triebmenschen; in der Regel unbelehrbar und wie fremdgesteuert, gefährlich.

    Möglicherweise, ein sicher anderes Thema, war der Selbstmordattentäter der Germanwingsmaschine ebenfalls ein homosexueller Triebtäter. Zitat eines Artikels aus der „WELT“:
    „Ein Freund schrieb laut „Rhein-Zeitung“ kurz nach dem Absturz des Germanwings-Flugs in einem sozialen Netzwerk: „Noch gestern haben wir uns unterhalten, was wir nach deiner Rückkehr alles machen können. Jeden Tag hast du mich zum Lächeln gebracht …““

    • Das dürfte wohl nicht richtig sein – soviele Homosexuelle wie es falsch lehrende Männer in der Kirche gab, gibt es wiederum in der Menschheit gar nicht. Ihr Prozentsatz ist viel kleiner als immer behauptet wird.

      Außerdem sagt uns doch Pius X. in „Pascendi“ doch, dass dieselben Falschlehrer in aller Regel auf moralischem Gebiet eher nicht angreifbar sind, was natürlich nicht ausschließt, dass es auch ein paar Verquere und Schweine darunter gibt.

      • @zeitschnur
        „Das dürfte wohl nicht richtig sein – soviele Homosexuelle wie es falsch lehrende Männer in der Kirche gab, gibt es wiederum in der Menschheit gar nicht. Ihr Prozentsatz ist viel kleiner als immer behauptet wird.“
        Diesen Satz halte ich für absolut falsch. Ich würde ihn dem Inhalt nach genau umdrehen. Dann hielte ich ihn für richtig.
        Zudem glaube ich, dass sich von 1000, die vorgeben aus Liebe zu Christus enthalsam zu leben, allenfalls einer befindet, der das nicht nur heuchelt.
        Darum mache ich die Widerbelebung des Glaubens, die Erlangung von Gnaden und die Fähigkeiten zum Hirtendienst unbedingt fest an der Reinheit.
        Es geht nicht, dass man ständig am 6. Gebot in relativistischen Formulierungen herumwerkelt.
        Das ist meine ganz persönliche Ansicht. – Aber bedenken Sie, eine Todsünde bleibt eine Todsünde. Und warum ist unsere Gesellschaft tot, weil sie im 6. Gebot tot ist; weil der untere Mensch zu sehr lebt, kann der obere nicht erwachen. Der Mensch ist gewissermaßen von unten her verstopft.
        Homosexuelle Handlungen gehören wie jede auserhalb der Ehe praktizierte Sexualität in den Bereich der Unzucht und des Lasters. Sie sind Todsünden und löschen das Leben der Seele aus.

      • Versteh nicht ganz, was Sie meinen, @ Pater Pio – ich habe nur gewarnt davor, Homosexualität zur Voraussetzung für falsches Lehren zu machen.

        Es kommt und kam auch extrem viel falsche Lehre von Männern, die keineswegs homosexuell sind.

        Ob nun Zölibatäre alle wirklich reine Motive haben, sollte man auch nicht mit Homosexualität in zwingende Verbindung bringen.

        Ein junger Mann macht sich über vieles Illusionen. Vielleicht überschätzt er sich selbst auch. Den Zölibat kann er nur bestehen, wenn er berufen ist und ganz in Christus wurzelt. Wenn dies nicht der Fall ist, kann das zu vielen verschiedenen Schieflagen führen – ich würde das trennen von diesem Verdacht, da müsste ja dann wohl etwas Homosexuelles im Hintergrund schwelen. Heute fehlt die priesterliche Christushingabe in der rechten Weise, und leider wird sie den jungen Männern ja auch nur noch auf eine ungesunde Weise vermittelt.
        Es ist sicher enorm schwer, als Priester heute einen gangbaren, echten, ungekünsteltenund gottgefälligen Weg zu finden.
        Dass aber nun Homo an allem schuld sein soll glaube ich nicht, und es lässt sich empirisch auch nicht belegen.

      • Mir war die Polemik Ihres Satzes aufgefallen. Dem muss man allerdings in Rechnung stellen, dass Sie Bezug auf @Franzel nehmen, dessen Vermutung ich auch nicht ableiten würde. Man sollte nicht hinter allem und jedem etwas hineindeuten. @Franzel hat dann allerdings eingeräumt, dass er nicht diffamieren will, sondern nur eine Vermutung äußert. In diesen Dingen wäre ich, und dies ginge als meine Kritik an ihn, etwas vorsichtiger. Gerüchte sind sehr leicht in die Welt gesetzt. Das war ja auch Ihr eigentlicher Kritikpunkt.
        Allerdings würde ich Ihre Ansicht nicht teilen, dass es so sehr viele Irrlehrer gibt. Ich habe mir zwar einige Ihrer wirklich gut lesbaren Ausführungen auf ihrer Seite durchgelesen (alle Achtung) und verstehe nun auch, wie sie sich insgesamt zum 6. Gebot positionieren. Das hängt bei Ihnen nicht in der Luft. Sie sehen es umfassender. Sie machen sich wirklich viele Gedanken; vielleicht zu viele. Ich jedenfalls blicke nicht so sehr auf die Irrlehrer. Ich blicke mehr auf die Heiligen und bin da wohl auch weniger intellektuell veranlagt/begabt. Zudem weiß ich nicht alles, was sich in der Kirchengeschichte zugetragen hat. Ich sehe vielmehr, dass sich die Kirche immer mehr oder weniger darum bemüht hat, den Menschen zu Gott zu bringen, ihn zu bestärken, ihm Kraft zu geben. Das ist ihr Auftrag. Sie kann mein Heil aber nicht machen.
        Allerdings meine ich, man darf insgesamt auch nicht zu schwarz sehen. Sonst hat man ja keine ruhige Minute mehr. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Gott das fehlende, was in der Kirche durch die Geschichte an Wahrheiten verloren ging, im guten Willen des Gläubigen, sofern vorhanden, ersetzt. Wenn ich vor Gott im Geiste Christi mein (Lebens-) Opfer bringe, bin ich gewiss, dass er es auch annimmt.
        Ich glaube, es geht nurmehr über die Selbstheiligung, die Einhaltung der Gebote, das Gebet und ein Vertrauen in die Geschichte als Heilsgeschichte, gegen alle scheinbaren Zeitströmungen der Zerstörung. Zumindest werden wir nicht im Chaos enden. Das wurde uns zugesagt, wenn wir Gott treu bleiben. Das ist unser Glaube. Vielleicht muss erst die ganze Menschheit am Kreuz Satans haften, bis ER wiederkommt und uns zu neuem Leben auferstehen lässt.
        Ich teile Ihre Ansicht, dass wir uns nicht in Äußerlichkeiten erschöpfen können, wie es etwa die Tradition häufig leicht macht. Die Gefahr ist doch ersichtlich, dass vieles zur Staffage und Vereinsmeierei verflacht. Allerdings kann man Tendenzen nicht generalisieren und die meisten werden wohl aus voller Überzeugung und mit der allerbesten Absicht Traditionalisten sein. Auch gegen den Papst können wir uns nicht mit Recht stellen, müssen wohl aber seine Worte prüfen, können zustimmen, können ablehnen. In Fragen des Gewissens kann niemand befehlen.
        Den Schlüssel aller Schlüssel sehe ich aber nicht im Unglauben, einer Irrlehre oder einer falschen Konfessionszugehörigkeit an sich, sondern in unserer Konsummentalität. Nur Not lehrt bekanntlich beten.

    • …und was den Copiloten betrifft … das Zitat legt aber für sich genommen noch nicht nahe, dass er ein „homosexueller Triebtäter“ war.
      Etwas sehr überzogen (!) in zweierlei Hinsicht:
      a. wäre er allenfalls ein Selbstmörder, der aus unerklärlichen Gründen Hunderte von Menschen mit in den Tod riss. Er hat sich dabei bestimmt nicht einsam im Cockpit schwul befriedigt (was eh nicht geht…)…
      b. ist das Zitat einfach erst mal freundschaftlich und liebevoll unter dem Schock der Ereignisse gesagt. So etwas solls auch einfach so zwischen Menschen geben… und selbst wenn der Schreiber homo wäre, könnte man nicht schließen, dass der Täter es auch ist oder eine solche Beziehung zu dem Autoren hatte.

      Vorsicht also mit solchen Spekulationen. Sie nützen eh nichts. Nüchtern bleiben, keine Gerüchte in die Welt setzen.

      • Ich habe mir den Zeitungsartikel ja selbst nicht aus den Fingern gezogen. Ich habe ihn nur gelesen und mir ein paar Gedanken gemacht.
        Warum soll man aus den Zeilen, die da ein Freund schreibt, nicht an Homosexualität denken? Das wäre ja nicht abwegig. Warum tabuisieren?
        Von einer Freundin, was normal wäre bei einem jungen erfolgreichen Mann, ist jedenfalls in den Medien nicht die Rede, weil es keine gibt.

        Ich bin mal gespannt, ob man in dieser Richtung (eventuelle homs. Tendenzen beim Co-Piloten) recherchiert. Auch das würde ja zur Aufklärung gehören. Es soll ja alles dafür getan werden, sagte die Bundeskanzlerin.

  3. Die Weisheit aller Zeiten weiß: Entweder man beherrscht seine Leidenschaften, oder man wird von ihnen beherrscht. Ab einem gewissen Zeitpunkt darf es kein Springen mehr geben. Das ist dem Menschen unbedingt zuzutrauen.
    Ein Triebmensch deutet die Welt durch seinen Trieb. Kann er ihn nicht ausleben, wird er rasend. Das zeigt sich in vielen Schattierungen.
    Es mag auch falsche Sublimierungen geben. Wo also jemand seinen Trieb bekämpft und alle negative Energie nicht in Liebe, sondern Hass und Engherzigkeit oder eben falsch verstandene Barmherzigkeit umwandelt.
    Die Kämpfe und Anfechtungen bleiben freilich bestehen. Das ist selbst Jesus nicht erspart geblieben. Doch er hat sie klar, eindeutig und mit Autorität und Vollmacht von sich gewiesen. Das kann niemand, der sich nicht andauerd in Zucht nimmt, wozu übrigens Arbeit und Gebet gut geeignet sind. Ja ohne diese wird es kaum gelingen.
    Bei vielen Klerikern kann man alles Mögliche beobachten, selten aber trifft man auf die tiefe Bereitschaft zur Kreuzesnachfolge. Wer diese für sich selber nicht leben kann, wird sie schwerlich von anderen einfordern, sondern wird den breiten Weg ebnen wollen.
    Aus vieler Prälaten Gesicht schreit es einem geradezu entgegen: Seht mich, nehmt mich wahr, liebt mich, ehrt mich, achtet mich. Ist das das Wesen des Priestertums? Schaue ich auf den Pfarrer von Ars, begegnet mir ein anderer Typus.
    Was mich zudem sehr verwundert ist der Umstand, dass so wenige wiederverheiratet Geschiedene nicht bereit sind, wenn auch mögicherweise im Unrecht, für ihre Kirche und für das Ideal der Unauflöslichkeit einer Ehe in Christus zu leiden. Sie sehen nur sich und ihr Verlangen hinzuzugehören, dem Prädikat „ausgeschlossen“ entledigt zu sein.
    Auch ich schwanke bisweilen zwischen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Dann erscheint es mir, als müsse man den Menschen, die nicht vollbewusst eine Ehe eingehen, eine zweite Chance geben.
    Gewissermaßen mag aber der von Guiseppe Nardi formulierte Sachverhalt Klärung bringen. Er sagt sinngemäß, dass man von der Norm übergeht zum Einzelfall; dass es also, wenn ich ihn recht verstehe, nur noch Einzelfallentscheidungen geben wird, womit sich die Norm auflöst oder zumindest ihre Leitfunktion verliert. Dann haben wir, so glaube ich, wirklich eine von Menschen gemachte Theologie, für Menschen, aber ohne die Autorität und Weisung Gottes, die fordert, dass der Mensch ins Herz Gottes über die Einhaltung der Gebote hineinwachsen muss. Das Prinzip wird dann unweigerlich der Erfahrung folgen: kleiner Finger, ganze Hand.
    Man verspielt deshalb den Glaubenssatz von der Unauflöslichkeit. Man verjubelt die Gerechtigkand Gottes unter der Hand der menschlichen Barmherzigeit.
    Ich glaube auch, dass nun durch eine Liberalisierung im 6. Gebot alles nur noch schlimmer würde. Die Protestantisierung des Katholischen und damit die totale Säkularisierung wäre damit abgeschlossen. Oder ist sie das nicht schon?!

  4. Die ganze Debatte ist zudem eine konstruierte. Jemand sagte es hier vor einigen Tagen treffend: Für 0,1 % der Betroffenen – gemeint sind all jene wiederverheiratet Geschiedenen, die eine wirkliche Sehnsucht zum Sakrametenempfang haben – wird 100 Aufwand betrieben. An einer Vertiefung der Prälaten in Jesus Christus mangelt es wirklich von hinten bis vorne. Nicht Angleichung ist gefragt, sondern Umkehr.
    Wie behandelt man eigentlich am Wirkungsvollsten eine Krankheit? Vielleicht kann man aus der Medizin lernen. Wenn sich einmal ein Virus breit gemacht hat, hat der Kranke die Pflicht, niemanden anderen anzustecken. Er hält sich so lange zu Hause auf, bis er wieder gesund ist. Will man aber nicht die Heilung, sondern eine epedemische Verbreitung der Krankheit, muss man es umgekehrt machen: Alle Gesunden lassen sich von den Kranken anstecken, um am Ende zu sagen: Wir sind alle krank. Dann deutet man noch schnell alle Begriffe um und sagt zu Krankheit Gesundheit. Und schon haben sich alle lieb. Aber die Krankheit schwält weiter und die Gesellschaft brennt von innen aus; sie wird schwächer und schwächer, bis sie insgesamt kolabiert. Jetzt holt man gesündere Menschen von außen, die noch in der Lage sind, sich fortzupflanzen; denn bei ihnen ist die Krankheit noch nicht auf die Fortpflanzungsorgane gegenagen. Natürich hofft man, auch diese werden sich alsbald anpassen. Doch diese sind ganz anderer Natur. Sie sehen die Krankheit der Gesellschaft und bringen gleichzeitig eine andere in sie hinein: die des Hasses auf alles Christliche (I****). Das führt nun dazu, dass sie abwarten, bis die kranke Gesellschaft immer schwächer und kränker wird, und dann setzt sich das Virus der totalen Intoleranz und Inhumanität noch oben drauf. Die Gesellschaft wird von Terroranschlägen und allmählich auch Zwängen in der politischen Landschaft heimgesucht. Die Meinungs- und Gewissensfreiheit wird verboten, ein Überwachungsstaat ist da. Die Scharia wird eingeführt… usw, usf. Wie wir sehen hängt alles mit allem zusammen. Und wer nur in einem Gebot fehlt, liefert alle anderen aus…
    Der Vergleich hinkt sicher hier und da. Aber so in etwa verhält es sich doch.

  5. @zeitschnur und @Pater Pio: nach neuesten Meldungen hatte der Co-Pilot eine Freundin.
    Die Frage ist somit erledigt.

    Nicht erledigt ist die Frage, ob Geistliche, die die Lehren der Kirche ablehnen, psychisch normal oder krank sind, auch homosexuell. Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß Bischöfe wie Kardinal Marx im Grunde genommen Schwerkriminelle sind und durchaus vergleichbar mit dem Todespiloten Andreas L. Ganz im Gegenteil: Kardinal Marx ist noch Gotteslästerer dazu.
    Und er hatte ja bekanntlich Fegefeuer und Hölle als nicht-existent erklärt, so daß er selbst wie auch Andreas L. schnurstracks in den Himmel kommen wird, falls Kardinal Marx den auch nicht schon abgeschafft hat- zumindest für sich.
    Was in der Kirche in unseren Breiten abläuft, dafür gibts keine Worte mehr. Aber welcher Staatsanwalt klagt an? Wo ist einer, der einen Scheinbischof seines Amtes entheben und hinter Schloß und Riegel bringen würde?

    • Nun ja – weder @ Pater Pio noch ich haben ja behauptet, dass der Copilot homsexuell sei, sondern wir haben beide Ihrer Spekulation und Gerüchteküche deutlich und klar widersprochen.

      Wenn wir schon beim Kriminellen sind: das Verleumden und Hintenherumreden ist lt. Paulus eine schwere Sünde.

      Ihre Aussage, Kardinal Marx sei „schwerkriminell“ ist unsachlich und unzulässig: darüber könnte nur ein weltliches Gericht entscheiden! Und dann noch der Ruf nach dem Staat! Marx verstößt gegen kein einziges staatliches Gesetz – jedenfalls nicht, dass wir wüssten!

      Etwas anderes ist sein Glaubensabfall. Für den ist aber nicht unsere Justiz zuständig, sondern Rom, Ihr verehrter Papst F., der denselben Mann noch in seinen G8-Rat berufen hat. Warum den Diener für seinen Herrn treten, den Herrn aber verteidigen?

      Ich verstehe nicht, wieso Sie sich so erheben über diesen bedauernswerten Andreas L. oder Marx – wie gesagt: der Copilot ist für uns verborgen in seiner Problematik. Heute läuft so viel Kriminelles – diesmal wirklich „Kriminelles“ – im Arbeitsleben, aber nicht vonseiten der armen Teufel, die angewiesen sind drauf, dass sie arbeiten und Geld verdienen, sondern vonseiten derer, die sie ausbeuten und quälen. Ich bin inzwischen in einem Alter, wo ich soviel gesehen habe, dass ich völlig illusionslos geworden bin. Ungefestigte oder anfällige Leute, v.a. Männer, stehen diese Lage heute kaum noch durch und stürzen in Straftaten ab. Dies wäre ja nicht der erste „Amoklauf“ durch einen Mann. Frauen reagieren eher mit Autoaggression auf die Lage. Ich weiß aus absolut zuverlässiger Quelle, dass heute viele solche „Arbeitgeber“ gezielt ihre Mitarbeiter beobachten und bereits sondieren, wer Amok laufen könnte. Man drückt solche Männer dann gerne raus, oder bleibt immer haarscharf unterhalb der Grenze, die sie zum Ausrasten brächte. Die Frauen sind dankbare Ausbeutungsobjekte, weil sie die Aggressionen gegen sich selbst richten und den Fehler immer erst mal bei sich selbst suchen. So sieht das heute aus.

      Was also immer hier gelaufen ist – es könnte auch ganz ganz anders sein, als wir überhaupt ahnen.

      Und Marx findet seinen Richter. Das soll nicht unsere Sorge sein. Dass er aber ein riskantes und perfides Spiel spielt, sehe ich auch, habe das auch in anderen Kommentaren schon nachgewiesen, v.a. was sein Faible für die „Entwicklung der Glaubenslehre“ betrifft.

      • Hier sind Sie wieder glasklar. Aber mit dem Hl. P. Pio vom Gargano scheinen Sie es nicht so zu haben.
        Mein HInweis: Es gibt viele gute Bücher über ihn. Ich würde allerdings nicht das von Bernd Harder über ihn zuerst lesen.

      • @ Pater Pio

        In aller Freundschaft – nein! Bei Pater Pio, ich meine dem echten, ist soviel unklar und dubios, auch sehr oberflächlich und übergriffig gewesen (ich schrieb auch noch bei dem andern Artikel davon was an Sie), dass ich größte Zweifel an ihm habe.

        Der Eindruck, dass mit ihm irgendetwas nicht gestimmt hat, nimmt eher zu mit allem, was ich über ihn höre.
        Auch diese ständigen Teufelsangriffe am Altar, seine seltsamen Jugenderlebnisse, dieses seltsame psycgische Profil – nein, das hat mit dem, was ich über andere Heilige weiß, überhaupt nichts zu tun.
        Es ist eine herrische und gekünstelte Düsternis um ihn – anders aknn ich es nicht wahrnehmen. Ich erkenne unsern Herrn einfach nicht. Bei den alten Heiligen aber kann ich den Herrn ganz leicht erkennen!

        Und theologisch ist kaum etwas übrig geblieben. Manche Kritiker haben zu Recht angemerkt, dass bei ihm alles inszeniert wirkt, auch in den Briefen – es fehlt das Originäre, er ist wie einer, der die Merkmale der Heiligkeit anderer alle auf sich gezogen und zu einem Megamystiker zusammengebraut hat, bis hin in die Formulierungen offenbar das geistige Gut anderer Heiliger. Er hat nicht mit klarer und offener Theologie überzeugt, sondern mit lauter mystischen „Gaben“, die keiner überprüfen konnte, aber den bequemen und wunderfitzigen Menschen anlocken.

        Es tut mir leid, aber ich kann da nicht folgen. Wer einem „Heiligen“ nicht folgt oder dessen Eingebungen nicht glaubt, sündigt nicht. Das ist feste Lehre der Kirche. Wer aber einem falschen Propheten aufsitzt, hat ein Problem. Und dem will ich mich nicht aussetzen, da ich wirklich so große Zweifel habe.

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