52 von Islamisten verschleppte christliche Familien frei

Islamischer Staat will christenfreies Land
Islamischer Staat will christenfreies Land

(Damaskus) Die 52 christlichen Familien, die am 23. Februar vom Islamischen Staat (IS) verschleppt worden waren, sind frei, „ohne daß ein Lösegeld bezahlt wurde“, so der Apostolische Nuntius für Syrien, Msgr. Mario Zenari. Damit sind von den ursprünglich 250 Verschleppten noch 16 Personen in der Gewalt der Islamisten.

Wie der Nuntius sagte, werden die Geiseln von den Islamisten als „lebende Schutzschilde“ mißbraucht. Die Entführung erfolgte aus christlichen Dörfern Syriens nahe der türkischen Grenze. Am Sonntag fanden schwere Gefechte bei Damaskus und Aleppo statt.

Die Christen waren im Zuge einer Offensive des Islamischen Staates (IS) gegen Christenorte in der Provinz Al-Hasakah verschleppt worden. Die Gegend gilt als Schlüsselzone, da sie die Brücke zwischen den vom Islamischen Staat in Syrien und im Irak kontrollierten Gebieten bildet. Die Grenze zur Türkei ermöglicht zudem eine Ausweichlinie und gleichzeitig einen Nachschubweg für neue Kämpfer und Waffen.

Freilassung erfolgte ohne Lösegeldzahlung

Die noch von 30.000 Christen bewohnte Gegend zählt zu den ältesten christlichen Gebieten der Welt. Mehr als 5000 Christen sind wegen der Kämpfe auf der Flucht. Die Islamisten nehmen Christen auch als Geiseln, um Lösegeld zu erpressen. Anfang März waren 19 Christen für 1.700 Dollar je Kopf freigekauft worden.

Wie der Apostolische Nuntius gegenüber Asianews bestätigte, wurde für die nun freigelassenen 52 christlichen Familien kein Lösegeld bezahlt. Laut Msgr. Zenari hätten die Islamisten diese Christen als lebende Schutzschilde gegen Luftangriffe genützt.

UNO-Vermittlungsversuch an Rebellen und Islamisten gescheitert

Der Nuntius bestätigte heftige Kämpfe in und bei Damaskus und Aleppo. Es handelte sich um Kämpfe zwischen der syrischen Armee von Präsident Assad und Rebellengruppen. Vergangene Woche ist ein Vermittlungsversuch der Vereinten Nationen gescheitert. Eine Waffenruhe sollte die Versorgung der Stadt Aleppo mit humanitären Gütern und für die Verletzten ermöglichen. Die Rebellengruppen und Islamistenmilizen lehnte den UNO-Vorschlag jedoch ab. „Für Optimismus ist kein Spielraum“, sagte der Nuntius.

Seit Ausbruch der Kämpfe zum Sturz von Präsident Assad sind mehr als drei Millionen Syrer ins Ausland geflüchtet. Weitere fast acht Millionen sind Flüchtlinge in Syrien. Im Zuge des Bürgerkriegs wurde die ganze Brutalität der Islamistenmilizen sichtbar, darunter des Islamischen Staates (IS), die gegen die Regierung kämpfen. Seit dem Frühjahr 2013 hat der Islamische Staat (IS) sich in Syrien und im Irak ein eigenes Staatsgebiet erobert und das islamische Kalifat ausgerufen. In diesem Gebiet haben die Dschihadisten ein Terrorregiment aufgebaut.

Text: Asianews/Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

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