Passauer Distanzierungen – Und ein OSTERhase kroch unter Marxens Fittiche

Bischof Oster distanziert sich von kath.net
Bischof Oster distanziert sich von kath.net

Kommentar von Giuseppe Nardi

(Passau) Als der Salesianer Bischof Stefan Oster an die Spitze der Diözese Passau bestellt wurde, sahen nicht wenige Katholiken in ihm einen Hoffnungsträger. Die Hoffnungen schienen nicht unbegründet. Kath.net stellte sich sofort und begeistert hinter Bischof Oster. Wir haben es vorgezogen, ihn lieber ein bißchen zu beobachten. Mit seiner gestrigen, wohlgemerkt sonntäglichen Distanzierung von Kath.net haben die in ihn gesetzten Hoffnungen einen deutlichen Dämpfer erhalten.

Der Bischof kritisierte in einem Brief an seine „Facebook-Freunde“, daß Kath.net Texte von ihm übernommen hatte. Mag sein, daß die Redaktion von Kath.net dabei etwas geflunkert hat und den Eindruck erweckte, als habe sie Texte direkt vom Bischof erhalten und nicht nur von dessen Internetseite übernommen. Kath.net verbreitete als gut empfundene Texte weiter und stärkte damit die Arbeit des Bischofs. Möchte man meinen. Doch nein, so funktioniert das in der Kirche nicht. Heutzutage wollen die Bischöfe nicht von jeder katholischen Initiative unterstützt werden. Keinesfalls. Es gibt Unterstützung von „richtiger“ und „falscher“ Seite. So feinsäuberlich wird die katholische Welt von den Bischöfen und den Ordinariaten unterteilt. Kath.net, so ließ nun Bischof Oster seine „Facebook-Freunde“ wissen, gehöre zur „falschen“ Seite. Katholisches.info kennt dieses Lied zur Genüge.

Unterstützung von „falscher“ Seite unerwünscht

Da werden bischöfliche Pressestellen plötzlich hyperaktiv, um auf Autorenrechten und Copyright herumzureiten. Nur um nicht sagen zu müssen: Unterstützung ja, aber doch nicht von Euch. Da könnten wichtige „Freunde“ ja einen falschen Eindruck gewinnen. Das gelte es unter allen Umstände zu vermeiden. Sorry.

Es geht also nicht um die Inhalte. Es geht um das herrschende Klima. Hätte Bischof Oster der Redaktion von Kath.net etwas mitteilen wollen, hätte er aureichend andere Möglichkeiten dafür gehabt. Darum ging es ihm nicht. Er wollte sich distanzieren. Eine Botschaft aussenden, die nicht für Kath.net gedacht war, sondern für seine bischöflichen Mitbrüder, für „Theologinnen und Theologen“, wie der Bischof im vom Kirchenapparat inhalierten Gender-Sprech zu sagen weiß, kurzum für die offizielle Kirche.

Durch die Freude, die Kath.net mit dem neuen Bischof hatte, wurden zahlreiche seiner Predigten und Stellungnahmen weiterverbreitet. Zuviele für den Geschmack anderer in der Kirche. Da konnte doch der Eindruck entstehen, Bischof Oster stünde Kath.net nahe.

Schwächen der katholischen Medienlandschaft

Kath.net und Katholisches.info sind während des Pontifikats von Benedikt XVI. ein Stück des Weges gewissermaßen gemeinsam gegangen. Katholisches.info folgte dem deutschen Papst auch in dessen Sensibilität für die Tradition. Für die Wojtylianer von Kath.net war das mehr eine Höflichkeitsübung. Wegen der bemühten Nähe zu einigen Bischöfen wollte sich Kath.net diesbezüglich nie zu weit aus dem Fenster lehnen. Mit dem neuen Pontifikat und der Ankunft argentinischer Trampeltiere in Rom trennten sich unsere Wege radikal.

Die Redaktion von Kath.net traf, auch mit Blick auf die Geldgeber, andere Entscheidungen als Katholisches.info. Das ist ihr gutes Recht. Das derzeitige Pontifikat provoziert mit solcher Insistenz, daß es katholische Medieninitiativen an den Rand der Belastbarkeit führt. Die Folgen sind bekannt und noch keineswegs abgeschlossen. Kath.net hat sich mit einem Teil der katholischen Medienschaffenden für die Vogel-Strauß-Haltung entschieden. Kaum geht es um Papst Franziskus, wird der Kopf in den Sand gesteckt. Man sieht nichts, hört nichts und kritisiert natürlich nichts. Stattdessen läuft auf dem Plattenteller eine Jubelplatte. Sie hat einen großen Sprung und wiederholt sich daher ständig.

Katholisches.info ist, schweren Herzens, das muß hinzugefügt werden, einen ganz anderen Weg gegangen. Oder glaubt jemand in irgendeinem bischöflichen Ordinariat ernstlich, es mache Spaß, den Papst zu kritisieren? Wir haben keine finanziellen Abhängigkeiten und sind daher weder irgendwelchen Bischöfen noch katholischen Verbänden „Rechenschaft“ schuldig. Konkret: Wir haben niemanden, der uns dreinredet, Einfluß geltend macht oder damit drohen kann, innerhalb von fünf Sekunden den Geldhahn abzudrehen. Wir schauen nicht weg, sondern halten es auch in unruhiger Zeit für unsere Pflicht, unbestechliche Chronisten der kirchlichen Ereignisse zu sein. Auch jene Dinge aufzuzeigen, die wir für Fehlentwicklungen halten. Und selbst Kritik am Papst zu üben, wo er als fehlbares Kirchenoberhaupt Handlungen und Aussagen tätigt, die bedenklich sind.

Zwischen der unkritischen Jubelplatte für Papst Franziskus und der ungewollt kritisch-distanzierten Haltung von Katholisches.info gegenüber päpstlichen Aktivitäten liegt ein großes trostloses Feld. Es ist das Feld der vielen katholichen Medienschaffenden und Blogger, die mit uns gemeinsam das Pontifikat Benedikts XVI. in der Hoffnung auf eine Erneuerung der Katholischen Kirche unterstützt haben und die als Reaktion auf das argentinische Pontifikat in tiefes Schweigen versunken sind. Sie schweigen weil sie nicht jubeln können, wie Kath.net, aber auch nicht kritisieren wollen, wie Katholisches.info. Auch mit diesem Schweigen sind ein langes Ringen und große Gewissensnöte verbunden. Diese in den vergangenen zwei Jahren erfolgte Aufspaltung einer ganzen Richtung, bedeutet vor allem deren Schwächung.

Vogel-Strauß-Politik von Kath.net gegenüber Papst fordern auch Bischöfe für sich

Nun hat Bischof Stefan Oster von Passau öffentlich wissen lassen, daß auch Kath.net, trotz intensiver Bemühungen der Redaktion, gegenüber Papst Franziskus einer streckenweise skurril anmutenden Papolatrie zu huldigen und penetrante Wadelbeißerei gegen alle zu betreiben, die es wagen, den „guten Kaiser Franz“1 auf dem Papstthron zu kritisieren, nicht dem entspricht, was sich deutsche Bischöfe von katholischen Medien erwarten.

Kriterium für eine gute katholische Medienarbeit ist demnach nicht, „den katholischen Glauben in seiner Schönheit und Wahrheit darzustellen“, wie Bischof Oster schreibt. Oberstes Kriterium ist, einer falschen Einheit zu huldigen. Oster wirft Kath.net eine „zunehmend tendenziöse Berichterstattung vor“. Und noch schlimmer: „eine Polarisierung von Bischöfen, Priestern, Theologinnen und Theologen in klar identifizierbare Lager voranzutreiben“.

Marxens Schisma-Ruf darf man nicht Schisma nennen, weil das „polarisiert“

Mit anderen Worten: Wenn Münchens Erzbischof Kardinal Reinhard Marx offen das Schisma ankündigt, sollte Rom bei der Bischofssynode nicht nach seiner und Kardinal Kaspers Pfeife tanzen, dann dürfe man das nicht kritisieren. Man dürfe, so Oster, nicht einmal aufzeigen, daß es unterschiedliche Positionen gibt, geschweige denn sagen, welche der Positionen katholisch ist. Das „polarisiere“. Und „polarisieren“, folgt man Osters Logik, sei die schlimmste aller Sünden für einen Katholiken. Man ist von Papst Franziskus ja inzwischen mit einer Reihe neuer „sehr schwerwiegender Sünden“ bekannt gemacht worden, sogar einer Stufe, die angeblich noch schlimmer als die schlimmste Sünde sei. So jedenfalls laut einem neuen päpstlichen Superlativ. Da wundert man sich über Osters Sündengradualität gar nicht mehr. Das alles ist keine Erfindung von Bischof Oster. Der Druck auf ihn ist erheblich. Kardinal Marx will mit einer kompakten Wucht der deutschen Kirche bei der Bischofssynode auftreten. Abweichler, und seien es nur potentielle, werden da weder gebraucht noch geduldet.

Deutschlands Bischöfe verlangen von den katholischen Medienschaffende eine kategorische Vogel-Strauß-Politik, wie sie Kath.net bereits seit zwei Jahren gegenüber Papst Franziskus betreibt. So gesehen, fällt Kath.net ihr eigener Kurs auf den Kopf. Die Bischöfe fordern, derselben Logik folgend, von Kath.net gleiches Verhalten ihnen gegenüber ein, wie Kath.net es dem Papst gegenüberbringt. Egal, was sie sagen und tun, die Redaktion habe beide Augen zuzudrücken und die Jubelplatte abzuspielen. Wer nicht spurt, „polarisiert“ und ist draußen. Wer die Macht hat, setzt vor die Tür.

Falsche Einheit

In der Tat weiß man, daß die „Einheit“, wie falsch und verlogen sie auch sein mag, kirchenintern ganz hoch im Kurs steht. Bischöfe, die von ihrem Gewissen geleitet, dabei nicht mitspielen wollen, werden von ihren eigenen Mitbrüdern zur Strecke gebracht. Die Anklage lautet: Sie stören, ja gefährden die Einheit. Mit den Worten Osters ausgedrückt: sie polarisieren. So erging es Bischof Livieres von Ciudad del Este. So erging es Bischof Oliveri von Albenga-Imperia. So erging es Bischof Tebartz-van Elst von Limburg, Bischof Mixa von Augsburg, Bischof Krenn von St. Pölten, Bischof Haas von Chur und jüngst Bischof Jean-Marie Le Vert von Quimper.

Während Bischof Oster öffentlich, so handelt kein katholischer Freund, die Distanzierung von Kath.net zelebriert und dabei zum Schein einige Krokodilstränen verdrückt, verliert er kein Wort der Kritik am „deutschen Weg“ in Sachen Bischofssynode, der kerzengerade ins Schisma führt. Kein Wort der Kritik an der Nötigung, ja Erpressung, die Kardinal Marx im Namen der Deutschen Bischofskonferenz, und damit auch im Namen Osters erst vor wenigen Tagen in Hildesheim aussprach und dabei Pfeile in Richtung Rom abschoß.

Osters Distanzierung nicht für Kath.net-Ohren geschrieben

Wie gesagt: Osters Distanzierung ist nicht für die Redaktion von Kath.net geschrieben, sondern für die Ohren derer, die offensichtlich ihn unter Druck gesetzt haben mit der Kritik einer zu großen Nähe zu Kath.net. Was machte Bischof Oster? Er ließ Kath.net ohne mit der Wimper zu zucken über die Klinge springen und kroch unter den Mantel des mächtigen Marx.

Über Bischof Oster dürfen auch wir unsere Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Es gab ja wirklich Hoffnungen. Solange Bischöfe aber politisch taktieren und ihr Handeln nach Allianzen und Mainstream ausrichten, wird es keine Erneuerung der Katholischen Kirche im deutschen Sprachraum geben. Solange Bischöfe sich distanzieren und lamentieren, weil ihnen ein Tonfall, ein Copyright oder eine Kritik nicht paßt, obwohl diese wohlbegründet, notwendig, ja manchmal sogar überfällig ist, aber zu schismatisierenden, ja häretisierenden Aussagen bischöflicher Mitbrüder schweigen, von den Verwüstungen eines Teils der eigenen Priester und der eigenen „Theologinnen und Theologen“ ganz zu schweigen, wird es keine neue Blüte der Kirche in unseren Breiten geben.

Kath.net hat als Redaktion die Entscheidungen getroffen, die es getroffen hat. Es sind nicht unsere. Als katholische Medieninitiative leistet die Redaktion jedoch wichtige Arbeit, die um Meilen besser, weil katholischer ist, als die meisten offiziellen katholischen Medien des deutschen Sprachraums, für die die Bischöfe verantwortlich zeichnen. Kirchenzeitungen, Universitäten, Akademien, Verbände die die Katholische Kirche angreifen, statt sie zu verteidigen. Die im Mainstream gegen die katholische Glaubenslehre und kirchliche Ordnung segeln. Da gäbe es für die Bischöfe mehr als genug zu tun. Stattdessen sind sie besorgt, sich von Medieninitiativen wie Kath.net zu distanzieren und ja nicht mit den „falschen“ Katholiken in Verbindung gebracht zu werden.

Distanzierungs-Genugtuung der Berufskatholiken

Wenn 610 Facebook-Freunden von Bischof Oster seine Distanzierung von Kath.net „gefällt“, die er sogar graphisch mit einem demonstrativen roten Fragenzeichen ins Bild setzte, (Hut ab, man gibt sich Mühe beim Distanzieren), dann darf man getrost annehmen, daß 90 Prozent davon hauptamtlich alimentierte Apparat-Katholiken sind. Ihnen hat Bischof Osters Botschaft gegolten. Sie sollten aus bischöflichem Mund hören, daß er schon nicht so sei. Wie sei? Na, so ein „radikaler“, wie die von Kath.net.

Ja, für den kirchensteuerfinanzierten Apparat der deutschen Berufskatholike sind Initiativen wie Kath.net bereits böse Radikale. Kritik können Progressisten nämlich ganz und gar nicht leiden. Übrigens: Die deutsche Redaktion von Radio Vatikan verbreitet die Distanzierung mit Begeisterung weiter. Das alles sagt viel über die Achsenverschiebung aus, die in den vergangenen Jahrzehnten schleichend und mit bischöflicher Duldung in den Diözesen des deutschen Sprachraums stattgefunden hat. Nicht die Schismatiker und Häretiker werden, wenn schon, vor die Tür gesetzt, sondern die glaubenstreuen Katholiken. Denn, wo käme man in den Diözesen hin, wenn man Glaubenstreue einfordern würde. Nicht wahr, Bischof Oster!?

Vielleicht sollte auch Kath.net Lehren daraus ziehen. Für Kath.net, Oster, Marx und Papst Franziskus gilt ganz katholisch: Es ist nie zu spät.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Facebook (Screenshot)

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  1. Bis 1806 Kaiser Franz II., der letzte Kaiser des römisch-deutschen Reichs, ab 1804 Kaiser Franz I. von Österreich. []

23 Comments

  1. Wahrscheinlich hat Marx Oster mit seinem barmherzigen Bischofsstab brüderlich eins übergezogen.

      • Ja, Sie haben Recht. Mit dem Ding genügt es schon kurz herumzuwedeln, um die Mitbrüder auf Linie zu bringen.

  2. Danke für diesen Kommentar.

    Ich gestatte mir nur den Hinweis, daß ich die kath.net – Redaktion schon vor zwei Jahren darauf hingewiesen habe, daß das demonstrative und pflichtschuldige Distanzieren von anderen Medieninitiativen moralisch bedenklich ist und auch strategisch nichts bringen wird. Wie man sieht, hat es den Anpaßlern tatsächlich nichts genützt.

    Was mich wundert, ist, daß sich ein deutscher Bischof nun von kath.net distanziert, wo deren Redaktion doch ohnehin gefühlte zweidrittel ihrer Artikel aus KNA und kathpress, also den offiziellen Pressestellen, bezieht.

    Kriecherei lohnt sich eben nicht. Das ist wieder einmal deutlich geworden.

    • Sehr geehrter Herr Schrems, ist W. Schrems Ihr wirklicher Name? Sie haben ja hier auf katholisches.info schon ausführlich über Fatima geschrieben. Darüber würde ich mich gern mal mit Ihnen austauschen. Der Historiker Michael Hesemann hat mir geschrieben, es sei durch Handschriftenvergleich der jungen und der alten Schwester Lucia bewiesen, dass die alte Schwester Lucia wirklich das Hirtenmädchen von 1917 sei. Wissen Sie etwas darüber?

      • @Aventin

        Ich habe das nicht genauer mitverfolgt. Mir ist die von Ihnen genannte Information nur vage im Hinterkopf.

        Ich habe ohnehin vieles zu diesem Thema auf dieser Seite geschrieben. Der Grundgedanke ist: Wenn es ohnehin nichts zu vertuschen gibt, dann möge man seitens der Karmeliten oder seitens des Weltapostolats von Fatima oder seitens des portugisieschen Episkopats ein Seligsprechungsverfahren für Sr. Lucia einleiten.
        Nachdem das nicht geschieht, muß man schlußfolgern, daß aus verschiedenen Gründen kein Interesse besteht, bzw. daß die Botschaft von Fatima niedergehalten werden soll, bzw. daß es bezüglich der Person der Seherin Probleme gibt.

        Wenn also Herr H. meint, die Kontinuität sei „bewiesen“, gleichzeitig in der Hierarchie aber überhaupt kein Interesse dafür gegeben ist, dann zeigt mir das nur, daß hier etwas faul ist.

  3. Es geht hier in dem ganzen Zirkus, so könnte man die katholische Kirche Deutschlands weithin beschreiben, nicht mehr, schon lange nicht mehr, um Glaubensinhalte und Verkündigung, sondern um Wadenbeißerei und „Machtfragen“.
    Welcher Bischof kümmert sich um die vielen vielen MIßstände vor Ort?- Da kann, muß man erleben, gerade erst, daß bei der hl. Sonntagsmesse noch nicht ein einziges Lied zur Fastenzeit gesungen wurde.
    Für den Priester hatte der Herr mit 3 seiner Jünger einen schöne Bergtour gemacht- mal abgeschaltet vom Alltag. Wirklich- so drückte er sich aus. „Auch wir brauchen immer mal Distanz zum Alltag, Erholung…“ Von der bitteren Ankündigung des Herrn bezüglich seines bevorstehenden Leiden kein Ton. Thema also verfehlt. So wirds weitergehen.
    Vielelicht werden auch zu Ostern Weihnachtslieder gespielt: alles ist möglich, alles erlaubt, alles gemacht- gerade erst recht.

    Das ist noch eine Gemeinde, die durchaus noch nicht ganz heidnisch-“protestantisiert“ ist.
    Also: ein Kessel Kunterbuntes und manchmal auch mal was Richtiges: Amtskirche Deutschlands.
    Und so wie im Kleinen siehts dann offenbar bis ganz oben aus.
    Der „Laden“, dieser Laden muß sich selbst zu Grabe tragen, einsargen. Dem ist nicht mehr zu helfen.

    • Nein, Franzel, man muß es nicht erleben!
      Nachdem ich jahrelang den „ganzen Zirkus“ über mich habe ergehen lassen, bleibe ich seit geraumer Zeit sonntags zu Hause. Mit einer „Heiligen Messe“ hat das alles wenig oder gar nichts mehr zu tun.
      Schließlich lautet das alte – längst außer Kraft gesetzte – 3. Kirchengebot: „Du sollst an jedem Sonn- und Feiertag eine hl. Messe mit Andacht hören.“ Das wird einem durch die Selbstdarsteller, die da um die Konzilskiste turnen, unmöglich gemacht. Und eine „Eucharistiefeier mit Wut im Bauch“, die muß ich mir nicht antun.
      Der „Laden“ hat mit der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“, die ich aus meiner Kindheit und Jugend kenne, nur noch den Namen gemein, und das ist, schlicht und ergreifend, nichts anderes als Etikettenschwindel!

      • Zum Glück gibt es die sonntäglichen Messen im vetus und novus Ordo der Petrusbruderschaft auf KTV aus Wigratzbad. Habe eine davon am Sonntag andächtig verfolgt, und bin dann auch nicht mehr zur Kirche. Habe ich jetzt die Sonntagspflicht verletzt? Nicht nur, dass das Messopfer würdig gefeiert wird, auch die Predigten sind tausendmal besser, haben inhaltliche Substanz statt flachem BlaBla, das niemandem wehtut, aber auch niemanden beeindruckt.

      • @siri – 2. März 2015 um 19:42 & @Aventin – 2. März 2015 um 20:47

        Geht mir genauso ! In meinem Bekanntenkreis ist es bei einigen Leuten auch so. Bei dem Gelärme, Gehöpsel und Laienhostiengegrapsche ist es mit der wahren Andacht, und auch mit der Sonntagspflicht vorbei.

  4. Auffällig scheint mir auch der Zeitpunkt zu sein, zu dem Bischof Osters Distanzierung von Kath.net erfolgt ist. Wenige Tage nach der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Hildesheim hatte Kath.net deutliche Kritik an den Aussagen der Bischöfe Marx „Wir sind keine Filialen von Rom“ und Bode „Auch die Realität von Menschen und der Welt ist eine Quelle der Offenbarung“ geübt und damit Bischof Oster offenbar herausgefordert. Besonders deutlich war hier der Kommentar von Michael Schäfer vom 27. Februar, den Kath.net bis jetzt noch durch einen auffälligen Banner hervorhebt.

    Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, dürfte schließlich die Behauptung von Michael Schneider-Flagmeyer vom „Forum Deutscher Katholiken“ gewesen sein, ein prominenter deutscher Bischof habe erklärt, dass nach der Entfernung des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst nun die Bischöfe Gregor Maria Hanke von Eichstätt und Rudolf Voderholzer von Regensburg „drankommen“ müssten. Er wisse dies aus „absolut seriöser Quelle“.

    Schneider-Flagmeyer hat noch am selben Tag, dem 26. Februar, diese Behauptung auf Kath.net und seinem Blog gelöscht, aber das war wohl zu spät, zumal Gloria.tv es bereits in seine Nachrichten (vom 27. Februar) aufgenommen hatte, wo es jetzt noch zu finden ist.

  5. Vielleicht brechen jetzt Leser-Flüchtlingsströme von kath.net auf Richtung Katholisches.info. Das wäre doch erfreulich.

    • Auf kath.net konnte man vor ein paar Wochen in den Kommentaren lesen, daß viele frühere Poster nicht mehr schreiben.
      (Wenn ich mich nicht irre, war ein Kommentar dazu von Adson_von_Melk)
      Traditionsfreundliche Blogs haben übrigens mehr Leser als man gemeinhin denkt.

  6. Bis jetzt habe ich von Herrn Bischof Oster keine Äußerung vernommen, dass er sich von der überlieferten Lehre und der Wahrheit Christi verabschieden will. Aus seinen bisherigen Äußerungen glaube ich kann man das Gegenteil erkennen.

    Es stimmt ja, dass er das nicht nur gegenüber den gläubigen Katholiken, sondern auch gegenüber den anderen Bischöfen klar zum Ausdruck bringen soll. Aber ich sehe keinen Sinn darin, wenn die Bischöfe und Kardinäle im Streit aufeinander losgehen würden. Das würde die Gefahr einer Spaltung in der Kirche nur verstärken. Herr Bischof Oster hat offensichtlich nicht den Weg einer offenen Konfrontation mit den „Abweichlern“ gewählt. Das muss aber nicht bedeuten, dass er sich von irgend jemandem herum kommandieren lässt. Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen, und das weiß er auch.

    Ob der Kirche damit geholfen ist, dass wir uns unentwegt über bestimmte Personen empören?
    Werden solche „Angriffe“ zur Einsicht bei den Angegriffenen führen? Man wird sich eher beleidigt zurückziehen in eine jetzt-erst-recht-Haltung.

    Hat uns die Mutter Gottes nicht eindringlich in ihren Botschaften darum gebeten, dass wir für die Pfarrer und Bischöfe beten sollen? Und das gilt ganz besonders für diejenigen, die meinen, die Zeit, in der die gesunde Lehre nicht mehr zu ertragen ist, wäre jetzt gekommen.

  7. Hat sich kath.net die Predigten von Bischof Oster einfach „geschnappt“, ohne zuvor sein Einverständnis eingeholt zu haben, kann ich dessen Verärgerung schon nachvollziehen.
    Gegenseitige Abmachungen, falls rechtlich notwendig, sollten schon eingehalten werden und eine Selbstverständlichkeit sein.
    Aber der Zeitpunkt der bischöflichen Schelte für kath.net ist schon auffallend.
    Es wird Kardinal Marx Äüßerung -D. keine Filiale von Rom- heftigst diskutiert und genau jetzt fällt Bischof Oster auf, dass kath.net seine Predigten veröffentlicht. Hat er dies vorher nicht bemerkt?
    Bischof Oster erwähnt allerdings auch, dass ebenso auf liberalen (Kirchen-)Seiten ein ähnlicher Ton zu finden ist.

    Was weh tut, ist die offensichtliche Freude -oder ist es eher Häme- bestimmter Kreise über des Bischofs Schelte.
    Nun können sich diese wohl darin bestätigt fühlen, dass „konservative Christen“ eine Ansammlung von Leuten sind, denen man nur mit äusserstem Misstrauen und Abwehr begegnen kann.
    Und so wird der Riss in der katholischen Kirche immer tiefer, die gegenseitige Entfremdung immer unübersehbarer und fast körperlich schmerzlich spürbar.
    Ein Riss, der noch zu kitten ist?
    Das macht mir -als „konservative“, oder besser gesagt, wertkonservative und lehramtstreue Katholikin- ungemein zu schaffen!

  8. Wenn der große Vorsitzende des Politbüros DBK pfeift, dann ziehen auch die `Osterhasen` die Ohren ein und es wird das Lied der Einheit gesungen auch wenn es noch so jämmerlich und schräg klingt.
    Wahrheit interessiert nicht in dieser Harmonie-Kirche, das Seelenheil der Menschen offenbar auch nicht.
    Ich habe mir die Frage gestellt, ob es noch getreue Bischöfe geben wird, die sich um den kleinen Rest der katholischen Kirche in Deutschland kümmern werden, insbesondere um die Gläubigen vor Irrtümern zu schützen.
    Zur Erinnerung: Während der Verfolgung der katholischen Kirche unter den Arianern hat es nur noch wenige glaubensstarke Bischöfe gegeben, wie den Hl Athanasius, den Hl Ambrosius, Vincentius und noch einige wenige mehr und diese hatten sogar zeitweise den Papst Liberius gegen sich. Es waren die Laien die den Glauben hochgehalten haben.
    Wir werden sehen.

    An dem bischöflichen `Liebesentzug` sollte keiner wirklich Anstoß nehmen, viel eher benötigt der Bischof unser Gebet damit er stehen bleibt und nicht fällt wie so viele.
    Lehrt uns nicht das zweite Vatikanum, daß das Volk Gottes aufstehen soll und es der Wahrheit verpflichtet ist. Also wir haben das Recht und die Pflicht unsere Sorge zum Ausdruck zu bringen.
    Serviler Papalismus oder Episkopalismus, am besten noch wie in einer Diktatur, sind für die Kirche wohl kaum hilfreich und kann nicht ernsthaft eingefordert werden.

    Der Glaube ist das Schild durch den wir alle Angriffe abwehren können sagt uns der Hl. Apostel Paulus und den Hl Erzengel Michael dürfen wir auch zu Hilfe rufen.
    Gelobt sei Jesus Christus und Maria

  9. Ein hervorragender Artikel von Herrn Giuseppe Nardi!
    Mit Herzblut geschrieben, im Stil vollendet, sehr genau beobachtet und gut recherchiert, und bei allem kritischen Sinn zugleich objektiv und fair ggb. kath.net.
    Das alles kann leider genug NICHT von der Haltung von kath.net ggb. katholisches.info gesagt werden.
    Haushunde die mit den Wölfen in dem Walde heulen, werden fast immer destotrotz gefressen.
    Kath.net war und ist blauäugig: begeistert durch Schönheit, verblendet durch schönen Schein, blind für die traurige Realität, unsicher bei dem jetzigen Potpourri (und es ist in der Tat ein echtes totales Durcheinander von unausgegorenen Sachen).

    Herr W. Schrems hat zurecht daraufhingewiesen, daß ein Großteil der Artikel von kath.net von der KNA und von kathpress stammt; Ähnliches findet man auch im Ausland (Nordbelgien, http://www.kerknet.be).
    Die einfache Mitteilung und Verbreitung der Realität ist in der Tat höchst ungewünscht für die irrlichternde Führung.
    Nichts entlarvt so gut das Chaos, die fundamentale Leere von allen jetzt gepredigten und getanem Hiphop als die mosaikartige Darstellung in der Presse und im Web.
    Insoweit ist kath.net auch Opfer seines früheren Erfolgs.

  10. Bischof Oster ist übrigens auch Opfer seines Erfolgs:
    Ordenspriester, wie mehrmals angedeutet wurde mit einem persönlichen Bekehrungserlebnis, noch relativ jung, theologisch beschlagen und mit einem sehr guten, sehr verständlichen und flottem Schreibstil: so genoß er sehr viel Sympathie bei kath.net und konservativen Kirchenkreisen.
    Seine lesenswerte Artikel in den lokalen Bischofspostillen und in der Tagespost wurden von kath.net sehr lobend besprochen und stark verbreitet;
    Nun freut sich jeder Autor daß er viel gelesen wird; noch wichtiger wird dies, wenn es um Neuevangelisierung geht.
    Unter diesem Aspekt sind das Copyright und die Tantiemen/Honorare nebensächlich (J. Card. Ratzinger war da übrigens äusserst großzügig).
    Richtige Probleme bekam Oster durch einen großen Artikel über die katholische Familienethik und -Moral in der Tagespost Ende 2014: hervorragend fundiert, sehr deutlich und klar, äusserst gediegen und seriös, vertrat er die katholische Kirchenlehre aufs Beste.
    Wenn der Antwerpener Bischof Bonny einige Tage später am 27. Dezember 2014 ein wirklich häretisches Interview in der belgischen Zeitung „De Morgen“ gab ( Bonny bekam dafür Ende Januar den Verdienstpreis der Holebitransgender- organisation CaVaria), wurde – bei totalem Schweigen der belgischen Bischöfen- der Artikel v. Bischof Oster auf traditionsfreundlichen Websites und in der geschriebenen Presse referiert, in Auszügen übersetzt und neben Bonny’s Häresien gesetzt.
    Das wurde sowohl in Rom bei Bonny’s Bekannten (Rauber, Kasper,…) als auch in den USA bemerkt.
    Der hervorragende Fastenbrief v. Bischof Oster v. 22. Februar 2015, der inhaltlich ganz richtig war aber zugleich faktisch als eine tiefe Kritik an Marx, Lehmann und viele anderen verstanden werden konnte, ließ das Faß überlaufen.

    Dann wurde eingegriffen;
    wie schon so häufig in der Geschichte läßt man dann die Einheit prämieren zu Lasten der Wahrheit, zeigt man öffentlich Feigheit und distanziert sich von bekannten und ins Visier geratenen Personen und Webs.
    Es wird den Modernisten nicht helfen: diese Texte sind geschrieben worden, publiziert, breit gemailt und übersetzt, und entwickeln ihre eigene Wirkung.
    Bischof Oster hat viel persönliche Glaubwürdigkeit verloren.
    Und kath.net wurde schwer demütigt und lernt die Faust der Herren kennen.
    Es erinnert mich sehr an die Abschiedszene des Prinzen von Oranien, Wilhelms von Nassau, bei den Grafen Egmont und Hoorne kurz vor der Ankunft des Herzogs von Alva in die Niederlande:
    „Adieu, Prinz ohne Land!- Adieu, Grafen ohne Kopf!“.

  11. Lieber @siri, haben Sie Gelegenheit in Ihrer Umgebung eine Messe im alten Ritus aufzusuchen? Mir erging es genau wie Ihnen und ich bin heilfroh jetzt meine Heimat in der alten Messe gefunden zu haben…

    Auch wenn es natuerlich einen Messbesuch nicht ersetzt ist die Seite der Petrusbruderschaft (livemass.org) sehr zu empfehlen. Hier kann man beispielsweise taeglich die Messen aus Fribourg in der Schweiz sowohl live als auch in Aufzeichnung auf Abruf verfolgen.

    • Lieber Pascal13,
      bis vor ca. 4 Jahren gab es in einem Nachbarort wöchentlich (meistens am Montag) eine Hl. Messe im traditionellen Ritus, die ich regelmäßig besucht habe. Leider ist der Priester inzwischen verstorben, man hat ihm in „seiner Gemeinde“ das Leben schwer genug gemacht. Das war Mobbing von der feinsten Sorte, vor allem ausgeübt vom Pfarrgemeinderat, der zu drei Vierteln aus Leuten bestand, die sonntags nur dann zur Kirche gingen, um sich dort an diversen Stellen zu profilieren. Auch der Verwaltungsrat hat sich an dubiosen Aktionen gegen den Pfarrer beteiligt. Das ging von Verdächtigungen diverser Art bis fast zum Rufmord! Schließlich hat der Mann, nach mehreren schweren Erkrankungen, u.a. ein Herzinfarkt, das Handtuch geworfen und ist mit 64 in den Ruhestand gegangen. Den hat er aber leider nur noch wenige Monate genießen können.
      Seitdem gibt es hier im weiten Umkreis keine ordentliche Messe mehr, sondern es tummeln sich Selbstdarsteller aller Art des Sonntags um den sogenannten Altar, der mehr einer Kiste als einem würdigen Opfertisch gleicht. Meßgewänder sind längst passé, es gibt nur noch häßliche Mantelalben und Stolen in schillernden Farben, bar jedes christlichen Symbols. Und dazu Händchenhalten, Reigen um die Konzilskiste, selbstgebastelte „Kanons“, kurz: Kindergeburtstag oder Schützenfest mit pseudochristlichem Anstrich. Darauf kann ich gerne verzichten. Aber ich sehe mir oft die Sonntagsmessen aus Wigratzbad an. Ich denke, daß ich damit mehr der Sonntagspflicht genüge als mich an einer karnevalistischen Eucharistiefeier zu beteiligen.

      • @siri —“…vor allem ausgeübt vom Pfarrgemeinderat…“

        Die Pfarrgemeinderäte sind der nachkonziliare Genickbruch der meisten guten Orts- und Gemeindepriester. Ich sehe das hier auch überall. Das sind alles besserwisserische, protestantisch verseuchte, machtgieriege Laien, die sich mächtiger und gescheiter dünken als der katholische Pfarrer, der die Weihen hat. Katastrophal ! Prof. Georg May hat über diesen Müll einige gute Analysen geschrieben (z.B. ‚Das Priestertum in der Nachkonziliaren Kirche, Una Voce). Diese Leute haben den katholischen Priestern ihre Würde genommen und sich in deren Amt auf schändlichste Weise eingemischt.

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