Was sind traditionelle Katholiken?

Pius X.
Pius X.

von Father Peter Carota, Diözesanpriester in den USA

Als traditionelle Katholiken […] müssen wir definieren, wer wir sind und was unsere Mission in diesem kurzen Leben ist. Hier sind 20 Punkte, die viele unter uns traditionellen Katholiken entdeckt haben, womit wir uns identifizieren und die uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind.

1. Wir sind schlicht Katholiken, welche die vergrabenen Schätze Gottes entdeckt haben.
2. Es begann damit, über die Messe aller Zeiten zu lernen (auch lateinische Messe oder tridentinische Messe genannt), als Papst Benedikt Summorum Pontificum promulgierte.
3. Davon ausgehend haben wir den großen Unterschied zwischen der neuen Messe (auch Novus Ordo genannt) – welche den meisten von uns ausschließlich bekannt war – und der lateinischen Messe entdeckt.
4. Wir entdeckten, zu unserer großen Überraschung, dass erstmals in der Kirchengeschichte das römische Messbuch drastisch verändert wurde, durch Bugnini und das Concilium, mit Unterstützung von Papst Paul VI., promulgiert im Jahre 1969.
5. Wir fanden heraus, dass die lateinische Messe jahrhundertelang ein Teil der Katholiken des römischen Ritus war und sich sehr langsam in winzigen Schritten über jene Jahrhunderte entwickelte, beginnend beim Letzten Abendmahl und dem Opfer Jesu am Kreuz.
6. Wir fanden heraus, dass viele Dinge der neuen Messe (das zweite Hochgebet, welches beinahe ausschließlich verwendet wird in allen katholischen Messen) sowie die neuen Rubriken von Bugnini und dem Concilium geschaffen wurden.
7. Wir fanden heraus, dass die protestantischen Berater beim Zweiten Vatikanum sehr erfolgreich dabei waren, zu helfen, die neue Messe zusammenzustellen und sie in die Muttersprache zu übertragen.
8. Wir sehen deutlich den Fokus auf das Opfer Jesu auf dem Kalvarienberg in der lateinischen Messe.
9. Wir sehen deutlich, dass der Fokus in der neuen Messe auf das Letzte Abendmahl gerichtet ist und das „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, wie der Protestant Martin Luther es sich wünschte.
10. Wir sehen deutlich die protestantische Betonung auf die Gemeinde und den Vorsteher der Versammlung gegenüber der Betonung in der lateinischen Messe auf den Priester, der das Opfer in persona Christi darbringt.
11. Wir erleben die menschenzentrierte Zusammenkunft bei der neuen Messe, zu der die Leute kommen, um sich gut zu fühlen, den Priester anzuschauen, der ihnen gefällt, um zu tun, was sie wollen, sich zu kleiden, wie sie wollen (sexy Frauen unanständig und Männer armselig mit kurzen Hosen bekleidet), zu reden, wann sie wollen, um die Predigt zu hören, die sie wollen, und mit dem Handy zu spielen, wenn sie gelangweilt sind. Dagegen ist es in der lateinischen Messe sehr still, die meisten Leute kleiden sich ordentlich und sind respektvoll gegenüber Jesus im Tabernakel, sie knien zum Gebet, und die Frauen tragen Schleier.
12. Wir stellen fest, dass die Leute früh zur lateinischen Messe kommen, um zu beten, und länger bleiben, um Dank zu sagen. Beim Novus Ordo kommen einige Leute zu spät und gehen früher.
13. Beim Novus Ordo hören wir zumeist Lieder, die den Menschen gefallen (Hip Hop), mit Chören, die vorne in der Kirche angeben. Dagegen ist der Chor bei der lateinischen Messe versteckt auf der Orgelempore, einfach um die heilige lateinische Messe zu unterstützen, mit Orgelmusik, gregorianischem Choral und anderen alten heiligen Liedern – und viele dieser Lieder sind in lateinischer Sprache.
14. Dann fanden wir heraus, dass die neuen Riten der Sakramente der katholischen Kirche viele der äußerst wichtigen Gebete (wie Exorzismen gegen den Teufel) eliminiert und sie durch neue Gebete und Rubriken ersetzt haben.
15. Wir sehen den großen Unterschied, der enthalten ist in den Worten und Rubriken der Sakramente vor dem Zweiten Vatikanum, und aus diesem Grund lassen wir unsere Kinder die Sakramente im alten lateinischen Ritus empfangen.
16. Wir erleben die verwässerten Predigten bei der neuen Messe und die tiefen geistlichen und praktischen Predigten bei der lateinischen Messe.
17. Wir sehen viel Gerede über Liebe in der Kirche des Novus Ordo, aber wenig Liebe für die Rettung von Seelen aus der Hand des Teufel oder dem Fegefeuer. Die Liebe der Katholiken des Novus Ordo ist selten gezeigt gegenüber uns traditionellen Katholiken. Stattdessen hassen sie uns, verfolgen uns und machen es beinahe unmöglich, die Sakramente im alten Ritus zu haben, den Papst Benedikt für alle Katholiken seit Summorum Pontificum im Jahre 2007 erlaubt hat.
18. Wir haben viel Gerede über Umwelt und soziale Gerechtigkeit in der Kirche des Novus Ordo gehört, aber ohne jemals zu den Wurzeln dieser Probleme zu gehen, nämlich persönlicher Sünde.
19. Wir haben gesehen, dass die Änderungen in der Katechese die Früchte produziert hat, dass fast alle unserer Familien Atheisten, Agnostiker, Protestanten oder Freikirchler wurden. Sie glauben nicht länger an Sünde, hören Rock oder Hip Hop, kleiden sich unanständig, leben mit wem auch immer sie wollen, haben überall Kinder, haben Abtreibungen und haben schwerwiegende Laster wie Drogenmissbrauch, Alkoholmissbrauch und Pornografie. Und sie sehen nicht ein, dass etwas falsch ist mit ihren eigenen Sünden oder mit homosexuellem Verkehr oder homosexueller „Ehe“.
20. Wir traditionellen Katholiken glauben an die 2000 Jahre katholischer Lehre, Praxis und Tradition. Wir glauben, dass Sünde Sünde ist, wie Jesus es lehrte. Wir glauben an die Heilige Schrift als das tatsächliche verbindliche Wort Gottes. Wir glauben an den Gehorsam gegenüber den Gesetzen Gottes, die in unserem katholischen Glauben enthalten sind. Wir glauben an Himmel, Hölle, Fegefeuer, den Teufel und seine Dämonen. Wir glauben, dass eine schwere Sünde, die nicht bereut und gebeichtet wurde, uns zur ewigen Verdammnis führt.

Dies ist mehr oder weniger, was wir entdeckt haben und glauben. Viele von uns glauben, dass das Zweite Vatikanum ein Desaster war. Die Leute der neuen Kirche glauben, dass es das beste ist, was je in der Geschichte der katholischen Kirche passiert ist, und sie wollen es immer mehr implementieren oder sogar ein noch liberaleres Drittes Vatikanisches Konzil haben.

Im Großen und Ganzen glauben wir traditionellen Katholiken, dass die Häresien des Modernismus, Säkularismus und Progressivismus, verurteilt durch Papst Pius X., all die Probleme in der Kirche verursacht hat. Sie sind heute quicklebendig und aktiv in beinahe allen Teilen der Sakramente und der Hierarchie der Kirche. […]

Übersetzung: Katholisches.info/b360s
Bild: Wikicommons

drucken
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat:
Unterstützen Sie bitte Katholisches.info mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht

13 Comments

  1. Heute sind die meisten Katholiken unansprechbar für die meisten dieser genannten Punkte.
    Es ist auch fast sinnlos, darüber mit so vielen große Debatten zu führen.
    Man kann nur in Liebe und Demut klein anfangen, jeder für sich. Heute muß man die Menschen trösten, ihnen guten Mut zusprechen, denn sie sind von all den Ideologien, dem Materialismus usw. so verhetzt und krank gemacht worden, daß sie wirklich nur für Taten der Liebe, ganz kleine, noch empfänglich sind. Alles andere kann man Gott in die Hände legen.
    Was nützt die „richtige“ hl. Messe und draußen brennen die Häuser ab, wissen die Menschen nicht mehr weiter?
    Zuerst das eine, dann wird auch wieder der Sinn für eine wirklich hl. Messe wachsen. Nicht umgekehrt. „Wir“ stehen am Anfang- wie vor knapp 2000 Jahren; etwas anders wie damals, aber ebenfalls am Anfang.
    Diese ganze Diskussionen über Tradition und Nicht-Tradition, auch über Nicht-Tradition, die ja von ihren Anhängern ebenso vehement geführt wird, verfehlen das Anliegen Christi.
    Wie gesagt: zuerst die Pflicht, dann die Kür.

  2. Das ist ein schiefes Gewölle aus Wahrem und Falschem und bestätigt hervorragend das, was ich meine mit den Merkmalen derer, die sich selbst als „Tradition“ bezeichnen.

    Bei allem Verständnis für die Trauer und Abneigung gegen die Exzesse der Moderne und Postmoderne – aber das ist einfach nur oberflächlich und anmaßend, was der Mann vorträgt.

    Er bezweifelt den NOM, aber nicht seine falsche Weihe im NOM. Er schaut nur aufs Äußere und erwähnt das, was den Glauben ausmacht, fast gar nicht.
    Offenbar hat er selbst keine Ahnung davon, was einmal „Tradition“ war.
    Und dass Benedikt mit SP eben nicht eine illusionäre „Tradition“, die offenbar v.a. aus „anständiger Kleidung“ (ja, da stürzen sich gleich wieder alle drauf und jeder weiß noch zwanghafter, was das ist!), pseudotraditionellen Neuerungen (wie dem „Schleier“, der nur regional üblich war in einigen südeuropäischen Ländern und niemals vom neuzeitlichen Lehramt generell gefordert wurde), wackeren Gebetsleistungen vor und nach der Hl. Messe und einer Ablehnung bestimmter Musikstile im Privatleben (was selbst Pius X. ausdrücklich in „Tra le sollicitudine“ nicht so gedacht haben wollte!!!), „wieder aufwerten wollte“, hat der gute Mann auch nicht verstanden.
    Bereits gestern habe ich die Links zu Benedikts beiden Texten (SP und das Begleitschreiben) hier verlinkt: Benedikt wollte eine gegenseitige Befruchtung beider Riten, die er im übrigen für Ausdruck ein und desselben Ritus hält!

    Ja – wenn das die „Tradition“ ist, hat die Kirche endgültig ihre Kontinuität verloren. Das, was da oben steht ist nichts weiter als eine katholische Version des Hutterers – vom Lehramt stets abgelehnt.

    Es genügt nicht, bestimmte, postmodern verleugnete Bestandteile der Lehre mehr oder weniger geistlos neu in den Raum zu stellen.

    Anstatt sich mit einem bürgerlichen Anstandsdenken über die Ungereimtheiten der gesamten Lage hinwegzutäuschen und zu befriedigen, stellt dieser „Father“ nämlich sämtliche grundlegenden Fragen nicht.
    Diese grundlegenden Fragen wären: Wenn das „Lehramt“ einen dermaßen schädlichen und ungültigen Ritus einführt und die Sitten so bewuss hat verlottern lassen, dass man um das Seelenheil der Gläubigen bangen MUSS, dann ist es geradezu fahrlässig, die Leute in dieser Kirche und an diesen „Päpsten“ festzuhalten – „anständige“ Kleidung hin oder her. Sie jedenfalls schützt am wenigsten vor der Höllenfahrt. Und höchstwahrscheinlich ungültig geweihte Priester einer solchen „Kirche“ haben dann ohnehin keine – wenn auch traditionell aufpolierten – „Lehren“ zu verkünden, um das rauszuhauen, was die eigentlich dafür eingesetzten und berufenen Männer tun müssten…

    Kein „Priester“, auch nicht der gültig Geweihte, hat das Recht, nun für Päpste und Bischöfe in die Bresche zu springen.
    Er kann – sofern gültig geweiht – allenfalls Notfallsakramente spenden und vor aller Welt eingestehen, dass er selbst im Moment ohne institutionellen Hirten ist und seine TRADITIONELLE Kompetenz nicht überschreiten darf!

  3. In der Liste sind sehr viele Punkte aus sehr vielen verschiedenen Bereichen. Die Lateinische Messe und auch viele Inhalte der vorkonziliaren Tradition sind wunderbar und richtig. Hass gegen alles Neue oder Andersartige halte ich jedoch für nicht angebracht. Eine traditionelle Sichtweise, in der Antisemitismus oder ein Nichtbeten-Wollen für Andersartige Raum haben, ist mir jedoch zu extremistisch.

  4. Die im Artikel präsentierte Auffassung von Tradition ist mir zu verengt und beengend.
    Tatsache ist, dass manche Reformen vor 50 Jahren überfällig waren.
    Man soll das Vatikanum 2 nicht verteufeln.
    Die Heiligung des Christen ist fast nur auf das Sakramentale zurückgeführt. Sie umfasst aber die ganze Lebensführung. Das fehlt hier. Galater 5 und 6 führen hier weiter.
    Kleidung und Verhalten sind durchaus wichtig, aber nicht nur sonntags im Gotteshaus.

    • @ Leo Laemmlein – 23. Februar 2015 um 16:23: „Die im Artikel präsentierte Auffassung von Tradition ist mir zu verengt und beengend.“

      Geht mir in manchen Punkten auch so. Die Lateinische Messe, viele alte Gebete und auch andere wichtige Dinge sind essentiell wichtig, dass sie erhalten bleiben. In ideologischen Bereichen gibt es Erneuerungs-, Verifizierungs- und Erweiterungsbedarf. Mir gefällt der Begriff „Tradition & Innovation“.
      Kleidung etc.: Das mit der Kleidung, was sie postulieren, ist für mich ein bisserl schwierig, weil ich u.a. mit Pferden arbeite und als Frau im Winter im Westernsattel Thermohosen anziehen muss, sonst komm ich in die Klinik.

      • Wir erleben, scheint mir, einen großen Zusammenbruch um uns herum, wie in Zeitlupe. Der Zusammenbruch kann sogar uns selbst ergreifen, indem manches, was uns liebe Gewohnheit war, fragwürdig wird, ihm die Grundlage entzogen wird. Es bricht aber nur Unechtes zusammen, und wenn doch Echtes, dann Unwesentliches. Übrigbleiben wird, wie Sie in einem anderen Kommentar schreiben, ein gereinigter Glaube, aus dem eine gereinigte Zivilisation entstehen kann. Dieser Glaube wird katholisch sein, aber in einem schlichten, ursprünglichen, wesentlichen Sinn, gereinigt von Pomp und vielem Beiwerk der Jahrhunderte.

      • …und wo, lieber LL, ist das in der Schrift verheißen? Verheißen ist uns, dass Gott diese Erde vernichtet und einen neue schafft, das „himmlische Jerusalem“…

        Die „liebgewonnenen Gewohnheiten“ betreffen dann aber auch die Konventionen und Gewohnheiten früherer Zeiten und niemand ist in der Lage, hier zu wissen, was nun das „Richtige“ war. Wie schamlos teilweise die mittelalterliche Kleidung, übrigens fast ausschließlich der Männer (!), war, wissen wir alle… genauso die höfisch-schamlose Kleidung der frühneuzeitlichen Dame etc. etc.

        Zum Glück ist sowohl die Schrift als auch das Lehramt unendlich moderat geblieben in diesen Nebensachen: wir sollen dezent gekleidet sein. Nicht mehr und nicht weniger.

        Über bestimmte Kleiderformen haben weder Schrift nich Lehramt je etwas gesagt, und das ist auch gut so! Kleidung ist und bleibt eine Frage der Kulturen und Konventionen.

        Schade, dass wir nur die Veränderung des Äußeren beklagen, das doch ohnehin nicht früher „besser“, sondern wellenartig mal dezenter mal schamloser war…

        Was uns heute wirklich fehlt, ist der tiefe innere Glaube, der das Herz verändert und die Seelen bereit macht für die Vereinigung mit Christus. Es ist eigentlich ein Graus, dass wir offenbar nichts anderes im Hirn haben, als über die belanglose Kleidung zu quaken wie eine gewisse verfinsterte Religion, die daraus ebenfalls eine postmoderne, zwanghafte Ideologie macht…

        Auch das ist eine Art „Assisi“ – bloß konservativ.

      • Ergänzung, wg. Kleiderornung:
        Ich trage keine Röcke, die oberhalb vom Knie sind. Zumeist jedoch Hosen (Nierenkrankheit) und in bestimmten Bereichen geht es nur mit männl. Kleidung. Ich bin Karate-Blaugurt. Im Rock schlecht trainierbar. Hier Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=7HAvpHAZsGQ – Selbstverteidigung könnte aufgrund des zunehmenden Chaos hier in Europa wichtiger werden (vor allem für Frauen). Möchte damit nur sagen, dass ich mich anständig anziehe, vor allem im Gottesdienst (ich hasse Turnschuhe u.ä. im Gottesdienst).

      • @ zeitschnur — 24. Februar 2015 um 12:10
        Zu Ihrer Frage. Meine Prognose ist von einer Prophezeiung des jungen Joseph Ratzinger aus dem Jahr 1970 inspiriert, worin er von der Kirche der Zukunft spricht, die aus der jetzigen Krise hervorgehen wird:
        „Aus der Krise von heute wird auch dieses Mal eine Kirche morgen hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, weithin ganz von vorne anfangen müssen. … Aber bei allen diesen Veränderungen, die man vermuten kann, wird die Kirche ihr Wesentliches von neuem und mit aller Entschiedenheit in dem finden, was immer ihre Mitte war: Im Glauben an den dreieinigen Gott, an Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes, an den Beistand des Geistes, der bis zum Ende reicht. Sie wird in Glaube und Gebet wieder ihre eigentliche Mitte erkennen und die Sakramente wieder als Gottesdienst, nicht als Problem liturgischer Gestaltung erfahren. … Aber nach der Prüfung dieser Trennungen wird aus einer verinnerlichten und vereinfachten Kirche eine große Kraft strömen. Denn die Menschen einer ganz und gar geplanten Welt werden unsagbar einsam sein. Sie werden, wenn ihnen Gott ganz entschwunden ist, ihre volle, schreckliche Armut erfahren. Und sie werden dann die kleine Gemeinschaft der Glaubenden als etwas ganz Neues entdecken. Als eine Hoffnung, die sie angeht als eine Antwort, nach der sie im verborgenen immer gefragt haben. So scheint mir gewiss zu sein, dass für die Kirche sehr schwere Zeiten bevorstehen. Ihre eigentliche Krise hat noch kaum begonnen. Man muss mit erheblichen Erschütterungen rechnen. Aber ich bin auch ganz sicher darüber, was am Ende bleiben wird: Nicht die Kirche des politischen Kultes, die schon in Gobel gescheitert ist, sondern die Kirche des Glaubens. Sie wird wohl nie mehr in dem Maß die gesellschaftsbeherrschende Kraft sein, wie sie es bis vor kurzem war. Aber sie wird von neuem blühen und den Menschen als Heimat sichtbar werden, die ihnen Leben gibt und Hoffnung über den Tod hinaus.« Der vollständige Text: http://www.kath.net/news/44468

        Biblisch würde ich es begründen mit dem Christentum, das uns im Neuen Testament vorgestellt wird, in den christlichen Gemeinden, von denen wir in der Apostelgeschichte, in den Apostelbriefen und in den Sendschreiben der Offenbarung des Johannes lesen.

      • @ LL

        Ob Ratzinger damit etwas „prophezeien“ wollte?

        Ist das nicht einfach nur eine Prognose?

        In dem, was er sagt, ist viel Wahres, aber auch viel Problematisches.

        Wenn er z.B. sagt „Sie wird in Glaube und Gebet wieder ihre eigentliche Mitte erkennen und die Sakramente wieder als Gottesdienst, nicht als Problem liturgischer Gestaltung erfahren.“, dann frage ich mich, was er damit eigentlich sagen will.

        Wenn die lex orandi die lex credendi ist, dann ist es abwegig, so zu sprechen.
        Denn man muss fragen, wie und was man liturgisch gestaltet, um nicht den Glauben zu verfehlen und Gott zu lästern.
        Gegen wen zielt seine Aussage : gegen die, die an der überlieferten Messform hängen (was anzunehmen ist 1970)?

        Wesentlich aber verkennt er, dass es nicht möglich ist, „reinen“ Glauben zu leben – ohne Verflechtung ins „Politische“.

        So sehr ich immer wieder drauf hinweise, dass dieser „Schulterschluss“ in älteren Zeiten auch der Ausgangspunkt für das Böse in der Kirche war und ist, so sehr erscheint es mir klar, dass dies auf Erden nicht anders möglich war und ist und uns auch nichts anderes verheißen ist:

        Mit dem Evangelium reift auch das Geheimnis des Bösen aus – das jedenfalls steht in der Schrift.

        Alleine schon der Wahn, man könne dem entgehen, ist häresieverdächtig.
        Die Kirche hat daher sämtliche protestantische Sektierei, die solchen Puritanismus pflegen wollte, verworfen.

        Wir leben im Glauben – NICHT im Schauen.

        Dass die Kirche einmal sehr „präsent“ war, ist nichts, worauf sie heilsgeschichtlich einen Anspruch hätte. Es ging darum, möglichst effizient alle Menschen mit dem Evangelium bekanntzumachen, damit Jesus wiederkommen kann. Die Kirche hat den Samen gesät und zugleich hat der Feind den bösen Samen gesät. Auch von einer solchen Sicht aus, ist es gleich, ob man das Gleichnis nun auf Welt oder Kirche oder beides anwendet – es wäre jedenfalls absurd, die Jünger zu mahnen, ausschließlich IN DER WELT beides aufwachsen zu lassen, denn diese Trennung können wir ja nicht so genau vornehmen, wenn die Kirche diese Welt so stark „durchsäuert“ hat. Dass in der Welt das Böse grassiert, dürfte niemanden wundern oder auf die Idee bringen, nun mit Feuer und Schwert „das Böse“ auszureißen unter Leuten, die eh nicht glauben…. Relevant ist für die Apostel ja nur, was in der Kirche miteinander aufwächst…

        Aber rein historisch ein wichtiger Gedanke: es mag noch vor Jahrhunderten manches rechtgläubig erschienen sein oder mit dem Glauben kompatibel, was sich heute als Fluch erweist.

        Ein solcher erkennbarer Fruchtstand ist sicher der „Schulterschluss“ mit der Politik, der stets schlimm war, auch wenn das Evangelium so bekannt wurde, was z.B. Leo XIII. als Papst freimütig zugesteht – als Bischof hatte er es noch geleugnet.

        Was die Apokalypse betrifft: „Gesichte“ sind immer in gewisser Weise „allegorisch“. Das ist auch das Problem ihrer Deutung – das Geschaute passt nicht 1:1 in unsere Begriffe und Vorstellungen. Vorsicht also.

      • @ Jeanne d‘Arc

        Sie müssen sich weder rechtfertigen noch verunsichern lassen:

        A. hat das Lehramt nun mal keine Festlegungen getroffen, und nur das ist für uns relevant – egal was irgendwelche selbsternannten „Lehrer“ nun fordern. Wir müssen nur dem gehorchen, was uns das Lehramt abverlangt! Abverlangt wird uns allgemein: Dezenz, Sittsamkeit – vernünftig und nüchtern verstanden bitteschön!

        B. ist der ganze Klamottenkrieg trotz tatsächlicher verbreiteter Unanständigkeit ein zwanghafter Stellvertreterkrieg uninspirierter Geister!

        C. weiß jeder was anständig ist – und das hat man leicht erfüllt. Wir alle wissen, dass bei der Kleidung schon die Pose allerhand auslöst – nicht unbedingt das Kleidungsstück an sich selbst…

        D. sind Spitzfindigkeiten, insbesondere wenn der Pharisäer Anstoß am Zöllner nimmt, eines Katholiken nicht würdig!

        E. muss ich folglich erst mal meine eigenen unanständigen Gedanken zügeln, bevor ich anderen irgendwelche Kleiderordnungen abzwingen will, die weder Gott noch das Lehramt je gefordert haben – dem sittlich Verkommenen ist am Schluss die bloße sichtbare Existenz des anderen schon „Reiz“.
        In solchen sittlich verkommenen Kulturen werden dann besonders Frauen gleich ganz weggeschlossen…

        Bleiben wir also maßvoll und lesen nicht im Klamottenkaffeesatz.

  5. In 20 Punkten auf den Punkt bringen, was einen traditionellen Katholiken ausmacht, ist schon ein gewagtes Unterfangen, aber es ist erstaunlich gut gelungen! Nicht als Kritik, sondern als Ergänzung: die Königsherrschaft Christi beschränkt sich nicht auf den Raum der Kirche, daß in ihr sein Wille der alles bestimmende sein soll und daß man dann die Welt so läßt, wie sie ist, nur um sich dann so radical wie möglich von ihr abzusondern! Daß gerade die wichtigen Bereiche unseres Lebens, Politik, Wirtschaft und Kunst so praktiziert werden, als gäbe es keinen Gott, der sich offenbart hat, daß man die „relative“ Autonomie der Welt anerkennt, um als Christ nur noch privat christlich zu leben, das ist aus traditioneller Sicht inakzeptabel! Aber seit dem Ende der konstantinischen Epoche, von Kaiser Konstantin bis Kaiser Wilhelm II, neigt die Kirche dazu-in Folge des Reformkonziles-sich als reine Privatorganisation zu verstehen, als wäre sie nur für ihre „Vereinsmitglieder“ zuständig und wenn sie sich dann am öffentlichen Diskurs beteiligt, spricht sie nur noch humanistisch, weil die Welt von Gott nichts mehr hören wolle.
    Uwe C. Lay/ Pro Theol Blogspot

Comments are closed.