Lücke im päpstlichen Kalender – Erneut „spektakuläre“ Fußwaschung am Gründonnerstag?

Fußwaschung von Kardinal Jorge Mario Bergoglio in Buenos Aires
Fußwaschung mit Großaufgebot der Medien: Kardinal Jorge Mario Bergoglio 2008 in Buenos Aires

(Rom) Das Amt für die liturgischen Feiern des Papstes veröffentlichte den Kalender für die Zelebrationen des Papstes bis zum Zweiten Sonntag nach Ostern. Für die Tage des Triduum Sacrum werden alle Zelebrationen von der Chrisammesse im Petersdom am Vormittag des Gründonnerstags bis zum Apostolischen Segen Urbi et Orbi am Ostersonntag um 12 Uhr mittags genannt. Nicht angeführt ist die Messe vom Letzten Abendmahl am Abend des Gründonnerstags, mit der das Triduum Sacrum liturgisch beginnt. Der Kalender wurde in der Mittwochsausgabe des Osservatore Romano abgedruckt (siehe Bild unten).

Vatikanisten spekulieren über „spektakuläre“ Fußwaschung 2015

Unter Vatikanisten wurden bereits Wetten abgeschlossen, wem Papst Franziskus in diesem Jahr „spektakulär“ die Füße waschen werde.

Liturgischer Kalender des Papstes im Osservatore Romano vom 28.01.2015
Liturgischer Kalender des Papstes im Osservatore Romano vom 28.01.2015

Die Messe am Abend des Gründonnerstags ist von konstitutiver Bedeutung für die Katholische Kirche und inhaltlich von konzentrierter Dichte. Es wird der Fußwaschung gedacht, die der Herr an den Aposteln vornahm. Ein Zeichen dafür, daß die apostolische Sukzession immer ein demütiges Dienen sein muß. Um dies zum Ausdruck zu bringen, wuschen Päpste Kardinälen und Bischöfen die Füße als direkte Nachgereihte.

Das ist aber nur ein Element. Am selben Abend wird der Einsetzung des Allerheiligsten Altarsakraments gedacht und, damit untrennbar verbunden, der Einsetzung des Weihepriestertums durch Jesus Christus. Diese doppelte Einsetzung bildet den Mittelpunkt der Gründonnerstagsliturgie und ist auf das Engste mit der Kirche als geweihtem Sakralraum verbunden. Das verlangt, daß die Heilige Messe in Cœna Domini von den Oberhirten in ihrer Bischofskirche mit dem gläubigen Volk zelebriert wird. 2014 rief eine Initiative katholischer Medien die Bischöfe auf, an diesem Abend ihre Kathedralen nicht zu verlassen, um an anderen Orten zu zelebrieren.

Diese Initiative hatte einen Grund und mußte gleichzeitig wegen dieses Grundes ins Leere fallen, da es der Papst selbst war, der seine Bischofskirche, die Lateranbasilika verließ. Einige medienaffine Bischöfe kündigten an, dem päpstlichen „Vorbild“ folgen zu wollen.

Achsenverschiebung weg von der heiligen Eucharistie hin zur Fußwaschung

Jesus wusch nicht irgendwem die Füße, sondern den Aposteln
Jesus wusch nicht irgendwem die Füße, sondern den Aposteln

2013 besuchte Papst Franziskus ein Jugendgefängnis bei Rom. Er zelebrierte dort unter Ausschluß des gläubigen Volkes in einer Mehrzweckhalle und wusch jungen Gefangenen die Füße, darunter auch Mädchen und Moslems. Eine menschlich sympathisch wirkende, liturgisch aber höchst umstrittene Geste. Ungeklärt ist bis heute, ob der Papst ebenso undifferenziert die Heilige Kommunion spendete. Das Presseamt des Heiligen Stuhls nahm dazu nicht Stellung.

2014 wiederholte Papst Franziskus „seinen“ Weg und zelebrierte die Missa in Cœna Domini in einer Behinderteneinrichtung bei Rom. Dort wusch er er Behinderten die Füße. Wiederum unter Ausschluß des gläubigen Volkes, aber nicht der Öffentlichkeit. Die Medien berichteten eifrig über den päpstlichen Ausflug, während die Bischofskirche von Rom, die Lateranbasilika im zweiten Jahr hintereinander verwaist blieb. Damit verfestigte Franziskus eine Achsenverschiebung in der Wahrnehmung weg von der heiligen Eucharistie hin zur Fußwaschung, die zudem einer Umdeutung unterworfen wurde. Damit stellt sich auch die Frage nach dem eucharistischen Verständnis.

Päpstlicher Aktionismus

Letztes Abendmahl
Letztes Abendmahl

Die vatikanischen Medien paßten sich bereitwillig dem päpstlichen Aktionismus an und berichteten 2014 schon im Vorfeld, der Papst werde Behinderten „unterschiedlichen Glaubens, Volkszugehörigkeit und Alters“ die Füße waschen.

Die Lücke im heute vom Osservatore Romano veröffentlichten Kalender der päpstlichen Zelebrationen legt nahe, daß Papst Franziskus für die Messe vom Letzten Abendmahl auf der Suche nach einem exklusiven, aber medienträchtigen Kontext für die demütige Fußwaschung ist. Unter den Vatikanisten gibt bereits einige hochquotierte Vorstellungen. Wegen der vatikanischen Geheimhaltung auch ziemlich irritierende.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: AciPrensa/Osservatore Romano/Pagina Catolica

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zeitschnur
Meines Wissens wurde früher immer Priestern durch den Papst die Füße gewaschen – und das ist auch alleine so logisch, das Jesus eben den Aposteln die Füße wusch. Es geht hier nicht einmal um mann oder Frau, sondern um Priester oder Laie – das ist in diesem Zusammenhang der entscheidende Punkt. Nun hat aber bereits Benedikt XVI. im Jahr 2006 dies aufgelöst, indem er erstmalig Laien-Männern die Füße wusch. das war damals so spektakulär, dass sogar der „Spiegel“ darüber einen Artikel schrieb: http://www.spiegel.de/fotostrecke/papst-kreuzweg-karfreitag-mit-benedikt-xvi-fotostrecke-13360.html Man muss folglich die Aktionen des F. hier fair einordnen: er setzt fort, was Benedikt hier angezettelt… weiter lesen »
marienkind

In dem von Ihnen verlinkten Spíegel-Bericht heißt es wörtlich: „Papst Benedikt XVI. wäscht am Gründonnerstag die Füße von zwölf k a t h o l i s c h e n Laien“.

Da ist ja wohl noch ein kleiner Unterschied zwischen “ katholischen“ und „kirchenfernen“ Laien. In diesem Fall handelte es sich nämlich um eine Muslima.

Und außerdem ich zu beachten, wie wunderbar auf einmal Bischof Franz von Rom zum Füsseküssen knien kann.

zeitschnur
Haben Sie nicht weitergelesen? Ich zitiere für Sie auch noch den Rest: „Anders als seine Vorgänger wusch der Papst in der Lateran-Basilika in Rom nicht zwölf Priestern die Füße, sondern wählte der Kirche nah stehende Laien für das Zeremoniell aus.“ Es hat im übrigen niemand behauptet, dass es deshalb oaky sei, Nichtkatholiken die Füße zu waschen. Bitte bleiben wir doch in der logischen Gedankenreihe: Wenn es bei dem Zeremoniell traditionell darum ging, 12 Priestern (als Apostenachfolgern) die Füße zu waschen, dann war es schon ein Traditionsbruch, nun plötzlich Laien dafür einzusetzen. Fängt man so erst einmal an, stürzt ein tabu… weiter lesen »
dhmg
Auch ein logischer Gedanke scheint es zu sein, dass die Jünger Jesu bevor ihnen die Füße gewaschen wurden, noch KEINE von ihm eingesetzten Priester waren. Man kann hier hinter dem Komma suchen, wie man will, meiner Meinung nach wäre Papst Benedikt nicht so weit gegangen wie Papst F. Es ist in gewöhnlichen Pfarren nicht unüblich, dass wenn es denn eine Fußwaschung am Gründonnerstag gibt, diese an Katholiken, normalerweise Pfarrangehörigen gemacht wird. Dort kann man aus organisatorischen Gründen nicht 12 Priestern die Füße waschen, das ist klar. Aber für den Papst sollte es ja organisatorisch möglich sein 12 Katholiken aufzutreiben die… weiter lesen »
zeitschnur

@ dhmg

Jesus hatte die Zwölf schon lange zuvor berufen und mit dem letzten Abendmahl ja eingesetzt!
Die Laien, die Benedikt einlud, waren z.T. Familienväter, fürs Priesteramt also nach menschlichem Ermessen eindeutig verloren und zur Ehe berufen….

Ob Benedikt selbst so weit gegangen wäre, ist unerheblich – mit einer solchen Geste legt man Hemmschwellen tiefer…

dhmg
Selbstverständlich weiß ich das, aber Priester waren sie erst durch die Fußwaschung. Es scheint mir sowieso egal, wie man es dreht und wendet, Papst F. ist meines Erachtens hier wie sonst auch einen Schritt zu weit gegangen. Er wird sich auch heuer beim Kreuzweg nicht verneigen oder sich wie beim Fronleichnamsumzug vertreten lassen unter fadenscheinigen Ausreden. Das macht gemeinsam mit dem Medienspekakel am Gründonnerstag ein sehr, sehr schlechtes Bild. Hemmschwellen tiefer legen – das denke ich nicht. Nur weil Benedikt Laien-Katholiken anstatt Priestern die Füße gewaschen hat, legt er nicht die Hemmschwelle tiefer. Wie gesagt, in normalen Pfarren werden ebenfalls… weiter lesen »
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