Feuerwechsel zwischen Hisbollah und Israel: neue Spannungen – bekannte Allianzen

Isaelisches Militär an der Grenze auf der Golanhöhe
Isaelisches Militär an der Grenze auf den Golanhöhen

(Jerusalem/Beirut/Damaskus) Eine Hisbollah-Rakete traf ein israelisches Militärfahrzeug. Mit Granatwerfern beschoß die israelische Armee grenznahe Orte im Libanon. Die Spannung wächst nach israelischen Angriffen, in denen sechs Hisbollah-Vertreter und ein iranischer General getötet wurden. In der Nacht auf heute griffen israelische Kampfflugzeuge syrische Militärstellungen in Quneitra nahe dem internationalen Flughafen von Damaskus an.

Die Ereignisse der vergangenen zwei Wochen bestätigen die Frontstellungen im Nahen Osten. Israel unterstützt weiterhin den Sturz der Regierung Assad in Syrien. In der antischiitischen Frontstellung Israels gilt ein „Schulterschluß“ mit sunnitischen Kräften. Daher der Angriff auf einen iranischen General und die schiitische Hisbollah, die im Syrien-Konflikt auf der Seite Assads, aber auch der Christen gegen den Islamischen Staat (IS) kämpft, während der Islamische Staat (IS) keine Anstalten macht, Israel angreifen zu wollen, obwohl der islamistische Kampfverband seit August 2014 am Golan Teile der syrisch-israelischen Grenze kontrolliert.

Die israelische Armee bombardierte gestern ein Gebiet im Südlibanon. Es handelte sich um eine Antwort auf eine Hisbollah-Rakete, die ein israelisches Militärfahrzeug getroffen hatte.

Anonyme israelische Militärquellen bestätigten, daß durch den Hisbollah-Beschuß mindestens sechs israelische Soldaten verletzt wurden. Laut libanesischen Medienberichten feuerte Israel mit Granatwerfern zurück. 25 Einschläge wurden in den Orten Majidiyeh, Abbasiyeh und Kfar Chouba nahe der libanesisch-syrischen Grenze gezählt. Die Orte liegen nördlich der Schebaa-Farmen.

Während sich die Hisbollah zum Raketenbeschuß bekannte, setzte Israel den Granatenangriff am Nachmittag fort. Dabei sei, laut Medienberichten, in Abbassiye auch ein spanischer Soldat der UNO-Friedenstruppe verletzt worden.

Iranischer General durch israelischen Luftangriff getötet

Geisterstadt Quneitra. Im Hintergrund israelische Stellungen
Geisterstadt Quneitra. Im Hintergrund israelische Stellungen

Die Eskalation der Spannungen geht auf einen gezielten israelischen Luftangriff vom vergangenen 18. Januar zurück. Kampfflugzeuge griffen einen Hisbollah-Konvoi bei Quneitra im syrischen Teil des Golan an. Dabei wurden sechs Hisbollah-Vertreter und ein iranischer General getötet. Ihm scheint der israelische Angriff gegolten zu haben. Über den Konvoi und dessen Route war der israelische Militärgeheimdienst genau unterrichtet.

Hisbollah erklärte in ihrer Bekennererklärung neun israelische Militärfahrzeuge zerstört und “eine große Zahl” israelischer Soldaten getötet zu haben. Die Angaben wurden von der israelischen Armee nicht bestätigt. Anonyme Quellen sprechen aber von mehreren Verletzten.

Einige Stunden vor dem Hisbollah-Beschuß hatte Israels Luftwaffe, laut Angaben syrischer Rebellen, einen Angriff auf zwei Militärstützpunkte der syrischen Armee in der Gegend von Queneitra und nahe dem internationalen Flughafen von Damaskus geflogen.

Quneitra liegt im von UN-Truppen kontrollierten syrischen Grenzstreifen zum israelisch annektierten Teil des Golan. Ursprünglich ein tscherkessisch besiedelter Ort, mußten die mehr als 30.000 Bewohner die Stadt 1974 aufgeben. Israel machte ihre Umsiedlung zur Bedingung für die Rückgabe des Gebietes, das seither von der UNDOF (United Nations Disengagement Observer Force) kontrolliert wird. Die UNDOF wird derzeit vom indischen Generalmajor Iqbal Singh Singha, einem Sikh befehligt.

In der Geisterstadt Quneitra lebt heute eine Handvoll christlicher Familien.

Text: Andreas Becker
Bild: Asianews/Wikicommons (Christian Koehn)

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2 Comments

  1. Ich werde keine israelische Aktion beurteilen. Ich bin ja nicht b löd.

    Meine Standardeinstellung:

    Die Israelis betrachten die Bibel als Grundbuch.

    Die Araber würden, wenn sie könnten, die Juden ins Mittelmeer treiben.
    Die ganze Welt würde dabei höchst indigniert zuschauen!

    Das ist die Wirklichkeit. Die Bischöfe sind leider so eingeschränkt in ihrer Vernunft, daß sie das einzige Hilfsmittel vergessen, das der ganzen Region helfen könnte: Der Rosenkranz.

  2. „…während der Islamische Staat (IS) keine Anstalten macht, Israel angreifen zu wollen, obwohl der islamistische Kampfverband seit August 2014 am Golan Teile der syrisch-israelischen Grenze kontrolliert…“

    Da wird wieder suggeriert, der Mossad stecke hinter dem IS…oder Israel stehe in irgendeiner Verbindung mit dem IS.

    Finde ich nicht in Ordnung, so zu schreiben. Ist unsachlich und streut boshafte Gerüchte. Das ist einem Katholiken nicht erlaubt.
    Was immer da unten abgeht: Der IS denkt vielleicht auch strategisch und wird Israel erst mal, um im islamisch-restchristlichen Raum „abräumen“ zu können, nicht gegen sich aufbringen. das jedenfalls würde ich tun, wenn ich der IS wäre.
    Auf diese Möglichkeit sollte man eigentlich mühelos auch kommen können.

    Aber: Wir wissen das nicht und können es folglich auch nicht behaupten oder suggerieren.

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