Gibt es in den Niederlanden mehr Atheisten als Gläubige?

Konfessionsverteilung 1849 in den Niederlanden grün katholisch

(Den Haag) Verbände der Atheisten und Agnostiker verbreiteten jüngst mit unverhohlener Genugtuung die Nachricht, daß es in den Niederlanden mehr Atheisten als Gläubige gibt. Die Niederlande gelten zusammen mit Belgien als „Vorzeigeland“ des Laizismus. Laut einer Erhebung des Ipsos-Instituts von Paris würden die Atheisten erstmals die Gläubigen zahlenmäßig überrunden, und das gleich deutlich.

Laut Umfrage hätten sich 25 Prozent der Befragten als Atheisten bekannt, aber nur 17 Prozent als gläubig. die große Mehrheit der 58 Prozent zwischen den beiden Polen habe sich als agnostisch oder gleichgültig zu erkennen gegeben. Dieser große Block, so Ipsos, sehe sich durch die Gottesfrage nicht berührt, sei somit säkularisiert. Mit anderen Worten: Die große Mehrheit folge in ihren Entscheidungen relativistischen Gesichtspunkten. Gott spiele dabei keine Rolle. Gefragt wurde nicht nach der Religionszugehörigkeit, sondern nach dem persönlichen Bekenntnis.

Erhebungen dieser Art gab es in den vergangenen Jahren mehrere und nach unterschiedlichen Kriterien und mit abweichenden Fragestellungen. Entsprechend gegenläufig sind zum Teil die Ergebnisse. Gemeinsam ist allen, daß die Zahl der Ungläubigen in den Niederlanden größer wird (siehe zur religiösen Situation in den Niederlanden den Beitrag Sie nennen sie die „toten Kirchen“ – Christentum in den Niederlanden). So weißt auch die Ipsos-Erhebung bei näherer Betrachtung einige Anomalien auf. Laut Ipsos haben 53 Prozent der Befragten angegeben, an ein Leben nach dem Tod zu glauben. Eine Aussage, die aus dem Mund von Atheisten und Agnostikern ziemlich bizarr klingt. Ein zweiter Aspekt ist interessant: Unter den Gläubigen ist die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen höher als unter den alten Menschen. Ein Anzeichen für einen lebendigen Glauben, der schwerlich das Produkt bloßer Gewohnheit sein kann, da diese in den Generationen, die sie weitergeben könnten, nicht mehr vorhanden ist.

Die Fachleute sprechen von einer Jugend auf der Suche nach Halt und Führung für ihr Leben. Eine Aussage, die der Behauptung einer religiösen Abenddämmerung widerspricht. Offenbar stehen jüngere Generationen schon bereit. Die Frage ist, in welche Bahnen deren religiöse Suche gelangen wird. Der Jahresbericht des International Bulletin of Missionary Research von 2011 zeigte, daß der katholische Glaube zahlenmäßig weltweit die weitaus größte Glaubensgemeinschaft bildet und der Atheismus weltweit gesehen rückläufig ist. Als Orientierungspunkt sei er für viele Menschen unattraktiv, da zu ätzend. Bezogen auf die Niederlande kommt hinzu, daß durch die Masseneinwanderung der hohe Moslemanteil unter jungen Menschen, Tendenz steigend, unterschiedliche Ergebnisse gegenüber den niederländischen Senioren auftreten. Ein Hinweis auf radikale Umwälzungen, die mit dem Gegensatzpaar atheistisch-gläubig in keinem Zusammenhang stehen.

Tendenziell verläuft die Entwicklung in den Niederlanden gegen den weltweiten Trend, wie alle Erhebungen zeigen. Jahrzehnte eines ideologischen, systematischen, methodischen und militanten Laizismus bleiben nicht spurlos und lassen sich nicht von heute auf morgen beheben. Die Tendenz zur ungehemmten Individualisierung vermittle es dem Mensch zur uneingeschränkten Selbstentfaltung den Eindruck, daß Bindungslosigkeit das höchste Ideal sei. Klein- und Kleinstfamilien, oft mit zerbrochenem Elternhaus und dem Status eines Einzelkindes berauben automatisch jener Grundlage, die formenden und stützenden Halt gibt. Der bindungslose Mensch gaukelt sich einen „Familienersatz“ mit Hilfe der sozialen Netzwerken vor. Die Internet-Bindungen sind jedoch im Zweifelsfall nur ein Klick wert, mit dem der Kontakt ebenso schnell auf Nimmerwiedersehen gelöscht wird, wie er zuvor nur mit einem Mausklick entstanden ist.

Gründe und Ursachen für die niederländische Entwicklung wurden nicht erhoben. Im katholischen Bereich in den südlichen Niederlanden kommt man diesbezüglich nicht umhin, den innerkirchlichen Sonderweg zu beachten, der seit den 60er Jahren zu einer beschleunigten, ja radikalen Angleichung an die calvinistisch-relativistische Mehrheitsposition (im Gegensatz zu einer streng calvinistischen Minderheitsposition) führte. 1958 hatte der Katholikenanteil 42 Prozent der Staatsbevölkerung erreicht, obwohl die Niederlande im ausdrücklichen Gegensatz zu den Katholiken in der frühen Neuzeit als Staat der Calvinisten entstanden und 1648 endgültig souverän geworden waren.

Die Tendenzen in den Niederlanden sind aufgezeigt, womit sich noch die Frage stellt, ob Europa dem niederländischen Weg folgen wird in eine weitgehend entchristlichte Zukunft? Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana

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8 Comments

  1. Die offenbar mehrheitlich neuheidnisch gewordenenen Niederlanden spielen in Europa die Vorreiterin für immer neuen Versionen von Seelenverschmutzung; ob Verfeinerung ded Massenmordes an ungeborenen beseelten Kindern, Unzucht in allen Varianten, Beihilfe zum Selbstmord durch „mobile Sterbehelfer“, Euthanasie…..Holland ist immer mit an erster Stelle. Der neuerliche „ganz humane“ Irrsinn durch „Scheidungs-Realityshows“ im Fernsehen ist denn auch kaum mehr erstaunlich.

    Bereits folgt der nächste -“human logische“ Streich; die Polygamie.
    Aus einem Artikel von „katholisches.info“:
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    „Die Niederlande und Belgien sind die ersten europäischen Staaten, die durch völlige rechtlich Gleichstellung die „Homo-Ehe“ einführten und damit den Weg öffneten für Rechtsformen, die sich von der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau unterscheiden. Die Polygamie ist eine „logische“ Folge davon, der weitere folgen werden. Zumindest wenn es nach einer relativistisch geprägten Gesellschaft, wie jener der Niederlande geht, in der weniger als die Hälfte der Bevölkerung einer Religionsgemeinschaft angehört und sich nur 40 Prozent als Christen bekennen“
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    http://www.katholisches.info/2013/05/22/nach-der-homo-ehe-folgt-die-polygamie-in-den-niederlanden/

    Schon Papst Pius XI. hat in seiner Enzyklika „Divini Redemptoris“ bezüglich m Kampf gegen das Göttliche Nachfolgendes geschrieben; v.a. gerichtet an den damals noch wütendenden weltweiten Kommunismus, heute aber sehr wohl auch zutreffend auf einen eiskalt zynischen, ja wie die Abtreibung zeigt auch mörderischen „Humanismus“ fern der Ewigen Wahrheit Jesus Christus:
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    „Wenn man….die Gottesidee selber aus dem Herzen der Menschen reisst, dann werden sie notwendig von ihren Leidenschaften zur grausamsten BARBAREI getrieben.
    Das ist es gerade, was wir heute leider erleben: Zum erstenmal in der Geschichte sind wir Zeugen eines kalt geplanten und genau vorbereiteten Kampfes gegen alles, was göttlich ist“
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    Schliesslich Hw Milch über das zur Bestialität mutierende Freigehege der menschlichen Selbstvergötterung:
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    „Überall, wo Christus nicht in seiner absoluten Maßstäblichkeit anerkannt wird, in seiner Letztwahrheit, wo Begriffe wie Humanität, Fortschritt, bessere Welt über die Wahrheitsfrage gesetzt bzw. unter Ausklammerung der Wahrheitsfrage proklamiert werden, wird der Lebensraum für den freien Einzelmenschen zerstört und an seine Stelle gesetzt das Freigehege, die freie Wildbahn und auf ihr DER MENSCH ALS FREIWILD, der sich einbildet, frei zu sein und nur gegängelt wird“
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    • So ist es.Und doch,es entstehen bzw.überstehen,alte und neue,katholische Inseln.Ich lebe an der Grenze,zu Niederländischem Limburg,hier sind unzählige,stets geschmückte Kapellchen und Wegkreuze,kleine Kirchen,voller Menschen,auch offen tagsüber,Heilige Messen,wohin die Leute von anderen Orten anreisen,,weil es“da ,,schöner“ist.Die Kirche,hier auf belgischer Seite,ist stets voll,allerdings,der Gottesdienst da,ist ,,mehr als modern“.Ich hoffe und glaube sehr,der Samen des Christentums,ist,hier ewig.Die verschiedenen Auswüchse der Kirchen,überleben nicht lange…zumindest,lokal,meine persönliche Hoffnung.

      • Also das glaube ich auch. Als Kind in den ausgehenden 40er Jahren habe ich via Radio oft von niederländischen Klöstern(Trappisten?) sonntags um 16.30 Uhr die Vesper singen gehört – andächtig, gläubig und voller Gottesliebe. Das hat mich damals so beeindruckt – ich höre es heute noch in meinem Innern. Nein, ich glaube niemals dass das in den luftleeren Raum, sozusagen ins Blaue hinein geschah – der inständige Gesang der Braut, welche die Wiederkunft des Bräutigams mit ihren Liedern ersehnt – das ist und bleibt nie vergebens. Ein Rest wird bleiben und überleben. Den betenden und lobsingenden Mönchen möchte ich noch heute ein grosses Vergelts Gott in die Ewigkeit nachrufen, denn sie haben meine hungrige Seele in jener dürftigen Zeit satt gemacht.

  2. Böse Zungen behaupten das liberale Bischöfe in ihrem Gegrunz unter Katholiken verheerenden Schaden anrichten als ein tausendjähriger Mongolensturm.
    Per Mariam ad Christum.

  3. Nichts Neues. das ist nichts Neues für uns. In den Niederlanden herrscht über allem die political Correctness, die von irgendwem ja auch gesteuert werden muss.

  4. @ Reinhold

    Ich habe einige Zeit in Gedanken damit verbracht, wie die gleichgeschaltete (!) Berichterstattung zustande kommt. Einen Goebbels scheint es nicht zu geben. Wenn wir aber dem Zeitgeist den Namen Goebbels geben, dann sitzt dieser in den Köpfen. Aller Unfug, der heute vertreten wird, stammt aus dieser Quelle und Goebbels ist nur das Pseudonym für den ganz Anderen.

    • Nun, der „andere“ hat seine pyramidale Gegen“kirche“ mit ihren Hilfsorganisationen und Mitläufern… Und fangen lassen sich die Menschen heute, wie eh und je, dadurch, dass sie lieber ihren Leidenschaften folgen und sündigen, als die Gebote Gottes halten.

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