Bischof ordnet in seiner Diözese Rückführung des Tabernakels in die Mitte des Altarraums an

Tabernakel, Aufbewahrungsort des Allerheiligsten
Tabernakel, Aufbewahrungsort des Allerheiligsten

(New York) Der Bischof von Springfield im US-Bundesstaat Illinois, Msgr. Thomas John Joseph Paprocki, erteilte Anweisung, in den Kirchen seiner Diözese den Tabernakel mit dem allerheiligsten Altarsakrament wieder in den Mittelpunkt des Presbyteriums zurückzuführen.

Bischof Paprocki, 2010 von Papst Benedikt XVI. ernannt, verfaßte den Hirtenbrief Ars celebrandi et adorandi an seine Diözese. Darin zeigt er die reiche Tradition und die Lehre der Kirche zur Zelebration und Anbetung der heiligen Eucharistie auf.

Der Bischof skizziert auch die historische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten und übt Kritik an der Verdrängung des Allerheiligsten aus dem Zentrum des Altarraumes und teils sogar seine gänzliche Entfernung aus dem Altarraum. Die Orte, in die das Allerheiligste verbannt wurde, seien manchmal nicht mehr als rudimentär adaptierte Abstellkammern. Diese Abschiebung des Altarsakraments in oft kaum auffindbare Seitenkapellen habe ein Ende zu finden.

Hirtenbrief Ars celebrandi et adorandi

Tabernakel: Allerheiligstes Altarsakrament als Mittelpunkt des Presbyteriums
Tabernakel als Mittelpunkt des Presbyteriums

„Ich beziehe mich auf Kirchen und Kapellen unserer Diözesen: in jenen, in denen der Tabernakel verlegt wurde, muß er wieder und so schnell wie möglich ins Zentrum des Presbyteriums zurückgeführt werden, wie es dem ursprünglichen architektonischen Projekt entsprach. Tabernakel, die sich nicht im Zentrum des Presbyteriums oder jedenfalls nicht in einem sichtbaren, bedeutungsvollen und würdigen Rahmen befinden, müssen in das Zentrum des Presbyteriums versetzt werden. Tabernakel, die sich nicht im Zentrum des Presbyteriums, aber dort an sichtbarer, wichtiger und würdiger Stelle befinden, können dort bleiben.“

Der erste Teil bezieht sich auf Kirchen, die vor der Liturgiereform gebaut wurden, die beiden anderen Teile auf danach errichtete Kirchen.

Bischof Paprocki ruft den Gläubigen in Erinnerung, daß die korrekte Ehrerbietung für den Herrn im Allerheiligsten Sakrament des Altares die Kniebeuge ist. Der Bischof ruft die Diözese auf, häufiger den eucharistischen Segen zu spenden, die eucharistische Anbetung und eucharistische Prozessionen durch die Straßen der Pfarreien zu fördern.

Der fruchtbare Boden Chicagos

Bischof Paprocki von Springfield Illinoise
Bischof Paprocki von Springfield Illinoise

Die Diözese Springfield ist ein Suffraganbistum der Erzdiözese Chicago. Bischof Paprocki stammt aus der Erzdiözese Chicago und wurde dort 1978 zum Priester geweiht. 2003 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof von Chicago unter Francis Kardinal George.

Papst Franziskus nahm am vergangenen 20. September den Rücktritt aus Altersgründen des 77jährigen Kardinals an. Die Ernennung von Blaise Cupich zu seinem Nachfolger gilt als eine der umstrittensten Personalentscheidungen des argentinischen Papstes. Msgr. Cupich gilt als liberaler Außenseiter im US-Episkopat.

Kardinal George übte jüngst heftige Kritik an Papst Franziskus. Sowohl Chicago als auch Springfield weisen überdurchschnittlich viele Priesterberufungen auf. Bischof Paprocki ist ein Förderer altritueller Institute in seiner Diözese.

Entfernung aller doppelnden „Volksaltäre“ durch Bischof Oliveri

Beispiel einer unnötigen Doppelung: neuer "Volksaltar" vor bereits vorhandenem Hochaltar
Beispiel einer unnötigen Doppelung: neuer „Volksaltar“ vor bereits vorhandenem Hochaltar

Die Maßnahme von Bischof Paprocki erinnert an eine Maßnahme von Bischof Mario Oliveri von Albenga-Imperia in Italien. Bischof Oliveri ließ alle „Volksaltäre“ aus den Kirchen seiner Diözese entfernen, in denen sie, wegen des Vorhandenseins eines älteren Hochaltars, eine unnötige und unverständliche Doppelung darstellten. Diese und andere Maßnahmen des Bischofs zur katholischen Erneuerung brachten ihm die ideologische Feindschaft einiger Kirchenkreise ein.

Gegen Bischof Oliveri wurde im vergangenen Oktober im Zusammenwirken von innerkirchlichen Kräften und kirchenfernen Kreisen eine Hetzkampagne gestartet mit der Absicht, seine Absetzung zu erwirken, die man sich von Papst Franziskus erhoffte (siehe den Bericht Päpstliche Säuberungen und ihre Claqueure – Richtung, nicht Vorwürfe entscheidend?). Noch ist Msgr. Oliveri amtierender Bischof der Diözese.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons/Diözese Springfied/Pfarrei Venegazzu

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37 Comments

  1. Es ist erfreulich, auch einmal solche Nachrichten zu vernehmen. Weniger gut ist es hierbei auch zu erfahren, dass Berdoglio in seiner unglücklichen Amtsführung wieder einen „Liberalen“ ernannt hat.

  2. Theologisch vollkommen richtig.
    Selten war ich so getroffen als wenn ich beim Betreten der von einem künstlerischen Jesuitenpater betreuten Kirche in Köln (es war in der Fastenzeit) feststellen müßte, daß alles mit grauen Tüchern verhängt war, zusätzlich muffig nach nassem Zement roch und ich das Ewige Licht in der Kirche nicht fand;
    nach langem Suchen fand ich es mit Gerümpel in einem dunklen Gitter-/Bretterverschlag.

    „Hier wurde das Tafelsilber der Kirche in Nachttöpfen entsorgt“(Klaus Berger)
    Beste Wünsche und Gottes Segen nach Springfield!
    Chicago wünsche ich mehr Glück in den Finanzen als Spokane.

  3. Gratulation an den mutigen Bischof Paprocki, den eucharistischen Heiland wieder ins Zentrum zu setzen. Die eucharistische Verehrung, die auf den Lehrstühlen katholischer Fakultäten kaum noch erwähnt, geschweige gefördert wird, den Gläubigen zu empfehlen, ist ein wahres Morgenlicht. Für Bischof Oliveri unser inständiges Gebet. Gott möge ihn schützend erhalten und auf die Fürbitte der Allerseligsten Jungfrau sein Bestreben, den ursprünglichen Hochaltären ihre Funktion zurückzugeben, durchsetzen mit der Zelebration versus Deum. Wortgottesdienst: Bussakt versus Deum, Epistel und Evangelium versus populum, Fürbitten versus Deum, Eucharistiefeier per totum versus Deum. Die Zelebration versus Deum wurde nie abgeschafft – nur von einigen Ideologen gleich zu Beginn der Reform heftig bekämpft, später aus Trägheit von fast allen übernommen. Wäre das nicht geschehen, wie viele platte Subjektivismen und fade Kommentare ringsum, die das Mysterium fascinosum tremendum vernebeln und die Gläubigen verdriessen, wären uns erspart geblieben. Leuchte, leuchte Jerusalem urbs fortitudinis nostrae Sion!

  4. Also jetzt muß ich tatsächlich mal eine Lanze für den „Osten“ brechen, obwohl wir gern als „Diaspora“ oder „Glaubenswüste“ bezeichnet werden.
    Diese ganzen Gräulichkeiten, wie sie hier oft geschildert werden, egal ob es sich um „kreative“ Gottesdienste oder Verschandelung von Kirchen geht, finden überwiegend „im Westen“ statt.
    Es gibt tatsächlich schon jede Menge Christen aus dem Westen, die hierher (z.B. in die Hofkirche Dresden) kommen, um einen „richtigen“ Gottesdienst zu erleben – das haben wir selbst in einem Gespräch vorige Ostern mit einem Ehepaar aus der Nähe von Düsseldorf mit Erstaunen vernommen!
    Selbst in unserer, leider evangelischen, schönen mittelalterlichen Heimatkirche gibt es (noch) einen wunderschönen Hochaltar, man höre und staune, ohne „Volkstisch“ !!
    Das hat jetzt nichts mit Hetze Ost gegen West zu tun und ich würde deshalb darum bitten, meinen Artikel dennoch freizugeben, denn vielleicht ist es ja ein Hoffnungsschimmer für die vielen Gläubigen hier im Forum, die an der zunehmenden Entchristlichung leiden.

    • Liebe @Stella,

      auch ich bin Dresdnerin. Sie haben in einem Punkt recht, und zwar, daß die Auswüchse in Mitteldeutschland – nicht im Osten! – nicht ganz so schlimm sind, wie in den alten Bundesländern. Aber einen „richtigen“ Gottesdienst, eine wahrhaft Heilige Messe, finden Sie auch bei uns, außer bei der FSSPX auf der Kesselsdorfer Str. nicht. Auch die Umgestaltung der Kirchen ist entsetzlich. Gehen Sie mal auf die Rehefelder Str.! Das ist ein richtiger Freimaurertempel geworden. Und das Allerheiligste habe ich dort auf Anhieb gar nicht gefunden. In einigen Kirchen ist der Hochaltar vollständig entfernt worden. Wie wollen Sie da noch einen „richtigen Gottesdienst“ feiern. Und den überflüssigen Glasklotz vor dem wunderschönen Hochaltar in der Hofkirche will ich gar nicht erwähnen.
      Wenn bei uns (FSSPX), wegen Priestermangels, nur einmal im Monat eine Heilige Messe gelesen werden kann, so wissen wir leider nicht, wohin wir gehen sollen. So sieht es mit dem „richtigen Gottesdienst “ in der Diaspora aus. Im Westen haben sie dann immer noch die Möglichkeit, eine Heilige Messe bei der Petrusbruderschaft zu besuchen. Bei uns ist weit und breit nichts, und das ist, ganz besonders für die Kinder schrecklich.

  5. Meine Hochachtung für so eine Entscheidung, den Herrn wieder in den Mittelpunkt in unseren Kirchen zu stellen. Nicht zuletzt, wird auch Jesus im Allerheiligsten Sakrament durch unsere Anbetung verehrt und geliebt. Dazu brauchen wir seine Gegenwart, die uns Segen und Heil verheißt, in, und durch die Anbetung. DANKE!

  6. Als das Erscheinungsbild der katholischen Kirche noch nicht in Trümmern zerstört war, da zeichnete sich diese Kirche unter anderem durch Schönheit und Logik in ihrer Liturgie und in ihrem Glauben aus.
    Die Zeiten sind dahin.
    Zur Messe Paul VI. gehört logisch der Volksaltar in das Zentrum. Weil diese Messe auf dem Grundprinzip des „Pascha-Mysterium“ aufgebaut ist und der Opfercharakter an den Rand gedrängt wurde.
    Das Pascha-Mysterium vollzieht sich in einem Gedächtnismahl. Vorbild ist das jüdische Pascha. In dem der Heilstaten Gottes (Auszug aus Ägypten)nicht nur erinnernd gedacht wurde, sondern sie wurden gegenwärtig gesetzt und auf die Zukunft hin ausgerichtet, auf den kommenden Messias.

    In der Messe Paul VI. wird selbstverständlich in dem Gedächtnismahl nicht mehr der Auszug aus Ägypten als die entscheidende Heilstatsache angesehen, sondern das Heilswirken Jesu Christi, das kulminiert in seinem Leiden, seinem Sterben und in seiner Auferstehung. Der Priester erzählt es erinnernd, das Kreuz ist ein Teil dieses Berichtes. Der irgendwie diese Heilstatsachen gegenwärtig setzt. Und ein erinnerndes Gedächtnismahl braucht einen „Mahltisch.“ Und der Vorsitzende kann seinen Gästen, den Mitfeiernden, „dem heiligen Volk“, nicht den Rücken kehren. Da der „Vorsitzende des heiligen Volkes“ jedoch dem Tabernakel nicht den Rücken zukehren darf, muss der Tabernakel beiseite geschafft werden.

    In einem Kommentar kann dieses „Pascha-Mysterium“ nur bruchstückhaft wiedergegeben werden. Aber es ist nun mal das Grundprinzip der Eucharistiefeier.

    Der überlieferte römische Ritus ist kein Gedächtnis- sondern ein Opfermahl. Im Mittelpunkt steht die unblutige sakramentale Vergegenwärtigung des Opfertodes Jesu Christi am Kreuz. Als Zentrum unserer Erlösung. So wichtig der häufige Empfang der Opferspeise auch ist, die katholische Kirche schreibt ihn zwingend nur in der österlichen Zeit vor, während die Teilnahme an der hl. Messe jeden Sonn- und Feiertag als Kirchengebot vorgeschrieben ist. Weil uns in jeder hl. Messe die Erlöserverdienste Jesu Christi am Kreuz zugewendet werden.

    Doch die Lehren des Konzils von Trient waren schon vor dem 2. Vatikanischen Konzil verblasst.

    Wie ist es zu erklären, dass z.B. die Piusbruderschaft in Deutschland die Verehrung des Allerheiligsten Altarssakramentes als eigene Andachtsform kaum noch kennt? Die FSSPX-Priester spiegeln die „Tradition“ ihrer Familien und Priester der vorkonziliaren Kirche wider, auch wenn es nur ein kleiner Traditionsstrang war, der die Marienverehrung unseligerweise mit der Verehrung des Allerheiligsten Altarssakramentes verband. Erlaubt war es in der katholischen Kirche nie, kein diözesanes Gesang- und Gebetbuch kennt diese häretische Vermischung von Marienverehrung und der Verehrung des Allerheiligsten Sakramentes des Altares.

    Zum Glück scheint die Petrusbruderschaft dagegen immun zu sein.

    Und in der Konzilskirche, so zerrüttet sie auch ist, ist diese unselige Vermischung auch unbekannt.

  7. Genauso gehört es auch, da gebe ich dem genannten Bischof vollkommen Recht. Jesus im Tabernakel muss im Zentrum der Messfeier stehen und es sollte den Gläubigen allerorts erklärt werden, warum das so sein muss. Durch ihn schenkt Gott uns „alle guten Gaben“,(das Wort ALLE sei dabei betont) wie es im eucharistischen Hochgebet heißt; Christus ist Begründer der katholischen Kirche, er ist in jedem Tabernakel der Welt gegenwärtig und sein Kreuzesopfer wird in jeder Heiligen Messe erneuert.
    Ihn aus der Mitte des Altarraumes zu entfernen ist daher das Absurdeste das einem einfallen könnte. Gläubigen die sich daran stoßen, dass ein Priester sein Gesicht zum Tabernakel und nicht zum Volk wendet während der Heiligen Messe, sollte dringend der Grund dafür erklärt werden. Die Priester wissen es aufgrund ihrer jahrelangen Ausbildung, sie bräuchten es nur zu predigen.

  8. In München befindet sich der Tabernakel in den vielen alten Kirchen fast überall noch auf dem Hochaltar. Mit welchem Erfolg? Die Pfarrer sitzen mit dem Rücken zum Allerheiligsten auf dem Priestersitz, jeder Ministrant der vorbeigeht verneigt sich zum Volksaltar (wenn überhaupt), der Eucharistische Herr wird die ganze Zeit demonstrativ ignoriert…Wie will man da noch jemandem etwas von Realpräsenz erzählen?
    Und wehe dem Priester, der versucht die Sitzordnung zu ändern!

    • @Presbyter:

      Was Sie beschreiben, beschäftigt auch mich – ein furchtbares Dilemma. Und so bin ich mir tatsächlich nicht sicher, was angesichts des Debakels, das „Volksaltar“, geänderte Zelebrationsrichtung samt Anordnung des „Priestersitzes“ äußerlich in die Liturgie gebracht hat, die würdige(re) Positionierung des Tabernakels ist.

      Man beachte auch den aktuellen Beitrag, worin die neuen RiL der Liturgiekommission der philippinischen Bischofskonferenz vorgestellt werden – so ziemlich das Gegenteil dessen, was nun im Bistum Springfield IL gelten soll. Chaos allenthalben,

      Wünsche Ihnen viel Kraft in Ihrem Dienst.

    • @Presbyter
      vor ein paar Tagen kam auf BR eine Sendung „Kirche im Aufbruch – die Zeit nach dem 2. Vat. Konzil“ – mit ganz viel Blabla und Glorifizierung des Ereignisses …

      Ein einziger Satz bleibt mir in Erinnerung (habe mitgeschrieben):
      Zitat Prälat Georg Beis, Synodenteilnehmer 1970-73: Der sogenannte Volksaltar mußte vor den Hochaltar gestellt werden. Damit war ich mit dem Rücken zum Hochaltar, zum Tabernakel. Und der Mesner hat gesagt: „das ist unerhört, man darf nie dem Tabernakel den Rücken zukehren. Da mach ich nicht mit“ Und er hat den Dienst quittiert!! – Zitat Ende.

      Dieser Mesner hat ein Glaubenszeugnis abgelegt. Mit der Konsequenz und dem Mut der frühen Christen. Lieber auf den Job, die materielle Abgesicherheit verzichten als den Herrn beleidigen. Welche Größe hat dieser „kleine Mann“ bewiesen.
      Der Herr hat es ihm sicher gelohnt. „Wer sich zu mir bekennt, zu dem werde auch ich micht bekennen“.

      Hätte es damals nur mehr solcher Mesner gegeben, und heute. Sollte uns allen Ansporn sein.

      • Aber sprechen wir damit nicht allen, die noch in der Kirche sind – Laien wie Priester – den Glauben ab? Sollen dann alle zur Piusbruderschaft gehen und die Gläubigen in den Gemeinden ganz im Stich lassen?

      • Presbyter,

        es ist in der Tat schwer hier die Grenze zu ziehen. Und grundsätzlich ist wohl beides richtig: Mitmachen und Rausgehen, wenn man es denn in der rechten Gesinnung Gott gegenüber tut.

      • Presbyter: Es geht wohl nicht darum, jemandem „den Glauben abzusprechen“.

        Die Frage ist doch eher: Was ist denn das für ein Glaube (oder ein Gott), dem man den Rücken zuwendet oder in die Ecke stellt, um dafür sich selber in den Mittelpunkt zu stellen?

      • Ich muß mich revidieren.
        Mir ist noch ein anderer Fall bekannt. Der Bruder meiner Mutter war ebenfalls Mesner. Er litt sehr unter den Neuerungen der Liturgiereform. Ich erinnere mich, obwohl ich damals noch klein war, daß er sagte, diese Neuerungen sind des Teufels. Aber er mußte weitermachen, hatte Frau und drei kleine Kinder. Allerdings ist er wenige Jahre später gestorben (Herztod). Es hatte ihm buchstäblich das Herz gebrochen.
        Insofern kann man eigentlich keine Aussage machen, was richtig ist im Einzelfall. Bei dem Mesner, der den Dienst quittierte, kann man auch nur dann sagen, daß er recht getan hat, wenn er diese Haltung der Treue bis zuletzt durchgezogen hat – was ich annehmen möchte, aber doch nicht weiß. Insofern kann man ihn nicht automatisch mit den ersten Christen gleichsetzen.

        Ich kenne auch Ministranten von damals, die sagten, diese Neuerungen mache ich nicht mit – nachher waren sie komplett weg aus der Kirche. Es ist also ein schwieriges Thema und ich möchte mir da lieber kein Urteil anmaßen.

      • Ergänzend Folgendes: Auch wenn man durch theologische Spitzfindigkeiten die Bruch-Theorie des Konzils meint in Abrede stellen zu können, im Leben unzähliger Menschen ist es eindeutig zu einem Bruch gekommen.

        Die zwei Mesner, die Ministranten und zahllose Priester, die von der Liturgiereform überrannt und geknechtet wurden, sind Zeugen dafür.
        In den Lebensläufen hat es diese Brüche gegeben, wer will das bestreiten? Ich denke, in jeder Familie gibt es Beispiele dafür, daß Menschen aufgrund der Verflachung durch den Novus Ordo vom Glauben weggekommen sind, weg von der Kirche und der ursprünglichen Lehre und auf Irrwege geraten sind.
        Unschuldige Opfer von Ideologen. Opfer der Liturgiereform mit der neuen Messe und ihrem Volksaltar.

  9. Es gehörte immer zur Grundüberzeugung des Katholiken, dass das lebendige Zentrum jeder katholischen Kirche der Tabernakel ist, in dem Gott in der eucharistischen Gestalt ganz unmittelbar gegenwärtig und den Menschen nahe ist. Dieser Tabernakel machte die Kirche in Wahrheit zu einem geweihten, sakralen Ort der Gottesbegegnung, zu einem Ort wo sich Himmel und Erde berührten. Jeder Gläubige, der eine katholische Kirche betrat, heftete sofort seine Augen an die vom Ewigen Licht bezeichnete Stelle über dem Hochaltar, bekreuzigte sich voll Ehrfurcht im Angesicht Gottes mit Weihwasser, beugte voll Verehrung sein Knie und ging in stiller Andacht, ohne etwa die Blicke schweifen zu lassen oder gar die Anwesenden links und rechts zu grüßen, zu seiner Bank, wo er sofort auf Knien gesammelt in andächtigem Gebet, seiner Zwiesprache mit dem im Tabernakel gegenwärtigen Herrn, versank. Nichts spiegelt so sehr das Antikatholische, ja Blasphemische der Konzilsreformen wieder, wie dieses brutale Herausreißen der göttlichen Gegenwart aus dem Zentrum der Kirche, das dem Herausreißen Gottes aus den Herzen der Gläubigen gleichkommt. Eine solche Reform konnte nur den Fluch Gottes nach sich ziehen. Denn man trennte sich ab vom wahren Weinstock, um an Gottes Stelle die „Gemeinschaft des um den Altar versammelten Volkes“, sprich: um sich selbst anzubeten.

    • Sorry, aber das ist eine furchtbar kitschige Verklärung der angeblichen „guten alten katholischen Zeit“, à la Rosamunde Pilcher, die es so nie gegeben hat. Schon gar nicht mehr in den Jahrzehnten vor dem „Konzil“. Mit der von Ihnen rührselig beschrieben innersten „Andacht“, die angeblich „jeden“ Gläubigen beim Betreten einer Kirche derart übermannt hat, dass er nicht mal mehr andere Menschen zur Kenntnis nahm, war es bei vielen gar nicht weit her. Mein Großonkel war Priester in jener Zeit vor dem Konzl und er hat uns früher ganz anderes erzählt…

      • @ottaviani
        Das, was @hicesthodie schreibt, kann ich voll bestätigen. Priester und Laien wie Ihren Großonkel gab und gibt es immer, heute sind sie vielleicht in der Mehrzahl, damals waren sie es nicht.
        Wie @hicesthodie habe auch ich erlebt, daß 90% der Gläubigen bis in die Zeit des Konzils hinein und noch Jahre darüberhinaus eine ehrfruchtsvolle Haltung einnahmen, wenn sie eine kath. Kirche betraten. Man hat sich hingekniet und gebetet bis die Messe anfing. Gesessen hat man nur zur Predigt. Was ist daran kitschig?

      • Wenn Sie Ehrfurcht vor dem Herrn als „Kitsch à la Rosamunde Pilcher“ empfinden, dann sprechen Sie sich wohl selbst Ihr Urteil. Ich weiß nicht, wo Ihr Großonkel Priester war und was er Ihnen für Räuberpistolen erzählt hat, um den Neffen zu beeindrucken und von der Notwendigkeit der sogenannten Konzilsreformen zu überzeugen (wir kennen das ja zur genüge). Meine Situationsbeschreibung war jedoch vor und auch noch nach dem Konzil (es brauchte ja seine Zeit, bis das Gift seine Wirkung entfaltete) aller Orten so anzutreffen und niemand fühlte sich dabei verkitscht, sondern vielmehr erhoben und gestärkt. Diese Atmosphäre können Sie noch heute in den Gotteshäusern erleben, in denen der überlieferte Ritus gefeiert wird. Gehen Sie nur mal hin und überzeugen Sie sich! Aber ich fürchte, Sie haben Angst davor, Ihre Meinung revidieren und womöglich sich vor unangenehme Gewissensfragen gestellt zu sehen und lassen es daher lieber bleiben, um Ihre innere Ruhe und Selbstgewissheit nicht zu verlieren.

      • @Ottaviani
        hier muß ich Einspruch erheben. Gerade diese Verhaltensweise, die hicesthodie beschreibt, hat mich 1957 als Protestantin so sehr berührt, daß es mein erster Schritt zum späteren Konvertieren war.

        Im übrigen, wenn auch im Novus Ordo der Priester dem Allerheiligsten den Rücken zuwendet, was wirklich wehtut, so besteht wenigstens die Möglichkeit, in einer solchen Kirche die überlieferte Messe zu lesen, was in einigen um- oder neugebauten Kirchen gar nicht mehr ohne weiteres möglich ist. Aber das ist ja so gewollt.

      • @hicesthodie: Kitschig ist nicht dieEhrfurcht vor Gott, sondern die süßliche Art, wie Sie die Zeiten damals verklären. Man hört förmlich Roy Black singen, wenn man Ihre Zeilen liest.
        Wenn Sie das so erlebt haben, ist es ja schön, das bestreite ich nicht. Aber nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass es schon lange vor dem Konzil darum eben nicht mehr überall gut bestellt war. Wie viele Katholiken haben während der Messe Kreuzworträtsel gelöst oder Heftchen gelesen, bis sie durch die Wandlungsglocke aufgeschreckt wurden…

        Wie ich selber denke, geht Sie übrigens nichts an. Ersparen Sie sich Ihre Psychologisierereien.

      • @ottaviani

        wenn ich mir mehrere Ihrer Beiträge ansehe, so komme ich zu dem berechtigten Schluß, daß Sie ein überzeugter Nachkonziliarer sind und lediglich Freude daran haben zu provozieren, was Sie hier, hoffentlich künftig ohne Erfolg tun. Mehr ist nicht dahinter.

      • Die römisch-katholischen Gottesdienste, tridentinisch und „Bet-Sing-Messen“, aus meiner Kindheit (im Stadtteil einer Kreisstadt des Bistums Speyer) habe ich als andächtig, weihevoll und würdig in Erinnerung, auch die Messen bei meinem Religionslehrer, die er in einem von Ordensschwestern geleiteten Altersheim zelebrierte. Ich muss sagen, dass diese Kindheits- und Jugenderinnerungen haben einen sehr tiefen, bleibenden Eindruck in meiner Seele hinterlassen und mein Bild von der katholischen Kirche wesentlich mitgeprägt.

      • @ Ottaviani

        O – da haben Sie in ein Wespennest gestochen.
        Die Leute, die hier wieder mal völlig an Ihrem Posting vorbeihetzen, haben nicht verstanden, dass Sie das rein äußerliche Getue in alten Zeiten kritisieren und nicht die Ehrfurcht vor Gott. Es ist wie im Kindergarten, und man fragt sich, ob es sich bei den Frommen heute wirklich so viel anders darstellt als bei den bigotten Katholiken damals… es ist wirklich diese säuerliche Frömmigkeit, die im Kirchenraum andächtig tut, und sobald sie draußen ist, schlägt sie dem Bruder den Schädel ein.

        Leider haben Sie nämlich – jedenfalls was den „Mainstream“ alter Zeiten betrifft – recht.

        Ich weiß aus meiner Familie und dem regionalen Umfeld, dass der Glaubensabfall vieler damals direkt mit dieser katholischen Heuchelei und Hintertupfigkeit zusammenhing. Die Leute sind irre geworden an der Bigotterie, die sich selbst alle genehmigte und dem anderen nichts.

        Ob einer, der ehrfürchtige Formen zur Schau stellt, auch echte Ehrfurcht vor Gott und damit auch dem Nächsten hat – das steht nämlich auf einem anderen Blatt und lässt sich mit Äußerlichkeiten nicht lösen.

        Wie oft wurde thematisiert, dass in der Hl. Messe zu wenig Andacht sei? Warum beklagten heiligmäßige Priester schon im 19. Jh, ein Großteil der Menschen gehe unwürdig zur Hl. Kommunion? Warum entwarf das Vaticanum I Reformen? Warum begann Leo XIII. mit diesen Reformen und warum wollte Pius X. sie mit Brachialgewalt endlich umsetzen? Etwa weil damals alles in die rosa Zuckerwatte eines englischen Kitschromas gehüllt war?

        Sie haben vollkommen recht, werden aber hier leider nur den Zorn der Traditionsideologen hervorrufen, @ Ottaviani – diese guten alten Zeiten gab es nicht, kann es im übrigen, wenn man wahrhaft katholisch denkt, auch gar nicht gegeben haben.
        Das einzige, was damals tatsächlich „besser“ war, waren tatsächlich die äußeren Formen. Ob sie aber bessere Menschen und größere Gottesfurcht erzeugt haben – nur eine sentimentale Seele, die die Sündhaftigkeit des Menschen unterschätzt, macht daraus diesen pharisäerhaften Kitschroman.

    • Mit Rücksicht auf die Gefühlswelt unseres nachkonzilssozialisierten Freundes, der den Namen eines der klügsten und umsichtigsten Kardinäle der jüngeren Kirchengeschichte, eines Propheten und wahrhaft Verfolgten des brachialen Bugnini-Rahner-Regimes als seinen Nick verballhornt und dadurch noch eindrücklicher, als mit dem Inhalt seiner Beiträge die Simplizität seines Denkens bekundet, sollte ich meine Fortsetzung wohl besser mit: „Es war einmal“ beginnen. Sei dem so.
      Es war einmal eine Zeit in kath. Landen, da standen nicht nur auf Dörfern, sondern in allen großen Städten die Kirchen den ganzen Tag offen, die Lichter in den Beichtstühlen gingen dort selten aus, weil es nicht nur zahlenmäßig genügend Kapläne und Ordensleute gab, sondern weil es für diese Geweihten – neben der täglichen Feier des heiligen Messopfers – zur wichtigsten Aufgaben ihres Standes zählte, sich für die, die der Lossprechung bedurften, immer bereitzuhalten. Und so herrschte auch außerhalb der Messfeiern in allen Kirchen reger Betrieb. Unablässig kamen Gläubige tagsüber dorthin, um ihre Sünden zu beichten, um vor dem im Tabernakel ggw. Herrn ihr Gebet der Anbetung, der Hingabe, der inneren Freude oder Not zu verrichten oder um einfach während der Mittagspause der Jungfrau den Englischen Gruß darzubringen. Doch trotz des beständigen Kommens und Gehens herrschte in den in schimmriges Licht getauchten und von Weihrauchduft erfüllten Kirchen die andächtigste Stille, nur ab und an unterbrochen vom leisen Seufzen der Beladenen oder dem erleichterten Durchatmen der Bestärkten. Eine gewisse Unruhe war nur dann im Haus des Herrn zu verspüren, wenn ein Priester, gerufen zum eiligen Versehgang, in Chorkleidung an den Tabernakel eilte, um dem mit einem seidenen Velum verhüllten Ziborium die Wegzehrung für die Letzte Ölung zu entnehmen. Wie von selbst beteten da sie Anwesenden für den Sterbenden und man fühlte eine die Seele tief berührende Einheit im Glauben mit all diesen persönlich unbekannten Gläubigen. Man benötigte dafür keine grinsend-betulichen Friedensgrußgesten, keinen oberflächlichen Ringelpiez um den Altar, kein Picknick nach Fronleichnam, um sich als Glaubensgemeinschaft zu empfinden. Jawohl, es mutet heutigentags, da die Kirchen leer und zugeschlossen, die Tabernakel weggeräumt sind, da Priester sich nur mehr als Gemeindeanimateure begreifen, die die Leute bei religiös verbrämten Eventfeiern bei Laune zu halten haben, da man die Kirchen zum Gottesdienst schwatzend betritt, sich mit großem Hallo hier und da begrüßt, (…)

      • (…) um sich mit dem Banknachbarn bis zum Schlag der Sakristeiglocke banalste Neuigkeiten auszutauschen, da man das Konsumieren von Hostien und das Schlürfen aus Bechern lediglich als rituelles Beiwerk für ein sonntägliches Kietztreffen zu begreifen scheint, in der Tat wie ein Märchen an. Ich gebe es zerknirschten Herzens zu. Aber das dieses Märchen einstmals die erhebenste und beglückendste Wahrheit war, dieses Wissen können Sie mir mit dem Kreuzworträtselklamauk Ihres Großonkels (hieß der zufällig Mario von Galli?) nicht abspenstig machen.

      • @hicesthodie
        Tausend Dank für dieses schöne Stimmungsbild. Haben Sie schon einmal daran gedacht, Ihre Eindrücke / Erlebnisse aus vorkonziliarer Zeit niederzuschreiben in Buch- oder Heftform, damit Nachgeborene noch einen Hauch dieser hochreligiösen Zeit erhaschen können. Wenn Sie wollen, könnte ich das eine oder andere Bild aus meiner Kindheit dazu beisteuern (Red. hat meine Adresse).
        Wenn Sie oder andere Zeitzeugen das (heute) nicht tun, ist vieles für immer verloren.

  10. Das Gute, das Papst Benedikt XVI. für die Kirche getan hat, wird sich (zum Glück) unter dem aktuellen Pontifikat (mit Kardinal Kasper als „graue Eminenz“) nicht komplett auslöschen lassen.
    Ein anderer Aspekt: Inzwischen tragen wieder viel mehr (vor allem auch junge) Diözesanpriester den weißen Priester-Stehkragen. Vor 20 Jahren gab es das nur im Umfeld der Pius- und Petrusbruderschaft oder bei sehr alten Priestern.
    Die Zukunft der Kirche wird trotz Rückschlägen allmählich wieder zurück zur Tradition führen, nicht zuletzt auch aufgrund des äußeren Drucks durch eine nichtchristliche Religion.

  11. Ich habe eine bitte an die Moderatoren. Ich bin fast immer über das smartphone auf der Seite. Da sind die Kommentare oft nicht richtig zugeordnet. Könnte man dies nicht ändern.?wäre wenig er verwirrend. Danke!

    • Kümmernis
      Um die Beiträge in anderer Reihenfolge zu sehen, müssen Sie die Option „Desktop-Ansicht (oder -Version)“ sowohl hier unten auf der Seite als auch im Menü Ihres Smartphone-Browsers aktivieren.

  12. Das ist ein guter Mann, in Dubrovnik und Salzburg hat man den Tabernakel entfernt und in das Areal einen Dreiersitz gesetzt, der gut und gerne geeignet wäre der Heiligen Dreifaltigkeit eine würdige Sitzgelegenheit am Jüngsten Tag zu bieten.

  13. Die Positionierung des Tabernakels ist wohl – wenn man die Architekturgeschichte der katholischen Kirche ansieht – gar nicht einmal der Hauptpunkt. In den gotischen Kirchen gab es keine regelrechten „Tabernakel“, sondern eher Sakramentshäuschen, aber stets eingelassen in die Mauer neben dem Hochaltar. Zentrale Tabernakel wurden erst nach der Reformation grundsätzlich eingeführt. was sicher eine Reaktion auf die reformatiorsiche Abschafung des des Hl. Messopfers war, andererseits aber auch mit der architektonischen Öffnung des Raumes zum Himmel hin zusammenhing.

    Wie Carlo es differenziert ansieht, muss das gesamte „Arrangement“ von Hochaltar, Altarraum und Tabernakel beachtet werden.

    Es ergibt keinen Sinn, den Tabernakel wieder in die Mutte zu stellen, wenn man zugleich am Volksaltar festhält oder irgendwelche moderne Architektur beibehält, deren Konzept des Altarraumes im Einzelfall genau angesehen werden muss.

    Ich weiß nicht, ob ich daher diese bischöfliche Aktion so gut finden soll. Die Anordnung geschieht ja, wie es klingt, ohne irgendeine Diffenerenzierung bei JEDER Kirche – egal, wie sie architektonisch gebaut ist und der Volksaltar bleibt ohnehin…

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