Die päpstlichen Visitationen und das interkonfessionelle „Kloster“ von Bose

Enzo Bianchi bei Papst Franziskus
Enzo Bianchi bei Papst Franziskus

(Rom) Papst Franziskus ernannte Enzo Bianchi, den „allmächtigen“ (Sandro Magister) Gründer und „Prior“ des progressiv-ökumenischen „Klosters“ von Bose, zum Consultor des Päpstlichen Rats für die Förderung der Einheit der Christen. Bianchi gehört zu den „Günstlingen“ von Papst Franziskus. Er ist undogmatisch, regelanarchisch, autokratisch.

Die Aufsichtspflicht Roms wird unter Papst Franziskus eigenwillig vielschichtig wahrgenommen. Die glaubenstreuen Franziskaner der Immakulata, eine positive Ausnahmeerscheinung in der Ordenswelt, werden unter kommissarischer Verwaltung geknechtet. Die Visitation der im Niedergang befindlichen progressiven US-Ordensfrauen der Leadership Conference of Women Religious (LCWR), die im Verdacht der Häresie und schwerwiegender Verletzungen der kirchlichen Ordnung stehen, wurde vom Papst „friedlich archiviert“, so der Vatikanist Sandro Magister.

Tatsache ist, daß die männlichen und weiblichen Orden im Westen nicht gerade eine Blütezeit erleben. Der Sekretär der Ordenskongregation, Kurienerzbischof Fra José Rodriguez Carballo sprach jüngst von mehreren Dutzend Apostolischen Visitationen, die derzeit stattfinden. 39 Orden befinden sich aus unterschiedlichen Gründen unter kommissarischer Verwaltung. 3000 Ordensleute geben jedes Jahr ihre Gelübde auf.

Neben der römischen Ordenskongregation können aber auch Diözesanbischöfe in ihrem Jurisdiktionsbereich Visitationen durchführen und Untersuchungen einleiten. Auch die Orden selbst können um einen Visitator bitten.

Eine Visitation auch in Bose?

Letzteres ist der erstaunliche Fall beim „ökumenischen Kloster“ von Bose. Wie das?

Aus kirchenrechtlicher Sicht ist die Gemeinschaft von Bose weder ein Orden noch ein Kloster, sondern eine „private Vereinigung von Gläubigen“. Mit anderen Worten eine Laienorganisation. Erst 2001 wurde sie überhaupt irgendwie kirchenrechtlich anerkannt und zwar durch die kleine Diözese Biella, in der Bose liegt.

Einer Anerkennung als Orden stehen gewichtige Hindernisse im Weg. Zwei sind von besonderer Bedeutung. Da ist einmal der Umstand, daß es sich um eine unterschiedslos gemischte Gemeinschaft von Frauen und Männern handelt. Eine solche Form hat das Ordenswesen in seiner langen Geschichte nie gekannt.

Zweitens ist die Gemeinschaft interkonfessionell. Der lutherische Schweizer Pastor Daniel Attinger gehört ihr ebenso an, wie andere Protestanten, Frauen und Männer. Der orthodoxe Metropolit Emilianos Timiadis verbrachte seine letzten Lebensjahre in Bose. Zur Gemeinschaft gehört auch die ehemals griechisch-katholische Ukrainerin Sophia Senyk. Die Ukrainerin gehörte zum Lehrkörper des Päpstlichen Orientalischen Instituts in Rom, konvertierte dann aber zur Orthodoxie.

Interkonfessionalität und Interkommunion

Bose praktizierte lange die Interkommunion. Die Eucharistie wurde Katholiken und Nicht-Katholiken gespendet, was die Katholische Kirche ebenso streng untersagt wie die orthodoxen Kirchen. Seit einiger Zeit werden in Bose die Liturgien von Katholiken und Orthodoxen getrennt zelebriert, was bedeutet, daß die Protestanten die Kommunion bei den Katholiken empfangen. Der Verstoß gegen das Verbot hat sich aus Rücksicht auf die Orthodoxen lediglich verlagert.

Über die Interkonfessionalität von Bose scheint im päpstlichen Umfeld heute aber niemand mehr wirklich besorgt zu sein. Schließlich hat Papst Franziskus den von ihm „sehr geschätzten“ (Sandro Magister) eigenwillig katholischen „Prior“ Enzo Bianchi zum Consultor eines römischen Dikasteriums ernannt und zwar ausgerechnet in Sachen Interkonfessionalität.

Probleme doktrineller Art scheint das derzeitige Rom mit Bose nicht zu haben, seit neuerdings am Tiber beide Augen zugedrückt werden. Die Probleme betreffen offenbar das gemeinschaftsinterne Verhältnis unter den „Brüdern“ und „Schwestern“ von Bose. Enzo Bianchi hatte solche Probleme schon vor drei Jahren sybillinisch in einem Interview mit der Jesuitenzeitschrift Jesus angedeutet.

„Erfahrung mit der Falschheit“

„In den vergangenen Jahren habe ich hier bei uns intern die Erfahrung mit der Falschheit gemacht, nicht direkt mir gegenüber, aber der ganzen Gemeinschaft gegenüber. Ich dachte nicht, eine solche innere Destabilisierung erleben zu müssen, weshalb ich manchmal ganz verwirrt bin. Eine solche Erfahrung habe ich nie gemacht. Bösartigkeit ja, die kann man verstehen, aber die Falschheit ist nicht mein Horizont. Das war die härteste Prüfung meines Lebens in der Kirche und im Mönchsleben“.

Bianchi meint mit Mönchsleben natürlich, was er unter Mönchstum versteht. Weniger klar ist, was er mit „Falschheit“ meint. Es läßt sich nur erahnen, daß seine Autorität angezweifelt wurde.
In einem anderen Interview über die Geschichte von Bose sprach Bianchi davon, daß das gemeinschaftliche Zusammenleben von Frauen und Männern ein „sehr anstrengender“ Knoten sei. Nicht so sehr wegen der natürlichen Anziehung der Geschlechter zueinander, sondern wegen der unbezwingbaren „Feindschaft“, die – laut Bianchi – seit dem Ursprung der Welt zwischen Mann und Frau herrsche.

Neben Neuzugängen und nicht wenigen Austritten erlebte Bianchi einige Stürme. Vor allem der Abgang von drei führenden Mitgliedern, zwei„Brüdern“ und einer „Schwester“, erfolgte mit heftiger Kritik am „Prior“.

Bianchi bat um Visitation und suchte sich die Visitatoren gleich selbst aus

Damit kommt die Rede auf die Art und Weise, wie Enzo Bianchi seine Führungsrolle ausübt. Verschiedene Mitglieder sprechen von einem „zu autoritären“ Stil, so Sandro Magister. Um zu verhindern, daß die Situation außer Kontrolle gerät, entschied Bianchi, die Flucht nach vorne anzutreten. Er beantragte die Durchführung einer kanonischen Visitation. Vorteilhafterweise wählte er sich die Visitatoren gleich selbst aus.

Es handelte sich um Pater Michel Van Parys, ehemaliger Abt des „ökumenischen“ Benediktinerklosters von Chevetogne in Belgien und heute Hegumenos im Kloster des byzantinischen Ritus von Grottaferrata in Italien. Für die weibliche Seite beauftragte er Mutter Anne-Emmanuelle Deveche, Äbtissin des Trappistinnenklosters von Blauvac in Frankreich. Beide sind langjährige Freunde Bianchis, vor allem Van Parys, der zu den eifrigsten Besuchern und Referenten der Bose-Tagungen gehört.

Die Visitation erfolgte vom vergangenen Januar bis Mai. Am Ende legten die beiden Visitatoren eine von ihnen unterzeichnete Charta visitationis vor, die Bianchi seinerseits den zuständigen Stellen in Rom und dem Bischof von Biella zukommen ließ. Kurze Zeit darauf wurde Bianchi zum Consultor ernannt.

Im aktuellen Adventbrief an die „Freunde von Bose“ schreibt Bianchi, daß er „die wirtschaftliche Situation der Gemeinschaft von zwei Rechnungsprüfen überprüfen“ ließ. Die Visitation begründete er: „damit die Gemeinschaft nie der Selbstgefälligkeit verfalle, auf sich selbst bezogen lebe oder schlimmer noch narzißtisch und sektiererisch“. Die Sprache ist auffallend an jene von Papst Franziskus angelehnt.

„Werkstatt der Einheit zwischen den getrennten Kirchen“

In ihrem Visitationsbericht schrieben Pater Parys und Mutter Deveche, besonders die „Qualität“ von Bose als „Werkstatt der Einheit zwischen den heute getrennten Kirchen“ zu schätzen.

Allerdings äußerten sie auch den Wunsch, daß die verschiedenen Leitungsämter der Gemeinschaft nicht autoritär, sondern „transparent und synodal“ ausgeübt werden sollten.

„Offensichtlich ist die Bianchi so kostbare Synodalität, wenn er Reformen in der Kirche und für das Papsttum fordert, in Bose selbst nicht so hoch im Kurs, wenn es einer kanonischen Visitation bedurfte, um sie dem Prior in Erinnerung zu rufen“, so Sandro Magister.

Schließlich bleibt noch anzumerken, daß Sophia Senyk nicht die einzige ist, die vom Lehrkörper des renommierten Päpstlichen Orientalischen Instituts den katholischen Glauben aufgab und zur Orthodoxie konvertierte. Das Orientinstitut ist mit der Päpstlichen Universität Gregoriana verbunden. Beide Einrichtungen werden vom Jesuitenorden geleitet.

Aufsehenerregender als die Konversion von Senyk war in den vergangenen Monaten der Übertritt von Pater Constantin Simon zur Orthodoxie. Der amerikanische Jesuit ukrainisch-ungarischer Abstammung war bis 2013 Vize-Rektor des Päpstlichen Orientalischen Instituts und gilt als Fachmann für das russische Christentum.

Der ehemalige Jesuit wurde am vergangenen 7. Juni feierlich als Priester in die russisch-orthodoxe Kirche aufgenommen. Die Aufnahmeliturgie nahm Archimandrit Amwrosi (Amvrosij Jermakow) von Peterhof vor, der Weihbischof von Sankt Petersburg ist und Rektor der Geistlichen Akademie Sankt Petersburg.

Text: Settimo Cielo/Giuseppe Nardi
Bild: Settimo Cielo

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5 Comments

  1. Ich frage mich immer wieder, warum Protestanten unbedingt die heilige Kommunion bei den Katholiken empfangen wollen. Hat denn Luther nicht das Heilige Messopfer verteufelt und die Wesenswandlung geleugnet. Ich glaube, dass die Protestanten tief in ihrem inneren merken, dass ihnen etwas fehlt, was sie von ihren Glaubensgenossen und Laienpriestern nicht bekommen können. Sie haben eine innere Sehnsucht nach dem Leib des Herrn. Aber warum kommen sie dann nicht einfach zur Mutterkirche zurück? Sind trotz allem die eigenen protestantischen Bekentnisse und die Ablehnung katholischer Dogmen immer noch wichtiger?
    Per Mariam ad Christum.

    • Das frage ich mich auch. Wer so gegen die richtige Auffassung der Kommunion polemisiert, jammert, dass er sie nicht erhalten soll. Das ist doch widersinnig.

    • Meine Sicht darauf -
      Die Protestanten lehnen es ab zur wahren katholischen Mutterkirche zurückzukehren – genau das ist der Punkt! Der Teufel benützt sie, flößt ihnen den Gedanken ein, auf die Kommunion bei den Katholiken zu drängen aber keinesfalls katholisch zu werden. Verwirrung, Chaos und Auflösung ist das teuflische Ziel! Leicht zu verstehen!

  2. 3000 Ordensleute geben jedes Jahr ihre Gelübde auf. Das muss doch Gründe haben. Das ganze erinnert an die Tatsache, als nach dem Konzil tausende Priester und Ordensleute weltweit ihre Berufung aufgegeben haben und Laien wurden. An ihren Früchten (Konzil) werdet ihr erkennen, ob das gute oder schlechte Früchte sind. Zu dem Fall Interreligiöses Kloster Bose, man kann auch sagen = Böse =, muss man sagen, dass das die Früchte der falschen Ökumene und in der All-Erlösungs-Ideologie und Theologie sind. Durch die Aufgabe alleinige Kirche Gottes zu sein, keine
    Missionierung mehr zu machen, führt man die katholische Kirche in den Verein der über 360 so-genannten Kirchen und Vereinigungen. Interkommunion und Ungehorsam der Priester und auch vielen Bischöfen, führt zwangsläufig zu einer Profanisierung des Kirchenvolkes. Dazu gehören auch die Knebelungen der traditionellen Orden und Priestergemeinschaften. Gehätschelt werdenhingegen die Progressisten mit ihren Umarmungen protestantischer, jüdischer und islamischer Vertretungen. Einen Kurswechsel unter dem Pontifikat von Franziskus wird es nicht geben, im Gegenteil. Da bleibt selbst die Hoffnung auf der Strecke.

    Trotz allem, gesegnete Weihnachten !

  3. In Deutschland un Österreich überaltern die Ordensgeminschaften, bis auf wenige Ausnahmen!
    Ordensleute die lieber in Räuberzivil als in ihrem Habit unterwgs sind und sich der Welt angepaßt haben, sind eher abstoßend als anziehend!
    Weshalb sollte ein Interessierter in einen solchen Orden eintreten?
    Dort sitzen zumeist jene alt 68`ziger, verbittert und frustriert und mäkeln an den eigenen Zuständen, ohne zu reflektieren, daß sie selbst durch ihr eigenes Handeln oder Nichthandeln jene Zustände herbeigeführt haben!

    Sie leben die Wüste des Zeitgeistes, anstatt eine Oase des Glaubens zu sein!
    Europa und die kath Kirche selbst sind Missionsland geworden!

    Man schaue sich nur die Internetauftritte und Eigendarstellungen der Gemeinschaften an, und man sieht wes Geistes Kind sie sind!
    Ich besuchte eine Ordensgemeinschft vor ein paar Jahren, verließ diese jedoch nach dem „Gottesdienst“ wieder, dort saß man auf kleinen Holzbänkchen und der „Altar“ war ein Tuch auf dem Boden, man gesellte sich im Schneidersitz oder auf diesen Bänkchen kreisförmig darum!
    Der Priester trug lediglich eine Stola und jeder war eingeladen frei seine Fürbitte einzubringen, das Hochgebet freies Geschwurbel!

    Nach diesem Irgendwas, ging auf mein Zimmer nahm meine Tasche übergab den Schlüssel dem sichtlich verdutzen Novizenpater und sagte ihm, daß dort wo die hl Messe auf Boden gefeiert wird, das Niveau noch weiter drunter liegt und ging!

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