Noch einmal Martin Luther – Die neue Theologie und ihre Folgen

von Wolfram Schrems*

Im Anschluß an meine Rezension über Paul Hacker, Das Ich im Glauben bei Martin Luther – Der Ursprung der anthropozentrischen Religion, vom 18. November auf dieser Seite, die große Diskussionen auslöste und mir aus meinem Umfeld und Freundeskreis, auch aus dem protestantischen, äußerst aufschlußreiche und durchaus ermutigende Rückmeldungen einbrachte, und zum Zweck weiterer kritischer Erörterungen im Hinblick auf das herannahende „Luther-Jahr“ 2017 sei hier noch ein weiteres Standardwerk zur Theologie Martin Luthers präsentiert: Theobald Beer, Der fröhliche Wechsel und Streit – Grundzüge der Theologie Martin Luthers.

Ein Klassiker

Es handelt sich um einen Klassiker katholischer Luther-Analyse. Prälat Beer (1902 – 2000) stammte aus der Nähe von Landshut in Niederbayern und ging in den 30er Jahren in das Bistum Dresden-Meißen. Somit war ihm auch eine protestantisch geprägte Kultur vertraut, nicht nur die Literatur. Er wurde zum Fachmann, der auch lutherische Kirchenmänner über Luther belehren und korrigieren konnte.

Als für einen spezialisierten Adressatenkreis konzipiertes theologisches Fachbuch setzt es ein überdurchschnittliches Maß an Vorbildung und Problembewußtsein voraus. Der damalige Professor Joseph Ratzinger, der Beer an die Universität Regensburg zu einschlägigen Seminaren holte, lobte es mit enthusiastischen Worten.

Aussageabsicht des Werkes

Die Grundaussage des umfangreichen Werkes ist, daß Luther sich von der klassischen katholischen Gnadenlehre, besonders von seinem Ordensvater Augustinus und dem allgemeinen Lehrer Thomas von Aquin, ablöste und zu diesem Zweck auch eine neue Terminologie einführte bzw. die alte mit neuen Bedeutungen füllte:

Theobald Beer: Grundzüge der Theologie Martin Luthers
Theobald Beer: Grundzüge der Theologie Martin Luthers

„Der Einfluß des Neuplatonismus, der pseudohermetischen Literatur und der Gnosis (…) läßt seine Polemik gegen die griechische Philosophie und gegen die Scholastik in einem ganz anderen Licht erscheinen“ (J. Ratzinger).

Diese Vorgangsweise gibt der lutherischen Theologie ihre schillernde und esoterische Qualität. Oft ist sie nicht auf den Punkt zu bringen, da es immer auch widerstreitende Aussagen gibt:

„Lutherforscher klagen: Die Sprache Luthers kann den reinen Logiker, für den die Eindeutigkeit der verwendeten Begriffe und Denkmittel oberstes Gesetz ist, zur Verzweiflung bringen. Aber nicht nur die Sprache, sondern die Sache selbst ist es, die den Widerspruch in sich trägt“ (173).

Prälat Beer muß daher, um Luther einigermaßen gerecht zu werden, dessen Lehre zu Gnade, Glaube und Rechtfertigung, zu Christologie und Anthropologie, auf gut fünfhundert Seiten detailreich rekonstruieren. (Davon ist allerdings ein erheblicher Teil Apparat mit vielen Luther-Zitaten auf Latein, die nur für den Fachmann von Interesse sind, somit für das Gesamtverständnis nicht gelesen werden müssen.)

Widersprüche im lutherischen Denken

Es ist doch bezeichnend, daß jemand, der den Schlachtruf „Sola-Scriptura“ ausgegeben hat, Schriften im Umfang von 127 Quartbänden (etwa 80.000 Seiten) hinterläßt (Weimarer Ausgabe). Offenbar reicht „die Schrift alleine“ doch nicht.

Das ist nicht der einzige Selbstwiderspruch bei Martin Luther:

Beer stellt an manchen Stellen heraus, wo und wie Luther von der katholischen Lehre und von der Bibel abweicht.

„Um Luthers Anliegen zu verstehen, kann man nicht von der Schrift ausgehen (…)“ (331).

Es ist bizarr zu sehen, wie jemand, der vorgeblich ein Verteidiger der Bibel und des Sola-Scriptura-Prinzips ist, den Apostel Paulus für dessen Lehre kritisiert (!):

„Nicht nur den Papisten macht Luther den Vorwurf, daß sie zwei Dinge miteinander vermischen, er ist auch der Meinung, Paulus verletze in Gal 3,5.6 die Regeln der dialektischen Schlußfolgerung, d.h. er halte Würdigkeit und Folge (im Sinne Luthers) nicht auseinander … Auch in der klassischen Stelle für die Termini gratia und donum, Röm 5,15, sieht Paulus zum Befremden Luthers Gnade und Gabe in dem einen Vorgang der Rechtfertigung zusammen“ (167).

Neue Lehren

Inhaltlich geht es dabei um den „fröhlichen Wechsel und Streit“, also das, was die katholische Theologie als admirabile commercium, den „wunderbaren Tausch“ bezeichnet: Christus nimmt die Schuld der Menschen auf sich und läßt sie im Gegenzug an der göttlichen Natur Anteil erhalten (vgl. 2 Petr 1, 4). Dabei formuliert Luther aber neuartige und sehr komplizierte Lehren bzw. Gedankenkonstrukte, die sich so aus dem Bibeltext nicht ergeben und die Kontinuität bisheriger Bibelauslegung abbrechen.

Die Auswirkungen sind enorm.

Martin Luther von Lucas Cranach d. Älteren
Martin Luther von Lucas Cranach d. Älteren

Um seine Sicht der Dinge durchzusetzen, muß Luther sogar die menschliche Natur vor dem Sündenfall als „Kot“ bezeichnen (!) – was der Weisheit des Schöpfers Hohn spricht und direkt gegen den Schöpfungsbericht formuliert ist („Es war sehr gut.“ Gen 1, 31). Luther muß hier eine geistige Verwandtschaft zum Ketzer Markion (2. Jhdt.) und zum Manichäismus (3. Jhdt.) konstatiert werden, gemäß denen die Schöpfung schlecht bzw. sogar böse sei.

Auch die wahre menschliche Natur Jesu Christi wird zur „Larve“ herabgesetzt, was die wirkliche Menschwerdung des Wortes (nach Joh 1, 14) abschwächt und zu unzitierbaren Entgleisungen führt (389). Dem widerspricht wiederum Luthers Festhalten an „alle[n] Elemente[n] der katholischen Marienverehrung“ (381), insbesondere den Dogmen der Unbefleckten Empfängnis und der Himmelfahrt (!):

„Daß Luther aus diesen Elementen der Marienverehrung nicht die Konsequenzen zieht, hat seinen Grund im Begriff der Gnade, welche Christus ist, und in seiner Lehre von der doppelten Rechtfertigung. Die Gnade, welche Christus ist, oder die forma dei, bezieht das Geheimnis der Inexistenz [soviel wie „Darin-Bestehen“ o. ä., Anm.] des Logos in der Menschheit Christi nicht in die Erwägung mit ein und läßt die katholische traditionelle Christologie und Mariologie, die Luther bewahrt hat neben seiner Rechtfertigungschristologie, als getrenntes Feld liegen“ (382).

Bei Luther fällt praktisch alles auseinander, was zusammen gehört.

Die Schlußfolgerung Beers ist, daß die alles zersetzende Bibelkritik Rudolf Bultmanns nicht ein Abfall von der Christologie Luthers ist sondern deren letzte Konsequenz:

„Weil es in der Philosophie keinen Begriff für ein Suppositum gibt, deshalb meint Luther, die Aussagen der Heiligen Schrift, die die personale Einheit der beiden Naturen in Christus aussagen, aufspalten zu müssen. Er tut es mit Sprach- und Denkmitteln, die aus philosophischen und weltanschaulichen Konzeptionen kommen, die die Väter und die Konzilien gerade überwinden und umformen mußten, damit sie Instrumente für die Aussage eines Suppositums werden konnten. Während die Väter um einen passenden Ausdruck für das Geheimnis der Einheit in Christus ringen, ist Luther gezwungen, in dasselbe Geheimnis eine Konträrität einzubringen. … Die Schlüssel, die Luther zur Eröffnung der Heiligen Schrift benützt, sind geformt nach der neuplatonisch-neupythagoreischen Philosophie, nach dem gnostisch beeinflußten Bild vom geköderten Leviathan und nach dem an Mysterienkulte erinnernden Wechsel. Damit kann jedoch die Heilige Schrift nicht erschlossen werden, es werden vielmehr Widersprüche in sie hineingetragen und die Türe zu ihrem Verständnis verschlossen. Bultmann spricht, mit Berufung auf Luther, von dem großen Rätsel oder Widerspruch im Neuen Testament, wie aus dem Verkündiger der Verkündigte wurde“ (405f).

Nur „theologische Spitzfindigkeiten“?

Viele Leser mögen sich unter Umständen fragen, ob das nicht alles akademische Spitzfindigkeiten sind, die mit dem „realen Leben“ nichts zu tun hätten.

Dem ist eben nicht so.

Luthers Theologie, die aus persönlichen Gründen von seiner Rechtfertigungs- und Gnadenlehre ihren Ausgang nahm (vgl. dazu Paul Hackers erwähntes Buch), brachte direkt und indirekt großen Einfluß auf Politik und Kultur hervor. Denken wir nur an die Schwächung der Abwehr gegen die türkische Aggression über den Dreißigjährigen Krieg bis zum preußischen Militarismus (der ohne die lutherische Staatshörigkeit nicht denkbar gewesen wäre).

„Reformation“, Revolution und das Fischen im Trüben

Diejenigen revolutionären Bewegungen, die man nachträglich unter dem irreführenden Schlagwort „Reformation“ zusammenfaßte, wurden von Menschen geprägt, die ihre eigenen Lieblings- oder auch Wahnideen den Mitmenschen aufnötigen wollten (Eric Voegelin, Luther und Calvin – Die große Verwirrung) und zu diesem Zweck alte traditionelle Bindungen zerschneiden mußten. Obgleich die kirchliche Situation zur Zeit der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert unbestritten reformbedürftig war, nämlich im eigentlichen Sinn des reformare, des „in die rechte Form Zurückbringens“, hat Luther das Reformanliegen verfehlt.

Daß man heutzutage Wahrheitsfrage, Glaube und Moral aus der Öffentlichkeit verbannt, dafür alle möglichen Perversionen im öffentlichen Raum zelebrieren läßt, ist ein Armutszeugnis unserer Zeit.

Und auch indirekte Folge der Reformation, da sich deren Protagonisten nur auf ihr eigenes Gewissen beriefen (wie ehrlich auch immer) und das Glaubensgut des geoffenbarten Glaubens und der wahren Moral über den Haufen warfen.

Man darf nicht vergessen, daß ja aus der Revolutionierung des Glaubens auch eine Revolutionierung der Moral folgt, somit in erster Linie auch eine Selbstermächtigung für eigenmächtiges, eigennütziges bzw. selbstsüchtiges Handeln. Viele Glaubensneuerer (nicht: Glaubenserneuerer) und Gurus entdeckten, daß ihr neues Glaubenssystem eine (vermeintliche) Erlaubnis zu bis dahin verbotenem Handeln bieten. Unter neuen Umständen ließ sich also trefflich im Trüben fischen. Wenn also Pater Martin sagen durfte „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“, fühlten auch andere diese Erlaubnis.

Aber nur ein gemeinsamer Glaube, der die mit der Herrschaft Beauftragten mit den Beherrschten verbindet und beide mit derselben Verpflichtung zu Wahrheit und Wohlwollen, kann in Kirche und Staat Willkürherrschaft und Sklaverei verhindern!

Beer spricht an einer Stelle die psychische Verfaßtheit Luthers an, ohne sie näher auszuführen. Aber der versierte Leser versteht, daß die gewalttätige Uminterpretation des gesamten überlieferten Glaubens, einschließlich des Wortlautes der hl. Schrift, etwas Pathologisches an sich hat. Anders ist die Verbissenheit der Realitätsverweigerung nicht zu erklären.

Aus heutiger Sicht hätte man einen Menschen, der mit sich nicht im Reinen ist und zur Skrupulosität neigt, nicht in das klösterliche Leben eintreten lassen dürfen. Das Kloster erwies sich für sein Seelenleben als nicht hilfreich.

Obwohl Beer nicht näher auf die (charakteristisch brutale) Diktion Luthers eingeht, fällt doch aufgrund der Zitate auf, daß Luther die scholastischen Theologen vor ihm und seiner Zeit pauschal als „Sophisten“ verunglimpft. Das ist – verglichen mit sonstigen Ausfällen Luthers – zwar relativ harmlos, aber der Sache nach unfair und despektierlich und fällt auf Luther selbst zurück.

Resümee

Dieses Buch gehört zur Pflichtlektüre für alle, die im offiziellen katholisch-lutherischen „Dialog“-Betrieb engagiert sind. Dort ist ja bekanntlich die Gefahr inhaltsleerer Phraseologie und des konsequenten und willentlichen Aneinandervorbeiredens am größten. Das Konzept scheint dort zu sein: Wenn man seinen Job nicht verlieren will, muß man den Dialog prolongieren und darf unter keinen Umständen zu einem konkreten Ergebnis kommen, etwa zu einer Vereinigung der getrennten Christen.
Aber ein Dialog, der diesen Namen verdient (gemäß den Platonischen Dialogen oder dem berühmten Dialogue Concerning Heresies des hl. Thomas Morus von 1528, der die Positionen Luthers und William Tyndales widerlegt), benötigt eine inhaltliche Erdung.

Nicht zuletzt sollten sich die katholischen Hierarchen, besonders die Bischöfe und Kardinäle deutscher Sprache, dieses Buch vornehmen. Es wäre eine gute Nachhilfe für theologisch verwirrte Hirten.

Nachdem das Buch Luther ernst nimmt und dessen Lehre gründlichst durchleuchtet, dabei auf klassische Polemik oder psychologische Interpretationen verzichtet, eignet es sich besonders für protestantische Gelehrte, die sich über ihre Glaubensvoraussetzungen intensiver Rechenschaft geben wollen. Betriebsblindheit gibt es ja nicht nur in Industriebetrieben oder Vereinen.

Prälat Beer war selbst kein Konvertit, daher fehlte ihm auch der für Konvertiten oft charakteristische Eifer oder Übereifer. Angesichts sehr ausführlicher fachlich-neutraler Darstellungen lutherischer Gedankenirrungen fragt man sich aber manchmal, ob nicht manchmal mehr Würze angebracht gewesen wäre.

Dem Johannes-Verlag Einsiedeln, der besonders für seine schöne Reihe „Christliche Meister“ bekannt ist, gebührt das Verdienst, Theobald Beers Meisterwerk zu einem günstigen Preis für Forschung, Apologetik und Kontroverstheologie in einem Band bereitgestellt zu haben. In Zeiten eines gewaltigen Konformitätsdrucks und einer von oben verordneten offiziösen Geschichtsschreibung und -deutung ist derartige Literatur von kaum zu überschätzendem Wert.

Theobald Beer, Der fröhliche Wechsel und Streit – Grundzüge der Theologie Martin Luthers, Johannes-Verlag, Einsiedeln, 2. vermehrte Auflage 1980, 563 Seiten, 12,- [D]; Horizonte Neue Folge 19 (Erstausgabe Benno-Verlag, Leipzig 1974)

*MMag. Wolfram Schrems, Linz und Wien, katholischer Theologe, Philosoph, Katechist, reiche Erfahrung im interkonfessionellen Gespräch

Bild: Una Fides

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57 Comments

  1. MMag. Schrems ist sehr zu danken für diese treffliche Zusammenschau des Standardwerkes von Theobald Beer. Die gedanklichen Bizarrerien Luthers entstammen in letzter Konsequenz in der Tat einer pathologischen Natur. Albert Mock setzt mit seiner Untersuchung „Abschied von Luther“ genau da an und ergänzt somit das, was Beer, aufgrund seiner fehlenden psychologischen Fachkenntnisse, seriöser Weise nur andeuten konnte.

  2. „hier stehe ich und kann nicht anders ..“ natürlich konnte er nicht anders.
    wenn er nicht gewillt war, ein geistliches leben zu führen, d.h. die größte triebkraft des menschen, die sexualkraft durch ein keusches leben zu bändigen, zu sublimieren für das geistige wachstum, – mit einem wort, wenn er neben dem geistlichen leben ein weltliches leben führen wollte, also ein doppelleben, dann kann er eben nicht anders.

    der ganze sinn der ehelosigkeit zielt nicht auf kasteiung um ihrer selbst willen, sondern daß sich die dadurch gewonnene geisteskraft auf höhere ziele hinlenke durch die gnade Gottes, der dem bemühen entgegenkommt und es vollendet.

    die wirklich großen denker des christentums waren zölibatäre. das wird auch in zukunft nicht anders sein. denn da wo die kraft zersplittert wird für weltliche wünsche und schein-reformen, bringt sie nichts als verwirrung und irrtum hervor.

    • „Pastors Kinder, Lehrers Vieh
      gedeihen selten oder nie.“

      Dieser Spruch drückt das Dilemma aus. – Was hat der Protestantismus an Gütern hervorgebracht? In der Kunst, man denke an die Kirchen – kein eigenständiges Schaffen, die Kirchen sind Kopien der kath. Baustile, und theologisch – was ist da zu nennen?
      Den Protestantismus kennzeichnet eine Kraftlosigkeit. Mittelmäßigkeit. Und das wollen nun auch Katholiken anstreben, allen voran etliche Bischöfe. Worin liegt da der Reiz?

      • @M.S.
        Die schönen oberschwäbischen Kirchen im Rokokostil sind wahrlich ein Stück Himmel auf Erden, zauberhaft werden sie mit Orgelmusik….. von Bach.

  3. Ein herzliches Vergelt’s Gott den vorherigen Kommentaren. Man kann es auch noch präziser sagen, im Blick auf die pathologische Persönlichkeitsstruktur des Dr. Martinus. Er war:

    - Totschläger (der deshalb im Kloster Unterschlupf suchte)
    - Trinker (8 bis 10 Bier jeden Abend)
    - Neurotiker, mit etlichen ihn selber quälenden Zwängen
    - Polygamist, der seine „Ehefrau“ dauernd betrog
    - Wüster Antisemit und damit im Geister ein Vorläufer des Herrn A.H.
    - Morphinist
    - Öffentlicher Anstifter zu mörderischen Progromen („Haut, stecht, würgt sie!“)

    Renommierte katholische Historiker ziehen eine ideengeschichtliche Entwicklungslinie des deutschen Protestantismus: Luther – Friedrich „der Grosse“ – Bismarck – Hitler

    • Sehr richtig!
      Erinnern wir uns erneut an die Worte des Heiligen Papa Sarto aus seiner berühmten „Borromäusenzyklika“ editae saepe (1910), in der den „Reformatoren“ die Maske herunterreißt und ihren Moder entlarvt (freilich ein fürchterliches Ärgernis für die ertappten Neuerer der Konzilskirche, denen der Wittenberger als „unser gemeinsamer Lehrer“ gilt).:

      „Damals tobten die Leidenschaften; die Kenntnis der Wahrheit war verwirrt und verdunkelt; es herrschte ein beständiger Kampf mit den Irrlehren; die menschliche Gesellschaft stürzte sich allem Unheil entgegen und schien dem Verderben preisgegeben.

      Inmitten solcher Verhältnisse traten hochmütige und widerspenstige Männer auf, ‘Feinde des Kreuzes Christi’, Menschen von ‘irdischer Gesinnung, deren Gott der Bauch ist‘.[1] Diese richteten ihr Augenmerk nicht auf die Verbesserung der Sitten, sondern auf die Leugnung der Dogmen; sie vermehrten die Unordnung und ließen zu ihrem eigenen und zu anderer Nutzen der Zügellosigkeit freien Lauf; oder doch untergruben sie, indem sie die autoritative Leitung der Kirche ablehnten, nach dem Belieben gerade der verkommensten Fürsten oder Völker wie unter einem Joch die Lehre, Verfassung und Disziplin er Kirche.

      Sodann ahmten sie jenen Gottlosen nach, denen die Drohung gilt ‘Wehe euch, die ihr das Böse gut und das Gute böse nennt‘, und nannten diese aufrührerische Erhebung und die Verderbnis des Glaubens wie der Sitten Reform und sich selbst Reformatoren. Allein in Wahrheit waren sie Verführer, und dadurch, daß sie durch Streit und Kriege die Kräfte Europas erschöpften, haben sie die Revolutionen und den Abfall der Neuzeit vorbereitet, in denen sich die drei Arten des Kampfes, welche früher getrennt waren und aus denen die Kirche immer siegreich hervorgegangen war, zu einem einzigen Angriffe vereinigten: nämlich die blutigen Verfolgungen der ersten Jahrhunderte, sodann die innere Pest der Häresien und schließlich unter dem Vorwand der evangelischen Freiheit eine Verderbtheit der Sitten und eine Verkehrtheit der Disziplin, welche das Mittelalter in diesem Grade vielleicht nicht einmal erreicht hat.”

      Vgl. Sie hiezu die Besuche von Hermeneutik-Kontinuität-Vater B.- in den Gebetshäusern dieser Leute in Rom u. Erfurt.

      • Sehr gut, vergelt’s Gott für die Erinnerung an diese grossartige Enzyklika. Wenn uns doch heute solch ein Papa angelicus geschenkt würde, der wieder diese wunderbare, klare, kernkatholische Sprache sprechen würde. Aber da werden wir in diesen vom protestantischen und freimaurerischen Subjektivismus vergifteten Zeiten noch weit über unsere eigene Lebenszeit hinaus warten müssen.
        Kontinuitäts-Benedikt war sich nicht einmal zu schade, bei seinem Deutschland-Besuch 2011 ausgerechnet in Erfurt in dem Gebetstempel der protestantischen Häretiker von M.L. als „Lehrer im Glauben“ zu sprechen und ihn als „leidenschaftlichen Gottesgläubigen“ zu würdigen. Unfassbar.

    • Im frühen 19. Jahrhundert ist erstmals Morphin aus dem milchigen Saft des Schlafmohns isoliert worden. Wie soll dann Martin Luther als Person des 16. Jahrhunderts „Morphinist“ gewesen sein? Zwischen Luthers Tod und der ersten Isolation von Morphin liegen ganze 258 Jahre. Höchstens kann er sich an Opium, dem direkten Naturprodukt des Schlafmohns, berauscht haben.

      • Ich habe es bei der höchstlöblichen traditionstreuen Philosophin Prof. Dr. Alma von Stockhausen gelesen, dass Luther Morphinist war. Sie ist eine der besten Kennerinnen und Demaskiererinnen dieser verheerendsten Figur der frühen Neuzeit.

    • „Renommierte katholische Historiker ziehen eine ideengeschichtliche Entwicklungslinie des deutschen Protestantismus: Luther – Friedrich „der Grosse“ – Bismarck – Hitler“

      Wie können Sie es wagen, Friedrich den Großen und Bismarck mit Hitler in einen Satz zu nennen? Im Sinne einer Entwicklungslinie! Selbst wenn Sie als Österreicher es noch nicht verwunden haben, daß Ihre Landsleute einstmals vor den Soldaten dieser beiden Staatsmänner davonliefen, sollten Sie sich dieser Siegerpropagandaparole schämen.

      • Woher wollen Sie wissen, dass ich Österreicher bin? Sebst wenn Sie das offenbar schrecklich finden, aber die Zahl renommierter Historiker, die diese ideengeschichtliche Linie zweifelsfrei aufgewiesen haben, ist gross. Und nicht nur Historiker: auch der hervorragende traditionstreue katholische Philosoph Dietrich von Hildebrandt hat dies nachgewiesen.

        Friedrich „der Grosse“ und Bismarck waren Gestalten, an die jeder Katholik nur mit Schaudern denken kann, bei all dem, was diese der Kirche und Millionen Katholiken angetan haben. Sie haben den preussischen Militarismus, der aus dem Geiste des staatshörigen Protestantismus geboren wurde, etabliert.

      • Sie bringen es einmal mehr in aller Kürze so auf den Punkt, dass man gar nicht mehr sagen muss. Herr „Wlofang Franz“ ist offenkundig ein sog. Deutschnationaler, dem dieses wichtiger ist als das Bekenntnis zur alles Nationale letztlich transzendierenden Una Sancta.
        Ich danke Ihnen für Ihre mir immer wieder so erbaulichen Kommentare. Gott zum Grusse!

  4. Völlig fachfremd danke ich ganz herzlich für diese sachliche Rezession, die nicht ohne Liebe zu den Dingen und Personen geschrieben ist.
    Rätselhaft war mir früher (als ich mich laienhaft noch damit beschäftigte) stets, weshalb die Kirche, (dort wo sie nicht verlottert war), sich mit der lutherischen Opposition nicht hat arrangieren können, sie sich diese Opposition nicht hat einverleiben können? (trotz historischer Ereignisse, trotz Bulle…) Die Kirche war vor dem Tridentinum (das lange auf sich warten ließ) ja wohl eine ganz andere als danach! Da erst wurden doch feste Positionen formuliert, um es möglichst objektiv zu sagen.
    Vielleicht ist Beers Werk ein indirekter Schlüssel für meine Fragestellung? Vielleicht hilft mir jemand freundlicherweise weiter, es gibt ja soviel Gelehrsamkeit und Gottesgelehrsamkeit auf diesem Forum!

    • Der Wechsel vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit um das Jahr 1500 herum war nicht nur mit der erfolgreichen Ausbreitung protestantischer Häresien verbunden, sondern markierte zugleich den Übergang vom veralteten Personenverbandsstaat zum neuartigen Staat bürokratischer Organisation. Die Kirche war daher veranlaßt, menschliche Mißstände im Inneren effektiver zu unterbinden, um der protestantischen Häresie möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, und allgemein auf die Erfordernisse der Zeit zu reagieren. Konstantinopel war von den Mohammedanern erobert, der Buchdruck mit metallischen Lettern erfunden, der amerikanische Doppelkontinent nebst anderer entlegender Weltgegenden für Europa entdeckt, das Gift des Subjektivismus ins Glaubensleben des Abendlandes gespritzt etc. Angesichts dieser vielfältigen Zäsuren konnte die Kirche nicht so tun, als lebe man nach wie vor in der Epoche des Mittelalters, weshalb das Tridentinum sehr notwendig gewesen ist.

  5. Danke für dieses Buch, aber obwohl es schon so viele gute, d.h. kurze und bündige und doch ein umfassendes Bild zeichnende Bücher über Luther, seinen Judenhass, Hitlers Verehrung für ihn und seine ganze Menschenveerachtung, sind die Menschen immer noch in einem Rausch, etliche Katholiken, allen voran die rotgrünen Priester mit eingeschlossen.
    Selbst als ehemals überzeugte Protestantin (mir wird schelcht, wenn ich daran denke, was ich alles für Luther und gegen die katholische Kirche gesagt habe, doch heute bin ich schlauer) habe ich schon als Kind immer wieder Momente des Zweifels über Luther gehegt.
    Über seine Einstellung zu Hexen, über die Abschaffung des heiligen Bischof Nikolaus, der doch wirklich nicht prunksüchtig und liebevoll war, wie ich selbst im evangelischen Religionsgrundschulunterricht (!) gelernt hatte. Über seine offensichtliche Menschenverachtung, die aus seinen Lehrfabeln, die wir im Deutschunterricht behandelt hatten, sprach. Das alles hatte ich erfahren, bevor ich anfing neutrale lutherkritische Literatur zu lesen.
    Wer auch nur ein Funken aufrichtiger Suche nach der Wahrheit in sich hat, der muss wissen, wessen Geistes Kind Luther gewesen ist, und wie schrecklich dieser Geist noch immer wirkt!
    Lasst Euch nicht besäuseln, jeder kann diese Wahrheit ohne Mühe erkennen, wer sie nicht anerkennt, und dabei behauptet etwas Gutes zu wollen, der lügt hemmungslos!

    • Ganz und gar nicht würde es mich wundern, wenn für viele protestantische Pastoren die eigenen „Reformatoren“ der Anlaß für Glaubensschwäche und sogar innerliche Apostasie sein sollten. Wer Personen wie Martin Luther, Johannes Calvin und Huldrych Zwingli zu Vorbildern verklärt, der muß mindestens arg einseitig und selektiv unterwegs sein, um überhaupt Lobhudeleien für sie übrig zu haben.

  6. Sola scriptura ? Der Hinweis auf die umfangreichen Schriften Luthers läßt doch sehr an dem Grundsatz „Sola scriptura“ zweifeln. Das ist ein sehr wichtiger Hinweis.

    • Sola scriptura ist letztlich nur der Vorwand, die Tradition und das Lehramt der Kirche Jesu Christi in Frage zu stellen, um im Anschluß mit zahllosen Subjektivismen den verblendeten eigenen Anhängern zu verklickern, wie denn die Rückbesinnung auf das „Urchristentum“ auszusehen habe. So etwas nennt man ein durch und durch perfides Vorgehen.

  7. Hw Robert Mäder nannte den Protestantismus den Vater des Liberalismus.

    Hw Sterninger
    benennt die Ergebnisse der unsäglichen „Reformation“ als
    B e t r u g 
    an Millionen Menschen.
    So zeichne sich der von der Heiligen Mutter Kirche abgefallene
    Luther für die Mutterlosigkeit der protestantischen Gemeinschaften verantwortlich.

    Hw Sterninger in einem mehrteiligen Vortrag über die
    allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria:
    -
    „Luther hat Millionen Menschen, 
    ganze Nationen, von der Muttergetrennt…..und damit auch von
    Christus!
    Denn wo Maria ist, ist auch der wahre Christus.
    Maria ist die Überwinderin aller Häresien.“
    -

    Und gleichsam als Zusammenfassung:“
    -
    „Bei den Protestanten ist die Mutter gestorben.“
    -

    Dazu verweist er auf die Tatsache, dass in jenen Regionen, in denen eine besondere 
    Verehrung der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria
    gepflegt wurde, die Häresien der „Reformation“ nicht Fuss fassen konnten.

    Hinzufügen müssen wir heute leider die Tatsache, dass in oben genannten Gebieten ein Weichspülkatholizismus das zu schaffen gewillt ist, was Luther und Konsorten nicht gelungen war….die Schleifung der römisch katholischen Identität.

    • Erst kam der Protestantismus, dann in seinem Machtbereich 1717 die Freimaurerei, die das Fundament für den Liberalismus bildet, wie wir ihn heute kennen. Zwar haben sich beispielsweise einige Evangelikale gegen die Freimaurerei gewandt, vertreten dafür aber andere schwerwiegende Irrtümer.

  8. Luther oder ein Weg ohne Ziel, nur eine Ausrede um vom Weg zu Gott abzuweichen.
    Vielleicht liebt der Mensch das komplizierte um nicht zu einfach an das Ziel zu gelangen. Studiert er deshalb alles um wenig zeit zu finden für die Einfachheit der Natur und Gottes Schöpfung.
    Das Komplizierte ist spannend und führt immer wieder in die Irre. Oder will der Mensch von grund aus immer gesucht und gerettet werden, aus dem Schlammasel das ihm so begehrt.

  9. Nur eins, was mir wichtig erscheint – i.S. nahendes Luther-Jahr 2017!
    Mir düngt, dass es keine Feierlichkeit i.S. Luther geben wird!
    Diese Häresie wird der Himmel NIE zulassen!!

  10. Leider ist der Protestantismus so weit in die konziliare oder nachkonziliare Kirche eingedrungen, dass fast schon ein neuer Glaube entstanden ist.
    Natürlich sind die eigenen Erfahrungen nicht repräsentativ, aber ich erlebe es immer wieder in Gesprächen mit Katholiken, die sich selbst als „gut katholisch“ bezeichnen, dass sie katholische Grundwahrheit leugnen: „…Dogmen, die Zeit ist vorbei. Die Unfehlbarkeit des Papstes wurde doch erst vor wenigen Jahrhunderten ‚erfunden.‘ Wir glauben alle an einen Gott.“

    Es gibt nie nur einen Grund, aber der wichtigste Grund dürfte die protestantisierte Messe Paul VI. sein und Bischöfe und Priester, die den Ökumenismus des 2. Vatikanischen Konzils zu einem Eckpfeiler ihrer Verkündigung machen.
    Wenn Jesus Christus nicht mehr der einzige Retter und Erlöser der Welt ist, der sein Wirken durch seine Kirche mit ihren Priestern fortsetzt, dann degeneriert die katholische Kirche zu einer katholisch-evangelikalen Misch-Religion. Dann versiegen die Priester- und Ordensberufungen, und die Kirchen leeren sich.

    Martin Luther hat übrigens nie die Allerlösung behauptet, wie einige unserer Star-Theologen und Johannes Paul II., dem man eine Nähe zu dieser Theorie leider nicht absprechen kann.
    Luther bestand noch darauf: Der Glaube, dass Jesus Christus uns am Kreuz erlöst hat, ist zu unserem Heil unbedingt erforderlich. Er leugnete wütend, dass in jeder hl. Messe das Kreuzesopfer Jesu Christi sakramental vergegenwärtigt wird.

    „Unsere Allerlöser“ halten noch nicht mal den Glauben an die Erlösung für heilsnotwendig. Die einleitenden und die abschließenden Worte von Johannes Paul II. zum interreligiösen Treffen in Assisi 1986 sind nur noch erschreckend. Das Charisma dieses Papstes, seine Frömmigkeit, die Verteidigung und gute Begründung der katholischen Morallehre verdecken seine teils gefährliche Theologie, die über Martin Luther noch hinaus geht.

    Hiermit hätten sich katholische Theologen dringend auseinander zu setzen. Doch sie rüsten bereits zu Einheitsbekundungen im Hinblick auf das Luther-Jubiläum 2017.

  11. Zur erwähnen:
    Die Luthermesse
    Von der Luthermesse zur neuen Messordnung. (von Marcel Levebvre)
    Dies geht auf ein Werk von Leo Cristiani, aus dem Jahre 1910 zurück und steht somit nicht im Verdacht von den gegenwärtigen Reformen beeinflusst worden zu sein

  12. Ich danke für das Interesse und die wohlwollenden Kommentare.

    Ich ersuche um Nachsicht für die zunächst vorhandenen Fehler im Text, die trotz mehrfacher Durchsicht übrig geblieben sind, inzwischen aber korrigiert wurden.

  13. Das wars, was ich neulich meinte: man muss die falsche Theologie Luthers konkret nachweisen und sich nicht mit seinem angeblichen oder wirklichen „pathologischen“ Charakter abgeben – das führt zu nichts, beweist nichts und ist auch nicht zulässig.

    Der Widersinn des „sola scriptura-Prinzips“ liegt darin, dass es die Schrift vor die Tradition lagert, als sei die vom Himmel gefallen. Nun ist die Schrift vornehmstes Produkt der Tradition Israels und der Kirche. Wenn man das Traditionsprinzip ablehnt, muss man zwangsläufig eines Tages auch die tradierte Schrift über Bord werfen. Zu dem Schluss kam der junge Schleiermacher: der wahre Glaubende ist der, der sich selbst eine Heilige Schrift schreiben kann.

    Dass allerdings maches, was Luther so brutal auführte, ganz „katholisch“ war, sagte ich schon – man kann es nicht ihm anlasten. Nicht Luther erfand den Hexenwahn, nicht Luther erfand den Antijudaismus, nicht Luther erfand die Schmähung der Frau – das alles lieferte reich ein katholischer Mainstream seiner Zeit, freilich niemals lehramtlich anerkannt (was mit einer Kritik am jüdischen Irrglauben und der Bestätigung, dass es Hexer gibt, nicht zu verwechseln ist).

    Es ist in all diesem Gewirr notwendig anzuerkennen, dass die Lage der Kirche im 15./16. Jh so desolat war, und dies seit Jahrhunderten der Schismen, des machtkampfes zwischen Kaiser und Papst, zwischen Kaiser und Fürsten (!), mit Hurern und Mördern auf dem Stuhl Petri, raffgierigen Bischöfen, Ämterkauf, unguten Machenschaften von Kirchenleuten und Fürsten, theologischem Chaos auch damals schon (!!!), dazu die Umstürze der beginnenden Neuzeit mit ihren Entzauberungen….

    Die Sprache der Renaissance und frühen Neuzeit ist brutal für heutige bürgerliche Ohren. Dazu lese man spätmittelalterliche deutsche Schriften oder den Simplicissimus. Das war damals nicht unüblich. Ich würde Luthers Sprache an sich selbst, die andererseits wieder sehr schön sein kann, moralisch nicht überbewerten. Harte theologische Aussagen wären auch dann hart, wenn er sie vornehmer formuliert hätte!

    Mir fällt durch die Vertiefung in die Geschichte auf, dass all dieses Irrige von Anfang an schwelte, dass die Zeit der Kirche eben kein stetiges „Hin zum Besseren“ ist, sondern ein Ausgären des „mysterium iniquitatis“ (Geh. d. Bösen) NEBEN UND MIT der Ausbreitung des Evangeliums in alle Welt.
    Luther hat nicht bloß etwas „Erreichtes“ verstoßen, sondern lange Gärendes ausgefaltet.
    Und das wird so weitergehen, bis der Herr wiederkommt – sagt die Tradition.

    Es wäre daher ein echtes Nota bene aus der Geschichte, sich klarzumachen, dass uns all dies vorhergesagt ist, wir hier keinen Ort haben und keine Ruhe finden werden, sondern einem anderen Äon entgegen gehen.

    Wer irren will, der wird weiterirren – es wird nichts bringen, den willentlich Irrenden mit antilutherischen Prügeln zu schlagen. Das hat 500 Jahre lang nichts gebracht!
    Ihn aber zurücklassen und auf den kommenden Herrn schauen.
    Das wäre ein Zeichen.

    • Und weiter geht es mit den Dolchstößen gegen die Tradition aus der Feder der apostatischen Frau „Zeitschnur“…

      • Sie relativiert den Erzhäreitker Luther durch und durch, indem sie schreibt, dass alles, was an Luther verabscheuungswürdig war, im Grunde schon vorher in der Kirche „angelegt“ gewesen sein. Das ist klassische Nestbeschmutzung, ja schlicht die Unwahrheit.

        Schlimmer noch: sie lobt den Luther sogar noch für seine angeblich „schöne“, in Wahrheit aber ordinäre und abgrundtief untergriffige Sprache.

      • @ Traditionstreuer

        Ihr Schwarz-Weiß-Denken versperrt Ihnen jede Möglichkeit, einen etwas komplexeren Gedankengang zu verstehen…

        Ich habe etwas ganz anderes geschrieben. Das, was an Luther verabscheuungswert ist, ist einerseits und v.a. seine falsche Theologie – das, was die Kirche verurteilt hat. Das ist das eigentliche und verhängnisvolle Problem. Alles andere ist zweitrangig.

        Dabei muss man aber beachten, dass er in vielem, was ebenfalls verabscheujngswürdig ist, dem damaligen (und leider auch heutigen) traditionellen „katholischen „Mainstream“ entsprach (der aber nicht der Lehre entspricht).

        Es hat also was, dass ausgerechnet solche „Traditionstreuen“, die dieselben dreisten und vulgären Sprüche, die sie Luther vorwerfen, sogar hier im Forum schon zum besten gegeben haben, nun diesbezüglich zu Gericht über den „Erzhäretiker“ sitzen.
        Denken Sie darüber einfach mal in Ruhe nach…

        Wer von Sprache nichts versteht, sollte darüber schweigen. Luther war mit seiner derben Sprache ganz im damaligen Zeitstil.
        Dennoch ist seine Bibelübersetzung – völlig unabhängig von damit verbundenen theologischen Fragen……ich werbe um differenziertes Denken und Fairness gegenüber dem Feind (wie war das mit der Feindesliebe?) – sprachlich in großen Teilen sehr schön. Darüber besteht allerdings unter Sprachwissenschaftlern und Literaturwissenschaftlern auch sachlich begründete Einigkeit. Es ist so, wie man Goethe eine wirklich poetische und schöne Sprache zugestehen MUSS, auch wenn man ideologisch seinen Texten mit Distanz begegnen will.

      • Es ist doch nicht zu bestreiten, daß alle Häresien schon sehr früh in der Kirchengeschichte auftauchten. Vor kurzem kam meine Tochter mit einer Häresie aus dem Religionsunterricht, die ich mit Justin dem Märtyrer beantworten konnte!
        Ist halt so.
        Und was die Sprache angeht: Vergleichen Sie den Psalm 23 in der Luther- mit der Einheitsübersetzung. Daher rührt ja auch Luthers Erfolg.

      • ich empfinde das genauso-es ist meines Erachtens absolut unmöglich die sehr geschundene ,von Natur aus tiefreligiöse Seele Luthers in ihren abgrundtiefen Verirrungen zu verstehen ohne die Pathologie dieses armen Menschen zu betrachten.Dazu gehört seine unbändige Fäkalsprache die sämtliche damalig ähnlichgelagerte Gelehrte zueigen hatten.Aber er lässt diese weit hinter sich.Sicherlich auch eine Folge seiner Sprachgewalt-die ja mehr als ausserordentlich ist.Aber die Triebfedern besonders in seinen letzten Jahren sind Hass und Rache gegen seine Hauptfeinde:Juden-Muslime(Türken) und besonders der Papst und unsere Heilige Kirche..Anna katharina Emmerich sagte, er sei gerettet , müsse aber bis zum Jüngsten Tag im Fegefeuer warten.
        nb.darüber debattiere ich nicht sondern bete inständig für seine Seele-Gott möge sich seiner erbarmen-was wir für uns alle ebenso erflehen.

      • @Wolfgang Franz:
        Luthers Fäkel-, Gossen- und Sudelsprache hat doch nicht vor seiner „Bibelübersetzung“ halt gemacht! Schauen Sie sich mal an, wie oft Worte wie „geil“ und „Geilen“ in der unseligen „Lutherbibel“ vorkommen.
        Ich bin freilich auch kein Freund der „Eineitsübersetzung“. Aber zivilisierter als der ordinäre Luther ist sie natürlich.

        Mein Fazit: Man hätte die Hl. Schrift niemals aus dem Lateinischen in „Volkssprachen“ übersetzen sollen. Es ist ein schlimmer Sündenfall des Räuberkonzils, dass sich die Kirche damit auf die Spuren des Populisten Luther begeben hat. Die Bibel gehört – wie das über 19 Jahrhunderte Usus war n der Kirche, in die Hände des Klerus, nicht des Volkes (es sei denn, die Leute können noch anständig Latein).

      • Ich habe das dringende Gefühl, daß Sie in Wahrheit ein hier getarnt schreibender Freimaurer sind. Mit Ihren pöbelhaften Auslassungen und Beleidigungen dienen Sie nur der Diskreditierung der Tradition und Ihrer Anhänger.
        Jeder, der Ihr niedriges Geschreibsel liest, wendet sich mit Schaudern ab und fragt sich, ob das repräsentativ für die Traditionsanhänger ist.

      • Nicht nur das. Er ist auch – gemeinsam mit den erzprotestantischen Preußenkönigen und Kaisern! – der geistige Vater des 1. und 2. Weltkriegs, also mitverantwortlich für an die 80 Millionen Tote.

    • Verehrte Zeitschnur, und wie das etwas bringt, gegen Luther zu schimpfen!
      Erstens ist schwer zu unterscheiden, wie willentlich jemand irrt, ich habe zwar immer mal wieder Zweifel an Luther gehabt und bin in der lutherischen Kirchengemeinschaft nur geblieben, weil die sozialistische die es sonst gab noch schlimmer war, aber ich habe noch im Alter von knapp 18 Jahren einen flammenden Aufsatz über Luther und seinen heldenhaften Kampf gegen die Obrigkeit geschrieben (wahrhaftig, den Brechreiz ob dessen kann ich nur unterdrücken, weil dieser Aufsatz nun eine starke Waffe gegen Luther geworden ist).
      Mir hätte es viel gebracht, mich einmal damit zu beschäftigen, was Luther wirklich über die Juden gesagt hat, und was eigentlich wirklich in den 95 Thesen stand, und meinem Vater auch! Und für die willentlich Irrenden schafft es wenigstens klare Verhältnisse, denn keiner der Luthers Hetzschriften, insbesondere gegen die Juden kennt, kann behaupten, er hätte es nicht gewusst, was er tut, wenn er Ökumene predigt!
      Dann hat jeder treue Katholik das Recht, sie als Hitlersöhne zu beschimpfen, ich versichere, das bringt jeden auf die Palme, und verwirrt außerdem ihr bestehende Bild ganz beträchtlich, und schafft, wie gesagt, in jedem Fall eines: Klare Verhältnisse!
      Ich sage: Benennt alle Pastoren und Ökumenepriester als Nazis, denn sie sind es!!!

      • @ euca

        Es ist aber doch ein Unterschied zwischen einer sachlichen und fundierten Auseinandersetzung ad rem und einer Hetze ad personam.

        Eine Auseinandersetzung „ad rem“ (in der Sache) ist eine vernünftige, vernunftgeleitete und faire Untersuchung Luthers und seiner Theologie samt deren Folgen.

        Eine widerwärtige und unzulässige Auseinandersetzung ad personam (gegen die Person) will den, dessen Werk man ablehnt, durch Pathologisierung und Dämonisierung „widerlegen“.
        Es ist Zeichen eines katastrophalen Niedergangs, dass man das auch unter Tradis ständig aufrechthalten muss – das war mal Zivilisationsstandard! Und bis heute ist solche öffentliche Pathologisierung in einer aktuellen Auseinandersetzung zwischen Personen strafbar, vielleicht wissen Sie das gar nicht….

        Ihren politischen Auslassungen kann und will ich nicht folgen. Das ist unmöglich und antichristlich. Für den Glauben sind auch protestantische Pfarrer ermordet worden – Bonhoeffer oder dieser Dorfpfarrer Paul Schneider, dessen Witwe ich als Studentin einmal zufällig noch kennenlernen konnte – gleich wie man zu deren Theologie stehen mag (und sie sind auch nur Nachfahren einer Linie, für die sie nicht selbst verantwortlich waren, sahen es vielleicht nicht besser, konnten nicht – das ist so schwer zu beurteilen von außen!), das waren keine „Nazis“, sondern Opfer der Nazis, ermordet von den Nazis.

        Es ist mir unendlich peinlich, wenn wir uns auf diesem Niveau bewegen.

        Es ist der Heilige Geist, der auch den einzelnen zur Wahrheit führt.
        Und nun frage ich Sie: hat der Heilige Geist je Hetzpamphlete gegen Luther verfasst oder auf diese Weise Leute zurück zur Katholischen Kirche gebracht?

        Sie wissen es genauso gut wie ich: NEIN.

        Der einzelne, der im Protestantismus aufwächst, muss viele Hürden überwinden, und möglich macht dies ruhige Aufklärung, ein fairer, aber klarer Diskurs und einfach Zeit, die man dem verirrten Schaf zugesteht. Es soll doch keiner erst kopflos gemacht und dann zurückgeprügelt werden oder durch ad-personam-Pamphlete in Panik versetzt werden. Durch wachsende Erkenntnis und Umkehr, alles in Ruhe, alles in der sanften Leitung des Hl. Geistes – das ist der rechte Weg.

  14. Ja, Herr Franz, das darf gewagt werden. Friedrich II. ist der Totengräber des alten Reiches. Sein Raubkrieg hat das politische Gefüge Europas nachhaltig negativ verändert. Bismarck war auch kein Glück für Deutschland. Erinnert sei die harte Verfolgung der katholischen Kirche. Wir haben keinen Grund, diese Personen hoch zu schätzen.

    • Das alte Reich war wahrhaftig schon vor Friedrich dem Großen tot. Das Haus Habsburg hatte daran auch seinen Anteil, kümmerte es sich doch nie wirklich um das Reich. Der „Raubkrieg“, den Sie wohl meinen, war wahrhaftig nicht der einzige im 18. Jh. Da Gefüge Europas hat er weniger verändert als das der Welt. Ob die Geburt der britischen Seeherrschaft und damit auch der USA, weswegen er englisch nur „Frederick the Great“ heisst, positiv oder negativ ist, ist Auffassungssache.
      Bismarcks Kulturkampf möchte ich nicht verteidigen. Aber er hat immerhin Deutschland wiedervereinigt. Ihn aber mit Hitler in einen Topf zu werfen, ist infam.

      • Ohne den protestantischen Preußenmilitarismus, insbesondere des unsäglichen Friedrich Zwo, kein Hitler.

      • Was soll daran ein Verdienst sein, dass Bismarck Deutschland vereinigt hat? Das führte dazu, dass die gesunden süddeutsch-katholischen Länder unterr die Knute des fanatisch militarisierten preussischen Staatsprotestantismus kamen und nichts mehr zu melden hatten. Und so geht es bis heute…

  15. Zu @ Zeitschnur
    Da hat sie aber kräftig zugegriffen in die Mottenkiste, in der die so bösartige katholische Kirche für alle Kirchenfeinde lagert.
    Zunächst: Die katholische Kirche lehrt selbst, dass ihre Mitglieder hier auf Erden Sünder sind. Menschliche Schwächen, Sünden haften immer auch an Päpsten, Bischöfen und den Gläubigen.

    Nie hat sich die katholische Kirche in Fragen des Glaubens grundlegend geirrt. Es gab nie ein allgemeines „Glaubenschaos“, der empfangene geoffenbarte Glaube wurde nie geändert. Theologische Streitigkeiten wurden dann beendet, wenn das Lehramt unfehlbar entschieden hat. Der fortwährende Kampf gegen Häretiker ist nicht mit Glaubenschaos zu verwechseln. Um es deutlich zu sagen: Es gibt kein einziges Dogma, das vom Lehramt verbindlich und definitiv geändert wurde. 2000 Jahre lang! Auch das 2. Vatikanische Konzil hat keine neue Glaubenswahrheit verkündet, die definitiv von der ganzen Kirche zu glauben ist.

    Martin Luther wurde zu recht als Häretiker verurteilt:
    1) Er leugnete das verbindliche, unfehlbare Lehramt der Kirche. Jeder kann die Heilige Schrift nach seinem Gewissen auslegen.
    2) Er hatte ein völlig negatives Bild vom Menschen. Er sah ihn als so böse, als so verdorben an, dass er mit der von Jesus Christus verdienten oder geschenkten Gnade nicht mitarbeiten kann.
    3) Deswegen musste er den Opfercharakter der hl. Messe leugnen. Dass uns hier die Verdienste Jesu Christi zugewendet werden bei innerer Aufnahmebereitschaft, passt nicht in seine Theologie, nach der nur allein der Glaube, dass Jesus Christus uns am Kreuz erlöst hat, zählt, während unsere Werke belanglos sind. Was der Botschaft Jesu Christi in keiner Weise entspricht.

    Genug der Aufzählungen, die mir spontan einfallen. Noch ein Blick zurück in die Mottenkiste: Nachweislich entstand der Hexenwahn in Mittel- und Nordeuropa. Mit der römisch-katholischen Kirche hatte er am wenigsten zu tun. Lange Zeit weigerte sich die Inquisition, trotz Anklagen überhaupt Prozesse zuzulassen. Soweit mir bekannt ist, hat die spanische Inquisition nie einen Hexenprozess geführt: Weil die katholische Kirche nicht an Hexen glaubte, konnte sie auch niemanden als Hexen verurteilen.
    Der Druck kam aus einer teils hysterischen Bevölkerung, die Hexenprozesse fanden in der Regel vor der weltlichen Gerichtsbarkeit statt.
    Die katholische Kirche hat nie die Persönlichkeit Luthers offiziell in Lehraussagen hineingenommen, sie hat ausschließlich seine Häresien verurteilt.

    Dennoch ist die Persönlichkeit eines Religionsstifters nicht gleichgültig. Wir sind keine reinen Geister, wir sind keine Engel. Wir werden nicht nur von unserer Vernunft gesteuert, sondern auch von unseren Emotionen, Trieben.

    Wie eine gute Mutter kommt uns unsere Kirche entgegen: Mit Hilfe einer guten Beichtvorbereitung können wir unser Gewissen erforschen, unsere Sünden bereuen. Im Namen Jesu Christi spricht uns der Priester von unseren Sünden los.
    Martin Luther lehnte diese Kirche ab.

    • Ein grosses Danke für diese klare Antwort auf die unerträglichen Angriffe der Frau Zeitschnur gegen die Tradition der Kirche. Sie haben alles Wesentliche gesagt!

  16. Wie mit all den bedrückenden Entwicklungen in der katholischen Kirche umgehen?

    Der letzte Absatz im Kommentar von @Zeitlos ist tröstlich für mich.
    Gewissenserforschung, gute Beichtvorbereitung, Reue und das frohe Vertrauen auf die Lossprechung der eigenen Sünden.
    Diese Aufzählung ist immer gültig und nehme sie deshalb gerne und dankbar an.
    Aber es kann schwierig sein, einen Priester zu finden, der eine Sünde auch als eine solche erkennt und benennt und mit dem Beichtenden darüber spricht?
    Ich möchte kein „Schwamm drüber“-Gespräch, sondern erhoffe eine wirkliche Hilfe.
    Deshalb brauche ich das unbedingte Vertrauen in die Glaubenstreue des Priesters, bei einem zeitgeistigen habe ich das nicht.

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