Will EU Kirche in den Ruin treiben? – Gerechtigkeit, IKEA und Steuerparadiese

Parole der Radikalen Partei
Parole der Radikalen Partei mit Anspielung an die Französische Revolution

(Rom) In einigen europäischen Ländern, darunter auch Italien und Spanien, führen kirchenfeindliche Gruppen Hetzkampagnen durch. Der Kirche wird vorgeworfen, ungerechtfertigte Steuerprivilegien zu genießen. Gezielt wird mit der Aktivierung des Neidkomplexes kalkuliert. Im Gegensatz zur Kirche sind es die Protagonisten dieser Kampagnen, die teils auf Kosten des Staates leben und goldene Privilegien genießen. Noch deftiger wird es, wenn dieselben Kreise zu den internationalen Multikonzernen schweigen, die sich ganz legal in Steuerparadiese verdrücken und keine oder so gut wie keine Steuern bezahlen. Vielleicht weil sie politisch korrekte Propaganda betreiben und Organisationen unterstützen, wie die neue gay friendly Haltung des schwedischen Möbelriesen Ikea? An Ikea ist außer den Farben gelb-blau nichts mehr schwedisch und Steuern „bezahlt“ das Unternehmen auf den fernen Antillen unter wohliger Sonne. Doch der Reihe nach.

Wenn sich „Gleichheit“ auf Kirchenfeindlichkeit reimt

In Italien mit seiner Hauptstadt Rom, der „Stadt des Papstes“ findet seit vielen Jahren ein erbitterter Kampf radikaler Kräfte gegen die Katholische Kirche statt. Dazu gehört auch der Versuch, auf dem Gerichtsweg wegen angeblichem Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip Steuererleichterungen für die Kirche zu Fall zu bringen. Gemeint ist die Befreiung von der Immobiliensteuer. Ausgenommen von der Immobiliensteuer ist nicht der gesamte Immobilienbesitz in kirchlicher Trägerschaft. Wenn eine Diözese oder ein Kloster über Wohnungen verfügt und diese vermietet, müssen uneingeschränkt die entsprechenden Steuern geleistet werden. Die Steuerbefreiung gilt nur für die Kultstätten, das heißt Kathedralen, Kirchen, Kapellen, für Klöster und Pfarrhäuser. Dazu kommen Gebäude, die direkt von kirchlichen Einrichtungen für religiöse Zwecke genützt werden.

Die pathologisch kirchenfeindliche Radikale Partei von Marco Pannella und Emma Bonino, ein Mitbegründer in den 1950er Jahren war auch Eugenio Scalfari, hetzt mit der Behauptung „skandalöser Privilegien“ und fordert „Gleiche Rechte und Pflichten für alle“. Dabei wird in der Öffentlichkeit auf Ferienhäuser verwiesen, die von der Kirche betrieben würden und dem Gastgewerbe „Konkurrenz“ machen. In Wirklichkeit gehört auch es seit Entstehung des Massentourismus in der Zwischenkriegszeit zu ihrem Sozialapostolat, weniger wohlhabenden Menschen einen Urlaub zu ermöglichen. Eine Form, die eine Steuerbegünstigung zwingend macht, weil die Tätigkeit nicht auf Gewinn ausgerichtet ist. Müßten die Steuern in voller Höhe bezahlt werden (bestimmte Abgaben werden ohnehin entrichtet), müßten die Aktivitäten aufgelassen werden.

Die absichtlich falsche Rechnung der Kirchengegner

Rom, die Stadt der Kirchen
Rom, die Stadt der Kirchen

Was die Radikalen verschweigen: Der weitaus größte Teil der Immobilien betrifft Sakralbauten. Niemand, weder die Kirche noch der Staat könnten die Immobiliensteuer für die Kultbauten stemmen. Im Gegenzug kommt die Kirche für deren Erhaltung auf, für die sie in Italien vom Staat kaum Unterstützung erhält. Die Öffentlichkeit hat keinen Schaden, dafür aber einen großen Nutzen, weil die Kirche das kulturelle, historische und kunsthistorische Erbe bewahrt. Eine Aufgabe, die zu den Staatspflichten gehört und der Volkswirtschaft Einnahmen bringt, da für den Fremdenverkehr von größter Bedeutung.

Der italienische Gesetzgeber und der Oberste Gerichtshof Italiens haben die Sache zugunsten der Kirche geklärt. Deshalb zogen die Radikalen vor den Europäischen Gerichtshof, ein Organ der Europäischen Union. Und dort scheint man entschlossen, die Katholische Kirche in den Bankrott zu treiben. Sollte dem radikalen Antrag rechtgegeben werden, bekäme die Kirche nicht nur eine Steuerlast aufgebürdet, die sie nicht tragen kann, sondern müßte über viele Jahre rückwirkend zahlen, was den faktischen Ruin bedeutet.

Was aber käme gelegener, als auf dem bürokratischen Weg und damit statt über den ideologischen Kampf vermeintlich neutral die Kirche zu vernichten? Der Rechtsstreit geht auf das Jahr 2004 zurück und überschattete bereits das ganze Pontifikat von Papst Benedikt XVI. Beobachter sehen darin, wenn nicht den brutalen Versuch, die Kirche auszuschalten, dann zumindest den Versuch einer Erpressung. Um das Damoklesschwert abzuwenden, könnten „Gegenleistungen“ verlangt werden. Eine Liste möglicher Gegenleistungen wurde bereits im Rahmen verschiedener internationaler Gremien genannt, nicht nur vom UNO-Kinderrechtskomitee im vergangenen Februar zugunsten der Gender-Ideologie, der Abtreibung und der frühkindlichen Sexualisierung.

Keine Steuergerechtigkeit

Europäischer Gerichtshof
Europäischer Gerichtshof

Doch die Radikalen werden nicht von Gerechtigkeit und Gleichheit angetrieben, sondern von zynischem Haß gegen Kirche. Man könnte auch sagen von verlogenem Haß, denn die Radikale Partei und ihre Einrichtungen leben im Gegensatz zur Kirche tatsächlich wie ein Schmarotzer auf Kosten des Steuerzahlers. Die Partei, obwohl winzig klein, läßt sich vom Staat ihren Radiosender Radio Radicale finanzieren. Begründet wird das mit Direktübertragungen von den Parlamentssitzungen. Eine Aufgabe, die auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk erfüllt oder erfüllen kann.

Jährlich fließen Steuermillionen in das Radio, mit dem sich, obwohl illegal, auch die Partei und andere radikale Einrichtungen finanzieren. Die Politik weiß das, drückt aber die Augen zu, weil es entsprechende Agreements gibt.

Die von den Radikalen behaupteten „Steuerprivilegien“ der Katholischen Kirche gelten übrigens für alle anerkannten Religionsgemeinschaften Italiens, zu denen die Israeltischen Kultusgemeinden ebenso zählen wie Lutheraner, Waldenser, Zeugen Jehovas, Moslems und andere mehr. Der Kampf der Radikalen richtet sich jedoch einzig gegen die Katholische Kirche. Derzeit behängt ihre Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Eine Entscheidung steht noch aus.

Der antiklerikale Aktionismus der Radikalen wurde jüngst einmal mehr bloßgestellt. Während die Radikalen gegen angebliche „Steuerprivilegien“ der Katholischen Kirche kämpfen, schweigen sie zu tatsächlichen Steuerprivilegien von Ikea und anderen internationalen Großunternehmen.

Das Steuerparadies von Ikea (und anderer multinationaler Konzerne)

Ikea mit Steuersitz auf den Antillen
Ikea mit Steuersitz auf den Antillen

Das schwedische Einrichtungsunternehmen IKEA beschäftigt sich nicht nur mit schwedischen Kästen, niederländischen Stühlen und „chinesischen Schachteln“, sondern auch mit einem Steuerparadies auf den Antillen. Das Ganze ist professionell in Matroschka-Figuren verschachtelt.

Ikea mit den Einrichtungsgegenständen zum günstigen Preis ist ein Wirtschaftsimperium mit über 130.000 Angestellten, das 2013 28,5 Milliarden Euro Umsatz machte. Das 1943 gegründete schwedische Unternehmen ist heute jedoch eine Stiftung in den Niederlanden, nämlich die Stichting INGKA Foundation. Obwohl der multinationale Konzern mit 130.000 Angestellten 2013 28,5 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete, bezahlt er Steuern wie ein humanitäres Hilfswerk, das in Kalkuttas Armenviertel warmes Essen an Obdachlose ausgibt.

Gefinkelte Rechtskonstruktionen machen es möglich, daß sich der Möbelriese als Stiftung ohne Gewinnzweck konstituieren konnte, dessen Zweck es nicht etwa ist, Geld zu verdienen, sondern in der Welt „den Fortschritt der Architektur und des Interior Design zu fördern“. Begründet wird das Ganze zum Zweck der Bildung von „Kapitalreserven“ für die Ikea-Gruppe.

Mit anderen Worten: Ikea ist ein Hilfswerk zur Förderung des Allgemeinwohls ohne jedes Gewinnstreben wie die Caritas, die eine Suppenküche für Armen in einem Hinterhof, ein Flüchtlingsheim oder ein Waisenhaus betreibt. Dank Niederlassungen in Luxemburg und auf den Antillen bezahlt das Unternehmen Ikea recte die wohltätige Stiftung Ingka nur 3,5 Prozent an den Fiskus. Und das alles legal und unter Einhaltung des geltenden Gesetzes. Wenn man das nicht den perfekten „sozialen Kapitalismus“ nennen kann: Gewinn für wenige, Möbel für alle. Und das alles, ohne zuviel mit dem Staat teilen zu müssen.

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad, der heute nicht mehr in Schweden, sondern in der Schweiz lebt, galt 2012 als der sechstreichste Mann der Welt. Laut dem US-Magazin Forbes besitzt er ein Privatvermögen von 36,9 Milliarden Dollar.

Die Ikea-Stiftung und alles ganz legal

Was hier am Beispiel von Ikea dargestellt wurde, gilt weder exklusiv für das ehemals schwedische Unternehmen noch handelt es sich dabei um eine Erfindung von Ingvar Kamprad. Dasselbe „System“ wird von zahlreichen Firmen genützt, so daß beträchtliche Teile des gesamten Wirtschaftsaufkommens am Fiskus vorbeigeschleust werden, den Staaten und der Allgemeinheit nichts bringen, einigen wenigen um so mehr. Gleichzeitig drehen die Finanzminister die Steuerschraube immer enger und die Finanzbehörden machen Jagd teils wegen Lappalien auf Unternehmer, Handwerker, Angestellte, die ihren Steuersitz im eigenen Staat belassen und damit grundsätzlich schon mehr Ehrlichkeit beweisen als Großkonzerne wie Ikea.

Unter solchen Bedingungen ist es dann leicht als Mäzen aufzutreten und sich in der Öffentlichkeit einen guten Namen zu verschaffen. Ikea, das längst kein schwedisches Unternehmen mehr ist und dort auch keine Steuern zahlt, fördert jährlich großzügig einige schwedische Universitäten. Imagepflege, denn darüber berichten die Medien. Die Verlegung des Steuersitzes ist den meisten Schweden nicht bekannt und noch weniger bewußt.

Ikea ist heute offiziell ein niederländisches Unternehmen namens Inka Holding mit Sitz auf den Niederländischen Antillen, die sich im Besitz der 1982 gegründeten Stichting Ingka Foundation mit Sitz in Leiden in den Niederlanden befindet.

Matroschka-System: Wer durchschaut die Schachtel-Konstruktion?

Der Trick? Nicht die geniale Idee günstige Möbel zur Selbstmontage zu verkaufen, sondern eine komplizierte Gesellschaftsstruktur ausgetüftelt zu haben, die praktisch undurchdringbar ist. Ein Netzwerk, das eigens konstruiert wurde, um die Steuerzahlungen zu umgehen, oder – je nach Sichtweise – Steuerschlupflöcher zu nützen. Mit anderen Worten: So wenig Steuern wie möglich zu zahlen, ohne das Gesetz zu übertreten. Das beginnt mit der Verlegung des Rechtssitzes von Schweden in die Niederlande, wo der Steuerdruck für Unternehmen geringer ist. Das russische Matroscka-System oder nennen wir es auch chinesische Schachtel enthält zudem beispielsweise Inter Ikea Systems, der nur das geistige Eigentum am Markennamen gehört. Inter Ikea Systems wiederum gehört zu 100 Prozent der Inter Ikea Holding mit Sitz in Luxemburg. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wird sich einen Reim darauf machen können. Diese Holding wiederum gehört einer dritten Gesellschaft mit Sitz auf den Antillen, einem bekannten Steuerparadies. „Die dortige Gesellschaft wiederum wird von einem geheimnisvollen Trust mit Sitz in Curacao verwaltet“, wie die Zeitschrift Vita berichtet.

In jedem Land, in dem Ikea tätig ist, gibt es eine ganze Reihe weiterer Verschachtelungen. In Italien etwa bestehen gleich fünf Gesellschaften, die zur Ikea Italia Retail mit Sitz in Carugate gehören. Dieses Unternehmen ist für die Steuerzahlungen in Italien zuständig. Da Ikea nicht an der Börse notiert ist, unterliegt es wenigen Transparenzverpflichtungen ausgenommen die Rechnungsbücher der Retail. Die Schwestergesellschaften können die Daten austauschen und damit die schwarzen Zahlen aus Italien hinausverschieben und damit die Steuerlast in Italien reduzieren. Die Gesetze erlauben dieses Spielchen. Sie besagen, daß das Steuerregime des Landes gilt, wo sich der Rechtssitz befindet. Spielchen, die erst durch die neoliberale Welle der 90er Jahre möglich wurden und auch nach deren Platzen unter anderem Namen nach 2000 im Zuge der „Globalisierung“ der vier „Freiheiten“ perfektioniert wurden. In Italien zum Beispiel mit dem Staatgesetz 311 von 2004. Alles ist legal. Der Markennamen, wie am Beispiel Ikea gezeigt, wird als intellektuelles Eigentum in einer eigenen Gesellschaft geparkt, die den Unternehmer der eigenen Gruppe gegen teures Geld den Namen zur Verfügung stellt. Damit kann der Gewinn verlagert werden. Und natürlich sitzt der Letztnutznießer in einem Steuerparadies. Im Falle von Ikea sind das die Antillen.

Durch die Lappen schauen die Staaten, denen die Steuern entgehen. Damit hat der Kunde zwar vielleicht günstigere Möbel gekauft, doch für die Allgemeinheit stehen weniger Dienstleistungen zur Verfügung, der Staat muß die Steuern erhöhen und fordert diese von den eigenen Bürgern ein, auch von jenen, die nicht bei Ikea einkaufen. Die Unternehmensphilosophie dahinter, heute legt ja jedes Unternehmen Wert auf eine eigene „Philosophie“: Privatisierung des Gewinn, Sozialisierung der Lasten.

Das Unternehmen ist Gay friendly und steuererleichtert

Der ohnehin schon schwer verdauliche „niederländische Sandwich“ von Ikea wird gänzlich unappetitlich, wenn man noch die politisch korrekte gay friendly- Haltung des Unternehmens in Rechnung stellt. Die geheuchelte „solidarische“ Haltung gepaart mit Homo-Werbung ergibt eine Verdichtung einer neuen, unsympathischen Form des kapitalistischen Denkens. Oder wie lautet der neue Ikea-Werbespruch: „Wir sind offen für alle Familien“. Der Plural macht die Musik. Und für die Analphabeten wurden sicherheitshalber auf den riesen Werbeplakaten zwei händchenhaltende Männer abgebildet, die durch eine Ikea-Ausstellungshalle gehen und vollbepackte gelbe Taschen mit blauer Aufschrift tragen. Die Landesfarben sind das einzige, was noch schwedisch ist an Ikea.

Das Unternehmen ist geschickt: es nützt die Gesetze, die den Profit auf Kosten der Allgemeinheit fördern und schaffte es, sogar als gemeinnützig anerkannt zu werden und dafür reitet man gerne politisch korrekte Themen wie „Homo-Rechte“, was neue Seilschaften schafft und wohl auch Schutz bietet. Das angeblich gute schwedische Herz ist in Wirklichkeit beinhartes niederländisches Marketing unter der Sonne der Antillen.

Text: Andreas Becker
Bild: Wikicommons/MiL/NBQ/Radio Radicale

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22 Comments

  1. Hm. Was mich an den Ganzen stört: ich setze mich seit Jahren mit meinen bescheidenen Mitteln dafür ein, dass hier in Deutschland die unselige (Zwangs)Kirchensteuer endlich zu Fall kommt, mit der die Kiche fast nur kirchenfeindliche Aktivitäten finanziert. Ich weiß dabei den Vatikan, der diese Praxis seit vielen Jahren kritisiert, und nicht zuletzt Benedikt XVI. mit seiner Forderung nach „Entweltlichung“ der Kirche, nach Entäußerung ihrer materiellen Privilegien, auf unserer Seite.

    Da fällt es mir ehrlich gesagt schwer, zugleich gegen den Entzug steuerlicher Privilegien der Kirche zu ein, die ja auch ein Grund dafür sind, daß die Kirche sich nicht entweltlicht.

    • Was man auch bedenken muß, die Kirche wird von einem Großteil der Bevölkerung nicht mehr als prägend und notwendig für die Gesellschaft gesehen, sie wird als Dienstleistungebetrieb wahrgenommen, der vielleicht noch wichtiger als der Friseur ist.

      • „Franziskus I“ will ja eine „Arme Kirche“ wobei die Konzilskirche geistig schon ruiniert ist, soll sie es eben auch finanziell werden. Vielleicht muss sie ja zuerst völlig ruiniert werden um sich auf ihre wahre Aufgabe zurückzubesinnen um wie der Phönix aus der Asche zu steigen. Den die wenigen noch wahrlich katholischen Hirten und Vereinigungen die bauen ja eine Kirche nach der anderen, während die weltlich und nicht mehr geistig denkend und wirkende „Konzilskirche“ eine Kirche nach der anderen schließen muss und um die „Zwangskirchensteuerzahler“ bei der Stange zu halten eine Sünde nach der anderen abschafft.

        Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

  2. Die Besteuerung der Kirche und des Klerus ist ein Ärgernis und in sich sündhaft. Die (alte) Kirche hat zu Recht gegen diese sich immer widersetzt.
    Angriffe der Revolutionäre auf das Eigentum der Kirche, hatten immer das Telos ihr Heilswirken zu sabotieren und ihre Sendung zu beschweren. Deswegen war es auch ein Skandal als 2003 selbst katholische Würdenträger den schimpflichen Reichsdeputationshauptschluß von 1803 und die folgende „Säkularisierung“ von Kirchengütern priesen.

    • Wie bringen Sie diese Meinung mit Papst Benedikts Freiburger Forderung zusammen, die Kirche solle sich „entweltlichen“ und sich „ihrer materiellen Privilegien entäußern“? Stuererlich privilegierte Kirchen haben früher oder später immer viel zu sehr mit dem Staat gekungelt – wes Brot ich ess, des Lied ich sing. S. die protestantischen Landes“kirchen“ in Deutschland, oder auch die katholische deutsche Los-von-Rom-Nationalkirche, die faktisch längst eine Staatskirche geworden ist anstatt eine solze, selbstbewußte Weltkirche, die dem Staat auf die Finger schaut.

      • Nun, die alte Kirche hat sich stets um eine solide und breite materielle Basis für ihr Heilswirken gesorgt und von damals christlichen Staaten Privilegien zu Recht gefordert und diese erhalten. Ich sehe auch in der Säkularisierung von 1803 oder im Walten Josephs II. davor, einen Wendepunkt zum Schlechten. Immer mehr hat man die Kirche aus dem Leben und aus dem Alltag des Menschen verbannt sodaß sie nimmer mehr die ganze Gesellschaft durchwirken konnte. Das war ja auch der Impetus der Aufklärer und Kirchenfeinde bei den Enteignungen von Kirchengütern. Pius VI. und seine Nachfolger haben das stringent so argumentiert und die Konfiskationen folgerichtig sehr scharf verurteilt. Der Selbstvollzug der Kirche darf sich eben nicht auf Kult und Liturgie beschränken.
        Gut, Europa als Christenheit ist untergegangen und die Rahmenbedingungen haben sich geändert, aber sehr zum Nachteil für die Kirche.
        Doch, dass eine arme Kirche „spirituell“ so gut aufgestellt wäre ist doch ein romantischer Wunschtraum. Dann müßten Frankreich und die Romandie ja Bastionen des Glaubens geworden sein.
        Machen wir uns doch nichts vor diese „arme Kirche“ in Frankreich oder in der frankophonen Westschweiz, die aus ihren letzten Löchern pfeift, bietet doch nicht einen Grad weniger Anstoß oder dogmatischen Exzess apokalyptischer Verwirrung als die kirchensteuerfinanzierte Kirche Deutschlands.
        Die Kirchensteuer ist ein Ärgernis zwar, jedoch hat man der Kirche die materielle Grundlagen durch Enteignung und Säkularisierung entzogen.

      • Ihre Sichtweise ist in sich sehr stringent und überzeugend argumentiert, das muss ich sagen. Dennoch widerspreche ich: weil Sie auf der Grundlage eines „Konstantinischen Zitalters“ argumentieren. Das aber ist – nach menschlichem Ermessen: unwiderruflich – Vergangenheit, es kommt wohl auch nicht wieder. Die Säkularisation ist längst Realität, ob es einem gefällt oder nicht. Benedikt XVI. hat diese Realität nicht nur anerkannt, sondern in seiner „Freiburger Rede“ ja sogar positiv gewürdigt, wenn er davon sprach, daß die Phasen der Säkularisierung die Kirche wieder zurück zu ihrem eigentlichen Wesen gebracht haben. – Dies sehen offenkundig grundlegend anders.

      • Danke, Sie haben mich gut verstanden.
        Ich habe Benedikt XVI. immer sehr als einen der letzten abendländischen erudierten Denker geschätzt, und gerade deswegen hat mich die Freiburger Rede sehr erstaunt was seine Sicht -eben als einer der wenigen, die noch in größeren Parametern zu denken vermögen-, der Säkularisierung betrifft.
        Inwiefern die Kirche wieder zurück zu ihrem eigentlichen Wesen gekommen wäre erschließt sich mir nicht wirklich. Die letzten zweihundert Jahre sind doch eher ein Prozess der Verbannung von Glauben, Kirche und Gott ins Privatleben. Und der Milieu-Katholizismus des 19. Jahrhunderts war nicht unbedingt ein guter Ersatz. Wenn man zudem bedenkt wie Stifte und Klöster, Orte des Wissens und des Gebetes, aufgelassen, demoliert oder zweckentfremdet wurden, Pergamente und Handschriften bedeutendster Stiftsbibliotheken Alteuropas zum Einwickeln von Gemüse und Fisch verwendet wurden oder die Straßen pflasterten, Kultgeräte eingeschmolzen Heiligenfiguren und Altarretabeln in irgendwelchen Kollektionen der aufstrebenden Bourgeoisie landeten. Durch Jahrhunderte verwobene Bande zwischen Kirche und Volk, wenn man so will fruchtbare katholische Mikrostrukturen, wurden unwiederbringlich zerschlagen. Sozial und Kulturell, war es ein herber zivilisatorischer Rückschlag.
        Die Frage ob die Kirche „arm“ oder „reich“ sein solle hat seit Jahrhunderten beschäftigt. Klug fand ich den Ansatz der alten Kirche, auf einer soliden materiellen Grundlage wirken zu wollen jedoch Bettelorden und dergleichen als mitunter notwendiges Korrektiv zu fördern.

  3. Daß die „EU“ oder andere totalitäre Systeme/Potentaten die Kirche in den Ruin treiben woll(t)en, ist (war immer schon) Alltagsgeschäft. Joseph II., Roberspierre, Napoleon, Hitler, Stalin, Schulz…. Was soll’s.

  4. Was sicher notwendig ist, daß die Staaten und die Geselschaften ihr Verhältnis zu den Religionsgemeinschaften überprüfen. Religionsgemeinschaften haben heute für die Gesellschaft einen anderen Stellenwert als vor 100 Jahren.

  5. „tatsächlichen Steuerprivilegien von Ikea und anderen internationalen Großunternehmen“

    Aber, aber:

    Das sind doch die GUTEN, die die Markwirtschaft, die ja dem „Kommunismus“ so überlegen ist, einfach in der Praxis anwenden.

    Wer dagegen wettert ist nun einmal BÖSE, da ein Gegner unseres freien Wirtschaftssystems.

    Auch die Tradis wettern ganz eifrig gegen die, die sich gegen diese Art der Marktwirtschaft (Umverteilung von Arm zu Reich) wenden. Schliesslich ist Armut von Gott gewollt… Oder so ähnlich (Matthäus 25,29).

    Und da IKEA dem „Staat“ schadet, dürften viele Menschen jubeln. Denn die Staatsgegner haben zur Zeit Konjunktur (AfD, Tea Party – alles bei Konservativen sehr beliebt).

    • Bingo. Sie legen den Finger messerscharf auf einen der vielen Widersprüche, die in den Haltungen der „Tradis“ stecken.

  6. EU – atheistischer Totalitarismus – jeden Tag mehr satanisch

    und Deutschland wählt die EU, denn es gibt keine andere Partei und die Nichtwähler wählen auch die EU, wir wählen uns alle die Hölle auf Erden. In dem zerstörerischen Sinn der EU wird der EUGH urteilen, wenn nicht heute, so morgen.

    „Eine Liste möglicher Gegenleistungen wurde bereits im Rahmen verschiedener internationaler Gremien genannt, nicht nur vom UNO-Kinderrechtskomitee im vergangenen Februar zugunsten der Gender-Ideologie, der Abtreibung und der frühkindlichen Sexualisierung. “ Wie perfide, die katholische Kirche wird entweder finanziell zerstört oder gezwungen, die Menschen seelisch und körperlich zu zerstören.

    Gibt es denn niemanden in der Weltkirche, der die Zusammenhänge umfassend erkennt, eine Gegenstrategie entwickelt und alle dazu aufruft?? Denkt denn niemand in den Klöstern, in der Kurie, in den katholischen Akademien -oder sind alle schon ideologisiert, lässt man die anderen nicht zu?Oder ist es den Klugen und Weisen verborgen und nur den Einfältigen offensichtich? Wir sind so viele und die teuflischen Menschen noch nicht so viele, aber sie bekommen Geld z. B. von Bill Gates, IWF-Lagarde, etc. und sie bauen ihre Strukturen in Windeseile auf und instrumentalisieren nicht-denken-wollende-Gutmenschen. Unter dem Deckmäntelchen von „Toleranz“, „Solidarität“ werden die brutalsten Verbrechen begangen, menschliche Gesetze geschaffen, die zerstörerisch sind.
    Und erkennt doch endlich alle, dass die Gendersprache schwachsinnig ist (sprachliche Artikel von Worten, um den Inhalt des Satzes besser zu erkennen, haben nichts, aber auch gar nichts mit dem menschlichen Geschlecht zu tun!!). Der Eierstock, der Follikel, der Busen gehören nun mal nicht zum Mann!! Ich arbeite in einem Ministerium und mein Chef (Jurist) „korrigiert“; ich ändere meine Schreibweise aber nicht, also wird immer wieder „korrigiert“ – trotz vieler Argumente, Bücher, Zeitungsartikel – wenn einer nicht verstehen will????? Andere Kollegen lassen die „Korrektur“ zwangsweise zu, sie haben Angst um ihren Arbeitsplatz -so weit sind wir schon! Ich brauche meinen Arbeitsplatz nur noch kurz.

    Die Demokratie zeigt ihr Endgesicht, die ideologisierte Menschheit wählt zu 51% die Ideologie, es gibt keine politische Alternative, alle Parteien sind Ideologie und damit regiert die Ideologie und die Demokratie ist sinnlos geworden. Ich hoffe immer noch, dass Glaube stärker als Geld ist.
    Oh Herr Jesus, wir sehnen uns nach Deinem Königreich.

    • Natürlich werden die „Eliten“ dieser Welt, die sich aus Profitgier unmittelbarer Todsünden oder schwer sündhafter Strukturen bedienen, ihre gerechte Strafe vor Jesus Christus erhalten. Niemand wird sich vor Seinem Urteil drücken können. Durch die Globalisierung erlebt die Menschheit momentan ein noch nie da gewesenes Maß an direkter Aufforderung zur Todsünde auf allen möglichen Kanälen. Dies deckt sich mit den Verheißungen des Neuen Testaments, daß Satan kurz vor der leiblichen Wiederkehr Christi enorm auf unserem Planeten wüten wird.

      • Gibt es sündhafte Strukturen?

        Soweit ich weiss, ist dieser Ausdruck eine Erfindung von Johannes Paul II. und somit nicht in der Tradition der Kirche verankert.

        Allgemein wird ja immer gesagt, dass NUR der einzelne Mensch sündigen kann.

        Letztlich eine interessante Frage, denn auch die Mitarbeit bei einem Geheimdienst oder bei einer Rüstungsfirma wäre die Mitarbeit bei einer „sündhaften Struktur“.

      • @ Carlos, wenn der IS dabei wäre ihre Frau und Kinder und sie selber….und ein Trupp Soldaten käme und würde den IS Trupp verjagen, bzw gefangen nehmen, würden sie nicht mehr davon reden, dass es „sündhafte Strukturen“ waren, die Sie und Ihre Familie gerettet haben. Oder?

      • @ Carlos Sierra Moreno

        Natürlich kann die Tatsünde nur individuell von einem Menschen begangen werden. Es gibt gesellschaftliche Strukturen, die die Sünde zum System gemacht haben. Als Beispiel kann man die allgegenwärtige Propaganda in der westlichen Welt nennen, Morde an ungeborenen Kindern seien „Frauenrecht“. Der im Glauben nicht gefestigte Mensch muß erst einmal seinem richtig liegenden Gewissen folgen, daß Tötungen von Menschen außerhalb von Notwehr nie moralisch vertretbar sein können. Mit dieser Einsicht muß er sich schließlich in Opposition zu den ideologisch verblendeten Schreihälsen und zur trägen Masse der Gleichgültigen begeben, auch auf die Gefahr hin, als „Ewiggestriger“ und „Frauenfeind“ gesellschaftlich stigmatisiert zu werden.

  7. Wenn die Kirche ihr Vermögen verlöre und in den Stand zurückversetzt würde, in dem sich sich vor der ottonischen Reichsreform befand, dann würde in der Kirche vieles besser , weil sie für Glücksritter uninteressant würde.

  8. Ich bezweifle, dass es der Kirche gut tun würde arm zu werden, aber wir haben einen Pontifex der genau das will.
    Immerhin schient Gott unseren Papst sehr ernst zu nehmen, und scheint ihm seinen Wunsch zu erfüllen!
    Um es abzukürzen: manchmal kann einem Gott nichts Schimmeres antun, als einem seine Wünsche zu erfüllen!

    • Wenn GOTT uns etwas Schlimmes antut, dann ist es, das sagt die Hl. Schrift an zahlreichen Strellen, für uns notwendig immer zum Segen. Auch wenn wir es mit unserem diesseitigen Verstand nicht erkennen können. Darauf stelle ich mich. Und sehe deshalb einer „armen“ Kirche (sie wird auch in Jahrhunderten vergleichsweise immer noch „reich“ sein!) mit Gelassenheit und Gottvertrauen entgegen.

      • Ja dem ist wohl so werter Ultramontanus, wenn Gott uns unsere Wüsnche erfüllt und wir dann merken wie dumm diese waren, so ist das heilsamer, als wie wenn wir immer wieder romatisierend von der armen Kirche der Armen fabulieren würden, wobei die Kirche und die Welt natürlich immer arm ist, egal wie reich einer ist, im Vergleich zu der Herrlichkeit die wir für ein bisschen Apfel aufgegeben haben!

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