Was denkt Papst Franziskus von Europa?

Papst Franzikus auf dem Weg nach Straßburg
Papst Franzikus auf dem Weg nach Straßburg

(Rom/Straßburg) Heute wird Papst Franziskus das Europäische Parlament in Straßburg besuchen und zu den Abgeordneten sprechen. Am vergangenen 3. Oktober sprach Franziskus vor der Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen. Die Rede wurde bisher geheimgehalten und erst jetzt unmittelbar vor dem Straßburg-Besuch veröffentlicht.

Beide Reden richten sich an Europa, den „Alten Kontinent“ im Gegensatz zur „Neuen Welt“, aus der der argentinische Papst kommt. Die Rede an die europäischen Bischöfe ist dem Thema „Familie und Zukunft Europas“ gewidmet. Die Schwerpunktsetzung der Rede an die europäischen Abgeordneten wird demnächst bekannt sein.

Im Rat der Europäischen Bischofskonferenzen sind die 35 Bischofskonferenzen Europas zusammengeschlossen sowie die Erzbischöfe von Luxemburg und Montecarlo sowie der Bischof von Chisinau in Moldawien. Vorsitzender ist Kardinal Peter Erdö von Gran-Budapest.

Papst Franziskus sprach spontan und frei zu den Bischöfen, während der vorbereitete Text ausgeteilt wurde. Dabei fehlte es nicht an päpstlichen Seitenhieben gegen neue europäische Sitten.

Die Rede wird mit den nun in Straßburg an die Abgeordneten gerichteten Worten zu vergleichen und in einem gemeinsamen Kontext zu lesen sein.

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Ansprache von Papst Franziskus
an die Teilnehmer der Vollversammlung
des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen

Konsistoriensaal
Freitag, 3. Oktober 2014

Liebe Brüder im Bischofsamt!

Anlässlich der Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen begrüße ich euch alle sehr herzlich und danke Kardinal Peter Erdö für die Worte, mit denen er diese Begegnung eingeleitet hat.

Als Hirten seid ihr eurem Volk nahe und achtet auf die Bedürfnisse des Volkes. So seid ihr mit den komplexen Gegebenheiten und den großen Herausforderungen vertraut, denen die Sendung der Kirche auch in Europa gegenübersteht. Wie ich im Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium geschrieben habe, sind wir berufen, eine Kirche „im Aufbruch“ zu sein, die sich vom Zentrum aus zu den Randgebieten hin bewegt, um zu allen hinzugehen, ohne Ängste, ohne Misstrauen und mit apostolischem Mut (vgl. Nr. 20). Wie viele Brüder und Schwestern, wie viele Situationen, wie viele Lebensbereiche, auch die schwierigsten, brauchen das Licht des Evangeliums!

Ich möchte euch, liebe Brüder, für den Einsatz danken, mit dem ihr diesen Text angenommen habt. Ich weiß, dass dieses Dokument immer mehr Gegenstand umfangreicher pastoraler Überlegungen ist sowie Ansporn für Wege des Glaubens und der Evangelisierung in vielen Pfarreien, Gemeinschaften und Gruppen. Auch das ist ein Zeichen der Gemeinschaft und der Einheit der Kirche.

Das Thema eurer Vollversammlung – „Familie und Zukunft Europas“ – ist eine wichtige Gelegenheit, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie die Familie als wertvolle Ressource für die pastorale Erneuerung Wertschätzung erfahren kann. Es erscheint mir wichtig, dass Hirten und Familien zusammenarbeiten, im Geist der Demut und des aufrichtigen Dialogs, damit die Pfarrgemeinden zu „Familien von Familien“ werden.

Auf diesem Gebiet sind innerhalb eurer jeweiligen Ortskirchen interessante Erfahrungen entstanden, denen die notwendige Aufmerksamkeit und immer mehr fruchtbare Zusammenarbeit zuteil werden müssen: Verlobte, die die Ehevorbereitung ernsthaft leben; Ehepaare, die Kinder anderer vorübergehend annehmen oder adoptieren; Gruppen von Familien, die einander in Pfarreien oder Bewegungen auf dem Lebens- und Glaubensweg unterstützen. Es mangelt nicht an verschiedenen Erfahrungen der Familienpastoral und des politischen und sozialen Engagements zur Unterstützung der Familien – sowohl jener, die ein geordnetes Eheleben führen, als auch jener, die von Problemen oder Trennungen geprägt sind. Es ist wichtig, diese bedeutsamen Erfahrungen, die in den verschiedenen Lebensbereichen der Männer und Frauen unserer Zeit vorhanden sind, zu erfassen und einer angemessenen Entscheidungsfindung zu unterziehen, um sie dann »ins Netz zu stellen« und so andere Diözesangemeinschaften einzubeziehen. Die Zusammenarbeit zwischen Hirten und Familien erstreckt sich auch auf den Bereich der Erziehung. Schon an sich ist die Familie, die ihre Sendung gegenüber ihren Gliedern gut erfüllt, eine Schule der Menschlichkeit, der Brüderlichkeit, der Liebe, der Gemeinschaft, die reife und verantwortungsbewusste Bürger heranbildet.

Eine offene Zusammenarbeit zwischen kirchlicher Wirklichkeit und Familie fördert das Heranreifen eines Geistes der Gerechtigkeit, der Solidarität, des Friedens und auch des Mutes in den eigenen Überzeugungen. Es geht darum, die Eltern bei der Verantwortung, ihre Kinder zu erziehen, zu unterstützen und ihr unveräußerliches Recht, den Kindern die Erziehung zu geben, die sie für geeignet halten, zu wahren. Denn die Eltern sind und bleiben die ersten und wichtigsten Erzieher ihrer Kinder und haben daher das Recht, sie ihren moralischen und religiösen Überzeugungen entsprechend zu erziehen. In diesem Zusammenhang kann man gemeinsame und koordinierte pastorale Leitlinien aufzeigen, die angenommen werden sollen, um die katholischen Schulen wirksam zu fördern und zu unterstützen.

Liebe Brüder, ich ermutige euch, eure Bemühungen um die Förderung der Gemeinschaft unter den verschiedenen Kirchen in Europa fortzusetzen und eine angemessene Zusammenarbeit für eine fruchtbare Evangelisierung zu unterstützen. Ich fordere euch auch auf, eine „prophetische Stimme“ in der Gesellschaft zu sein, vor allem dort, wo der Säkularisierungsprozess, der auf dem europäischen Kontinent im Gange ist, das Sprechen von Gott immer mehr an den Rand zu drängen versucht. Bei dieser Aufgabe möge euch die himmlische Fürsprache der Jungfrau Maria sowie der Heiligen Patrone und Patroninnen Europas stützen. Ich bitte euch, für mich zu beten, und segne euch von Herzen.

Einleitung: Giuseppe Nardi
Bild: Infovaticana

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19 Comments

  1. Viel wichtiger als was der Papst über Europa denkt, ist seine Anerkennung der von namhaften Wissenschaftlern Nobelpreisträgern als reine Marketing- und Spekulationstheorien bezeichnete Urknalltheorie und Evolutionstheorie in diesen Wochen:

    Der Papst wörtlich:

    »Wenn wir in der Genesis den Schöpfungsbericht lesen, könnten wir auf die Vorstellung verfallen, dass Gott eine Art Zauberer wäre, mit einem Zauberstab in Händen, der alles ins Leben ruft. Aber so ist es nicht.«

    »Die heute gängige Urknall-Theorie widerspricht nicht einem Eingreifen des Schöpfers, sondern sie verlangt es.«

    »Die Evolution in der Natur prallt nicht mit der Schöpfungsvorstellung zusammen, weil die Evolution ja geradezu die Schöpfung der lebenden Wesen voraussetzt, die sich dann entwickeln!«

    Für was beten wir eigentlich noch, wenn die Evolution ohnehin alles regelt?

    Hier die Links:
    http://info.kopp-verlag.de/neue-weltbilder/spiritualitaet-und-weisheitslehren/michael-snyder/die-eine-welt-religion-rueckt-naeher-papst-erkennt-evolutionstheorie-an.html

    http://www.independent.co.uk/news/world/europe/pope-francis-declares-evolution-and-big-bang-theory-are-right-and-god-isnt-a-magician-with-a-magic-wand-9822514.html

    • Es ist schon seltsam, da bauen Menschen ein Fundament aus Sand (die Grundlagen der Zeitmessungen besonders der Isotopenmessungen sind nämlich naturwissenschaftlich falsch) und bauen darauf eine Theorie, die Evolutionstheorie, und damit wolllen sie beweisen, dass es für Menschen, Tiere, Welt und Pflanzen keines Schöpfers bedarf.

      Das saugen alle begierig auf, die Gott aus Seiner Welt herausdrängen wollen. Mit viel Geld und Politischer Korrekheit werden alle Wissenschaftler zumindest mundtot gemacht, die die vielen Fehler aufdecken können. Lehrer an den Universitäten lernen nicht zu denken, sie plappern nach, was ihnen dort als „Wissenschaft“ angeboten wird und erzählen es ihren Schülern. Und offensichtlich glaubt es auch der Papst.
      Wehalb trauen wir Gott so wenig zu?? Er braucht keine Jahrmillionen – es werde Licht -und es ward Licht. Das darf aber nicht sein, denn es geht viel, viel zu schnell für einen ausgedachten Evolutionsprozess. Die Jahrmillionen werden unbedingt gebraucht, denn sie sind gerade die Nebelkerzen, die jeden davon abhalten sollen, selbst zu denken. Und wir haben ja auch keine Zeit selbst zu denken, wir arbeiten, lesen Zeitung, sehen fern, schlafen, arbeiten, lesen Zeitung, sehen fern, Medien, die uns eine Welt vorgaukeln, wie sie gar nicht ist. Gott aber hat uns Verstand gegeben, das ist Sein Talent, mit dem sollen wir wuchern, wir sollen ihn nutzen und nicht vergraben.
      Alle (christlichen) Evolutionisten (ein Widerspruch in sich) – erklärt mir bitte, wie der Tod in die Welt gekommen ist. Nach der Hl. Schrift ist er mit der Sünde der ersten Menschen in die Welt gekommen. Wenn es den Tod schon Jahrmillionen gab, bevor es Menschen gab, wollt ihr dann sagen, Gott hat den Tod erschaffen?
      Bitte denken Sie……….

      Für die Schöpfung gubt es keine menschlichen Beweise. Auch für die Evolutionstheorie nicht. Beides muss geglaubt werden. Was hält uns davon, an die Schöpfung der Hl. Schrift zu glauben (erstens steht es in der Hl. Schrift, zweitens stimmt der Glaube mit der Vernunft überein)? Was verführt uns, die Evolutiontheorie zu glauben (naturwissenschaftlich falsch, gegen die Hl. Schrift, gegen die Vernunft, gegen die Selbstoffenbarung Gottes, denn ein Gott der Liebe kann keinen Jahrmillionen herrschenden Tod schaffen) – weil es „alle“ glauben. Es glauben nicht alle und schon gar nicht gute Wissenschaftler, nur wird die Wahrheit unterdrückt und der Irrtum kommt in die sog. Fachzeitschriften und in die Schulbücher. Wem nützt es – immer wieder allein Satan.
      Bitte denken, denken….

  2. Papst Franziskus hätte nach seinen zwei Reden, zumindest mal zum Strassburger Münster gehen können; zu Fuß wären es weniger als 7Minuten, und sich bei den Gäubigen, für eine kleine Andacht blicken lassen können.
    Das ist so, als sei ihm seine Kirche Egal. So wäre unser Heiliger Vater, Papst Benedikt nie mit seiner Herde umgegangen. Nie!

  3. Blablabla blubberblubberblubber. Nichts als diesseitiges Sozialgeschwurbel. Aber wer hat schon anderes erwartet von diesem Papst?!

  4. Darüberhinaus verkündet Bergoglio: Dialog mit der (IS -Terrorbande und warnt(!) hingegen gegen“Staatsterror“, das bedetet eine unglaubliche Verharmlosung dieser Gefahr für all unsere Freiheit und Sicherheit. Man darf gespannt sein,was die USA und der Westen insgesammt, von diesem Bergogliansichem Defaitismus halten, denn dies stellt eine total schleimige Unterwürfigkeit gegenüber der Islamischen Subversion und Terrorgefahr dar. Bergoglio fällt allen denen, die gegen die IS -Banden kämpfen, unverholen in den Rücken. So langsam aber sicher wird dieser Papst eine Gefahr für den freien Westen.

    • In Sachen Bergoglio/IS haben Sie ja Recht. Aber was Sie reitet, hier vom „freien Westen“ zu schwadronieren, bleibt rätselhaft. Die „Freiheit“ des Westens heißt: Porno, Gender, Homo, Abtreibung, Feminismus, „Demokratie“ als Herrschaft des Pöbels, Verfolgung von Katholiken etc.pp.
      Solch „Freiheit“ kann uns gestohlen bleiben. Der „freie Westen“ würde gut daran tun, sich im Osten, nämlich in Russland mal abzuschauen, wie wahre (=katholische) Freiheit geht.

      • Nehmen Sie nur die Reden des geehrten gottgefälligen Patriarchen von Moskau und vergleichen Sie das mit dem penetrant-masonischen Gutmensch-Sprech des Demoskopen Bergoglio.
        Erst kürzlich im seiner Rahmen seiner Visite Serbiens beklagte Kyrill v. Moskau bitter die rasche Entchristlichung der europäischen Gesellschaft, die „in ihrem Leben und ihren Aktivitäten die fundamentalen christlichen Werte“ aufgegeben habe. Die Anerkennung von „Homo-Ehe“ und Euthanasie auf der gesetzlichen Ebene, aber auch die steigende Zahl der Abtreibungen zeige, dass Europa nicht mehr eine „christliche Bastion“ sei, sondern zur „Lokomotive zerstörerischer Prozesse“ wurde.
        Kyrill v. Moskau fährt fort:
        „Jetzt, da der Prozess der Säkularisierung, der Leugnung der absoluten Wahrheit, die Eliminierung des Begriffs der Sünde aus dem öffentlichen Bewusstsein apokalyptische Dimensionen erreicht hat, ist mit Bedauern festzustellen, dass viele europäische Länder ihre christliche Identität verlassen haben.“

        Wir wissen natürlich beide, daß deswegen der gottgefällige Osten, das wiederauferstehende Heilige Moskau das Hauptärgernis der westlichen Gotteslästerer darstellt weil dort die christliche Wahrheit bekannt wird und die staatliche Obrigkeit dies nicht nur toleriert sondern offen unterstützt und fördert.

      • Sie möchte also lieber in einer Gesllschaft leben in der Menschen verfolgt, gequält, ermordert werden wenn sie nicht nach der diktatorischen Meinung des Diktatoren leben?
        Aber in so einer Gesellschaft wären sie sicher einer der Wächter und würden natürlich alle Privilägien bekommen.
        Und das nennen sie katholisch,OMG.

      • Auch Sie, werte Carmen Fink, sind leider auf die westlich-freimaurerische Propaganda gegen einen wirklich christlichen Staat reingefallen. Zu einem christlichen Staat gehört es nun einmal, dass Christen, genauer: Katholiken geschützt und Nicht-Christen, genauer: Nichtkatholiken in ihre Grenzen verwiesen werden. Was auch die Kirche bis zum „Konzil“ immer gelehrt hat, wie Sie wissen werden. Heute lehrt das leider nur noch die FSSPX.

      • Ja, es ist nun mal so und das ist Lehre der Kirche seit den Kirchenvätern gewesen. Bis Pius XII. haben die römischen Päpste in ihren Äußerungen zum Staatswesen eindeutig betont, daß nur die katholische Religion gefördert und privilegiert werden darf während akatholische Kulte nur unter strengen Auflaugen und nur um des inneren Friedens wegen toleriert werden können.
        So konnten auch im untergegangenen Kirchenstaat Akatholiken (meistens Fremde) ihren Kulten nachgehen, örtlich begrenzt unter strengen Auflagen und freilich nur ohne Anstoß gegen die katholische Religion und das Sittengesetz.

    • Die verleumderischen Angriffe gegen Rußland und besonders seiner staatlichen und geistlichen Oberhäupter rühren daher, daß es sich in der Restauration seiner alten christlichen Staatlichkeit befindet. Dies kann der indifferente relativistische Masonismus niemals dulden. Er vermag es nicht zu ertragen diese Wiederauferstehung des christlichen Rußland zu erblicken, hat er sich ja die Ausschaltung der wahren Religion als erstes Ziel seines apokalyptischen Toben und Wüten gesetzt ausgegeben unter faulen Losungen wie „Religionsfreiheit“ (also Freiheit VON Religion), Laizismus etc etc. Je mehr die Aufbauarbeit des russischen Staates und der Kirche in harmonischer Symphonie und Eintracht zum Wohle des größeren Ganzen und zur Ehre Gottes glückt , desto dreister werden die frechen Attacken und umso lügenhafter wird die Propaganda gegen Moskau.

  5. Kartoffelernte? Hier mal was zum lachen: http://www.blick.ch/news/ausland/wann-platzt-der-papst-der-bauch-gottes-id3303795.html oder auch nicht 🙁 Einer in der Weltpresse der etwas gegen den Papst sagt, sonst ist er ja sehr beliebt und auch bei den Politikern wird er sich bestimmt Freunde gemacht haben. Anti-Abtreibung hin oder her, wenn schon Abtreibungsbefürworter ihn gut finden (und davon gibt es viele), dann hat das was zu sagen. Er ist so Toll, dass sie über die frommen Floskeln die doch stören könnten, hinweg schaut.
    Gelobt sei Jesus Christus!

  6. Ich korrigiere den letzten Satz: Er ist so Toll, dass sie über die frommen Floskeln die doch stören könnten, „hinwegschauen!“ oder: „hinwegsehen“ und nicht „hinwegschaut“. Ick Ausländer 😉
    Gottes Segen

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