Oberrabbiner beklagt Synodenpapier: „Wir Juden leben in der Sünde? Unsere Ära ist zu Ende?“

Oberrabbiner Riccardo Di Segni und Papst Franziskus
Oberrabbiner Riccardo Di Segni und Papst Franziskus

(Rom) Riccardo Di Segni, der Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde von Rom beklagt, daß der „Dialog“ mit der Katholischen Kirche schwierig sei. Ihn beschäftigt ein Satz des Schlußdokuments der Außerordentlichen Bischofssynode über Ehe und Familie, die am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen ist. Der Oberrabbiner stößt sich an zwei Aussagen des Dokuments, die er als „unfreundliche“ Kritik am Judentum interpretiert.

Die zwei Punkte, die den Oberrabbiner stören, faßt er so zusammen: einmal die Vorstellung, die Juden würden in der Sünde leben; zum anderen die Aussage, ihre Ära sei zu Ende. Soweit die Wiedergabe von Di Segni. Und was steht im Abschlußbericht?

In der Relatio Synodi heißt es unter Nummer 15: „Diese Verbindung [zwischen Mann und Frau, Anm.d.Red.] wurde durch die Sünde beschädigt und wurde die geschichtliche Form der Ehe im Volk Gottes, für die Moses die Möglichkeit gewährte, einen Scheidungsbrief auszustellen. Diese Form war vorherrschend zur Zeit Jesu. Mit Seinem Kommen und der Versöhnung der gefallenen Welt dank der durch Ihn gewirkten Erlösung, endete die von Moses eingeleitete Ära.“
Dieser Teil des Synodenberichts wurde mit 167 gegen 13 Stimmen von den Synodenvätern angenommen.

Oberrabbiner Di Segni ist jedenfalls verärgert: „Mit einer gewissen Härte in Form und Substanz kommen die Bischöfe daher, um heute uns, die wir der Tora des Moses folgen, zu sagen, daß wir in der Sünde wären und daß unsere Ära zu Ende ist. Wie schwierig ist doch der Dialog!“

Der Arzt Riccardo Shemuel Di Segni ist seit 1999 Direktor des Collegio Rabbinico Italiano (Italienisches Rabbinenkolleg) und seit 2002 Oberrabbiner der römischen Juden. Während Oberrabbiner Italo Zolli 1)Geboren 1881 als Israel Anton Zoller in der mehrheitlich jüdischen Stadt Brody im damals österreichischen Galizien, 1904 Übersiedlung nach Wien und bei Kriegsende nach Triest, das 1920 von Italien annektiert wurde. Im Zuge der vom italienischen Faschismus vorangetriebenen Italianisierung mußte der Lehrstuhlinhaber für Hebräisch und Jüdische Literatur an der Universität Padua sowie Rabbiner von Triest und dann Oberrabbiner von Rom 1933 seinen Namen in Italo Zolli italianisieren. Gestorben als Eugenio Pio Zolli 1956 in Rom. nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einer öffentlichen, im Radio übertragenen Veranstaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Roms Papst Pius XII. den Dank der jüdischen Gemeinschaft für seine Hilfe aussprach, sich später taufen ließ und aus Dankbarkeit und Verehrung für Papst Pius XII. (Eugenio Pacelli) den neuen christlichen Namen Eugenio Pio annahm, und Oberrabbiner Elio Toaff (1951-2002) Pius XII. gegen Kritik verteidigte, zur Judenverfolgung geschwiegen zu haben, übte Oberrabbiner Di Segni bereits mehrfach Kritik an einer Seligsprechung von Pius XII.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: UCCR

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1. Geboren 1881 als Israel Anton Zoller in der mehrheitlich jüdischen Stadt Brody im damals österreichischen Galizien, 1904 Übersiedlung nach Wien und bei Kriegsende nach Triest, das 1920 von Italien annektiert wurde. Im Zuge der vom italienischen Faschismus vorangetriebenen Italianisierung mußte der Lehrstuhlinhaber für Hebräisch und Jüdische Literatur an der Universität Padua sowie Rabbiner von Triest und dann Oberrabbiner von Rom 1933 seinen Namen in Italo Zolli italianisieren. Gestorben als Eugenio Pio Zolli 1956 in Rom.
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Jupp

jetzt habe ich mal eine bescheiden Frage: Warum interessiert sich ein Rabbiner dafür, was die Katholiken lehren. Mich interessiert ja auch nicht, was die Rabbiner lehren.

Wolfram Schrems

Weil es sie im Innersten ihres Gewissens doch nicht in Ruhe läßt.

Oberschlesien

Ist es ihnen denn lieber, wenn sich die Leute nicht für die katholische Lehre und das Evangelium interessieren?

Jupp

bevor sie sich beschweren, dass wir Katholiken was falsch machen: sicherlich, wenn jemand katholisch werden möchte, sollte er das natürlich tun, so wie es eben die katholische Lehre vorschreibt. Aber von außen Veränderungen zu verlangen, ist doch schon eine Frechheit.

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