Ein Blanko-Scheck für vermeintliche Friedfertigkeit im Islam – Islam und Gewalt (3)

Islamischer Staat mit Säbel
Islamischer Staat (IS) – Koran und Säbel

Die Muslim-Führer sollten sich der gewalthaltigen Seite der islamischen Geschichte stellen. Bei diesem Selbstaufklärungsprozess könnten ihnen Theologen und Kircheleute helfen. Aber die machen das Gegenteil, indem sie dem Islam einen Blanko-Scheck als „Friedensreligion“ ausstellen.

Ein Gastkommentar von Hubert Hecker

Angesichts der Gräueltaten von muslimischen Terrorgruppen weltweit sind die Frage nach Islam und Gewalt drängender denn je:
▪ Ist der Islam eine gewalthaltige Religion oder eher friedensstiftend?
▪ Kann sich der ‚Islamische Staat’ (IS) bei seiner expansiven Kriegsführung gegen „Ungläubige“ auf den Propheten und seine kriegerischen Nachfolger berufen?
▪ Hat die problematische Doppelrolle Mohammeds als fromm-versöhnlicher Prediger in Mekka und gnadenloser Kriegsherr in Medina die gewalttätige Seite des Islam befördert?
▪ Wie soll man mit den zahlreichen Koran-Aufrufen zu Gewalt und Unterwerfung der „Ungläubigen“ bis hin zum Totschlagen von Polytheisten (Sure 9,5) umgehen, wenn der Koran als endgültiges Wort Allahs ausgegeben wird?
▪ Waren die tausend Jahre, in denen ein kriegerisch-expansiver Islam die halbe Welt in Schrecken versetzte, nur Ergebnis eines missverstandenen Propheten und Korans?
▪ Sollte die Scharia als „kodifizierter Koran“ des 7. Jahrhunderts heute noch die gleiche Verbindlichkeit zugesprochen werden wie damals?

Die Herausforderung durch den verwobenen Komplex von Islam und Gewalt

Durch den aggressiven Dschihad von IS, Al Quaida, Boko Haran und anderen muslimischen Kampfgruppen werden sowohl die Muslim-Führer als auch der Westen unausweichlich auf diese Fragen gestoßen. Es dürfte allen Betroffenen klar sein, dass man diesen Gruppen selbst mit massiven Luftschlägen nicht beikommen wird. Denn fundamentalistische Straßenprediger und islamistische Moschee-Werber finden über moderne Kommunikationskanäle eine wachsende Zahl jugendlicher Anhänger in westlichen wie muslimischen Ländern. Beratungs- und Aussteigerkurse für „verführte Jugendliche“ spiegeln eher die Hilflosigkeit von Politik und Gesellschaft wider als dass sie wirksam wären. Die markigen Sprüche zur Distanzierung von den Gräueltaten der IS-Muslime ersetzen nicht das Ringen um eine Strategie, wie mit dem verwobenen Komplex von Islam, Gewalt und Islamismus umzugehen ist.

Die Kirche mit ihren historisch-theologischen Erfahrungen müsste am ehesten die Kompetenz haben, das Verhältnis von Religion zu Krieg und Gewalt, Staat und Politik zu klären.

Tatsächlich spielt sie aber in der gegenwärtigen Islam-Debatte eine eher bremsende Rolle. Seit dem Konzil hat sie sich darauf festgelegt, mit den vergangenen Streitfragen auch die oben genannten Grundfragen zu Religion und Gewalt „beiseite zu lassen“. In einem hochachtungsvollen Dialog-Klima will man sich ausschließlich um „gegenseitiges Verstehen“ und Verzeihen bemühen.

Kirchenvertreter stecken vor der gewalthaltigen Islam-Lehre den Kopf in den Sand

Die seit 20 Jahren weltweit aufbrechende gewalttätige Seite des Islam passt den kirchlichen Dialog-Beauftragten gar nicht ins Konzept. Man versucht nun das Problem des gewalthaltigen Islams aus der Welt zu schaffen, indem man einfach den IS-Muslimen das Islam-Sein abspricht. Kurien-Kardinal Koch und Kardinal Marx von München glauben zu wissen, dass die IS-Muslime nicht den wahren Islam praktizieren würden. Nach Ablassen solcher Sprüche kann man sich wieder dem verständnisvollen Austausch von interreligiösen Freundlichkeiten widmen. Die muslimischen Dialog-Partner können sicher sein, dass sie nicht mit unbequemen Fragen nach Gewalt bei Mohammed und seinen Nachfolgern, in Koran und Scharia konfrontiert werden. Auch die bei Mohammed und im Koran angelegte Einheit von Religion und Politik wird von den Dialogpartnern nicht problematisiert.

Eine andere Methode, dem Thema Islam und Gewalt auszuweichen, verfolgt der päpstliche Chefdiplomat, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Er reduziert die islamistische Ideologie auf ein soziales Problem: Die abwandernden IS-Kämpfer würden zumeist aus armen, ausgeschlossenen Einwandererfamilien stammen, behauptet er. Der Kirchenmann vertraut allein auf die sozialen Wirkungen einer besseren Integration. Die Wirkungen von ideologischen Verführungen werden völlig unterschätzt.

Papst Franziskus möchte authentischer sein als die Muslime

Noch mehr verbiegt sich Papst Franziskus mit seiner Strategie des Lächelns, die er im Kapitel 253 seiner Enzyklika „Evangelii gaudium“ entfaltet. Angesichts der Gräueltaten der Islamisten von Nigeria bis Pakistan spricht er verharmlosend von „ Zwischenfällen eines gewalttätigen Fundamentalismus“. Er möchte sich dadurch nicht die „Zuneigung zu den authentischen Anhängern des Islam“ nehmen lassen. Sein Plädoyer für den nach seiner Meinung echten Islam endet mit der steilen Behauptung: „Der wahre Islam und eine angemessene Interpretation des Korans stehen jeder Gewalt entgegen“.

120 hohe Islam-Gelehrte haben erst kürzlich festgestellt, dass der Islam durch eine „Pluralität von Lehrmeinungen“ gekennzeichnet sei. Die hohen Kirchenvertreter dagegen konstruieren sich das Bild von dem ‚einen wahren und authentischen Islam’ – vielleicht in Analogie zu der „einen katholischen Kirche“ des Glaubensbekenntnisses?
Das in Vatikan-Dokumenten beliebte Wort ‚authentisch’ – laut Duden mit „echt, verbürgt, glaubwürdig“ umschrieben – könnte man noch als nichts-sagendes Hülsenwort abtun. Doch was soll die Verbürgung des Papstes für einen „wahren“ Islam? Im Vatikan scheint es neuerdings ein außerordentliches Lehramt für islamische Theologie zu geben.

Ein Blanko-Scheck von Friedfertigkeit für den gewaltsamen Islam

Papst Benedikt XVI. hatte die Frage, wieweit Mohammed und der Islam in Gewaltstrategien verstrickt sind, in seiner Regensburger Rede aufgeworfen. Sein Nachfolger wischt diese drängenden Fragen vom Tisch mit der ungeprüften These, Islam und Koran stünden „jeder Gewalt entgegen“. Mit diesem Blanko-Scheck werden die Muslim-Führer der Pflicht enthoben, sich mit der gewalttätigen Seite des Islam in Geschichte und Urschrift auseinanderzusetzen. Sie können sich zurücklehnen und süffisant feststellen: ‚Sagen wir doch: Der Islam war schon immer eine Religion des Friedens – im Unterschied zum Christentum.’

Möglicherweise weiß man im Vatikan aber doch, dass es im wahren und authentischen Koran zahlreichen Aufrufe zu Krieg und Gewalt gegen „Ungläubige“ gibt. Aus diesem Grund mag mit der Wendung von der „angemessenen Interpretation des Korans“ eine Einschränkung für die angebliche Gewaltlosigkeit der islamischen Urschrift gemacht worden sein.

Doch was heißt das?

Gnadenlose Verfolgung und sicherer Tod für die Heiden

Eine Interpretation muss zunächst text-angemessen sein, sodann Kontext und Zeit der Aussagen berücksichtigen. Man würde gern vom Papst erfahren, wie er zum Beispiel mit einer „angemessenen Interpretation“ aus der folgenden Sure 9,5 „jede Gewalt“ herausklopfen will: „Wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Polytheisten, wo immer ihr sie findet. Greift sie an, belagert sie und lauert ihnen auf jedem Wege auf.“

Im Vorfeld seines Kriegszuges gegen die byzantinische Christenstadt Tabuk hatte Mohammed um das Jahr 629 mit einigen polytheistischen Araber-Stämmen einen Waffenstillstand geschlossen. Er setzte ihnen eine Frist von vier Monaten, in denen sie sich zum Islam bekehren könnten. Fall sie eine Konversion ablehnten, drohte er ihnen eine gnadenlosen Verfolgung mit dem sicheren Tod an – siehe oben. Gleichzeitig brachte er eine Strafdrohung von Allahs Seite vor: „Verkünde den Ungläubigen qualvolle Strafe“ (Sure 9, 3).

Auf diese Koran-Stelle berufen sich heute die IS-Milizen, wenn sie die irakische Volksgruppe der Jesiden vor die Alternative stellen: Konversion oder Tod. Die Jesiden gelten bei den sunnitischen Moslems als Polytheisten.

Unbarmherzige Härte gegen die Christen

Gegenüber den Christen als „Schriftbesitzern“ setzte Mohammed eine andere Strategie ein, aber sie bleiben laut Koran „Ungläubige“, die sich letztlich der Gewalt der Muslime beugen müssen: „Ihr Gläubigen, kämpft gegen die Ungläubigen, die in eurer Nähe sind. Sie sollen von eurer Seite Härte spüren“ (Sure 9,123). Zur Zeiten Mohammeds waren das die Christen in der Grenzstadt Tabuk, heute sind es die Christen im Nordirak, die als „Ungläubige“ die unbarmherzige Härte des ISlam zu spüren bekommen.

Angesichts dieser eindeutigen Befunden von Gewaltaufrufen bei Mohammed und im Koran fragt man sich: Ist denn Rom gänzlich mit Blindheit geschlagen gegenüber der Herausforderung eines mehr oder weniger gewalthaltigen Islam? Nein. Es gibt in Rom die Päpstliche Hochschule Santa Croce. Dort lehrt der deutsche Professor Martin Rhonheimer Ethik und politische Philosophie. Der legt seine Finger auf die Wunde der Gewalt im Islam oder die „pathologische Seite“ von Mohammeds Religion, wie Papst Benedikt sich einmal ausdrückte.

Auszug aus Rhonheimers Thesen und Argumentation:

Im Islam gibt es kein generelles Tötungsverbot – wie etwa das 5. Gebot des Dekalogs. Es gibt hingegen eine koranische Tötungslizenz bei ungläubigen Heiden, die sich der Konversion widersetzten. Der Islam kennt auch keine allgemeinen Menschenrechte. Er teilt die Menschheit ein in Islam-Gläubige als vollwertige Menschen, sodann die Schriftbesitzer (Juden, Christen) als Menschen minderen Rechts und schließlich die Heiden, die nicht einmal das Recht auf Leben hätten.

Der Islam ist Religion und politisch-soziales Regelwerk in einem. Dieser Doppelcharakter geht auf den Religionsstifter und Staatsführer Mohammed zurück. Unter ihm und seinen Nachfolger war der Islam von Anfang an kriegerisch. Der Dschihad hatte zunächst die Unterwerfung der Nicht-Muslime unter die islamische Rechtsherrschaft zum Ziel. Daraus ergaben sich vielfach durch strukturelle Gewalt Konversionen. Christen und Juden wurden als „Schriftbesitzer“ politisch unterworfen und durch die Kopfsteuer zur wirtschaftlichen Ressource islamischer Herrschaft gezwungen.

Das Christentum ist in seinem Ursprung eher eine staatsferne Religion. Ihm ist der Dualismus von ‚geistlich’ und ‚weltlich’ in die Wiege gelegt, also die unterschiedliche Referenz zu Kaiser und Gott und daraus abgeleitet die Trennung von Kirche und Staat. Damit einher gehen die Achtung vor dem staatlichen Gewaltmonopol und die Ächtung von physischer Gewalt durch die Bürger. Die naturrechtliche Lehre von den gleichen Rechten der Menschen vom Schöpfungsanfang an lässt keine minderrechtliche Stellung der Heiden/Ungläubigen (wie im Islam) zu. Dazu kommt das neue Gebot der Nächsten- und Feindesliebe. Im Rekurrieren auf ihre Ursprünge konnten sich Lehre und Institution Kirche immer wieder reformieren und selbstreinigen.

Der Islam müsste sich für eine Selbstreinigung – gerade umgekehrt – von seinen gewalthaltigen Gründungsideen distanzieren, sein politisch-religiöses Doppelwesen aufgeben, den Überlegenheits- und Herrschaftsanspruch gegenüber den Nicht-Muslimen ablegen sowie die gleichen Menschenrechte aller anerkennen. „Solange das nicht geschieht, wird es immer nur eine Frage der konkreten politischen Konstellation sein, ob und in welcher Form er (der Islam) sein gewalttätiges Gesicht zeigt“ – so das Resümee von Martin Rhonheimer in dem Artikel: Töten im Namen Allahs, NZZ vom 9. 9. 2014.

Weiterführende Literatur: Martin Rhonheimer „Christentum und säkularer Staat. Geschichte – Gegenwart – Zukunft“, Herder, Freiburg i. Br. 2012

Text: Hubert Hecker
Bild: Una Fides

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