Eine prohetische Schau des Heiligen Pater Pio im Jahr 1913

Pater Pio
Pater Pio

(Rom) Pater Pio von Pietrelcina gilt vielen Katholiken als Lichtgestalt der jüngsten Kirchengeschichte. 1887 als Francesco Fogione in Pietrelcina in der süditalienischen Provinz Benevent geboren, trat er 1902 in den Kapuzinerorden ein. Mit bischöflicher Dispens wurde er 1910 bereits im Alter von 23 Jahren zum Priester geweiht. Zur selben Zeit zeigten sich an ihm erstmals die Wundmale Christi, die er ab 1918 ständig tragen sollte. Der Heilige war zu Lebzeiten Zielscheibe von kirchenfernen Spöttern und innerkirchlichen Skeptikern, und ist es heute noch. Er ertrug alle Anfeindungen und kirchlichen Auflagen mit größter Geduld.
Die Kirche tat sich zeitlebens mit dem heiligen Kapuziner schwer, der seit 1916 auf dem Gargano lebte. Das hing zunächst mit der Unkontrollierbarkeit seiner Gaben zusammen, dann mit seiner Kritik am progressistischen Erneuerungsdrang. Erst nach seinem Tod wurde ihm kirchliche Anerkennung zu teil. 1972 wurde er als Diener Gottes anerkannt, 1999 selig- und 2002 heiliggesprochen.
Die Historikerin Cristina Siccardi weist auf eine sehr frühe Schauung hin, die der Heilige im Alter von 26 Jahren hatte und damit noch vor den Erscheinungen von Fatima in den Jahren 1916/1917. Nachfolgend Siccardis Beitrag.

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Eine prophetische Vision von Pater Pio

von Cristina Siccardi

Es gibt in der Geschichte der Kirche neben der gängigen Lesart der sichtbaren Ereignise, ob diese nun realistisch oder fälschlich erfolgt sei dahingestellt, noch eine andere, jene der Mystiker, die das Privileg einer besonderen göttlichen Bevorzugung haben, direkt vom Himmel über Ereignisse informiert zu werden und häufig Instrumente übernatürlicher und prophetischer Ankündigungen sind. Wesensmerkmale dieser von Gott auserwählten Personen sind ihr für andere vorbildlicher, christlicher Lebenswandel und ihre Bereitschaft, sich Prüfungen durch die Kirche zu unterziehen, die teilweise große Opfer bedeuten können, wie es der Heiligen Jungfrau von Orleans oder dem Heiligen Pater Pio von Pietrelcina widerfahren ist. Die Überbringer göttlicher Botschaften sind immer sichtbare Boten in der Welt.

In unserer Zeit der Verwirrung, der Mystifizierungen, des Betrugs und des Irrtums, zu denen auch falsche „Propheten“ und eine falsche Flucht in zweifelhafte Prophezeiungen gehören, ist es besonders interessant, zu lesen, was der Heilige Pater Pio von Pietrelcina am 7. April 1913 seinem Beichtvater Pater Agostino schrieb. In diesem unter Leiden zustandegekommenen Brief beschreibt der Heilige eine Erscheinung, die er hatte. Ihm war der wegen unwürdiger Priester leidende Christus erschienen:

Am Freitag morgen war ich noch im Bett, als mir Jesus erschien. Er war völlig entstellt und mitgenommen. Er zeigte mir eine große Zahl von Ordens- und Weltpriestern, unter ihnen hohe kirchliche Würdenträger. Ein Teil zelebrierte, ein Teil weigerte sich und ein anderer Teil legte die heiligen Gewänder ab.

Der Anblick Jesu im Seinem Leiden betrübte mich sehr, weshalb ich Ihn nach dem Grund Seines Leidens fragen wollte. Ich erhielt keine Antwort. Sein Blick richtete sich jedoch erneut auf jene Priester. Doch kurz darauf wandte Er geradezu entsetzt Seinen Blick ab und richtete ihn zu meinem großen Entsetzen auf mich. Ich sah zwei große Tränen, die über Seine Wangen flossen. Er entfernte sich von den betrübenden Priestern mit einem Ausdruck der Abscheu auf seinem Gesicht und rief: „Metzger!“.

An mich gewandt sagte er: „Mein Sohn, glaube nicht, mein Todesleiden dauerte drei Stunden, nein; ich werde wegen der von mir besonders begünstigten Seelen bis zum Ende der Welt im Todesleiden sein. Während der Zeit meiner Agonie, mein Sohn, soll man nicht schlafen.

Meine Seele ist auf der Suche nach einem Tropfen menschlicher Ehrfurcht und des Mitleids, aber sie lassen mich allein in ihrer Gleichgültigkeit. Der Undank und der Schlaf meiner Priester verstärken meine Agonie. Wie schlecht erwidern sie doch meine Liebe! Was mich am meisten betrübt ist, daß sie zu ihrer Gleichgültigkeit noch ihre Verachtung und ihre Ungläubigkeit hinzufügen.

Wie viele Male war ich drauf und dran sie dahinzuraffen, wäre ich nicht durch die Engel und die mich liebenden Seelen zurückgehalten worden … Schreib Deinem [Beicht]Vater und berichte ihm, was Du an diesem Morgen von mir gesehen und gehört hast. Sag ihm, er soll Dein Schreiben dem Vater Provinzial zeigen …“

Jesus fügte noch anderes hinzu, aber das, was Er sagte, werde ich nie irgendeinem Geschöpf in dieser Welt enthüllen können. Diese Erscheinung verursachte mir solche Schmerzen im Körper, aber mehr noch in der Seele, daß ich den ganzen Tag liegenbleiben mußte und gedacht hätte, sterben zu müssen, wenn der süßeste Jesus mir nicht bereits enthüllt hätte … Jesus hat leider recht, über unsere Undankbarkeit zu klagen! Wie viele Unglückselige unserer Brüder entsprechen nicht der Liebe Jesu, indem sie sich mit offenen Armen der infamen Sekte der Freimaurerei anschließen!“

Beten wir für sie, auf daß der Herr ihren Geist erleuchte und ihre Herzen anrühre. Macht unserem Vater Provinzial Mut, der kräftigen himmlischen Beistand vom Herrn erhalten wird. Das Wohl unserer Mutter Provinz muß sein ständiges Bestreben sein. Dem müssen alle seine Anstrengungen gelten. Auf dieses Ziel müssen unsere Gebete ausgerichtet sein, zu dem sind wir alle angehalten. In der Neuordnung der Provinz wird es dem Provinzial nicht an Schwierigkeiten mangeln, an Ungemach und Anstrengungen. Er hüte sich jedoch davor, zu verzagen. Der mitleidende Jesus wird ihn in seinem Unternehmen unterstützen. Der Krieg dieser Kosaken1 wird immer intensiver, aber ich werde sie mit der Hilfe Gottes nicht fürchten.

Epist. I, 350, in Padre Pio da Pietrelcina: Epistolario I, hrsg. von Melchiorre da Pobladura und Alessandro da Ripabottoni, San Giovanni Rotondo 2004, S. 64.

„Fra Pio“, Bruder Pius, wie der Heilige seinen Brief unterzeichnete, zeigt mit diesem Dokument eine ganze Reihe dramatischer Dinge unserer Zeit auf:

1) in der Kirche gibt es Priester, die den Herrn leiden machen und den Sohn Gottes erzürnen;

2) diese Priester erweisen dem, der sie zu so hoher Ehre gerufen hat, Gleichgültigkeit und Undank;

3) sie verursachen dem Herrn Jesus so große Abscheu, daß er ihnen sogar zuruft: „Metzger!“, wegen ihrer Art, sich gleichgültig, verachtend und ungläubig dem Allerheiligsten Altarsakrament zu nähern;

4) sie werden offen beschuldigt, der niederträchtigen Sekte der Freimaurerei anzugehören;

5) der von den Freimaurern in der Kirche losgetretene Krieg wird immer intensiver (wir sind im Jahr 1913, noch vor den Erscheinungen von Fatima), läßt Pater Pio aber nicht fürchten, weil er sich der Hilfe des Allmächtigen anvertraut.

Was wir heute in unseren Pfarreien, in unseren Diözesen und in unserem Rom erleben, bestätigt, was der Heilige Pater Pio von Pietrelcina vor einem Jahrhundert schaute und niederschrieb.

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana

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  1. Gemeint sind nicht die berüchtigten, kampferprobten Kosaken des Zarenreichs, sondern werden vom Heiligen als Dysphemismus für die Feinde der Kirche, ob Freimaurer oder unwürdige Priester, gebraucht. []

27 Comments

  1. Pater Pio sagte auch, er mache sich nicht so sehr Sorgen um ’seine Zeit‘, als vielmehr um das, was danach (nach ihm) komme.
    DIESE ZEIT IST JETZT.
    Den damals wohl schwankenden Papst Paul VI bestärkte er darin, an der althergebrachten Sexalmoral festzuhalten.
    So ist wohl auch anzunehmen, dass Humanae Vitae nicht auf einen schwankenden Paul VI selbst zurückgeht, sondern auf die Intervention, Entschlossenheit und Bestärkung Pater Pios.

      • Immerhin können Sie in Gabriele Amorts „Lebensgeschichte eines Heiligen“ nachlesen, dass Pater Pio Paul dem VI einen Brief geschrieben hat, in dem er ihn ausdrücklich am Festhalten der katholischen Sexualmoral bestärkt hat. Ich selber hätte nie geglaubt, dass hier ein Zusammenhang vorliegen könnte. Nachdem ich mich auf dieser Seite aber auch habe belehren lassen müssen, dass Paul VI ein der moderne zugewandter Papst war, ja ein innerlich zerrissener Papst, scheint mir diese Annahme doch mehr als nur eine „Vorstelllung“ oder gar Konstruktion zu sein.
        Man muss sicherlich nicht alles glauben, was über Pater Pio in Büchern geschrieben steht; jedenfalls scheinen seine Charismen festzustehen, weil tausendfach bezeugt. Und so scheint mir die „Vorstellung“ nicht einmal abwegig, dass er dem Papst persönlich erschienen ist. Warum eigentlich nicht?

      • Im übrigen glaube ich nicht, dass die Enzyklika auf Pater Pio zurück geht; aber doch, dass Pater Pio dazu in erheblichem Maße beigetragen hat, dieses bereits ausgearbeitete Werk mit Mut und Entschlossenheit – auch gegen Widestände des Zeitgeistes – zu promulgieren.

      • Der Deutlichkei halber sei 1.) der Inhalt des Briefes und 2.) der Zeitpunkt der Abfassung sowie 3.) der Zielepunkt/die Intention des Briefes genannt:
        1.) „Ich weiß, dass Ihr Herz in diesen Tagen viel leidet wegen des Schicksals der Kirche, wegen des Friedens in der Welt, wegen der so vielen Nöte der Völker, vor allem aber wegen des Ungehorsams bestimmter Katholiken der hohen Lehre gegenüber, die Sie mit dem Beistand des Heiligen Geistes und im Namen Gottes erteilen. Ich biete Ihnen mein Gebet und mein tägliches Leiden an, damit der Herr Sie durch Seine Gnade trösten möge und Sie den geraden und schweren Weg weitergehen können, indem Sie die ewige Wahrheit verteidigen … Ich danke Ihnen auch für die klaren und entschiedenen Worte, die sie insbesondere in der letzten Enzyklika Humanae vitae gesprochen haben, und ich bekenne erneut meinen Glauben und meinen unbedingten Gehorsam Ihren erleuchtetem Weisungen gegenüber.“
        2.) Pater Pio von Pietrelcina starb am 23. September 1968. Noch elf Tage vorher schrieb er einen Brief an Papst Paul VI und nahm darin Bezug auf den Aufstand gegen die Ehelehre des Papstes, die dieser in der Enzyklika Humanae vitae von 25. Juli 1968 in Einklang mit der kirchlichen Überlieferung verbindlich verkündet hat.
        Er schrieb am 12. September 1968 an Papst Paul VI (zitiert nach „Brief“ der Abbaye Saint-Joseph de Claival, Flavingny-sur-Ozerain, 5. Juni 2000).
        3. Das Versprechen seines Gebetes und Leidens für den Heiligen Vater in dieser Situation – er wurde ja auch von vielen Bischöfen im Stich gelassen (vgl. die so genannte „Königssteiner Erklärung“ der deutschen Bischofskonferenz unter Kardinal Döpfner, die „Mariatroster Erklärung“ der österreichischen Bischöfe etc.) – hat angesichts der Nähe des Briefes zum Heimgang des Heiligen geradezu den Charakter eines Testamentes. Wird er, der – wie von Betroffenen berichtet – nicht selten Beichtende wegen unsittlicher Lebensverhältnisse oder wegen schamloser Kleidung heftig tadelte und zur Umkehr aufforderte, nicht auch ein mächtiger Fürsprecher für die reine, gläubige Erziehung und für heilige Ehen und Familien sein?

  2. Die neue Taktik der Freimaurerei umschrieb unlängst der Freimaurer Marsaudon mit dem Hinweis auf das „in die Kirche Eindringen, um sie zu benutzen“.
    Eine genauere Anakyse dieser neuen Taktik stammt vom mittlerweile verstorbenen
    Hw Manfred Adler:
    -
    „Schon nach dem 1. Weltkrieg hat man in der Gegenkirche (die Weltfreimaurerei) erkannt,
    dass das bisherige, von geistiger Polemik und militanter Konfrontation
    bezeichne­te Verhältnis zur katholischen Kirche
    dringend einer strategischen und tak­tischen Korrektur bedarf. Die massive antikirchliche Propaganda war nicht geeignet,
    die Kirche zu vernichten und brachte der Freimaurerei
    nicht den gewünschten Erfolg und den erhofften Fortschritt
    auf dem Wege zur
    Oneworld (Weltrepublik) und zur universalen Religion.
    So hat der „Fürst der Welt“ (Johannes 12, 31. 14, 30. 16, 11)
    einige seiner Meisterschüler in den Logen inspiriert und motiviert,
    eine neue Langzeitstrategie zu entwerfen,
    die den schon 200 Jahre andauernden unfruchtbaren Auseinandersetzungen
    und nutzlosen Streitereien zwischen Freimaurern und Katholiken
    ein Ende setzen und gleichzeitig
    ein erfolgreiches und wirksames Land zur Zersetzung
    der Katholischen Kirche und ihres Glaubens entwickeln sollte.
    Genau zu diesem Zweck hat man gleichzeitig als Wunderdroge
    die neue revolutionäre Metho­de entdeckt, die man Dialog nennt.
    Durch den brüderlichen Dialog sollte es endlich gelingen,
    die Kirche entscheidend zu schwächen und sie im Sinne der „freimaurerischen Humanität“ geistig umzufunktionieren.
    Der Geist der Finsternis, der es meisterhaft versteht,
    sich als „Engel des Lichtes“ (2. Korin­ther 11, 14) zu tarnen,
    hat deswegen die Parole „Auf zum Dialog“ ausgege­ben.
    Diese neue Masche war in mehrfacher Hinsicht genial.
    Der überlegene Stra­tege Satan weiß sehr wohl,
    dass die Kirche weder durch die Errichtung
    des korrupten vatikanischen Wirtschafts- und Finanzsystems
    noch durch die herkömmlichen Finanzattacken aufgeklärter Logenbrüder
    entscheidend ge­schlagen und geschädigt werden kann.
    Er setzt deshalb höher an, indem er nunmehr versucht,
    im Geiste gegenseitiger „Toleranz“ das sogenannte „Freund-Feind-Denken“ abzubauen. Wenn Kirche und Freimaurerei näm­lich eines Tages keine Feinde mehr sind,
    dann sind sie vielleicht Freunde.
    Aber selbst wenn sie dieses nicht werden sollten,
    so sind sie jedenfalls keine Feinde mehr.
    Und wenn dieses erste Planziel auf dem Wege des Dialogs einmal erreicht ist,
    dann hat die Freimaurerei die Schlacht gegen die Kirche bereits gewonnen.
    Daher der Ruf der Loge nach dem Dialog.
    Denn eine Kirche,
    die mit anders Denkenden – Nichtkatholiken, Nichtchristen, Atheisten und Antichristen
    - auf allen Ebenen und weltweit demü­tige und „brüderliche Dialoge“ führt,
    muss ihre missionarische Sendung und ihr missionarisches Wesen
    mit seinem unabdingbaren Anspruchs- und For­derungscharakter
    notgedrungen abschwächen und vergessen.
    Allem Anschein nach ist nämlich die missionierende Kirche
    in demselben Maße auf dem Rückzug,
    wie die dialogisierende Kirche auf dem Vormarsch ist.
    Gewisse Vorgänge auf dem 2. Vatikanischen Konzil haben dieser Fehl­entwicklung zweiffellos Vorstoß geleistet.
    Damals ist der Begriff von der „dialogisierenden Kirche“ geprägt worden.
    Ein nur als unverbindliche Information
    oder Kommunikation verstandener „Dialog“ genügt dem Anspruch ebenso wenig
    wie eine „Mission“,
    die Glaubensverkündung durch Befreiung und Erlösung von innerweltlichen Not- und sonstigen Zuständen ersetzt und umdeutet und verfälscht. “
    -

  3. Wo die Undankbarkeit und die Untreue zunehmen – lasst uns IHM umso dankbarer und treuer sein!

    Wo Jesus im Sakrament beleidigt und entweiht wird – lasst uns IHN mit umso größerer Liebe und Ehrfurcht empfangen!

    Wo das Heilige zerstört und geschändet wird – lasst uns umso tatkräftiger am Aufbau der Kirche mitwirken!

    Wo die Gleichgültigkeit und Kälte vorherrschen – lasst uns mit Eifer für die Sache Gottes streiten!

    Lasst es uns dem HERRN gleichtun – lasst uns das Böse und die Sünde durch das Gute hinweglieben!

  4. Würden genau diese Prophezeiungen heute gemacht, würden sie bestimmt von allen Seiten zerrissen werden.

  5. Nun ja – nachdem fast die ganze zweite Jahrhunderthälfte des 19. Jh massiv gegen den Modernismus angegangen worden war und der zeitgenössische Pius X. 1907 „Lamentabili“ und „Pascendi“ geschrieben hatte und noch vieles mehr und ab 1910 den Klerikern den „Antimodernisteneid“ abforderte, gehört eigentlich keine prophetische Schau dazu, im Jahr 1913 gefährdete Priester vor Augen zu haben…

    Wenn man kirchenhistorische Werke zur Hand nimmt, herrschte mit Pius X. eine panische Stimmung vor: überall witterte man Modernisten und denunzierte und unterstellte und steigerte sich in vieles hinein. Warum also sollte ein sensibler junger Mönch, der selbst das Misstrauen Roms erregt hatte, davon nicht angesteckt sein? Denn er drückt nichts aus, was man nicht auch ohne diese Schau wüsste. Eher ist diese Geschichte – um es psychologisch zu sagen – eine extrem starke und sehr persönliche Identifikation. Dass man darüber informiert wird, er habe auch noch etwas erfahren, das er aber niemandem sagen könne, wirkt auf mich – man verzeihe mir – als ein rhetorisches Stilmittel, das jeder Krimiautor beherrscht. Entweder ich weiß was und darf es oder kann es nicht sagen – dann muss ich den Mund halten, weil ich damit die Leute verunsichere! Oder ich sage A und auch B!

    Das Problem solcher „Prophezeiungen“ ist, dass sie irgendwie rein imprssionistisch sind, keine konkrete Information enthalten und eher mit gängien prophetischen Topoi spielen.

    Wenn man die kirchlich anerkannten Prophetien anschaut, fällt aber auf, dass sie immer eine konkrete Botschaft enthalten, einen klaren und handfesten Kern, z.B. eine Forderung, eine dogmatische Aussage, eine Vision nicht nur an sich selbst, sondern mit einem erkennbaren Ziel (z.B. dies mitzuteilen oder um eine folgende Anweisung ernster zu verstehen)

    Das ist aber hier nicht der Fall. Zum Vergleich nehme man die Visionen A.K. Emmericks über den Abbau der Peterskirche: hier kommen konkrete Details zur Sprache und v.a. weiß man bei ihr, dass sie die Topoi weder kannte noch in einer Zeit lebte, in der das, was sie sah, bereits von allen Spatzen von den Dächern geepfiffen wurde…

  6. Hl. Pater Pio@ „An mich gewandt sagte er: „Mein Sohn, glaube nicht, mein Todesleiden dauerte drei Stunden, nein; ich werde wegen der von mir besonders begünstigten Seelen bis zum Ende der Welt im Todesleiden sein. Während der Zeit meiner Agonie, mein Sohn, soll man nicht schlafen.“ Ich darf doch meine ganz erheblichen Bedenken über diese Offenbarung äußern. Sie widerspricht der Hl. Schrift und der Lehre der Kirche. Unser Herr Jesus Christus ist in der Herrlichkeit des Vaters, sein Leib ist im Zustand der völligen Verklärung, Er kann und Er braucht auch nicht mehr zu leiden. Aber das ist allgemeines Katechismuswissen, es braucht hier nicht erörtert zu werden. – Fragwürdig erscheinen mir auch die Worte des „Offenbarung – Christus“ des P. Pios: „Wie viele Male war ich drauf und dran sie dahinzuraffen, wäre ich nicht durch die Engel und die mich liebenden Seelen zurückgehalten worden.“ Eine schwache Äußerung, wenn jemand den Zorn Jesu zurückhält, dann ist es Seine Hl. Mutter. – Auch die Zukunftsäußerungen sind sehr vage, kein Wort vom künftigen verbrecherischen Treiben Seiner Hierarchie. Nein, ich denke, da ist P. Pio auf seine eigene Mystifikation hereingefallen.

    • Die Kirche als der mystische Leib des Herrn leidet nach wie vor. Außerdem werden bei der Wiederkunft des Herrn jene jammern, die ihn durchbohrt haben. Damit werden wohl nicht jene gemeint sein, die ihn vor 2000 Jahren durchbohrt haben.

      Offb 1,7 Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen. Ja, amen.

    • @ Bernhard:
      Sie haben völlig Recht!!
      Diese „Prophezeiung“ kann man genau so auf den Müll werfen wie die hunderte anderen,mit denen wir in den letzten Jahrzehnten gepisackt und verwirrt werden!
      In den Visionen der Maria von Agreda wird bestätigt, das weder Jesus noch Maria noch alle anderen im Himmel noch leiden können, was nicht bedeutet, das man sich im Himmel „keine Sorgen“ um uns mehr macht!

  7. „Metzger“ im Zusammenhang mit der Freimaurerei bedeutet vermutlich (und das ist ja eigentlich gut bekannt) dass während der Satanischen Messen Satan Menschenopfer dargebracht werden.

  8. http://pius.info/archiv-news/734-beziehungen_zu_rom/8351-bischof-fellay-ueber-das-3-geheimnis-von-fatima

    „Die Situation der Kirche ist eine einzige Katastrophe und der derzeitige Papst verschlimmert das Ganze noch 10.000 Mal.“

    Dies sagte Bischof Bernard Fellay in einer Rede anlässlich der Angelus Press Tagung am Wochenende des 11.-13. Oktober in Kansas City.

    Dieser Bericht markiert einige aufrüttelnde Aspekte der Konferenz des Bischofs am Samstag. Bischof Fellay zitierte ausführlich Schwester Lucia sowie jene, die das Dritte Geheimnis gelesen haben und jene, denen das Geheimnis bekannt ist. Er hob Schwester Lucias Aussage hervor, dass man, um den den Inhalt des Dritten Geheimnisses zu kennen, die Kapitel 8 bis 13 der Apokalypse lesen muss.

  9. Ob die Aussagen Pios echt oder nur zugeschoben, psychologisch erklärbar oder nicht sind, ist nicht so entscheidend.
    Auch wenn hier entgegengehalten wird, Jesus leide in seinem verklärten Leib nicht mehr, so darf doch wohl entgegen gehalten werden, dass Gott durch jede einzelne Sünde gegen die Liebe verletzt wird. Somit würde auch Jesus als zweite Person der Gottheit nicht unberührt bleiben vom Leiden.
    Wenn wir einen derart unberührten, jenseitigen Gott konstruieren wollen, können wir auch gleich den Gott des Islam annehmen, der nicht leidet und nicht menschlich ist.
    Gott ist zudem Gegenwart. Was für uns geschichtlich verläuft ist für ihn gegenwärtig präsent. Er sieht auch jetzt jede einzelne Handlung der fernen Zukunft vor sich.
    Da Jesus Gott war, litt er auf mystische Weise für alle Menschen und leistete so Genugtuung für alle Menschen guten Willens.
    Der Gottheii ist ja kein Gedanke, keine Tat kein Leiden verborgen.
    Deshalb stimmte schon, was man Kindern früher häufig sagte: „Durch jede Sünde machen wir das Kreuz Jesu schwerer.“ Umgekehrt gilt natürlich auch: Wenn wir heute lieben, wird auf mystische Weise das Kreuz Christi vor 2000 Jahren !!! leichter. Wir nehmen ihm das Leiden ab, da sein Blick in die Zukunft nicht auf Sünde, sondern auf Liebe tifft.
    Jesus hat sich als der Logos den Leib der Schöpfung angezogen. Er leidet in ihr. In der Schrift heißt es: Die ganze Schöpfung liegt in Geburtswehen. – Christus drängt dazu, in uns zur Welt zu kommen.
    Christsein heißt, Chritus an-zu-ziehen. Das Licht Christi kann man aber nicht äußerlich anziehen wie einen Mantel, sondern es zieht hinein ins Innere, womit im Menschen Christus geboren wird (Umkehr/Taufe)
    Jesus ist der Richter über die Schöpfung. Er richtet uns neu aus. Strafe ist in Wahrheit Gnade, da sie den Menschen strafft (zur Tugend hinlenkt). Tugend bereitet Einkehr vor. Denn der Geist Gottes will einziehen.

  10. Das denke ich aber auch @Magdalena, daß der Herr nach wie vor leidet. Er leidet in jedem Menschen, dem Gewalt angetan und Unrecht zugefügt wird. Das steht ausgesprochen so im Evangelium. Er leidet an der Undankbarkeit ob Priester der Laien. Er leidet an der Kälte und Lieblosigkeit, die man Ihm entgegenbringt.
    Man sagt, Gott könne nicht leiden. Dann hätte Gott kein Herz sozusagen. Gott leidet aber mit uns, denn er ist ja aus Liebe Mensch geworden, um uns zu erlösen. Gott hat mehr Herz als alle Menschen aller Zeiten zusammengenommen- Ozeane von Herz hat Gott.
    Wie viele Preister und Laien sind hier im Irrtum?- Ja, man kann sich alles einfach, einfach verkehrt machen. Man macht sich in der Tat seine Wohlfühlreligion.

  11. Hl. Hildegard von Bingen, Kirchenlehrerin: aus dem Buch „Wisse die Wege“, die 11. Vision des 3. Teils:

    18. Warum Gott neue Geheimnisse und viel Mystisches, dass bisher verborgen war, durch einen Unberedten und Ungelehrten gerade jetzt verkündet

    „Doch jetzt wankt der katholische Glaube bei den Völkern und das Evangelium lahmt bei diesen Menschen. Auch die dicken Bände, die die erfahrenen Lehrer mit viel Eifer erläutert hatten, lösen sich in schimpflichen Überdruss auf und die Lebensspeise der göttlichen Schriften ist schon fade geworden. Daher spreche ich jetzt über die (Heiligen) Schriften durch einen unberedten Menschen, der nicht von einem irdischen Lehrer belehrt wurde, doch ich, der ich bin, verkünde durch ihn neue Geheimnisse und viel Mystisches, dass bisher in den Büchern verborgen war, wie es auch ein Mensch macht, der zuerst Lehm für sich zurechtlegt und dann aus ihm jegliche Formen nach seinem Wunsch herausarbeitet.“

    19. Ermahnung Gottes an die Lehrer, diese Rede nicht zu verachten, sondern sie gleichsam als siegreiches Banner gegen den Sohn der Bosheit zu erheben usw.usw.

    Noch kurz ein paar Sätze zu ihrer Endzeit-Vision aus einem ihrer anderen Bücher:

    „Und eine gewaltige Masse von Kot sammelte sich um das Haupt , so dass es sich wie auf einem Berg emporhob und zur Höhe des Himmels aufzusteigen versuchte. Aber da traf plötzlich ein Donnerschlag das Haupt mit solcher Wucht, dass es von dem Berge herabstürzte und seinen Geist im Tode aushauchte. Alsbald umwehte ein übelriechender Nebel den ganzen Berg, und darin lag das Haupt, von solchem Schmutz umhüllt, dass die umstehenden Scharen in den größten Schrecken versetzt wurden. Als die anwesenden Leute dies sahen, sprachen sie zueinander, von großer Furcht erschüttert: „Wehe! Wehe! Was ist das? Was soll man denken? Ach, wie Elenden! Wer wird uns helfen? Wer wird uns befreien? Denn wir wissen nicht, wie wir hintergangen worden sind. O allmächtiger Gott, erbarme Dich unser! Lasset uns umkehren! Kehren wir eiligst zurück zum Zeugnisse des Evangeliums Christi. Denn ach! ach! Bitter sind wir getäuscht worden.“

    • Weder seine Mutter noch Engel oder gottliebende Seelen fallen Jesus Christus in den Arm. Er ist die zweite Person der heiligsten Dreifaltigkeit, Er ist Gott. Auch wenn er seine Menschheit nicht abgeschüttelt hat wie ein unbrauchbares Gewand, Er ist Gott.
      Niemand fällt der heiligsten Dreifaltigkeit in den Arm. Auch nicht die allerseligste Jungfrau.

      Bestimmte Heilige haben die Vorstellung in die Welt gesetzt, Christus sei während seines Lebens auf Erden allzeit seiner Mutter untertan gewesen. Frommer Kitsch, vor dem auch Heilige nicht gefeit sind.

      Als der zwölfjährige Jesus von seinen Eltern aus dem Tempel geholt wurde, heißt es, „er war ihnen untertan.“ Nicht nur Maria, wie leider oft fantasiert wird, sondern auch dem hl. Josef (Lk 2,51) Jeder 12-jährige Knabe hatte seinen Eltern zu gehorchen, der Gottmensch Jesus Christus hatte die Demut, sich ganz in gesellschaftlich-menschliche Gegebenheiten hinein zu begeben, sie zu ertragen.
      Vorher macht er Maria und Josef jedoch einen handfesten Vorwurf: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist? Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sprach“ (Lk 2, 49b, 50).

      „Seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen.“ (Lk 2, 51 b).

      Die allerseligste Jungfrau lernt von ihrem Sohn. Sie glaubte. Er war nicht nur ihr Sohn. Er war der Sohn Gottes. Ihr Sohn war er dem Fleische nach, zu seiner Gottheit hatte sie nichts beigetragen. Kann sie nichts beitragen als Geschöpf.

      Sie bleibt auch im Himmel Geschöpf. Wenn auch das Auserwählteste. Die Mutter, die ihrem Sohn in den Arm fällt, ist eine rein menschliche Fantasie. Seherinnen bilden sich das ein.

      Die demütige, allerseligste Jungfrau Maria, ein Vorbild für alle Glaubenden, ist nicht mal auf Erden ihrem Sohn in den Arm gefallen. „Alles, was Er euch sagt, das tut“, weist sie die Diener bei der Hochzeit zu Kana an (Joh 2, 5). Ansonsten schweigt sie.

      Die alles beherrschende Mutter im Himmel ist eine Zerrform der katholischen Marienverehrung. Sie findet sich in keinem der ganz großen Mariengebete, in denen wir zu Recht die allerseligste Jungfrau verehren und um ihre Fürsprache bitten.

      Pater Pio hat wahrscheinlich eine Anleihe gemacht bei dieser Zerrform, nur jetzt sind es die gottliebenden Seelen und die Engel, die einem zornigem Jesus in den Arm fallen müssen, der sich sonst nicht beherrschen würde.

      Was für ein entsetzliches Gottesbild! Was ist mit dem Glauben an die heiligste Dreifaltigkeit geschehen? Ein solcher Niedergang des katholischen Glaubens ist unerträglich.

  12. Kann Gott leiden?
    Ich weiß es nicht! Aber eines weiß ich:
    Immer wenn ich gewahr werde, dass mein Verhalten nicht in Ordnung ist, ich also gesündigt habe, habe ich das ganz starke Empfinden, Gott verletzt zu haben.
    Dabei möchte ich IHM doch nicht wehtun.
    Trotzdem geschieht es!
    Ob Gott leidet, weiß ich nicht, aber mitansehen zu müssen, wie wir immer wieder in die falsche Richtung rennen, weg von IHM, lässt unseren Herrn sicher nicht gleichgültig.

  13. @Zeitlos
    Der Begriff „Gott in den Arm fallen“ meint soviel wie das Gericht, dass wir uns durch unsere Sünden verdientermaßen zugezogen haben, aufzuhalten.
    Jesus, der auch der Richter (in uns) ist, zieht ganz automatisch die straf(f)ende Hand weg (Gnade der Strafe, die zur Umkehr bewegt), wenn er sieht, dass der Sünder umkehrt.
    Pater Pio hat das Bild des Aufhaltens der strafenden Hand des Herrn stets formuliert. Er sagte: „Dies funktioniert immer. Wenn der Herr im Begriff ist, den Sünder zu schlagen, halte ich ihm meine Gebete und Opfer (für den Sünder/dessen Umkehr) hin und er zieht seine Hand hinweg.“
    Was hat das bitteschön mit einem furchtbaren Gottesbild zu tun? Die Liebe hält die Gerechtigkeit auf! Wenn ich mich vom Feuer wegbewege, verbrenne ich mich nicht!
    Man braucht nicht religiös zu sein, um zu erkennen, dass die Abwendung vom Unguten, Krankmachenden, in uns Heilung bewirkt und Ordnung wiederherstellt.
    Wenn wir sündigen, uns also von der Liebe (Gottes) entfernen, strafen wir uns selbst. Wir leiden an unseren eigenen Lieblosigkeiten, Unordnungen, Trennungen von der Außenwelt, den Taten unseres Kleinmutes und unseres Egoismusses. Unsere Taten verlassen unseren Seelenraum nicht eher, bis wir Frieden gemacht haben. (Gewissen) Der Mörder trägt sein Opfer mit sich herum.
    Wenn Sie beten, kann es sein, dass Gott das Herz ihres Mitmenschen, der in die Irre (Versuchung/Sün) gegangen ist und sich dort gefangen hat, bewegt.
    Dazu benötigt der gerechte Gott Opfer, möglicherweise ihr Opfer. Wir sind uns doch einig, dass Gottes Barmherzigkeit nicht ohne seine Gerechtigkeit zu haben ist (?)
    Wenn die Welt es vermag, vollkommen nach den Geboten zu leben, also ganz in der Barmherzigkeit Gottes ist, deckt sich Gottes Gerechtigkeit mit seiner Barmherzigkeit. Wenn jemand aber lügt, stiehlt, betrügt, mordet setzt er damit eine Kette der Unordnung in die Welt, die durch langes Entwirren (was wir als Leiden empfinen) wieder frei gemacht werden muss.
    Es ist mir völlig unverständlich, wie man einerseits das Opfer des Altares begehen kann – und zudem noch ein traditionalistisches Verständnis vorgibt – , aber das Bild einer strafenden Hand Christi nicht einzuordnen weiß.
    Jesus leidet zudem tatsächlich bis an das Ende der Geschichte. Er bleibt in der Geschichte bis an das Ende der Zeit. Der Himmel hingegen besteht jenseits der Zeit; im eigentlichen Sinne über der Zeit. Er beginnt erst nach der Vollendung der Geschichte und trotzdem ist er jetzt schon, da in Gott alles Gegenwart ist und er die Geschichte als Ganzes geschaffen hat, womit diese jetzt schon abgeschlossen ist. Wo da die Freiheit des Menschen bleibt, wird man fragen: nun, diese ist dem Menschen als Mitgeschöpf trotzdem gegeben; das ist das Geheimnis der Schöpfung: Gott schöpft jetzt; in diesem Moment, mit uns und nicht an unserem Willen vorbei; und trotzdem hat er den Ausgang in seiner Hand und kennt diesen jetzt schon.
    Ich wünsche mir, mit diesen Ausführungen, einige Missverständnisse geklärt zu haben!

    • Sie haben m.E. recht, @ Pater Pio – wir sagen zwar scholastisch, dass Gott nicht „leiden“ kann in dem Sinne, dass er unvollkommen und gewissermaßen „dezimierbar“ oder „zerstörbar“ wäre durch Leiden. Natürlich ist das nicht der Fall!

      Dennoch ist die Sprache des AT so, dass die Sünde des Menschen den Zorn Gottes erregt. Warum?
      Gott hat den Menschen als sein Kleinod erschaffen, das durch eine mystische Verbindung durch ihn und zu ihm ein übernatürliches Kleid trug – daher auch die Erkenntnis nach dem Verlust dieser Übernatur, dieses Eingehülltseins in ihn bzw. durch ihn, „nackt“ zu sein, also zurückgesunken zu sein in die blanke Natur.
      Es ist blasphemisch, wenn man sagen wollte, dass dies den großen allmächtigen Gott, zu dessen Bild wir geschaffen wurden, unberührt gelassen hätte. Warum sonst hätte er seinen Sohn senden sollen? Warum sonst hätte er die blanke Natur annehmen sollen, wenn wir ihm dies nicht wert gewesen wären? Sind wir ihm aber etwas wert, lassen wir ihn auch nicht ungerührt. Wir sind ihm das wert, was er sich in uns selbst ist.
      Das Geheimnis liegt darin, dass der Mensch ja nicht ins totale Irgendwo hinein erschaffen wurde, sondern in das All, das „durch den Sohn Gottes“ geschaffen ist. Wenn seine Identifikation mit dem Menschen soweit geht, dass er uns als seinen mystischen Leib ansieht, wenn er überhaupt die Welt als „sein Eigentum“ betrachtet (das ihn aber mehrheitlich nicht annimmt), ist jede Verletzung seiner Heiligkeit eine Katastrophe – es gibt keinerlei Grund, das anders zu sehen, jedenfalls wenn man katholisch ist. Nicht weil er dadurch sich selbst verlöre! Sondern weil er uns verlöre und sein freier Wille zu uns mit unserem freien Willen von ihm weg so eine harte Zerreißprobe darstellt, dass sie für uns ewige Pein bedeutet.
      Warum sollte er am Ende richten, wenn es ihn ungerührt ließ, ob unser freier Wille seinem freien Willen entgegenstand?
      Glauben wir an den voluntaristischen Allah oder an die Hl. Dreifaltigkeit, die sich an den Menschen gebunden hat?
      Glauben wir, dass Gott Gebete erhört?
      Glauben wir, dass er auch Fürbitte erhört?
      Oder sind wir Deisten geworden vor lauter starrer Begriffe, die ohne Liebe selbstaufhebend wirken?

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