Was bedeutet die Opposition zur alten Messe wirklich? – (Teil 1)

Missa Tridentina
Missa Tridentina

von Peter Kwasniewski

Anlässlich des siebten Jahrestages des Inkrafttretens von Summorum Pontificum am vergangenen 14. September 2014 verfasste Dr. Peter Kwasniewski einen Artikel für „New Liturgical Movement“, dessen ersten Teil wir nachfolgend in deutscher Übersetzung wiedergeben. Der zweite Teil wird Im Laufe dieser Woche erscheinen. Kwasniewski lehrt Philosophie und Theologie am „Wyoming Catholic College“ in den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Frühjahr wurde sein Werk „Sacred Choral Works“ veröffentlicht, das zahlreiche seiner Kompositionen für den liturgischen Gebrauch enthält.

In der Welt nach Summorum Pontificum kann der alte römische Ritus nicht länger als verboten, bedenklich, randständig oder obsolet betrachet werden. Er erfreut sich der gleichen Bürgerrechte wie der Novus Ordo. Zwei Formen des römischen Ritus – eine genannt „ordentlich“, weil zuletzt promulgiert und in weiterem Gebrauch, die andere genannt „außerordentlich“, der usus antiquior, welcher Respekt verdient wegen seines altehrwürdigen Gebrauchs –, wobei beide von jedem Priester des römischen Ritus frei zelebriert werden können, ohne besondere Genehmigung. Man sollte meinen, dass die beiden Formen als eine Geste der Versöhnung im Herzen der Kirche Seite an Seite florieren würden, mit Katholiken, die überall privilegiert sind, beide Formen ehrfurchtsvoll und schön gefeiert zu erleben.

Dies ist jedoch immer noch weit von der Wirklichkeit entfernt, und traurigerweise gibt es immer noch viel zu viele Bischöfe und Priester, welche die alte Messe ablehnen, sie mit beschwerlichen Bedingungen anketten oder auf machtpolitische Mittel zurückgreifen, um sicherzustellen, dass ihre Unterstützer formgerecht gewarnt sind und bestraft werden für ihre tollkühne Annahme unseres katholischen Erbes.

Wenn wir heute den siebten Jahrestag der Implementierung von Summorum Pontificum begehen, dessen Bestimmungen am 14. September 2007 in Kraft getreten sind, so ist es sowohl erbaulich als auch ernüchternd, die Bedeutung zu bedenken, die Joseph Ratzinger selbst der Opposition zur alten Messe anheftete. Was bedeutet es, wenn jemand diese Messe ablehnt, oder jene, die sie zelebrieren, oder jene, die sie lieben als eine Form des Gebets, die ihnen teuer ist?

Im Interviewbuch „Salz der Erde“, veröffentlich im Jahr 1996, sagte Ratzinger:

Ich bin […] der Meinung, daß man viel großzügiger den alten Ritus all denen gewähren sollte, die das wünschen. Es ist überhaupt nicht einzusehen, was daran gefährlich oder unannehmbar sein sollte. Eine Gemeinschaft, die das, was ihr bisher das Heiligste und Höchste war, plötzlich als strikt verboten erklärt und das Verlangen danach geradezu als unanständig erscheinen läßt, stellt sich selbst in Frage. Denn was soll man ihr eigentlich noch glauben? Wird sie nicht morgen wieder verbieten, was sie heute vorschreibt?

Elf Jahre vor Summorum Pontificum richtete er seinen Finger auf den springenden Punkt. Wenn die Liturgie, die für Jahrhunderte der heiligste und höchste Besitz der Kirche war, das Objekt vollkommener Andacht und Ehre, das Mittel der Heiligung für zahllose Katholiken, plötzlich verboten ist, und wenn der Wunsch, wie unsere Vorväter anzubeten, als falsch behandelt wird, was sagt das über die Kirche selbst aus, über ihre Vergangenheit, ihre Tradition, ihre eigenen Heiligen? Wahrlich, ihre Glaubwürdigkeit entschwindet vollkommen, ihre Proklamationen werden zu willkürlichen Befehlen. War die ganze Zeit an unserem zentralen Akt der Anbetung etwas verhängnisvoll mangelhaft? Lagen all die Päpste der Vergangenheit, die mit Liebe diese Liturgie veredelten, falsch, waren all die Missionare, die sie in die ganze Welt brachten, in die Irre geführt? Könnten sie, mit den Worten Agurs, des Sohnes des Jake aus Massa, sagen: „Ich habe keine Weisheit gelernt und keine Kenntnis des Heiligen erlangt“ (Spr 30,3)?

In „Gott und die Welt“, einem weiteren dieser großartig aufschlussreichen und doktrinell robusten Interviews, die jetzt, im Rückblick, für so wehmütiges Lesen sorgen, kam Ratzinger auf den Punkt zurück:

Wichtig für die Bewußtseinsbildung in Sachen Liturgie ist auch, daß endlich die Ächtung der bis 1970 gültigen Form von Liturgie aufhören muß. Wer sich heute für den Fortbestand dieser Liturgie einsetzt oder an ihr teilnimmt, wird wie ein Aussätziger behandelt; hier endet jede Toleranz. Derlei hat es in der ganzen Geschichte nicht gegeben, man ächtet damit ja auch die ganze Vergangenheit der Kirche. Wie sollte man ihrer Gegenwart trauen, wenn es so ist? Ich verstehe, offen gestanden, auch nicht, warum so viele meiner bischöflichen Mitbrüder sich weitgehend diesem Intoleranzgebot unterwerfen, das den nötigen inneren Versöhnungen in der Kirche ohne einsichtigen Grund entgegensteht.

Hier haben wir eine Sprache, die erstaunlich verwandt ist mit der, die wir fünf Jahre später in Papst Benedikts Brief an die Bischöfe finden, der mit Summorum Pontificum einherging. Erneut finden wir das bezeichnende Bestehen darauf, die richtige Haltung einzunehmen gegenüber dem unvergänglichen und lebensspendenden Erbe der Kirche. Die liturgischen Riten, die aus den apostolischen Samen hervorgehen im Verweilen der Kirche durch die Geschichte, sind die Früchte dessen, der da ist der Herr und Lebensspender, und sie können nicht, in sich selbst, verenden oder Vernichtung bringen – noch können sie legitim verboten werden.

Dies würde erklären, warum Papst Benedikt XVI. in Summorum Pontificum sagt, dass der traditionelle lateinische Messritus „aufgrund seines verehrungswürdigen und alten Gebrauchs […] sich der gebotenen Ehre erfreuen“ soll. In seinem Brief an die Bischöfe fügt er hinzu:

Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und groß; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein. Es tut uns allen gut, die Reichtümer zu wahren, die im Glauben und Beten der Kirche gewachsen sind und ihnen ihren rechten Ort zu geben.

Das Erweisen der gebotenen Ehre, was sich ausdrückt in der tatsächlichen Feier des Ritus, ist keine optionale Sache, und darum sollten wir höflich ablehnen, von unseren Mit-Katholiken als Leute mit gewissen „Vorlieben“ kategorisiert zu werden: „O, Sie bevorzugen das Alte und ich das Neue.“ Nein, es geht über Vorlieben hinaus hin zur Struktur des katholischen Glaubens: jenen Dingen, die verehrungswürdig und alt sind, muss die gebotene Ehre erwiesen werden; was früheren Generationen heilig war, muss auch uns heilig – und groß! – sein; es liegt an uns, diese Reichtümer zu bewahren und sicherzustellen, dass sie ihren rechten Platz einnehmen im Leben der Kirche heute.

Ein erneutes Zeichen dafür, dass wir Papst Benedikt korrekt lesen, ist, dass die klärende Instruktion Universæ Ecclesiæ keine Mühen scheut, diese Punkte zu betonen. Tatsächlich ist Abschnitt 8 dieses Dokuments eindrucksvoll in seiner kompromisslosen Schlichtheit, seinem vollkommenen Mangel an verklausulierenden Einschränkungen oder Schlupflöchern:

Das Motu proprio Summorum Pontificum stellt einen wichtigen Ausdruck des Lehramtes des Papstes und der ihm eigenen Sendung (munus) dar, die heilige Liturgie der Kirche zu regeln und zu ordnen, und zeigt seine pastorale Sorge als Stellvertreter Christi und Hirte der Gesamtkirche. Sein Schreiben hat folgende Ziele: a) allen Gläubigen die römische Liturgie im Usus antiquior anzubieten, da sie ein wertvoller Schatz ist, den es zu bewahren gilt; b) den Gebrauch der forma extraordinaria all jenen wirklich zu gewährleisten und zu ermöglichen, die darum bitten. Dabei ist vorausgesetzt, dass der Gebrauch der 1962 geltenden römischen Liturgie eine Befugnis ist, die zum Wohl der Gläubigen gewährt worden ist und daher zugunsten der Gläubigen, an die sie sich primär richtet, ausgelegt werden muss; c) die Versöhnung innerhalb der Kirche zu fördern.

Text: M. Benedikt Buerger
Bild: Wikicommons

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20 Comments

  1. Der Novus Ordo Missæ (NOM) wurde nicht promulgiert! Er wurde eingeführt, ja, aber nicht promulgiert. Es gibt zwar eine Menge Dokumente darüber (z. B. Kardinalskommission) oder eine Ansprache Pauls VI. hierzu, die aber kein Kirchengesetz ausmacht, aber kein Dokument mit der Unterschrift Pauls VI. in dem steht, dass das Missale des hl. Pius V. verboten und abgeschafft ist und dass von nun an dieses (NOM-)Buch gilt. Denn das würde ja bedeuten, dass jeder Priester verpflichtet wäre, diesen auch zu zelebrieren, dass also der überlieferte römische Ritus abgeschafft worden wäre, was aber ein schismatischer Akt wäre (weil gegen die Einheit im Glauben [lex orandi statuit legem credendi - das Gesetz des Glaubens ruht auf dem Gesetz des Betens [frei übersetzt]: so wie man betet so glaubt man auch) und laut ‚Quo primum‘ niemanden (auch dem Papst nicht!) möglich ist. Dass die „Alte Messe“ aber niemals abgeschafft wurde, wurde ja auch von Papst Benedikt XVI. bestätigt („numquam abrogatam“ – Benedikt XVI., Motu proprio ‚Summorum pontificum‘, 07.07.2007, Art. 1.).

  2. Der Artikel verkennt leider, dass alle diese Zitate Benedikts/Ratzingers ja keine Option für die alte Messe aussprechen, sondern lediglich ein Bekenntnis zur liturgischen Vielfalt im Rahmen der „Rahmenerzählung“, also der kirchlichen Tradition.

    Das Argument, man könne doch nicht verbieten oder tabuisieren, was die Kirche bis dato geglaubt hatte, ist lediglich die Absage an eine eingeengte modernistische ideologische „Rahmenerzählung“, die im NOM ihren Ausdruck finden will.

    Benedikt formuliert immer sich selbst treu eine klare postmoderne Marschrichtung, die alle (!!!) Rahmenerzählungen für gescheitert hält, nicht nur die rein traditionelle, sondn also auch eine modernistische oder progressive.

    Sein Plädoyer: wertschätzender Pluralismus.
    Was haben die Tradis verstanden?
    Nichts – sie bilden sich selektiv hörend ein, er habe sich hinter ihre Absichten gestellt, dabei hängt auch Benedikt sofort ab, wenn einer sagt: NUR die tridentinische Messe ist die würdige Form, die Hl. Messe zu feiern…

    • So ist es, das haben Sie hervorragend auf den Punkt gebracht. Benedikt der heimliche Traditionalist – die tragische Lebenslüge der „Tradition“. Er war es nie, und ist es auch heute nicht.
      Wer Dr. Ratzinger als Theologe und Papst war, kann man brilant analysiert in der Jahrhundert-Enzyklika „Pascendi dominici gregis“ des Hl. Papst Pius X. studieren.
      Aber das will „die Tradition einfach nicht sehen.

      • Welche Tradition meinst du?

        Die Benedikt-Jugend? Die Initiativkreise? Den Kongress „Freue am Glauben“? Die Petrusbruderschaft? KPE?

      • Das ist doch klar: die EINE, unwandelbare Tradition, die in der Kirche fast 2000 Jahre (genau genommen: 1962 Jahre) unbestritten gegolten hat und vom gläubigen Volk gekannt und geteilt wurde.
        Was Sie da an „Bewegungen“ auführen, sind letztlich alles Folgen und Ausflüsse dieses „Konzils“ und eines letztlich häretischen Begriffs einer sog. „katholischen Weite“, der damals seinen Siegeszug durch die Kirche antrat. „Weite“ ist dabei ein Synonym für „Es ist alles erlaubt“. Also reinster Protestantismus.

  3. Das Ratzinger kein Traditionalist ist ist klar…er ist auch ein Heiliger und kein…ist…! Weder Fundamentalist noch Traditionalist noch sonst was! Ich sehe auch kritisch dass er z.B bei der Zelebrationsrichtung doch etwas zu kompromissbereit war aber hat immer gegen eine Ideologisierung des Ritus gesprochen. Weder das Missale von 62 noch das neue ist perfekt-das neue zugegebener maßen noch unperfekter^^.

    Die alte Messe ist sehr wertvoll wenn man es erfassen kann. Das Problem ist eine eigenartige Kultur außenrum und jene lehne ich ab. Ich hoffe und bete dass sich einmal eine liturgische Tradition und Kultur bilden wird die im 21. Jahrhundert angekommen ist und vor allem nicht nur auf die Liturgie schaut sondern auch auf die Leute die zu dieser Liturgie kommen und sie lieben. Leider kommt mir das alles etwas Elitär rüber-so als wäre die alte Liturgie nur was für bereits heilige und bereits fromme-da wünsche ich mir mehr Offenheit und etwas besseres pastorales Spitzengefühl vor allem im Umgang mit den Gläubigen. Dies kann aus meiner Sicht nur geschehen wenn die neue Liturgie reformiert wird und zwar möglichst radikal und schnell damit dieses traditionalistische Subkultur nicht die Oberhand gewinnt. Wir sind eine Kirche von Sündern die Heilige werden wollen.

  4. Malcolm Kardinal Ranjith,
    Erzbischof von Colombo, plädierte anlässlich der 20. Generalversammlung der Internationalen Foederation Una Voce in Rom für die Wiederanknüpfung an die hl. Tradition und zur Rückkehr zur wahren Liturgie der Alten Messe:
    -
    „Liturgie kann deshalb niemals von Menschen geschaffen werden.
    Wenn wir Gott so verehren, wie wir das wollen, und uns selbst die Regeln geben,
    dann laufen wir Gefahr, erneut Aarons Goldenes Kalb zu produzieren.
    Wir müssen fest darauf bestehen,
    dass Gottesdienst unsere Teilnahme an dem ist, was Gott selbst tut –
    sonst sind wir in der Gefahr, Götzendienst zu begehen.
    Der Symbolismus der Liturgie hilft uns dabei, uns über das, was menschlich ist, zum Göttlichen zu erheben.
    In dieser Hinsicht, das ist meine feste Überzeugung,
    ist der Vetus Ordo [die alte Messe] in hohem Maße und in größter Erfüllung der mystische und transzendente Ruf zur Begegnung
    mit Gott in der Liturgie.
    Daher ist für uns die Zeit gekommen, nicht nur durch radikale Veränderungen den Inhalt der reformierten Liturgie zu erneuern,
    sondern auch immer stärker auf eine Rückkehr der alten Messordnung hinzuwirken, der den Weg zu einer wahrhaften Erneuerung der Kirche bietet, wie sie die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils so sehr erhofften.
    Eine sorgfältige Lektüre der Konzils- Konstitution Sacrosanctum Concilium über die heilige Liturgie zeigt, dass die übereilten Veränderungen, die später in die Liturgie eingeführt wurden, keinesfalls im Sinne der Konzilsväter waren.
    Daher ist es jetzt an der Zeit, entschlossen auf eine wahrhafte Reform der Reform
    hinzuarbeiten und auch auf eine Rückkehr zu der wahren Liturgie der Kirche, die sich in ihrer zweitausendjährigen Geschichte in einem beständigen Fluss entwickelt hat.
    Ich hoffe und bete, dass das geschieht.“

  5. Die Beantwortung der im Titel dieses Artikels gestellten Frage lautet also einfach:

    Opposition gegen den alten Ritus bedeutet dasselbe wie Opposition gegen den Neuen Ritus: eine einschränkende Deutung des Glaubens, das Festhalten an einer „Rahmenerzählung“.

    Wie gesagt: Benedikt will den Pluralismus.
    Was an ihm so „konservativ“ wirkt, das war, dass er rein äußerlich zu vielem neigt, das man eher der traditionellen Rahmenerzählung zuordnet, rein äußerlich wie gesagt, und innerhalb eines postmodernen Konzeptes ganz privat!

    Benedikt ist aber nicht konservativ – das kapieren weder die Progressiven und Wir-sind-Kirche etc.- Leute, noch die Traditionalisten aller Couleur.
    Sie alle sind noch nicht da angekommen, wo wir inzwischen wirklich stehen: im postmodernen Pluralismus, der jede ernsthafte und ausschließliche Weltdeutung ablehnt mit Ausnahme dieses postmodernen Pluralismus, der ja – sofern man intelligent darauf schaut – auch nichts weiter als eine „Rahmenerzählung“ ist.

    Ich gehe davon aus, dass Benedikt als intelligenter Mann genau weiß, dass der Postmodernismus sich selbst wie eine Katze in den Schwanz beißt und als ideologische Nicht-Ideologie die Krönung jeder totalitären „Rahmenerzählung“ ist.

    Das – und nur das! – ist wohl auch der Grund für seinen Rücktritt, nicht evtl. Probleme mit Gesundheit oder Kammerdienern und Bankkadavern.
    Wieso sollte man in einer solchen Denkwelt, auch wenn sie ästhetisch bei Benedikt wirklich sehr schön und gepflegt anzuschauen war, bis zum bitteren Ende Papst sein?

    Bedenken sollten alle Tradis, dass in Jesu Leben jegliche „Gepflegtheit“ und „Würde“ à la Tradi fehlte. Er hatte keinen Ort in dieser Welt. Und diesen Weg wollte Benedikt eben nicht mit IHM gehen!
    Seht Ihr es nicht?
    Es ist gerade seine private Option für das „Konservative“ und bürgerlich Gepflegte, die den letzten Ausschlag für den Rücktritt gegeben haben wird!

    • Bingo!
      // … da angekommen, wo wir inzwischen wirklich stehen: im postmodernen Pluralismus, der jede ernsthafte und ausschließliche Weltdeutung ablehnt mit Ausnahme dieses postmodernen Pluralismus //

      Dieser postmoderne Pluralismus entspricht genau der freimaurerischen Ideologie, die Pater Siano in seinem „manuale per conoscere la massoneria“ dargelegt hat.
      In diesem Pluralismus, dieser Zersplitterung gibt es keine absolute Wahrheit mehr, keine Ordnung. Im Grunde ist das der freimaurerische „Deismus“, der sich nicht von „Deus“ ableitet, sondern von „deesse“ – Abkehr vom Sein, von der Wahrheit, vom Licht.

      Die von Benedikt XVI in „Summorum pontificum“ erhoffte gegenseitige Befruchtung der beiden Messordnungen impliziert doch mehr Spaltung als „comunio“ und die Mittel für dieser Einheit gründen mehr auf einen Volkswillen als auf die unveränderbare Lehre der Kirche, aus der ja die Messe aller Zeiten hervorging.
      Zudem wird hier im Prinzip die promulgierte Messordnung (vetus ordo) durch die nicht-promulgierte sanktioniert! Die ewig gültig definierte Messordnung als Fußnote – außerordentlich – gesetzt, bestenfalls auf eine Stufe.
      Ja, „Einheit in der Vielheit“ heißt dann wohl soviel wie „alles gleichwertig“ – oder „wertlos“. Jeder kann sich raussuchen, was ihm beliebt, wie es ihm beliebt. Eine Seelenlosigkeit ohne übernatürliche, göttliche, absolute Wahrheit.

      Die Früchte dieses Pluralismus dürfte man so bezeichnen, wie es kürzlich @Pater Pio in einem anderen Zusammenhang trefflich beschrieben hat:
      „Viele Menschen der Moderne sind seelisch krank. Psychiater und Psychologen wisssen von überbordenden Wartezimmer zu berichten, Selbstmorde nehmen wieder dramatisch zu (hohe Dunkelziffer). Das Ruhigstellen durch Psychopharmaka vernebelt die Tatsachen. Der Mensch von heute ist ein seelisch Toter. Um das nicht aushalten zu müssen (Depression) flüchtet er sich in den Konsum. Nimmt man ihm die Ausflucht (das Konsumgut) weg, dreht er durch, rennt in den Suizid, sucht sich seiner in der aktiven Sterbehilfe (Unwort) selbst zu entledigen.“

  6. @zeitschnur: Sie unterstellen Papst Benedikt XVI. Dinge, die nicht stimmen. Es gibt und gab nie einen Pluralismus in der Lehre bei ihm. Und wenn es nun mal 2 Arten des einen Ritus gibt, dann können Sie sich doch aussuchen, welcher Ihnen persönlich besser zusagt- oder die Kirche wechseln. Es gibt ja auch die eine, von Gott so gewollte Sorte Mensch in 2 Ausführungen. Ist das was falsch dran?
    Die Befürworter des VO sollten ihm doch dankbar sein, daß er sich so vehement gegen erbitterten Widerstand übrigens für eben die „alte Messe“ eingesetzt hat. Ich sage: beide sind in Ordnung und wenn es ungläubige „Gläubige“ und ungläubige Priester gibt, nutzt weder die eine noch die andere Meßform `was.
    Papst Benedikt hat sich auch für die Mundkommunion eingesetzt usw. Ich kann hier nicht aufzählen, was er so viel Gutes gewirkt hat in seinem Leben. Da müßte man dicke Bücher schreiben. Er war und ist ein großer Kirchenlehrer und Papst, ein wahrhaft großer Mensch.

    • Tut mir leid – ich verstehe, dass Ihnen das an der Oberfläche der Riten alles so erscheinen mag. Aber Ihnen fehlt bislang die theologische Tiefenschärfe. Ich lege das ja immer wieder dar, was ich da genau meine und kann es auch beweisen aus Ratzingers Büchern.

      Alleine die Tatsache, dass Paul VI. samt einer gewissen Bischofsversammlung es für nötig ansah, eine Liturgiereform durchzuziehen, obwohl dafür weder Legitimation noch echte Notwendigkeit bestand, hatte doch Pius V. die damalige Reform für alle Zeiten festgelegt und den unter Bann gesetzt, der dagegen je verstößt, muss Ihnen doch die Ahnung aufkeimen lassen, dass hier eine neue Theologie mittels Liturgie installiert wurde und es eben gerade nicht derselbe Ritus ist!
      Denn warum sonst überhaupt eine Änderung?

      Ich lehne Benedikts Meinungen in vieler Hinsicht (nicht in jeder) ab, aber ich schätze und achte seine hohe Intelligenz. Wollte ich Ihnen folgen, müsste ich ihm Dummheit unterstellen – und das verweigere ich!
      Er weiß genauso gut wie ich, was Sache ist, ist aber innerhalb seines postmodernen Konzeptes an eine Grenze gekommen, die er selbst nicht mehr ertrug.
      Anstatt über Gerüchte und Verschwörungen zu spekulieren und aufgrund eigener Lateinmängel Formfehler in seiner Rücktrittserklärung zu suchen, halte ich es für vernünftig und redlich, in seinem Rücktritt auch einen Offenbarungseid dessen zu sehen, was er lebenslang angestrebt hat.

      Ich weiß, dass das weh tut. Vor kurzem hab ich es selbst nicht gesehen! Aber es ist mir in den letzten Monaten wie Schuppen von den Augen gefallen. Denken Sie darüber nach, ob ich nicht doch etwas Wahres ausspreche…

  7. Das ist so nicht falsch. Muss ich als kompromissloser Benedikt-Fan zugeben. Allerdings war der Marx von damals nicht der Marx von heute. In Trier war Marx ein durchaus moderater Bischof. Weit konservativer als Ackermann. Wie sich die traurige Entwicklung dieses hohen Prälaten erklären lässt weiß ich auch nicht.

  8. Wer so eine alte Messe von Zeit zu Zeit miterlebt der hat ein Gespür für das Heilige, und lässt sich nicht so leicht zum Flippen verleiten wie das bei den Evangelikalen der Brauch ist, außerdem ist diese Messe mit ihren Texten eine tägliche Unterweisung für den Priester, der im Neune Ritus als eine Art Entertainer fungiert.

    • ich bin ja nicht oft einer Meinung mit Ihnen, besonders wenn Sie über „Dr. Ratzinger“ herziehen, aber hier unterschreib ich Ihr Statement gerne. Nachdem ich die alte Messe hier in Zürich entdeckt habe, will ich nicht mehr in die neue – auch wenn sich das manchmal nicht vermeiden lässt, wenn man unterwegs ist am Wochenende… Dieser Effekt wird noch unterstützt dadurch, dass man hier den Novus Ordo so überstrapaziert, dass man die neue Messe, mit der ich in Bayern aufgewachsen bin (geb. 1972) oft nicht mehr erkennt…

      • Ein ganz enger Mitarbeiter des Papstes Benedikt hat mir einmal jemanden vorbeigeschickt, und es war erkennbar, dass er im Auftrag handelte, und man hat mir nahegelegt, meine kritischen Äußerungen (es konnten nur die bei kreuz. net gemeint sein) über Papst Benedikt zu unterlassen, wo sich dieser doch so bemühe, und als Beispiel nannte er die Absetzung von Bischof Aichern in Österreich. Ich antwortete, dass mich das nicht überzeugt, überzeugen würde mich, wenn er durch einen Besseren ersetzt worden wäre. Ich habe immer versucht, die Menschen davor zu bewahren, dass sie verheizt werden, man denke an Johannes Paul II., wie dieser doch nicht rührend versprach zum Rosenkranzgebet und zu Maria zu führen, und die Reise ging nach Assisi, nicht zum Hl. Franziskus, sondern zum interrreligiösen Gebet. Dafür stürzte die Kirche auch 1993 ein. Man denke doch, wie sehr Johannes Paul die Traditionstreuen an der Nase herumführte, er wetterte gegen die Ministrantinnen und approbierte sie, sprach sich gegen die Wiederverheirateten nach Scheidung aus, die ein weit verbreitetes Übel seien, ernannte aber nur Bischöfe a la Kasper. Es freut mich, wenn Sie meine Postings lesen, auch wenn Sie ihnen nicht gefallen!

  9. Mir scheint, manches hier Dargelegte, sollte man wieder herunterbrechen, so dass es jeder verstehen kann.
    Wenn wir das Sprichwort zu Rate ziehen „Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist“, können wir daraus leicht ablesen, wieso sich Personen manches Mal zu widersprechen oder sogar selbst zu verleugnen scheinen.
    So bin ich mir sicher, dass ein Bischof Marx in Trier, oder gar in Paderborn als Weihbischof verblieben, noch recht konservativ wäre.
    Selbst ein Papst Franziskus würde sich plötzlich auftretenden Mehrheiten Konservativer beugen und diese als seinen, ja als den Willen Gottes auslegen. Wie es genehm ist. „Was wollt ihr? Die alte Messe? Und das ausschließlich? Also, da habt ihr sie.“
    Jetzt wird aber anders geschrien. Und ein harmoniesüchtiger Charakter beugt sich leicht dem Zeitgeist.
    Noch ein Wort zu den zwei Messrieten: Wenn Sie am neuen Ritus teilnehmen, stellen sie sich vor, wie im alten in gemeinsamer Ausrichtung auf Gott zu schauen. Die Gefahr hierbei: Sie verlieren den Menschen aus Blick. Und noch schlimmer vielleicht: Sie inszenieren unbewusst ihre eigene Sehnsucht nach Pomp und königlkicher Würde. Dann verkommt der ganze Ritus zum Schauspiel, wenn ihnen beim ‚Großer Gott, wir loben dich‘ die Brust schwillt.
    Im neunen Ritus droht das andere Extrem uns zu gefährden: Wir sind nurmehr konzentiert auf uns selbst, auf den Gesang, auf jedes Tingeltangel, wie einer angezogen ist, wie der Priester predigt usf. Wie macht er’s diesmal? Oft habe ich Leute nach der Messe gehört, die sagten: „Er (der betreffende Zelebrant) hat es wieder gut gemacht.‘ Dann verkommt Kirche wirklich zum Unterhaltungsprogramm. Der Priester passt mir, also gehe ich dahin. Der nicht, also gehe ich zu dem nicht.
    Aber auch im alten Ritus kann die Haltung des Menschen wie gesagt arg daneben liegen. Die Kirchengestühle waren ehedem ja eingeteilt in Frauen- und Männerseite. Oft habe ich von älteren Menschen aus ihrer Jugendzeit gehört: „Wenn wir zur Messe gingen: Verstanden haben wir nix. Aber wir haben immer auf die Mädels geschaut. Das war das einzig interessante.“
    Ich meine, wenn wir beten,sollte das Herz mitbeten und der Mensch verstehen, was gesprochen wird. A. K. Emmerick hat gesagt: „Wenn der Mensch wirklich glaubt, was im Ritus geschieht, geschieht es auch.“ Deshalb sehen Kinder manchmal den leibhaftigen Herrn in der Hostie oder auf dem Altar. Auch im neuen Ritus kann ein Erwachsener wie ein Kind glauben. Gott ist nicht gebunden an den alten Ritus.
    Wenn natürlich darauf hingearbeitet wird, dass alle Latein sprechen und endlich einmal Frieden unter den Menschen herrscht, wird automatisch Gott gegenüber die Einheitsrichtung des alten Ritus angenommen werden.
    Das war jetzt meine Sicht aus Halblaiensicht. Mein Tipp: Man darf niemals die menschliche Vernunft außen vor lassen. Ich rede nicht von Verstand. Klaro?

    • Lieber @Pater Pio,

      // Ich meine, wenn wir beten,sollte das Herz mitbeten und der Mensch verstehen, was gesprochen wird. A. K. Emmerick hat gesagt: „Wenn der Mensch wirklich glaubt, was im Ritus geschieht, geschieht es auch.“ //

      Woran werden die Menschen wohl glauben, was geschieht/geschehen möge, wenn im neuen Ritus der Mensch ins Zentrum gerückt ist und der Opfercharakter der Messe gar nicht thematisiert sein will?

      // Gott ist nicht gebunden an den alten Ritus //
      Ja, Gott hat im Grunde für sich selbst überhaupt keinen Ritus nötig. Es ist der Mensch, der es nötig hat Gott zu bitten und zu danken.
      Den Mangel an religiöser, katholische Bildung und den Willen dazu, kann freilich auch der alte Ritus nicht ausgleichen und die Konsequenzen waren und sind, wie zeitschnur immer wieder betont, ein leerer Traditionalismus der sich an Äußerlichkeiten festmacht. Das macht den neuen Ritus aber keinesfalls besser – im Gegenteil. Allein die Zelebrationsrichtung ad deum ist in seiner Form und jeder seiner symbolischen Handlungen ein weitaus gewichtigeres Zeichen, sich die rechte Gebetshaltung anzueignen und den Blick auf den zu richten, dessen wir so sehr bedürfen.
      Im übrigen denke ich: Wer sich vom Herzen – sub specie aeternitatis – leiten lässt, handelt nicht immer zwangsläufig – nach weltlichen Maßstäben – vernünftig.

      • Danke für ihre Einwände. Sie lassen mich meine zum Teil oberflächlichen Betrachtungen noch einmal überdenken. Leider verengen (meine) Begriffe das Gemeinte häufig. Deshalb ist ein Austausch so wichtig, um zu bemerken, wo man sich aus der MItte des Heiligen Geistes und der Auffassung von dem, was wahr ist, – uns sei es auch nur tendenziös – herausbewegt. Ich muss dazu sagen, dass ich mich noch nicht sehr lange mit der Tradiion und der alten Messe befasse. Ich habe im Verständnis sicher noch Nachholbedarf.
        Herz. Grüße an Sie

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