Venezianische „Zweitehe“? Überraschungscoup zum Auftakt der Bischofssynode mit Verzerrung des Konzils von Trient

Der Markuslöwe von Venedig
Der Markuslöwe von Venedig

(Rom) Die römische Jesuitenzeitschrift La Civiltà Cattolica setzt einen Überraschungscoup und eilt pünktlich zum Beginn der Bischofssynode Kardinal Walter Kasper zu Hilfe. Dafür verzerrt die Zeitschrift mit der besonderen Nähe zum jeweils regierenden Papst das Konzil von Trient.

Zur Unterstützung der These von Kardinal Walter Kasper holte die vierzehntägig erscheinende Zeitschrift mit päpstlichem Imprimatur eine Geste aus dem Keller, die dort seit Jahrhunderten verstaubte. Eine Geste des Konzils von Trient für die wenigen Katholiken der griechischen Inseln, die unter venezianischer Herrschaft standen, von denen einige im dort vorherrschenden byzantinischen Ritus eine Zweitehe eingingen.

Auf den Artikel von Pater Giancarlo Pani SJ in der jüngsten Ausgabe der Civiltà Cattolica machte der Vatikanist Sandro Magister aufmerksam.

Nach Lob für Kaspers „Theologie auf den Knien“, macht sich Jesuitenzeitschrift dessen Position ganz zu eigen

Die Jesuitenzeitschrift ließ sich bis zum 4. Oktober, dem Vorabend zum Beginn der Bischofssynode Zeit, um ihren Aufsatz zu plazieren. Abgesehen von einem Beitrag, in dem Kardinal Kaspers „Theologie auf den Knien“ gepriesen wurde, handelt es um den ersten direkten Beitrag zum Thema „Zweitehe“, die hinter der Befürwortung des deutschen Kardinals für die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion steht.

Nicht nur der strategische Zeitpunkt ist bemerkenswert, an dem die renommierte und mit dem Nimbus eines offiziösen päpstlichen Charakters versehene Zeitschrift ihr Schweigen brach. Sie machte sich die These von Kaspers Partei völlig zu eigen. Der deutsche Kardinal „wird von den ersten Zeilen an als Orientierungspunkt genannt“, so Magister.

Die Civiltà Cattolica ist nicht irgendeine Zeitschrift, wie die vatikanische Zensur zeigt. Seit ihrer Gründung werden bis zum heutigen Tag alle Beiträge vor ihrer Drucklegung dem vatikanischen Staatssekretariat vorgelegt und eine Druckerlaubnis eingeholt. Daraus lassen sich Schlüsse ziehen. Die Beiträge stammen ausschließlich aus der Feder von Jesuiten. Zwischen Papst Franziskus, der selbst dem Jesuitenorden angehört, und dem derzeitigen Schriftleiter der Zeitschrift, Pater Antonio Spadaro, herrscht „engstes Einvernehmen“ (Magister). Pater Spadaro ist kirchenintern das, was Eugenio Scalfari außerhalb ist: der wichtigste Interpret des päpstlichen Denkens und Handelns.

„Ökumenische“ Öffnung des Konzils von Trient für „Zweitehe“?

Konzil von Trient bekräfigte Unauflöslichkeit der Ehe
Konzil von Trient bekräfigte Unauflöslichkeit der Ehe

Um die Bischofssynode zu einer „Öffnung“ in Richtung „Zweitehe“ zu bewegen, setzte die Jesuitenzeitschrift einen Überraschungszug. Sie grub das sonst weniger beachtete Konzil von Trient aus, jenes Konzil, das mehr als jedes andere, die Einheit und Unauflöslichkeit des sakramentalen Ehebandes bekräftigte.

Dieses Konzil habe sich in Wirklichkeit einer formellen Verurteilung der „Zweitehe“enthalten, wie sie in den Ostkirchen verbreitet ist und zwar nicht nur unter den Gläubigen des orthodoxen Ritus, sondern auch unter den Katholiken der mit Rom unierten Ostkirchen.

„Die Konzilsväter von Trient wurden zu dieser Geste, die von der Jesuitenschritschrift als ‚ökumenisch‘ ante litteram bezeichnet wird, wegen der Katholiken veranlaßt, die auf den griechischen Inseln der Republik Venedig lebten und mit Genehmigung ihrer lateinischen Bischöfe die orthodoxen Kirchen besuchten. Die venezianischen Botschafter richteten das Ansuchen an das Konzil, diesen Katholiken die Beibehaltung ihrer ‚Riten‘ zu erlauben, einschließlich der Möglichkeit einer zweiten Eheschließung wenn der Ehepartner Ehebruch begangen hatte“, so Magister.

Nach einer heftigen Diskussion beschlossen die Konzilsväter mit 97 gegen 80 Stimmen dem Ansuchen zu entsprechen und formulierten den Canon neu. Der Canon bekräftigte die Unauflöslichkeit der Ehe, enthielt aber nicht mehr eine ausdrückliche Verurteilung der östlichen Praxis.

Jesuitenzeitschrift wiederholt überholte, einseitige Darstellung Kaspers

Der Autor des Beitrags in der Civiltà Cattolica ist Pater Giancarlo Pani SJ, Professor für Kirchengeschichte an der Universität La Sapienza in Rom. Er rekonstruiert die Debatte auf dem Konzil von Trient mit zahlreichen Details, einschließlich aller Hinweise der Konzilsväter auf das Neue Testament und die Kirchenväter.

In seiner eigenen Darstellung der kirchlichen Praxis der frühchristlichen Jahrhunderte folgt Pater Pani jedoch ausschließlich der Darstellung von Giovanni Cereti und dessen Buch Divorzio, nuove nozze e penitenza nella Chiesa primitiva (Scheidung, Wiederheirat und Buße in der frühen Kirche) von 1977, das im August 2013 pünktlich zur neuen Debatte neu aufgelegt wurde. Cereti ist die wichtigste, wenn nicht einzige Bezugsquelle von Kardinal Kasper in seiner Rede vor dem Kardinalskonsistorium im vergangenen Februar. Alle neueren Studien zum Thema, wie jene der renommierten Patrologen Henri Crouzel und Gilles Pelland, beide ebenfalls Jesuiten, die Cereti „buchstäblich zerrissen“ (Magister), ignorierte Kasper völlig und ebenso tut es nun Pater Pani in einem Aufsatz.

Dadurch entsteht aus dem Artikel in der Civiltà Cattolica der Eindruck, daß bereits das Konzil von Trient eine Geste „evangelischer Barmherzigkeit“ gesetzt habe, die von der nun tagenden Bischofssynode aufgegriffen und verstärkt werden solle und zwar zum angeblichen Nutzen „jener Christen, die mit Leiden eine gescheiterte eheliche Beziehung leben“.

Konzil von Trient öffnete sich mitnichten gegenüber der „Zweitehe“

„In Wirklichkeit“ so Magister, gab es durch das Konzil von Trient keinerlei „Öffnung“ gegenüber der Zweitehe: „man entschied lediglich in diesem Punkt mit jener Zurückhaltung, die auch in den Jahrhunderten vorher galt und die auch danach beibehalten wurde, in keinen direkten Konflikt mit den orthodoxen Kirchen zu treten“.

Die Ausnahmesituation, wie sie auf den griechischen Inseln der Seerepublik Venedig herrschte, erledigte sich wieder von selbst, als die Inseln vom Osmanischen Reich besetzt wurden und für Venedig verlorengingen. Sie wiederholte sich nie mehr, nicht einmal mehr für jene ostkirchlichen Gemeinschaften, die sich mit der Kirche von Rom unierten. Von ihnen wurde vorab ein Glaubensbekenntnis verlangt, mit dem sie ausdrücklich die Unmöglichkeit einer Zweitehe anerkannten.

Der Artikel der Civiltà Cattolica verstärkt den Eindruck, daß es im Umfeld von Papst Franziskus eine strategische Planung zum Thema gibt, die jene „Öffnung“ für wiederverheiratet Geschiedene fördert, deren Wortführer nach außen Kardinal Walter Kasper ist.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Markuslöwe (Marco Boschini: Karte von Kreta, 1651)/Konzil von Trient

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41 Comments

  1. Kathnet hat mich mal wieder zensiert. Da werden Nachrichten nach Belieben verdreht oder erfunden. Unglaublich

    • Danke, habe dieselben Erfahrungen gemacht.
      Kath Net ist nicht ernstzunehmen, da ein kritikloses Jubel-Portal fuer die sog. „Perlen“ des Herrn Bergoglio.
      Man fasst sich an den Kopf.
      Bald gibt es bestimmt den Wunsch nach Euthanasie-Freigabe nach der Bibel : „Judas nahm einen Strick und erhaengte sich“…………. und an anderer Stelle….“gehe hin und tue desgleichen “
      Wetten das ?

    • habe ich früher auch schon erlebt und mein früherer Account wurde gelöscht, nachdem ich zu deutlich auf subjektive Fehler und Vorkommnisse bei der Berichterstattung zur Piusbruderschaft hingewiesen hatte, welche einseitig gewesen war.

      Zum obigen: war eigentlich zu erwarten. Nun können wir augenscheinlich miterleben, wie es wohl auf dem II. Vat. Konzil zugegangen sein dürfte und welcher Mittel sich die rheinische Allianz, hier in Neuauflage Kardinal Kaspar & Co. bedient hat. Hoffentlich hält der heutige coetus Patrea (Kard. Burke, Brandmüller, Müller usw.) gegen und hat mehr Erfolg!
      Beten wir darum, dass der Teufel seine Pläne auf dieser synode nicht umsaetzen kann, auch wenn er sich mächtiger Verbündeter, einschließlich des jetzigen Pontifex bedient. Wenn auch unbewusst, soviel sollte man zufügen; guten Willen muss man jedem erst mal unterstellen, bis das Gegenteil bewiesen ist.

    • Ich habe bei kath.net meinen Account mit einer Protestmail gelöscht, da dort jede berechtigte Kritik an Papst Franziskus zensiert wird. Das ist unglaublich… und so garnicht barmherzig und Dialogorientiert wie diese erbärmlichen Gestalten immer tun…

      • @Pascal 13: kath.net ist eine reinste Zensurstube, die sich aus lauter Konzilssektierern und Jublern zusammensezt.

    • Mich haben sie auch zensiert, bin ganz Ihrer Meinung bin sehr enttäuscht habe nur meine Meinung über die Pastoralassistenten geschrieben! Sie lassen nur die zu Wort kommen was Ihnen gefällt! Wenn jemand die Wahrheit schreibt das vertragen sie nicht! Na ja, nehme ich von Kath.net eher abstand!

      • Verbal nie ausfallend, stets um Sachlichkeit bemüht, erschienen meine Kommentare dennoch nicht immer.
        Dann habe ich mir vorgenommen, dort nicht mehr zu schreiben, wurde mir selbst gegenüber aber immer mal wieder wortbrüchig.
        Vorgestern erschien mein Kommentar auch wieder nicht.
        Ich glaube, es sind nicht nur die Inhalte allein -also Kritik beispielsweise an Papst Franiskus- deretwegen ein Kommentar nicht erscheinen darf.
        Es ist die Brisanz, die darin liegen mag und zu weiteren unerwünschten Überlegungen und Schlussfolgerungen der Mitleser führen könnten.
        Geistiger Austausch und Diskussionen jedoch sind unter diesen Zensurbedingungen kaum möglich.
        Fatal wird es auch, wenn man von einem Mitduskatanten ganz konkret angesprochen wird, ihm aber infolge der Zensur gar nicht antworten kann.
        Dieser wartet womöglich auf unsere Reaktion und wundert sich über das Ausbleiben derselben.
        Kommunikation wird auf diese Weise jäh unterbrochen!

    • Ich muss mich leider hier einreihen. Auch mich hat kath.net mehrmals zensuriert. Offenbar scheuen die das freie Wort wie der Teufel das Weihwasser.

  2. Jetzt soll eine extreme historische Ausnahmesituation auf den damals venezianischen Inseln Griechenlands dafür herhalten, die Zweitehe in der gesamten Kirche zu legalisieren, obwohl sie nicht einmal den heutigen katholischen Ostkirchen gestattet ist? Die für diesen Text verantwortlichen Jesuiten betreiben offen dialektische Haarspalterei, um eine Häresie nach ihrem Willen durchdrücken zu können. Einst waren die Jesuiten als Reaktion auf die protestantische Häresie hervorragende Verteidiger des Glaubens, doch heute haben sich leider zu viele von ihnen dem giftigen Relativismus verschrieben.

  3. Das Lehramt der Kirche hat von seiner höchsten Autorität Gebrauch gemacht 
    und die Unauflöslichkeit der Ehe als 
    Dogma definiert.
    Dieses verkündete das 
    Konzil von Trient auf seiner 24. Sitzung im November 1563:
    -
    „Wer sagt, die Kirche irre, wenn sie gelehrt hat und lehrt: 
    Nach evangelischer und apostolischer Lehre (Mt 19, 6 ff; Mk 10, 6 ff; 1 Kor 7, 10 ff) 
    könne wegen eines Ehebruchs des einen Ehegatten das eheliche Band 
    nicht
    gelöst werden und beide, auch der unschuldige Teil, 
    der keinen Anlaß zum Ehebruch gegeben hat, könne zu Lebzeiten des andern Ehegatten 
    keine 
    andere Ehe eingehen; und der Mann 
    begehe einen Ehebruch, 
    der nach Entlassung der ehebrecherischen Frau eine andere heirate, 
    ebenso die Frau, 
    die nach Entlassung des ehebrecherischen Mannes sich mit einem anderen vermähle, 
    der sei ausgeschlossen.”
    -

    • Wer Dogmen der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche aushebeln möchte, der handelt gegen Gottes Willen und somit im Sinne Satans.

    • Die Schriftstellen Mt 5, 32 und 19, 9 sind tatsächlich geeignet, Ausnahmen bei Scheidungen gelten zu lassen.

      Hier wird Hurerei (Brockhaus) bzw. Unzucht (Schlachter oder Hamp, Stenzel, Kürzinger) genannt als Untreue-Tatbestand, der eine Scheidung rechtfertigt, insofern aus biblischer Sicht der treue Partner sich vom untreuen Partner scheiden lassen kann.
      Dies war in biblischer Zeit für Jesus der einzig legitime Scheidungsgrund, wobei alle anderen Scheidungsgründe als Sünde galten, weil man damit den eventuellen Ehebruch des verlassenen Partners schuldhaft provozierte, falls dieser wieder heiratete.

      Gängige jüdische Praxis zur Zeit Jesu war das, was in 5. Mose (Deuteronomium) Kap. 24, 1 – 4 zu lesen ist, wonach damals jüdische Männer ihre Frauen aus „beliebigen“ Gründen durch Scheidungszeugnis aus der Ehe entlassen konnten, wobei die Frau gemäß Vers 2 „berechtigt war, sich wiederzuverheiraten“.

      Jesus bezog sich auf diese jüdische gegenüber dem verlassenen Partner hartherzige Scheidungspraxis, als er die Worte bezüglich Scheidung sprach und stellte klar, dass nur die Untreue des Partners berechtigt, sich scheiden zu lassen, weil der, der sich von einem Ehebrecher scheiden lässt, nicht mehr provoziert, dass ein potenzieller Ehebruch ihm selbst anzulasten ist, weil der Ehebruch des Partners ja bereits stattfand.

      • Man kann die Stellen auch so interpretieren, dass eine Ehe nur dann geschieden werden kann und sogar geschieden werden muss, wenn sie die Ehe unzüchtig ist.
        Also die Ehe des Herodes udn der Herodias, musste geschiedern werden, weil unzüchtig.
        Heinrich des VIII Ehen mit Anna Boleyn und Nachfolgerinnen waren unzüchtig und Heinrich hatte so wie Herodes die Verpflichtung die jeweiligen Frauen zu entlassen.
        Auch ein bekehrter Polygamist hat die Pflicht seine „überzähligen“ Frauen aus der Ehe zu entlassen und so weiter.
        Und so hätte ein wiederverheirateter Geschiedener die Pflicht seine Ehefrau zu entlassen,
        Auf jeden Fall lassen sich die Matthäus Stellen auch so, ganz konsistent erklären

      • Jesus spricht von keiner „Berechtigung“.
        Er spricht von einer Praxis, aus der man aber keine Schlüsse über eine erlaubte Wiederverheiratung ziehen kann und darf.
        Warum?
        Weil schlicht und einfach keine Rede davon ist und alles, was Jesus somst dazu sagt, annehmen lässt, dass er eine Wiederverheiratung nach Scheidung immer – immer! – als Ehebruch ansah. Davon zu unterscheiden ist eine bloße Scheidung ohne Wiederheirat. Die ließ auch Paulus zu.
        Undd amit ist das Ende der biblischen Fahnenstange auch schon erreicht.

    • Ich muss mich leider hier einreihen. Auch mich hat kath.net mehrmals zensuriert. Offenbar scheuen die das freie Wort wie der Teufel das Weihwasser.

  4. Danke an Katholisches.Info für diesen Artikel! Ich hatte das Ganze schon auf Vaticaninsider gelesen, mir fehlten jedoch die Quellen nachzuprüfen, ob das wahr wahr. Mein bisheriges Wissen vom Konzil von Trient sagte mit jedoch, dass das eine üble Verzerrung, wenn nicht Lüge, sei.

    Dank dem im obigen Artikel erwähnten Cerreti fand ich diese Richtigstellung von Kardinal Brandmüller, der schon vor Monaten gegen dessen Verzerrungen, in der Tagespost u.a. schrieb:

    „Die Neuauflage des 1977 erstmals erschienenen Buches im vergangenen Jahr 2013 wurde offenbar zur Beeinflussung der vatikanischen Bischofssynode im Oktober 2014 herausgegeben.“
    http://katholisch-informiert.ch/2014/02/den-vaetern-ging-es-um-die-witwen/

  5. Ist ein Papst, der über den katholischen Glauben abstimmen lässt, der das Naturrecht aushebelt und die Irrlehre, zumindest durch sein Wort, begünstigt noch als Papst anzusehen?
    Im Grunde soll hier die Todsünde abgeschafft werden. Wenn Ehebrecher die Hl. Kommunion ohne Beichte, Vorsatz, Reue und Genugtuung empfangen können, warum sollten dann für Diebe Mörder oder sonstige Verbrecher andere Bedingungen gelten? Um nicht falsch verstanden zu werden: Wir alle sind Sünder, und ich bin vielleicht der Größte! Aber es steht geschrieben, man soll das Heiligste nicht vor die Schweine werfen! Sind wir in Gottes Augen nicht alle Schweine, sofern wir uns von der Sünde befleckt haben?

    • Die Möglichkeit einer zweiten kirchlichen Ehe ohne Tod des ersten Ehepartners hätte selbstverständlich verheerende Auswirkungen auf die Moral der Gläubigen. Die Praxis der Beichte würde noch weiter verwässert werden, als sie es schon ohnehin ist in den modernistischen Gemeinden. Die Regelung auf den in der frühen Neuzeit venezianischen Inseln Griechenlands war nichts weiter als ein Sonderrecht regionaler Besitzstandswahrung, das ein wenig später überdies komplett hinfällig geworden ist.

    • Wir wollen uns auch keiner Schuld bezichtigen, die so nicht gegeben ist. Alles möchte ich nicht in einen Topf werfen, denn da kommt gar nichts Brauchbares dabei heraus.

  6. Seit Monaten denke ich, daß es darum geht, ob die katholische Kirche an der Realität festhält, das ein Mensch nicht würdig sein kann, die hl. Kommunion zu empfangen.
    Der Zustand, nicht im Stand der heiligmachenden Gnade zu sein, kann keine wie auch immer geartete Barmherzigkeit ohne Reue, Vorsatz, Bekenntnis und Abkehr von der schweren Sünde übertünchen.
    Aber haben wir nicht faktisch die Situation, daß diese Wahrheit in den Pfarreien im Sinne einer Schweigespirale nicht mehr ausgesprochen wird, weil dieser Tabubruch flächendeckend mit Verleumdung, Isolation und Exil sanktioniert wird?
    Eine Entscheidung der Synode hat, wenn überhaupt, nur noch eine Auswirkung auf diejenigen, die einen Arbeitsvertrag bei der Kirche unterschrieben haben, bzw. beabsichtigen dies zu tun.

  7. Wenn ich das richtig verstehe, haben sich diese griechischen Inseln eine Duldung ihrer Wiederverheiratungspraxis ertrotzt und sind danach von den Osmanen versklavt worden. Tolles Geschäft …

    • Das protestantische Ostdeutschland wurde durch die geniale, dämonisch inspirierte Politik unseres GröFaZ rekatholisiert, weil jetzt polnisch.

  8. „‚In Wirklichkeit‘ so Magister, gab es durch das Konzil von Trient keinerlei ‚Öffnung‘ gegenüber der Zweitehe: ‚man entschied lediglich in diesem Punkt mit jener Zurückhaltung, die auch in den Jahrhunderten vorher galt und die auch danach beibehalten wurde, in keinen direkten Konflikt mit den orthodoxen Kirchen zu treten‘.“

    Es hätte auch keine Öffnung gebraucht. Es liegt hier ein sogenanntes factum dogmaticum (das auch Magister nicht bestreitet) vor. Selbst historische Ausnahmefälle genügen, um daraus später Handlungsanweisungen zu machen. Unser Papst hat einen Präzedenzfall und den kann er nützen. Dazu hat er die plena potestas.

    • Eine gewagte These, fast schon wie die Kaspers und seines päpstlicher Hintermanns. Die Sache mit der Handvoll lateinischer Venezianer inmitten der orthodoxen Griechen war Kasper im Februar sicher noch nicht bekannt. Da hat sich jemand seither Mühe gegeben.
      Nun denn. Aus dem Magister-Zitat lese ich heraus: 1.) dass es weder vorher noch nachher in der römischen Kirche eine Zweitehe gegeben hat; 2) woraus eindeutig klarstellt, dass eine solche nie Teil der kirchlichen Lehre war und daher auch nie sein kann, 3) daran ändert die orthodoxe Praxis, ob verurteilt oder nicht, nichts.

      Die Tatsache, dass Trient eine orthodoxe Praxis nicht explizit verurteilte, bedeutet für die Lehre der Kirche schlichtweg nichts. Man mah es als Höflichkeit sehen, um die orthodoxen Christen nicht unnötig zu provozieren.

      Fakt ist: Die Zweitehen der Venezianer (wieviele?) auf den griechischen Inseln, offenbar mit griechisch-orthodoxen Frauen (?), wurden von Trient eben nicht anerkannt.
      Abgesehen davon würde das Beispiel voraussetzen, daß Zweitehen nicht im lateinischen Ritus geschlossen werden dürften, sondern nur in nicht mit Rom unierten orthodoxen Kirchen, was die Sache per se ad absurdum führt.

      Kurzum: eine nette Fussnote der Geschichte, für Historiker wie dem genannten Jesuiten interessant, aber völlig belanglos für die Diskussion. Da der genannte Jesuit etwas anderes hineinzuinterpretieren versucht, wird aus ihm ein ideologischer Parteigänger! Darauf stürzen sich (wie man sieht) nur jene, die für eine Änderung der kirchlichen Lehre sind. Ich höre allerdings schon, wie die Liberalen die vox populi damit füttern werden: es stimme gar nicht, dass die Kirche gegen Zweitehen sei, sogar das Konzil von Trient habe sie erlaubt. Die Vox populi verlangt in der Regel nach keinen Details. Und es wird genug geben, die es eifrig und ebenso ignorant nachplappern. Ahoi.

      • @ Josaphat
        Es gibt ein paar sehr sinnige Regeln zur Interpretation von Konzilsäußerungen und Dogmen. Dazu gehört die Klärung der Hintergründe. Wenn Trient ursprünglich die orthodoxe Zweitehe verurteilen WOLLTE, es aber nicht tat, sondern eindeutig eine Verurteilung hintanstellte, um einen Zustand zu tolerieren, den es vorher verurteilen wollte, dann ist das ein factum dogmaticum. Oder ist etwa Trient nicht seiner Pflicht die Wahrheit zu verkünden wider besseres Wissen nicht nachgekommen?

    • @Sarah,
      Der Demut der Kirche, wie v. P. Franziskus stets so inbrünstig verkündet, würde es dann entsprechen daß die von Bischöfen und Priestern gehörnte und betrogene Ehemanner von den „Gnaden“ dieser Zweitehe „genießen“ könnten.
      Arundel-Brighton läßt grüßen.
      Ich fürchte nur daß der pastorale Benefit auch und gerade in solchen Fällen sehr klein, wenn nicht abwesend sein dürfte.
      Wenn man erlebt hat welche große Schmerzen und Leid bei dem frühen Tod einer jungen Mutter/Vater mit kleinen Kindern vorhanden sind, und wie mickrig und leer häufig die Worte der pastoralen Begleitern sind, und man vergleicht damit diesen ganzen durch das Oberkommando losgetretenen und weitergeführten Hickhack um Zweitehen, tolerierte Zweitbeziehungen, Kommunion für in neuer Beziehung lebenden Verheirateten (faktisch: für das Sinnesvergnügen der Leuten), dann wird einem die ganze Scheinheiligkeit dieser Geschichte klar.
      Ich wundere mich nur daß hier nicht gestützt auf die Mehrehe der Patriarchen und der Vielweiberei von Salomo im hohen Alter jetzt nicht direkt die Polygamie eingeführt wird.
      Es würde bestimmt viele männliche Adepte dafür geben und dies würde die Kontakte und die Ähnlichkeit mit dem Islam deutlich verbessern.
      Es ist ein großes Glück daß mein Namenspate Pater Adrien Antoine L.SI dies nicht mehr erleben müßte.

  9. Wenn Zweitehe geht, geht dann auch eine Drittehe? Oder eine Viertehe?

    Die Mohammedaner würden dies sicher als Akt der Freundschaft sehen.

    • Sie konnten meine Gedanken lesen und waren mit Ihrem Posting einige Minuten schneller!
      Umgekehrt natürlich: wenn jetzt die Katholiken auch noch polygam werden, und die Chinesen und die Inder die Schwangerschaften auf das Geschlecht selektieren, wird es bald ein gewaltiger Frauenmangel geben und viele arme Kerle werden natürlich überhaupt nicht eine Frau bekommen.
      Eine Sache ist dann sicher: P. Franziskus und die Jesuiten werden dann das neue Problem nicht lösen.

  10. versteht ihr nicht
    der arme Kasper gegen diese vielen,,,konservativen,,,,, das ist die Taktik
    natürlich kommt die Zweitehe!

  11. Warum kommt niemand auf die Idee, in diesem kleinen „Einbruch“ in die wahre Lehre in Trient, die freilich bis dato keinerlei Rolle spielte, weil die rechtgläubige Kirche wusste, dass das nicht rechtens ist und sein kann, ohne dass man das Sakrament der Ehe und das Dogma der Unauflöslichkeit aufhebt, bereits das „mysterium iniquitatis“ zu vermuten, das – wie der Apostel Paulus sagt – von Anfang an in der Kirche wirkte und mit der Zeit immer stärker anschwellen würde?
    Denn rein logisch betrachtet: Wie soll es bei einem Dogma „Ausnahmen“ geben können, die dem Dogma per se widersprechen? Das ist doch absurd! Und in Trient hat man nicht „relativistisch“ gedacht – das war damals noch nicht Mode.

    Die Erkenntnis wird zunehmen mit der Zeit, wie schon der Prophet Daniel es vorhersah (also die Entfaltung der Dogmen und der Lehre), aber auch das mysterium iniquitatis (die Unterlaufung und Zerstöung der entfalteten Lehre und Tradition) wird immer offenbarer werden. Das sind die beiden antagonistischen Ströme, mit denen sich die Kirche auseinandersetzen muss.

    Man muss annehmen, dass das mysterium iniquitatis auch und vor allem durch die wirkt, die der Kirche andererseits vielleicht sogar wertvolle Schätze hinterlassen haben. Wie viele Kirchenväter haben bei allem geistlichen „Input“ zugleich häretische oder quasi-häretische Lehren verkündet oder heimlich einsickern lassen?! Das Lehramt hat das einfach übergangen und auf sich beruhen lassen. Auch verschiedene Heilige haben hochproblematische Lehren verkündet – wie man heute erkennen muss, v.a. hinsichtlich des blinden Gehorsams (schon bei Katharina v. Siena – die auch die unbefleckte Empfängnis bestritt (!), wie bereits ausdiskutiert an anderer Stelle M Kolbe oder Pater Pio u.a.).
    Niemand kann bestreiten, dass hier von allen Seiten her bereits Samen für die Katastrophe gelegt wurden – sogar aus bestem Meinen heraus.
    Ein immer kräftigerer Unterstrom hat sich da angebahnt!
    Dass auf Konzilien bzw. bei Päpsten immer wieder auf zwei Rädern an der Häresie vorbeigeschlittert wurde, kann kaum bestritten werden. Gerade die Debatte um das Konstanzer Konzil mit seinen Auswüchsen in Richtung Konziliarismus und Gallikanismus offenbart das. Oder das Filioque, das gerade unter Tradis abgewiegelt wird mit der falschen Meinung, das sei ja ursprünglich in Nicäa nicht ausdrücklich formuliert und darum nicht wahr gewesen, gibt beredtes Zeugnis über die Problematik des einsickernden Bösen in der Kirche. Die besagten Tradis, die hier das Filioque marginalisieren wolle, obwohl es dogmatischen Rang hat (de fide), hängen damit bewusst oder unbewusst einem arianischen Gottesbild an.
    Und da sind wir auch schon im Herz der Sache: da das Gottesbild längst durch Modernisten genauso wie „die Tradition“, wie ich in Diskussionen immer wieder feststellen muss, verzerrt ist, wird nun alles – nach jahrhundertelanger stiller und schleichender Aushöhlung – andere nachgeben und in einem gewaltigen Erdrutsch in den Agrund stürzen.

    • Etwas viel auf einmal. Im Ganzen sind die Punkte durchaus unerfreulich und der Abgrund ist nahe. Wir werden stand halten.

  12. Wenn über die Sünde des Ehebruchs diskutiert wird, muss meiner Ansicht nach immer berücksichtigt werden, dass im Grunde bei den meisten geschlossenen Ehepartnern eine sittliche wie geistige Unreife vorliegt. Demnach wären diese Ehen vor Gott niemals zustande gekommen, da schlichtweg das geistige Proviant, der Unterbau, die Erweckung im heiligen Geist fehlen. Ein evangelischer Pfarrer drückte es einmal so aus: Wenn ich Ehen schließe, dann sage ich zwar, ‚Was Gott verbunden hat, dass darf der Mensch nicht scheiden‘. Im Grunde aber müsste ich sagen: ‚Was Satan verbunden hat, wird der Mensch scheiden‘. Wenn eine Ehe also auf purer Lust aufbaut, wird sie scheitern, da sämtliche Vorbedingungen für die Haltbarkeit und den Bestand im Heiligen Geist fehlen.
    Demnach sitzt das Übel der Scheidungen nicht in den Scheidungen selbst, sondern im Zulassen von Sprenkel- und Folklorechristen (was schon viel ist, wenn man heute jemanden als solchen bezeichnen kann) zum Ehesakrament.
    Das wissen auch Kasper und Bergoglio. Solange unsere Zeit sich nicht ändert und die Heranzüchtung von medialen Konsummonstern (ehemals geisterfüllten Menschen) sind Menschen als Opfer einer Gesellschaft zu bereichnen, in der die Sünde in der Struktur ihrer Funktionsabläufe selber liegt.
    Der Sünde geht die Erkenntnis voraus. Dies müssen wir immer berücksichtigen. Zudem dürfen wir die heutigen Menschen trotz ihrer Sünden und Verirrungen nicht verdammen (richtet nicht), denn in der Gottesferne tun sie sich selber weh. Wer also das Brot des Herrn unwürdig empfängt, der isst sich das Gericht.
    Viele Menschen der Moderne sind seelisch krank. Psychiater und Psychologen wisssen von überbordenden Wartezimmer zu berichten, Selbstmorde nehmen wieder dramatisch zu (hohe Dunkelziffer). Das Ruhigstellen durch Psychopharmaka vernebelt die Tatsachen. Der Mensch von heute ist ein seelisch Toter. Um das nicht aushalten zu müssen (Depression) flüchtet er sich in den Konsum. Nimmt man ihm die Ausflucht (das Konsumgut) weg, dreht er durch, rennt in den Suizid, sucht sich seiner in der aktiven Sterbehilfe (Unwort) selbst zu entledigen.

    • ja und Padre genau deshalb müsste die Kirche doch ihr Licht leuchten lassen, damit die verirrten Menschen wenigstens eine Orientierung haben und nicht sagen „Wir wissen auch nicht was richtig ist!“

      • Das sind gute Worte. Aber ‚wir‘ sind das Licht, nicht ‚die‘ Kirche. Im Lichte werden wir zur Kirche. Wenn wir als Christen den kindlichen Glauben daran verloren haben, wir könnten als ‚einzelne im Geiste Christi‘ nichts bewegen, werden wir zu den schlimmsten Heuchlern.
        Wenn ‚wir unten‘ (Volk) den Glauben verloren haben, wie sollen sie ihn oben noch haben? Sie kommen ja von unten (vom Dienst). Wenn es heute ein(e) IS, einen Putin… gibt, dann ist das unser Werk. Alles hängt ja mit allem zu sammen! Über Hitler schrieb man seinerzeit frenetisch, er sei der fleischgewordene Volkeswille. Wenn es aber eine Hand voll wirklich (!!!) Gerechter gibt, wird Gott sein Volk nicht verlassen (keine Heuchler; die meisten sind Heuchler, das spüren die Menschen!!! Diese können auch nicht mehr führen.) Wie aber unterscheidet man das Echte vom Falschen?
        Die Reinheit drückt sich im Leuchten der Augen aus. Unterschwellig wird sie als Geruch wahrgenommen. Irren wir ab, werden wir zu Heuchlern. Wir kommunizieren immer! Wenn jeder, der hier schreibt, das lebt, was er vertritt, dann schaltet sich auch der Heilige Geist in den Köpfen der Bischöfe wieder ein. Gott aber sucht zuerst uns, das Kleine. Er will von unten nach oben wahrgenommen werden.
        Deshalb wünsche ich mir ebensoviel Gebet wie (hier gemachte) Worte.
        Ich schlage vor, wenn es nicht ohnehin schon geschieht, jeden Abend ein Gesätz vom Rosenkranz zu beten und den Engel des Herrn. Hinzu nehme man eine Novene. Man wird feststellen, wie sich der Geist beruhigt. Das Gebet wirkt wie ein Blitzableiter. Wenn wir im Gebet bleiben und in den Geboten, werden wir nach außen zu leuchten beginnen. Wir bekommen Kraft und immer neue Gaben. Wir beginnen zu wirken.
        Das Problem sind nicht die Konservativen, wie in diesem Portal einmal gesagt wurde, sondern die treulosen Konservativen. Sie haben die Wahrheit erkannt und halten sie nicht. Das ist die Sünde wider den Heiligen Geist. Nehme man sich deshalb selbst in die Verantwortung und mache sich geistigerweise zu einem Patron für ganz bestimmte Sünder, indem wir für sie beten, ihnen Liebe zuschreiben und Licht senden. Das ist ein Anfang.

    • Jetzt wollen wir aber einmal die Kirche im Dorf lassen. mit derartigen Rundumschlägen kommen wir wahrlich nicht weiter. Dass der Mensch von heute ein seelisch toter ist, ist doch stark überpointiert.

  13. Reichlich infam, eine solche „Fußnote der Geschichte“, wie oben treffend gesagt wurde, aufzutischen, in der perfiden Hoffnung, daß bei den Zeitungsschreibern hängenbliebe, die Zweitehe hätte es schon mal gegeben. Geschickter Schachzug.

    Es geht auch nicht um die Zweitehe, das ist bloß der Aufhänger. Die Gläubigen sollen endlich mal umerzogen werden und die ewig Gestrigen gehören in die Wüste geschickt…

    Und erst recht ging es nie um die Zulassung zur Kommunion der zivil wiederverheiratet Geschiedenen. Diese tatsächlich Leidenden sind doch mittlerweile weggestorben und die jüngeren katholischen Ehepaare haben sich doch erst gar nicht kirchlich trauen lassen.

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