Flaute Franziskus am Buchmarkt? Bücher von Benedikt XVI. und Bücher über Franziskus

Papst-Bücher: Benedikt XVI. und Franziskus
Papst-Bücher: Benedikt XVI. und Franziskus

(Rom) Papst Benedikt XVI. war ein Papst des Buches. Papst Franziskus ist ein Papst der Gestik. Das schlägt sich auch auf dem Buchmarkt nieder. Obwohl es eine Flut von mehr oder weniger substantiellen Büchern über Papst Franziskus gibt, entfaltet er am Büchertisch nicht die Zugkraft seines Vorgängers.

Konrad Höß, der Geschäftsführer des Katholischen Medienverbandes bestätigte gegenüber KNA den zurückhaltenderen Griff der Kunden beim Kauf von Franziskus-Büchern. Die „charismatische Ausstrahlung“ des argentinischen Papstes hatte in der Buchbranche eigentlich anderes erwarten lassen.

Die Nachfrage nach Papstbüchern war während des Pontifikats von Benedikt XVI. „sehr groß“. Das hat sich seither „ein bißchen geändert“, wie Höß von KNA zitiert wird. Es habe unter Franziskus nicht jenen „deutlichen Anstieg“ an verkauften Büchern gegeben, wie zum vergleichbaren Amtsbeginn des deutschen Papstes.

Jorge Mario Bergoglio hat nie ein Buch geschrieben

Höß nennt keine Gründe für die unterschiedliche Wirkung der beiden Päpste auf den Buchmarkt, diese liegen zumindest teilweise auf der Hand. Während Papst Benedikt XVI. ein namhafter Theologe und begnadeter Intellektueller war, der eine Vielzahl von Büchern schrieb und mit der Jesus von Nazareth-Trilogie ein Buchvorhaben noch während seines Pontifikats vollendete, hat Jorge Mario Bergoglio nie ein Buch geschrieben.

Während Papst Benedikt XVI. die Fähigkeit besaß, komplexeste Dinge in eine allgemeinverständliche Sprache zu kleiden und den Menschen zu erklären, ist Papst Franziskus ein Mann der Gesten, nicht der Bücher. Die Publikationstätigkeit steht in direkter Relation zur Tiefe dessen, was man den Menschen zu sagen hat. Die Veröffentlichungen von Jorge Mario Bergoglio beschränken sich auf einige Vorworte zu Büchern anderer und zwei in Buenos Aires entstandende Gesprächsbücher. Eines mit seinem jüdischen Freund, Rabbi Abraham Skorka in Buenos Aires und ein weiteres mit zwei Journalisten.

Franziskus, Mann des schnellen, gesprochenen Wortes

Der meisten der unter Benedikt XVI. auf dem Büchertisch angeboteten Bücher, waren solche, die von ihm selbst verfaßt waren. Unter Franziskus handelt es sich ausnahmslos um Bücher, die über ihn geschrieben wurden. Die Qualität der „Revolution Franziskus“-Bücher läßt dabei häufig zu wünschen übrig. Es sind in der Regel Auftragswerke der Verlage, um sich einen Anteil am Buchmarkt zum Thema Papst zu sichern. Die Mehrzahl der Autoren sind Journalisten, die Tantiemen kassieren und sich damit in ihrem Metier einen Namen machen. Einen Anspruch auf biographische oder gar wissenschaftliche Gründlichkeit erheben sie erst gar nicht.

Selbst das gesprochene Wort von Joseph Kardinal Ratzinger/Papst Benedikt XVI. war druckreif. Der deutsche Theologe war in jeder Aufgabe ein Mann des überlegten, geschriebenen Wortes.  Papst Franziskus hingegen ist ein Mann des schnellen, gesprochenen Wortes. Aus diesem Grund sind die schnellen und schnellebigen Medien das Vehikel, auf dem die Worte von Franziskus verbreitet werden. Das langsame, langfristig und zeitlos angelegte Buch scheint ein weniger geeignetes Mittel seines Denkens und Handelns.

Eine fundierte Analyse von Jorge Mario Bergoglios Leben, Kontakten, Ideen und Zielsetzungen vor seiner Wahl zum Papst ist auch anderthalb Jahre nach dem Konklave ein unerfülltes Desiderat.

Text: /Giuseppe Nardi
Bild: Collage Katholisches.info

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30 Comments

  1. Weder für ein Buch von noch für eins über Bergoglio würde ich auch nur einen Pfennig ausgeben. Selbst wenn ich es geschenkt bekäme, kommt mir sowas nicht in die Wohnung. Ich muss mich über seine Karnevaliaden genug ärgern, da brauche ich das Gefasel auch nicht noch gedruckt.

  2. Diejenigen, die ihn (Franziskus) für einen nützlichen Wegbereiter halten, lesen doch nichts über oder von ihm. Die Gläubigen haben von diesem Papst schon längst die Nase voll. Wer soll denn dann kaufen ?

  3. „Die Publikationstätigkeit steht in direkter Relation zur Tiefe dessen, was man den Menschen zu sagen hat. “ Schön wärs …

  4. Die jüngste „Perle“:
    „Sie begehren gegen Gott auf. Und ich sage: ‚Bete weiter so, denn auch das ist Gebet’. Es war ein Gebet, als Jesus zu seinem Vater sagte: ‚Warum hast du mich verlassen!’“.

    • Quelle der aktuellen Franziskus-Perle: http://kath.net/news/47741
      .
      @ zeitschnur, wofern Sie hier mitlesen…
      Will Ihnen kurz auf Ihren früheren Kommentar antworten.
      „Das, welches zurückhält“ bzw. „der, welcher zurückhält“ (τὸ κατέχον / ὁ κατέχων) ist der Heilige Geist. Er setzt dem Ausufern des Bösen Grenzen. Vor der Wiederkunft des Herrn wird der/das Katéchon weggehen und damit alles, was sich der schrankenlosen Auswirkung der Bosheit in der Menschheitsgeschichte entgegensetzte. Dann wird aber auch der Zorn Gottes über die gottlose Menschheit hereinbrechen, wie nie zuvor. Der Heilige Geist wohnt in jedem wahren Christen, gemäß der Verheißung des Herrn in Joh 14,23. Diese Stelle ist eines der Argumente dafür, dass der Herr Seine Braut, die heilige Gemeinde (Kirche), vor dem Zorn beschützen und in die Entrückung nehmen wird, wovon Paulus in seinem 1. Brief an dieselbe Gemeinde gesprochen hatte (1. Thessalonicherbrief 4,17).
      Sie sagen, es gab niemals die einmütige Gemeinde. Aber was ist es denn, wenn in der Apostelgeschichte von der Jerusalemer Gemeinde bezeugt wird: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.“ (Apg 4,32)? Ist das keine Einmütigkeit? Nicht alles, was möglich ist, ist wirklich, aber alles, was wirklich ist oder war, ist doch möglich, oder?
      Sie schreiben von der Eucharistie als dem Zurückhaltenden. Diese mag mitgemeint sein, und das widerspricht nicht der Deutung vom Heiligen Geist als dem katechon, Er ist es ja, der die eucharistischen Gaben heiligt. Aber auch die Sakramente sind Mittel, um die G l ä u b i g e n z u h e i l i g e n. Um die Heiligung der Gläubigen, um die Schaffung eines heiligen königlichen und priesterlichen Volkes geht es in erster Linie und letzten Endes, denn wie der Apostel schreibt: „Jagt … nach der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird“ (Hebr 12,14) – ein gewichtiges Wort.
      Was macht Sie so sicher, dass Christusgläubige, die nach der Bibel leben, sich nicht heiligen können? Hat nicht der Herr selbst gesagt, dass wir in seinem Wort bleiben sollen, und hat er nicht zum Vater gebetet, er möge uns in der Wahrheit heiligen?
      Und dann haben wir auf auf dem Stuhl des heiligen Petrus einen Papst sitzen, der Gott lästert, wie wieder einmal subtil mit seiner letzten Perle. Und dieser Mann ist gemäß römischer Lehre „immerwährendes und sichtbares Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft“ (Lumen Gentium, 18; anknüpfend an I. Vat. Konzil, Pastor æternus, Denz. 1821).
      Gemäß dem Neuen Testament „ist EIN Gott und EIN Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, (1 Tim 2,5).
      Wird hier nicht ein zweiter Mittler zwischen Gott und die Menschen gestellt, entgegen dem klaren Wort Gottes?
      Wie schaffen Sie es, die heilige Eucharistie in geistlicher Einheit und Gemeinschaft mit Papst Franziskus zu empfangen?

      • Das katechon wurde in katholischer Tradition immer auf das Römische Reich gedeutet. Schon von Tertullian, dann von Hieronymus, im Mittelalter stand diese Auslegung in der „glossa ordninaria´“, dem allgemein benutzen Bibelkommentar. Das Römische Reich dauerte bis 1806, sein Untergang fiel zusammen mit der Französischen Revolution. Mit dieser war die Periode von der Konstantinischen Wende an beendet, die Zeit des christlichen Mittelalters (mag auch da nicht alles vollkommen gewesen sein). Es spricht alles dafür, dass damit die „1000jährige Fesselung des Satans“, von der die Offenbarung spricht, beendet war. „Wenn die 1000 Jahre vollendet sind, wird der Satan losgelassen werden auf seinem Gefängnis“ Das haben wir in den letzten 200 Jahren erlebt. Jetzt fehlt nur noch der Schlussakt.

      • @ Leo Lämmlein

        Ich weigere mich, die Eucharistie in Gemeinschaft mit diesem Hausbesetzer und seiner Meute zu empfangen. Deshalb höre ich aber nicht auf, die Eucharistie zu empfangen.
        Und es ist nicht plausibel, dass der Katechon der Heilige Geist sein müsse.
        Es wird immer gesagt, er sei das „römische Reich“, gewissermaßen als Korsett, das etwas ansonsten Zerfallendes noch hielt.
        Da aber die Kirche sich um die Katechon-Frage nicht besonders gekümmert hat, muss man das erst mal offenlassen, ob es wirklich das römische Reich ist. Immerhin war das römische Reich ein paar Jahrhunderte doch selbst Inbegriff des Antichristlichen, ist also eine äußerst schillernde Gestalt. Lehrer wie Tertullian haben teilweise Häretisches verkündet. Hieronymus ist ja an sich nicht mit Autorität versehen gewesen, dieses Rätsel zu lösen. Gerade die frühen Lehrer könnten den K. auch regelrecht verkannt haben – einfach weil sie keine Ahnung hatten, was einmal sein würde und wie es dann aussieht…Warum die Idee im MA so große Beliebtheit erhielt, mag wieder auf ganz andere Gründe zurückgeführt werden. Auch im MA war dieses „römische Reich“ allzu oft drauf und dran, die Kirche zu fressen oder zu unterwerfen. Da steckt für mich also zuviel Wirres drin. In der neuesten Zeit hat meines Wissens Carl Schmitt die Katechon-Gestalt wieder belebt, aber das müsste ich mal lesen.
        Man konnte mit dem „Römerreich“ aber auch die Kirche selbst meinen, also das Papsttum, von dem her auch das Messopfer gefeiert werden sollte. Dieser Deutung neige ich zu. Vielleicht gehört das aber auch alles mit hinein, und das Beiseiterücken des Papsttums und des Messopfers ist dieser besagte finale Akt, der dann auch dem homo iniquitatis den Weg frei macht, sich in den Tempel Gottes zu setzen.

        Es heißt, das Geheimnis des Bösen wirke „schon jetzt“. Wenn etwas wirkt, gibt es keine „astreine“ Einmütigkeit, auch wenn es mal solche Momente geben mag. Zumal Jesus ausdrücklich das verfrühte Ausreißen des Unkrautes sogar untersagt hat – man könnte dabei den guten Samen ausreißen. Das heißt: der gute Same muss mit dem bösen gemeinsam aufwachsen. Erst am Ende wird das geschieden.
        Das heißt natürlich nicht, dass man alles laufen lassen kann, und die Kirche hat ja stets unter Anathem gesetzt und exkommuniziert – oft zu Unrecht und musste es zurücknehmen (denken wir an Jeanne d‘Arc). Das ließ sich also nie „rein“ und gerecht durchziehen. Mal ließ man alles verwildern, mal zertrat man in der Kirche Gottes Heilige. Es gab immer schon alles. Aber heute explodiert es, und wir stehen kurz davor, dass es keine gültigen Sakramente mehr gibt.
        Dann – aber nur dann!!! – wird ein Mensch sich auch ohne sie heiligen können kraft der Gnade Gottes. Wer die Sakramente aber verweigert, weil er schließlich die Bibel hat (Wie soll man sich da konkret „selbst“ heiligen?), wird das nicht können.
        Dass der Katechon nicht der Hl. Geist sein dürfte, ergibt sich aus der Logik: ER ist ausgegossen, aber doch immer schon nur über die Seinen.

      • zeitschnur
        Wie soll das Römische Reich das bzw. d e r (!; masc.) Katechon sein, wenn im Neuen Testament Rom die konzentrierte Macht der Gottlosigkeit ist? Das scheint mir eine optimistische Auslegung von Kirchenvätern und Theologen aus der Retrospektive des späteren, christianisierten Staatswesens zu sein. Der Zusammenhang der Briefstelle legt zudem nahe, dass die Thessalonicher wussten, was gemeint war, wohl aus früheren Belehrungen des Apostels. Damit soll keineswegs heruntergespielt werden, dass christliche Gesetze, eine christlich geprägte Staatsverfassung das Böse eindämmen können. Aber woher kommen christliche Gesetze? was ist ihre geistige Ursache? Christlichen Gesetzen liegen, zumindest ursprünglich, Einsichten und Willensentscheidungen gläubiger christlicher Politiker zugrunde. Was aber ist Glaube? Glaube ist ein vom H e i l i g e n G e i s t bewirktes Überzeugtsein von der Wahrheit der göttlichen Offenbarung, insbesondere des Evangeliums, und Vertrauen auf die Verheißungen Gottes in Jesus Christus. Und wo im Heiligen Römischen Reich –infolge auch der Verderbtheit der Hierarchie und der Fürsten– der Glaube schließlich verlorenging, da wurde das Reich zu einer entleerten Struktur und konnte schließlich von Bonaparte, fast ohne Aufsehen zu erregen, beseitigt werden, indem er Franz II. nötigte, die Krone niederzulegen.
        Gewiss wirkte das Geheimnis der Bosheit schon zur Zeit des Apostels, aber daraus folgt doch nicht, dass es geduldeter Teil der Gemeinde Gottes war oder sein darf. Und was das vielzitierte Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker angeht, so übersehen Sie, dass Jesus selbst ausdrücklich sagt, dass der Acker die W e l t ist! Wer sagt denn, der Acker sei die Kirche? Diese falsche Auslegung stammt von Augustinus und wird seither eifrig wiederholt und auch ich habe sie oft genug in Predigten gehört.
        Nach katholischem Kirchenrecht ist meine Notwehr-Lösung inakzeptabel, aber auch Ihre Haltung oder Verhalten ist mE unerlaubt. Sie empfangen die Kommunion, nachdem im Messkanon ausdrücklich gebetet wurde „una cum papa nostro Francisco“ und erklären dennoch: „Ich weigere mich, die Eucharistie in Gemeinschaft mit diesem Hausbesetzer und seiner Meute zu empfangen“. Machen Sie beim Kommunionempfang eine reservatio mentalis? Wenn ja, mit welchem Recht? Wenn nein, empfangen Sie die Kommunion von Priestern, die nicht in Einheit mit dem Papst stehen? Dann wieder die Frage: mit welchem Recht?
        Wie der Christ ohne Sakramente geheiligt wird, können Sie aus der Heiligen Schrift vor allem des Neuen Testaments erfahren. (Wobei es eine Frage ist, ob der Sakramentalismus biblisch ist.) Das steht dort ziemlich klar geschrieben, wir müssen es nur zur Kenntnis nehmen und vor allem tun.

      • @ Leo Lämmlein

        Sie hören mir aber nicht recht zu – nicht ich, sondern @ Josef Steininger behauptet, dass der Katechon (er, weil er als Gestalt aufgefasst wurde in der Tradition) das röm. Reich ist.

        Ich schrieb ausdrücklich, dass ich davon nicht überzeugt bin – warum unterlegen Sie nun mir eine fremde Meinung?

        Ich sagte ebenso ausdrücklich, dass ich nicht mehr bereit bin, die Hl. Kommunion una cum haeretico zu empfangen. Warum unterstellen Sie mir also, ich würde das dennoch tun?

        Nirgends steht, dass man im Falle eines haeretischen Papstes nicht die Eucharistiefeier feiern dürfte. Im Gegenteil ist es verboten, im Messkanon einen Häretiker zu nennen. Man setzte so automatisch ein Minus vor die ganze Zelebration, die keine katholische Messe mehr ist. Nur nur der bloßen Form nach wird hier etwaszelebriert, das der Hl. Messe ähnelt, aber durch die Herleitung von einem Häretiker wird die vollständige Intention zerstört.
        Sie fragen, mit welchem Recht?
        Mit dem Recht des Gläubigen, sich von Häretikern abzuwenden bzw. mit der Pflicht!

        Die ollen Kamellen über die Sakramentenzweifel müssen wir hier nicht zum 1500sten Mal in 500 Jahren durchkauen. Sie haben meines Erachtens längst mit der Lehre und Tradition gebrochen, outen sich also selbst immer mehr als einen, der vom Glauben der Kirche abfällt.

        Auf alle brenzligen Rückfragen, die ich Ihnen stelle, reagieren Sie nicht und stellen sich tot. Stattdessen machen Sie dann immer ein neues Fass auf.
        Ist das redlich?
        Sie sind ins Fahrwasser des Protestansimus geraten. Sie ahnen nicht, dass ich mich mit diesem Thema sehr gut auskenne und auch sehr genau weiß, welchen Reichtum Sie nun fahrlässig aufgeben.

        Auch Ihre Behauptung, der Acker im Gleichnis vom Unkraut und vom weizen sei die welt – die protestantische Propaganda scheint Sie inzwischen auch von der Schrift weggebracht zu haben, denn dort heißt es:

        „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg…“ (Mt. 13)

        Mit dem Himmelreich! HIMMELREICH – ist das für Sie „die Welt“?

        Ach, mein Gott, das Chaos wird immer größer…

      • @ zeitschnur 1. Oktober 2014 um 23:43
        Doch, ich lese genau, was Sie schreiben, bevor ich Ihnen antworte, jedoch war ich so unhöflich, dem Herrn Josef Steininger gleich mit zu antworten. Bedenken Sie auch, dass wir hier zwar Konversation treiben, chatten sozusagen, aber ursprünglich Artikel kommentieren. Ich hoffe, Sie verzeihen mir. 😎
        Zum Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen. Darf ich die Frage umwenden: wie genau lesen Sie? Der Herr Jesus sagt, „das Reich der Himmel gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte…“ (Mt 13,24). Er sagt nicht, dass Himmelreich gleiche dem Acker. Er sagt aber ausdrücklich: „Der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen. D e r A c k e r ist d i e W e l t; der gute Same sind die Kinder des Reichs; das Unkraut aber sind die Kinder des Bösen…“ (V. 38). Wo ist hier die Kirche bzw. die Gemeinde? Genannt ist sie jedenfalls nicht. (Der Herr verheißt die Kirche in Matth 16.) Hier ist vom Gegensatz Himmelreich (Gottesreich) vs. Welt die Sprache, nicht von der Kirche. Was hier vorab zu klären wäre, um das Gleichnis richtig auszulegen (auslegen, nicht hineinlegen !), ist der Begriff des Himmelreichs, bzw. des Gottesreichs, wie es bei den anderen Synoptikern heißt. Trotzdem ist die Frage berechtigt, wo ist dann die Kirche? Wenn Sie nun behaupten, dass der Acker = die Welt identisch (oder meinetwegen äquipollent) sei mit der Kirche, dann steht das im Widerspruch zur ganzen neutestamentlichen Lehre von der Kirche, die doch a u s d e r W e l t h e r a u s g e n o m m e n ist!
        Bedeutender ist Ihr Einwand aus einem anderen Ihrer Kommentare von den Gemeinden der apokalyptischen Sendschreiben. Ich habe dieses Argument selbst schon verwendet gegenüber Sektierenden, die Kirche nur da erkennen wollen, wo sie selber stehen. Ein Grund, warum ich auch der zweitvatikanischen Kirche nicht das Kirche-Sein absprechen mag.
        Ihre Antwort auf meine Frage nach Ihrem Kommunionempfang erscheint mir gewunden; zumindest verstehe ich sie nicht. Sie sind natürlich nicht verpflichtet, sich über Ihre persönlichen Angelegenheiten zu äußern, zumal Sie nicht anonym schreiben. (Ich auch nicht.)
        Schluss folgt.

      • Alle diese Matthäus-Gleichnisse beginnen mit der Formel: „simile est regnum caelorum“ (mit dem Himmelreich ist es wie…)

        Auch wenn Jesus selbst später sagt, der Acker sei „mundus“, die Welt, geht es in dem Gleichnis doch primär um die Beschreibung des Himmelreiches, das hier auf Erden beginnt.

        Zugrunde legen muss man die Überzeugung, dass Jesus der Erbe des Alls und der Eigentümer der Welt IST. Eigentlich also – eigentlich sollte das alles Sein Reich sein. Und Er bemüht sich darum ja auch deshalb bis zum Tod, weil es Sein Erbe ist und IHm zuliebe doch das alles geschaffen wurde!
        Insofern ist der Acker sowohl wie das regnum caelorum als auch wie die „Welt“.

        Nun würde die eingeschränkte Deutung nur auf die Welt unterschlagen, dass es die Erbsünde gibt. Es ist eben hier nicht ein neutraler Acker, der nun mit schlechtem oder gutem Samen bearbeitet wird! Die „Welt“ ist insgesamt gefallen.
        Der gute Same seien die Kinder des Reiches, der Unkrautsame die Kinder des Bösen.
        Wenn man voraussetzt, dass diese Welt vollständig gefallen und erlösungsbedürftig ist, muss man annehmen, dass mit dem Bösen nicht einfach die ohnehin gefallene Welt gemeint sein kann, sondern diejenigen, die gnadenhaft „besät“ wurden und doch böse Frucht brachten. Wenn der Sämann Jesus auf der ganzen Welt sät und auf der ganzen Welt guter Same aufgeht, ist das Aufgehen bösen Samens nicht im „vorchristlichen Bereich“ anzusiedeln, sondern im nachchristlichen – also innerhalb der Kirche oder von der Kirche ausgehend oder sich ausdrücklich gegen sie stellend.
        Nach Christus ist die Kirche tatsächlich weltumfassend und niemand kann mehr „neutral“ bleiben oder im Vorchristlichen verharren. Alles, was neu entstand nach Christus ist entweder antichristlich oder gehört zum guten Samen.

        Dazu passt auch das spätere Gleichnis „Iterum simile est regnum caelorum sagenae missae in mare et ex omni genere congreganti; quam, cum impleta esset, educentes secus litus et sedentes collegerunt bonos in vasa, malos autem foras miserunt. Sic erit in consummatione saeculi: exibunt angeli et separabunt malos de medio iustorum et mittent eos in caminum ignis; ibi erit fletus et stridor dentium.“ (V. 47 ff)

        Das Himmelreich ist also wie ein Netz, das viele Fische fängt – manche aber sind schlechte Fische und werden ma Ende ins Feuer geworfen. Dieses Bild knüpft direkt an die Aufgabe des Menschenfischens an Petrus an.

        In diesem Gleichnis tritt noch deutlicher zutage, dass hier tatsächlich die Rede davon ist, dass in diesem Netz gute und schlechte Fische sind, aber erst am Ende der Zeiten sortiert wird.

        Jesus setzt einen eigenartigen Satz an den Schluss: „Ideo omnis scriba doctus in regno caelorum similis est homini patri familias, qui profert de thesauro suo nova et vetera“ (V. 52) – So ist jeder Schriftgelehrte im Himmelreich wie ein Hausvater, der aus seinem Schatz Altes und Neues schöpft.“

      • Auf alle brenzligen Rückfragen, die ich Ihnen stelle, reagieren Sie nicht und stellen sich tot. Stattdessen machen Sie dann immer ein neues Fass auf.
        Ist das redlich?
        Sie sind ins Fahrwasser des Protestansimus geraten. Sie ahnen nicht, dass ich mich mit diesem Thema sehr gut auskenne und auch sehr genau weiß, welchen Reichtum Sie nun fahrlässig aufgeben.

        Schluss.
        Sie schreiben an meine Person:

        //Sie haben meines Erachtens längst mit der Lehre und Tradition gebrochen, outen sich also selbst immer mehr als einen, der vom Glauben der Kirche abfällt.//

        Das Haus brennt lichterloh, und ich, bevor ich mitverbrenne, bin heraus, und stehe nun hier, nicht mit einem Möbelwagen, sondern mit Notrucksack. Darin ist das Wort Gottes. Das Wort „Glaube“ kommt darin oft vor, weil es nämlich von zentraler Wichtigkeit ist, aber nirgendwo ist dort ein „Glaube der Kirche“ zu finden. Nehmen Sie einfach eine Konkordanz zur Hand, oder ein Bibellexikon, wie den guten, alten Fritz Rienecker, und checken Sie, was gemäß dem Wort Gottes Glauben ist.
        Ein weiterer Recherche-Tipp: wie stand Jesus Christus zur Tradition?
        Wenn ich Ihnen nicht auf alle Fragen antworte, muss das nicht gleich unredlich sein. Gründe können sein: ich habe keine oder noch keine Antwort und kann deshalb nicht antworten, oder: ich will Ihnen nicht antworten, weil mir die Frage zu persönlich oder sonstwie peinlich oder momentan zu schwierig ist oder was immer.
        Ich halte mich am Wort Gottes fest, weil ich darin Licht und festen Grund finde. Sie mögen das als protestantisch etikettieren. Aber welchen Reichtum gebe ich damit auf? Meinen Sie die katholische Geisteswelt, die in der Tat gewaltig ist? Ich habe sie im Laufe meiner Jahre kennenlernen dürfen, die des Westens wie des Ostens, und greife noch immer darauf zurück. Habe ich mich in einem meiner Kommentare davon losgesagt? Habe ich irgendwo die Mutter des Herrn geschmäht, oder die Heiligen, oder die Sakramente? Trotzdem ist Ihr Vorwurf seltsam. Denken Sie an Paulus, was für einen Reichtum er mit Freuden aufgab. Kennen Sie Philipper 3,8 nicht?: „Jesus Christus, meinen Herrn, zu kennen ist etwas so unüberbietbar Großes, dass ich, wenn ich mich auf irgendetwas anderes verlassen würde, nur verlieren könnte. Seinetwegen habe ich allem, was mir früher ein Gewinn zu sein schien, den Rücken gekehrt; es ist in meinen Augen nichts anderes als Müll.“ (Neue Genfer Übersetzung)
        In meinem Morgengebet heute habe ich ein Lied gesungen, dessen 5. Strophe lautet: „Wir haben hier die Fülle, seitdem der Heiland kam. Wir haben dort ein Erbe, so reich und wundersam. Wir haben Glück, das leuchtend und unbeschreiblich ist. Wir haben alles, alles in dir, Herr Jesus Christ.“ (Hedwig von Redern).

      • @ Leo Lämmlein

        Die Frage ist, was für einen Katholiken das Notgepäck ist. Es ist mit Sicherheit nicht nur die Schrift, sondern auch der gewaltige Schatz an Gebeten, die man selbst spricht, aber auch derer, die für einen Fürsprache leisten, der Schatz an weiterwirkenden Sakramenten, die man empfangen hatte etc., v.a. anderen aber die Gnade.

        Sie sagen einerseits, das Haus brenne lichterloh und Sie meinen, sich retten zu müssen (was ich sehr gut verstehe!), andererseits sind Sie nicht bereit, die nachkonziliare Kirche als Scheinkirche zu bezeichnen, die uns eine Apostasie vorführt, die es uns verbietet, sie für die wahre Braut zu halten – würde ich das glauben, müsste ich IHM lästern. Und das will ich nicht. Aber deshalb brechen mit der gesamten katholischen Tradition und dem Versuch ihrer Ausübung, den es ja noch gibt und zu einer freikirchlichen Sekte zu rennen? Da hänge ich einfach ab.
        Ich sage Ihnen nur soviel: es gibt auch Hl. Messen, die nicht die Gemeinschaft mit diesen Häretikern bekennen. Und das ist auch eine total legitime Möglichkeit.
        Mir ist bewusst, dass das eine instabile Angelegenheit ist, weil die abgefahrensten und perversesten Typen sich auf der Plattform ziemlich ungehindert ausleben könnten. Man kann aber auch darum bitten, die richtigen Gefährten zu finden, irgendwie, auch wenn man manchmal „von ihnen ausgehen“ muss, und weitersuchen muss.
        Ihr Paulus-Zitat überzeugt mich hinsichtlich des Transfers auf Ihre/unsere Situation nicht.
        Der Protestantismus hat jedenfalls so viele Fallstricke und wurde theologisch sehr gut und sehr intensiv durchdacht und von der katholischen Kirche begründet abgewiesen und verworfen, dass es keinen Grund gibt, nun ausgerechnet in diesem häretischen Lager (das ist Urteil der Kirche – nicht meines) die Rettung vor der nachkonziliaren Kirche zu suchen.
        Ich verstehe Sie, aber ich stimme Ihnen nicht zu. Es gilt, dennoch auszuharren – nicht in den häretischen NOM-Messen, nicht im Gehorsam unter solchen Typen wie diesem Bischof, nicht una cum haereticis, aber dennoch im katholischen Bereich.
        Sie müssten eigentlich wissen, dass gerade ich sehr intensiv die Schrift studiere, aber ohne eine Orientierung in der Auslegung kommt niemand aus. Auch die Schrift ist Tradition der Kirche und nicht umgekehrt die Kirche eine Tradition der Schrift. Das ist Antwort auf eine Ihrer anderen Fragen: In der Schrift muss nicht die Kirche genau umrissen werden als Folge aus dem Schriftwort, einfach weil sie ja schon lange da war, als es kanonisiert wurde! Und auch die Schrift selbst spricht von schriftlichen UND mündlichen Traditionen, die gehalten werden müssen. Man zieht sich zurück auf die regula fidei remota – aber das ist die Schrift + (Auslegungs-)Tradition!
        Dass die Kirche „brennt“ mag sein – aber deswegen gibt es keinen guten Grund, das zu verlassen, was bis zum Konzil gegolten hat – Sie vollziehen den nachkonziliaren Abfall dann nur noch einmal auf Protestantisch.

    • Es ist ja wirklich ein Gebet, das Jesus da spricht, der prophetische Psalm 22.
      Das Infame ist, dass hier suggeriert wird, dieses Gebet des Herrn sei aufbegehrend gegen Gott.
      Es gab einige schlimme Päpste, aber gab es jemals einen Papst, der solche Dinge sagte?

      • Dass Jesus da am Rande des Aufbegehrens oder der Verzweiflung war, davon bin ich schon überzeugt, er hat das wohl mit dem Gebet des Psalms „abgefangen“ und ist über die Aufwallung Herr geworden. Denken Sie daran „Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat.“(Hebr 4,15) An dieser Predigt des Papstes finde ich nichts auszusetzen.

      • Ich habe mir die „Perle“ angesehen – dieses Geschreibsel! Bedenklich finde ich, dass Bergoglio wieder mal die selbstverschuldete Finsternis unserer Herzens mit Jesu Passion identifiziert.
        Und das ist ausgeschlossen – alleine deswegen weil er sündlos und Gott war.
        Er hat aber – wie wir es auch tun sollen – mittels der Schrift auf jede Versuchung antworten können.
        Das setzt aber ein erleuchtetes Verständnis im Hl. Geist voraus.
        Und davon hören wir bei F. kein Wort.
        Das Empfinden der hausgemachten Finsternis setzt er gleich mit dem Leiden des Sündlosen an der Finsternis – und das ist wahnsinnig …

      • Dass die Finsternis der Menschen immer hausgemacht ist, kann man nicht so pauschal sagen, wenn ich an Therese von Lisieux denke, die war ja wirklich nahe an Sündlosigkeit und hat am Ende ihres Lebens eine ganz schlimme Finsternis durchlebt. ich glaube nicht, das das hausgemacht war. Aber davon abgesehen. Jesus hat unsere hausgemachte Finsternis geteilt, er hat sich sozusagen unter die Sünder eingereiht (siehe Taufe am Jordan).

      • @ Josef Steininger

        Da bin ich mir nicht sicher, ob das stimmt…Ist diese Finsternis nicht eher ein Ausweis unseres tatsächlichen Zustandes vor Gott, der uns – je weiter wir möglicherweise fortschreiten – umso schmerzlicher auffällt? Anders: Je näher wir dem ewigen Licht des heiligen Gottes rücken, desto finsterer erscheinen wir uns selbst?

        Jesus allerdings kann das nicht erlebt haben, weil er nicht sündhaft war. Aber er hat das auf sich genommen an unserer Stelle.
        Kann man aber diese Sünde, die er an unserer Stelle trug, mit seinem Wesen identifizieren? das würde ich kategorisch ablehnen. Vor einigen Monaten sagte F. ja – was aber nicht ganz klar war – Jesus sei für uns zum „Sünder“ geworden. Die Schrift dagegen sagt uns, er sei für uns zur „Sünde“ geworden – und das ist was anderes.
        Er hat also alle Versuchungen und Nöte erlebt, aber sie waren nicht in seine Substanz eingedrungen. Er ist Opfer – nicht Täter! Eine Finsternis, wie wir sie erleben müssen angesichts Gottes, kann er daher nicht in diesem Sinn erfahren haben.

      • @ Josef Steininger,
        In seiner Homilie vom 30. Sept. in der Kapelle von St. Martha sagt Papst Franziskus:
        //Anche Geremia, ha rammentato, “usa quasi le stesse parole: ‘Maledetto il giorno che nacqui!’”. “Ma questo uomo bestemmia? Questa è la mia domanda – si è chiesto Francesco – quest’uomo che sta solo, così, in questo, bestemmia?” “Gesù, quando si lamenta – ‘Padre, perché mi ha abbandonato!’ – bestemmia? Il mistero è questo. Tante volte io ho sentito persone che stanno vivendo situazioni difficili, dolorose, che hanno perso tanto o si sentono sole e abbandonate e vengono a lamentarsi e fanno queste domande: perché? Perché? Si ribellano contro Dio. E io dico: ‘Continua a pregare così, perché anche questa è una preghiera’. Era una preghiera quando Gesù ha detto a suo Padre: ‘Perché mi ha abbandonato!’”.““
        Quelle: http://www.cercoiltuovolto.it/2014/vaticano/papa-francesco-omelia-30-settembre-2014-santa-marta/
        Der Papst fragt, ob Jeremia lästert, blasphemiert („bestemmia“). Warum fragt er das? Noch im direkt vorangehenden Vers hat Jeremia gesagt: „Singt dem HERRN, lobt den HERRN!“ Wie kann dann dieses „verflucht sei der Tag“ („arur ha-jom“) vom Propheten als Blasphemie, als Gotteslästerung gemeint sein? –
        Was kath.net im Zusammenhang mit dem Aufschrei des Herrn am Kreuz als „Aufbegehren“ übersetzt, lautet im Originalton „ribellarsi“ = rebellieren.
        Franziskus bleibt sich treu. Unter dem Kreuz hat er die Mutter des Herrn für fähig gehalten, Gott Vater der Lüge zu beschuldigen. Hier hält er den Propheten Jeremia und den Herrn Jesus Christus der Gotteslästerung und der Rebellion fähig. Listigerweise ist das nur in Frageform ausgedrückt. Die Frageform mag der Zuhörer vergessen, was hängen bleibt ist die ungeheuerliche Unterstellung. Was als „Moral“ dieser Predigt hängen bleibt, ist: es ist echtes Gebet, gegen Gott zu lästern und zu rebellieren, wenn es nur aufrichtig ist.
        Jorge Bergoglio hat nach meinem Eindruck ein tiefsitzendes Problem mit der Gotteslästerung. Auffällig bringt er dieses Thema zur Sprache, und unübersehbar ist das, was er selbst manchmal sagt, Gotteslästerung („Jesus wurde für uns zum Sünder“) oder grenzt daran.

      • Dass Jeremia hier rebelliert, wird man nicht bestreiten können. Er wird ja auch von Gott gerügt, das steht zwar nicht hier, sondern in Kap.15 . Dort rebelliert er auch: „Wie ein versiegender Bach bist du mir geworden, ein unzuverlässiges Wasser.“ sagt er zu Gott. Und Gott antwortet ihm sehr gnädig, aber mit Tadel: „Wenn du umkehrst, lasse ich dich umkehren, dann darfst du wieder vor mir stehen. Redest du Edles und nicht Gemeines, dann darfst du mir wieder Mund sein.“ Sie verweisen darauf, dass Jeremia unmittelbar vor dem „Verflucht sei der Tag“ sagt „Singt dem Herrn, lobt den Herrn!“ Haben Sie das noch nie erlebt, dass man in religiöser Hochstimmung ist und von einem Moment auf den anderen einen Zusammenbruch kriegt und mental total abstürzt? Ich schon, deswegen liebe ich den Propheten Jeremia so sehr. Ich finde es sehr tröstlich, dass auch ein so großer Prophet seine Ausfälle hatte und dann wieder aufstehen konnte.

      • Dass das Herz eines Hin- und Hergerissenen im Elend schwankt zwischen Gotteslob und Rebellion, erscheint mir nicht abwegig. Man liest da ja auch bei Hiob.
        Für mich ist aber der springende Punkt, dass das in frühen „Reifestadien“ geschieht. Tut Gott mir das, was mir gefällt, lobe ich Ihn, liefert Er mich einem Leid aus, rebelliere ich gegen Ihn. Ja – so ist der sündhafte Mensch.
        Bei Hiob geht es so weit, dass er einerseits zu beginn den berühmten Satz sagt „Der Herr hats gegeben, der Herr hats genommen, der name des Herrn sei gelobt etc.“ (sinngemäß), später aber in immer tiefere Verzweiflung gerät, für die er dann aber wiederum Buße tun muss ganz am Schluss. Er bekennt dort, er habe den Herrn bislang nur vom Hörensagen gekannt.

        Es widerstrebt also auch mir, Jesus oder auch Maria eine solche Haltung zu unterstellen. Beide waren sündlos und Jesus war nicht nur das, sondern GOTT!

        Zudem betreibt F. eine Art Rückorientierung: anstatt den Menschen zu ermutigen, im Leid nicht durch Lästerungen in Sünde zu fallen, sondern von Gott alles Gute zu erwarten und Ihn dafür unbeirrt zu loben, ermutigt er ja förmlich zum Lästern und dazu, von Gott nicht das Gute zu erwarten.

        Also ich winde mich hier – verstehe @ Leo Lämmlien sehr gut an dem Punkt!

      • Das Jesus nicht rebelliert hat, davon bin ich auch überzeugt, aber dass er eine Aufwallung dazu in seiner menschlichen Seele am Kreuz niederkämpfen musste, davon ebenso. Auch am Ölberg musste er kämpfen, warum spricht er denn die völlig sinnlose Bitte aus, der Vater möge den Kelch an ihm vorübergehen lassen? Versuchung ist eben noch nicht Sünde. Und dass auch Maria kämpfen musste, halte ich auch nicht für abwegig.
        Was Papst Franziskus betrifft: laut dem kath.net-Artikel stellt er abschließend den Menschen Therese von Lisieux als Beispiel vor Augen und die hat auch nicht rebelliert, obwohl sie schwer angefochten war, sie sagt, die Gedanken der schlimmsten Atheisten seien ihr aufgestiegen. Außerdem mahnt er, wegen ein bisschen Problemen nicht gleich ein Gejammer anzustimmen: „wenn ein wenig Finsternis in die Seele eintritt, dann halten wir uns für Märtyrer und hören auf zu beten“.

      • Die Ölbergszene ist aber doch nicht ein Ausdruck der Rebellion, sondern der tiefen Angst.
        Auf IHm lasten die peccata mundi wie ein tonnenschweres Gewicht und treiben im hier bereits geistig das Blut aus dem Leib.
        Unvorstellbar!
        Er empfand Angst!
        Mit Rebellion hat das gar nichts zu tun.
        Auch die Kreuzigungsrufe sind doch Rufe aus tiefster Not und keine Rebellion: De profundis…
        Von sündhaft-versucherischen „Aufwallungen“ berichten uns die Evangelien gar nichts.
        Und die große Angst und Not, die ER empfand angesichts der schweren Last und des Todes, stehen völlig außerhalb einer sündhaften Regung…

        Die Wendung am Schluss bei Bergoglio ist wieder ein typisches Beispiel für seine geistige und charakterliche Inkonsistenz – eigentlich ist das alles ein undurchsichtiges, kümmerliches Quaken. Hätte ich je so etwas auf der Uni damals abgegeben, man hätte das nicht mal bewertet, sondern gleich zurückgegeben….

      • Mit der Ölbergszene haben Sie völlig recht, aber ich hatte die auch nicht als Versuchung zur Rebellion, sondern als Versuchtung, davonzulaufen, was ja leicht möglich gewesen wäre, gemeint. Dagegen ist der Ruf „Warum hast du mich verlassen“ schon erstmal ein Vorwurf, aber der Ansatz zur Rebellion wird eben in dem Psalm sofort durch den Lobpreis Gottes unterdrückt.

      • „Auch die Kreuzigungsrufe sind doch Rufe aus tiefster Not und keine Rebellion.“ Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich geneigt, Ihnen recht zu geben. Es war wohl mehr die Versuchung zur Verzweiflung, der Jesus hier angesichts der unbeschreiblichen Schmerzen ausgesetzt war und die er überwunden hat.

  5. Wir haben eine papolatrische Bücherschwemme und eine franziskanistische Perlenschwemme.

    Was die Perlen angeht, so weiß man als Perlenzüchter, daß besonders bei Massenproduktion eine Unzahl defekter Gebilde darunter sind, die zeitgeistgemäß nicht mehr aussortiert werden.

  6. Sagt ein Pfarrer, nachdem der Hund seine Predigt gefressen hat: Endlich kommt auch einmal von mir etwas im Druck heraus!
    Ähnliche Qualität liegt bei den Bergoglio Büchern vor. Wäre dieser Mann nicht „Papst“, so würde sich kein Mensch für diese Plattitüden interessieren!

    • Naja, Benedikts Präzision und intellektuelle Brillianz haben eben viele nicht vertragen, deswegen hat sich das letzte Konklave fürs theologische Kaffeekränzchen entschieden 😉

      aber auch das haut die Kirche nicht um, auch wenn’s kurzfristig natürlich nicht hilft

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