Die Schwierigkeiten der Kirche im Umgang mit dem heiligen Papst Pius X.

Papst Pius X. 1903-1914
Papst Pius X. 1903-1914

(Rom) Zum 100. Todestag des heiligen Papstes Pius X. veröffentlichte der Osservatore Romano eine Würdigung, die in Wirklichkeit eine Kritik ist und den Versuch einer Usurpation von Papst Giuseppe Sarto für die Konzils- und Nachkonzilsideologie unternimmt. Dagegen meldete sich der bekannte Historiker Roberto de Mattei zu Wort.

Er weist diesen Versuch zurück und zeigt auf, wie schwer sich Kirchenkreise heute bis in die höchsten Ebenen hinauf mit der großen Gestalt des heiligen Pius X. tun, der die Kirche von 1903 bis 1914 regierte. Schwierigkeiten, die – so de Mattei – daher rühren, daß heute auch in der Kirche große Verwirrung herrsche, ja vielfach jene Ideen tonangebend seien, die Pius X. im Modernismus bekämpfte.

Um diesen Bruch zu kaschieren, werde zum Teil versucht, nachträglich den bekämpften Papst in die „theologische Moderne“ zu integrieren. Ein Mißbrauch, der einer „Beleidigung“ von Pius X. gleichkomme und dem Roberto de Mattei entschieden entgegentritt. Die Erstveröffentlichung erfolgte am 26. August durch Corrispondenza Romana. Die Zwischentitel stammen von der Redaktion.

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In Memoriam: Das wahre Gesicht des Heiligen Pius X.

von Roberto de Mattei

Hundert Jahre nach seinem Tod erhebt sich die Gestalt des heiligen Pius X. schmerzlich und majestätisch am Firmament der Kirche. Die Traurigkeit, die den Blick von Papst Sarto auf den letzten Photoaufnahmen umgibt, läßt nicht nur die katastrophalen Folgen des Ersten Weltkrieges erahnen, der drei Wochen vor seinem Tod ausgebrochen war. Was seine Seele vorauszuahnen scheint, ist eine Tragödie von weit größerer Tragweite als die Kriege und Revolutionen des 20. Jahrhunderts: Die Apostasie der Nationen und selbst der Kirchenmänner im Jahrhundert, das folgen sollte.

Hauptgegner Modernismus

Pius X.: "Vorahnung eines gigantischen Glaubensabfalls?"
Pius X.: „Vorahnung eines gigantischen Glaubensabfalls?“

Der Hauptgegner, dem der heilige Pius X. entgegentreten mußte, hatte einen Namen, mit dem ihn auch der Papst benannte: Modernismus. Der schonungslose Kampf gegen den Modernismus zeichnet sein Pontifikat auf unvergängliche Weise aus und stellt das entscheidende Element seiner Heiligkeit dar. „Die Klarheit und die Standhaftigkeit, mit der Pius X. seinen siegreichen Kampf gegen die Irrtümer des Modernismus führte, belegen, in welch heroischem Tugendgrad der Glaube in seinem heiligen Herzen brannte (…)“, so Pius XII. in seiner Rede zur Heiligsprechung von Pius X.

Dem Modernismus, der als „weltweite Apostasie vom Glauben und der Ordnung der Kirche“ auftrat, stellte der heilige Pius X. eine echte Erneuerung der Kirche entgegen, deren Kern die vollständige Bewahrung und Weitergabe der katholischen Wahrheit bildete. Die Enzyklika Pascendi dominici gregis (1907), mit der er die Irrtümer des Modernismus zerschmetterte, ist das bedeutendste theologische und philosophische Dokument, das die Kirche im 20. Jahrhundert hervorbrachte. Der heilige Pius X. beschränkte sich nicht darauf, das Böse nur in den Ideen zu bekämpfen, als würden sie losgelöst von den Menschen in der Geschichte existieren. Er mußte auch die Träger dieser Irrtümer bekämpfen, indem er die kirchliche Zensur und Überwachung von Seminaren und päpstlichen Universitäten anordnete und von allen Priestern die Ablegung eines Antimodernisteneides verlangte.

Der Osservatore Romano und eine zweifelhafte Ehrung

Diese konsequente Folgerichtigkeit zwischen päpstlicher Lehre und dem päpstlichem Handeln löste harte Angriffe durch krypto-modernistische Kreise aus. Als Pius XII. seine Seligsprechung (1951) und Heiligsprechung (1954) vornahm, wurde Papst Sarto von seinen Gegnern beschuldigt, nicht auf der Höhe der Zeit gewesen zu sein und den Modernismus mit brutalen Polizeimethoden unterdrückt zu haben. Pius XII. übertrug Msgr. Ferdinando Antonelli, dem künftigen Kardinal, die Redaktion einer geschichtlichen Disquisitio auf der Grundlage von Zeugnissen und Dokumenten zur Widerlegung der gegen seinen Vorgänger erhobenen Anschuldigungen. Heute tauchen diese Vorwürfe sogar in den „Ehrungen“ auf, die der Osservatore Romano dem heiligen Pius X. ausgerechnet am 20. August, seinem 100. Todestag, aus der Feder von Carlo Fantappié widmete.

Giampaolo Romanato: Pius X.
Giampaolo Romanato: Pius X.

Professor Fantappié geht, im Bestreben sich von der „Instrumentalisierung durch die Lefebvrianer“ zu distanzieren, wie er auf unglückliche Weise schreibt, indem er einen Begriff ohne jede theologische Bedeutung gebraucht, in seiner Rezension für die Tageszeitung des Heiligen Stuhls des Buches von Giampaolo Romanato: Pio X. Alle origini del cattolicesimo contemporaneo (Pius X. Am Ursprung des heutigen Katholizismus, Lindau, Turin 2014) soweit, sich mit dem Standpunkt der modernistischen Historiker zu identifizieren.

Pius X. eine „Geißel der Modernisten“

Er schreibt Pius X. tatsächlich „ein autokratisches Verständnis der Leitung der Kirche“ zu, verbunden mit „einer tendenziell defensiven Haltung gegenüber dem Establishment und einer mißtrauischen gegenüber seinen eigenen Mitarbeitern, an deren Treue und Gehorsam er nicht selten zweifelte“. Das „erklärt auch, die grenzenlose Heimlichtuerei des Papstes oder seinen besonderen Argwohn und seine Härte gegen manche Kardinäle, Bischöfe und Kleriker. Gestützt auf die jüngste Erforschung der vatikanischen Unterlagen, beseitigt Romanato endgültig jene apologetischen Thesen, die die Verantwortung für die Polizeimaßnahmen den engsten Mitarbeitern statt direkt dem Papst anzulasten versuchten.“ Es handelt sich um dieselbe Kritik, die vor einigen Jahren von Alberto Melloni unter dem Titel Pius X., die Geißel der Modernisten vorgebracht wurden: „die Unterlagen erlauben es uns, das Jahr zu belegen, in dem Pius X. bewußter und aktiver Teil der von den Antimodernisten angewandten institutionellen Gewalt war“ (Corriere della Sera vom 23. August 2006).

Das eigentliche Problem sei nicht „die Methode, mit der der Modernismus unterdrückt wurde, sondern die Zweckmäßigkeit und Gültigkeit seiner Verurteilung“. Die Sichtweise des heiligen Pius X. sei durch die Geschichte „überholt“ gewesen, weil er die Entwicklungen der Theologie und der Ekklesiologie des 20. Jahrhunderts nicht verstanden habe. Seine Gestalt habe letztlich die dialektische Rolle einer Antithese zur These der „theologischen Moderne“ gespielt. Daraus schließt Fantappié, daß es die Rolle Pius X. gewesen sei, „den Katholizismus von den Strukturen und der Mentalität der Restauration zur institutionellen, juridischen und pastoralen Moderne überzuleiten“.

Cristina Siccardi entwirrt verwirrtes Bild von Pius X.

Cristina Siccardi: Pius X.
Cristina Siccardi: Pius X.

Um aus dieser Verwirrung wieder herauszufinden, können wir auf ein anderes Buch zurückgreifen, jenes von Cristina Siccardi, das soeben im Verlag San Paolo mit dem Titel San Pio X. Vita del Papa che ha ordinato e riformato la Chiesa (Heiliger Pius X. Das Leben des Papstes, der die Kirche geordnet und erneuert hat) und dem wertvollen Vorwort von Seiner Eminenz Raymond Kardinal Burke, dem Präfekten des Obersten Gerichtshofs der Apostolischen Signatur erschienen ist.

Darin erinnert der Kardinal daran, daß der heilige Pius X. bereits mit seiner ersten Enzyklika E supremi apostolatus vom 4. Oktober 1903 das Programm seines Pontifikats bekanntgab. Ein Pontifikat, das sich einer Situation gegenübersah, in der zum Glauben in der Welt Verwirrung und Irrtümer herrschten und in der Kirche viele den Glauben verloren hatten.

Kardinal Burke ehrt Reformwerk Pius X.

Dieser Apostasie stellte er die Worte des heiligen Paulus entgegen: „Instaurare omnia in Christo“, alles in Christus erneuern. „Instaurare omnia in Christo ist wirklich die Summe des Pontifikats des heiligen Pius X., das ganz auf die Rechristianisierung der vom liberalen Relativismus angegriffenen Gesellschaft ausgerichtet war, der die Rechte Gottes im Namen einer von jeder Bindung an den Schöpfer losgelösten ‚Wissenschaft‘ mit Füßen trat.“ (Seite 9).

Aus dieser Perspektive ist das Reformwerk des heiligen Pius X. zu sehen, das vor allem ein katechetisches Werk war, weil er die Notwendigkeit erkannte, den sich ausbreitenden Irrtümern eine immer tiefere Kenntnis des Glaubens entgegenzusetzen, auch unter den einfachsten Menschen, angefangen bei den Kindern. Gegen Ende des Jahres 1912 verwirklichte sich sein Wunsch mit der Veröffentlichung des Katechismus, der unter seinem Namen bekannt wurde und ursprünglich für die Diözese Rom bestimmt war, dann aber in allen Diözesen der Welt verbreitet wurde.

Pius X. suchte nicht Konsens der Welt, sondern Gottes

Das gigantische Reform- und Restaurationswerk des heiligen Pius X. wurde selbst von Kirchenkreisen nicht verstanden. „Der heilige Pius X. suchte nicht den Konsens der Römischen Kurie, der Priester, der Bischöfe, der Kardinäle, der Gläubigen und vor allem suchte er nicht den Konsens der Welt, sondern immer und allein den Konsens Gottes, auch um den Preis, daß sein Bild in der Öffentlichkeit Schaden nahm, denn es steht außer Zweifel, daß er sich durch seine Vorgehensweise viele Feinde machte, noch zu Lebzeiten und erst recht im Tod“ (Seite 25).

Pius X. taugt nicht als „Vorläufer“ Kardinal Kaspers

Heute können wir sagen, daß die schlimmsten Feinde nicht jene sind, die ihn frontal angreifen, sondern jene, die die Bedeutung seines Werkes zu entleeren versuchen, indem sie ihn zu einem Vorläufer der Konzils- und Nachkonzilsreformen machen wollen. Die Tageszeitung La Tribuna di Treviso informiert uns, daß anläßlich des 100. Todestages des Heiligen Pius X. die Diözese Treviso „den Geschiedenen und nichtehelichen Partnerschaften die Türen geöffnet“ hat und sie in fünf Kirchen einlud, darunter auch jene von Riese, dem Geburtsort von Papst Giuseppe Sarto, zum Zweck für ein gutes Gelingen der Bischofssynode über die Familie im Oktober zu beten, für die Kardinal Kasper mit seinem Referat beim Kardinalskonsistorium vom 20. Februar die Linie diktiert hat. Aus dem heiligen Pius X. einen Vorläufer von Kardinal Kasper machen zu wollen, ist eine Beleidigung, angesichts der die verachtende Definition Mellonis von der „Geißel der Modernisten“ zum Kompliment wird.

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana/Wikicommons

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27 Comments

  1. Ist schon ein Ding:

    Der Osservatore Romano, DAS OFFIZIELLA BLATT des Heiligen Stuhls, kritisiert einen Papst, statt ihm die Ehre zu erweisen.

    Rom WILL mit aller Kraft die Protestantisierung der Kirche durchziehen.

    Dank der vielen Jubelperser (z.B. kath.net), die TROTZ ALLEM an der Luthermesse (= NOM) festhalten, wird dies auch gelingen.

    • Für kath.net gilt ja die Devise: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, weil man augenscheinlich aus der einen oder anderen Diözese finanziell unterstützt wird, dafür aber Vorgaben zu Inhalt und Richtung (Franziskus-Papolatrie) bekommt und akzeptiert.

    • ich bin 1972 geboren, ich kannte bis vor ein paar Jahren nur NOM, lateinische Messen klangen bis dahin immer ein wenig nach Lefebvre – ich lasse mir nicht anhängen, ich wäre in Luther-Messen gewesen! Was immer sich die Liturgie-Reformer erhofft hatten – ich vermute es war diese „Wandel durch Annäherung“ Ideologie der 60er und 70er – es ist gründlich schiefgegangen. Das ist mir mittlerweile klar, nachdem ich die alte Messe kennenlernen durfte. Aber Luther-Messe ist für mich eine Beleidigung: ich hab doch keine Luther-Messen ministriert als Kind in Ostbayern. Auch meine Mutter geht nicht jeden Tag in eine Luther-Messe. Mit solchen Latrinenparolen liefern Sie den Progressiven doch die beste Munition gegen die alte Messe!

      • Kostadinow: Wissen sie eigentlich wer als Liturgische Mitarbeiter und wer Leiter der Kommission war die den NOM zusammenpfuschten. Aber auch ich würde nicht so Weit gehen den „NOM“ als „Luthermesse“ zu bezeichnen, denn das haben die Lutheraner nicht verdient, den in vielen deren Gottesdiensten geht es derzeit „katholischer “ zu als in dem was im NOM aufgeführt wird, hier der Beweis:
        http://www.gloria.tv/media/XyWVJdKZCzH

        Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

      • @Kostadinov: Sie tönen nach: „Es DARF nicht sein, dass…“ – und dennoch IST es so.

        Die neue Messe hat keinen Luther-Einschlag, der sie letztlich illicit (meine Einschätzung) macht? Weshalb sagen denn mittlerweile rund 80% der deutschsprachigen Katholiken:

        - die Messe sei ein „Mahl“?
        - die Kirche sei keineswegs eine und schon gar nicht die alleinige Heilsinstitution?
        - Priester sollen heiraten „dürfen“?
        - Wer ein „reines Gewissen“ hat, soll zu den Sakramenten zugelassen werden?
        - der Beichte bedarf es nicht?
        - Homosexualität ist völlig ok?
        - „Sterbehilfe“ (= Selbstmordhilfe): aber selbstverständlich!

        usw. usf.

        Auch ich wurde kirchlich vollständig im NOM sozialisiert. Am Anfang stand bei mir die Frage – lange nicht geäußert! – beim Betrachten des Kircheninnern: Wozu eigentlich dieser imposante Prachtbau an der Stirnseite des Chores, jedoch völlig im Abseits, da überhaupt nicht „genutzt“? – Es handelte sich um den Hochaltar.

        Es hat keinen Zweck, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen. Ihr Pfarrer R. kann Ihnen sicher weiterhelfen.

  2. Im Stil der persönlichen Lebensführung und auch des Amtsverständnisses hat Papst Pius X. recht viel gemeinsam mit Papst Franziskus. Das müsste man mal näher untersuchen. Ich finde auch, dass man die Att, die Modernisten zu verfolgen, teilweise durchaus kritisch sehen muss. Das sollte man sachlich einräumen und sich auch nicht zurückwünschen. Aber solche Fehlgriffe sprechen nicht gegen die Heiligkeit des Papstes. Heiligkeit bedeutet eben nicht, charakterlich fehlerfrei sein zu müssen. Die Hagiographie glättet da viel zu oft zu sehr. Das muss man bei vielen Heiligsprechungen mitbedenken, meine ich.

    • „die Art, die Modernisten zu verfolgen, teilweise durchaus kritisch sehen“

      Wow! WO GENAU wurden Modernisten verfolgt???

      Das Ganze stand doch nur auf dem Papier, in der Praxis ist nichts (bis kaum) etwas passiert.

      Sonst wäre dieses Geschwür doch abgestorben, statt seit dem 2. Vatikanum die Kirche zu zerstören.

    • @Hagen
      „Heiligkeit bedeutet eben nicht, charakterlich fehlerfrei sein zu müssen.“
      Wenn sie der geneigten Leserschaft erklären könnten was Heiligkeit vor Christus bedeutet wären wir einen großen Schritt weiter. Vielleicht würde es auch reichen wenn man detailliert wissen würde was der Modernist eigentlich von Christus will. Also ich sage es mal so. Wenn ich Modernist wäre würde ich aus der katholischen Kirche austreten und würde mir eine moderne Kirche suchen und wenn ich die nicht finden würde dann würde ich mir eine Kirche selber bauen und die wäre so flexibel das sie je nach Tageslaune meinen Geschmack treffen würde. Das meine ich.
      Per Mariam ad Christum.

    • Geehrter @Hagen,
      Giuseppe Sarto, der spätere Hl. Papst Pius X, wurde in einer sehr armen Familie geboren; als Kind ging er barfuß in die Schule mit den Schuhen auf dem Rücken gebunden um sie zu schonen; aüsserst fleißig und hochintelligent konnte er im Seminar studieren; er sparte immer an seiner Kleidung (eine sehr schöne Anekdote hierzu auf http://www.pius.info mit seinem Fagottspiel bei dem Schneider seiner neuen Soutane).
      Noch sehr jung folgte er bei dem kirchenmusikalische Kongreß; in Arezzo in 1882 von der Empore aus die Diskussionen zwischen die Regensburger Schule unter Pustet und die Mönche von Solesmes betr. der Gregorianik; 21 Jahre später fand dies seine Widerspiegelung in „Tra le solleccitudine“, womit die Kirchenmusik im Allgemeinen und die Gregorianik im Besonderen als wichtige Waffen bei der inneren Kräftigung der Hl. Kirche eingesetzt wurden.
      Als einer der wenigen Päpste durchlief er alle Stadien der priesterlichen Hierarchie, vom kleinen Vikar zum Pontifex maximus.
      Wo Sie hier Ähnlichkeiten sehen, weiß ich nicht.

      Nicht umsonst hieß es früher:“Jesuita non cantat et non rubricat“ ( Ein Jesuit singt nicht und rubriziert nicht)- Seit über 50 Jahren Jesuiten sehr gut kennend, kann ich das für die meiste bestätigen; der seit 48 Jahren kontinuierliche Niedergang dieses Ordens (die Evolution in Nordbelgien war und ist katastrophal) ist dadurch maßgeblich bedingt.

  3. Am vergangenen Dienstag sagte der Priester zu Beginn der Eucharistiefeier, das wir heute den Gedenktag des Heiligen Papstes Pius X. feiern würden. Pius sei ein guter Papst gewesen, der die Nöte seiner Zeit erkannte und von ihm stamme der Ausspruch : „Alles in Christus erneuern“ !
    Man könne also sagen, dieser großartige Papst war ein Vorausdenker, er sei gewissermaßen ein Wegbereiter für das zweite vatikanische Konzil….
    Mich haben diese Aussagen schockiert, weil sie falsch sind. Das genaue Gegenteil ist der Fall, denn ein Papst, der den Modernismus bekämpft und der in weiser Vorausschau den Klerus zum Ablegen eines Anitmodernisteneids verpflichtet, würde niemals den Weg für den Modernismus /Änderungen und damit einhergehend für das zweite vatikanische Konzil ebnen.
    Nach der Messe habe ich den Priester angesprochen und ihm gesagt, das das was er zu Beginn der Messe sagte, leider nicht der Wahrheit entspreche. Er entgegnete unter Hinweis auf das Zitat „alles in Christus erneuern“ – genau das wäre damit gemeint, die Kirche erneuern, verändern, unserer Zeit anpassen. Ob ich ihn überzeugen konnte, weiß ich nicht, jedenfalls sagte ich ihm, das Pius gemeint habe, das wir alle – jeder einzelne von uns – sich selbst in Christus erneuern muß. Nicht die Kirche (der mystische Leib Christi) darf sich verändern, sondern wir – die Gläubigen – müssen uns in Christus und für Ihn immer wieder erneuern. Wir müssen uns bewußt sein, bleiben und werden, das wir Menschen immer Sünder sind und bleiben werden. Gebet, Buße, Umkehr, Beichte und der würdige Empfang der Heiligsten Eucharistie können uns in Christus erneuern – uns heilen. Die Lehren der Kirche dürfen nicht verändert werden, sondern wir müssen uns in Christus verändern, erneuern.
    Regina

  4. Der Osservatore Romano ist das offizielle Presseorgan des „Heiligen Stuhles“ sprich von „Franziskus I“ und dieser wird sich darüber sicher sehr gefreut haben, konnte er doch über sein Presseorgan, denjenigen die Gott den Herrn, seinen Heiligen Willen, der Glaubenslehre und der Heiligen Tradition der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche Treue leisten (so gut es eben diesen Menschen möglich ist) wieder eins auswischen.

    Also Gemeinsamkeiten zwischen den Heiligen Papst PIUS X mit Franziskus I zu sehen und dann auch noch den Heiligen Papst Pius X angebliche charakterliche Fehler anzudichten, ist ja echt der Gipfel der Frechheit.

    Gottes und Mariens Segen auf allen Wegen

  5. @ Hagen: Hätten wir heute nochmals eine Pius X und keinen Franz, so wäre ich die Sorgen um die Kirche los. So muss ich bei jedem Wort zittern, dass aus dem Munde des Stellvertreters kommt.

  6. Am 1. September 1910 hat der 
    heilige Papst Pius X. 
    den Anti-Modernisteneid geleistet.
    Wohl auch vorausahnend, was an Krummbiegungen und Verdrehungen der Lehre der Heiligen Mutter Kirche bevorstehen würden.
    Hier ein kurzer Auszug aus dem im Artikel erwähnten Anti-Modernisteneid:

    -
    „So halte ich denn fest und bis zum letzten Hauch meines Lebens werde ich festhalten den Glauben der Väter an die sichere Gnadengabe der Wahrheit, die in der Nachfolge des bischöflichen Amtes seit den Aposteln ist, war und immer sein wird, 
    so daß 
    nicht 
    das Glaubensgegenstand ist, was entsprechend der Kultur eines jeden Zeitabschnittes besser und passender scheinen könnte, 
    sondern daß niemals in verschiedener Weise geglaubt, nie anders verstanden wurde die absolute, unabänderliche Wahrheit, die seit Anfang von den Aposteln gepredigt wurde.

    Ich gelobe, daß ich das alles getreu, unversehrt und rein beobachten und unverletzt bewahren, daß ich in der Lehre oder in jeder Art von Wort und Schrift nie davon abweichen werde.
    So gelobe ich, so schwöre ich, so helfe mir Gott und dieses heilige Evangelium Gottes. “
    -

  7. Danke, @ defendor, dass Sie Klarheit mit ihrem Kommentar geschaffen haben.

    Ich denke, Sie haben den Kern getroffen mit ihrem Auszug aus dem erwähnten Anti-Modernisteneid. Die Zeit scheint jetzt nicht reif zu sein, dass er verstanden wird. „Die pastorale Moderne“ hat nicht nur den Glauben, sondern auch das Denken vernebelt.

    Dank gebührt natürlich den italienischen Intellektuellen Roberto de Mattei und Cristina Siccardi. Wir haben diese katholischen Intellektuellen nicht in Deutschland, auch in Italien dürften sie eine kleine Minderheit sein. Doch ihre Äußerungen, ihre Bücher sind wichtig. Auch wenn wir hier in Deutschland unfähig sind, sie zu verstehen.

    Das Erscheinungsbild der katholischen Kirche liegt in Trümmern. Doch junge katholische Generationen, die diesen Niedergang im Glauben „überleben“ werden, brauchen Maßstäbe, Vorbilder, gerade was Päpste anbetrifft.

    Sie werden die „pastorale Moderne“ nicht nur als den Glauben zerstörend bewerten, sondern ihn theologisch als geradezu schwachsinnig einordnen.

    Und dankbar auf Vorbilder wie den hl Pius X. schauen.

  8. Es ist noch anzumerken: Pius X. war unglücklich, wenn z. B. sein enger Mitarbeiter, Kardinalstaatssekretär Merry del Val angegriffen wurde, und er, der Papst, war in Wirklichkeit gemeint. Merry del Val berichtet in seinen Erinnerungen, dass Pius X. über diese Ungerechtigkeit sehr unglücklich war.

    „Polizeiliche Maßnahmen“, „institutionelle Gewalt“, das klingt reichlich martialisch.
    Pius X. hat angeordnet, dass Theologen, Männer der Kirche, die Irrtümer verbreiten, ihr Amt verlieren. Er hat die Bischöfe dazu angehalten, diese Maßnahmen zu ergreifen. Wenn ein Theologe seine Irrtümer zurücknahm, durfte er nur eine Position bekommen, auf der es ihm nicht möglich war, weiter Einfluss auszuüben. Er wurde kaltgestellt.
    Neomodernisten nennen das „institutionelle Gewalt.“ Gläubige Katholiken sagen, es ist die Pflicht des Papstes, den Glauben zu verteidigen.

    Pius X. war kein Mann, der von seinem Charakter her andere Menschen beherrschen, demütigen, verletzen wollte. Merry del Val berichtet, er habe den Papst angesprochen, weil er so blass aussah, so mitgenommen. Der Papst antwortete, er habe die Nacht kaum geschlafen. Er empfange gleich einen Mann, der sich vergangen habe gegen den Glauben. „Beten Sie ein Ave, dass er seinen Irrtum einsieht, dass ich nicht noch härtere Maßnahmen ergreifen muss.“
    Lächelnd kam er später zurück. Der Arme habe seinen Irrtum eingesehen. Er war froh, dass er nicht härtere Maßnahmen ergreifen musste.
    Aber er hätte sie ergriffen, wenn es notwendig gewesen wäre. Um den Glauben zu verteidigen. Um die Gläubigen vor den Wölfen zu schützen. Das ist die Aufgabe des Papstes seit den Zeiten des heiligen Petrus.
    Es ist der ausdrückliche Wille Jesu Christi.

    Pius X. hat sein Amt oft erlebt als sein Kalvaria. Er hat sich so ausgedrückt.
    Die Neomodernisten sprechen von „institutioneller Gewalt.“ Den Bruch leugnen, der zwischen den vorkonziliaren Päpsten besteht und der Konzilskirche kann nur, wer selbst neomodernistisch ist, das aber nicht zugeben will, oder wer sich Illusionen hingibt, weil die Realität zu unerträglich ist.

  9. Der Hl. Papst Pius X ragt wie ein gewaltiger solitärer Berg oberhalb der weiten Fläche der Kirchengeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.
    Theologisch, pastoral, kirchenmusikalisch setzte er Maßstäbe- an diesem sperrigen Berg können die Modernisten nicht vorbei.
    So versuchen sie die Erinnerung an den Hl. Papst Pius X mit Hilfe von realexistierendem dialektischen Diskurs zu verbiegen und zu beeinflüßen weil seine Bekämpfung unmöglich ist.

    Vor ein paar Tagen besuchte ich eine 82 Jahre alte Dame, aus einer alten sehr christlichen Familie stammend, trotz Diaspora und massiver Schwindsucht der lokalen kirchlichen Strukturen und Personen praktizierend fromm und fröhlich; den Namen des Hl. Papstes Pius X hörend, sagte sie sofort:
    „Dieser Papst hat sich sehr stark für die Erste Kommunion eingesetzt!“
    Ich war etwas verblüfft, wird doch bei jedem Gregorianikkurs an den Hl. Papst Pius X erinnert mit „Tra le sollecitudine“, worin der Gregorianik einen herausragenden Patz in der Kirchenmusik zugewiesen wird, und wird seit Jahrzehnten immer noch über dem Antimodernisteneid gelästert.
    Die alte Dame hatte jedoch recht:
    Für ein junges Kind, in einer christlichen Familie geboren und groß werdend, gibt es nichts schöneres und prägenderes als gute Katechese, fundamentaler Religionsunterricht und dann das Bekommen der ersten Kommunion.
    Es war bei ihr 75 Jahre her- und sie hat trotz hohen Alters sofort den Hl. Papst Pius X mit diesem gewaltigen Geschenk für die Gläubigen assoziert.
    Ein wunderbares Lob und Kompliment für diesen großen Heiligen und ein gewaltiger und wohltuender Kontrast zu der jetzigen Situation mit den Eskapaden mit Renault 4, mit Autobussen, mit dem Legen eines Fußballs auf den Altar, mit der Disziplinierung der Franziskanen der Immaculata, mit den Säuberungsaktionen gegen traditionsverbundenen Hirten.

  10. Papst Pius X. würde den Putzlumpen nehmen und ihm seinen Nachfolger um die Ohren hauen. Es ist dreist, diesen heiligen und tieffrommen Papst in einer solchen Weise darzustellen und zu diffamieren. Der nuschelnde Schauspieler in Rom könnte von ihm viel lernen, aber das will er ja nicht. Und so bleibt uns nur die Hoffnung, dass Gott in seiner Vorsehung schon weiß, warum er uns dieses Unglück geschickt hat.

  11. Pius X. ist in jedem Fall ein großer und heiliger Papst – das ist nicht zu bezweifeln. Mir gefällt an ihm die Konsequenz, wie ich schon sagte v.a. das Vorgehen in Frankreich anlässlich der Trennungsgesetze von Kirche und Staat – das ist wahre „Entweltlichung“ und echter Mut gewesen.
    Auch finde ich sein „Regierungsprogramm“, das er in der Enzyklika „E supremi apostolatus“ (1903) erklärte, absolut zu unterstützen, genauso auch hier und heute, wenn wir nur einen Hirten hätten, der das so vortragen würde:

    „Gott, der ‚reich an Erbarmung‘ ist (Eph 2,4), beschleunige gnädig diese Wiederaufrichtung der Völker in Christus Jesus. Denn ‚es kommt nicht auf das eigene Wollen oder Laufen an, sondern auf Gottes Erbarmen‘ (Röm 9,16). Wir suchen dies im Geiste der Demut heftig in täglichem und dringendem Gebet von Ihm um der Verdienste Jesu Christi willen zu erlangen. Wir machen außerdem Gebrauch von der allwirksamsten Fürbitte der Gottesgebärerin. Um diese zu erlangen, haben Wir dieses Schreiben an dem Tage herausgegeben, der zur Feier des heiligen Rosenkranzes bestimmt worden ist.“

    Sein Pontifikat unterstellte er ausdrücklich dem Schutz der Gottesmutter und besuchte mindestens einmal täglich die Lourdekapelle in den vatikanischen Gärten. Er unterbrach ebenso seine Tätigkeiten täglich, um den Angelus zu beten. Das alles aber nicht demonstrativ, sondern als kleinen Einblick in seine Frömmigkeitspraxis.

    Dennoch – die Gefahr, die er selbst anspricht, dass man nämlich aufgrund eigener Leidenschaft für das Rechte und indem man meint, selbst etwas schaffen zu müssen, was nur Gott selbst durchsetzen wird, kann es durchaus sein, dass manche Kritik an seiner Vorgehensweise auch berechtigt ist. Er wurde ja nicht nur von „modernistischer“ Seite kritisiert, das sollte nicht vergessen werden.

    Es ist problematisch, wenn man das Werk eines bloßen Menschen so „verehrt“ und unter Tabu setzt, dass man auch sachbezogene Kritik unter Verdacht stellt. Das wäre Idolatrie. Es gilt also, hier vorsichtig und nüchtern und wachsam zu sein.

    Ich habe allerdings ein ganz anderes, denkerisches Problem – ich weiß trotz „Pascendi“ nicht wirklich exakt, was „Modernismus“ ist! Pius X. hat dieses Wort erfunden, aber es ist zu pauschal. Er nahm das für „Sammelbecken aller Häresien“. Daran krankt auch seine Vorgehensweise: es war angesichts der knappen Zeit- und Kraftressourcen überhaupt nicht möglich, diesen Pauschalbegriff in jedem einzelnen Fall gerecht zu untersuchen. So geschahen auch Ungerechtigkeiten und unverdiente Härte, bei der die Betroffenen, wie ich im Handbuch der Kirchengeschichte gelesen habe, z.T. nicht mal angehört wurden…warum unterstellt man der Klage über diese Fälle, sie seien unwahr, wenn die Verfasser sie mit Quellenangaben nachweisen können? Ich bin da zumindest nicht bereit, im Reflex einfach den Pius-Verehrern mehr zu glauben – das wäre nicht redlich. es erinnert an die Franziskus-Jublerei bloß eben bei Pius…

    (Forts.)

    • (Forts.)

      Zurück zum unscharfen „Modernismus“-Begriff. Ich habe das denkerische Problem, diesen Begriff präzise zu verstehen. Er ist so formuliert, dass man ihn als vielköpfige „Verschwörerei“ auffassen muss und daher misstrauisch wird, hinter allem und jedem, der sich nicht in einem bestimmten Stallgeruch äußert, einen Modernisten zu wittern.
      Nun erforderte aber die Moderne als real existierende Zeit tatsächlich manche Neuausrichtung. Zwischen diesen zwei Mühlsteinen wurden viele zermahlen – bis heute.
      Aus diesen Gründen hatte der „Antimodernisteneid“ auf mich stets eine bizzarre Wirkung. Nicht wegen des Inhaltes – den kann ich zumindest grob verstehen und stimme zu.
      Nein – wenn die „Modernisten“, wie Pius X. sie zeichnet, tatsächlich so sind wie sind, dann ergibt es doch gar keinen Sinn, ihnen diesen Eid abzuverlangen. Er zeichnet sie als hochgradig unredlich, als Personen, die sich drehen und wenden wie Schlangen und Chamäleons. War es nicht abzusehen, dass sie jeden Eid schwören würden, um zu ihrem Ziel zu kommen?
      Haben nicht alle diese Horrorfiguren, die uns dann das Vaticanum II eingebrockt haben und noch einige Jahre danach sämtliche dieser untreuen Priester, die es zu Hauf gab, die ja dann auch alle laisiert wurden, oder als Wühlmäuse weiter wirkten…haben sie nicht alle brav und ohne mit der Wimper zu zucken, den Antimodernisteneid geschworen?
      Was heißt denn das im Ergebnis? Es hat Heuchler und Lügner großgezogen. daran kann keiner vorbei…

      Ich bitte um Verzeihung, dass ich nicht bereit bin, mir das Denken abnehmen zu lassen – weder von rechts noch von links. Aber diese gravierenden Fragen kann mir niemand so leicht beantworten, ohne doch bloß wieder Plattitüden aufzulegen. Schon zu Pius-Zeiten operierte man dann wohl angesichts der Unschärfe des begriffs „Modernismus“ mit dem Begriff vom „Semi-Modernismus“.
      Gut, dann gibt es bald den Viertelsmodernismus, den Achtelmodernismus und den Sechzehntelmodernismus. Das offenbart, dass in der Problematik eine totale Absurdität schlummert, der niemand mit menschlichen Mitteln gewachsen sein KANN.

      Mir ist klar, dass kein Mensch aufgrund menschlicher Weisheit das tatsächlich bestehende neuzeitliche philosophische Problem in der Theologie so einfach lösen kann. Es übersteigt weit die Kompetenz eines einzelnen Geistes! Man sollte den Bösen nicht unterschätzen, denn er ist uns geistig überlegen und geht umher wie ein…
      Ich bin daher, je länger ich mir das vergegenwärtige, als Mensch, der wirklich glauben will, davon überzeugt, dass die Päpste nach Pius X. sich auf die Forderung der Gottesmutter in Fatima hätten einlassen sollen – ohne wenn und aber. Der hochmütige Verstand wird das abschmettern, weil er nicht wahrnehmen will oder kann, dass Pius X. zwar das Rechte wollte und viel Gutes eingeleitet hat, dass er aber selbst abglitt an der geistigen Riesenhaftigkeit der Verführung und nicht den erwünschten oder erzwungenen Einfluss auf die Herzen der Kleriker nehmen konnte…

  12. Geehrte @Zeitschnur,
    Ich persönlich habe mit dem Begriff „Modernismus“ keine Schwierigkeiten.
    Die Anhänger der reformistischen Gedanken, der Liberalisierung, des Personalismus, des Relativismus, des Positivismus hatten dies ebenfalls nicht- sie benutzten diesen Terminus selbst um ihre Bewegung zu charakterisieren.

    Das wirklich Interessante ist daß was die Forschung des 20. Jhdts als „fiktionales Konstrukt“ ansah, sich jetzt immer mehr und deutlicher nicht als „Konstrukt“ und nicht als „Fiktion“ sondern als traurige und bittere Realität erweist.

    Von den Theorien von A. Loissy geht eine direkte Verbindung zu der neueren Löwener Schule mit der sog. „Erreichbarkeitsmoral“ des Salesianers R. Burggraeve (eines sehr guten Freundes v. Kard.em. G. Danneels) (praktisch: Relativismus pur) und zu der jetzigen Ideen an der Uni Löwen.
    Äusserst bitter daß die schwerste sexuelle Mißbräuche mit dieser Relativismus- und Personalismusideologie komplett toleriert werden können (Der Fall vanGheluwe liegt überall noch frisch im Gedächtnis).
    Dementsprechend wird hierüber nicht mehr gesprochen- nicht über die Opfer, nicht über die Erreichbarkeitsmoral, nicht über die modernistische Tendenzen die das Ganze auslösten und verdeckten.
    Die Folgen: Nordbelgien dekatholisierte in einem gewaltigen Tempo (-82% regelmäßige Kirchgänger innerhalb von 20 Jahren/ Rückgang der Rufungen um 99,4% in 50 Jahren).

    Wie mehr ich hierüber lese und studiere, wird mir jeden Tag mehr bewußt: der Hl. Papst Pius X hat mit seiner Verurteilung des Modernismus eine gewaltige Weitsicht gezeigt, zusammen in Einheit im Glauben und mit der Tradition.
    Das kann von einigen seiner Nachfolgern nicht gesagt werden- um von den tollen Resultaten der Modernisierungenund Verschlimmbesserungen, von den Häresien und der Drangsalierung der Gläubigen zu schweigen.

    Epurieren tut weh- es ist aber lebensnotwendig.
    Salus animarum suprema lex- alles muß getan werden daß eine Seele nicht ins Verderben gerät.

  13. Anmerkungen zu @ Zeitschnur
    1. Die große Enzyklika „Pascendi“ richtet sich nicht an philosophische und theologische Laien wie @ Zeitschnur, sondern an Bischöfe, an die Hierarchie, die selbst das ordentliche Lehramt vertritt.
    2. Wir dürfen davon ausgehen, dass diese Hirten die neuzeitliche Philosophie sehr gut kannten, dass ihnen z. B. die Philosophie eines I. Kant und seiner Nachfolger sehr vertraut war.
    3. Zwischen den neuzeitlichen Philosophen bestehen beträchtliche Unterschiede, nach Kant fand selbstverständlich eine Entwicklung statt.
    4. Der neuzeitlichen Philosophie ist gemeinsam: DER AGNOSTIZISMUS. Danach lässt sich für den menschlichen Verstand die Existenz Gottes nicht beweisen oder erkennen.
    5. Die logische Folge: Es kann keine ewig gültigen geoffenbarten Wahrheiten geben, denn ein Gott, dessen Existenz mit dem menschlichen Verstand nicht zu erfassen ist, für ihn nicht existiert, kann sich gar nicht offenbaren.
    6. Deshalb kann es keine Kirche geben, die einen absoluten Wahrheitsanspruch vertritt. Weil es keine geoffenbarten Glaubenswahrheiten gibt.
    7. Agnostiker leugnen nicht die Existenz Gottes. Er ist nur für sie mit dem menschlichen Verstand nicht zu erkennen. Er wird in das Gefühl hinein verlegt, in das Unbewusste, das bewusst wird…
    8. „Pascendi“ beginnt mit den beiden zentralen Begriffen für die neuzeitliche Philosophie: „Agnostizismus“ und „vitale Immanenz.“ Pius X. musste davon ausgehen, dass den Bischöfen der katholischen Kirche diese Begriffe vertraut waren.
    9. Die Enzyklika ist ziemlich lang. Dennoch ersetzt sie nicht das Studium der Philosophie. Das kann keine Enzyklika. Dieser Anspruch wäre lächerlich. Pius X. konnte und musste davon ausgehen, dass die Adressaten seiner Enzyklika philosophisch genug gebildet waren, um sie zu verstehen.

    Zum Anti-Modernisteneid:
    1) Diesen Eid mussten nicht überführte Modernisten ablegen, sondern alle katholischen Kleriker seit dem 1. September 1910. Ein Priesteramtskandidat, der diesen Eid nicht ablegen konnte, durfte nicht Priester werden. Genauso wie Priesteramtskandidaten, die wissen, dass sie den Zölibat nicht einhalten können oder wollen. Soll deswegen auf die Zölibatsverpflichtung verzichtet werden, weil es immer Priester geben wird, die ihn brechen werden? Zieht die Kirche deshalb mit der Zölibatsverpflichtung Heuchler heran?
    Beim Anti-Modernisteneid geht es um den katholischen Glauben. Der Papst kann und muss ihn fordern.
    2) Papst Paul VI. schaffte 1967 den Antimodernisteneid ab.
    3) Bei seiner theologischen Grundeinstellung musste er ihn abschaffen. Es war logisch. Es ist für alle Konzils- und Nachkonzilspäpste logisch.
    @ Zeitschnur, an Sie persönlich:
    Natürlich können Sie Paul VI. zustimmen, das ist Ihr gutes Recht. Nur wirkt Ihre Argumentation insgesamt unverständlich, wenn Sie das II. Vat. Konzil verurteilen, die Päpste dieses Konzils und der nachkonziliare Kirche als häretisch verurteilen und gleichzeitig die Grundprinzipien dieser Kirche vertreten.

  14. Ich weiß, Sie werden mich wieder als oberlehrerhaft abkanzeln. Oder mit anderen Unterstellungen aufwarten.
    Ich bin das von Ihnen gewohnt.
    Doch Sie haben den „Modernismus“ nicht begriffen. Das ist alles andere als eine Schande.
    Sie dürfen Ihr Unverständnis jedoch nicht dem hl. Pius X. anlasten.

  15. @Zeitschnur
    Das Problem mit Ihnen liegt viel tiefer. Sie haben keine katholische Marienverehrung, sondern eine autonome, die der katholischen Kirche fremd ist.
    Deshalb diese krause Unlogik: Johannes Paul II. war ein großer Marienverehrer. Die war weder geheuchelt, noch bewusst eingesetzt, sie war ehrlich.
    Auf vielen Fotos ist er abgebildet mit Sr. Lucia dos Santos, eng und freundschaftlich ging es zwischen ihnen zu.
    Die Fatima-Seherin hat weder Paul VI., noch Johannes Paul II. gewarnt vor den Konzilsirrtümern, vor der neuen Messe, vor dem Ökumenismus. Sie gehörte zum Establishment der „Konzilskirche.“
    Hat sie Assisi 1986 verurteilt? Es ist nichts bekannt.

    Jeder, jede kann ganz einfach im Internet klicken: Die Seherin war eng vertraut mit dem jungen Johannes Paul II. und dem gebrechlichen Papst.

    Kommen Sie mir bloß nicht wieder mit der boshaften Unterstellung des Marienhasses.

    Ich glaube, dass in Fatima die Gottesmutter den Kindern erschienen ist. Ich glaube, dass sich Papst Pius XII. richtig verhalten hat gegenüber der Fatima-Botschaft.

    Sie müssen es nicht glauben. Aber unterstellen Sie bitte nicht „Marienhass“ denjenigen gegenüber, die sich kritisch fragen, warum diese Seherin mit den Päpsten Paul VI. und besonders Johannes Paul II. auf so gutem Fuße stand.

    Ihr Dauerthema Fatima passt überhaupt nicht zu diesem Beitrag über Pius X. Er ist 1914 gestorben, die Erscheinungen fanden 1917 statt.

    Pius X. war ein inniger, großer Marienverehrer seit seiner Kindheit bis zum Ende seines Lebens.
    Auf die neuheidnische Irrlehre, Maria auf einer Ebene mit Jesus Christus zu sehen, ist er allerdings nicht gekommen, wie kein Papst.

    Das können Sie ihm nicht verzeihen.

    • „Johannes Paul II. war ein großer Marienverehrer. Die war weder geheuchelt, noch bewusst eingesetzt, sie war ehrlich.“
      Besonders die Mutter Gottes von Fatima hatte es ihm angetan. Man könnte fast den Eindruck haben sie gehörte zu seinem persönlichen Besitz. Wie auch immer, jedenfalls hat er die Fatima-Botschaft nicht richtig gelesen genauso wie den Koran. Die Mutter Gottes hat den Kindern in Fatima die Hölle gezeigt und nun er.
      „Die Bilder, mit denen die Heilige Schrift die Hölle darstellt, müssen richtig interpretiert werden. Sie wollen die völlige Leere eines Lebens ohne Gott aufzeigen. Die Hölle meint nicht so sehr einen bestimmten Ort, sondern vielmehr die Situation dessen, der sich frei und endgültig von Gott entfernt hat.“
      http://stjosef.at/dokumente/papst_ueber_leben_nach_dem_tod.htm
      „Auf vielen Fotos ist er abgebildet mit Sr. Lucia dos Santos, eng und freundschaftlich ging es zwischen ihnen zu.“
      Und mit dem Dalai Lama hat er es in Assisi genauso gemacht. Bilder sind sehr gute Mittel zur Manipulation. Wir sollten vorsichtig sein.
      „Die Fatima-Seherin hat weder Paul VI., noch Johannes Paul II. gewarnt vor den Konzilsirrtümern, vor der neuen Messe, vor dem Ökumenismus.“
      Das wäre ja auch noch schöner wenn diese Fatima-Seherin den ganzen Konzilshaufen in die Luft gejagt hätte. Die werden sie schon ständig gebrieft haben.
      Wenn 1960 die ganze Wahrheit über Fatima an die Öffentlichkeit gekommen wäre hätte es kein Konzil mehr gegeben.
      Nun eine Weltenweihe ist nicht das was die Mutter Gottes wollte. Wie viele male haben sie den schon „Himmel und Erde werden vergehen“ geweiht?
      Nun wenn ich mir die Entwicklung zwischen Russland und dem Westen so anschaue beschleicht mich doch langsam ein unruhiges Gefühl. Und Bergoglio dazu. Es könnte sein!!
      Per Mariam ad Christum.
      Per Mariam ad Christum.

  16. Zum „Modernismus“ hatte Papst Benedikt XVI. in vielen Beiträgen Stellung genommen. Besonders in seiner Regensburger Rede.
    Dort hatte er nicht nur dem weithin unvernünftigen Islam den Spiegel vorgehalten, sondern vor allem auch der „westlichen Vernunft“ die wirkliche und wahre Vernunft vernünftigerweise abgesprochen. Er hat in dieser Rede den ganzen geschichtlichen Weg der Entfremdung der Vernunft seit dem Mittelalter von der Wahrheit, dem Dreifaltigen Gott, sehr nachvollziehbar dargestellt.
    Ich kann das nur in meinen armen Worten sagen. Es lohnte sich aber, sich immer wieder diese Rede durchzulesen.

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