Papst Franziskus empfiehlt Charismatikern Suenens und Helder Camara als Vorbilder?

Laut Papst Franziskus die Vorbilder für charismatische Katholiken: Leo Suenens und Helder Camara
Laut Papst Franziskus die Vorbilder für charismatische Katholiken: Leo Suenens und Helder Camara

(Rom) Papst Franziskus nahm am Sonntag, den 1. Juni am 37. Jahrestreffen der katholischen charismatischen Erneuerung in Italien teil, die dort als Gemeinschaft Rinnovamento nello Spirito Santo (RnS, Erneuerung im Heiligen Geist) organisiert ist. Es war das erste Mal, daß ein Papst an einem solchen Treffen teilnahm. Im Olympiastadion von Rom waren unter den mehr als 50.000 Teilnehmern auch die weltweite Leitung der charismatischen Erneuerung. Die charismatische Bewegung ist in allen Ländern der Erde vertreten. Laut eigenen Angaben, gehören 100 Millionen Katholiken dieser Richtung an. Den Charismatikern empfahl Papst Franziskus zwei Vorbilder: Leo Kardinal Suenens und Helder Camara. In welches Lager will der Papst die charismatische Erneuerung treiben?

Die Rede des Papstes im Stadio Olimpico verdient nach den offiziellen und inofiziellen Treffen mit evangelikalen Delegationen im Juni und seinem „Privatbesuch“ beim evangelikalen Pastor Giovanni Traettino am 28. Juli in Caserta neue Aufmerksamkeit. Jorge Mario Bergoglio war bereits als Erzbischof von Buenos Aires in der Argentinischen Bischofskonferenz für die charismatische Bewegung zuständig.

Salvatore Martinez, seit 1997 Vorsitzender des RnS sagte zur Begrüßung: „Wir sind geboren unter Paul VI., wir sind herangewachsen und herangereift unter Johannes Paul II. und mit ihnen beginnt nun diese außergewöhnliche missionarische Saison.“ Benedikt XVI. war offenbar für die charismatische Bewegung kein Anstoß, jedenfalls kein erwähnenswerter.

Einige Auszüge aus der Papst-Ansprache:

„In den Mechelner Dokumenten habt ihr eine Leitlinie, einen sicheren Weg, um nicht in die Irre zu gehen. Das erste Dokument ist eine Theologische und Pastorale Orientierung. Das zweite – ‚Charismatische Erneuerung und ökumenische Bewegung‘ – ist aus der Feder von Kardinal Suenens, dem großen Protagonisten des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das dritte ist: ‚Erneuerung im Geist und Dienst am Menschen‘, von Kardinal Suenens und Bischof Helder Camara.“

„Ich erwarte von euch, dass ihr mit allen in der Kirche die Gnade der ‚Geisttaufe‘, der Taufe mit dem Heiligen Geist teilt – ein Ausdruck, der sich in der Apostelgeschichte findet (vgl. 1,5; 11,16).“

„Ihr sollt Zeugnis geben von einer geistlichen Ökumene mit all jenen Brüdern und Schwestern anderer Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften, die an Jesus als den Herrn und Erlöser glauben.“

„Erinnert euch: ‚Die Charismatische Erneuerung ist von Natur aus ökumenisch … Die katholische Erneuerungsbewegung freut sich über das, was der Heilige Geist in den anderen Kirchen wirkt‘ (1 Mecheln 5,3).“

„Das freut mich sehr. Ich möchte ihnen auch danken, weil sie bereits das große Jubiläum von 2017 organisieren.“

„Und ich erwarte euch alle, ihr Charismatiker der Welt, um gemeinsam mit dem Papst euer großes Jubiläum am Pfingstfest 2017 auf dem Petersplatz zu feiern! Danke!“

Zwei Modernisten als Vorbilder? – Suenens: „Sei Apostel wie Camara und Mohammed“

Papst Franziskus mit RnS-Vorsitzendem Martinez (links). Der Papst grüßt die Anwesenden wie ein Politiker, segnet sie allerdings nicht, wie es seine Vorgänger taten.
Papst Franziskus mit RnS-Vorsitzendem Martinez (links). Der Papst grüßt die Anwesenden wie ein Politiker, segnet sie allerdings nicht, wie es seine Vorgänger taten.

Papst Franziskus erwähnte das 1974 auf Anregung von Erzbischof Leon-Joseph Kardinal Suenens von Mecheln-Brüssel zustandegekommene „Mechelner Dokument“. Er nannte als Bezugspersonen für die charismatischen Katholiken mit dem Belgier Kardinal Suenens (1904-1996) und dem linksgerichteten brasilianischen Befreiungstheologen Erzbischof Helder Camara von Olindo und Recife (1909-1999) zwei umstrittene Kirchenvertreter der jüngsten Kirchengeschichte. Erzbischof Marcel Lefebvre bezeichnete sie 1986 in einem Offenen Brief als „verwirrte Katholiken“.

Beide gehören zu jenem neomodernistischen Teil, der mehr einem ominösen „Geist des Konzils“ verpflichtet war, als dem Konzil selbst. Dabei war Suenens einer der führenden Moderatoren des Konzils und hinter den Kulissen einer der Hauptstrategen der meinungsmachenden progressiven Rheinischen Allianz. Suenens wiederum sagte über seinen „großen Freund“ Camara, dieser habe beim Konzil „hinter den Kulissen eine zentrale Rolle gespielt, obwohl er während der Konzilssessionen nie das Wort ergriff“ (Suenens: Erinnerung & Hoffnung, 2000).

Kardinal Suenens als Verfechter eines „theologischen Pluralismus“ bezeichnete das Zweite Vatikanische Konzil als „Französische Revolution in der Kirche“. Im Sommer 1982 sagte Kardinal Suenens bei einer Bischofsweihe zum neuen Bischof: „Sei ein Apostel wie Gandhi, Helder Camara und Mohammed!“

Helder Camaras Agitationspotential: vom Faschisten bis Marxisten

Helder Camara war in den 1930er Jahren, obwohl bereits Priester, einer der führenden Köpfe des brasilianischen Faschismus, der es gegen den Willen seines Bischofs bis ins Amt des Generalsekretärs der Ação Integralista Brasileira (AIB), der faschistischen Partei Brasiliens brachte. Ein Unikum, das es sonst weltweit nirgends gab. Ein Kapitel, das er selbst später und die meisten seiner Biographen stillschweigend unterschlugen oder minimierten. 1937 wurde dem brasilianischen Faschismus durch ein Verbot das Ende bereitet, ein Putschversuch 1938 scheiterte. Doch Camara war aufgrund seiner charismatischen Fähigkeiten imstande sich schnell neu zu erfinden, auch innerhalb der Kirche. Seine faschistische Vergangenheit erklärt vielleicht seinen schnellen Schwenk zum Marxismus. Sein Agitationspotential hatte er hinreichend unter Beweis gestellt und die Extreme berühren sich zuweilen.

Der brasilianische Katholik Plinio Correa de Oliveira schrieb zu Camara: Der brasilianische Episkopat hatte sich „bis 1948 als entschiedener Gegner des Marxismus erwiesen. Doch dann war es im Episkopat zu einem Linksschwenk gekommen, der sich 1952 mit der Bildung einer ominösen „Nationalen Brasilianischen Bischofskonferenz“ und der Wahl Helder Camaras zu ihrem ersten Generalsekretär noch verstärken sollte. Die Früchte dieser Kehrtwendung ließen nicht lange auf sich warten: Priester bei Demonstrationen, Ordensschwestern im Minirock und führende Linkskatholiken, die sich für die kommunistisch-janguistische Agitation aussprachen.“ Wegen seiner Linkslastigkeit wurde Camara im Westen hingegen schnell zum unkritisch umjubelten Säulenheiligen. Seine faschistische Vergangenheit, meist ohnehin nicht bekannt, hatte er durch seinen Marxismus reingewaschen.

Camara schaffte es 1948, geistlicher Assistent der Katholischen Aktion zu werden und gründete zu einer Zeit, als es noch keine Bischofskonferenzen gab, eine „Nationale Brasilianische Bischofskonferenz“ (CNBB) und wurde zu deren Generalsekretär. Obwohl diese CNBB letztlich nur aus seiner Person bestand und vom damaligen Nuntius und von acht von mehr als 150 Bischöfen unterstützt wurde, verstand es Camara in den Medien geschickt den Eindruck zu vermitteln, als würden Stellungnahmen, Vorschläge, Programmprojekte der CNBB die Meinung der brasilianischen Bischöfe wiedergeben. Paul VI. löste 1964 die CNBB auf, machte dafür aber Camara zum Erzbischof von Olinda und Recife.

Camaras subversive Konzilsbeeinflussung

Camara, als begnadeter Agitator, verstand es sich im Hintergrund zu halten, während Vertreter der Rheinischen Allianz in der Öffentlichkeit auftraten. Bereits zwei Tage nach Beginn der ersten Konzilssession stellte Camara den von Johannes XXIII. vorbereiteten Texten einen „Geist des Konzils“ entgegen. Nach dem Konzil sollte er das gleiche auch gegen die Konzilsdokumente tun.

Im Hintergrund war es seine Formulierungsgabe, die über den Informationsdienst International Documentation on the Catholic Church (IDOC) maßgeblich beeinflußte, wie die Medien das Konzil wahrnahmen. Und über die Medien wiederum nicht unwesentlich das Konzil beeinflußte. Camara schuf eine Art subversive Einrichtung zur Beeinflussung des Konzils. Er koordinierte aus der Deckung privilegierte Medienkontakte, organisierte Stimmen für Abstimmungen bei den Konzilssessionen und entwickelte dafür eigene Codierungen, da man nie wisse, wer am Telefon alles mithöre. Kardinal Suenens etwa wurde immer mit dem Codenamen „Pater Miguel“ genannt.

Camaras Opus Angeli – Modernistische Denkschmiede

Dazu bildete Camara bis heute ziemlich im Dunkeln liegende Institutionen, wie das ominöse Opus Angeli, als Denkschmiede des Modernismus, dessen Sekretärin Elisabeth Hollants gleichzeitig auch persönliche Sekretärin Camaras war. Um das Opus kreisten Gestalten wie Hans Küng, der italienische Priester und Politiker Giuseppe Dossetti, der deutsche Moraltheologe Bernard Häring, der österreichische Theologe Ivan Illich. Alles Gestalten des sogenannten „demokratischen Katholizismus“. Die meisten in der Werkstatt des Opus Angeli entwickelten Ideen (zur Kollegialität, Bischofskonferenzen, Kurienreform, Wahl des Papstes durch die Bischofssynode, Beziehungen zu den anderen Religionen, Ökumene, Frauendiakonat, dann auch Frauenpriestertum, Abschaffung des Priesterzölibats) waren so radikal, daß sie auf dem Konzil nicht durchsetzbar waren.

Sofort „mit Vorbereitung des Dritten Vatikanums beginnen“

Auch die Ernennung Camaras zum Kardinal, die 1965 bereits von seinen Freunden als „notwendig, ja unverzichtbar“ bezeichnet wurde, sollte nie Wirklichkeit werden. Dies, obwohl ein „alter österreichischer Erzbischof“ ihm gesagt habe: „Mir wurde geoffenbart, daß Du einmal Kardinal sein wirst“.

Die größte Niederlage, laut eigenem Bekunden, sah Camara in der Weigerung Papst Pauls VI., das Konzil zum Thema Verhütungsmittel Stellung nehmen zu lassen. Eine Weigerung, die bereits die Enzyklika Humanae vitae vorwegnahm. Kaum war das Konzil von Paul VI. abgeschlossen worden, forderte Camara in einem geheimen Rundschreiben seine Freunde und Mitstreiter auf, sofort mit „der Vorbereitung des Dritten Vatikanums zu beginnen“. Da ihm seine Anhänger ein „prophetisches Charisma“ zuschrieben, traf er sich bereits am 13. Oktober 1965 mit hohen Vertretern des Jesuitenordens, um über das Dritte Vatikanische Konzil zu sprechen. Dabei sagte er zu ihnen: „Wenn ihr mich Prophet nennt, müßt ihr es akzeptieren, Lehrer zu sein: Sagt mir also bitte, gibt es irgendein wirklich entscheidendes Argument, das Frauen den Zugang zum Priestertum verbietet, oder handelt es sich nur um ein männliches Vorurteil, das vom Dritten Vatikanum zerschlagen werden kann?“

Camaras Wahn vom „künstlichen Leben“ und sein Kampf gegen Humanae vitae

Bei gleicher Gelegenheit prognostizierte der „Prophet“, daß der Mensch innerhalb von zehn Jahren den Weltraum durchdringen werde mit allen Überraschungen: „Da ich nicht an einen eifersüchtigen Gott glaube, der Angst vor dem eigenen Schatten hat und die Macht fürchtet, die er seinem Mit-Schöpfer gewährt hat, glaube ich, daß der Mensch künstliches Leben schaffen wird, daß ihm die Auferweckung der Toten gelingen wird und er den alten Traum von Voronoff verwirklichen wird“.1

Die Enzyklika Humanae vitae kritisierte Camara als „Fehler“ und „auf ihre Art als neue Verurteilung Galileis“, ja sogar als „Mord des Konzils“, als „praktische Leugnung der Kollegialität“, als „faktische Annullierung der Ökumene“. Camara verfaßte ein Spottgedicht gegen die katholische Lehre über die Frauen als „Opfer“ derselben, weil sie „gezwungen“ seien, Kinder zur Welt zu bringen. Der Spott beginnt mit den Versen:

„Kinder, Kinder, Kinder…
Wenn es die Freude ist, die du willst
(aber was bleibt dir Arme anderes übrig?)
du mußt zeugen,
du mußt zeugen!“

Das „dichterische“ Schaffen Camaras endet mit einer Anrufung der Gottesmutter, Gott Vater zu bitten, „nicht an der Geburt von Monstern mitzuwirken“.
Die Spottreime des „profiliertesten brasilianischen Kirchenvertreters des 20. Jahrhunderts“ zeigen, welch tiefer und radikaler Widerspruch sich kirchenintern gegen Humanae vitae formierte.

Papst Franziskus während einer charismatischen Geist-Anrufung
Papst Franziskus während einer charismatischen Geist-Anrufung

Camaras Interpretation von Fatima

Im Gegensatz zu den meisten seiner progressiven europäischen Mitstreiter im Bischofsamt glaubte Camara an die Botschaften von Fatima (1917). Allerdings interpretierte er sie in seinem Sinn. Die von der Gottesmutter erwähnte Bekehrung Rußlands verstand er nicht als Ende der Sowjetunion, sondern nur als Ende der atheistischen, aber nicht der kommunistischen Sowjetunion. Camara schrieb: „Die kommunistischen Massen werden jubeln am Tag, an dem sie erkennen werden, daß sie Gott und das ewige Leben nicht leugnen müssen, um die Menschen lieben und die Gerechtigkeiten im irdischen Leben verteidigen zu können.“ Die Zitate von Camara sind dem Aufsatz „Come i progressisti non vinsero al Concilio“ (Wie die Progressiven das Konzil nicht gewannen) des Rechtssoziologen Massimo Introvigne entnommen.

Papst Franziskus und Gioacchino da Fiore

Tatsache ist, daß Leo Suenens und Helder Camara jene beiden Teilnehmer am Zweiten Vatikanischen Konzil waren, die am häufigsten von „charismatisch“, „Pfingstbewegung“ und „Neuem Pfingsten“ sprachen. Eine Richtung, der eine ungeklärte Nähe zur Häresie eines Joachim da Fiore anhaftet (siehe eigenen Bericht Das neue Zeitalter des Geistes? – Pater Cantalamessa, Papst Franziskus und Joachim da Fiore. Suenens und Camara wurden den charismatischen Katholiken von Papst Franziskus als einzige namentliche genannte Vorbilder hingestellt.

Das „Jubiläum“ im Jahr 2017, für dessen Vorbereitung der Papst bereits dankte, bezieht sich auf 50 Jahre katholischer Charismatismus. 1967 ereignete sich bei einem Treffen an der Universität Duquesne in Pennsylvania jene Initialzündung, die unter protestantischer Anleitung zur Gründung der Charismatischen Erneuerung in der Katholischen Kirche führte.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons (Montage)

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  1. Serge Voronoff (1866-1951), ein russischer Arzt, der französischer Staatsbürger wurde, und der behauptete, mirakulöse Erfolge bei der Verjüngung von männlichen Patienten erreicht zu haben durch Verabreichung von Genitalextrakten von Affen. []

65 Comments

  1. Dazu kann man nur noch mit Dante sagen: „Ihr, die ihr hier ( in diesem Fall in das Bergoglio-Pontifikat), eintretet, laßt alle Hoffnung fahren“.
    Das muß nun-auch nach dem Widerruf der Suspendierung von Pater d´Escoto Brockmann, einem unverändert dem Kommunismus huldigenden Befreiungstheologen und Sandinisten ( gestern sang er im nicaraguanischen Fernsehen das Loblied Fidel Castros, als von Gott gesandtem Apostel) und den im Artikel beschriebenen Vorkommnissen in Rom dem letzten und größten Optimisten klar sein.
    Die Katastrophe ist da! Gnade uns Gott!

  2. Kardinal Suenens und Dom Helder Camara sind ganz wunderbare Vorbilder, Chapeau Papst Franziskus!

    • Diese Art von Theologie führt doch vom Glauben weg. Wie kann man nur diesen Lehren, die weltweit gescheitert sind, noch nachrennen ? Für mich unverständlich.

  3. „verwirrte Katholiken“
    als Vorbilder für (verwirrte?) Katholiken anzupreisen
    und dies aus dem Munde des Inhaber des Petrusamtes -
    wie kann diese Verwirrung noch getoppt werden?

    Es ist zu hoffen, dass sich H. Camara noch vor seinem gewaltsamen Ableben bekehrt hat.

  4. Zwar bedeutet „Charisma“ ursprünglich „Gnadengeschenk“ (durch Gott), aber der moderne Charismatismus ist ein Phänomen, das das 20. Jh geboren hat.

    Er ist die Grundlage der kollektiven Bewegungen, gleich ob sie nun faschistisch, links, konservativ-traditionell oder „bunt“ daherkommen. All diese Bewegungen bedürfen der Integrationsfigur, des „Führers“ oder eines charismatischen „Heiligen“, und alle lösen die persönliche Verantwortung in diese charismatische, an die Führungsgestalt delegierte Verantwortung ab.

    So seufzte die frühe Kirche unter dem spätantiken Charismatismus (mit charismatischen Monarchen an der Spitze des römischen Reiches) und so endet sie wohl mit nur ganz wenigen echten Gläubigen, bevor der Herr wiederkommt.

    Die charismatische Struktur hat die persönliche Kreuzesannahme des einzelnen abgelöst. Man will hier einen Platz, an den man sein Haupt legen kann! man will eine „Kirche“, in der alles nach den eigenen Vorstellungen und dem eigenen Horizont „stimmt“, „richtig“ ist, wo „die Welt noch oder wieder in Ordnung ist“. Und das sind beileibe nicht nur Progessisten, die so ticken – die Tradis sind ganz genauso strukturiert!
    Man sehe sich diesen Pius-Jugendpropagandafil an, beachte auch die kitschig-einlullende Kaufhausmusik dazu, dann wird klar, was ich meine: http://pius.info/video/jugendarbeit-kjb/8668-brueggemann-kreuzweg-piusbrueder-piusbruderschaft-berlinale

    Ja, in Hebr. 13. 13 hat aber der heilige Paulus das Programm der Christen formuliert:

    „Lasst uns also zu ihm vor das Lager hinausziehen und seine Schmach auf uns nehmen.
    Denn wir haben hier keine Stadt, die bestehen bleibt, sondern wir suchen die künftige.“

    Und genau dies steht der charismatischen Gesinnung entgegen, die das Kreuz Christi verschweigt oder ästhetisiert (in der „korrekten“ Liturgie) und an die Stelle Kollektiverfahrung im Glauben setzt.

    Diese Gesinnung ist das einigende Band verschiedener Christen, auch unter Katholiken, und es muss nur noch einer kommen und die Harmonisierung des scheinbar Auseinanderstrebenden schaffen.

    • Der Charismatismus ist ganz eindeutig ein modernes Phänomen, das auf bestimmte unbestimmte religiöse Bedürfnislagen (Emotionalität, persönliche Erfahrung) reagiert, und auch ich sehe die Bewegung zwiespältig, weil meiner bescheidenen Ansicht nach der Hl. Geist die bewusste Zuwendung zu Gott fördern will – wo diese Bewusstheit nicht vorhanden ist oder die Anwesenheit des Hl. Geistes bewusst nicht ausgehalten werden kann, kommt es eben zu Ohnmachten, schlaf- oder tranceähnlichen Zuständen, die spirituell nicht ungefährlich sind. Um eine gnostische Terminologie zu verwenden: es handelt sich um Psychiker. Meine mystischen Gewährsmänner bzw. -frauen warnen auch davor, charismatische Gaben zu ernst zu nehmen und mystische Verzückungen geradewegs zu suchen. In ihren Augen handelt es sich um vorübergehende Phänomene, die verschwinden und auf keinen Fall Ziel des mystischen Weges sind, nein, man irrt, wenn man glaubt, solche Zustände könnten einem die Bewusstwerdung ersparen, und das wäre auch mein Kritikpunkt.

      Dennoch sehe ich darin kein Endzeitphänomen. Es ist eine Mode, eine Art religiöser Regression, die wieder verschwindet. Die Zeit wiederholt sich, wenn auch auf anderer Ebene. Die Neuzeit wurde ja eingeleitet durch Bewegungen, die antike Formen wiederbeleben wollten (das gilt sowohl die Reformatoren als auch die Renaissance-Humanisten). Und es ist doch auffallend, dass man sich heute mit ähnlichen Phänomen auseinandersetzt wie zur Zeit der ersten Christen: einer heidnischen, hedonistischen Umwelt; Charismen innerhalb der Gemeinde; gnostisch-esoterische Strömungen; dem Verhältnis von Glaube und (griechischer) Vernunft (wie viele Theologen, die das platonisch-aristotelische Erbe aus der katholischen Theologie als quasi unrein aussondern wollen), das Verhältnis zum Judentum, die Mission … Fast alles ist auf dem Prüfstand.

      • … der Heilige Geist wurde von Jesus verheißen als „Tröster“, als der Gefährte, der die Jünger durch das Kommende hindurch begleiten wird, der in Hitze Kühlung, in Kälte Wärme spendet, im Hunger sättigt, der Tränen abwischt und in der Freude stärkt, der wie eine warme, ganz durchsichtige und trockene Flamme unsere Seele läutert und durchdringt, der Gefühlsduselei von echter Liebe scheidet, denn diese echte Liebe ist scharf wie ein zweischneidiges Schwert…denn ER ist der Geist der Wahrheit!

        Man kann das alles lesen, vor allem in der Schrift und den alten Pfingst- und Heiliggeist-Hymnen.
        Am wichtigsten ist aber folgender Satz aus der Litanei an den Hl. Geist:

        „Dass Du uns mit Deiner heiligen und wirksamen Gnade in allem zuvorkommen, begleiten und nie von uns weichen wollest – wir bitten Dich, erhöre uns!“

        Mit irgendwelchen Verzückungen hat das wohl weniger zu tun, obwohl es sie gibt. Aber leicht hat man sie sich eingebildet, und ich habe gerade bei Edith Stein gelesen, wie sehr Johannes vom Kreuz, der selbst wohl einige Kreuzesvisionen hatte, doch davon abriet, solche Erfarungen zu suchen. Wer sie hat, wird sie wohl eher nicht an die große Glocke hängen, sondern dem Beichtvater zur Überprüfung erzählen.

        Ich denke, es bleibt stehen, trotz einiger mystischer Gnaden bei einzelnen Menschen, dass der Heilige Geist der persönliche Tröster und Erkenntnisstifter des einzelnen Gläubigen ist. So hat sich an Pfingsten keine kollektive Geistausgießung vollzogen, sondern j e d e r erhielt offenbar seine eigene „Flamme“, und das wurde auch so wahrgenommen und tradiert.

        Es ist ein großes Problem, dass ohne aktuelle Lehrautorität (und das ist unser objektiver Zustand unter den häretischen Päpsten) noch viel mehr als je zuvor auch diese angeblichen Geistesgaben eskalieren müssen.

        Das hatten wir in der Tat noch nie – zwar ist das charismatische Getue alleine kein Endzeitzeichen, aber eingebettet in die vielen anderen Zeichen aus meiner Sicht schon.

      • Der Vergleich Spätantike und Jetztzeit:

        In der spätrömischen Dekadenz gab es Brot und Spiele, die mit dem Götterkult verbunden gewesen sind, woran die Christen aus nachvollziehbaren Gründen Anstoß nahmen. Das obligate Götteropfer war vom Inhalt losgelöst, da es egal gewesen ist, ob man dem Glauben schenkte oder nicht, Hauptsache man hielt sich an den Gruppenzwang. Heutzutage leben wir ebenfalls in einer Käseglocke der bräsig machenden Unterhaltung für den „Pöbel“. Die omnipräsente okkulte Symbolik, die das mit sich bringt, wird nur von wenigen moniert. Und diese okkulte Symbolik hat Otto Normalverbraucher in seinem Leben zu verinnerlichen, auch wenn er nur extrem wenig bis gar keine Ahnung hat, was mit ihm dort geschieht. Wenn man sich dem allerdings verweigert, wird man vom „Mainstream“ als nicht vollwertiges Mitglied der Gesellschaft betrachtet, ähnlich wie dies im Römischen Reich der Spätantike vor Kaiser Konstantin gewesen ist.

      • Chlodwig,

        in den üblichen Darstellungen der Spätantike pflegt man diese mit Konstantin beginnen zu lassen. Die neuere Spätantike-forschung sieht diese Zeit übrigens auch nicht als dekadent anzusehen…

    • Zeitschnur,

      als gute Katholiken wollen wir die Bibel richtig – also nach den Loccumer Richtlinien – zitieren. Bitte Hebr 13,13 (kein Punkt nach der Abkürzung und Komma zwischen Kapitel und Vers). Allgemeinverständlichkeit und saubere Zitierweise sind kostbare Güter. Der Hl. Thomas von Aquin ist da ein gutes Vorbild!

      • Welch ein theologisches Niveau und v.a. welch eine Glaubensseichte!

        Nun ist der „gute Katholik“ also inzwischen daran erkennbar, dass er sich nicht vertippt?

        …aber mit offenen Häretikern haben Sie als „guter Katholik“ keinerlei Probleme – wie Sie oben kundgeben?

        Nun denn, hoffen Sie drauf, dass eine fehlerfreie Tipptechnik Ihnen einen vollkommenen Ablass gewähren wird…

      • Zeitschnur,

        warum so aggressiv. Ich habe Sie nur auf die korrekte Zitierweise der Bibel hingewiesen, weil zum guten Argument auch die gute und korrekte Zitierweise gehört.
        Sie haben – es sei denn, Sie sind in der Glaubenskongregation – kein Recht, über andere zu urteilen, sie seien häretisch. Sie dürfen selbstverständlich vorbringen, wo Sie Probleme sehen, aber das Urteil sprechen, das dürfen Sie nicht. Das ist Amtsanmaßung. Ich finde Em. Suenens und Dom Helder Camara für sehr bewunderungswerte Menschen – aber ich maße mir auch nicht an, sie als Heilige auszugeben. Das darf nur der Papst.
        Was macht Sie eigentlich in Ihrem Urteil so sicher?

      • Gott hat mir einen Verstand gegeben und die Kirche hat uns seit Jahrhunderten Definitionen und Verwerfungen nicht nur eingeschärft, sondern auch zur rettung des seelenheils im Falle ausfallender Autorität zur Verfügung gestellt.

        Ich habe nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, diesen Definitionen zu gehorchen. Als „guter Katholik“…

        Solange „wir“ nach den Loccumer Richtlinien korrekt zitieren „wollen“ (was soll eigentlich Ihr Krankenschwesternjargon?), kann A auch nonA sein und die Welt ist im Lot.

      • @Alberto Knox,
        Sie haben mich richtig zum Lachen gebracht:
        Sie friemeln mit Pünktchen bei den Abkürzungen herum während im Orient und in Afrika Christen en masse massakriert werden.
        Nicht zufälligerweise ist Ihr Namenspate „Alberto Knox“ ein Philosophieprofessor aus „Sophies Welt“- und sein Gegenüber, der „Major“ bei den UN-Truppen im Libanon.
        Gerade bei den Postings aus der ersten Frontlinie sind Sie immer abwesend bzw. schweigen Sie. Fürwahr keine ruhmreiche Leistung.
        Was ihr Aussagen zu der Spätantike betrifft:
        Die meiste Historiker lassen diese mit Diocletian (284) und der Tetrarchie anfangen;
        und @Chlodwig hat natürlich mit seinem Terminus „Dekadenz“ recht, als gerade die schnelle Folge der Soldatenkaisern und die zunehmende unterschiedliche Schicksäle der Provinzen auf einen zunehmenden moralischen und administrativen Mißstand hinweisen (Alexander Demandt).

  5. Das geht es ja richtig rund im Jahr 2017. 500 Jahre Reformation, 50 Jahre charismatische Erneuerung und 100 Jahre Fatima. Wenn der Himmel nicht eingreift weiß keiner mehr wo er hingehört.
    „Das „dichterische“ Schaffen Camaras endet mit einer Anrufung der Gottesmutter, Gott Vater zu bitten, „nicht an der Geburt von Monstern mitzuwirken“.“
    Was das sein soll erschließt sich mir im Moment noch nicht. Wenn ich mal Langeweile habe denke ich darüber nach.
    Per Mariam ad Christum.

    • „1967 ereignete sich bei einem Treffen an der Universität Duquesne in Pennsylvania jene Initialzündung, die unter protestantischer Anleitung zur Gründung der Charismatischen Erneuerung in der Katholischen Kirche führte.“
      Das hatte ich zuerst noch gar nicht gelesen. Eine Initialzündung unter protestantischer Anleitung? Na wenn das kein Spaß wird im Jahre 2017 dann gibt es auch kein Humor mehr.
      Per Mariam ad Christum.

      • „Wir sind geboren unter Paul VI., wir sind herangewachsen und herangereift unter Johannes Paul II. und mit ihnen beginnt nun diese außergewöhnliche missionarische Saison.“ Benedikt XVI. war offenbar für die charismatische Bewegung kein Anstoß, jedenfalls kein erwähnenswerter.“
        Und ich bin am Fatimatag zur Kommunion gegangen und das auch noch vor dem Konzil. Habe ich was verpasst?
        Per Mariam ad Christum.

  6. Ich habe mich schon mehrmals zur sog. charismatischen Erneuerung hier und anderswo geäußert es sind dies zwei Beobachtungen die zur Berurteilung der CE beiträgen könnten. Ich möchte anmerken dass ich durch meine Erfahrungen mit der CE und meinem traditionellen Hintergrund der CE mehr als kritisch gegenüberstehe:

    1. Die frühe Kirche hat HEIDNISCHE Elemente getauft und in den Glauben integriert. Und ich rede hier nicht nur von ehemaligen Tempeln die zu Kirchen wurden. Das geht bei den Bekleidungen für den Klerus los und endet bei der Theologie des logos. Nun haben wir hier ein Phänomen nämlich den Charismatismus der eindeutig außerhalb der Kirche enstan un nicht etwa bei Heiden sondern bei Protestanten welche den Großteil des Glaubens an den Herrn Jesus mit uns teilen. Für die Integration der Charismatik in die Kirche war es jedoch nötig die Elemente der Eucharistie und der Marienverehrung hinzuzufügen und das Amtspriestertum als einzige Autorität der Unterweisung der Gläubigen festzusetzen-wenngleich es auch viele Laien Prediger gibt.

    Sicherlich gibt es aus traditioneller Sicht viel vor allem zur Liturgie der CE zu sagen. Aber nun gibt es eine große Bewegung und man muss richtig damit umgehen. Ich sehe dort auch eine große Wundersucht und einen hohen Druck alles mitzumachen (das habe ich einmal selbst miterlebt-Blicke sagen mehr als tausend Worte!). Außerdem stehen die agierenden Personen-Heiler/Prediger-sehr im Mittelpunkt.
    Was ich jedoch gut finde ist die Offenheit und das aktive Leben und Weitergeben des Glaubens vor allem auch an jene für die die Kirche ein Club von alten Leuten ist die wenig attraktiv sind.

    Ich denke das Konzil hat eine größere Vielfalt gebracht-gerade in der Westkirche was Liturgie und Ausdrucksformen angeht. Ich persönlich finde es nicht gut aber aus „pastoraler“ Sicht ist es nötig da mehr Menschen mit dem Heil in Berührung kommen und eine Heimat finden können.

    PS: Natürlich sind diese beiden „Paten“ der CE ein „no-GO“! Soweit ich das aber einschätze sind alle bei der CE gerade auch was Moral angeht sehr kirchentreu. Ich denke Suenes wollte diese Bewegung instrumentalisieren weil sie eben anders war als die Kirche vor dem Konzil. Aber da hier wohl wirklich der heilige Geist wirkt und nicht der Zeitgeist den er verehrte sind sie genauso katholisch wie man sein muss um ein guter Katholik zu sein. Da hat er sich wohl geschnitten.
    Ich habe mir dieses ganze Event auf italienisch angeschaut und das Auslassen von Benedikt war wie ein Stich ins Herz- 8 Jahre einfach unter den Tisch gekehrt. In der öffentlichen Wahrnehmung und auch aus Sicht der Ratzinger-Feinde, welche jetzt das Sagen in Rom haben, schließen wir mit diesem Pontifikat im Jahre 2005 an-nach dem Tod vom hl. Johannes Paul II.

    • Wieso Stich ? Benedikt hielt von diesem Hokuspokus und dem Getue offenbar nichts. Dazu sage ich nur, dass er Recht hat. Diese Erscheinung hat mit Kirche nichts zu tun.

  7. Hoffen wir, dass sich die Charismatiker nicht solche falschen Messiase als Vorbild nehmen.

    • vielleicht läuft es ja auch insgesamt auf die Wegbereitung EINES falschen Messias hinaus,denn nichts geschieht ohne Grund,auch auf der „Gegenseite“ nicht!

  8. Der Gegensatz zu den Protagonisten des 2. Vatikanischen Konzils und Herrn Bergolio bzw. Franziskus schlechthin:
    „Weihe an den Heiligen Geist
    (Hl Pius X.)
    Heiliger Geist, Du Geist Gottes, Geist des Lichtes und der Liebe, ich weihe Dir meinen Verstand, mein Herz und meinen Willen, mein ganzes Sein für Zeit und Ewigkeit. – Mein Verstand soll stets willig auf Deine himmlischen Einsprechungen hören und auf die Lehren der heiligen katholischen Kirche, deren unfehlbarer Lenker Du bist. Mein Herz sei stets entflammt von Liebe zu Gott und zum Nächsten. Mein Wille sei stets dem Willen Gottes gleichförmig. Mein ganzes Leben sei ein getreues Abbild des Lebens und der Tugenden unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Ihm, sowie dem Vater und Dir, dem Heiligen Geiste, sei Ehre und Ruhm in Ewigkeit. Amen.“

    Hl. Pius X., bitte für uns!

  9. Das charismatische Treiben in Rom hat mittlerweile seine Historie und beginnt, wie kann es anders sein, mit dem bald „heiligen Paul VI.“ Hier eine Kostprobe aus dem Buch: DIE UNTERMINIERUNG DER KIRCHE. Paul VI. fand sich allmählich in seltsamer Gesellschaft wieder. Da kamen in den Vatikan Rodman Williams von der Melodyland School of Theology in Anaheim/Kalifornien, der Südafrikaner Dr. David du Plessis, D., bekannt unter dem Namen „Mr. Pfingsten“, Oberhaupt des Welt-Pfingst-Konzils, der anglikanische Pfingstler-Führer Michael Harper und der deutsche Arthur Bittlinger. Er begrüßte sie in Privataudienz und versicherte ihnen, sie hätten sich „mit geistlichen Hilfsquellen befaßt, deren die ganze Menschheitsfamilie dringend bedarf. Laßt uns gemeinsam voranschreiten und mit Gelehrsamkeit und Sorgfalt hören, was der Geist uns heute sagt, bereit, mit Freude und Zuversicht in die Zukunft zu gehen“.
    Dann, am Pfingstsonntag, strömten Tausende von Katholiken, die ihre Zuflucht zum Pfingstlertum genommen hatten, in den Petersdom. Mehrheitlich aus den Vereinigten Staaten, aber auch aus Irland, Kanada, Indien, Mexiko und einem Dutzend weiterer Länder kommend, erlebten sie einen Morgen, der so bizarr und noch ein gut Teil wilder ablief als Papst Johannes Pauls Extravaganzen zehn Jahre später in Assisi. Die Charismatiker, meist mittleren Alters, standen da, das Gesicht den großen gewundenen Bernischen Säulen des Hauptaltars zugewandt, winkten mit einer Hand und hielten mit der anderen ein japanisches Transistorradio in die höhe, während Tausende anderer überall auf dem Marmorboden in Gruppen zusammengedrängt mit umschlungenen Armen saßen. Plötzlich ließ sich über Mikrofon eine laute männliche Stimme vernehmen. Selbst im Michigan- Akzent war ihre Botschaft gewaltig: „Wißt, daß ich, euer Gott, Petrus und Paulus nach Rom brachte, damit sie meine Herrlichkeit bezeugten. Nun habe ich, euer Gott, mich entschlossen, euch nach Rom zu bringen. Hört, mein Volk! Ich spreche zu euch von der Morgendämmerung eines neuen Zeitalters. Meine Kirche wird anders sein. Mein Volk wird anders sein. Bereitet euch vor! Öffnet eure Augen!“
    Siebenhundert katholische Priester, meist Amerikaner und frisch zu diesem Kult bekehrt, konzelebrierten am Papstaltar mit dem strahlenden Kardinal Suenens von Mecheln-Brüssel. Die Priester bewegten sich zur Kommunionspendung durchs Mittelschiff und teilten die heiligen Hostien händeweise aus, damit sie von Hand zu Hand weitergereicht würden, wobei viele davon auf den Boden fielen. Dann kam von einem kleinen Seitenaltar her die Stimme des Papstes. Nach einer zehnminütigen Lobeshymne auf die Charismatische Bewegung warf er seine Arme hoch und rief dabei laut: „Jesus ist der Herr! Hallelujah!“

    • furchtbar,aber offenbar wahr.PaulVI war mir schon zu Beginn widerwärtig-vor dem Konklave liess er sich mit der Botschaft „jetzt kommt dann der Diakonat der Frau..“von den Fernsehfritzen filmen.Bei seiner ersten Benediktion-wie ich ihn hörte glaubte ich die gewaltige Stimme eines höllischen Dämon zu hören.Dennoch habe ich stets zu ihm gehalten als Papst der kath.Kirche und ihn manchmal contre coeur verteidigt.Von den eigenen Progressisten wurde er heruntergemacht und verhöhnt.Pillenpauli genannt etc.Ich glaube letztendlich wurde es sehr einsam um ihn-gnadenvoll-ratione aeternitatis-sicher hat das zu echten Reue und Umkehr geführt,(was ich ihm aus ganzer Seele wünsche)-konnte er doch sonntags am heutigen Fest Christi Verklärung heimgehen.Aber es fiel mir ein gewaltiger Wacken vom Herzen-der leider jetzt wieder da ist.

      • will da gar nicht zu hoch einsteigen mit Dämon und so. Bin Baujahr 1972 und hab ihn folglich nicht wirklich live erlebt. Aber was man so liest (z.B. das Konzilsbuch von Roberto di Mattei), da muß ich eher an den Zauberlehrling denken, der alle möglichen Besen (z.B. Suenens oder auch Alfrink, Rahner, Küng und zu viele andere) aus der Ecke holt, die ihm dann auf dem Kopf rumtanzen und nicht mehr eingebremst werden können…

      • Liebe Frau Züger,

        als Latein-Pleitier habe ich Schwierigkeiten mit entsprechenden Einfügungen und Zitaten. Bitte haben Sie Erbarmen mit mir. Ich möchte alles verstehen können, was Sie schreiben.

        Das gilt für andere ebenso, wenn sie auf englische Seiten verweisen. Da wäre es auch besser, den Inhalt kurz darzustellen.

  10. Warum fällt mir bloss bez. nachfolgendem Zitat von Kardinal Suenens die Bezeichnung „Abbruch-Bewegung“ ein ?!
    -
    „Das zweite Vatikanische Konzil beendet das Zeitalter der Gegenreformation. Natürlich hat die Klimaveränderung nicht die wirklichen Lehrunterschiede beiseite geräumt, und manche mögen sagen ‚die Gletscher mögen schmelzen, doch die Alpen bleiben bestehen‘. Diese pessimistische Sicht können wir nicht teilen. Schon heute gibt es Menschen, die in die Selten der Berge hineingraben, ihre Widerstandskraft herausfordern und Tunnel vorantreiben“
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    Und warum fällt mir zu folgendem Zitat des Kardinals bloss die beabsichtigte „humane Weltreligion“ ein?!
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    „Nichts wird das Papsttum von jedweden Verdacht des Absolutismus freisprechen als der tägliche geübte Vorrang des Dienens, der mehr Wirkung haben wird als alle Lehrstreitigkeiten….ohne zeitliche Macht zu besitzen, hat die Kirche des II. Vaticanum nur das eine Ziel; der Welt zu helfen, indem sie die Menschen von Unwissenheit, Misstrauen und brudermörderischen Hass befreit, und ihr behilflich zu sein gemeinsam mit allen Mächten des Friedens den Humanismus von morgen zu bauen“
    -

    • Lieber defendor,

      diese zwei Zitate sind erschreckend.

      Das erste bestätigt mein Urteil, daß unter dem Geist des Konzils die Fortsetzung von 1517 betrieben wird.

      Das zweite macht in erschreckender Weise die Vertrottelung des Denkens sichtbar.

      Zu gern würde ich manche Texte, die Sie hier einstellen, für mich greifbar halten, aber dazu fehlen mir die Kenntnisse.

      Bitte weiter so.

  11. Unter den verschiedenen Kommentaren finden sich treffliche Analysen, ich brauche die nicht zu wiederholen, sondern kann für dieses Phänomen auf andere Aspekte hinweisen:
    Schon vor dem 2. Vatikanischen Konzil gab es ein enormes Defizit an Heilig-Geist-Verehrung in der katholischen Kirche. Natürlich wird die dritte göttliche Person in den Verehrungsformeln immer mit genannt, doch „dogmatische Korrektheit“ bewirkt nicht automatisch eine personale Beziehung.

    Die FSSPX, die man wahrscheinlich als die „vorkonziliarste Vereinigung“ der katholischen Kirche bezeichnen kann, kennt kaum die Heilig-Geist-Verehrung außer den vorgeschriebenen dogmatisch-liturgischen Formeln. Ausgenommen ist nur die Zeit der Firmung, da werden die Firmlinge richtig vorbereitet. In weiten Kreisen der vorkonziliaren Kirche war es nicht anders. „Der Heilige Geist, der unbekannte Gott“, sagte man schon vor dem 2. Vatikanischen Konzil. Wo eine starke Lücke ist, ein enorm großes Defizit herrscht, das nicht bewusst ausgefüllt wird, haben ungeordnete Kräfte, Gefühlsschwelgereien, die bis zur Häresie führen, ein leichtes Spiel. Der Glaube an den Heiligen Geist, an sein Wirken, führt dann weg aus der eigentlichen Lehre, wird „autonom“, führt weg von Jesus Christus, von der heiligsten Dreifaltigkeit. Natürlich gibt es unter den „Pfingstlern“ gemäßigte Gläubige, aber die Tendenz ist nicht zu bestreiten.

    Erschwerend kommt hinzu: Mit der Messe Paul VI. haben die Katholiken ihr geistliches Zentrum verloren, ihre Identität. Natürlich gab es schon vor dem 2. Vatikanischen Konzil eine lange Vorlaufzeit. Auch das Messopfer als das „Zentralgebet“ der Katholiken, kann eine Fehlentwicklung nicht aufhalten, wenn die Gläubigen nicht angehalten werden, ihr geistliches Leben daran auszurichten. Wenn der Klerus dazu nicht mehr fähig ist. In der katholischen Kirche ist das Zentralsymbol das Kruzifix. Wird es beiseite geschoben, verlieren die Katholiken ihre geistliche Identität, der Klerus genauso wie die Laien.
    Wir wissen es: Menschen mit einer schwach entwickelten Identität sind anfällig für Massenbewegungen, in denen Begeisterung, Emotionen vorherrschend sind auf Kosten der Vernunft, auf Kosten der inneren Mitte, auf Kosten der verbindlichen Glaubenslehre.

    Das „Pfingstlertum“ einerseits und die „Seherinnensucht“ , die in stark traditionalistischen Vereinigungen weit verbreitet ist, haben trotz der inhaltlich nicht vereinbaren Unterschiede eine gemeinsame Wurzel: das Verkümmern von zentralen Glaubenswahrheiten, die fast bedeutungslos sind für das geistliche Leben, das Gebet.

    Helder Camara und Suenens hatten ein relativ leichtes Spiel: Sie sind in eine große Lücke gestoßen. Sie haben sie ausgenutzt, nicht zu verantworten.

    Die fast fehlende Heilig-Geist-Verehrung und die defizitäre Verehrung des Erlösers Jesus Christus hängen zusammen. Der Heilige Geist hat keine neue Lehre zu verkünden, sein Wirken ist hingeordnet auf Jesus Christus, auf die heiligste Dreifaltigkeit.

    • Die heiligste Dreifaltigkeit ist aus dem geistlichen Leben von vielen katholischen Priestern und Laien fast „ausgeschieden.“ Sowohl Priester, die dem vorkonziliaren Glauben anhangen als auch Priester, deren Glaube durch den Synkretismus des 2. Vatikanischen Konzils geprägt ist, befinden sich hier in holder Eintracht.
      Priester aller Couleur predigen fast grundsätzlich nicht mehr über die heiligste Dreifaltigkeit. Wenn es gut läuft, dann nur noch am Dreifaltigkeitssonntag. Aber auch das ist nicht gewährleistet.
      Die Krise der Kirche ist eine Krise der Priester.
      Pius X. konnte nicht genug warnen vor dem fehlenden Glaubenswissen. Das dann durch Sentimentalität ersetzt wird. Er blieb weitgehend einsam, auf ihn wurde kaum gehört.
      Die meisten Katholiken in unseren Breitengraden haben diesen verdünnten Glauben, der ihnen gepredigt wird, längst aufgegeben.

      Andere suchen Ersatz bei den Pfingstlern. Wenn die katholischen Priester in ihren Unterweisungen, in ihren Predigten nicht zu zentralen Glaubenswahrheiten zurückkehren, gehört den Evangelikalen die Zukunft. Herr Bergoglio führt diesen Trend an. Er lädt fast unaufhörlich ein. Er ist ein Evangelikaler im Gewand des Papstes.

    • Das ist wie in der modernen Schulpädagogik: Die Schüler dort abholen, wo sie stehen, mit immer neuen Anspracheformen. Leider war dieser SozPäd-Ansatz in den 60ern der allerletzte Schrei und das absolute Heilmittel und somit wohl auch die dominante Denke auf dem Konzil.

      Was man mir (Jahrgang 1972) allerdings noch erklären müßte: Das Konzil und seine Folgen (z.B. Liturgiereform) konnte anscheinend zumindest in Europa offene Türen einrennen, mir ist nichts von Protesten der Gläubigen bekannt und die Anhänger von Lefebvre waren wohl eine deutliche Minderheit. Was ist denn schon vor dem Konzil schiefgelaufen, dass man dann die Kirche durch das Konzil und noch mehr seinen ominösen Geist so abwracken konnte???

      • Die Katholiken vor dem Konzil waren so felsenfest davon überzeugt, dass der Pfarrer, der Bischof und der Papst immer und überall recht haben, dass sie treu und brav alles mitgemacht haben, weil der Pfarrer es so gesagt hat.
        Es gibt da eine Geschichte dazu:
        Fürbitten „Wir bitten dich Herr, dass Persil auch in Zukunft noch weiser wäscht!“
        Gemeinde „Wir bitten dich erhöre uns!“

      • Lieber @Kostadinov – Die Masse ist nicht nur physikalisch träge und lässt sich nur ungern auf eine Position ein, die einer persönlichen Entscheidung konsequent folgt, aber als rückständig und gegen die grosse allgemeine Modernität steht. Das waren damals die Zeiten der seelenlosen Betonkirchen und Betonköpfe-Bauten: je gottloser und frecher jemand war, desto eher wurde dessen Projekt gefördert und realisiert. Es waren Tage des hochgejubelten „Fortschritts“ und des agressiven, Ideale vertreibenden Wohlstands. Der Klerus konnte sich dem leider kaum entziehen. So wurden Priester, die voller Begeisterung zur Kirche und ihrer erhabenen Sendung standen in unglaublicher Naivität zu Funktionären, die bedenkenlos die Altäre zum Volk hindrehten.

      • Lieber Kostadinov,
        das ist eine sehr interessante frage, die Sie stellen. Ein paar (laienhafte) Gedanken dazu: Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben. Natürlich gab es dann das „Volk Gottes“, das sehnsüchtig „dem Konzil“ entgegenfieberte, dann befreit „die frische Brise“ schnupperte, die durch die „geöffneten Fenster“ hereinströmte und den muffigen, staubig-abgestandenen, jahrhundertealten Mief kräftig durchwehte. Das Volk, das sich dann begeistert auf „neue Wege“ wagte und lachend die Warnungen der „Unglückspropheten“ verwarf und in „Zeltkirchen“ als „Volk Gottes auf dem Weg“ Zwischenstation machte. Wer wollte dann nicht dazugehören, zu dieser neuen Zeit? Wer wollte da abseits stehen, wo doch Gemeinschaft angesagt war?
        Es gab gewiss zahlreiche Geistliche und Laien, die nicht mehr verstanden, was da vor sich ging, die ihre Kirche nicht mehr wiedererkannten (Professoren, die „emeritiert“ wurden, Ordensschwestern, die ihr Habit liebten und es ablegen mussten, das sprichwörtliche „alte Mütterchen“…) – wie haben sie (schweigend) gelitten. Aber über sie wurde nicht geschrieben, sie wurden nicht gehört. Ihre Geschichte müsste noch geschrieben werden.
        Was ist vor dem II. Vatikanischen Konzil schiefgelaufen? Hier muss man wohl verschiedene Dinge unterscheiden: Die gute Vernetzung und Vorbereitung best. Gruppen innerhalb der Kirche, die äußeren politischen Rahmenbedingungen und bei den Gläubigen gab es wohl eine zu große Autoritätsgläubigkeit (wenn es „kindliches Vertrauen“ in die Autoritäten ist, soweit verständlich), vielleicht war der Glaube zu schwach … aber der letzte Punkt ist reine Spekulation.
        Ihre Frage liefert den Stoff für viele historische Untersuchungen…

    • „Maria erscheint einem Mitarbeiter des Papstes und bezeugt die göttliche Aura, die ihn umgibt…“
      Das nächste mal wird noch besser. Dann wird der Mitarbeiter berichten das Maria erklärt hat das Bergoglio selber Gott ist. Ironie aus.
      Per Mariam ad Christum.

    • Monsigore Karcher ist ein echter Kracher. Wie kommt er dazu, so einen bodenlosen Blödsinn zu erzählen. Hat ihn jemand dazu angestiftet? Leider kann ich den Originalartikel in diesem Papolatrieblatt nicht einsehen. Wenn ich mir aber die vielen grinsenden Gesichter auf der Loggia neu betrachte, so kann ich jetzt erst mein eigenes geschocktes Erstarren evozieren, als ich diese argentinische Burleske am 13.3.13 am Bildschirm miterlebt habe. Ein nicht enden wollender Albtraum!
      Blasphemie färbt wohl zwangsläufig auf die Umgebung ab.

      • Leider ! Kann denn dieser argentinische Horrortango nicht endlich mal aufhören? Wir tangieren die Grenze zur Zerstörung des Glaubens bei vielen Menschen.

    • Na also- es geht schon los. Genau, wie wir es schon immer befürchtet hatten. Jetzt noch ein paar Wunder und Bergoglio wird Teil der Heiligsten Dreifaltigkeit. Wenn es nicht so traurig wäre, dann müsste man drüber lachen. Aber bei Bergoglio und bei den Möglichkeiten, die er hat, ist mir das Lachen schon lange vergangen.

  12. Wie die Kleider wechselten, wurde über religiöse Gefühle einfach hinweggetrampelt. Ein einfacher Pfarrer, ein an der Situation fast zerbrechender guter Mensch sagte zu Beginn der verordneten Luthermesse (fast Punkt für Punkt von Bugnini, was von Andreas Bodenstein von Karlstadt im Auftrag Luthers damals elaboriert wurde) sagte: „Aber Christus wird uns dennoch nie verlassen bis zu Seiner Wiederkunft!“ Ein Priester, der bat, die tridentinsche Messe zu feiern, wurde bei einer bischöflichen Visitation abgefertigt: „Da müssen sie halt einen Antrag stellen bei der Bischofskonferenz“-. Die Bischofskonferenz hat aber in der Jurisdiktion nicht über einzelne Gläubige zu gebenedeien – da ist der Bischof in seiner Diözese zuständig – das wusste der besagte Weihbischof nicht. Es waren für Priester, die einfach in der Kirche bleiben wollten, furchtbare, schreckliche Jahre. Heute kaum zu denken, dass das damals schon so schlimm war. Da hat damals niemand einen richtig breitgelagerten Aufstand gewagt. Die Kirche ist die Kirche, der Papst der Papst. Ebenso wenig wie vor Bergolio es einer gewagt hätte, vom Teufel und seinen Knechten zu sprechen. Paradoxerweise.

  13. @zeitlos
    Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen:
    Ich bin in den 40- er und 50- er Jahren katholisch sozialisiert worden.
    Wenn ich an der katholischen Lehre etwas als Mangel empfunden habe , war es die mangelnde Lehre von Hl Geist.

    • Sie empfinden einen „Mangel in der katholischen Lehre“?
      O, das klingt aber bedenklich!
      Es ist allerdings ein rein subjektives Urteil – es kommt nicht drauf an, was wir als Mangel „empfinden“, sondern darauf, was objektiv Lehre IST.
      Wir sind doch gehalten, das zu glauben, was uns das Lehramt als zu glauben vorgelegt hat…nein?

      Im übrigen wurde in echt katholischen Kreisen immer eine gewisse Heiliggeistfrömmigkeit gepflegt.
      Auch zeugt der unbeirrt ausgefochtene Streit um das Filioque, wie sehr die RKK den Heiligen Geist verehrt hat!
      Leo XIII. hat das 20. Jh dem Hl. Geist geweiht (hier die entsprechende Enzyklika: http://de.wikipedia.org/wiki/Divinum_illud_munus).
      Pius XII. hat in der Enzyklika über die Herz-Jesu-Verehrung den heiligen Geist besonders hervorgehoben als Ursprung der göttlichen Liebe: http://www.vatican.va/holy_father/pius_xii/encyclicals/documents/hf_p-xii_enc_15051956_haurietis-aquas_ge.html
      Pius XI. dichtete: „Heiliger Geist, der Sieg ist Dein“ (1937)

      Aber ich denke, das eigentlich und wahrhaft katholische Geheimnis ist die Inkarnation Jesu ins Fleisch, denn es ist unsere Erlösung nur daran gekoppelt, daran und nur daran:

      „Quoniam enim per hominem mors, et per hominem resurrectio mortuorum: sicut enim in Adam omnes moriuntur, ita et in Christo omnes vivificabuntur. (1. Kor. 15, 21 f) – Weil nämlich durch den Menschen der Tod, auch durch den Menschen die Auferstehung der Toten: wie nämlich in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“

      Es ist Christus, der Sohn im Zentrum des Glaubens, wie der hl. Ambrosius im Te Deum dichtete:

      „Tu Rex gloriae, Christe.
      Tu Patris sempiternus es Filius.
      Tu ad liberandum suscepturus hominem, non horruisti Virginis uterum.
      Tu devicto mortis aculeo, aperuisti credentibus regna caelorum.“

      (Du König der Herrlichkeit, Christus.
      Du bist des Vaters allewiger Sohn.
      Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht, bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
      Du hast bezwungen des Todes Stachel und denen, die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.)

      • Danke, Zeitschnur,

        Sie haben meine demütige Bitte erhört.

        Ich bin überrascht, wie viel man trotz Gnadenfünfer, aber mit einem soliden Glaubenswissen sich aus einem Text noch erschließen kann.
        Die Fehlstellen: suscepturus, horruisti, acuelo, aperuisti.

  14. Wenn das so weitergeht, werden wir bald die Allerheiligenlitanei ändern müssen. Unmittelbar nach Maria folgt dann der heilige Bergoglio und dann die südamerikanischen Revoluzzer. Auch Martin Luther und Johannes Kalvin würden sich bei der Litanei ala Bergoglio gut einfügen. Ob der gute Mann eigentlich weiß, was er da von sich gibt? Oder nuschelt er diesen Schwachsinn deshalb, weil ihm jegliches Verständnis für eine gediegene Theologie fehlt? Reden um des Redens willen- egal, welcher Irrsein dabei herauskommt. Mannometer- was haben die da bloß gewählt ?

  15. Hier wird jetzt wirklich keine Katze, sondern eine echte Jaguarunde aus dem Sack gelassen.
    Suenens gehört zu den finstersten Leuten in der ganzen Kirchengeschichte; meine einzige Kritik an diesem sehr guten Artikel v. Giuseppe Nardi ist dann auch daß Suenens hier nur recht oberflächlich gestreift wird.
    Suenens ist das typische Produkt einer schon unter Mercier irrlichternden belgischen Kirche, wo der Positivismus, Relativismus und Personalismus mit freimaurerischen Philosophien vermischt und an der damals größten katholischen Universität der Welt (Leuven) zu einem finstern Eintopf amalgamiert wurden.
    Recht dubios während der deutschen Besatzung, nach Kriegsende äusserst feige und stillschweigend, während die zunehmend von Kommunisten und freimaurerischen Liberalen durchsetzte Repression immer mehr antikatholische und antiflämische Tendenzen entwickelte (Pater Jalics SI wird hierbei sicher an Altbekanntem erinnert werden), recht farblos, theologisch kein Schwergewicht (das wird eben von seinen besten Verteidigern zugestanden), ein ausgeprägter Strippenzieher und technischer Organisator mit vielen Tricks, brachte er es nicht nur schnell zum Moderator des 2. Vat. Konzils sondern trieb es auch in eine desastreuse Richtung.
    Er bootete gekönnt die französischen Ordensgeistlichen (zuallererst P. de Lubac SI) aus, verhandelte mit den Deutschsprachigen, trieb ein scheinheiliges Spiel mit Papst Paulus VI; sich supermodern kirchlich und international gebärdend, handelte er hochnäsig und diktatorial in seinem Land, löste mit seinem „Mandement“ eine wahre Volksrevolution aus (die Regierung stürzte, die kath. Uni Löwen wurde halsüberkopf gespalten, die Föderalisierung extrem beschleunigt).
    Er selber wurde gejagt von seinen flämischen Gläubigen und ließ seine Diözese total verrotten.
    1968 versetzte er P. Paul VI einen Dolchstoß in den Rücken anläßlich Humanae vitae, wovon dieser schwerst desillusioniert war.
    Für viele unbekannt: unter Suenens nahm die pädophilisierende Tendenz i.d. belgischen Kirche ihren Anfang (z.B. J.B. als Chefkatechet, später mit dem pädophilisierendem Religionsbuch „Roeach“ verbunden; oder den Liturgieprofessor GD, später als großer Nichtswisser übrerall bekannt); die Priesterrufungen gingen unter Suenens und Danneels (v. 1955 bis 2010) um 99,4 % zurück (einsamer Weltrekord)(v. 55 jährlich bis 1x alle 3 Jahren).
    Steinernes Zeugnis ist das frühere St. Josefsseminar in St. Katelijne-Waver, an der Grenze von Mechelen und Bonheiden, ein riesiges Gebäude, 1965 geschlossen, dann leerstehend und in 1974 in aller Stille (und dies obwohl es im Zentrum der meist katholischen Gebiets v. Belgien lag) billigst verkauft- jetzt mutiert i.d. Alten-und Behindertenheim Borgerstein (auf welcher Homepage bis vor kurzem noch die palliative Versorgung und sehr freundlich bei Bedarf die Euthanasie an Ort und Stelle besprochen wurde- nach Bloßstellung durch die Kath.Aktion Flandern und die Verhaftung des Diakens I.P. in Wevelgem (Be-Westflandern) ff.

    • Adrien Antoine: Sehr interessant, vor allem aber erschütternd !

      Indes schreiben Sie, dass die Kirche in Belgien schon zu Zeiten Kardinal Merciers irrlichterte; dieser aber verstarb bereits 1926 ! http://catholic-hierarchy.org/bishop/bmercierd.html

      Können Sie dies noch etwas ausführen? Ebenfalls den Aufstieg Kardinal Suenens‘, der ja erst 1962, kurz vor Konzilsbeginn zum Kardinal ernannt wurde.

      • Geehrter @Carlo,
        Ich bitte die späte Antwort auf Ihr Posting zu entschuldigen.
        Kard. Mercier, sehr frankophil und philosophisch interessiert, der in prägenden Jugendjahren sowohl den Bismarck’schen Kulturkampf als die Commune in Paris, die französische III. Republik und die Kirchenoppression(Gesetz Combes usw.) erlebte, hat an der Kath. Uni Löwen den Einfluß der modernen Philosophie forciert (Gründung des ISP(Institut supérieur de philosophie) und eine Neuscholastik favorisiert, die im Gegensatz zu der schon lange bestehenden deutschen neuscholastische Schule eher rückgriff auf Kant, Hegel und die moderneren französischen Philosophen; es ist schon sehr lange bekannt daß der sog. Neuthomismus mit den eigentlichen Gedanken des Hl. Thomas v. Aquin nichts zu tun hat.
        Besonders gravierend war seine Patronage des Jesuitenpaters Joseph Maréchal, der experimentelle Psychologie lernte in Deutschland, dann später Jahrzehnte dieses Fach a.d. Jesuitenhochschule bei Löwen und am ISP lehrte- wobei er besonders interessiert war in der Verbindung Spiritualität und Mystik mit der Individualpsychologie.
        Aus diesem Kreis stammen u.A. Karl Rahner und Schillebeeckx.
        In den Jahren 1921-1925 führte er Gespräche mit den Anglikanen zur ökumenischer Vereinigung („Mechelner Gespräche“), argwöhnisch beäugt von den vatikanischen Behörden, wobei sein anglikanischer Gegenüber Earl Halifax war, eine der meist verrückten und wechselhaften Personen der englischen Geschichte.
        Sehr frankophil und überzeugt v. d. Superiorität der französischen Sprache möchte er anfänglich die Flamen (3/4 seines Erzbistums) nicht, wurde während und nach dem Ersten Weltkrieg fanatisch antiflämisch- inklusiv Vermaulkorbung von tausenden flämischen Priestern (meist: Vikaren)
        Bis jetzt hält sich hartnäckig das Gerücht daß Mercier Logemitglied gewesen sei.
        Anekdote am Rande: ca. 1976 erschien ein Versuch Merciers schwer angeschlagene Bild bei den Flamen zu reparieren, von der Hand v. Rob. Boudens, Kirchengeschichtler a.d. Uni Löwen, westflämischem Oblat und großem Freund v. Godfried Danneels. Zu diesem Orden (und ebenfalls aus Westflandern stammend) gehört ebenfalls Eric Dejaeger, Rezidivist und wegen massiven pädophilen Greueltaten in Nordkanada bei Eskimokindern (Baker Lake/Igloolik) im Augenblick vor Gericht. !995 verschwand Dejaeger spurlos in Canada (steckbrieflich gesucht v. d. RCMP /“Mounties“) und tauchte unter in die schöne Villa der Oblaten in Blanden (bei Löwen).
        Und hier haben alle nichts gewußt, nichts gehört, nichts gesehen- und am Wichtigsten: total geschwiegen.
        Dies irae

  16. @Carlo (Teil 2)

    Kard. Mercier wurde nachgefolgt v.d. Flamen Van Roey, Theologieprofessor in Löwen (er war theol. Spezialist bei den Mechelner Gespräche), primär interessiert an der katholischen Dominanz in Belgie (besonders politisch und socioökonomisch), sehr bauernschlau und mit besonderen Nachdruck auf Volksmission, Pastoral und nicht zuletzt religiöse Folklore.
    Er fing den bau der Hl.Herz-Basilika in Koekelberg (Brüssel) an, ließ auch das St. Jozefsseminar in St.-Kath. Waver bauen.
    In dem besetzten Belgien ängstlich und penibel nichtssagend (es würde auf großer Schal in Flandern und Wallonien für den „Kreuzzug gegen den Kommunismus“ rekrutiert), war er nach dem Krieg bei der sehr schnell antiflämisch und antikatholisch sich entwickelnden Repression ebenfalls äusserst schweigsam (und sagte hierzu erst 1955 einige Worte).
    Bei seinem Tod in 1958 war die theologische Verirrung in Belgien, besonders an der Uni Löwen, schon etwa 50 Jahre lang virulent und auch bekannt (einige sehr gute Artikel dazu auf http://www.kavlaanderen.blogspot.be) (Neben Maréchal auch Kanon. Joseph Lemaître, Schöpfer der Bigbangtheorie, stark befreundet mit Einstein, und die Garde der belgischen Theologen („la squadra belga“) die bei dem 2. Vatik. Konzil einen gewaltigen (und leider desaströsen) Impakt haben werden.
    Suenens selbst hat sich erst als junger Sekretät, später als Kanzler der Uni Löwen, hochgearbeitet und von allen Problemen ferngehalten. Im Ausland modernistisch-progressiv war er im Inland diktatorial und hochnäsig- faktisch brachte er ganz niederländischsprachig Belgien gegen sich auf, wobei die Kirche dort (wahrscheinlich von ihm gewollt und deshalb bewußt herbeigeführt) enormen bleibenden Schaden erlitt.
    Als Hobby und Kompensation beschäftigte er sich dann mit den Charismatischen Bewegungen, denen ich gerade in Flandern niemals begegnet bin.
    Der Einfluß von Suenens auf das 2. Vatikanum war enorm, sowohl durch sein eigenes Manipulieren als durch sein Einfluß und Gehör bei Kard. Montini/P. Paul VI; hier wird massiv geschwiegen, teils noch immer vertuscht.
    Aber eine Sache ist sicher: es hängt in dieser Geschichte sehr viel Schwefel in der Luft.

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