Die Prostitution der Politik – Wenn die Macht Verrat am Volk übt

US-Präsident Obama, Prototyp des Staatsührers, der die Interessen der Abtreibungs- und Homo-Lobby vertritt
US-Präsident Obama, Prototyp des Staatsührers, der die Interessen der Abtreibungs- und Homo-Lobby vertritt

(Rom) Der Chefredakteur der katholischen Internetseite „Riscossa Cristiana“, Paolo Deotto, stellt in seinem jüngsten Aufsatz die Frage in den Raum, wie von katholischer Seite darauf zu reagieren sei, daß die Staatsführer eine Politik betreiben, die Staaten und Völker des sogenannten Westens „in den Abgrund führen“. Deotto spricht davon, daß die Staatsführer untereinander geradezu einen „Wettlauf“ zu inszenieren scheinen, wer sein Volk als erster in die Selbstauflösung führt. Als Indikator dient Deotto die neue Gesetzgebung zugunsten angeblicher „Rechte“ für Homosexuelle, bei deren Einführung sich die Politiker gegenseitig übertrumpfen wollen. Homosexuelle und andere LGBT-Selbstklassifizierte als neue, politisch hofierte und privilegierte Klasse. Deotto will keine Antworten geben, sondern einen Diskussionsprozeß anstoßen. Wir dokumentieren die Ausführungen Deottos als Diskussionsbeitrag.

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Wenn die Mächtigen das Volk verraten

von Paolo Deotto

Die jüngsten Entscheidungen des Königs von Spanien und des Präsidenten der USA werfen das ebenso dramatische wie ungelöstes Problem der Legitimation der Macht und der staatsbürgerlichen Gehorsamspflicht auf. Kann die Verpflichtung zum Gehorsam sich ändern und in äußersten Notfällen sogar zur Verpflichtung zur Auflehnung werden?

Zwei unterschiedliche Nachrichten haben einen gemeinsamen Nenner: die homosexuelle Versessenheit und die Prostitution der Politik gegenüber einer Ideologie, obwohl Staatsvertreter, an erster Stelle Staatsoberhäupter, in höchster Verantwortung stehen, für das Allgemeinwohl des ihnen anvertrauten Volkes zu wirken.

Obamas Ziele für die USA: „LGBT-Botschafter“

Aus den USA kommt die Nachricht, daß „Präsident Barack Obama ‘hart’ dafür arbeitet, daß es bis zum Ende seiner Amtszeit ‘lesbische, bisexuelle und transsexuelle Botschafter’ geben wird“.
In Spanien lädt der neue König Felipe VI. die LGBT-Organisationen in den königlichen Palast ein.

Ein Grund für diese Entscheidungen ist sicher politisches Kalkül oder banaler ausgedrückt, irgendein do ut des. In den USA spricht man davon, die Wahlkampfkassen der Demokratischen Partei für die Präsidentschaftswahlen für die Nach-Obama-Zeit zu sammeln, die am 8. November 2016 entschieden werden. Und die Mafia der Pervertierten verfügt über große Finanzmittel, wie das ganze Geschäft um Sex zeigt. Vielleicht meint der neue König von Spanien, einer seiner Titel lautet „katholische Majestät“, der Monarchie durch „Öffnung“ gegenüber der neuen Zeit neuen Schwung zu verleihen…

Politische Kalküle, die Zukunft aufs Spiel setzt inakzeptabel

Es mag tausend Kalküle für ein solches Verhalten geben, aber keines ist letztlich akzeptabel. Vielmehr könnten sich diese Rechnungen als vernichtende Fehler erweisen, denn die Geschichte hält häufig bittere Überraschungen für jene bereit, die zu sehr und zu lange offenkundig gegen das Gesetz Gottes handeln. Das gilt auch für jene, die soweit gehen, wie in den genannten Fällen, mit ihrer Autorität und ihrem Einfluß die Leugnung der Schöpfungsordnung zu unterstützen.
Zudem drängt sich einer weitere Überlegung auf: Wenn die Entscheidung Obamas, eines offenkundigen Abtreibungs- und Homo-Ideologen nicht weiter erstaunt, traf König Felipe VI. eine Entscheidung, die nicht nur einen schwer erschütterten Staat weiter erschüttert, sondern auch das regierende Königshaus und seine Traditionen in Unehre stürzt.

Die völlige Prostitution vor der tödlichen Homo-Ideologie wirft mit ganzer Wucht das grundsätzliche Problem des zivilen Zusammenlebens auf: die Rechtmäßigkeit in der Ausübung der Autorität und die daraus folgende Gehorsamspflicht für den Untertanen-Bürger.

Westliche Politiker betreiben Wettlauf zum Abgrund

Das Problem betrifft natürlich nicht nur die USA und Spanien. In der gesamten westlichen Welt findet ein Wettlauf zum Abgrund statt und in jedem Land liegen bereits Gesetzentwürfe vor, die eine Zeit einleiten sollen, die noch schlimmer und verabscheuungswürdiger ist, als die derzeitige.

In Zeiten der Normalität ist der Staatsbürger ohne Zweifel angehalten, der rechtmäßigen Autorität zu gehorchen und die von dieser erlassenen Bestimmungen einzuhalten. Dieser Grundsatz, der auch von der Kirche seit alters her gelehrt wird, hat jedoch seinen klaren Rahmen darin, daß die rechtmäßige Autorität im Sinne des Allgemeinwohls handelt. Wenn die Autorität, gleichgültig ob sie nun durch einen König oder einen Staatspräsidenten repräsentiert wird, nicht mehr das Allgemeinwohl verfolgt, sondern offenkundig gegen dieses handelt, kann sie dann noch als rechtmäßige Autorität betrachtet werden?

Bis wann üben schlechte Politiker ihre Autorität rechtmäßig aus?

Die Antwort lautet ohne Zweifel “Nein”, erst recht wenn sich das Handeln gegen das Allgemeinwohl nicht nur auf rein materielle und/oder organisatorische Probleme beschränkt, sondern geradezu das Zusammenleben selbst betrifft, die natürliche Ordnung, auf der die menschliche Existenz ruht. Absolut unrechtmäßig ist mit Sicherheit eine Ausübung der Autorität, die sogar das Seelenheil der Staatsbürger-Untertanten aufs Spiel setzt.

So gesehen, erscheint die Geste des spanischen Monarchen noch schwerwiegender als jene des Verantwortungslosen im Weißen Haus. Während Letzterer mit den nächsten Wahlen seine Macht verlieren wird (eine Wiederwahl ist nach zwei Amtsperioden nicht möglich) und – so Gott will – durch einen verantwortungsbewußten Präsident ersetzt werden könnte, vertritt König Felipe VI. die Kontinuität des Staates. Die Entscheidung des spanischen Königs, der zwar faktisch nur über eine begrenzte Autorität verfügt, ist von besonderer Schwere, weil sie die Perversion durch die moralische Autorität der Krone legitimiert, die Ausdruck von Stabilität und (göttlicher) Ordnung ist und die moralische und geistliche Gesundheit einer ganzen Nation aufs Spiel setzt.
In den vergangenen Tagen kam es bei Riscossa Cristiana zu einer sehr interessanten Diskussion über die Katholiken in der Politik und die Frage einer „katholischen Partei“.

Wie haben Katholiken zum Schutz des Allgemeinwohls zu reagieren?

Der anscheinend unaufhaltsame Wettlauf der westlichen Staaten in Richtung Selbstauflösung zwingt meines Erachtens ernsthaft ein weiteres Problem in Betracht zu ziehen, das, bei genauem Hinsehen, der Frage nach einer katholischen Partei und grundsätzlich der katholischen Präsenz in der Politik. Die derzeitigen politischen Systeme des Westens drängt es geradezu zu einer Diktatur der Perversion, die geradewegs – es ist nur eine Frage der Zeit – auf eine Katastrophe des zivilen Zusammenlebens zusteuert und eine Katastrophe des Staates, der eigentlich Garant für das zivile Zusammenleben sein sollte.
Die katholische Präsenz in der Politik wird immer mehr zu einer Chimäre, solange es auf der einen Seite immer weniger Katholiken gibt, wie aufgrund der schrecklichen Krise, die die Kirche heimsucht, unschwer absehbar ist, während auf der anderen Seite der Staat immer stärker eine heftige und immer radikalere antichristliche und damit widernatürliche Politik betreibt, die eine wirkliche Mitarbeit der verbliebenen Katholiken in der Politik unmöglich macht.

Abwesenheit der Kirche beschleunigt Verfall

Die Abwesenheit der Kirche, die weder den geringsten Protest weder gegen das Verhalten des spanischen Königs noch gegen die meisten diesbezüglichen politischen Projekte anderer westlicher Regierungen erhebt, läßt immer drängender eine andere dramatische Frage in den Vordergrund treten: Ist es nicht geradezu eine Pflicht, mit allen verfügbaren angemessenen Mitteln die politischen Lenker zu stoppen, wenn diese die ihnen anvertrauten Völker in den Ruin führen? Ist es nicht Pflicht, die Fahrt in Richtung Zerstörung mit allen verfügbaren, angemessenen Mitteln zu stoppen, bevor es zu spät ist? Wenn das rationem redde kommt, werden alle, Gerechte wie Ungerechte Rechenschaft ablegen müssen. Werden dann auch jene unter den Gerechten sein, die sich damit begnügt haben, zuzusehen oder bestenfalls im kleinen Kreis zu mißbilligen?

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Riscossa Cristiana

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14 Comments

  1. Manchmal hat es den Anschein, als ob die „Regierenden” seit einiger Zeit die von ihnen zuerst besetzten und dann überwachten Lebensbereiche der Menschheit einer immer größeren Beschleunigung unterzögen, um dadurch schneller an dem Punkt zu gelangen, von wo sie all die NWO-Pläne umsetzen werden. Alles nach dem Motto „Je schlimmer desto besser”. Die gesamte Genderagenda und die Anheizung der militanten Muslime dient als Auslösung von Konflikte, die dann gesteuert verwaltet werden.
    Das ist aber nicht unserer Bereich. Als Katholiken müssen wir besonders jetzt an allem festhalten, was die Pfeiler der Kirche („alte Messe”, die darauf gebaute private und gemeinschaftliche Frömmigkeit, Rosenkranz, Litanien und das tägliche Zeugen von der göttlichen Caritas und Misericordia) bildet und das unabhängig davon, was auf uns aus Rom zukommt (wir können all die negativen Erfahrungen auch als die Zeit der Probe für uns betrachten). Das ist unsere Aufgabe als Ecclesia militans.
    Um Tolkien zu zittieren: Was die zahlreichen Lords of the Rings angeht, wissen sie alle nicht, dass sie betrogen wurden.

  2. Eine sehr treffliche Abhandlung ! Der sogenannte „Friedensnobelpreisträger“ Obama verkörpert gleichsam die Diktatur der Perversion im Verbund mit dem Kult des Todes. Wie tief ist die Menschheit gesunken ? Der „mächtigste Mann der Welt“ als Vertreter der Abtreibungs- und Homolobby redet von „Frieden“ und ist selbst einer der grössten Zerstörer desselben.

    Die sel. Mutter Theresa von Kalkutta am 10. Dezember 1979 bei der Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo:
    -
    [….]
    Ich habe eine Überzeugung, die ich Ihnen allen mitteilen möchte:
    der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes.“
    -

    Welch ein Kontrast zwischen der Seligen und dem Todeskulter !
    Dass Letzterer auch „Friedensnobelpreisträger“ geworden ist, zeugt von der zunehmenden gesellschaftlichen Verkommenheit der letzten Jahrzehnte.
    Dass diesbez. die auf dem Papier „katholischen Monarchien“ auch kräftig mitmischen, ist verheerend, aber angesichts der dortigen kollektiven Feigheit und des kollektiven Verrätertums kaum mehr erstaunlich. Sowohl der ehem König v. Spanien Juan Carlo ( de facto exkommuniziert aufgrund seiner Unterschrift unter das mörderische Abtreibungs“gesetz“) wie auch der jetzige Felipe als Verbeuger vor der Homolobby oder auch der belgische König Philippe als durch Unterschrift Mittäter an der satanischen Euthanasie ( und somit ebenfalls de facto exkommuniziert) sind „humane“ Mitläufer im „zeitgemässen Wettrennen“ Richtung Abgrund.

    Und diejenigen, deren Pflicht es wäre ihre Stimme unmissverständlich und unüberhörbar nicht nur gegen diesen Verrat sondern überhaupt gegen den sich geschwürsartiggleich ausbreitenden Kult des Todes zu erheben, die Hirten in der Kirche ? Ausser einigen löblichen Ausnahmen auch hier ein nahezu kollektives Eintauchen im „dialogisierenden“ Wegschauen !

    Papst Pius XII. hat bereits im Jahre 1949 in einer eindrücklichen Mahnrede auf dem Petersplatz vor den Gefahren der kirchlichen Verbeugung vor dem Geist der Welt gewarnt:
    -
    „Wollt ihr eine Kirche, die schweigt,
    wo sie sprechen müsste,
    eine Kirche, welche das Gottesgesetz abschwächt,
    es an den Geschmack des menschlichen Willens anpassen will,
    wenn sie verpflichtet ist, es mit lauter Stimme zu proklamieren,
    eine Kirche, welche sich entfernt vom unerschütterlichen Fundament,
    auf welches Christus sie begründet hat,
    um sie bequem dem unbeständigen Stand der Tagesmeinung anzupassen
    oder sie der gerade gültigen Meinung preiszugeben
    [….]
    Geliebte Söhne und Töchter!
    Geistliche Erben einer ungezählten Legion von Bekennern und Märtyrern!
    Ist dies eine Kirche, die ihr verehrt und liebt?
    Würdet ihr in einer solchen Kirche die Linien des Angesichtes eurer Mutter erkennen?
    Würdet ihr euch einen Nachfolger des ersten Petrus vorstellen können, der sich solchen Ansprüchen beugen würde?“
    -

  3. In dem Artikel sind einige Ungereimtheiten:
    An einer Stelle formuliert der Autor, der moderne „Untertanen-Bürger“ könne heute nicht mehr in einfachem Gehorsam gegenüber den Autoritäten sein.
    Anschließend überlegt er sich, inwiefern Katholiken sich politisch formieren und einmischen sollten, dies aber in der problematischen Lage, dass Rom zu schwach reagiert auf aktuelle Probleme oder sogar antikatholische Weichenstellungen vornimmt.

    Zunächst berührt mich der kontradiktorische Begriff „Untertanen-Bürger“ seltsam. Ist das Ironie? Oder soll das ernst gemeint sein? Der Bürger ist niemals Untertan, und der Untertan ist niemals Bürger. Diese Begriffe sind einander ausschließend. Wer in einer Monarchie dem Monarchen und dessen Funktionsträgern unterstellt ist, ist ein „Untertan“. Wer Glied einer Demokratie ist, deren Souverän das Staatsvolk selbst ist, ist „Bürger“. In der Monarchie wird im besten Fall ein göttliches Recht zugrunde gelegt, dem sich auch der Monarch beugen muss. In seinem „Reich“ existiert kein „Mitspracherecht“. Was vorgelegt wird, muss befolgt werden. Aber so einfach ist das und war das ja nie: viele Jahrhunderte, ja über ein Jahrtausend lernte das Abendland alle Fallgruben und Nachteile der Monarchie schmerzlichst kennen, auch in der Dualität zum Papsttum, dessen Funktion im Grenzbereich zwischen politischem Machtamt und geistlichem Lehramt ja nie sauber geklärt werden konnte. Das Vaticanum I hat es versucht, nachdem das Papsttum einen Großteil seiner weltlichen Macht eingebüßt hatte, und die Unfehlbarkeit des Papstes definiert – auch was die Sitten betrifft. Nur welche „Sitten“? Nur die kirchlichen? oder auch die weltlichen? Man muss erkennen, dass die Päpste damit nicht fertig wurden, dieses Problem zu lösen. Leo XIII., berühmt als „Arbeiterpapst“, hat einen gewissen politischen Ausweg vorformuliert, die Soziallehre, das Subsidiaritätsprinzip, einen Ständestaat – vielleicht, aber er lebte noch unter „monarchischer politischer Realität“. Dann kam Pius X., der nüchtern sah, dass die Kirche nicht so weitermachen konnte wie bisher. Er wird geahnt haben, dass die Tage der Monarchie und des Untertanen gezählt waren, Tage, die nicht nur gut und glanzvoll, sondern in vielem total rechtlos und böse waren. Warnt Gott nicht schon im AT vor der Monarchie, vor dem Königtum? Viele Katholiken, die sich weit zurücksehen, haben vergessen, dass Gott kein Königtum wollte, dass es bedeutet, IHN zu verwerfen. Er lässt den Propheten Samuel dies dem Volk vortragen, aber das Volk will unbedingt eine Monarchie. Die Kämpfe des Mittelalters und der frühen neuzeit zeigen, dass die Monarchie ein Tummelplatz von macht, gewalt und einer verfassungsmäßigen Unklarheit zwischen „Rex“ und „sacerdos“, ein ewiges Tauziehen um die Macht, ganz und gar nicht aber das Abbild Jesu Christi war, der eben gerade nicht solche Macht ergriffen oder je erkämpft hätte.

    • Hat unser Herr nicht sogar ausdrücklich den politischen Kampf um die Macht – gerade auch den scheinbar gerechten Kampf – abgelehnt? Und wurde er nicht dessen beschuldigt vom Hohen Rat, von Pilatus aber davon ausdrücklich freigesprochen?
      Die aufkommenden Demokratien, die russische Revolution und die schon lange in den USA bestehende Bürgergesellschaft, erlaubten kein reines katholisches Selbstverstädnis mehr, zumal in einigen Staaten dies ohnehin aufgrund der konfessionellen Unterschiede schon vorher ausgeschlossen war: cuius regio eius religio! Im Klartext: die hroische gute alte katholische Welt war Ergebnis knallharter Machtpolitik. Wieviel echter Glaube lag dem bei den Untertanen zugrunde? Zeigen nicht die Eskalationen (Hexenwahn, Judenpogrome, Kriege zwischen den einzelnen christlichen Herrschern, „Bürger“kriege), dass der Glaube ganz und gar nicht tief ging und keine schlimme Sünde verhindern konnte. Kein König, der nicht hurte, fraß und gewalttätig war, oft auch: kein Papst, der nicht so war – alles ach so katholisch. wäre dies alles so stabil gewesen, warum fiel es in sich zusammen wie ein Kartenhaus, schon früh, schon im Mittelalter, erschreckend zu sehen bei den Exzessen der Kreuzzüge, die so nicht geplant waren, und am Ende den Aufstieg des Islam in Europa, den Fall Ostroms überhaupt erst so richtig ermöglichten…?

      Nein, wir lügen uns etwas in die Tasche, und kein Aufstand der Menschen gegen die Kirche oder die Monarchie war ohne Grund. Nur erkannten die Aufständischen nicht, so wie auch heute kämpferisch gesinnte Katholiken, dass es keine Lösung gibt, und dass sie uns auch nicht verheißen ist. Nota bene: uns ist, wenn wir das Schwert in die Hand nehmen, kein Friede verheißen. Jesus wies Petrus zurecht, als der zur Verteidigung seines Herrn das Schwert zückte.

      Ich fürchte, auch wenn viele das nicht hören wollen – wer seinem Herrn nachfolgt, nimmt nicht ein Schwert in die Hand, sondern das Kreuz auf die Schulter. „Wer das Schwert nimmt, kommt durch das Schwert um!“ sagte Jesus. Auch gewaltfreie politische Aktion, die nicht Zeugnis geben, sondern Macht erringen will, fällt darunter.

      Die große Ungereimtheit, die keiner lösen kann, ist die, dass jede politische Aktion ohnehin nicht ohne lehramtliche Führung passieren darf. Wir haben leider keine Lösungen. Und auch der verehrte Pius X. hatte schlichtweg keine Lösungen: er erkannte das Problem und benannte es. Er ließ die Kleriker den Antimodernisteneid sprechen, aber er wusste ja, wie ihre Taktik aussah, musste sich also klar sein, dass sie jeden Eid schwören würden, um an ihr Ziel zu kommen. Dabei hat er das Verhältnis zwischen Staat und Kirche nicht geklärt und auch nur widersprüchlich behandelt. Man kann daraus keine Orientierung ableiten. Das ist sein großes Manko. Und nach ihm hatte man keine Zeit mehr, diese Frage zu lösen, bis das Konzil das Schiff in eine ganz falsche Richtung abtrieb. Und nun?
      An diesem Dilemma wird der Traditionalismus ersticken und sich auflösen

      • Verehrte zeitschnur, vielen Dank für Ihre zwei Beiträge. Ich stimme Ihnen zu, die Neigung zu unkritischer Verklärung der Vergangenheit ist ein großer Schwachpunkt bei vielen Traditionalisten.

        Die Welt war vor 1517, 1789, 1917 oder 1962 eben nicht „besser“, weil die Menschen, auch tiefgläubige Katholiken, doch alle Sünder sind und reichlich gesündigt haben.

        Es ist natürlich einfach, wie hier kürzlich geschehen, gegen Heinrich VIII. und die Anglikanische Kirche herumzupöbeln, und dabei zu vergessen (verdrängen?), daß auch ein überzeugter Katholik und Kämpfer gegen die Reformation wie Kaiser Karl V. es mit der ehelichen Treue nicht so genau nahm.

        Etwas verstört hat mich jedoch Ihr Satz: „wer seinem Herrn nachfolgt, nimmt nicht ein Schwert in die Hand, sondern das Kreuz auf die Schulter.“

        Der ist ja richtig, aber würde das nicht in letzter Konsequenz bedeuten, das Christen jedes Unrecht und jede Gewalt von staatlicher (und anderer) Seite ertragen und erdulden müssen, ohne sich zu wehren, außer vielleicht mit passivem Widerstand?

        Ist wirklich nur der ein echter Nachfolger Jesu, der leidet? Der alles Übel hinnimmt, ohne dagegen etwas anderes zu unternehmen, als mit Worten?

        Ist das wirklich der Wille Gottes, daß wir weitgehend passiv alles Leid auf uns nehmen sollen? Daß wir nur dann „gute Christen sein können, wenn wir in Not sind?

        Wo ist da der Unterschied zu jenen Geistlichen, die den notleidenden, hungernden Menschen in der Vergangenheit erklärt haben, diese „Ordnung“, in denen es ihnen schlecht ging und anderen sehr gut, sei von Gott und jeder Widerstand dagegen sei Widerstand gegen Gott? Der sie für ihr Leiden zwar reich belohnen werde, aber erst im Jenseits?

        Durch diese Haltung hat die Kirche doch im 19. Jahrhundert die Arbeiter an die Sozialisten verloren, weil den ausgebeuteten Arbeitern das nicht mehr genügte. Und die sich von einer Kirche abgewendet haben, die sich lieber auf die Seite der „Herrschenden“ stellte, die ihre Rechte und Privilegien sicherten, anstatt sich in wahrer Nachfolge Christi auf die Seite der „Mühseligen und Beladenen“ zu stellen, bzw. das einzelnen Priestern oder Mönchen und Nonnen „vor Ort“ überließ.

      • Ich denke einfach, dass dieses Dilemma zum lacriamarum valle gehört, in dem wir leben.
        Es war früher nicht besser, und es wird in Zukunft wohl auch nicht besser werden, es ist dem Menschen nicht erlaubt sich auf dieser Erde wohnlich einzurichten, es wird nie, einen guten, christlichen Gottesstaat geben, der zwar, nach einem Wort des heiligen Augustiuns ein Vorbild an Wohlfahrt und innerer, harmonischer Ordnung und innerem Frieden, wäre, aber sagt der heilige Augustinus „es ist nunmal so, der eine nimmt das Evangelium an, der andere verwirft es, und der dritte tut nur so, als ob er es annehmen würde“. Und so wird das eben nix mit dem vorbildhaften christlichen Staat.
        Nur gilt auch das andere Wort des gleichen Heiligen „Ein Staat ohne Gott ist im besten FAll, eine gut organisierte Räuberbande!“
        So bleibt, dass der Christ versuchen muss, jede Staatsform mit Christus zu durchdringen, im festen Wissen, dass alles was er auf dieser Erde schafft unter die Abteilung fällt „Die Gestalt dieser Welt vergeht!“

      • @ Chorbisch

        Ihre Frage ist berechtigt! Für meine Begriffe liegt das Problem in der Relation Kirche-Staat. Wenn Sie den Brief des hl. Paulus an Philemon lesen, wird der entlaufene Sklave aufgefordert zurückzukehren – da ist nichts mit Aufbegehren etc.
        Jesus selbst hat ja alle Erwartungen an diejenigen, die einen siegreichen militanten Messias erwartet hatten, schwer enttäuscht. Das führte Judas zum Verrat.
        Ich bin nicht das Lehramt und kann da nichts entscheiden, nur hinweisen auf die Problematik und die Aussagen in der Schrift. Christen haben einige Jahrhunderte keine politische Macht gehabt und auch nicht angestrebt – in der Nachfolge des Herrn. Viele der ersten Martyrer starben wirklich nur für IHN, ohne den Sinn zu kennen – nicht für irgendwelche irdischen Ziele.
        Mir fiel auf, dass Pius X. keine Antworten vorbringen konnte. Er hat eine „Reform“ angefangen, die aber mehr oder weniger rein innerkirchlich verortet war und die Beziehung in die Welt nicht wirklich klärte. Er ist in seinen Texten da widersprüchlich, wie es mir scheint. Einerseits will er die Kirche „reinigen“ von allem säkularen Ballast, andererseits findet er die Trennung von Kirche und Staat „unnatürlich“, wie er sagte. Es ist deutlich, dass hier zwei Denktraditionen aufeinander prallen.
        Die historischen Fakten sind jedoch eindeutig und offenbaren, dass es das katholische Traumreich niemals gab. Im MA rangen Papst und Kaiser/bzw. König um die Macht, wer wem Weisungen geben darf und in welchen Bereich. Wie oft endeten diese Zwiste in kriegerischen Auseinandersetzungen, bei denen viel Blut floss? An kirchliche Moral fühlten sich die Alten, sobal sie etwas Macht hatten, kaum gebunden. Sie haben ganz recht – Karl V. wird als „frommer“ Katholik beschrieben. Ach ja? Kann ich da nur fragen. Wie das bei diesem Konto beim 6. Gebot? Diese Mätressenwirtschaft als Zeichen der „Frömmigkeit“?

        Wie immer – die Frage lautet: wie weit sind wir in der Welt und wie weit sind nicht von der Welt? Es genügt nicht, die Liturgie zu retten und ansonsten ein gottseliges katholisches Arkadien zu erfinden, das eine teils kitschige, teils gewalttätige Illusion ist. Das heißt, das Haus auf Sand zu bauen.
        Die Kirche hat dem Staat immer zugestanden, bewaffneten Kampf zu führen, wenn er unumgänglich scheint. Aber wo ist die Grenze, wenn es um die Grauzone weltlicher und geistlicher Dinge geht?

      • Hört! Hört! Um Henry VIII. und dessen anglikanischen Protestanten, die hier angeblich „angepöbelt“ wurden, zu verteidigen, wird ohne jeden Zusammenhang Karl V. herangezerrt. Warum nicht gleich Hitler, der war doch auch Katholik?

        Aber selbstverständlich ziehe ich einen Kaiser als Vorbild vor, der eingedenk seiner Regierung abgedankt und sich für seine letzten Jahre still in ein Kloster zurückzog und auf den Tod vorbereitete. (Ich vermute mal: ohne Pianoforte und „Kommissar Rex“.)

      • @ Carlo

        Der Zusammenhang, den Sie nicht sehen können, ist vorhanden:
        Es geht darum, dass Monarchen wie Karl V. ohne mit der Wimper zu zucken, auf Deutsch, informell ihr Lotterleben lebten, Mätressen hatten, illegitime Kinder zeugten und anerkannten, daneben aber „äußerst fromm“ waren. Man fragt sich heute: Welche Moral hatten denn diese Herren damals? In der guten alten Zeit, als noch alles im Lot war, und wiederverheiratet Geschiedene nicht zur Kommunion durften? Und nun komme mir bitte nicht wieder ein Schlaumeier und sage, das sei halt früher üblich gewesen. Nein! Die ersten Missionare auf germanischem Boden haben sofort diese Hurenwirtschaft bekämpft, auch bei den Königen, manchen die Taufe verweigert, solange sie dieses Leben nicht aufgaben. Nein! Das ist kein Kavaliersdelikt und war – zumindest für echte Katholiken – auch nie eines! Ob wohl der tieffromme Karl V. auch einfach zur Hl. Kommunion ging? Wie man das wohl gehandhabt hat, wenn jeder wusste, der Monarch hat nachts illegitimen Besuch?
        Irgendetwas hängt schon schief, wenn man Heinrich VIII. (zu recht) für seine Scheidung und Wiederverheiratungssache kritisiert, ja, sich den Kampf des Thomas Morus heute auf die Fahnen schreibt – alles gut, keine Frage – aber beide Augen zudrückt, wenn es darum geht, wahrzunehmen, dass die „katholischen“ Monarchen, die die Reformation bekämpften, selber ein schmutziges leben in Todsünde lebten. Wenn Autoren nicht zu davon absehen, zu sagen, die Reformation gründe auf dem ungezügelten Geschlechtstrieb, dann muss man wirklich zurückfragen, worauf denn dann die katholische Monarchie samt langen Phasen des Papsttums gründete?
        Was ist wohl besser? Zu huren, oder sich zu scheiden und wiederzuverheiraten?
        Als Karl V. die Reformation bekämpfte, war er noch nicht im Kloster und hatte auch noch nicht abgedankt.

        Ich hoffe, dass Sie den Zusammenhang nun besser verstehen – es darf nicht das geschehen, was dem Katholizismus schon immer vorgeworfen wurde: Bigotterie, das Messen mit zweierlei Maß und Doppelmoral.

        Das Beipiel zeigt uns, dass Sünden gegen das 6. Gebot auch schon zu anderen Zeiten massiv und sogar noch durch die Päpste und Könige selbst massiv und permanent gebrochen wurde und sicher keinen davon abgehalten hat, zur Hl. Kommunion zu gehen.
        Die Frage wäre hier, wie groß das Sündenbewusstsein damals war. Allenfalls in dem Bereich könnte in Nuancen etwas anders gewesen sein als heute. Bin aber skeptisch. Denn allzu viele Heilige beklagten die Uneinsichtigkeit und Verkommenheit der Zeitgenossen…

      • @zeitschnur

        Besten Dank, aber des Chorbischs Beitrag resp. dessen Tenor in der betreffenden Passage steht ja immer noch da und lässt sich somit nachlesen.

        Mir ging es keineswegs darum, Karls Untaten zu seiner Regierungszeit in irgendeiner Weise zu relativieren; Sie haben – einige davon – trefflich aufgeführt (hoffentlich sind wir besser!). A B E R: Er dankte ab und verstarb sang- und klanglos als BÜßER im Kloster. Unterstellt, es war ihm damit ernst, kann ich nicht glauben, dass dies nur für den lieben Gott, nicht aber für Sie maßgeblich ist (Ironie aus).

        Dies völlig unbeachtet zu lassen, um die schismatische „Anglikanische Kirche“ des Henry VIII. entsprechend aufzumöbeln (DARUM ging es ja Chorbisch!), ist eine bewusste Reduktion. Was haben Zeitgenossen über dessen 6 armen Frauen gesungen? „Geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, überlebt.“ Und wie stirbt ein solcher? Unter Wikipedia nachzulesen.

        „Kurz vor seinem Tod wog er über 160 kg, sein Bett musste mit Holzbalken verstärkt werden, um das Gewicht tragen zu können. […] Heinrich […] verschwand […] als kranker, herrschsüchtiger Monarch, der England in diverse, völlig fruchtlose Kriege mit Schottland und Frankreich geführt, eine Kirchenspaltung verursacht und die wohlgefüllte Staatskasse geleert hatte.“

      • @ Carlo

        Vielen Dank für Ihre Ausführungen! Ich habe Chorbisch nicht so verstanden, als ob er über den von ihm selbst benennten Aspekt hinausargumentiert hätte und mich darum selbst auch nur auf einen Einzelaspekt bezogen.

        Ich danke Ihnen aber für Ihren wichtigen Hinweis auf das „Auf das Ende muss man schauen“ (Karl V. war ja kein besonders bösartiger Sonderfall, sondern eher noch ein „harmloser“ Monarch war, was die betreffenden Ausschweifungen betrifft – es ging mir nur um die eingegrenzte Frage nach der Treue zum 6. Gebot auf beiden Seiten, und die Einhaltung dieses Gebotes sagt schon viel aus über einen Menschen!).
        Sie haben Recht – bei Karl V. kann man erkennen, dass er seine Sünden vielleicht bereute. Bei Heinrich VIII. zog die eine schwere Sünde die nächsten schweren Sünden nach sich (Morde!) und auch Völlerei etc. und offenbar – soweit es uns zusteht das zu beurteilen – totale Uneinsichtigkeit.

    • @zeitschnur.

      Dank geht zurück!

      Ja, hoffen wir, dass jener Tunichtgut – vielleicht im allerletzten Augenblick – noch ehrlich bereuen konnte; wenn wir bis zum Ende „durchhalten“, werden wir’s erfahren… Aber es führt mir jetzt einmal mehr vor Augen:

      Wie groß ist der HERR !

  4. „Verpflichtung zur Auflehnung“?

    Wenn man bereit ist, für 5 bis 10 Jahre in den Knast zu gehen – zu Mördern und Vergewaltigern, gegen die man als normaler Mensch KEINERLEI Chance hat – dann: Ja.

    Da die heutige, verbürgerlichte Kirche einem nach so einem Gefängnisaufenthalt NICHT helfen würde, ist das eine sehr schwere Entscheidung.

    • ja das stimmt so leider, höchstens man konvertiert im Knast zur „Religion des Friedens“ und macht „Karriere“ als Drogendealer.
      Wenn man dann noch seine katholischen Herkunft verschweigt, dann hilft einem die Kirche danach bestimmt!

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